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Obst und Gemüse, Foto: Yantra- Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Ernährung und Krebsvorbeugung

Kann gesunde Kost das Krebsrisiko senken?

Unser Lebensstil beeinflusst unsere Gesundheit. Die Lebens- und Essgewohnheiten spielen auch bei der Entstehung vieler Krebsarten eine Rolle. Welche Krebsarten lassen sich durch die Ernährung beeinflussen, welche nicht? Wie ernährt man sich am besten, um das Krebsrisiko gering zu halten?

Im folgenden Text hat der Krebsinformationsdienst zusammengestellt, was man mit ausgewogener Ernährung bewirken kann und warum besondere Krebsdiäten überflüssig sind. Linktipps und Literaturangaben zeigen, wo man weitere Informationen findet.

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Quellen und Links

Die für diesen Text im Wesentlichen genutzten Quellen sind am Textende aufgeführt.

Gesund bleiben: Warum gehört die Ernährung zur Krebsprävention?

Essen ist Genuss, Kultur, Tradition - und eine schlichte Notwendigkeit. Ist es auch ein Grund zur Sorge? Hunger muss in Deutschland kaum noch jemand fürchten. Doch gerade in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit von Lebensmitteln und diversen "Moden" scheint es immer komplizierter zu werden, sich richtig zu ernähren. Was ist gesund? Und was kann dem Körper schaden? Muss alles Bio sein? Reichen die Nährstoffe in der Nahrung, oder braucht man Vitamintabletten, um sich vor Krebs zu schützen?

Dazu ist in den vergangenen Jahrzehnten viel geforscht worden. Bei allen nachgewiesenen Schadstoffen einerseits und den vielfältigen möglichen Schutz- und Vitalstoffen andererseits kommen Wissenschaftler heute zu dem Schluss: Eine abwechslungsreiche Kost, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist, ist am besten geeignet, um das Krebsrisiko zu senken. Inzwischen weiß man auch, dass nicht nur zählt, was man isst: Auch die Energiebilanz und das Körpergewicht spielen eine große Rolle. Deshalb lässt sich eine gesunde Ernährung, die vor Krebs schützt, nicht von körperlicher Bewegung trennen.

Zusammenhänge: Welche Krebsarten werden durch die Ernährung beeinflusst?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht heute davon aus: Rund 30 Prozent aller Krebsfälle in den westlichen Ländern sind auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen. Körpergewicht, Bewegung und Ernährung beeinflussen das Risiko für die Krebsarten, die in Deutschland am häufigsten sind, wie etwa Brustkrebs, zumindest bei Frauen nach den Wechseljahren, oder Darmkrebs.
Übergewicht ist dabei ein wesentlicher Risikofaktor. Das haben Studienauswertungen durch die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) und durch den World Cancer Reasearch Fund (WRCF) gezeigt. Die IARC geht davon aus, dass Übergewicht das Risiko für mindestens 13 Krebsarten erhöht.

Aber auch die Zusammensetzung der Ernährung spielt eine Rolle: Es gibt Lebensmittel, bei denen Fachleute von einer schützenden oder risikosteigernden Wirkung ausgehen. So zählen beispielsweise ballaststoffreiches Getreide sowie Obst und Gemüse zu den risikosenkenden Lebensmitteln. Rotes Fleisch und Fleischerzeugnisse wie Wurst oder Schinken stehen im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.
Als gesichert gilt der schädigende Effekt von Alkohol. Der Konsum von Alkohol ist an der Entstehung von Mundhöhlenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Lebertumoren und Dick- und Enddarmkrebs sowie von Brustkrebs (bei Frauen) beteiligt.

Details: Einzelne Tumorarten, besondere Risikofaktoren

In ihren Faktenblättern stellen die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, was an gesicherten Zusammenhängen vorliegt. Demnach gilt als gesichert:

  • Übergewicht wird bei der WHO mit der Entstehung für mehrere Tumorarten in Verbindung gebracht, darunter Darmkrebs, Leberkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs, Gallenblasenkrebs, Gebärmutterkörperkrebs und Nierenkrebs.
  • Mit dem Alkoholkonsum wächst laut WHO das Risiko von Krebs der Mundhöhle, des Rachenraums und des Kehlkopfes. Auch die Wahrscheinlichkeit, an Krebs der Speiseröhre, der Leber oder an Brustkrebs zu erkranken, erhöht sich mit zunehmendem Alkoholkonsum.
  • Bewegung und Sport schützen vor Brustkrebs und Dickdarmkrebs.

Vorbeugung: Was lässt sich erreichen, was nicht?

Auch eine noch so gesunde Lebensweise bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor Krebs. Es gibt junge sportliche Menschen, die scheinbar aus heiterem Himmel an Krebs erkranken: weil es irgendwo in ihrem Körper bei einer Zellteilung zu einem zufälligen genetischen Fehler kam, weil weitere Fehler schließlich zu einem Tumor führten. Genauso kennt jeder die Einzelbeispiele von stark übergewichtigen Rauchern, die trotz ihrer ungesunden Lebensweise sehr alt geworden sind.

Woran liegt das? Bei ihren Aussagen stützen sich Ärzte und Forscher auf statistische Angaben. Diese beziehen sich immer auf größere Bevölkerungsgruppen und zeigen Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten auf.

Es ist sinnvoll, gesund zu essen, Übergewicht zu vermeiden und sich viel zu bewegen – auch wegen der Vorbeugung anderer Erkrankungen. Sollte trotzdem Krebs auftreten, so bedeutet dies nicht, dass man sich falsch ernährt oder wichtige Faktoren übersehen hat. Niemand ist "schuld" an seiner Erkrankung.

Forschung: Wie wird der Einfluss auf das Krebsrisiko ermittelt?

Welche Lebensmittel oder Nährstoffe einen günstigen oder ungünstigen Einfluss haben, wird nicht nur im Labor untersucht. Eine wesentliche Rolle spielt die so genannte epidemiologische Forschung. Sie beruht auf der Befragung großer Gruppen von Menschen nach ihren Ernährungsgewohnheiten. Diese setzen die Krebsforscher mit der Krebshäufigkeit der Befragten in Beziehung.

Solche Studien können "retrospektiv" durchgeführt werden: Dann interviewt man Krebspatienten, wie sie vor dem Auftreten ihrer Erkrankung gelebt und sich ernährt haben. Aussagekräftiger sind jedoch so genannte "prospektive" Studien: Hier wird zu Beginn der Untersuchung Gesundheitszustand und Lebensstil der Studienteilnehmer erfasst. Im Verlauf der Studie prüft man dann in regelmäßigen Abständen, wie sich die Gesundheit der Teilnehmer verändert.

Um den Einfluss der Ernährung auf das Krebsrisiko zu erfassen, laufen epidemiologische Studien oft über Jahre oder Jahrzehnte, bis aussagekräftige Ergebnisse vorliegen. Sie bauen auf großen Teilnehmerzahlen auf, um auch noch so kleine einzelne Einflussfaktoren herauszufiltern. Einige Beispiele für solche Studien hat der Krebsinformationsdienst für Interessierte und Fachkreise im Abschnitt "Zum Weiterlesen" zusammengestellt.

Richtig auswählen: Wie kann man durch gesundes Essen das Krebsrisiko senken?

Will man sein Krebsrisiko senken, kommt es auf die gesamte Ernährungsweise an - es reicht nicht aus, sich nur auf einzelne Aspekte zu konzentrieren. Isolierte Nährstoffe in Tabletten- oder Pulverform sollte man nur bei einem tatsächlichen Mangel und in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arztes einnehmen.

Woran kann man sich orientieren? International anerkannte Institutionen haben wissenschaftlich fundierte Empfehlungen herausgegeben. Allen ist gemeinsam: Sie beziehen sich nicht nur auf das, was man essen oder nicht essen sollte. Bei einem gesunden Lebensstil ist die Ernährung untrennbar von körperlicher Aktivität und der Vermeidung von Übergewicht.

Beispiele: Welche Empfehlungen für eine gesunde Ernährung gibt es heute?

Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt mit dem Europäischen Kodex zwölf Möglichkeiten, wie man sein Krebsrisiko senken kann. Mit dieser Zusammenstellung bringen Fachleute die Erkenntnisse aus hunderten von Einzelstudien in alltagstaugliche Empfehlungen. Darunter finden sich auch Tipps zur gesunden Ernährung und zur Bewegung:

  • Legen Sie Wert auf ein gesundes Körpergewicht. (Regel 3)
  • Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung im Alltag. Verbringen Sie weniger Zeit im Sitzen. (Regel 4)
  • Ernähren Sie sich gesund: Essen Sie häufig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Schränken Sie Ihre Ernährung mit kalorienreichen Lebensmitteln ein (hoher Fett- oder Zuckergehalt) und vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke. Vermeiden Sie industriell verarbeitetes Fleisch, essen Sie weniger rotes Fleisch und salzreiche Lebensmittel. (Regel 5)
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum. Der völlige Verzicht auf Alkohol ist noch besser für die Verringerung Ihres Krebsrisikos. (Regel 6)

Die vollständigen Empfehlungen führt der Krebsinformationsdienst in seinem Text zum "Lebensstil und Krebsrisiko" auf.

World Cancer Research Fund

Der World Cancer Research Fund (WCRF) ist eine weltweit tätige Organisation, die sich für Krebsprävention durch Ernährung und Bewegung einsetzt. Die Wissenschaftler des WCRF geben zur Vorbeugung von Krebs folgende neun Empfehlungen heraus:

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
  • Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten täglich und versuchen Sie, weniger zu sitzen.
  • Vermeiden Sie sehr kalorienreiche Lebensmittel und auch zuckerhaltige Getränke (wie etwa Limonaden oder Fruchtsaftgetränke).
  • Verzehren Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte).
  • Reduzieren Sie den Konsum von rotem Fleisch und vermeiden Sie verarbeitete Fleischwaren (also zum Beispiel Wurst, Schinken oder Gepökeltes).
  • Vermeiden Sie Alkohol.
  • Reduzieren Sie den Salzkonsum und vermeiden Sie verschimmelte Getreideprodukte.
  • Vermeiden Sie Nahrungsergänzungsmittel.
  • Stillen Sie als Frau Ihr Kind für mindestens sechs Monate.

Diese Empfehlungen sind in ausführlicher Form in englischer Sprache auf der Internetseite des WCRF erklärt.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Nicht wesentlich anders sieht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihre Empfehlungen für eine allgemeine vollwertige Ernährung. Diese Empfehlungen haben nicht ausdrücklich zum Ziel, Krebs vorzubeugen, sie sollen vielmehr allgemein die Gesundheit erhalten und Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit fördern.

  • Die Lebensmittelvielfalt genießen
  • Reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln
  • Gemüse und Obst - nimm "5 am Tag"
  • Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal in der Woche,
  • Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
  • Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
  • Zucker und Salz in Maßen
  • Reichlich Flüssigkeit
  • Schonend zubereiten
  • Sich Zeit nehmen und genießen
  • Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Ähnlich wie die hier aufgeführten Empfehlungen sehen auch in anderen Ländern die Ratschläge von Experten aus, bis hin zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur gesunden Ernährung.

Ganz wichtig ist den Forschern ein weiterer Aspekt: Die Studien zur Krebsvorbeugung bei Gesunden lassen sich nicht unbedingt auf die Situation bereits Erkrankter übertragen. Krebspatienten, denen es an sich gut geht, können sich an den allgemeinen Empfehlungen orientieren. Wer jedoch an Gewicht verloren hat oder weiter abnimmt, wer nicht alles verträgt oder unter Übelkeit leidet, kann sich an seinen Arzt, an einen professionellen Ernährungsberater oder eine professionellen Ernährungsberaterin wenden.

Warum gibt es keine Diät, mit der man Krebs vorbeugen kann?

Es gibt bislang keine Beweise dafür, dass einzelne Inhaltsstoffe oder Lebensmittel eine Krebserkrankung verhindern können. Einseitige Diäten, die auf ganz bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe setzen - sei es eine einzelne Gemüseart, ein besonderer Tee oder der Verzicht auf Kohlenhydrate - können mehr Schaden anrichten als dass sie nützen. Denn: Gezielte Krebsdiäten sind das genaue Gegenteil der gesunden Vielfalt und Ausgewogenheit, zu der Ernährungsexperten heute raten.

Wer sich unsicher ist, ob seine Ernährung ausreichend ist oder die genannten Empfehlungen wegen Unverträglichkeiten nicht einhalten kann, sollte sich an seine Ärzte wenden. Sie können bei Bedarf auch qualifizierte Ernährungsberater nennen. Bei der Suche nach Ansprechpartnern, die nach wissenschaftlichen Kriterien arbeiten, helfen auch die Krankenkassen weiter.

  • Wirksame Krebsdiäten gibt es nicht – dieser Satz gilt auch für Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind.

Bisher gibt es keinerlei Beweise dafür, dass man durch besondere Diäten, Entgiftungen, Saftkuren oder ähnliche Rezepte Krebs beeinflussen kann. Warum viele vermeintliche Krebsdiäten für Patientinnen und Patienten regelrecht gefährlich sein können und was wirklich hilft, hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zur "Ernährung bei Krebs" Krebsdiäten zusammengestellt.

Normalgewicht – Übergewicht: Warum gilt heute die Energiebilanz als entscheidend?

Die Empfehlungen in den oberen Abschnitten haben es schon erklärt: Es ist nicht nur wichtig, was man isst, sondern auch wie viel, und wie viel Energie man gleichzeitig verbraucht. Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Übergewicht das Risiko für mehrere Krebsarten steigert. Das heißt: Nicht nur die aufgenommenen Kalorien beeinflussen das Gewicht, sondern die Energiebilanz insgesamt. Mit ausreichender Bewegung kann man sein Krebsrisiko ebenfalls senken.

Zwar gab es in jüngerer Zeit viele Diskussionen darum, was genau als Normalgewicht gilt, was als Übergewicht, und wann man sogar als "fettleibig" eingestuft wird. Diskutiert wird auch, mit welcher Methode man Übergewicht am besten messen kann.

Was Studien belegen, ist jedoch eindeutig: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hat einen Zusammenhang zwischen steigendem Körpergewicht und dem Risiko für mindestens 13 Krebsarten festgestellt: Darmkrebs, bestimmte Formen von Speiseröhrenkrebs, Nierenzellkrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Brustkrebs während und nach den Wechseljahren, Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gallenblasenkrebs, Eierstockkrebs, Krebs des Mageneingangs, Schilddrüsenkrebs, das multiple Myelom und eine Form von Hirntumoren, sogenannte Meningeome.

Woran liegt es, dass Übergewicht das Krebsrisiko erhöht? Übergewicht - und dabei vor allem das Bauchfett - führt zu einem veränderten Stoffwechsel mit erhöhten Blutfett- und Blutzuckerwerten. Man spricht bei dieser dauerhaften Schieflage des Stoffwechsels auch vom metabolischen Syndrom. Es zieht weitere Veränderungen im Körper nach sich: Insbesondere Sexualhormone sowie Botenstoffe, die Entzündungen fördern, werden vermehrt gebildet, auch die Wirkung des körpereigenen Hormons Insulin im Zuckerstoffwechsel lässt nach. Die Hinweise haben sich in den letzten Jahren verdichtet, dass das metabolische Syndrom bei der Krebsentstehung eine Rolle spielt.

  • Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) nennt als wichtigste Ernährungsaussage zur Vermeidung von Krebs: "Nur so viel essen, dass man nicht zunimmt".

Rückstände und Schadstoffe: Ist Bio besser?

Lebensmittel werden in Deutschland streng überwacht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt jährlich Berichte zur Belastung verschiedener Lebensmittelgruppen mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, Düngemitteln und anderen Schadstoffen heraus. Dabei greift das BVL auf Daten der Kommunen und Länder zurück. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) macht auf besondere Belastungen bei Lebensmitteln aufmerksam. Produkte aus ökologischem Landbau werden in größeren zeitlichen Abständen oder auch nur regional gesondert ausgewertet.

Das Ergebnis: Die meisten Lebensmittel in Deutschland sind schadstoffarm, echte "Ausreißer" sind selten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in Untersuchungen von Lebensmitteln festgestellt, dass die Rückstände bei mehr als 97 Prozent der Lebensmittel aus der Europäischen Union unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Trotzdem gilt: Bioprodukte sind in der Regel noch deutlich weniger mit Pflanzenschutzmittelrückständen belastet. Unterschiede in der Qualität bei "Bio" vom Discounter oder vom Fachhandel gibt es nicht.

Was man auch wissen sollte: Die gesundheitliche Gefährdung hängt nach aktuellem Kenntnisstand eher davon ab, wie viel man über längere Zeit insgesamt von einem Pflanzenschutzmittel aufnimmt und nicht davon, ob in Einzelfällen Grenzwerte überschritten sind. Um die Aufnahme von Rückständen möglichst gering zu halten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), sich möglichst abwechslungsreich mit saisonalem Gemüse und Obst zu ernähren.

Hintergrund: Welche einzelnen Nährstoffe können das Krebsrisiko beeinflussen?

Welchen Einfluss hat Fett in der Nahrung auf das Krebsrisiko?

Fett ist nicht nur Energielieferant, der im Körper wichtige Funktionen erfüllt. Manche Vitamine sind beispielsweise fettlöslich – ganz ohne Fett geht es deshalb auf längere Sicht auch bei noch so gesunder Ernährung nicht. Aber: Ein hoher Fettanteil in der Nahrung erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten, insbesondere Darmkrebs, Brustkrebs in und nach den Wechseljahren sowie Prostatakrebs.

Gibt es "gute" und "böse" Fette, wenn es um die Krebsvorbeugung geht, ähnlich wie man es aus der Herz-Kreislauf-Forschung kennt? Soll man Butter oder Margarine nehmen, oder besser gleich Öle, und wenn ja, welche? Diese Frage orientiert sich an der Zusammensetzung der Fette, insbesondere der enthaltenen Fettsäuren: Man unterscheidet gesättigte sowie einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren.
Inwieweit diese Unterschiede im Detail mit der Entstehung von Krebserkrankungen in Zusammenhang stehen, lässt sich bislang in Studien noch nicht sicher feststellen.

Unter dem Strich bleibt anhand der heutigen Daten: Fett enthält von allen Nährstoffen den höchsten Kaloriengehalt. Damit kann es einen erheblichen Beitrag zur Entstehung von Übergewicht leisten. In Studien lässt sich praktisch nie trennen, ob die Art des verzehrten Fetts einen Einfluss auf die Krebsentstehung hat oder ganz allgemein die Energiemenge beziehungsweise das Übergewicht.

Zucker, Stärke, Ballaststoffe: Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate

Ballaststoffe © juniart/Fotolia
Ballaststoffe - wichtig zum Schutz vor Darmkrebs. © juniart - Fotolia

Stimmt es, dass Zucker speziell Tumorzellen nährt? Kann man mit einem Verzicht auf Zucker die Entstehung von Krebs verhindern? Sollte man ganz allgemein auf Kohlenhydrate verzichten?

Tatsächlich gibt es Beobachtungen, die darauf hinweisen: Krebszellen haben nicht selten einen anderen Energiestoffwechsel als gesunde Zellen. Doch das scheint nicht generell und pauschal zu gelten. Zudem ist Zucker bei weitem nicht der einzige Energieträger in der Nahrung, und der Körper ist in der Lage, praktisch aus allen Nährstoffen Traubenzucker zu bilden – die Zuckerart, die alle menschlichen Zellen letztendlich im Stoffwechsel brauchen. Bis heute konnten Studien nicht belegen, dass ein Verzicht auf Zucker oder ganz allgemein Kohlenhydrate die Entstehung von Krebs verhindern oder einen bestehenden Tumor "aushungern" kann.

Zucker, also Haushaltszucker, Fruchtzucker, Honig oder Sirup, süße Getränke und so weiter, aber auch andere kohlenhydratreiche Lebensmittel aus Getreide, Reis, stärkehaltigen Kartoffeln und mehr sind wichtige Energielieferanten. Das bedeutet aber auch: Sie können bei einem Zuviel zur Entstehung von Übergewicht beitragen. Übergewicht gilt als Risikofaktor für eine Reihe von Krebsformen.

Anders sieht es für Ballaststoffe aus: Sie gehören chemisch überwiegend ebenfalls zu den Kohlenhydraten, sind aber schwerer verdaulich oder gar nicht abbaubar. Diese Ballaststoffe führen einerseits dazu, dass man sich schneller satt fühlt und insgesamt weniger isst, als bei sehr "energiedichten" Lebensmitteln. Andererseits unterstützen sie im Dickdarm die Aktivität der Darmbakterien. Studien konnten zeigen, dass durch viele Ballaststoffe, insbesondere aus Getreide, eine Senkung des Risikos vor allem für Darmkrebs möglich ist.

Hintergrund: Sekundäre Pflanzenstoffe - mehr als Farbe und Aroma?

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Inhaltsstoffe, die Pflanzen beispielsweise ihre charakteristischen Farben und Aromen verleihen oder sie vor Krankheiten schützen. Aber sind diese Stoffe auch für Menschen nützlich? Für viele dieser Pflanzenstoffe sind gesundheitsförderliche Wirkungen nachgewiesen.

Die am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffe sind

  • Carotinoide, Farbstoffe, die auch als Vorstufe von Vitamin A gelten
  • Flavonoide, ebenfalls Farbstoffe
  • Polyphenole, etwa Resveratrol aus Weintrauben oder Epigallokatechin aus grünem Tee
  • Sulfide, und verwandte Schwefelverbindungen, etwa Sulforaphan aus Brokkoli
  • Glucosinulate oder Senfölglycoside, etwa aus Kohlsorten oder Rettich.

Ein wichtiges Forschungsthema waren in den letzten Jahren außerdem alle pflanzlichen Stoffe, die hormonähnlich wirken können. Chemisch sind diese Phytoöstrogene keine einheitliche Gruppe: Dazu gehören beispielsweise Flavonoide, aus dieser Gruppe insbesondere die Isoflavone, aber auch Lignane, die im weitesten Sinn als Ballaststoffe zählen.

Abwechslungsreich essen, gut versorgt sein

Es macht jedoch keinen Sinn, sich auf Einzelstoffe zu konzentrieren: Für die krebshemmende Wirkung ist die Gesamtheit an Inhaltsstoffen wichtig. Dabei können sich die einzelnen Substanzen gegenseitig stärken oder auch schwächen. Deshalb ist es auch nicht notwendig, einzelne Inhaltsstoffe in Tabletten- oder Pulverform einzunehmen.

Um möglichst viele verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe zu sich zu nehmen, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu einer abwechslungsreichen und farbenfrohen Mischung von saisonalem Obst und Gemüse. Zudem empfiehlt sie, mehr Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Kartoffeln und Vollkornprodukte in den Speiseplan zu integrieren.

Welche Rolle spielen Vitamine?

Immer wieder liest man, dass ein Mangel an bestimmten Vitaminen - wie etwa dem Vitamin D oder der Folsäure - das Risiko steigern kann, an Krebs zu erkranken. Der Einfluss von Vitaminen bei der Krebsentstehung wurde und wird in zahlreichen Studien erforscht. Mehr dazu bietet der Text Vitamine und Spurenelemente.

Wie super sind Superfoods?

Superfoods © Baibaz, Fotolia
Exotische Lebensmittel - wirklich super? Oder verspricht die Werbung zu viel? © Baibaz, Fotolia

Als "Superfoods" bezeichnet die Werbung Lebensmittel, die einen hohen Gehalt an solchen sekundären Pflanzenstoffen oder anderen Inhaltsstoffen haben, und die deshalb besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden sein sollen. Häufig zu findende Beispiele aus den Medien oder dem Internet sind oft exotische Pflanzen: Chiasamen, Açai- oder Gojibeeren sollen leistungsfähiger machen, den Alterungsprozess aufhalten, das Herz stärken und natürlich auch vor Krebs schützen.

  • Was auffällt: Viele dieser Lebensmittel kommen gar nicht in ihrer natürlichen Form auf den Teller. Man kann sie vielmehr getrocknet, als Pulver oder in Kapseln kaufen. Diese Nahrungsergänzung bezeichnet man auch als Botanicals.

Der Begriff Superfoods ist nicht geschützt und auch keine wissenschaftliche Bezeichnung - das deutet schon an, dass oft mehr versprochen wird, als die einzelnen Lebensmittel tatsächlich leisten können - insbesondere dann, wenn sie gar nicht als Lebensmittel, sondern als Tablette konsumiert werden.

Wissenschaftler sehen die bislang durchgeführten Studien eher kritisch, weil sie entweder nur einzelne Wirkstoffe betrachten und nicht das Lebensmittel als Ganzes, oder weil sie nur an Zellen oder Tieren durchgeführt wurden. Das bedeutet auch: Die in der Werbung oft zitierten, angeblich so spektakulären Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen.

Einzelne "Superfoods" wie etwa manche exotische Früchte können durchaus zu einer abwechslungsreichen Ernährung beitragen. Inwiefern sie das Leben verlängern oder vor bestimmten Krankheiten schützen, lässt sich bislang nicht sagen.
Außerdem sollte man nicht vergessen: Auch einheimische Pflanzen haben einen hohen Nähr- und Wirkstoffgehalt und könnten als Superfood bezeichnet werden. Dazu gehören beispielsweise Kohlgemüse, insbesondere Grünkohl, Rote Beete sowie einheimische Beeren. Vollkornprodukte und Leinsamen sind gute Lieferanten für Ballaststoffe. Sie sind kostengünstig und leichter zu kaufen als so manches Produkt, das man über das Internet bestellen kann.

Hintergrund: Was schadet, was schützt - gibt es Lebensmittel, die Krebs fördern oder hemmen?

Alkohol zählt zu den zehn wichtigsten Gesundheitsrisiken

Dass Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, ist heute vielfach belegt. Nach Angabe der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC zählt Alkohol zu den zehn bedeutendsten Gesundheitsrisiken. Alkohol kann das Risiko für Tumoren im Mund- und Rachenraum, des Kehlkopfes, der Speiseröhre, der weiblichen Brust sowie des Magens und Darms erhöhen. Und: Er enthält sehr viele Kalorien. Wegen der besonderen Bedeutung dieses Risikofaktors geht der Text "Alkohol als Krebsrisiko" ausführlich auf Hintergründe und häufige Fragen ein.

Ist Milch gesund oder schädlich?

Bis vor wenigen Jahren galt Milch als gesundes Lebensmittel. Heute gerät Kuhmilch, insbesondere aus konventioneller Landwirtschaft, immer häufiger in die Kritik: Genannt werden als Risiken die Förderung von Entzündungen, zu hohe Phosphatgehalte, Wachstums- und Sexualhormone in Milch sowie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen.

Ist die Kritik berechtigt? Kann Milch wirklich das Krebsrisiko erhöhen? Viele Auswirkungen, die Milch und Milchprodukten in den Medien oder im Internet zugeschrieben werden, sind so nicht belegt. Manche entpuppen sich als Verkaufsargumente, die Verbraucher von Milchersatzprodukten aus Soja oder ähnlichen Grundstoffen überzeugen sollen. Doch auch Wissenschaftler haben sich mit dem Thema befasst. Die bisherigen Daten: Wenn man normale Mengen trinkt, ist Milch im Hinblick auf das Krebsrisiko unbedenklich. Durch vermehrten Milchkonsum kann sogar wahrscheinlich das Risiko für Darmkrebs verringert werden.

Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass eine hohe Aufnahme von Milch und Milchprodukten möglicherweise das Risiko für Prostatakrebs erhöht.

Ebenso offen ist die Diskussion zu den Inhaltsstoffen, die sich schützend oder schädigend auswirken könnten. Sie reicht von den natürlichen Vitaminen und Hormonen in der Milch über mögliche Schadstoffrückstände bis hin zum Fettgehalt von Milch und Milchprodukten, der Übergewicht und damit wiederum das Krebsrisiko fördert.

  • Insgesamt gibt es aber zu wenige Daten, um sagen zu können, ob Milch eine Rolle in der Krebsvorbeugung spielt, oder ob man sich eher beschränken sollte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht fettarme Milch und Milchprodukte ganz allgemein als wertvolle Lieferanten für Eiweiß, Calcium, Jod und verschiedene Vitamine. Sie empfiehlt daher einen Viertelliter fettarme Milch sowie etwa ein bis zwei Scheiben Käse täglich.

Soja: Welchen Einfluss haben Phytoöstrogene in der Krebsprävention?

Sojamilch © Carojulia, Thinkstock
Soja enthält Phytoöstrogene © Carojulia, Thinkstock

Soja kennt man bei uns meist als Tofu oder Sojamilch, doch die Palette der Produkte auf Sojabasis wächst. Was macht sie für die Krebsforschung interessant? Soja enthält wie einige andere Pflanzen auch Phytoöstrogene, die dem körpereigenen Östrogen ähnlich sind. Sie können im Körper an die Östrogenrezeptoren andocken, und lösen dort unter Umständen eine ähnliche Wirkung wie das Östrogen aus. Die Menge scheint dabei eine Rolle zu spielen, und ebenso der individuelle Stoffwechsel: Bei hohen Östrogenspiegeln können die Phytoöstrogene auch die Wirkung des körpereigenen Östrogens hemmen. Die Daten dazu sind bisher nicht völlig eindeutig.

Spielt die östrogene Wirkung von Soja eine Rolle bei hormonabhängigem Brustkrebs? Sowohl zur Krebsentstehung als auch zum Nutzen in der Vorbeugung gibt es zahlreiche Untersuchungen, mit zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen. Experten sind sich daher noch nicht wirklich einig, was die Rolle von Phytoöstrogenen allgemein und Soja im Besonderen angeht. Von deutschen Fachgesellschaften gibt es derzeit weder eine Empfehlung, auf Soja als Lebensmittel zu verzichten, noch gibt es eine Empfehlung, besonders auf Soja zu setzen.

  • Alle Experten raten aber von Nahrungsergänzungsmitteln mit Phytoöstrogenen ab.

Bunte Vielfalt: Warum können Obst und Gemüse das Krebsrisiko senken?

Mit Obst und Gemüse kann man das Risiko verschiedener Krebsarten verringern. Pflanzliche Lebensmittel liefern eine Mischung aus gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen wie Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Mit seinem meist hohen Wasseranteil und geringen Zuckergehalt ist insbesondere Gemüse ein kalorienarmer Sattmacher - daher hilft ein hoher Konsum dabei, das Körpergewicht zu kontrollieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mit "5 am Tag" fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen. Für Erwachsene sind das täglich ungefähr 400 g Gemüse und 250 g Obst.

Haben Vegetarier ein geringeres Krebsrisiko?
Vegetarier scheinen seltener an Krebs zu erkranken. Dabei muss man jedoch bedenken, dass der Verzicht auf Fleisch und der bei den meisten Vegetarierern hohe Konsum von Obst und Gemüse nicht unbedingt der alleinige Einflussfaktor auf die Gesundheit ist. Viele Menschen, die sich bewusst vegetarisch ernähren, machen sich auch in anderen Bereichen Gedanken um ihre Gesundheit: Sie pflegen einen insgesamt gesundheitsförderlicheren Lebensstil, wie etwa durch Sport oder den Verzicht auf Rauchen und Alkohol. Zudem sind Vegetarier selten übergewichtig.

Tomaten, Kartoffeln & Co.: Wie giftig sind Nachtschattengewächse?

Nachtschattengewächse wie Kartoffeln und Tomaten enthalten eine Vielzahl an natürlichen Giftstoffen, die der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden dienen. Am bekanntesten ist Solanin. Was sollte man beachten?

Tomaten sind völlig unbedenklich, wenn man sie nicht in unreifem Zustand roh verzehrt und den Stielansatz entfernt. Bei Kartoffeln findet sich Solanin hauptsächlich an grünen Stellen sowie in den Keimen und "Augen". Beim Kochen geht der Giftstoff jedoch ins Kochwasser über. Um die Aufnahme von Solanin aus Kartoffeln zu meiden, sollte man das Kochwasser wegschütten und Keime und grüne Stellen großzügig herausschneiden.

Ein Krebsrisiko ist Solanin jedoch nicht. Warum stößt man trotzdem immer wieder auf den Ratschlag, man sollte Kartoffeln meiden? Möglicherweise geht er auf Überlegungen aus früheren Jahrhunderten zurück: Damals war es noch üblich, Annahmen über den Nutzen oder die Risiken vieler Dinge vom Aussehen von Lebensmitteln abzuleiten. Der Gedanke, dass die Kartoffel aufgrund ihres unterirdischen Wachstums und als Knollengemüse als Synonym für Wucherung steht und deshalb Krebs entstehen lässt, kann wissenschaftlich aber nicht belegt werden.

Im Gegenteil: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen reichhaltigen Verzehr von Kartoffeln. Sie enthalten eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen.

Fleisch kann das Krebsrisiko erhöhen

Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat im Jahr 2015 über 800 Veröffentlichungen zum Zusammenhang zwischen Krebs und rotem Fleisch beziehungsweise verarbeiteten Fleischprodukten ausgewertet. Daraufhin hat sie verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Als rotes Fleisch zählen Rind, Schwein, Lamm und Ziege. Unter verarbeitetem Fleisch versteht man Fleisch, das durch Salzen, Pökeln, Räuchern oder andere Prozesse verändert worden ist, um den Geschmack oder die Haltbarkeit zu verbessern – in Deutschland sind das vor allem Wurst, Schinken oder Speck. Der World Cancer Research Fund (WCRF) empfiehlt daher zur Krebsprävention den Verzehr von rotem Fleisch zu reduzieren. Als Richtlinie gelten 300 g pro Woche. Verarbeitete Fleischprodukte sollte man strenggenommen besser ganz vermeiden.

Wie viel Salz ist o.k.?

Salz, genauer gesagt Kochsalz als Natriumchlorid, spielt eine wichtige Rolle bei vielen Stoffwechselvorgängen. Allerdings nehmen wir in der Regel mehr auf als notwendig. Der World Cancer Research Fund (WCRF) sieht zu viel Salz als einen wahrscheinlichen Auslöser für verschiedene Krebsarten, insbesondere für Magenkrebs.

Wie viel Salz kann man bedenkenlos zu sich nehmen? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als Orientierungswert 6 g Speisesalz pro Tag an. Das entspricht etwa einem Teelöffel. Dabei muss man jedoch beachten, dass damit nicht nur das bloße Zusalzen, sondern die gesamte Salzaufnahme – etwa über Wurst und Käse, Fertigprodukte, Snacks und Backwaren – gemeint ist.

Hintergrund: Welche Verunreinigungen oder sonstige unerwünschte Bestandteile können der Gesundheit schaden?

Unsere Nahrung enthält nicht nur Nährstoffe, sondern auch einiges, was nicht unbedingt hinein gehört. Dazu gehören natürliche Stoffe, etwa krebserregende Schimmelpilzgifte. Andere Stoffe entstehen bei der Zubereitung, oder sie werden bei der industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt. Belastungen beispielsweise durch Schwermetalle oder Pflanzenschutzmittel in Böden und Wasser können auf Lebensmittel übergehen.

Wie gefährlich sind solche Stoffe? Die Schadstoffbelastung ist zumindest innerhalb der EU in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. In Deutschland gelten strenge Grenzwerte für Rückstände, zum Beispiel für Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle oder radioaktive Stoffe. Krebsforscher gehen daher davon aus, dass heute zumindest in den Industrieländern die Fehlernährung, insbesondere das Zuviel, das Krebsrisiko weit mehr beeinflusst als Schadstoffe in der Ernährung.

Was sollte man trotzdem tun, um die Schadstoffbelastung so gering wie möglich zu halten? Auch hier empfiehlt sich: abwechslungsreich und saisongerecht essen. Wer jeden Tag etwas anderes auf dem Teller hat und frische, der Jahreszeit entsprechende Lebensmittel verwendet, geht einseitigen Belastungen in der Regel aus dem Weg.

Mögliche Schadstoffe auf dem Teller

Acrylamid-Kartoffelchips © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Acrylamid kann beispielsweise in frittierten Kartoffelprodukten enthalten sein. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Acrylamid

Acrylamid verwendet die Industrie eigentlich in der Kunststoffproduktion. Schwedische Wissenschaftler hatten diesen chemischen Vorläufer von Polyacrylamid 2002 jedoch auch in Lebensmitteln gefunden, zunächst in Knäckebrot und Chips. Heute weiß man: Acrylamid entsteht beim Braten, Backen, Frittieren, Rösten und Braten von kohlenhydratreichen Lebensmitteln, die einen hohen Gehalt an der Aminosäure Asparagin aufweisen. Betroffen können daher zum Beispiel frittierte Kartoffelprodukte sein, also Pommes frites, Kartoffelpuffer oder Chips, aber auch gerösteter Kaffee oder Backwaren, etwa Kekse mit Nüssen.

Wie gefährlich dieses Acrylamid ist, bleibt allerdings mehr als ein Jahrzehnt nach dieser Entdeckung unklar. Labor- und Tierversuche haben eine Wirkung auf das Erbmaterial gezeigt, was immer auch als Hinweis auf ein mögliches Krebsrisiko gilt. Dabei wurden allerdings wesentlich höhere Dosierungen verwendet, als ein Mensch gewöhnlich mit der Nahrung zu sich nimmt. Epidemiologische Studien, also die Beobachtung großer Bevölkerungsgruppen, konnten den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Acrylamid über Lebensmittel und der Krebsentstehung bei Menschen bislang nicht sicher belegen.

Was kann man tun, um die Acrylamidaufnahme zu reduzieren? Bundesinstitute und Verbraucherschützer haben die Faustregel "Vergolden statt Verkohlen" formuliert. Senkt man die Temperatur, mit der man Speisen bäckt, grillt, brät oder frittiert, so weit wie möglich, entsteht deutlich weniger Acrylamid. Auf zu starke Bräunung, hohe Temperaturen beim Backen oder scharfes Anbraten sollte man deshalb verzichten. 

Heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Beim Grillen und Braten von Lebensmitteln können neben den erwünschten Aromen auch Stoffe entstehen, die gesundheitsschädigend sind und das Krebsrisiko erhöhen können. Dazu gehören zum Beispiel die heterozyklischen aromatischen Amine (HAA) sowie die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Insbesondere PAK entstehen an sich bei vielen Verbrennungsprozessen. Bei der Lebensmittelzubereitung gelten vor allem scharfes Anbraten, Grillen und Räuchern als Auslöser. Beim Grillen kommt noch das Verbrennen von Fett oder Marinade hinzu, die in die Glut tropfen.

HAA wie PAK können Veränderungen im Erbmaterial und damit zumindest theoretisch Krebs verursachen. Diskutiert werden zum Beispiel Darmkrebs oder auch Blasenkrebs, auch wenn der tatsächliche Einfluss auf das Risiko trotz vieler Forschung nicht angegeben werden kann: Wer viel scharf gebratenes Fleisch ist, neigt meist insgesamt zu einer eher ungesunden Ernährungsweise.

Um die Entstehung solcher Risikostoffe trotzdem zu verhindern, empfehlen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): für fettiges Grillgut Grillschalen verwenden, das Fleisch nicht zu lange auf dem Grill oder in der Pfanne liegen oder verkohlen lassen, und verbrannte Stellen nicht mit essen. Gepökelte Fleisch- und Wurstwaren sollte man besser gar nicht grillen oder scharf braten. Aus den zur Konservierung zugesetzten Stickstoffverbindungen können Nitrosamine entstehen.

Lebensmittelzusatzstoffe

Viele industriell gefertigte Lebensmittel enthalten Zusatzstoffe. Sie werden zugesetzt, um beispielsweise die Haltbarkeit zu verlängern oder Aroma und Farbe zu verbessern. Andere Zusatzstoffe werden eingesetzt, um die Herstellung zu vereinfachen - ein Beispiel ist Backpulver.

Solche Zusatzstoffe müssen im Zutatenverzeichnis angegeben werden, sie werden oft als E-Nummern abgekürzt. Innerhalb der EU ist streng reguliert, wo und in welchen Mengen Zusatzstoffe eingesetzt werden dürfen. Zusatzstoffe, die nachgewiesenermaßen krebserzeugend sind, erhalten keine Zulassung.

Wie werden Zusatzstoffe gesetzlich geregelt und überwacht? Wie kommt es, dass Süßstoffe trotz aller Kontrolle den Ruf haben, Krebs auszulösen? Auf diese und weitere Fragen geht der Text "Lebensmittelzusatzstoffe als Krebsrisiko" ein.

Nitrat und Nitrit

Nitrate sind für Pflanzen eine wesentliche Stickstoffquelle. Wird zu viel stickstoffhaltiger Dünger eingesetzt, können sie sich aber anreichern. Vor allem Wurzelgemüse oder Blattgemüse und Salate, die im Treibhaus gewachsen sind, können höher belastet sein als Freiland-Gemüse. Als Folge einer Überdüngung finden sich Nitrate in zu hohen Konzentrationen auch in Gewässern und Grundwasser. Eine weitere Quelle für den Menschen können Pökelsalze als Konservierungsmittel für Fleisch und Wurst sein. Im Körper werden Nitrate in andere Stickstoffverbindungen umgewandelt, die sogenannten Nitrite. Daran beteiligt sind insbesondere Bakterien im Darm. Nitrite entstehen auch durch Bakterienzersetzung, wenn Lebensmittel verderben.

Nitratverbindungen selbst sind gesundheitlich relativ unbedenklich, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Nitrite können in hoher Konzentration für Säuglinge gefährlich sein, weil bei ihnen eine Störung der Sauerstoffaufnahme möglich ist. Zusammen mit Eiweißbausteinen entstehen im Darm aus Nitriten aber auch sogenannte Nitrosamine. Und diese sind – zumindest in Tierversuchen – krebserregend. Nitrosamine werden hauptsächlich mit der Entstehung von Magenkrebs in Verbindung gebracht.

  • Zum tatsächlichen Risiko für Menschen sind allerdings noch viele Fragen offen.

Wie kann man sich schützen? Wo der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht überschritten wird, kann man Leitungswasser problemlos trinken und zum Kochen verwenden. Um die Nitrataufnahme außerdem gering zu halten, sollte man saisonales Gemüse wählen - für die Produktion wurde meist weniger Dünger benötigt als im Treibhaus. Wichtig ist auch hier Abwechslung, um einseitige Schadstoffbelastungen zu vermeiden. Außerdem sollte man auf Fleischprodukte mit Nitritpökelsalzen verzichten oder sie zumindest nur selten essen. 

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