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Frau mit Lupe und Mammografiebild, Foto: Sven Bähren - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs

Informiert entscheiden: Nutzen und Risiken der Untersuchung

In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren die Möglichkeit, alle zwei Jahre zur Mammographie zu gehen. Fachleute sprechen bei solchen Routineuntersuchungen Gesunder auch von "Screening". Welchen Nutzen können sich Teilnehmerinnen erwarten?
Diese Frage beantworten nicht alle Experten gleich. Die Befürworter gehen davon aus, dass unter dem Strich der Nutzen überwiegt: Wird Brustkrebs früher erkannt, ist die Behandlung weniger belastend und statistisch erfolgreicher. Kritiker gehen davon aus, dass dieser Effekt bisher gar nicht zweifelsfrei gezeigt werden konnte, für sie überwiegen die Nachteile.

Welche Gründe sprechen aus Sicht der Befürworter für das Screening? Welche aus Sicht der Kritiker dagegen? Hintergründe bietet der folgende Text. Fragen beantwortet der Krebsinformationsdienst außerdem am Telefon und per E-Mail.

Letzte Aktualisierung: 04.02.2015

Genutzte Quellen und Links

Verwendete Quellen und Links sind nach Möglichkeit direkt im folgenden Text angegeben. Am Textende findet sich zudem eine Auswahl der genutzten Fachquellen, die regelmäßig aktualisiert wird.

Mammographie: Wichtigste Untersuchung auf Brustkrebs

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren können sichtbar gemacht werden. Die Mammographie ist derzeit die beste, wenn auch keine unfehlbare Methode zur Abklärung eines Brustkrebsverdachts.

Auch zur Früherkennung wird sie seit langem eingesetzt: Veränderungen in der Brust lassen sich nachweisen, bevor sie als Knoten oder Verhärtung tastbar sind. Besonders gut sichtbar ist sogenannter Mikrokalk: kleinste Kalkablagerungen, die auf Umbauprozesse im Gewebe hindeuten.  Bei vielen Frauen, bei denen später eine Form von Brustkrebs festgestellt wird, war Mikrokalk das erste Anzeichen für die Erkrankung.

Frauen, die sich zur Untersuchung entschließen, müssen allerdings wissen: Mit der Mammographie allein lässt sich nicht ganz sicher feststellen, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist. Daher muss ein Krebsverdacht immer mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu zählen unter Umständen eine Biopsie und die Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop.

Nutzen und Schaden in der Diskussion

Was ist das Besondere an der Mammographie? Warum gehört sie in Deutschland für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsangebot?

Was kann die Mammographie bieten?
Die Untersuchung ermöglicht, anders als die alleinige Tastuntersuchung der Brust, eine echte Frühdiagnose von Brustkrebs. Fachleute gehen davon aus, dass dies die Heilungschancen betroffener Frauen erhöht: Sie gehen aktuell davon aus, dass pro 1.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zur Mammographie gehen, etwa eine oder zwei vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden.
Der Nutzen dieser früheren Entdeckung wird zudem als größer eingeschätzt als das Risiko von Schäden durch die Röntgenstrahlung, die bei der Untersuchung eingesetzt wird.

Warum gibt es Kritik an der Mammographie?
Kritiker der Mammographie bringen andere Argumente ins Spiel:
Sie führen an, dass sich der Nutzen der regelmäßigen Mammographie bei Frauen ohne besonderes Risiko oder Symptome noch nicht abschließend beurteilen lasse. Sie verweisen auch auf das Risiko durch unnötige Beunruhigung und Überdiagnosen.
Unnötig wäre die Beunruhigung, wenn bei der Mammographie ein Brustkrebsverdacht entsteht, der sich bei weiteren Untersuchungen aber nicht bestätigt.

Diese Sorge ist nicht unberechtigt:  Auch bei sorgfältiger Durchführung kann es dazu kommen, dass die Mammographie keinen eindeutigen Befund ergibt.  Solche unklaren Ergebnisse müssen weiter abgeklärt werden, durch erneute Mammographien und/oder Ultraschalluntersuchungen und eventuell durch die Entnahme einer Gewebeprobe.
Von Überdiagnose sprechen Experten auch, wenn eine Erkrankung behandelt wird, dies aber eigentlich gar nicht nötig wäre. Denn: In der Mammographie werden auch sogenannte Duktale in-situ-Karzinome (DCIS) sichtbar.

Was sich zunächst gut anhört, sehen manche Experten eher als Problem an: Noch weiß man nicht mit abschließender Sicherheit, wie häufig sich daraus tatsächlich Brustkrebs entwickelt. Dies bedeutet: Ein Teil der Frauen mit solchen Krebsvor- und Frühformen wird möglicherweise unnötig behandelt. Aktuell gehen die Autoren des offiziellen Faltblatts zur Mammographie in Deutschland davon aus, dass innerhalb von zehn Jahren von 1.000 Frauen mit regelmäßigen Mammographien etwa 5 bis 7 eine Überdiagnose und damit eine eventuell unnötige Behandlung erhalten.

Andererseits gibt es Studien, die darauf hindeuten: DCIS können bei einigen Frauen sogar metastasieren, ohne dass sich die Brusttumoren selbst weiter entwickelt hätten. Dann wäre auf jeden Fall eine Behandlung notwendig.

  • Solange die Unterscheidung zwischen gefährlichen und weniger gefährlichen Frühformen von Brustkrebs jedoch nicht sicher möglich ist, wird von den meisten Experten allen Frauen mit DCIS eine Therapie empfohlen.

Gibt es Alternativen zur Mammographie?
Nein, derzeit nicht, wenn es um die Früherkennung geht: Weder eine Ultraschalluntersuchung noch eine Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) sind ähnlich aussagekräftig und gleichzeitig für regelmäßige Reihenuntersuchungen geeignet. Beide kommen nur als ergänzende Untersuchungen infrage.

Symptome oder Beschwerden? Gleich zum Arzt gehen!

Reicht es aus, regelmäßig zur Mammographie zu gehen? Was tun, wenn man bei sich selbst Symptome entdeckt, wie zum Beispiel Knoten, Hautveränderungen oder Einziehungen an der Brust?

Dann sollte man nicht bis zum nächsten Früherkennungstermin warten, sondern möglichst gleich einen Termin beim Frauenarzt vereinbaren. Um solche Auffälligkeiten abzuklären, ist eine Mammographie jederzeit möglich. Und in dieser Situation ist ihr Nutzen völlig unbestritten.

Gesetzliches Programm in Deutschland: Anspruch für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet allen Frauen ab dem Alter von 30 Jahren einmal jährlich eine Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhlen an.
Ab dem Alter von 50 wird man alle zwei Jahre zu einer Mammographie eingeladen, bis zum Alter von 69 Jahren. 

  • Das Angebot der Mammographie gilt unabhängig davon, ob man gesetzlich oder privat versichert ist.
  • Die Teilnahme ist keine Pflicht, sondern freiwillig. Wer nicht hingehen möchte, muss keine Konsequenzen für die Versicherung oder andere Folgen fürchten.

Was gilt, wenn man älter als 69 Jahre ist, oder keine Mammographie möchte? Dann gilt weiter das Angebot, einmal jährlich beim Frauenarzt Brust und Achselhöhlen abtasten zu lassen.

Adresse und Geburtsdatum für die Einladung kommen vom Einwohnermeldeamt. Datenschutz ist dabei selbstverständlich: Weder werden Adresse und Geburtsdatum zu anderen Zwecken genutzt. Noch werden weitere personenbezogene Daten für die Früherkennungsmammographie benötigt.

Mehr zur Brustkrebsfrüherkennung bietet der gleichnamige Text. Wie die Krebsvorsorge in Deutschland insgesamt organisiert ist und welche weiteren Untersuchungen außer der Mammographie noch für Frauen dazu gehören, erläutert der Text "Das gesetzliche Früherkennungsprogramm".

Qualitätssicherung: Untersuchung nur in spezialisierten Zentren

Beurteilung von Mammographiebildern © Picture Partners - Fotolia.com
Beurteilung von Mammographiebildern © Picture Partners - Fotolia.com

Welche Vorgaben gelten außer den Altersgrenzen für eine Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung?
Im Rahmen des gesetzlichen Angebots kann man die Untersuchung nur in spezialisierten Zentren durchführen lassen, also nicht beim eigenen Frauenarzt. Das jeweils nächstgelegene Zentrum wird im Einladungsschreiben genannt.
Eine Überweisung vom behandelnden Gynäkologen oder Hausarzt ist nicht erforderlich. Der behandelnde Arzt kann auf Wunsch aber eine Kopie aller Befunde erhalten. Und: Er bleibt wichtiger Ansprechpartner, wenn man Fragen zur Mammographie hat.

Warum diese Vorgaben zur Qualitätssicherung?
Die Mammographie wurde noch vor wenigen Jahren von sehr vielen Ärzten angeboten. Die meisten führten die Untersuchung allerdings vergleichsweise selten durch. Sie  konnten daher nur wenig Erfahrung mit der Auswertung sammeln, und nicht selten fehlte ihnen die Übung, auch kompliziertere Befunde richtig zu deuten.
In der Folge kam es oft zu unnötigen weiteren Abklärungsuntersuchungen und Gewebeentnahmen. Trotzdem wurden in Deutschland im internationalen Vergleich Karzinome zu häufig übersehen, mit allen Konsequenzen für betroffene Frauen.

Im offiziellen Mammographie-Screening-Programm wird heute  eine überprüfbare Qualität angestrebt. Eine Früherkennungs-Mammographie kann man daher nur noch in den dafür vorgesehenen Einrichtungen machen lassen. Sie gibt es in jeder größeren Stadt und in jeder Region.
Dort arbeiten spezialisierte Fachleute. Alle Mammographiebilder werden statt von einem von zwei Ärzten durchgesehen. Die Qualität ihrer Arbeit sowie die Ergebnisse aller Zentren werden regelmäßig kontrolliert. Diese Kontrolle wirkt, auch wenn sich Fehler nie ganz vermeiden lassen: Die bisher vorliegenden Daten zum deutschen Mammographie-Programm zeigen, dass die vorgegebenen Qualitätskriterien weitgehend eingehalten werden.

Ablauf: Wenn man sich zur Früherkennung entschlossen hat

Die Einladung zum Mammographiescreening erhalten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren per Post. In diesem Schreiben wird ein Termin in der nächstgelegenen Screening-Einheit vorgeschlagen (Übersicht unter www.mammo-programm.de/termin).
Genannt sind auch Telefonnummern und E-Mail-Adressen:

  • Wenn der angebotene Termin nicht passen sollte, kann man einen anderen ausmachen.
  • Hat man innerhalb der letzten 12 Monate bereits eine Mammographie erhalten, sollte man sich mit der Screening-Einheit in Verbindung setzen und klären, ob die Untersuchung überhaupt notwendig ist.
  • Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, sollten dies ebenfalls der einladenden Stelle mitteilen.

Eine besondere Vorbereitung am Tag der Untersuchung ist nicht notwendig. Man sollte lediglich kein Deo und keine Cremes im Brust- und Achselbereich verwenden, und Kleidung wählen, bei der man leicht den Oberkörper freimachen kann. Details kann man dazu im Faltblatt nachlesen, das der Einladung beigefügt ist.

Die Untersuchung selbst führt eine Assistentin oder ein Assistent durch. Es werden zwei Aufnahmen von jeder Brust angefertigt. Dies dauert nur wenige Minuten (mehr zur Durchführung hier). Danach darf man wieder gehen.

Auf den Befund muss man etwas länger warten: Die Aufnahmen werden innerhalb der folgenden Tage von zwei Ärzten unabhängig voneinander beurteilt. Sie haben große Erfahrung mit der sogenannten Befundung, also dem Sichten und Bewerten von Mammographie-Röntgenaufnahmen. Das Ergebnis erhält man einige Tage später per Brief.

  • Ist kein Anhaltspunkt für ein Mammakarzinom zu finden, muss die Mammographie erst zwei Jahre später wiederholt werden.
  • Nur wenn ein auffälliger Befund vorliegt, wird man zu einer weiteren Mammographie oder einer Ultraschalluntersuchung eingeladen.

Lässt sich der Brustkrebsverdacht dadurch nicht ausräumen, schlagen die Ärzte eine Gewebeentnahme vor, um die Probe auf Tumorzellen zu untersuchen.

Qualitätssicherung wichtig

Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie (www.mammo-programm.de) koordiniert das Screening in Deutschland. Sie wird getragen von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Kooperationsgemeinschaft ist auch für die Qualitätskontrolle verantwortlich: So wird beispielsweise regelmäßig geprüft, wie viele Tumoren nur einer der beiden Untersucher auf den Mammographie-Bildern entdeckt. Erfasst wird zudem, ob ein Arzt zu häufig "falschen Alarm" auslöst, der Frauen unnötig beunruhigt. Die Qualität der Geräte und die Strahlenbelastung werden ebenfalls streng kontrolliert.

Eine unabhängige Kontrolle erfolgt im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz, im Rahmen einer Studie.

Pro und contra: Nutzen und Risiken des Mammographie-Screenings

Wird durch das Screening-Programm in Deutschland tatsächlich die Brustkrebssterblichkeit gesenkt?
Diese Frage hat zu vielen Debatten geführt. Bis eine eindeutige Antwort erfolgen kann, werden noch mehrere Jahre vergehen: Erst dann wird sich der Effekt in den Zahlen der Krebsregister abbilden.
Um den Nutzen vollständig abschätzen zu können, wäre es theoretisch sogar notwendig zu warten, bis die ersten Frauen in Deutschland tatsächlich wie vorgesehen zehnmal im Alter zwischen 50 bis 69 Jahren geröntgt wurden.

Seit Juli 2012 wird der Nutzen des deutschen Mammographie-Screenings noch gezielter als in den ersten Jahren ausgewertet. Allerdings wird es voraussichtlich bis mindestens 2017 oder 2018 dauern, bis Ergebnisse zu den Auswirkungen auf die Brustkrebssterblichkeit vorliegen.
Verantwortet wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Gesundheit und der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Wegen der Strahlenbelastung durch die Untersuchung ist auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit beteiligt.

Verschiebungen in den Brustkrebsstatistiken lassen sich aber bereits jetzt erkennen. Das zeigen die Jahresberichte des Mammographie-Programms. So wird die Erkrankung beispielsweise heute bei mehr Frauen in einem früheren, noch nicht fortgeschrittenen Stadium festgestellt: Vier von fünf Frauen mit einer Brustkrebsdiagnose nach Mammographie hatten 2013 ein Karzinom, das noch kleiner als zwei Zentimeter im Durchmesser war, und ihre Lymphknoten waren nicht befallen.
Zum Vergleich: Zu Beginn des Screening-Programms vor rund zehn Jahren hatte mehr als die Hälfte der untersuchten Frauen mit Tumorbefund ein bereits deutlich größeres Karzinom. Als die Untersuchungen damals starteten, fanden die Untersucher außerdem bei wesentlich mehr Frauen als in den späteren Jahren schon Tumorzellen in den Lymphknoten.

Nutzen: Modellrechnungen - was man bisher weiß

Das aktuelle Faltblatt, das alle Frauen mit der Einladung zur Mammographie erhalten, bietet folgende Rechung.

Von 1.000 Frauen im entsprechenden Alter zwischen 50 und 69 Jahren müssen rein statistisch etwa 35 damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Brustkrebs zu erkranken.

  • Wenn 1.000 Frauen zur Mammographie gehen, haben 970 ein unauffälliges Ergebnis
  • 30 Frauen werden erneut eingeladen: Bei ihnen wird eine Veränderung festgestellt, die weiter abgeklärt werden muss. Dazu gehören etwa eine erneute Mammographie und eine Ultraschalluntersuchung. Bei einem kleineren Teil dieser Frauen wird auch eine Gewebeentnahme notwendig, eine sogenannte Biopsie.
  • 6 Frauen erhalten danach die Diagnose Brustkrebs. 24 Frauen haben keinen Brustkrebs und werden nach zwei Jahren erneut zur Mammographie eingeladen.

Diese Zahlen wurden auch bei der letzten Auswertung des Jahres 2013 für das deutsche Mammographie-Programm in etwa bestätigt.

Keine Untersuchung ist hundertprozentig sicher:

Fachleute gehen davon aus, dass es Frauen gibt, die trotz unauffälliger Mammopgrahie bis zur nächsten Untersuchung die Diagnose Brustkrebs erhalten. Diese Erkrankungen innerhalb der zwei Jahre, die jeweils zwischen den Mammographien liegen, bezeichnen Fachleute als sogenannte "Intervallkarzinome".

Wann ist die Mammographie weniger genau?

Gelten diese Aussagen zur Verlässlichkeit für alle Frauen gleich? Eine Einschränkung bezüglich der Aussagekraft der Mammographie ist allgemein anerkannt: Bei Frauen mit besonders dichtem Brustgewebe ist die Mammographie schwieriger zu beurteilen.
Darauf macht die deutsche Leitlinie "Brustkrebs" von 2012 aufmerksam. Ein dichtes Brustgewebe findet sich unter anderem bei Frauen, die noch die "Pille" zur Empfängnisverhütung oder eine Hormonersatztherapie anwenden. Dies kann die Genauigkeit der Untersuchung beeinträchtigen.
Zur weiteren Abklärung auffälliger Befunde ist dann auch eine Ultraschalluntersuchung möglich.

Risiken: "Überdiagnose" und unnötige Beunruhigung?

Was führen Kritiker gegen die Früherkennung durch regelmäßige Mammographien an? Wie die Screening-Befürworter gehen sie zwar auch davon aus, dass bei regelmäßigen Teilnehmerinnen mehr und frühere Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden als ohne Screening. Die Kritiker zitieren jedoch neuere Studien, in denen eins auffällt: 

  • Die Sterblichkeitsrate sinkt bisher in den überprüften Ländern nicht so deutlich ab wie erwartet.

Wie kann dies sein? Eine mögliche Erklärung lautet: Mit der Mammographie werden heute bei nicht wenigen Frauen auch Frühformen von Brustkrebs entdeckt und behandelt, die allein mit der Tastuntersuchung nicht gefunden worden wären. Noch steht nicht zweifelsfrei fest, ob sich aus diesen Krankheitsformen immer und bei jeder Frau auch Brustkrebs entwickelt, der Gewebe zerstört und zu Metastasen führt.
Es ist also nicht auszuschließen, dass nicht jede Frau wirklich eine Therapie benötigt hätte, die aufgrund des Mammographie-Screenings von einer Brustveränderung erfährt.

  • Allerdings kann man zurzeit noch nicht erkennen: Bei welcher Frau wird diese Frühform harmlos bleiben? Und bei welcher Frau wird sie zum invasiven und gefährlichen Tumor werden?
  • Hinzu kommt: Eine aktuelle Studie deutet an, dass selbst solche In-situ-Karzinome schon metastasieren können, ohne dass sich überhaupt invasiver Brustkrebs entwickelt.

Daher lassen andere Experten diese Kritik am Mammographie-Screening nicht gelten. Sie gehen davon aus, dass sicherheitshalber jede Frau mit einer dieser Früh- und Vorformen von Brustkrebs behandelt werden sollte.

Auch in anderen Punkten bleibt die Kritik am Mammographie-Screenings nicht unwidersprochen. Ein Streitpunkt unter anderen ist die Methodik, die hinter einem Teil der neueren Studien steht.
So gibt es beispielsweise Untersuchungen, in denen nicht nur Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, sondern auch deutlich jüngere Frauen mit einbezogen wurden. Für Frauen dieser Altersgruppe gibt es in Deutschland aber gar kein Mammographie-Angebot - eben weil der Nutzen für sie unklar ist.

Die Klärung der offenen Fragen zur Mammographie ist insgesamt nicht einfach: Das zeigen Untersuchungen, in denen die Brustkrebssterblichkeit in Ländern mit und ohne Mammographie-Screening verglichen wurde. Man hoffte, deutliche Unterschiede zu sehen, die sich eindeutig auf die Mammographie zurückführen ließen.
Dies wird jedoch durch einen anderen Umstand erschwert: Seit einigen Jahren sinkt die Brustkrebssterblichkeit insgesamt in vielen Ländern ab, unabhängig davon, ob es ein organisiertes Mammographie-Programm gibt, oder ob Frauen die Früherkennung individuell mit ihren Ärzten planen.

Ist es also gar nicht die Mammographie, die die Sterblichkeitsraten beeinflusst? Sind es vielmehr Fortschritte in der Behandlung? Oder wirkt sich beides aus?

  • Ein gesichertes und von allen Experten anerkanntes Fazit zum Nutzen der Mammographie lässt sich bisher nicht ziehen.

Ausblick: Forschung wird neue Daten liefern

Mehr Sicherheit werden nur weitere Studien liefern, etwa eine Auswertung des deutschen Screening-Programms, die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz von der Universität Münster durchgeführt wird. Erste Ergebnisse werden jedoch nicht vor 2017/2018 vorliegen. 

Auch die Forschung zur Biologie von Brustkrebs wird neue Erkenntnisse bringen: Vielleicht gelingt es in Zukunft, wenig aggressive Tumoren sicher von solchen zu unterscheiden, die schnell wachsen, früh metastasieren und eine Frau schwer erkranken lassen. Finden sich bei einer Mammographie auffällige Krebsvor- oder Frühstadien, könnte man dann klären, welche eher harmlos sind und nicht behandelt werden müssen, und welche sofort entfernt werden müssen. 

Hintergrund: Warum keine Mammographie für ältere oder jüngere Frauen?

Frauen, die eine auffällige Veränderung in der Brust bemerken, können zur Abklärung jederzeit eine Mammographie erhalten, völlig unabhängig vom Alter. Die Begrenzung des Alters auf Frauen zwischen 50 und 69 Jahren gilt nur für die Krebsfrüherkennung. Sie kann auch aufgehoben werden, wenn eine Frau ein besonders hohes Brustkrebsrisiko hat, etwa aufgrund vererbter Risikogene.
Für das Mammographie-Screening bei Frauen ohne besonderes Risiko zeigt sich jedoch:

  • Die regelmäßige Untersuchung könnte die Sterblichkeit an Brustkrebs senken - allerdings nicht in jeder Altersgruppe. Der größte Nutzen scheint für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu entstehen.

Hier überwiegt der Nutzen solcher Reihenuntersuchungen gesunder Frauen zudem die möglichen Risiken durch die Strahlenbelastung.

Zwar erkranken auch jüngere Frauen an Brustkrebs – im Alter zwischen 40 und 49 Jahren statistisch etwa eine von 80. Bei ihnen ist die Datenlage zum Nutzen des Mammographie-Screenings aber bisher weniger eindeutig. Als Ursache gilt unter anderem, dass die Untersuchung bei ihnen weniger zuverlässig ist: Bei den meisten Frauen in diesem Alter ist das Gewebe der Brust noch vergleichsweise dicht und hormonell bedingten monatlichen Veränderungen unterworfen.
Anders als bei älteren Frauen ist bei Frauen unter 50 das Risiko durch die Strahlenbelastung des Brustgewebes höher.

Daher wird das Screening in dieser Altersgruppe derzeit nicht empfohlen und nicht angeboten. Mehr Informationen dazu bietet die Stellungnahme der deutschen Strahlenschutzkommission vom Februar 2002 (www.ssk.de, Stichwort "Beratungsergebnisse", Stichwort "Medizinische Strahlenexposition").

Für Frauen über 70 Jahre fehlt ebenfalls der sichere Beweis des Nutzens eines Mammographie-Screenings. Er ist definiert als Rückgang der Sterblichkeit an Krebs der Brust. Dabei erkranken sie nicht seltener an Brustkrebs als die 50- bis 69-Jährigen: Innerhalb von zehn Jahren ist etwa eine von 40 Frauen betroffen.
Allerdings wird Brustkrebs für sie seltener zur Todesursache: Die Erkrankung verkürzt ihre statistische Lebenserwartung nicht messbar. Wegen des unsicheren Nutzens bezogen auf die Gesamtbevölkerung wird das regelmäßige Screening in den Altersgruppen unter 50 und über 70 derzeit nicht empfohlen und auch nicht angeboten.

Hintergrund: Welche Leitlinien zum Mammographie-Screening gelten in Europa?

In einigen anderen Ländern der Europäischen Union wurde das Screening schon früher als in Deutschland eingeführt. Im Auftrag der EU-Kommission erarbeiteten Experten bereits Anfang der 1990er Jahre erstmals Leitlinien für das Mammographie-Screening, mehr unter www.euref.org, in englischer Sprache.

Auch das Programm in Deutschland folgt diesen europäischen Leitlinien. Die Leitlinien stellen Anforderungen an die Qualifikation der Röntgenärzte und des technischen Personals, an die Geräte, aber auch an den gesamten Ablauf des Mammographie-Screenings. Die Screening-Ärzte müssen beispielsweise eine Ausbildung in einem anerkannten Referenzzentrum durchlaufen und sollten danach jährlich mindestens 5.000 Screening-Mammographien befunden. Auch das technische Personal muss an einem Schulungs- und Trainingsprogramm zum Mammographie-Screening teilnehmen und sich regelmäßig weiterbilden. Wie Befunde dokumentiert werden, ist ebenfalls genau festgelegt.

Qualitäts-Richtwerte für das Screening

Außerdem geben die Leitlinien eine Reihe von Richtwerten vor, die im Screening erreicht werden müssen.
Dazu zählt beispielsweise der Anteil notwendiger Wiedereinladungen, um einen Befund weiter abzuklären: Höchstens 5 bis 7 von 100 der untersuchten Frauen sollten wegen unklarer Bilder wieder eingeladen werden.
Auch sollte bei den Erstteilnehmerinnen mindestens ein Viertel, in den Folgeuntersuchungen über ein Viertel der im Screening entdeckten Tumoren maximal einen Zentimeter groß sein. 

  • Findet ein Zentrum nur größere Tumoren, stimmt also womöglich etwas mit der Geräteempfindlichkeit nicht oder die Untersucher erkennen kleine Tumoren zu schlecht. 
  • Sind zu viele Bilder unscharf oder unklar, muss die Qualität ebenfalls nachgebessert werden. 
  • Werden zu viele Frauen wegen solcher Befunde unnötig biopsiert, hätte ein Screening-Zentrum seine Qualitätsvorgaben ebenfalls nicht erreicht.

Schwieriger ist die Überprüfung, wie viele Karzinome bei Frauen zwischen zwei Mammographien entdeckt werden: Wurden diese übersehen? Oder sind sie so schnell gewachsen, dass sie bei der letzten Untersuchung noch nicht zu erkennen waren? Um die entsprechenden Zahlen zu ermitteln, ist ein Abgleich mit den Landeskrebsregistern notwendig. Diese Möglichkeit bieten jedoch noch nicht alle regionalen Krebsregister in Deutschland.

Aktuelle Ergebnisse zur Qualität des Programms in Deutschland und zu den Teilnahmeraten veröffentlicht die Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter http://fachservice.mammo-programm.de/.

Hintergrund: Wie hoch ist das Strahlenrisiko im Screening-Programm?

Wie hoch die Strahlenbelastung beim Mammographie-Screening ist, wurde vor Einführung der Untersuchung in das gesetzliche Früherkennungsprogramm intensiv diskutiert. Die Überwachung ist Teil der Qualitätssicherung. Und in regelmäßigen Abständen diskutieren Experten der Strahlenschutzkommission (SSK) diese Frage erneut.
Wissenschaftler haben anhand konkreter Prüfungen hochgerechnet, mit welcher zusätzlichen Belastung eine Frau rechnen muss, die regelmäßig am Screening teilnimmt.

Das ist natürlich nur ein ungefährer Wert, denn die natürliche Strahlenbelastung hängt sehr stark davon ab, wo man lebt, sie schwankt zwischen einem und zehn Millisievert. So ist die Belastung zum Beispiel abhängig von der Höhe des Wohnorts, oder auch von der Beschaffenheit des Untergrunds in der Region.
Hinzu kommt eine durchschnittliche weitere Belastung mit Strahlung aus sogenannten zivilisatorischen Quellen von 

  • weiteren etwa zwei Millisievert.
  • Insgesamt setzt das Bundesamt für Strahlenschutz  die durchschnittliche Belastung zurzeit also bei vier Millisievert an.

Bei der Mammographie wird die effektive Dosis bei insgesamt vier Aufnahmen 

  • mit etwa 0,2 bis 0,6 Millisievert angegeben.

Ist diese zusätzliche Strahlenbelastung vertretbar? Dies war eine der wichtigsten Fragen vor Einführung des Mammographie-Screenings. Man weiß, dass das Drüsengewebe der Brust auf Strahlung empfindlich reagiert, und dass deshalb das Krebsrisiko steigen kann. Allerdings gilt dies vor allem für Frauen bis etwa 40, bei Frauen über 50 ist die Strahlenempfindlichkeit stark gesunken.
Dies war mit ein Grund für die Begrenzung des deutschen Mammographie-Programms auf Frauen ab diesem Alter: Für sie ist das zusätzliche Strahlenrisiko vermutlich im Vergleich zum Nutzen vertretbar, so die Einschätzung der Experten.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Stand: 6/2016)

Für Fragen zur Krebsfrüherkennung steht der Krebsinformationsdienst täglich von 8 bis 20 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 - 420 30 40 zur Verfügung, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (beim Klick auf den Link öffnet sich ein Formular für eine datensichere Verbindung).

Linktipps für Interessierte

  • Alle zur Mammographie eingeladenen Frauen erhalten eine kleine Broschüre mit den wichtigsten Informationen, um sich informiert entscheiden zu können. Diese Broschüre ist auch im Internet abrufbar, beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter www.g-ba.de/downloads/83-691-393/2015-11-13_Merkblatt-Mammographie_bf.pdf.
  • Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen getragen wird, informiert über das Mammographie-Screening unter www.mammo-programm.de. Dort finden Interessierte auch Links zu weiteren Seiten, zum Beispiel mit einem Wissensquiz oder einem Forum.
  • Das Bundesamt für Strahlenschutz informiert ebenfalls über das Mammographie-Screening: Da es um eine Röntgenreihenuntersuchung für eine so große Anzahl von Frauen geht, war das Bundesamt von Anfang an in die Planung und Überwachung eingebunden, mehr unter www.bfs.de/DE/themen/ion/anwendung-medizin/diagnostik/roentgen/mammographie.html.
  • Zum Laden und Ausdrucken: Informationsblatt "Brustkrebs: Wissenswertes zur Früherkennung"
  • Zur Mammographie gibt es weitere Broschüren verschiedener Anbieter, eine Liste von Bestellinformationen hat der Krebsinformationsdienst in seiner Broschürenliste zusammengestellt.