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Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes.
Prostatakrebs

Diagnose Prostatakrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht

Letzte Aktualisierung: 27.01.2022
Hinweis

Ohne Beschwerden oder Verdacht auf Prostatakrebs können sich Männer auch untersuchen lassen: im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung.

  • Besteht der Verdacht auf Prostatakrebs, führen Ärzte unterschiedliche und einander ergänzende Untersuchungen durch: Die Basis ist immer die Krankheitsgeschichte des Patienten zu erfragen, den Körper zu untersuchen und die Prostata abzutasten sowie ein Bluttest auf das prostataspezifische Antigen (PSA).
  • Um den Krebsverdacht weiter abzuklären, können bildgebende Verfahren sinnvoll sein.
  • Um Prostatakrebs sicher zu diagnostizieren, ist eine Gewebeentnahme aus der Prostata (Biopsie) notwendig.

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Älterer Mann sitzt auf einem Untersuchungstisch in einer Arztpraxis und spricht mit seinem Arzt nach einer Ultraschalluntersuchung.
Haben Männer Beschwerden, stellt die Ärztin oder der Arzt zunächst einige Fragen. Damit können sie eine mögliche Diagnose bereits eingrenzen [Symbolbild]. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Hat ein Mann Beschwerden wie beispielsweise Probleme beim Wasserlassen, Blut im Urin oder der Samenflüssigkeit sind die Hausärztin oder der Hausarzt in der Regel die ersten Ansprechpersonen. Während der sogenannten Anamnese stellen diese zunächst einige Fragen zum Gesundheitszustand, etwa:

  • Gibt es bei Ihnen Vorerkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Haben Sie akute Beschwerden und wie lange halten diese schon an?
  • Gibt es bei Ihnen in der Familie bekannte Erkrankungen?

Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung: Männer bekommen in der Regel Blutdruck und Puls gemessen, eventuell wird ihr Körpergewicht bestimmt. Danach tastet die Ärztin oder der Arzt den Bauchbereich sowie den Penis und Hodensack ab. Abschließend erhalten Männer eine sogenannte digital rektale Untersuchung, um die Prostata zu untersuchen. Wie eine solche Tastuntersuchung abläuft, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Besteht der Verdacht auf Prostatakrebs, tastet die Ärztin oder der Arzt die Prostata über den Enddarm ab. Der Fachbegriff dafür lautet digital-rektale Untersuchung (DRU).

Bei der Tastuntersuchung der Prostata kann die Ärztin oder der Arzt besonders gut die sogenannte periphere Zone der Prostata abtasten, weil sie unterhalb der Blase vor dem Enddarm liegt. Auch das Innere des Enddarms lässt sich bei einer DRU auf Knoten untersuchen. Das Abtasten an sich dauert nicht lange und ist in der Regel nicht schmerzhaft, einige Männer empfinden es jedoch als unangenehm.

Hintergrund

In der äußeren Zone der Prostata entstehen die meisten Prostatakarzinome.

Vergleichsweise weniger Männer erkranken an einem Tumor in der inneren Zone.

Sehr selten entstehen in der zentralen Zone der Prostata Tumoren.
Wie die Prostata in die verschiedenen Bereiche aufgeteilt ist, können Sie unter Was ist Prostatakrebs? nachlesen.

Mit einer Tastuntersuchung kann die Ärztin oder der Arzt beurteilen:

  • wie groß die Prostata ist,
  • welche Form sie hat,
  • ob unregelmäßige oder harte Strukturen wie etwa Knoten vorhanden sind,
  • ob Männer einen Druckschmerz spüren.

So läuft die Untersuchung ab: Männer müssen sich zunächst auf die Seite legen und ihre Beine anwinkeln. Die Ärztin oder der Arzt trägt auf den Handschuh Vaseline oder Gleitgel auf und führt den Zeigefinger danach langsam in den After ein. Über den Enddarm tasten sie dann die Prostata ab.

Wie geht es nach einem auffälligen Tastbefund weiter? Ist die Prostata beispielsweise hart oder lassen sich verdächtige Strukturen ertasten, folgen weitere Untersuchungen für betroffene Männer:

  • Sie bekommen Blut abgenommen, um den sogenannten PSA-Wert zu bestimmen.
  • Ergänzend können bildgebende Verfahren infrage kommen.
  • eine Biopsie ist notwendig, um einen Krebsverdacht ausschließen oder sichern zu können.
PSA-Wert? Was ist das?

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das vor allem in der Prostata gebildet wird.

Mehr dazu lesen Sie unter Was ist Prostatakrebs?

Mit einem Bluttest – dem sogenannten PSA-Test – kann man den Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) eines Mannes feststellen Ein erhöhter PSA-Wert kann bei Männern auf verschiedene Erkrankungen der Prostata hindeuten:

  • die Prostata ist entzündet (Prostatitis)
  • die Prostata ist gutartig vergrößert (benigne Prostatahyperplasie)
  • ein Tumor (Prostatakarzinom) ist vorhanden

So läuft die Untersuchung ab: Männer bekommen bei einem PSA-Test eine geringe Menge Blut aus der Armvene entnommen. Im Labor bestimmen Mitarbeiter anschließend den PSA-Wert. Er wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml). In der Regel liegt das Ergebnis nach wenigen Tagen vor.

Wann ist der PSA-Wert eines Mannes auffällig? Einen "Normalwert" für Männer aller Altersgruppen gibt es nicht. Der PSA-Wert steigt in der Regel mit dem Alter stetig an. Bei folgenden PSA-Werten ist laut den Deutschen Fachgesellschaften eine Gewebeentnahme (Biopsie) notwendig:

  • bei einem PSA-Wert über 4 ng/ml, den eine zweite Messung nach 6 bis 8 Wochen bestätigt
  • bei einem PSA-Wert, der bei Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Prostatakrebsfrüherkennung auffällig ansteigt (zwischen 0,35 ng/ml pro Jahr und 0,75 ng/ml pro Jahr)

Kostenübernahme: Hat ein Mann Beschwerden, die auf Prostatakrebs hindeuten, oder besteht ein Verdacht auf ein Prostatakarzinom? Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für den PSA-Test.



Hat ein Mann einen erhöhten PSA-Wert oder ertastet die Ärztin oder der Arzt bei der digital-rektalen Untersuchung (DRU) verdächtige Knoten? Dann können bildgebende Verfahren helfen, einen Krebsverdacht vor einer Gewebeentnahme (Biopsie) weiter abzuklären.

Ist die Krebsdiagnose durch eine feingewebliche Untersuchung Biopsie gesichert? Dann lässt sich mit bildgebenden Verfahren feststellen, ob und wie weit sich der Krebs im Körper ausgebreitet hat.

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Zum Weiterlesen

Wie eine Ultraschall-Untersuchung allgemein funktioniert, erfahren Sie unter Ultraschalluntersuchungen: Schallwellen zur Krebsdiagnose.

Der transrektale Ultraschall ist eine Ultraschall-Untersuchung über den Enddarm. Besonders gut lässt sich damit feststellen, wie groß die Prostata ist und welche Form sie hat. Ist die Struktur oder Größe verändert, kann das auf eine Erkrankung der Prostata hindeuten.

Nachteil der TRUS: Es lassen sich zwar gutartige und bösartige Veränderungen im Gewebe feststellen, aber nicht voneinander unterscheiden. Daher reicht die TRUS-Untersuchung allein nicht aus, um Prostatakrebs eindeutig festzustellen oder ausschließen zu können. Zudem lassen sich je nachdem, wo der Tumor liegt und wie groß er ist, nicht alle Prostatakarzinome mit einem TRUS darstellen.

So läuft die Untersuchung ab: Ein Mann bekommt einen etwa 1 bis 2 cm breiten Ultraschallkopf über den After in den Enddarm eingeführt. Die Untersuchung an sich ist in der Regel schmerzfrei, manche Männer empfinden sie jedoch als unangenehm. Insgesamt dauert die Untersuchung nur wenige Minuten.

TRUS als ergänzende Untersuchung: Während einer Biopsie lassen sich mithilfe eines TRUS gezielt und systematisch Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen der Prostata entnehmen. Dafür ist am Ultraschallkopf zusätzlich eine Biopsienadel angebracht.

Kostenübernahme: Hat ein Mann Beschwerden, die auf Prostatakrebs hindeuten, oder besteht ein Verdacht auf ein Prostatakarzinom? Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für einen transrektalen Ultraschall.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die sogenannte multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist ein relativ neues bildgebendes Verfahren. Ihr Stellenwert bei der Diagnose von Prostatakrebs nimmt aber immer mehr zu.

Stellenwert neuer Verfahren

Bei neuen Verfahren gibt es oftmals weniger Daten aus Studien, die ihren Nutzen belegen. Der Stellenwert eines solchen Verfahrens nimmt zu, je mehr Erfahrung Fachleute in der Praxis gewinnen und je mehr verfügbare Daten einen Nutzen bestätigen.

"Multiparametrisch" bedeutet, dass dieses Verfahren mehrere verschiedene MRT-Techniken vereint. Damit lassen sich verdächtige Bereiche in der Prostata feststellen. Zudem lässt sich untersuchen, ob sich die verdächtigen Strukturen auch außerhalb der Prostata ausgebreitet haben.

So läuft die Untersuchung ab: Bevor bei dem Mann die mpMRT-Untersuchung der Prostata beginnen kann, sollte er Enddarm und die Harnblase entleert haben. Manche Patienten erhalten zusätzlich Medikamente, die die Darmbewegung verringern. Für die eigentliche Untersuchung legt man sich mit dem Rücken auf einen Untersuchungstisch, der für die Aufnahmen der Prostata in eine Röhre fährt. Die Untersuchung dauert etwa eine halbe Stunde.

mpMRT als ergänzende Untersuchung:

  • Gibt es auffällige Bereiche in einer mpMRT-Aufnahme? Dann entnimmt die Ärztin oder der Arzt dort gezielt Gewebeproben mit einer Biopsie (eventuell auch als sogenannte Fusionsbiopsie).
  • Ist die Diagnose Prostatakrebs gesichert? Dann hilft eine mpMRT dabei festzustellen, ob sich der Krebs bereits im Körper ausgebreitet hat.

Kostenübernahme: Die mpMRT ist bisher noch keine Standard-Untersuchung und zudem noch nicht überall verfügbar. Ob die eigene Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollte jeder Betroffene vorab zunächst mit der Ärztin oder dem Arzt und anschließend auch mit der Krankenkasse abklären.

Computertomographie (CT)

Eine Computertomographie des Beckenbereichs ist eine Standarduntersuchung bei Prostatakrebs, deren Kosten die gesetzliche Krankenkasse übernimmt. Sie hilft einzuschätzen,

  • ob der Krebs auf die Prostata begrenzt ist,
  • wie weit sich der Prostatakrebs bei einem Betroffenen ausgebreitet hat
  • oder ob es Tumorabsiedlungen (Metastasen) gibt.

So läuft die Untersuchung ab: Für ein CT ist meist keine besondere Vorbereitung erforderlich. Für die Untersuchung legt sich der Mann auf eine bewegliche Liege, die in den Computertomographen fährt. Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei und dauert zwischen 5 und 30 Minuten, jedoch ist sie mit einer Strahlenbelastung verbunden.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) lassen sich Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar machen. Der Patient bekommt dafür eine schwach radioaktiv markierte Substanz ins Blut verabreicht, den sogenannten Tracer. Das sind Substanzen, die auch im Körperstoffwechsel vorkommen wie zum Beispiel Zucker. Nachdem sich der Tracer im Körper verteilt hat, geht von ihm kurzzeitig eine Strahlung aus. Diese Strahlung lässt sich mit dem PET-Gerät messen.

Wichtig

Eine PET weist nicht zwangsläufig Krebs nach. Die Bereiche, in denen sich die Substanz anreichert, können auch auf Entzündungen, ein Knochenbruch oder eine Erkrankung der Gelenke wie Rheuma oder Gicht zurückzuführen sein.

Eine PET kann Krebs sichtbar machen: Es gibt Tracer, die an bestimmte Oberflächenmerkmale (Antigene) von Krebszellen binden. Dazu zählt beispielsweise das sogenannte PSMA (prostataspezifisches Membranantigen). Weil Prostatakrebszellen mehr PSMA bilden, reichert sich dort der Tracer stärker an als in gesundem Gewebe. Dadurch lassen sich Tumoren und Metastasen in einer PET-Aufnahme von gesundem Gewebe unterscheiden. Sie erscheinen dort als leuchtende Bereiche, weil sich die radioaktiv markierten Tracer in ihnen ansammeln.

Lexikon

PSMA steht für prostataspezifisches Membranantigen.

Es kommt sowohl auf Prostatazellen als auch auf Prostatakrebszellen vor, letztere bilden deutlich mehr PSMA.

Die sogenannte PSMA-PET/CT kombiniert die PET und die Computertomographie (CT) in einem Gerät/einer Untersuchung. Sie ist zwar noch kein Standard, ihr Stellenwert bei Prostatakrebs nimmt aber zu. Denn: Im Vergleich zur Knochenszintigraphie kombiniert mit einer CT, weist die PSMA-PET/CT Metastasen bei Prostatakrebs meist genauer nach.

Bei Männern mit Prostatakrebs und einem erhöhten Krebs-Rückfallrisiko (Rezidiv) kann eine PSMA-PET/CT sinnvoll sein:

  • bei der Suche nach Metastasen
  • oder um ein erneutes Tumorwachstum nach erfolgreicher Therapie (Rezidiv) feststellen oder ausschließen zu können.

So läuft die Untersuchung ab: Für eine PET/CT muss man nüchtern sein. Etwa 8 Stunden vorher sollte der Patient daher nur ungesüßte Flüssigkeiten wie Mineralwasser oder Tee zu sich nehmen. Kurz vor der Untersuchung bekommt er den radioaktiven Marker in die Armvene gespitzt. Nach einer Ruhezeit legt man sich auf einen Untersuchungstisch, der für die Aufnahmen in das PET/CT-Gerät fährt. Die Untersuchung dauert dann etwa 30 Minuten.

Kostenübernahme: Die PSMA-PET/CT ist bisher keine Routineuntersuchung und noch nicht überall in Deutschland verfügbar. Bisher übernehmen Krankenkassen nur bei Patienten die Kosten, deren PSA-Verlauf auf ein einen Rückfall hinweist oder im Rahmen einer ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV).

  • Was eine ASV genau ist, erklärt der Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in einer Patienteninformation (PDF).


Knochen- oder Skelettszintigraphie

Mit einer Szintigraphie lässt sich der Stoffwechsel im Gewebe untersuchen: wie bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mithilfe einer schwach radioaktiven Substanz, die sich entsprechend der Stoffwechselaktivität unterschiedlich stark anreichert. Diese Bereiche können auf Tumoren oder Tumorabsiedlungen (Metastasen) hinweisen.

Eine Knochen- oder Skelettszintigraphie kommt für Männer infrage,

Unterschied zur PET

Anders als bei einer Szintigraphie ergibt eine PET dreidimensionale Bilder. Die PET-Aufnahmen haben zudem eine bessere Auflösung, weshalb sich auch sehr kleine Strukturen noch voneinander unterscheiden lassen.

So läuft die Untersuchung ab: Vor der Untersuchung bekommt der Mann eine schwach radioaktive Substanz in die Armvene gespritzt. Abhängig von der Substanz muss man unterschiedlich lange warten, bis sich diese im Körper verteilt hat. Danach legt sich der Mann auf eine Liege direkt unter die sogenannte Gamma-Kamera. Die Szintigraphie-Aufnahmen dauern bis zu 20 Minuten, abhängig von der Anzahl der Aufnahmen.

Kostenübernahme: Die Skeletszintigraphie ist eine ergänzende Routineuntersuchung bei Prostatakrebs. Daher übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten.

Um den Verdacht auf Prostatakrebs sichern zu können, ist eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Prostata notwendig. In der Regel findet die Biopsie unter Ultraschallkontrolle als transrektaler Ultraschall (TRUS) statt. Eine Pathologin oder ein Pathologe untersucht die Proben anschließend feingeweblich (histologisch) unter einem Mikroskop.

Für eine zuverlässige Diagnose entnimmt die Urologin oder der Urologe etwa 10 bis 12 Proben aus der Prostata des Mannes – nach einem festgelegten Muster. Daher sprechen Mediziner auch von einer systematischen Biopsie. Sind vorher bei bildgebenden Untersuchungen verdächtige Bereiche aufgefallen, können Ärzte dort zusätzlich zielgenau Proben entnehmen.

So läuft die Untersuchung in der Regel ab: Der Mann bekommt zunächst eine örtliche Betäubung und ein Antibiotikum, um eine Infektion der Einstichstelle zu vermeiden. Dann legt sich der Mann meist mit angezogenen Knien auf die Seite, manchmal auch auf den Rücken mit gespreizten und angezogenen Knien. Danach entnimmt die Ärztin oder der Arzt die Gewebeproben. Dafür wird eine 1 bis 2 cm dicke Ultraschallsonde mit einer kleinen Biopsienadel über den After in den Enddarm eingeführt.

  • Alternativ ist eine Biopsie auch über den Damm (perineal) möglich, also durch die Haut zwischen After und Penis. Dann kann eine Kurznarkose notwendig sein. Das ist eine Form der Vollnarkose, die allerdings nicht lange anhält.

Wichtig zu wissen: Nach der Biopsie haben Männer häufig geringe Mengen Blut im Urin, im Sperma oder im Stuhl. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge.

Fusionsbiospie

Die sogenannte Fusionsbiopsie ist ein neueres Verfahren, um Gewebeproben zu entnehmen: Nach einer multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) bewerten Fachärzte der Urologie und Radiologie die Aufnahmen der Prostata. Dabei kennzeichnen sie gegebenenfalls tumorverdächtige Bereiche. Vor der Biopsie werden die MRT-Bilder und die Bilder aus dem Echtzeit-Ultraschall übereinandergelegt (fusioniert). Die Urologin oder der Urologe können dadurch an den markierten Stellen gezielt Gewebeproben entnehmen (gezielte Biopsie).

Stellenwert neuer Verfahren

Im Vergleich zu Standardverfahren gibt es weniger wissenschaftliche Daten zu neueren Verfahren. Um solche Verfahren besser beurteilen zu können, sind größere, hochwertige Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen nötig.

Es gibt zwei Arten der Fusionsbiopsie:

  • Bei der kognitiven Fusionsbiopsie führt die Urologin oder der Urologe ohne Hilfsmittel, also rein visuell die MRT-und Ultraschallaufnahmen zusammen. Während der Standard-Biopsie unter Ultraschallkontrolle (siehe transrektaler Ultraschall) vergleichen sie die vorliegenden Bilder aus dem Ultraschall und der mpMRT ohne zusätzliche Technologie.
  • Bei der Software-gestützten Fusionsbiopsie lagert ein Computerprogramm die beiden Aufnahmen der Prostata übereinander.

Wann ist eine Fusionsbiopsie empfohlen?

  • Keine Routineuntersuchung bei der Erstbiopsie: Um einen Krebsverdacht abzuklären, sollen Ärzte weiterhin systematisch und ultraschallgestützt Gewebeproben aus der Prostata entnehmen. Eine Fusionsbiopsie kann aber dann infrage kommen, wenn vor dieser Erstbiopsie eine Aufnahme der Prostata mittels multiparametrischer Magnetresonanztomographie (mpMRT) gemacht wurde und tumorverdächtige Bereiche aufgefallen sind.
  • Standarduntersuchung bei Zweitbiopsie: Besteht nach einer ersten Biopsie weiterhin ein Krebsverdacht, ist die Fusionsbiopsie laut bisheriger Studien die Untersuchung der Wahl.


Wenn eine Biopsie die Diagnose Prostatakrebs bestätigt hat, folgt vor der Therapieplanung eine Klassifizierung des Tumors: Dabei wird der Tumor anhand von festgelegten Kriterien einem Stadium zugeordnet. Dieses Stadium gibt wider, wie aggressiv der Krebs wächst und ob er sich bereits im Körper ausgebreitet hat. Wichtig dafür sind die Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen (Befunde).

Wichtig für die Therapieplanung bei Prostatakrebs sind:

  • der PSA-Wert
  • der Tumorgrad (siehe Tumorgrad und Gleason-Score)
  • das Tumorstadium (siehe TNM-System)

Die Untersuchungsergebnisse werden in der Regel in einem oder mehreren Arztbriefen zusammengefasst. Oftmals enthalten solche Arztbriefe viele medizinische Bezeichnungen, Zahlen und Abkürzungen.

Gleason-Score und ISUP-Gruppe

Wichtig für die Therapieplanung ist auch die Prognose des Patienten, also der wahrscheinliche Krankheitsverlauf, und wie groß das Risiko für einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) ist. Anhand der Gewebeproben aus dem Tumor bestimmt eine Pathologin oder ein Pathologe dafür 3 Werte:

  • den Tumorgrad in den Gewebeproben,
  • den sogenannte Gleason-Score,
  • vom Gleason-Score abhängig ist, zu welcher ISUP-Gruppe ein Tumor gehört.

Tumorgrad (Gleason-Grad): Je höher der Tumorgrad ist, desto bösartiger (aggressiver) ist der Tumor und desto stärker unterscheiden sich die Krebszellen von gesunden Prostatazellen. Die Pathologin oder der Pathologe ordnet den Gewebeproben entsprechend des Tumorgrades Punktwerte zwischen 1 und 5 zu. Fachleute verwenden dafür auch den englischen Begriff "grading".

Gleason-Score: Da bösartige Tumoren der Prostata oftmals verschiedene Wachstumsmuster haben, zählt man 2 Gleason-Grade zusammen. Die Summe dieser Werte ergibt den sogenannten Gleason-Score. Wie man ihn berechnet, ist abhängig davon, ob die Pathologin oder der Pathologe die ganze Prostata oder nur eine Gewebeprobe untersucht.

Wichtig zu wissen

Gleason-Score ist nicht immer gleich Gleason-Score.

Beispiel Gleason Score 7:
3+4=7a oder 4+3=7b

Der Score 4+3 ist von der Prognose ungünstiger, da der Anteil des aggressiven Wachstumsmusters überwiegt.

  • Bei Gewebeproben: Der Gleason-Score ergibt sich aus der Summe des häufigsten und des höchsten Tumorgrades.
  • Nach operativer Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie): Der Gleason-Score ergibt sich aus der Summe des häufigsten und des zweithäufigstes Tumorgrades, wobei das häufigste Wachstumsmuster am Anfang der Summe steht.

ISUP-Gruppe: Die Internationale Gesellschaft für urologische Pathologie (ISUP) unterteilt Prostatakarzinome in 5 Gruppen. Diese sogenannten ISUP-Gruppen sind abhängig vom Gleason-Score und bewerten den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf (Prognose) von Männern mit Prostatakrebs. Patienten mit Prostatakrebs der ISUP-Gruppe 1 haben eine günstige Prognose, während ein Mann mit Prostatakrebs der Gruppe 5 eine vergleichsweise schlechtere Prognose hat. Je schlechter die Prognose ist, desto höher ist das Risiko für einen Krankheitsrückfall (Rezidiv).

Tabelle mit den ISUP-Gruppen 1 – 5 und den dazugehörigen Gleason-Scores bei Prostatakrebs, und was diese Einteilung für die Prognose bedeutet.
Die Werte für die ISUP-Gruppe und den Gleason-Score weisen im Befund darauf hin, wie schnell der Prostatakrebs des Betroffenen vermutlich wächst und wie aggressiv er ist. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Tumorstadium: TNM-System

TNM-System

T gibt an, ob ein Tumor vorhanden ist.

N beschreibt, ob Krebszellen auch in den Lymphknoten vorhanden sind.

M zeigt an, ob ein Betroffener sogenannte Fernmetastasen hat, also Tumorabsiedlungen.

Mit dem sogenannten TNM-System beschreiben Fachleute, wie groß der Tumor eines Betroffenen in der Prostata ist und ob er sich auf benachbarte Lymphknoten und Gewebe oder entfernte Organe ausgebreitet hat. Dafür werten Ärztinnen und Ärzte die verschiedenen Untersuchungsergebnisse aus.

Ergänzend beurteilt eine Pathologin oder ein Pathologe in der Regel die Gewebeproben nach einer Operation oder Bauchspiegelung. Dann steht vor den TNM-Werten ein kleines "p".

Steht hinter einer oder mehreren der TNM-Kürzel der Buchstabe X? Das bedeutet, dass der jeweilige Wert nicht beurteilbar ist. Entweder gab es dazu keine Untersuchung oder es lässt sich keine sichere Angabe machen.

T-Wert

T ist die Abkürzung für den englischen Begriff "tumor". Der T-Wert gibt an, wie weit sich der Ausgangstumor (Primärtumor) ausgebreitet hat und wie groß er ist.

  • T1: Der Tumor macht keine Beschwerden, ist nicht tastbar oder in bildgebenden Verfahren sichtbar.
  • T2: Der Tumor ist tastbar, aber auf die Prostata beschränkt.
  • T3: Der Tumor hat die Prostatakapsel überschritten, ist also nicht mehr auf die Prostata begrenzt.
  • T4: Der Tumor ist in Gewebe eingewachsen, das die Prostata umgibt: zum Beispiel in den Harnblasenhals, den Enddarm oder die Bauchwand.

Um ein Prostatakarzinom genauer beschreiben zu können, unterteilen Fachleute die einzelnen Stadien noch weiter. Mit dem Zusatz a, b oder c nimmt die Tumorgröße von a nach c zu.

Zum Weiterlesen

Wie groß ein Tumor im T1- oder T2-Stadium sein kann und wo er ungefähr liegt, können Sie in unserer Broschüre (PDF) bei der Stadienunterscheidung nachschauen.

  • T1a: Tumorzellen sind nur in einem sehr geringen Anteil der Gewebeproben nachweisbar. Fachleute sprechen hier von einem zufälligen Befund.
  • T1b: Ein zufälliger Befund liegt auch vor, wenn Krebszellen in geringfügig mehr Anteilen der Gewebeproben nachweisbar sind als bei T1a.
  • T1c: Der Tumor ist weder tastbar noch in der Bildgebung sichtbar. Er war nur durch die Biopsie in einem oder beiden Lappen der Prostata nachweisbar.
  • T2a: Tumorzellen sind nur in einem kleinen Teil eines Prostatalappens nachweisbar.
  • T2b: Der Tumor nimmt mehr als die Hälfte eines Prostatalappens ein.
  • T2c: Beide Lappen der Prostata sind betroffen.
  • T3a: Der Tumor hat sich außerhalb der Prostata in Gewebe und / oder den Harnblasenhals ausgebreitet.
  • T3b: Der Krebs ist bis in die Samenblasen eingewachsen.

N-Wert

N steht für die lateinische Bezeichnung "nodus" und gibt an, ob Krebszellen in den Lymphknoten um die Prostata vorhanden sind oder nicht:

  • N0: in den Lymphknoten befinden sich keine Tumorzellen
  • N1: regionäre Lymphknoten enthalten Tumorzellen. Dazu zählen die Lymphknoten der Beckenregion.

M-Wert

M steht für den englischen Begriff "metastasis" und gibt an, ob Metastasen im Körper vorhanden sind (M1) oder nicht (M0).

Hat der Betroffene Fernmetastasen, steht gegebenenfalls auch im Arztbrief, wo sie liegen:

  • M1a: in den nicht regionären Lymphknoten oberhalb der Teilungsstelle der Hauptschlagader und den beiden großen Beckenarterien.
  • M1b: in den Knochen.
  • M1c: weder in den Knochen noch in den nicht regionären Lymphknoten.


Quellen und weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu den für die Erstellung des Textes genutzten Quellen sowie nützliche Links sind aufgeführt unter Prostatakrebs: Adressen, Broschüren, Fachliteratur.

Fachartikel (Auswahl)

Drost FH, Osses D, Nieboer D, Bangma CH, Steyerberg EW, Roobol MJ, Schoots IG. Prostate Magnetic Resonance Imaging, with or Without Magnetic Resonance Imaging-targeted Biopsy, and Systematic Biopsy for Detecting Prostate Cancer: A Cochrane Systematic Review and Meta-analysis. Eur Urol. 2020 Jan; 77(1):78-94. doi: 10.1016/j.eururo.2019.06.023.

Epstein J, Egevad L, Amin M, Delahunt B, Srigley J, Humphrey P. The 2014 International Society of Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Gleason Grading of Prostatic Carcinoma. The American Journal of Surgical Pathology. 2016 Feb; 40 (2): 244-252. doi: 10.1097/PAS.0000000000000530.

Hofman MS, Lawrentschuk N, Francis RJ, Tang C, Vela I, Thomas P, Rutherford N, Martin JM, Frydenberg M, Shakher R, et al. Prostate-specific membrane antigen PET-CT in patients with high-risk prostate cancer before curative-intent surgery or radiotherapy (proPSMA): a prospective, randomised, multicentre study. Lancet. 2020 Apr; 395(10231):1208-1216. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30314-7.

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Erstellt: 27.01.2022

Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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