© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung bei Prostatakrebs: Bestrahlung von "außen" oder "innen"

Die verschiedenen Verfahren der Radiotherapie und Nuklearmedizin

Eine Bestrahlung kann für Patienten mit Prostatakrebs eine heilende Behandlung darstellen – vorausgesetzt, die Erkrankung hat noch nicht zu Metastasen geführt. Die Strahlentherapie ist aber auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung sinnvoll. Dann trägt sie dazu bei, tumorbedingte Beschwerden zu lindern, vor allem bei Knochenmetastasen.
Wie sieht die Bestrahlung bei Prostatakrebs aus? Mit welchen Methoden wird bestrahlt? Wann und für wen kommen sie in Betracht? Reicht die Bestrahlung allein aus, oder muss sie mit anderen Behandlungen kombiniert werden? Welche Nebenwirkungen gibt es?
Der nachfolgende Text bietet einen Überblick. Er soll es Patienten erleichtern, sich auf ein Gespräch mit ihren behandelnden Ärzten vorzubereiten. Für Interessierte und Fachkreise hält er zudem Linktipps und Hinweise auf Fachpublikationen bereit.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften. Die bei der Erstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt. Eine Übersicht findet sich zudem unter "Prostatakrebs: Behandlungsplanung – eine Übersicht über die Therapiemöglichkeiten".

Das Wichtigste in Kürze: Für wen kommt eine Bestrahlung infrage? Welche Methoden gibt es?

Für wen ist eine Bestrahlung sinnvoll?

Bei der Wahl der geeigneten Therapie spielt das Tumorstadium eine entscheidende Rolle. Aber auch das Alter und eventuell vorhandene Begleiterkrankungen sind zu berücksichtigen. Betroffene sollten sich auf jeden Fall mit ihren Ärzten beraten, welche Therapie in ihrer individuellen Situation die "Richtige" ist. Einen Anhaltspunkt bietet das Krankheitsstadium, in dem man sich befindet:

Frühes Prostatakarzinom, örtlich begrenzt: Die Bestrahlung gehört bei kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren zu den Möglichkeiten, das Tumorwachstum dauerhaft zu stoppen und die Erkrankung möglichst zu heilen.
Bevor man sich für eine Bestrahlung entscheidet, sollte man jedoch die Alternativen kennen: eine Operation oder auch das Abwarten unter engmaschiger Kontrolle. Zurzeit können Experten nicht sicher sagen, ob die Bestrahlung bei frühem Prostatakrebs besser, schlechter oder gleich gut hilft wie eine Operation, oder ob Abwarten nicht genauso sinnvoll ist. Diese Frage muss in wissenschaftlichen Studien geklärt werden, mehr dazu im Text "Behandlungsplanung".

Reicht die alleinige Bestrahlung, auch definitive Bestrahlung genannt, zur Heilung aus? Wer ein hohes Risiko für einen Rückfall nach der Behandlung hat, erhält neben der Bestrahlung in der Regel zusätzlich eine antihormonelle Therapie.

Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Auch Männer, deren Tumor sich bereits weiter ausgedehnt hat, können von einer Bestrahlung profitieren. Zusätzlich zur Bestrahlung erhält man in dieser Situation in der Regel eine antihormonelle Therapie.
Betroffene Männer können jedoch in dieser Situation ebenfalls mit ihren Ärzten besprechen, ob statt einer Bestrahlung auch eine Operation infrage kommt. Nach der radikalen Prostatektomie kann dann eine adjuvante, also unterstützende, Strahlentherapie sinnvoll sein. Man beginnt damit, wenn der PSA-Wert so tief wie möglich abgesunken ist, im günstigsten Fall unter die Nachweisgrenze. Das Ziel: das Fortschreiten der Erkrankung sowie die Bildung von Metastasen verhindern. Betroffene Männer müssen allerdings vor der Entscheidung mit ihren Ärzten gemeinsam abwägen, ob der Nutzen der Therapie die möglichen Nebenwirkungen rechtfertigt.

Wird die Bestrahlung mit einer Hormontherapie oder einer Operation kombiniert? Dann können viele, wenn auch nicht alle Männer mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor ebenfalls mit einer Heilung rechnen.

PSA-Wiederanstieg nach Prostatektomie: Eine sogenannte Salvage-Strahlentherapie kommt infrage, wenn der PSA-Wert nach einer operativen Entfernung der Prostata nicht absinkt oder wieder ansteigt. Sie dient dann dazu, noch verbliebenes Tumorgewebe möglichst vollständig zu zerstören.

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom mit Metastasen: Hat der Tumor gestreut und Metastasen gebildet? Dann kann eine Bestrahlung oder eine Bestrahlung "von innen" mit radioaktiven Medikamenten dazu beitragen, tumorbedingte Beschwerden zu lindern. Das gilt insbesondere bei Knochenmetastasen.
Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, andere Metastasen, zum Beispiel in der Leber oder der Lunge, gezielt mit Strahlen zu zerstören. Dieses Vorgehen gilt allerdings als experimentell und sollte im Rahmen klinischer Studien erfolgen. Betroffenen Männern helfen Medikamente meist mehr– denn eine Antihormontherapie und eine Chemotherapie wirken im ganzen Körper.

Welche Methoden der Bestrahlung gibt es?

Mehrere Bestrahlungsmethoden stehen heute zur Behandlung bei Prostatakrebs zur Verfügung:

  • Bestrahlung von außen durch die Haut, perkutane Radiotherapie genannt: Die "klassische" Bestrahlung kommt für Patienten in jedem Krankheitsstadium infrage. Sie wird je nach Situation aber mit weiteren Therapien kombiniert.
  • Weiterentwicklungen der perkutanen Bestrahlung wie die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) und die bildgesteuerte Radiotherapie (IGRT): Sie sind gezielter, aber die Behandlung ist auch aufwändiger.
  • Bestrahlung von innen, die sogenannte Brachytherapie mit Seeds oder im Afterloading-Verfahren. Bei diesem Verfahren wird eine Strahlenquelle direkt in die Prostata eingebracht. Die Brachytherapie kommt nur für Männer infrage, deren Erkrankung noch nicht zu Metastasen geführt hat. Die Wirksamkeit hängt allerdings auch vom individuellen Rückfallrisiko eines Mannes ab: Bei hohem Risiko kommen nicht alle Formen der Brachytherapie infrage. Ob man die Wirksamkeit steigern könnte, wenn man sie mit weiteren Behandlungen kombiniert, lässt sich zurzeit noch nicht sicher beurteilen.
  • Nuklearmedizinische Therapie: Von der Behandlung mit sogenannten Radionukliden können vor allem Männer mit Knochenmetastasen profitieren. Diese strahlenden Teilchen werden per Infusion gegeben und reichern sich in den betroffenen Knochen an.

Nur im weiteren Sinn zur Strahlentherapie gehört die Anwendung von hochfokussiertem Ultraschall, kurz HIFU, um Tumorzellen zu zerstören. Dieses Verfahren gilt jedoch nicht als Standardbehandlung, mehr dazu unter "Behandlung bei Prostatakrebs: Experimentelle Verfahren".

Welche Wirkung und welche Nebenwirkungen hat die Therapie?

Die Wirkung der Radiotherapie wird erst mit einiger Verzögerung messbar: Die Strahlendosis ist nie so hoch, dass wirklich alles Gewebe unmittelbar zerstört würde. Die Bestrahlung regt vielmehr bei vielen Zellen zunächst biologische Prozesse an, die zum Abbau des geschädigten Gewebes führen. Männer, die sich für eine Bestrahlung entscheiden, müssen daher wissen: Es kann einige Zeit dauern, bis ein erhöhter PSA-Wert absinkt.

Die meisten Patienten vertragen die Bestrahlung der Prostata gut. Die Therapie ist aber nicht völlig ohne Nebenwirkungen. Von den Folgen sind in der Regel nur Gewebe betroffen, bei denen sich eine Mitbestrahlung nicht vermeiden lässt. Zu den akuten Folgen der Bestrahlung gehören je nach Situation deshalb zum Beispiel Rötungen der Haut im Bestrahlungsbereich. Bei der direkten Prostatabestrahlung sind Entzündungen der Schleimhäute in der Harnblase und der Harnröhre sowie der Schleimhaut des Enddarms möglich. Diese Beschwerden klingen jedoch nach Ende der Therapie bei den meisten Betroffenen wieder ab.
Anders verhält es sich mit den möglichen Langzeit- oder Spätfolgen. Zu ihnen zählen zum Beispiel Kontinenz- und Potenzprobleme, und einige Patienten müssen auch mit einer längerfristigen Schädigung der Blasen- oder Darmschleimhaut rechnen. Davon sind allerdings längst nicht alle Männer nach einer Prostatabestrahlung betroffen.

Perkutane Radiotherapie: Wie funktioniert die Bestrahlung von "außen"?

Linearbeschleuniger © VILevi - Thinkstockphotos.de
Linearbeschleuniger zur perkutanen Bestrahlung © VILevi - Thinkstockphotos.de

Die perkutane Bestrahlung – perkutan steht für "durch die Haut" – ist das klassische Bestrahlungsverfahren, mit dem die meiste Erfahrung in der Prostatakrebstherapie vorliegt. Die bisherigen Daten zeigen: Die Heilungschancen sind beim lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom ähnlich wie die einer Operation, der radikalen Prostatektomie, aber je nach Situation nur dann, wenn eine ergänzende, adjuvante Hormonentzugstherapie hinzu kommt.

Die Vorbereitung der Behandlung ist im Gegensatz zur Behandlung selbst relativ zeitaufwendig: Die Strahlendosis und das Strahlenfeld werden heute mit dem Computer berechnet. Grundlage sind Computertomographie-Aufnahmen des Unterleibs, die die Ärzte zuvor erstellen. Dies soll sicherstellen, dass möglichst nur der Tumor bestrahlt wird und gesundes Gewebe so weit wie möglich geschont bleibt. Der Fachbegriff für diese Vorgehensweise heißt dreidimensionale Bestrahlungsplanung.

Wie läuft die Bestrahlung ab?

Die perkutane Strahlentherapie erfolgt ambulant, das heißt, man kann nach den einzelnen Bestrahlungssitzungen wieder nach Hause gehen. Die Behandlung erstreckt sich in der Regel über sieben bis neun Wochen. Bei den meisten Betroffenen ist in dieser Zeit eine Behandlung an jedem Werktag vorgesehen, an den Wochenenden hat man Pause. Abweichungen von diesem Zeitplan sind aber möglich.

Für die Behandlung selbst nimmt man auf einer Liege unter einem sogenannten Linearbeschleuniger Platz. Das Gerät ist drehbar und kann die vorgegebene Strahlung aus unterschiedlichen Richtungen auf den Tumor abgeben. Von den die Haut durchdringenden Strahlen spürt man nichts. Die einzelne Bestrahlungssitzung dauert nur wenige Sekunden bis Minuten.

Die für die gesamte Behandlung erforderliche Strahlendosis erhält man dabei nicht auf einmal, das würde das gesunde Gewebe zu sehr belasten. Die Ärzte verteilen die Gesamtstrahlendosis gleichmäßig über den gesamten Behandlungszeitraum, man spricht dabei von "Fraktionierung".

Wie hoch ist die Dosis? Die Gesamtstrahlendosis der Therapie liegt zwischen 74 und 80 Gy. Sie beträgt in der Regel pro Termin 1,8 bis 2,0 Gray (Gy). Man spricht dann von Normo- oder Standardfraktionierung. Die normofraktionierte Bestrahlung ist der derzeitige Standard in der Radiotherapie bei Prostatakrebs.
Die tatsächliche Höhe hängt vom Tumorstadium ab, sie richtet sich aber auch danach, wie die Ärzte das Rückfallrisiko einschätzen.

Fachleute empfehlen die Bestrahlung mit modernen Techniken und Geräten durchzuführen. Der Grund: So lässt sich der Tumor mit einer hohen Dosis zielgenau bestrahlen und gesundes Gewebe trotzdem bestmöglich schonen. Zu den modernen Bestrahlungstechniken gehören:

  • Die sogenannte intensitätsmodulierte Radiotherapie, kurz IMRT, ist eine Weiterentwicklung der perkutanen Bestrahlung mit rechnergesteuerter Bestrahlungsplanung. Durch die Kombination von Computer, Bestrahlungsgerät und einem ausgefeilten beweglichen Filtersystem ist es möglich, die Verteilung der maximalen Strahlendosis genau der Form der Prostata anzupassen.
  • Bei einer bildgesteuerten Strahlentherapie, kurz IGRT, fertigen die Ärzte während der Bestrahlung immer wieder neue CT-Bilder an. So sollen mögliche Verschiebungen, Lage- oder Größenänderungen des Tumors erkannt werden, und die Bestrahlung lässt sich sofort anpassen. Der schrumpfende Tumor wird mit möglichst hoher Dosis bestrahlt und gleichzeitig umgebendes gesundes Gewebe optimal geschont. Jedes CT mehr steigert allerdings die Strahlenbelastung

Protonen- und Schwerionentherapie: Was versprechen experimentelle Verfahren?

Die Schwerionenbestrahlung und die Protonenbestrahlung sind momentan noch experimentelle Bestrahlungsverfahren. Zwar beurteilen Experten die Anwendung bei Prostatakarzinompatienten wegen der besonders exakten Konzentration der Strahlenwirkung auf den Tumor als interessant. Momentan stehen aber nur wenige Bestrahlungsplätze zur Verfügung. Allein deshalb ist an eine Routineanwendung noch nicht zu denken. Zudem gilt: Ein Vorteil der Protonentherapie gegenüber der konventionellen Bestrahlung ist noch nicht belegt. Auch für den Vergleich möglicher Nebenwirkungen gibt es noch keine wissenschaftlichen Daten.

Brachytherapie mit Seeds oder Afterloading: Was verbirgt sich hinter der Bestrahlung von "innen"?

Brachytherapie mit Seeds

Die Bestrahlung "von innen" mit sogenannten Seeds , kleine umhüllte Strahlenquellen, ist nach bisherigem Wissen vor allem für Patienten geeignet, deren Erkrankung noch auf die Prostata selbst begrenzt ist. Für größere und nicht mehr auf die Prostata begrenzte Tumoren kommt sie eher nicht infrage.
Voraussetzung für das Einbringen von Strahlungsquellen in den Tumor ist eine nicht zu große, aber auch nicht extrem kleine Prostata. Männer, die wegen einer gutartigen Prostataerkrankung oder aus anderen Gründen voroperiert sind, können meist nicht mit einer Brachytherapie behandelt werden.

Noch weiß man nicht sicher, ob die Langzeitergebnisse der Behandlung ebenso gut sind wie die einer Operation oder einer "normalen" Bestrahlung. Fachleute gehen aber davon aus, dass sich auch durch die Bestrahlung über Seeds eine Heilung erzielen lässt.
Die Therapie wird zudem nicht an allen Behandlungszentren angeboten, die eine Prostatakrebstherapie durchführen.

Was passiert bei der Behandlung?
Die Seeds können die Ärzte ambulant einbringen. Das heißt, man kann nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen. Der Eingriff selbst erfolgt in kurzer Narkose, auch eine Teilbetäubung nur des Unterleibs ist möglich.
Vor der eigentlichen Implantierung der Seeds erhält man einen Blasenkatheter. Durch den Katheter füllen die Ärzte ein Kontrastmittel in die Blase ein, damit die Blase und die Harnröhre im Ultraschall oder unter Röntgenkontrolle gut sichtbar sind. So ist sichergestellt, dass es bei der Seeds-Implantation zu keinen ungewollten Verletzungen der Blase kommt.
Anschließend führen die Ärzte die Strahlungsquellen vom Damm aus in die Prostata ein. Dazu verwenden sie Hohlnadeln, die mit nur wenigen Millimeter großen radioaktiven Metallteilchen bestückt sind. Diese Seeds bleiben beim Herausziehen der Hohlnadeln in der Prostata zurück. Deshalb wird die Behandlung auch als "Spickung" bezeichnet.

Als Strahlungsquelle wird meist Jod-125 oder Palladium-103 verwendet: Beide "Strahler" sind radioaktiv, haben aber nur eine sehr geringe Reichweite von wenigen Millimetern bis Zentimetern und eine kurze Lebensdauer beziehungsweise Halbwertszeit. Ihre Strahlung beschränkt sich daher im Wesentlichen auf den Tumor und hält nur wenige Wochen an.

Die Gesamtstrahlendosen können wegen der punktgenauen Einbringung in die Prostata und der geringen Reichweite der Strahlung weit höher gewählt werden als bei der perkutanen Bestrahlung. Weil die Reichweite pro Metallteilchen so gering ist, müssen allerdings – abhängig von der Prostatagröße – mehrere Dutzend Seeds über das Organ verteilt werden, um überall die notwendige Dosis zu erreichen. Wegen der geringen Reichweite der Strahlung wird die Behandlung auch englisch als "Low-Dose-Rate-Brachytherapie" (LDR) bezeichnet.

Wie geht es danach weiter?
In den ersten Tagen sollte man als Patient sehr engen körperlichen Kontakt mit Schwangeren oder Kindern vermeiden, so die Empfehlung von Strahlenexperten. Ganz isolieren muss man sich aber auf keinen Fall: Besuche, die Begrüßung mit Handschlag oder Umarmung, der Aufenthalt im selben Zimmer stellen selbst direkt nach der Behandlung kein Problem dar.

Ist die Strahlung nach einigen Wochen weitgehend abgeklungen, können die Seeds gefahrlos im Körper verbleiben.

Brachytherapie mit Afterloading

Bei der Brachytherapie mit Afterloading-Verfahren werden ebenfalls Strahlungsquellen in den Tumor eingebracht. Dabei kommen starke Strahlungsquellen zum Einsatz, die nur wenige Stunden im Körper verbleiben – der Begriff "Afterloading" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Nachladeverfahren". Das Verfahren wird auch als "High-Dose-Rate-Brachytherapie" (HDR) bezeichnet.

Was passiert bei der Behandlung?
Die Positionierung der Strahlenquelle erfolgt in der Regel unter Teilnarkose und während eines stationären Aufenthalts. Die eigentliche Bestrahlung dauert wegen der notwendigen Planung zur Platzierung der Sonden in der Prostata eine halbe bis etwa zwei Stunden. Meist wird zweimal im Abstand von mehreren Tagen bestrahlt. Das bedeutet: Man bleibt in der Zwischenzeit üblicherweise im Krankenhaus.

Bei der Behandlung punktieren die Ärzte die Prostata mit Hohlnadeln, in die sie dann radioaktives Iridium-192 einführen. Iridium-192 gibt eine relativ hohe Strahlendosis ab, hat aber eine extrem kurze Reichweite. So kann im Tumor eine ausreichende Wirkung erzielt werden und das gesunde Gewebe bleibt weitgehend geschont. Allerdings gilt auch: An eine Afterloading-Therapie schließt sich bei den meisten Patienten eine konventionelle perkutane Bestrahlung an.

Diese kann dann aber mit einer niedrigeren Gesamtdosis gegeben werden. Da die Strahlungsquellen direkt im Anschluss an die Behandlung wieder entfernt werden, sind keine Vorsichtsmaßnahmen bei Umgang mit anderen Menschen erforderlich.

Erfolgsaussichten: Was lässt sich mit einer Bestrahlung oder einer Brachytherapie erreichen?

Der Erfolg der Therapie wird beim Prostatakarzinom anhand des PSA-Wertes beurteilt. Nach einer Strahlentherapie dauert es allerdings unter Umständen Monate, bis sich ein deutlicher Effekt abzeichnet. Bis der PSA-Wert seinen tiefsten Wert erreicht, kann noch längere Zeit vergehen. Dieser Wert wird als Nadir bezeichnet.
Auch sinkt der PSA-Wert nach einer Strahlentherapie bei vielen Patienten nicht so tief ab wie nach einer Operation. Die besten Heilungsraten beobachten Experten bei Patienten, deren Nadir unterhalb von 0,5 Nanogramm pro Milliliter liegt.

Kompliziert wird die Beurteilung durch ein biologisches Phänomen, das bei vielen bestrahlten Patienten auftritt: Nach anfänglichem Abfall steigt ihr PSA-Wert einige Zeit nach dem Ende der Therapie noch einmal an, um erst dann weiter abzusinken. Dieses Ansteigen wird auch englisch als PSA-Bounce ("Hüpfer" oder "Sprung") bezeichnet.

  • Der Therapieerfolg einer Strahlentherapie kann erst nach längerer Zeit sicher beurteilt werden.
  • Ein kurzfristiger PSA-Wiederanstieg muss nicht zwangsläufig auf einen Rückfall hindeuten. Wichtig ist, dass der Wert langfristig wieder sinkt.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie: Womit muss man rechnen? Was kann man dagegen tun?

Akute Nebenwirkungen der Strahlentherapie: Haut- und Schleimhautprobleme in Blase und Darm

Noch während einer perkutanen Bestrahlung können akute Probleme auftreten. Bei vielen Männern dauert es aber etwa drei bis vier Wochen, bis sie erste deutliche Beschwerden haben. Diese klingen jedoch nach Beendigung der Therapie bei den meisten Patienten wieder ab.
Die Beschwerden sind abhängig von der Strahlendosis und der Größe des notwendigen Strahlenfeldes – je zielgenauer bestrahlt wird, desto weniger wahrscheinlicher sind Nebenwirkungen. Ganz genaue Angaben können die Ärzte vor der Bestrahlung allerdings nicht machen: Auch individuelle Faktoren spielen eine Rolle. Bekannte Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind:

  • Hautreizungen im Bestrahlungsbereich

Das kann passieren: Hautprobleme treten nur dort auf, wo tatsächlich Strahlung hinkam. Möglich sind sonnenbrandähnliche Rötungen, eventuell auch Juckreiz oder kleinere wunde Stellen. Schwerere Hautschäden sind selten.
Das lässt sich dagegen tun: Wie die Körperpflege in der Zeit der Bestrahlung aussieht, muss man mit den behandelnden Ärzten oder den einbezogenen medizinischen Fachangestellten klären. Wasser und Seife sind in der Regel erlaubt, Cremes oder Salben sollte man aber nicht ohne Absprache mit den Ärzten verwenden. Vor dem Wundscheuern der empfindlichen Haut schützt lockere Kleidung.

  • Entzündung der Schleimhäute in Blase und Harnröhre

Das kann passieren: Bei etwa 33 von 100 Männern tritt eine Entzündung der Schleimhäute in der Blase und der Harnröhre auf. Betroffene haben das Gefühl einer Blasenentzündung, einer sogenannten Strahlencystitis, selten ist auch etwas Blut im Urin.
Das lässt sich dagegen tun: Die Behandlung sieht krampf- und schmerzlindernde Mittel vor. Droht tatsächlich eine Infektion, schützen Antibiotika. Schwillt die bestrahlte Prostata stark an, kann vorübergehend zum Wasserlassen ein Katheter notwendig werden. Was man selbst tun kann: viel trinken, um die Blase zu spülen.

  • Entzündung der Schleimhaut im Darm

Das kann passieren: Bei 20 bis 30 von hundert Patienten reagiert auch der Enddarm mit Entzündungsreaktionen. Dann kann der Stuhlgang vorübergehend schmerzhaft sein, auch leichte Blutungen oder Durchfälle sind möglich.
Das lässt sich dagegen tun: Kortisonzäpfchen und bei Bedarf Mittel gegen eine gesteigerte Darmaktivität lindern die Beschwerden. Mit "Hausmitteln" sollten betroffene Männer vorsichtig sein und alle Maßnahmen auf eigene Faust vorab mit dem Arzt absprechen.

Akute Nebenwirkungen der IMRT

Eine intensitätsmodulierte Strahlentherapie, kurz IMRT, scheint dazu beizutragen, dass die akuten Beschwerden nach der Therapie geringer ausfallen als bei der "klassischen" Bestrahlung: Insbesondere die Blase und den Darm trifft bei vielen Männern deutlich weniger oder gar keine Strahlung.

Akute Nebenwirkungen der Brachytherapie

Für die Nebenwirkungen der Brachytherapie sind die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien nicht eindeutig: Da die Brachytherapie kleine Wunden hinterlässt, besteht bis zum Abheilen die Gefahr von Entzündungen oder Blutungen. Verletzungen der Harnröhre sind dagegen aufgrund der Ultraschallkontrolle während des Eingriffs sehr selten. Von vorübergehenden Problemen beim Wasserlassen durch eine Gewebeschwellung und Entzündungsreaktionen berichten allerdings viele Patienten nach einer Brachytherapie.
Unter Umständen kann es auch sein, dass es durch die Therapie zu Entzündungsreaktionen im Darmbereich kommt. Das kann dazu führen, dass man häufiger zur Toilette muss, und der Stuhlgang schmerzhaft ist.

Langzeitfolgen der perkutanen Bestrahlung: Impotenz, Inkontinenz, Ödeme

Wie wahrscheinlich Langzeitfolgen der Bestrahlung sind, kann einem nur der behandelnde Arzt in etwa voraussagen: Sie hängen nicht nur von der gegebenen Strahlendosis ab, sondern auch von individuellen Faktoren. Treten Langzeitfolgen auf, kann eine intensive Nachbetreuung helfen, um die Einschränkung der Lebensqualität im Alltag möglichst gering zu halten.

  • Durchfall und Inkontinenz

Das kann passieren: Aus Studien ist bekannt, dass bei vier bis acht von hundert Männern nach perkutaner Bestrahlung einige Probleme über längere Zeit bestehen. Dazu gehören Durchfallneigung, langfristige Darmveränderungen, Blasen- und Harnröhrenveränderungen und Probleme beim Zurückhalten des Urins, eine sogenannte Inkontinenz.
Das lässt sich dagegen tun: Kortisonzäpfchen und bei Bedarf Mittel gegen eine gesteigerte Darmaktivität lindern die Beschwerden. Mit "Hausmitteln" sollten betroffene Männer vorsichtig sein und alle Maßnahmen, die sie auf eigene Faust ergreifen möchten, vorab mit dem Arzt absprechen.

  • Erektionsstörung

Das kann passieren: Mindestens die Hälfte der Männer, die vor der Bestrahlung eine Erektion bekommen konnten, ist dazu auch nach der Strahlentherapie noch in der Lage. Damit verbleiben rein statistisch jedoch immer noch viele Männer, die durch die Behandlung Probleme mit der Erektionsfähigkeit bekommen.
Das lässt sich dagegen tun: Eine Erektionsstörung muss sich nicht unbedingt als vollständige Impotenz auswirken. Betroffene können ihren Arzt auf eine medikamentöse Unterstützung der Erektion ansprechen.

Langzeitfolgen nach IMRT

Die Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen liegt bei der intensitätsmodulierten Radiotherapie, kurz IMRT, insgesamt niedriger als bei einer herkömmlichen perkutanen Bestrahlung.

Langzeitfolgen der Brachytherapie

Die Aussagen zu Langzeitfolgen der Brachytherapie sind uneinheitlich: Während für Probleme mit Darm, Blase oder Harnröhre ähnliche Nebenwirkungsraten wie nach einer perkutanen Bestrahlung angegeben werden, in manchen Studien auch niedrigere, scheint die Rate von bleibenden Potenzschwierigkeiten bei der Brachytherapie jedoch niedriger zu sein.

Kinderwunsch nach Strahlentherapie: Frühzeitig ansprechen

Nach einer konventionellen perkutanen Strahlentherapie sind nicht mehr alle Männer in der Lage, Kinder zu zeugen. Patienten, die noch Kinderwunsch haben, sollten das Einfrieren von Sperma vor Behandlungsbeginn mit den Ärzten klären. Auf den Erhalt der Fruchtbarkeit sollte man sich auf keinen Fall verlassen, auch nicht nach einer Brachytherapie.

Zweitkrebs als Strahlenrisiko?

Grundsätzlich steigert jede Strahlenbelastung das Krebsrisiko. Bei Männern mit Prostatakrebs wären dies Krebs des Enddarms und eventuell auch anderer Gewebe, die im Strahlenfeld liegen. Bis sich als Strahlenfolge ein Tumor entwickelt, dauert es jedoch. Die meisten Prostatakrebspatienten sind jedoch bereits älter, wenn sie bestrahlt werden. Daher betrifft sie rein statistisch das Risiko einer Zweitkrebserkrankung nur in geringem Umfang.

Fortgeschrittene Erkrankung mit Metastasen: Wann helfen Bestrahlung oder eine nuklearmedizinische Behandlung?

Perkutane Bestrahlung gegen Metastasen

Eine klassische Bestrahlung kann bei Patienten mit Knochenmetastasen eine wirksame Schmerzlinderung bewirken und auch die Stabilität des Knochens verbessern. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine Hormontherapie keine ausreichende Wirkung zeigt oder unmittelbar Beschwerden vorhanden sind.

Nuklearmedizin gegen Metastasen

Radionuklidtherapie
Sogenannte Radionuklide kommen infrage, wenn man unter mehreren Knochenmetastasen leidet. Dabei handelt es sich um strahlende Chemikalien, eine andere Bezeichnung für einen solchen Wirkstoff lautet auch Isotop. Die in der Nuklearmedizin zur "Bestrahlung von innen" eingesetzten Radionuklide haben Ähnlichkeit mit Bestandteilen der natürlichen Knochensubstanz.

Nach der Injektion in eine Vene baut der Körper die Isotope gezielt in die Knochenmetastasen ein. Das gelingt am besten, wenn die Metastasen eine höhere Stoffwechselaktivität als der gesunde Knochen haben. Im Knochen schädigt die Strahlung der Isotope aufgrund ihrer geringen Reichweite nur die Krebszellen, das benachbarte gesunde Gewebe jedoch nicht oder zumindest wenig. Trotzdem bleibt auch diese "Bestrahlung von innen" belastend: Sie kommt vor allem für Männer infrage, deren allgemeiner Gesundheitszustand vergleichsweise gut ist.

Was bewirkt die Behandlung?
Viele Patienten in dieser Situation erhalten zusätzlich Radionuklidbehandlung noch weitere Medikamente und/oder eine Chemotherapie, um ihre Erkrankung wirksam aufzuhalten. Eine heilende Wirkung ist von diesen Bestrahlungsformen allerdings nicht zu erwarten. Sie dienen in erster Linie dazu, Beschwerden zu lindern.

Zielgerichtete Therapien (PSMA-Radioligandentherapie und Radioimmuntherapie)
Beim Prostatakarzinom gewinnt noch ein weiteres Verfahren an Bedeutung: Dabei werden die radioaktiven Teilchen an ein Eiweiß gebunden, das Prostatakrebszellen sehr viel stärker ausbilden als gesundes Gewebe: das sogenannte Prostata-spezifische Membranantigen, abgekürzt PSMA. So gelangen die Isotope und damit die Strahlung noch sehr viel gezielter ins Krebsgewebe. Auch radioaktiv beladene Antikörper können an das PSMA binden. Man spricht dann von einer Radioimmuntherapie. Die Verfahren zählen zu den sogenannten zielgerichteten Therapien.

Stellenwert der Nuklearmedizin

Die Verfahren der Nuklearmedizin sind bei der Behandlung von Prostatakrebs bisher noch kein Standard, sondern experimentell – noch sind Fragen zur Wirksamkeit und zu den Nebenwirkungen offen. Man weiß allerdings: Langfristig kann die aufgenommene Strahlung auch gesunde Gewebe angreifen. Die Therapieformen kommen deshalb vor allem in klinischen Studien in Betracht, und nur für Männer, deren Erkrankung nicht mehr auf andere Behandlungsformen anspricht.

Wird man nicht innerhalb einer Studie behandelt, sondern in einem sogenannten individuellen Heilversuch? Dann muss man auf jeden Fall abklären, ob die Krankenkasse die Kosten trägt, mehr dazu im Text "Noch nicht zugelassene Medikamente zur Krebstherapie".

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)