© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Behandlung bei auf die Prostata begrenztem Tumor

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Wahl?

Bei vielen Patienten ist der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose noch auf die Prostata begrenzt, die bindegewebige Hülle nicht überschritten und keine Metastasen vorhanden. Fachsprachlich bezeichnet man das Prostatakarzinom dann als "lokal begrenzt".
Männer haben in dieser Situation die Wahl zwischen mehreren, nach bisherigem Wissensstand weitgehend gleichwertigen Behandlungsmöglichkeiten: der Operation, der Bestrahlung, der Brachytherapie – also einer Bestrahlung "von innen" mit sogenannten Seeds–, oder auch der aktiven Überwachung mit regelmäßiger Kontrollen des Tumors.
Der nachfolgende Text bietet Patienten und Angehörigen einen Überblick über "frühen" Prostatakrebs. Das Gespräch mit den behandelnden Ärzte können Informationen aus dem Internet aber nicht ersetzen. Interessierte und Fachkreise finden zudem Hintergründe, Linktipps und Hinweise auf Fachpublikationen.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften. Die bei der Erstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt. Eine Übersicht findet sich zudem unter "Prostatakrebs: Behandlungsplanung – eine Übersicht über die Therapiemöglichkeiten".

Diagnose Prostatakarzinom: Welche Rolle spielt das Stadium der Erkrankung?

Aus den Ergebnissen der Voruntersuchungen können die Ärzte bei den meisten Patienten abschätzen, wie weit fortgeschritten ihre Erkrankung ist. Die Befunde werden im sogenannten TNM-System zusammengefasst.
In diesem System steht T für die Größe und die Ausbreitung des Tumors, N (von lateinisch "Nodus") für Anzahl der Lymphknotenmetastasen rund um die Prostata, und M gibt an, ob der Tumor Fernmetastasen in den Knochen oder anderen Organen gebildet hat.

Um einen Befund erstellen zu können, berücksichtigen die Ärzte außerdem, wie hoch der PSA-Wert ist, wie schnell er sich verändert, und welche biologischen Eigenschaften das Gewebe aufweist, das bei einer Biopsie entnommen wurde.

Wie kann der Befund aussehen?

Vorstufen: In den Biopsieproben werden manchmal auch Zellen entdeckt, die als Vorstufen von Prostatakrebs gelten. Sie werden aber noch nicht als Krebserkrankung im engeren Sinn gewertet.

Als "lokal begrenzt" gilt ein Prostatakarzinom,

  • wenn sich das Tumorgewebe noch innerhalb der eigentlichen Vorsteherdrüse befindet und die Gewebe-"Kapsel" darum nicht durchbrochen hat. Im TNM-System werden diese Tumoren je nach Größe als T1 oder T2 eingestuft.
  • Weitere Voraussetzung: Es gibt anhand aller Untersuchungen keine Anzeichen für einen Befall der Lymphknoten oder für Metastasen. Dafür stehen die Angaben N0 und M0.

Alle anderen Befunde führen dazu, dass die Erkrankung streng genommen als "fortgeschritten" bezeichnet wird. Zur Behandlung bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom bietet der Krebsinformationsdienst einen eigenen Text.

Krebsvorstufen in der Prostata: Müssen sie überhaupt behandelt werden?

Bei manchen Männern finden sich bei in einer Biopsie entnommenen Gewebeproben Krebsvorstufen: 

HGPIN steht für eine "hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie". Sie gilt als Hinweis darauf, dass ein Patient ein hohes Risiko hat, ein Karzinom zu entwickeln, oder dass sich an anderer Stelle in der Prostata bereits eines gebildet hat. 

ASAP steht für "atypische mikroazinäre Proliferation" und bezeichnet Gewebe, das auf ein hohes Tumorrisiko hindeutet.

Diese Krebsvorstufen müssen nicht behandelt werden – die Wahrscheinlichkeit, damit betroffenen Männern mehr zu schaden als zu nutzen, ist sehr hoch. Fachleute empfehlen in diesem Fall jedoch, eine erneute Biopsie innerhalb von sechs Wochen vornehmen zu lassen: Der Befund deutet darauf hin, dass an einer anderen Stelle der Prostata ein Karzinom vorliegen könnte.
Wie hoch das Risiko ist, dass dann Tumorzellen gefunden werden, erfahren Betroffene von ihren Ärzten: Sie können anhand des Befunds der Gewebeuntersuchungen die individuelle Situation abschätzen.

Ein LGPIN-Befund (für englisch "Low Grade" = niedriggradige Veränderung) gilt dagegen als harmlos. Eine erneute Biopsie ist bei diesem Befund nicht notwendig. Erst wenn der PSA-Wert deutlich ansteigt, kommen weitere Kontrollen infrage.

Behandlung bei lokal begrenztem Tumor: Welche Verfahren kommen infrage?

Prostatakrebspatienten mit einer lokal begrenzten Erkrankung stehen vor einer nicht immer einfachen Wahl: Für viele Männer kommen mehrere Verfahren infrage, die nach bisherigem Wissen vergleichbar erfolgreich sind.

  • Für die eigene Entscheidung ist es daher wichtig, sich möglichst umfassend zu informieren, und auch eigene Wünsche beim Gespräch mit den Ärzten einzubringen. Relevant für die Therapiewahl können zum Beispiel die zu erwartenden Nebenwirkungen der einzelnen Behandlungsverfahren sein.

Bei kleinen, wenig aggressiven Tumoren ist es unter Umständen gerechtfertigt, gar nicht zu behandeln, sondern zunächst regelmäßig zu kontrollieren und zu beobachten, ob die Erkrankung überhaupt fortschreitet. Nach den bisher vorliegenden Daten haben Männer dadurch keine Nachteile: Sollte sich der Tumor merklich verändern und zum Beispiel der PSA-Wert steigen, ist immer noch ausreichend Zeit, mit einer Behandlung zu beginnen.

Eine Operation oder die verschiedenen Formen der Bestrahlung zielen darauf ab, vorhandenes Tumorgewebe möglichst vollständig zu entfernen oder zu zerstören. Sowohl die Operation wie auch die verschiedenen Bestrahlungsformen gelten als "kurative", also heilende Therapien.

Bei der Therapieplanung spielen auch der Allgemeinzustand und das Alter eine große Rolle. Sehr betagte Männer oder Patienten mit belastenden Zweiterkrankungen können sie sich statt für einer Therapie, die auf Heilung abzielt, aber mit belastenden Nebenwirkungen verbunden ist, auch für eine Antihormontherapie entscheiden, wenn der Tumor Beschwerden bereitet.

PREFERE-Studie (vorzeitig beendet): Wie unterscheiden sich die Therapieoptionen?

2012 wurde in Deutschland mit einer großen Untersuchung begonnen, von der sich Fachleute mehr Klarheit über Nutzen und Risiken der einzelnen Behandlungsverfahren bei örtlich begrenztem Prostatakrebs versprachen: die PREFERE-Studie. Die Abkürzung steht für "Präferenzbasierte randomisierte Studie zur Evaluation von vier Behandlungsmodalitäten bei Prostatakarzinom mit niedrigem und ‚frühem intermediären’ Risiko". Aufgrund von Teilnehmermangel wurde die Studie jedoch zum 31. Dezember 2016 vorzeitig beendet.

Experimentelle Behandlungsansätze

Über Verfahren wie zum Beispiel die sogenannte HIFU-Therapie, die bisher keinen festen Stellenwert bei der Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs haben, informiert der Krebsinformationsdienst unter "Behandlung bei Prostatakrebs: Experimentelle Verfahren".

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)