Schematische, anatomische Darstellung einer Bauchspeicheldrüse mit leuchtendem Tumor

Magenkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung

Aktualisiert am:

Von: Teresa Glauner (Krebswissenschaftlerin, M.Sc.)

  • Das Risiko für Magenkrebs kann durch mehrere Faktoren steigen. Besonders wichtig ist eine dauerhafte Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Es spielt bei etwa 9 von 10 Magenkrebs-Erkrankungen eine Rolle. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, viel Alkohol, Magenkrebs in der Familie und auch die Ernährung.
  • Sie können Ihr Risiko für Magenkrebs senken. Wichtig sind vor allem: eine Behandlung der Helicobacter-pylori-Infektion und ein gesunder Lebensstil.
  • Es gibt kein gesetzliches Früherkennungsprogramm für Magenkrebs. Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs haben, kann eine regelmäßige Magenspiegelung sinnvoll sein.

Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der wichtigste Risikofaktor für Magenkrebs. Es kann die Magenschleimhaut stark verändern. Daraus kann sich Krebs entwickeln.

Es gibt noch weitere Risikofaktoren für Magenkrebs. 

Manche sind nicht beeinflussbar. Dazu gehören:

  • höheres Alter
  • männliches Geschlecht
  • Magenkrebs in der Familie
  • frühere Operationen am Magen, zum Beispiel wegen eines gutartigen Magengeschwürs
  • eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, dem Erreger des Pfeiffer'schen Drüsenfiebers.

Andere Risikofaktoren hängen mit dem Lebensstil zusammen und sind prinzipiell vermeidbar. Dazu gehören:

  • Rauchen
  • viel Alkohol
  • ungünstige Ernährungsweise
  • starkes Übergewicht.

Gut zu wissen

Nicht jeder Mensch mit einem oder mehreren Risikofaktoren bekommt Magenkrebs. Sie können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass mit der Zeit Magenkrebs entsteht.

  • Wichtig ist: Meist tragen mehrere Risikofaktoren dazu bei, dass Magenkrebs entsteht.

Wichtig zu wissen

Nicht jeder Mensch mit Helicobacter pylori bekommt Magenkrebs. 

Menschen, die langjährig mit dem Bakterium infiziert sind, haben aber ein leicht höheres Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, als Menschen ohne diese Infektion.

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der wichtigste bekannte Risikofaktor für Magenkrebs. Etwa 9 von 10 Magenkrebs-Erkrankungen stehen mit diesem Bakterium in Zusammenhang.

Grafik einer Magenschleimhautentzündung. Die Lupe vergrößert das Bakterium Helicobacter pylori
Die Weltgesundheitsorganisation stuft Helicobacter pylori seit vielen Jahren als krebserregend ein.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

Eine Helicobacter-pylori-Infektion verursacht bei den meisten Menschen keine Beschwerden.

Bei einigen Menschen kann das Bakterium aber eine Entzündung der Magenschleimhaut auslösen, wenn es dauerhaft die Magenschleimhaut besiedelt. Diese Entzündung heißt chronische Magenschleimhautentzündung oder Gastritis.

Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zum Bakterium Helicobacter pylori lesen Sie in unserem Text Viren und weitere Krankheitserreger als Krebsauslöser.

Bei anderen Menschen mit Helicobacter-Infektion kann sich ein Magengeschwür bilden. Das ist eine Wunde in der Magenwand. Sie ist gutartig.

Wird eine Helicobacter-pylori-Infektion behandelt, sinkt das Risiko für Magenkrebs.

Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für Magenkrebs. Raucherinnen und Raucher haben ein etwa doppelt so hohes Risiko für Magenkrebs als Menschen, die nicht rauchen. Je länger und je mehr jemand raucht, desto höher ist das Risiko. 

Auch viel Alkohol erhöht das Risiko für Magenkrebs. Viel Alkohol bedeutet: mehr als 45 Gramm Alkohol pro Tag. Das entspricht ungefähr 3 alkoholischen Getränken. Studien zeigen außerdem: Viel Alkohol erhöht das Risiko besonders bei Männern.

Gut zu wissen

Kaffee und Tee erhöhen das Risiko für Magenkrebs nicht.

Die Ernährung kann das Risiko für Magenkrebs beeinflussen. Studien zeigen: Folgende Ernährungsgewohnheiten können das Risiko erhöhen:

  • viele stark gesalzene und/oder in Salz eingelegte Lebensmittel
  • viel stark verarbeitetes Fleisch, wie Wurst, Schinken, Speck
  • wenig Obst

Was ist mit Übergewicht? Fachleute vermuten: Übergewicht und starkes Übergewicht (Adipositas) können das Risiko für Tumore im Bereich des Magens erhöhen. 

  • Die Studien dazu sind aber nicht eindeutig. Der Grund: In den Studien ist nicht immer klar, wo genau der Tumor lag. Ein Tumor am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen kann je nach genauer Lage entweder als  Speiseröhrenkrebs oder als Magenkrebs eingestuft werden.

Gut zu wissen

Auch Menschen mit gesundem Lebensstil können Krebs bekommen. Niemand ist deshalb "schuld" an seiner Krebserkrankung.

Magenkrebs kann in Familien häufiger vorkommen.

Wenn eine Person in der Familie Magenkrebs hat, ist das Risiko für nahe Verwandte leicht erhöht. Dazu gehören 

  • Eltern,
  • Geschwister und
  • Kinder.

Wenn mehrere nahe Verwandte Magenkrebs haben, steigt das Risiko.

Fachleute schätzen: Etwa 1 von 10 Magenkrebs-Erkrankungen hängen mit einem familiären Risiko zusammen.

Das höhere Risiko kann verschiedene Gründe haben:

Haben Sie einen nahen Verwandten mit Magenkrebs?

Dann sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Sie können auch mit dem behandelnden Ärzteteam Ihres Verwandten sprechen. Diese können prüfen, ob für Sie eine genetische Beratung sinnvoll wäre.

Erbliche Veränderungen bei Magenkrebs

Bei etwa 1 bis 3 von 100 Menschen mit Magenkrebs liegt eine erbliche Veränderung vor. Diese Veränderung ist dann mitverantwortlich für die Erkrankung.

Hinweise auf erblichen Magenkrebs können sein, wenn

  • der Magenkrebs vor dem 50. Lebensjahr entsteht.
  • mehrere Magenkrebs-Erkrankungen in der Familie auftreten.

Oft kann nicht geklärt werden, welche erbliche Veränderung bei Erkrankten genau vorliegt.

Dennoch gibt es bekannte Veränderungen – wie zum Beispiel eine Veränderung im CDH1-Gen. Das können Ärztinnen und Ärzte mithilfe eines Gentests nachweisen. 

  • Menschen mit verändertem CDH1-Gen haben ein hohes Risiko für Magenkrebs. Man spricht dann von einem hereditären diffusen Magenkarzinom. Das ist eine seltene erbliche Form von Magenkrebs.
  • Frauen mit verändertem CDH1-Gen haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs.

Auch bestimmte erbliche Tumorsyndrome können das Risiko für Magenkrebs erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • familiäre adenomatöse Polyposis, kurz FAP
  • Lynch-Syndrom, auch HNPCC genannt
  • Cowden-Syndrom

Was können Menschen tun, wenn bei ihnen ein erbliches Risiko festgestellt wurde?

  • Menschen mit einem nachgewiesenen erblichen Risiko erhalten eine ausführliche Beratung. Fachleute erklären dabei unter anderem, wie hoch das erbliche Risiko ist und welche Maßnahmen zur Vorbeugung sinnvoll sein können.

Zum Weiterlesen

Ausführliche Informationen zu erblichem Krebs finden Sie in unserem Text Erblicher Krebs.

Dort finden Sie auch Antworten auf Fragen wie

  • Was tun bei Verdacht auf erblichen Krebs?
  • Wie läuft ein Gentest ab?
  • Wie geht es weiter, wenn der Gentest eine krebsfördernde Veranlagung zeigt?

Es gibt keinen sicheren Schutz vor Magenkrebs. Aber Sie können Ihr Risiko mit verschiedenen Maßnahmen senken.

Die wichtigste Maßnahme ist: 

Fachleute empfehlen außerdem:

  • nicht rauchen
  • wenig Alkohol trinken oder am besten ganz darauf verzichten
  • weniger stark gesalzene und in Salz eingelegte Lebensmittel essen
  • weniger verarbeitetes Fleisch essen
  • ausreichend Obst essen
  • auf ein gesundes Körpergewicht achten
  • anhaltende Magenbeschwerden ärztlich abklären lassen
Grafik mit vorbeugenden Maßnahmen gegen Magenkrebs.
Es gibt keinen sicheren Schutz vor Magenkrebs. Aber Sie können Ihr Risiko senken.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

In Deutschland gibt es kein gesetzliches Angebot zur Früherkennung von Magenkrebs.

Fachleute haben verschiedene Untersuchungen geprüft, zum Beispiel die regelmäßige Magenspiegelung. Bisher gibt es aber keine ausreichenden Belege dafür, dass der Nutzen für die gesamte Bevölkerung größer ist als die möglichen Risiken und der Aufwand.

Magenspiegelung für Risikogruppen

Zum Weiterlesen

Mehr Informationen über den Ablauf und die möglichen Risiken einer Magenspiegelung finden Sie im Text Diagnose Magenkrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht.

Für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs kann eine regelmäßige Magenspiegelung sinnvoll sein. 

Dazu gehören unter anderem:

  • Menschen mit einem erblichen Risiko, zum Beispiel bei verändertem CDH1-Gen oder bei bestimmten erblichen Tumorsyndromen, wie dem Lynch-Syndrom
  • Menschen mit einer stark veränderten Magenschleimhaut, zum Beispiel nach einer langjährigen Helicobacter-pylori-Infektion.

Was ist mit Medikamenten? Studien deuten darauf hin, dass Acetylsalicylsäure (ASS) und einige andere Schmerzmittel vor Magenkrebs schützen könnten.

  • Trotzdem empfehlen Fachleute diese Medikamente nicht, um Magenkrebs vorzubeugen. Der Grund: Wenn Sie diese über längere Zeit einnehmen, kann das zu schweren Nebenwirkungen führen.

Test auf Helicobacter pylori für Risikogruppen

Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs haben, empfehlen Fachleute einen Test auf eine Helicobacter-pylori-Infektion. 

  • Wird eine Infektion festgestellt, kann eine frühzeitige Behandlung das Magenkrebsrisiko senken.

Ärztinnen und Ärzte können beispielsweise Helicobacter pylori während einer Magenspiegelung nachweisen. Dafür entnehmen sie eine Gewebeprobe (Biopsie). Es gibt auch Tests ohne Eingriff. Zum Beispiel über die Atemluft, Stuhl oder Blut.

Ihr Risiko gilt beispielsweise als erhöht, wenn:

  • eine oder mehrere Verwandte ersten Grades Magenkrebs hatten
  • ein nachgewiesenes erblich erhöhtes Magenkrebsrisiko vorliegt.
  • eine Vorstufe von Magenkrebs oder ein früher Magenkrebs entfernt wurde
  • eine weit fortgeschrittene chronische Veränderung der Magenschleimhaut, vor allem im Magenkörper vorliegt (eine sogenannte chronisch-atrophische Gastritis mit oder ohne intestinale Metaplasie).
  • Sie in einer Region geboren oder aufgewachsen sind, in denen es viele Helicobacter pylori-Infektionen oder viele Magenkrebs-Erkrankungen gibt.

Behandlung von Helicobacter-Infektion

Die Behandlung einer Helicobacter-pylori-Infektion ist eine wichtige Maßnahme, um Ihr Risiko für Magenkrebs zu senken. Das gilt unabhängig davon, ob Sie bei einer Infektion Beschwerden haben oder nicht.

Ziel der Behandlung ist es, das Bakterium aus dem Magen zu entfernen. Dafür kombinieren Ärztinnen und Ärzte meist mehrere Medikamente, darunter Antibiotika. Die Behandlung dauert in der Regel mindestens 10 Tage. Anschließend wird geprüft, ob das Bakterium erfolgreich beseitigt wurde.

Gut zu wissen

Die Behandlung senkt das Risiko für Magenkrebs am meisten, wenn die Magenschleimhaut noch nicht stark verändert ist.

Ist die Magenschleimhaut bereits stark verändert, können regelmäßige Magenspiegelungen für Betroffene sinnvoll sein.

Vorbeugende Operation bei einer Veränderung im CDH1-Gen

Wenn Sie ein nachweislich verändertes CDH1-Gen haben, ist Ihr Risiko für Magenkrebs besonders hoch.

Es kann dann sein, dass Ihnen Fachleute eine vorsorgliche Entfernung des Magens empfehlen. Diese Operation heißt auch prophylaktische Gastrektomie. Allerdings sind sich Fachleute nicht einig, wann der beste Zeitpunkt für die Operation ist.

Wichtig zu wissen

Eine Magenentfernung kann sich stark auf das weitere Leben auswirken. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie sich ausführlich ärztliche beraten lassen, bevor Sie sich für diesen Schritt entscheiden. 

Wenn Sie die Operation nicht möchten, empfehlen Fachleute regelmäßige Magenspiegelungen, auch wenn ein diffuses Magenkarzinom oft schwer zu entdecken ist. Wann und wie oft diese Untersuchungen sinnvoll sind, erklären die behandelnden Ärzte. 

Brustkrebsrisiko? Welche Maßnahmen Frauen mit verändertem CDH1-Gen wegen ihres erhöhten Brustkrebsrisikos ergreifen sollten, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

  • Allgemeine Informationen zu den erblichen Risikofaktoren bei Brustkrebs, sowie zur Vorbeugung und Früherkennung bei erblichem Brustkrebs lesen Sie unter Brustkrebs: Risiken und Vorbeugung.

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