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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakarzinom, Therapieverfahren: Bestrahlung

Mit einer Bestrahlung kann Prostatakrebs geheilt werden - vorausgesetzt, die Erkrankung ist noch auf das Organ selbst begrenzt. Die Strahlentherapie kann jedoch auch eine fortgeschrittene Erkrankung bremsen und tumorbedingte Beschwerden lindern, etwa Schmerzen bei Knochenmetastasen.
Wie sieht die Bestrahlung bei Prostatakrebs heute aus? Wann und für wen kommt sie in Betracht? Der folgende Text bietet Betroffenen und Interessierten einen kurzen Überblick.  Geht es um eine Therapieentscheidung, können Informationen aus dem Internet die persönliche ärztliche Beratung allerdings nicht ersetzen.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen wurden zuletzt im März 2014 überprüft. Sie sind entweder direkt im Text verlinkt, oder zusammengefasst unter "Prostatakarzinom - Behandlungsplanung" aufgeführt, außerdem unter "Mehr wissen über Prostatakrebs".

Überblick: Wann ist eine Bestrahlung sinnvoll?

Wann kommt eine Bestrahlung für Männer mit Prostatakrebs infrage?
Darauf gibt es mehrere Antworten, hier eine pauschale Übersicht:

  • Die Bestrahlung gehört bei kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren zu den Möglichkeiten, das Tumorwachstum dauerhaft zu stoppen. Sie stellt dann je nach Situation eine Alternative zur Operation und zum Abwarten unter engmaschiger Kontrolle dar. Zurzeit können allerdings auch Experten nicht sicher sagen, ob die Bestrahlung - egal mit welchem Verfahren - besser, schlechter oder wirklich gleich gut hilft wie eine Operation, oder ob Abwarten nicht genauso sinnvoll ist. Zu dieser Frage laufen derzeit international und auch in Deutschland große Studien, mehr dazu im Text "Behandlungsplanung".
  • Die Bestrahlung ist eine übliche Behandlungsmethode für Männer, deren Tumor sich bereits weiter ausgedehnt hat, oder bei denen es zu einem nach wie vor örtlich begrenzten Rückfall nach Operation kommt. 
    Dann kann die Bestrahlung entweder allein oder in Kombination mit anderen Verfahren angewendet werden.
  • Bei Männern, deren Tumor gestreut hat, trägt die Bestrahlung zur Linderung von Beschwerden bei. Sie hilft insbesondere bei Knochenmetastasen.

Bei der Entscheidung spielt nicht nur das Tumorstadium eine Rolle. Auch das Alter und eventuell vorhandene Begleiterkrankungen werden berücksichtigt. Betroffene Männer sollten sich auf jeden Fall mit ihren Ärzten beraten, welche Therapie in ihrer individuellen Situation die jeweils "richtige" ist.

Verfahren: Individuell abgestimmt auf die Situation

Mehrere Bestrahlungsmethoden stehen heute zur Behandlung von Prostatakrebs zur Verfügung:

  • die Bestrahlung von außen (perkutane Radiotherapie), die für die meisten Patienten in jedem Krankheitsstadium infrage kommt
  • eine Weiterentwicklung, die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT), die gezielter, aber aufwändiger ist und auch nicht bei jedem Patienten notwendig wird
  • die Bestrahlung von innen, die "Brachytherapie", auch Seeds, oder Afterloading, bei der eine Strahlenquelle direkt an den Tumor oder sogar in die Prostata selbst eingebracht wird.

Diese Verfahren werden in den weiteren Abschnitten ausführlicher beschrieben.
Neu und im weiteren Sinn ebenfalls zur Strahlentherapie gehörend ist auch die Anwendung von Ultraschall (hochfokussierter Ultraschall, HIFU), um Prostatatumoren zu zerstören. Dieses Verfahren gilt jedoch wie die IMRT nicht als Standard und ist auch nicht an allen Zentren verfügbar.

Wirkung setzt verzögert ein: PSA-Wert sinkt nur langsam ab

Die Bestrahlung der Prostata ist eine für die meisten Patienten gut verträgliche Methode, sie ist aber nicht völlig ohne Nebenwirkungen. Auch setzt die Wirkung nur mit einiger Verzögerung ein: Die Strahlendosis ist nie so hoch, dass alles Gewebe unmittelbar zerstört würde. Sie regt vielmehr biologische Prozesse an, die zum Abbau des geschädigten Gewebes führen. Daher kann es bei einer Bestrahlung zum Beispiel einige Zeit dauern, bis ein erhöhter PSA-Wert absinkt.

Perkutane Radiotherapie: Bestrahlung von außen

Die perkutane Bestrahlung - perkutan steht für "durch die Haut" - ist das klassische Bestrahlungsverfahren, mit dem die meiste Erfahrung in der Prostatakrebstherapie vorliegt. 
Als Patient liegt man bei der eigentlichen Behandlung auf einer Liege unter einem so genannten Linearbeschleuniger. Wie ein solches Gerät funktioniert und wie es aussieht, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie unter www.degro.org (Stichwort Patienten).
Von den die Haut durchdringenden Strahlen spürt man nichts. Die einzelne Bestrahlungssitzung dauert nur wenige Sekunden bis Minuten.

Deren Vorbereitung ist allerdings zeitaufwändiger: Die Strahlendosis und das Strahlenfeld werden heute mit dem Computer berechnet. Grundlage sind Computertomographie-Aufnahmen. Dies soll sicherstellen, dass möglichst nur der Tumor bestrahlt wird und gesundes Gewebe so weit wie möglich geschont bleibt. Der Fachbegriff für diese Vorgehensweise heißt dreidimensionale Bestrahlungsplanung.

Die erforderliche Strahlendosis wird in der physikalischen Einheit Gray angegeben (Abkürzung Gy). Betroffene Männer erhalten nie die gesamte Dosis auf einmal: Sie wird in einem Zeitraum von etwa sieben bis acht Wochen auf fünf Bestrahlungen pro Woche aufgeteilt oder "fraktioniert"; Abweichungen von diesem Zeitplan sind möglich.

  • Perkutan bestrahlte Patienten sind nicht "radioaktiv" oder gar gefährlich. Beim Umgang mit der Familie oder Freunden sind keine Vorsichtmaßnahmen erforderlich.

Gezielter bestrahlen: Neuere Techniken der Bestrahlung, IMRT

Die so genannte intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) ist eine Weiterentwicklung der perkutanen Bestrahlung mit rechnergesteuerter Bestrahlungsplanung. Durch die Kombination von Computer, Bestrahlungsgerät und einem ausgefeilten beweglichen Filtersystem ist es möglich, die Verteilung der maximale Strahlendosis genau der Form der Prostata anzupassen.

Für wen kommt diese Bestrahlungsform infrage? Eine so gezielte Bestrahlung kann dazu beitragen, dass Patienten weniger unter Nebenwirkungen oder Spätfolgen leiden. Sie ist jedoch nicht für jeden Patienten notwendig oder sinnvoll: Bei manchen Patienten mit fortgeschritteneren Tumoren kann es sinnvoll sein, die IMRT zu nutzen, um eine höhere Strahlendosis auf den Tumor zu richten. Gerade wenn es darum geht, möglicherweise verstreute Tumorzellen zu erreichen, um die Rückfallgefahr zu senken, kann aber auch eine konventionelle Bestrahlung mit größerem Strahlungsfeld sogar sinnvoller sein.

Die IMRT ist zudem auch technisch und von der notwendigen Zeit her weit aufwändiger als eine konventionelle perkutane Bestrahlung, und sie steht bisher auch nicht an allen infrage kommenden Zentren zur Verfügung.

Brachytherapie: Bestrahlung von innen mit Seeds oder Afterloading

Wie gut und wem genau die sogenannte Brachtherapie hilft, dazu sind zurzeit noch Fragen offen. Die Brachytherapie wird zudem nicht an allen Behandlungszentren angeboten, die eine Prostatakrebstherapie durchführen.
Voraussetzung für das Einbringen von Strahlungsquellen in den Tumor ist eine nicht zu große, aber auch nicht extrem kleine Prostata. Männer, die wegen einer gutartigen Prostataerkrankung oder aus anderen Gründen voroperiert sind, können meist nicht mit einer Brachytherapie behandelt werden.
Auch ist diese Bestrahlungsform, so die Einschätzung vieler Experten, nur für Männer geeignet, die einen PSA-Wert nicht höher als 10 Nanogramm pro Milliliter aufweisen und deren Gleason-Score nicht auf ein aggressives Tumorwachstum hindeutet.

Seeds: Nutzen noch unklar, Kostenübernahme vorher abklären

Zum Nutzen dieser Behandlungsverfahren im Vergleich zu den anderen infrage kommenden Möglichkeiten gibt es noch Unklarheiten. Ob die Therapie besser oder schlechter ist als Operation, Bestrahlung von außen oder abwartendes Beobachten, weiß man nicht genau.
2011 veröffentlichte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Analyse. Damals war die Studienlage zu Vor- und Nachteilen der Brachytherapie noch  unzureichend (für Interessierte und Fachkreise: https://www.iqwig.de/de/projekte_ergebnisse/projekte/
nichtmedikamentoese_verfahren/n10_01_interstitielle_brachytherapie_beim_
lokal_begrenzten_prostatakarzinom_rapid_report.1278.html#overview
). Einen Überblick über weitere Studien bietet auch der Text "Behandlungswahl bei Prostatakrebs".

Übernehmen die Krankenkassen - gesetzliche und private - die Kosten für Seeds?
Für gesetzlich Versicherte Männer gilt eigentlich ein Beschluss, dass insbesondere die ambulante Behandlung nicht von den Kassen gezahlt werden  muss, solange der Nutzen nicht feststeht. Männer, die sich für die Seeds-Behandlung interessieren, sollten daher die Frage der Kosten auf jeden Fall vorab mit ihren Ärzten und ihrer Versicherung abklären.

Wie wird werden die Seeds implantiert?

Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden. Er erfolgt in Voll- oder nur Teilnarkose des Unterleibs.

Vorab erhält jeder Patient einen Blasenkatheter. Durch diesen füllen die Ärzte ein Kontratmittel ein, und Blase und Harnröhre werden im Ultraschall oder unter Röntgenkontrolle gut sichtbar. So ist sichergestellt, dass bei der Seeds-Implantation keine ungewollten Verletzungen der Blase auftreten. Danach führt der behandelnde Arzt die Strahlungsquellen in die Prostata ein,vom Damm her zwischen Hodensack und After . Dazu verwendet er Hohlnadeln, die mit nur wenigen Millimeter großen radioaktiven Metallteilchen bestückt sind. Diese so genannten Seeds bleiben beim Herausziehen der Hohlnadeln in der Prostata zurück. Auch deshalb wird die Behandlung gelegentlich als "Spickung" bezeichnet.  

Als Strahlungsquelle wird meist Jod-125 oder Palladium-103 verwendet: Beide "Strahler" sind radioaktiv, haben aber nur eine sehr geringe Reichweite von wenigen Millimetern bis Zentimetern und eine kurze Lebensdauer bzw. Halbwertszeit. Ihre Strahlung beschränkt sich daher im Wesentlichen auf den Tumor und hält nur wenige Wochen an. Die Gesamtstrahlendosen können wegen der punktgenauen Einbringung in die Prostata weit höher gewählt werden als bei der perkutanen Bestrahlung.

Weil die Reichweite der Strahlung aber pro Metallteilchen so gering ist, müssen, abhängig von der Prostatagröße, mehrere Dutzend Seeds über das Organ verteilt werden, um überall die notwendige Dosis zu erreichen. Wegen der geringen Reichweite wird die Behandlung auch englisch als "Low Dose-Rate-Brachytherapie" (LDR) bezeichnet.

Risiken durch Radioaktivität?

Um die Positionierung der Seeds zu überwachen, führen die Ärzte beim Eingriff und bei späteren Kontrollen eine Ultraschalluntersuchung durch. Auch eine mehrfache Strahlenmessung, eine so genannte Dosimetrie, wird durchgeführt. 
Normalerweise kann man nach der ersten postoperativen Kontrolle nach Hause, wenn sichergestellt ist, dass kein radioaktives Material an unerwünschter Stelle sitzt oder verloren ging.

In den ersten Tagen sollte man als Patient sehr engen körperlicher Kontakt mit Schwangeren oder Kindern vermeiden, so die Empfehlung von Strahlenexperten. Ganz Isolieren müssen sich  mit Seeds behandelte Patienten aber auf keinen Fall. Besuche, die Begrüßung mit Handschlag oder Umarmung, der Aufenthalt im selben Zimmer stellen selbst direkt nach der Behandlung kein Problem dar.
Ist die Strahlung nach einigen Wochen weitgehend abgeklungen, können die Seeds gefahrlos im Körper verbleiben.

Brachytherapie mit Afterloading-Verfahren

Bei dieser Bestrahlungsform "von innen" werden ebenfalls Strahlungsquellen in den Tumor eingebracht. Allerdings geschieht dies nicht über Seeds. Die Strahlentherapeuten verwenden vielmehr stärkere Strahlungsquellen, die dafür nur wenige Stunden im Körper bleiben - der Begriff "Afterloading" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Nachladeverfahren". 
Der  Operateur verwendet Hohlnadeln zur Punktierung der Prostata, in die der Stralentherapeut dann Iridium-192 als radioaktives Material einführt: Dieser Strahler gibt eine relativ hohe Dosis ab, hat aber eine extrem kurze Reichweite. So kann im Tumor eine ausreichende Wirkung erzielt werden, das gesunde Gewebe bleibt weitgehend geschont.
Die Positionierung geschieht in ähnlicher Weise wie die der Seeds meist unter Teilnarkose und während eines stationären Aufenthalts.
Die eigentliche Bestrahlung dauert wegen der notwendigen Planung der Platzierung der Sonden in der Prostata eine halbe bis etwa zwei Stunden. Meist wird zweimal im Abstand von mehreren Tagen bestrahlt. 
Für Patienten bedeutet dies: Man bleibt in der Zwischenzeit üblicherweise im Krankenhaus.

An eine Afterloading-Therapie schließt sich meist eine konventionelle perkutane Bestrahlung an. Diese kann dann aber mit einer niedrigeren Gesamtdosis gegeben werden.

Da die Strahlungsquellen direkt im Anschluss an die Behandlung wieder entfernt werden, sind keine Vorsichtsmaßnahmen bei Umgang mit anderen Menschen erforderlich.

Wirkung sichern: Kombinationstherapie Bestrahlung - Hormonentzug

Patienten mit größeren Tumoren und durchbrochener Prostatakapsel, profitieren von einer Kombination aus Bestrahlung und medikamentöser Hormonentzugstherapie. Die Hormontherapie wird gleichzeitig mit der Bestrahlung begonnen und über das Ende der Radiotherapie hinaus für zwei bis drei Jahre weitergeführt. Wie die Hormontherapie aussieht, ist in einem eigenen Kapitel hier zusammengestellt.

Bestrahlung als eigentliche Therapie: Was kann erreicht werden, wie belastend ist die Therapie?

Der Erfolg einer Therapie wird beim Prostatakarzinom anhand des PSA-Wertes beurteilt. Nach einer Strahlentherapie dauert es jedoch Monate, bis sich ein deutlicher Effekt abzeichnet. Bis der PSA-Wert mancher Patienten seinen individuell tiefsten Wert erreichte, den so genannten Nadir, vergingen laut bisher veröffentlichter Daten sogar bis zu zweieinhalb Jahre. Auch sinkt der Wert nach einer Strahlentherapie oft nicht bis an die Nachweisgrenze wie nach einer Operation. Die besten Heilungsraten beobachten Experten allerdings tatsächlich bei Patienten, deren Nadir unterhalb von 0,5 Nanogramm pro Milliliter lag.
Kompliziert wird die Beurteilung weiter durch ein biologisches Phänomen, das bei vielen bestrahlten Patienten auftritt: Nach anfänglichem Abfall steigt ihr PSA-Wert einige Zeit nach dem Ende der Therapie sogar noch einmal an, um erst dann weiter abzusinken. Dieses Ansteigen wird auch englisch als PSA-Bounce bezeichnet.

  • Der Therapieerfolg einer Strahlentherapie kann erst nach längerer Zeit sicher beurteilt werden.
  • Selbst ein kurzfristiger PSA-Wiederanstieg muss nicht zwangsläufig auf einen Rückfall hindeuten.

Akute Nebenwirkungen: Womit muss man rechnen?

Noch während einer perkutanen Bestrahlung, meist nach etwa drei bis vier Wochen, können akute Probleme auftreten. Diese klingen jedoch nach Beendigung der Therapie wieder ab. Sie sind abhängig von der Strahlendosis, der Größe des notwendigen Strahlenfeldes und von individuellen Faktoren, die sich vor der Bestrahlung nur schwer abschätzen lassen. Die Angaben, wer mit Folgen zu rechnen hat und wie viele Patienten jeweils betroffen sind, schwanken von Veröffentlichung zu Veröffentlichung. Auch haben sich die Raten von Nebenwirkungen durch verbesserte Bestrahlungsplanung in den letzten Jahren rückläufig entwickelt.

Zu den akuten Folgen gehören bei etwa jedem dritten Mann Entzündungen der Schleimhäute in Blase und Harnröhre: Betroffene Patienten fühlen sich wie bei einer Blasenentzündung (Strahlencystitis), selten ist auch etwas Blut im Urin. Die Behandlung sieht krampf- und schmerzlindernde Mittel vor, außerdem hilft viel Trinken. Droht tatsächlich eine Infektion, schützen Antibiotika.
Schwillt die bestrahlte Prostata stark an, kann es vorübergehend notwendig werden, zum Wasserlassen Katheter zu verwenden.

Bei 20 bis 30 von hundert Patienten reagiert auch der Enddarm mit Entzündungsreaktionen. Dann kann der Stuhlgang vorübergehend schmerzhaft sein, auch leichte Blutungen oder Durchfälle sind möglich. Kortisonzäpfchen und bei Bedarf Mittel gegen eine gesteigerte Darmaktivität lindern die Beschwerden. Mit "Hausmitteln" sollten betroffene Männer vorsichtig sein und alle Maßnahmen auf eigene Faust vorab mit dem Arzt absprechen.

Die Rate an Beschwerden in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit der Therapie scheint bei der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) niedriger zu liegen. Für die Brachytherapie sind die Ergebnisse nicht eindeutig, auch sind die verschiedenen Anwendungsformen und die Patienten, die im Rahmen von Studien behandelt wurden, nicht immer vergleichbar. Da die Brachytherapie kleine Wunden hinterlässt, besteht bis zum Abheilen ein Restrisiko von Entzündungen oder Blutungen. Verletzungen der Harnröhre sind dagegen aufgrund der Ultraschallkontrolle während des Eingriffs sehr selten. Von vorübergehenden Problemen beim Wasserlassen und Entzündungsreaktionen berichten allerdings sehr viele Patienten nach einer Brachytherapie.

Langzeitfolgen der Bestrahlung: Impotenz, Inkontinenz, Ödeme

Treten Langzeitfolgen auf, brauchen betroffene Männer eine intensive Nachbetreuung, um Einschränkungen der Lebensqualität im Alltag möglichst gering zu halten. Wie wahrscheinlich solche Probleme sind, kann im Einzelfall nur der behandelnde Arzt in etwa voraussagen: Sie hängen nicht nur von der jeweils gegebenen Strahlendosis ab, sondern auch von individuellen Faktoren.

Aus Studien ist bekannt, dass nach perkutaner Bestrahlung Durchfallneigung, dauerhafte Darmveränderungen, Blasen- und Harnröhrenveränderungen und Probleme beim Zurückhalten des Urins (Inkontinenz) etwa bei jeweils vier bis acht von hundert Männern noch länger bestehen bleiben.
Beinödeme traten bei etwa zwei von hundert Männern auf; werden die Lymphknoten gezielt mitbestrahlt, kann das Risiko für solche Schwellungen auch höher sein. Die Wahrscheinlichkeit für solche Langzeitfolgen steigt allerdings parallel zur Strahlendosis an, so dass pauschale Aussagen kaum möglich sind. Auch individuelle Faktoren wie die Tumorgröße, die anatomischen Verhältnisse und das Tumorstadium spielen eine Rolle.

Mindestens die Hälfte der Männer, die vor der Bestrahlung eine Erektion bekommen konnten, ist dazu auch nach der Strahlentherapie noch in der Lage. Treten Probleme mit der Erektion auf - die sich nicht unbedingt als vollständige Impotenz auswirken müssen - können betroffene Männer ihren Arzt auf die Möglichkeit einer medikamentösen Unterstützung hin ansprechen, mehr dazu hier.

Die Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen liegt bei der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) insgesamt niedriger. Die Aussagen zur Brachytherapie sind uneinheitlich: Während für Probleme mit Darm, Blase oder Harnröhre ähnliche Nebenwirkungsraten wie nach einer perkutanen Bestrahlung angegeben werden, in manchen Studien auch niedrigere, scheint die Rate von bleibenden Potenzschwierigkeiten bei der Brachytherapie höher zu sein.

Fruchtbarkeit

Nach einer konventionellen perkutanen Strahlentherapie sind die meisten Männer nicht mehr in der Lage, Kinder zu zeugen. Patienten, die mit ihrer Partnerin noch Kinderwunsch haben, sollten das Einfrieren von Sperma vor Behandlungsbeginn mit den Ärzten klären. Für die IMRT liegen derzeit noch keine Daten vor.
Nach einer Brachytherapie haben Prostatakrebspatienten jedoch schon gesunde Kinder gezeugt, auch wenn sich Paare mit Kinderwunsch auf den Erhalt der Fruchtbarkeit auf keinen Fall verlassen können.

Fortgeschrittene Erkrankung: Strahlentherapie bei Knochenmetastasen

Eine Bestrahlung kann bei Patienten mit Knochenmetastasen eine wirksame Schmerzlinderung bewirken und auch die Stabilität des Knochens verbessern. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine Hormontherapie keine ausreichende Wirkung zeigt oder unmittelbar Beschwerden vorhanden sind.
Bei Knochenmetastasen, die nicht nur an einer Stelle, sondern im ganzen Skelett auftreten, kommt auch der Einsatz von so genannten Radionukliden in Frage: Dabei handelt es sich um strahlende Chemikalien bzw. Isotope, die Ähnlichkeit mit Bestandteilen der natürlichen Knochensubstanz haben. Der Körper baut sie nach der Injektion in eine Vene gezielt in die Knochenmetastasen mit ihrer hohen Stoffwechselaktivität ein. Dort wirken sie, schädigen aber aufgrund ihrer geringen Reichweite das benachbarte gesunde Gewebe nicht.
Eine heilende Wirkung ist von diesen Bestrahlungsformen allerdings nicht zu erwarten. Sie dienen in erster Linie dazu, Beschwerden zu lindern.

Einen allgemeinen Überblick über die Therapie solcher Tumorabsiedelungen finden Betroffene hier.

Forschung: HIFU/Ultraschall, Hyperthermie, Schwerionenbestrahlung

HIFU

Um Tumorgewebe mit Ultraschall zu zerstören, muss diese eigentlich "sanfte" Strahlenform stark gebündelt werden: Die Abkürzung HIFU steht für hochintensiven fokussierten Ultraschall. Mit der Sonographie oder Ultraschallanwendung zur Diagnostik hat diese Therapieform nicht mehr viel gemeinsam.

Die Wirkung auf das Gewebe rührt von der lokalen Erwärmung auf über 65 Grad, erzeugt durch eine in den Enddarm eingeführte Ultraschallsonde. Da dies nicht ohne Schmerzen durchführbar ist, erhalten Patienten eine Vollnarkose oder eine Betäubung des Unterleibs durch eine rückenmarksnahe Anästhesie. Die Therapie ist sehr zeitaufwändig und kann je nach Prostatagröße mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Um das zu behandelnde Drüsengewebe zu reduzieren, führen viele Anwender vorher eine Hobelung der Prostata von der Harnröhre aus durch, eine transurethrale Resektion. Auch deshalb ist für HIFU meist ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Um eine Verlegung der Harnröhre durch angeschwollenes Gewebe zu umgehen, brauchen Patienten einen Blasenkatheter, der aus der Blase über die Bauchdecke nach außen abgeführt wird.

HIFU eignet sich vermutlich eher für Patienten mit kleinen Tumoren und niedrigem PSA-Wert. Es kann wie nach der Bestrahlung längere Zeit dauern, bis ein Erfolg anhand eines deutlich gesunkenen PSA-Wertes sichtbar wird. Das Verfahren ist keineswegs nebenwirkungsarm: Rund ein Drittel der Patienten muss zumindest vorübergehend mit leichter bis schwererer Inkontinenz rechnen, also der Unfähigkeit, Urin zurückhalten zu können. Etwa die Hälfte der Patienten verliert die Fähigkeit zur Erektion.

HIFU ist kein Standardverfahren. Die Datenlage ist insbesondere bezüglich der Langzeitergebnisse nicht ausreichend für eine Beurteilung. Noch lässt sich nicht sagen, ob HIFU besser oder schlechter wirkt als eine konventionelle Operation oder Bestrahlung, oder ob die Ergebnisse vergleichbar sind. Trotzdem wenden viele Zentren das Verfahren an, vor allem bei Patienten, bei denen Operation oder Bestrahlung nicht in Frage kommen. Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist jedoch nicht gewährleistet und muss im Einzelfall geklärt werden, vor allem dann, wenn die HIFU-Therapie ambulant geplant ist.

Hyperthermie, Mikrowellentherapie

Die Erwärmung des Prostatagewebes oder des gesamten Unterbauchs von außen hat sich bisher nicht bewährt. Mehr zum Thema Überwärmungstherapie, der "Hyperthermie", hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.
Auch das lokale "Verkochen" von Prostatagewebe über die Harnröhre ist zur Therapie nicht geeignet, so die derzeitige Einschätzung von Experten. Einige der dazu angewendeten Verfahren wurden nie ausreichend in Studien geprüft. Aus diesem Grund können die gesetzlichen Krankenversicherungen zum Beispiel für Mikrowellenerwärmung durch die Harnröhre hindurch (transurethrale Mikrowellentherapie, TUMT) die Kosten nicht übernehmen.

Schwerionentherapie

Die Schwerionenbestrahlung oder Protonenbestrahlung ist momentan noch ein hoch experimentelles Bestrahlungsverfahren.
Zwar beurteilen Experten die Anwendung bei Prostatakarzinompatienten wegen der besonders exakten Konzentration der Strahlenwirkung auf den Tumor als interessant. Momentan stehen aber weltweit so wenige Bestrahlungsplätze zur Verfügung, dass an eine Routineanwendung noch lange nicht zu denken ist.

Hintergründe bietet beispielsweise die Internetseite des "Heidelberger Ionenstrahl-Therapie-Zentrums", abgekürzt HIT, unter  www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.113005.0.html. Dort findet sich auch ein Link zu anderen Therapiezentren weltweit: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Therapie-Anlagen-weltweit.113000.0.html.