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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung bei Prostatakrebs: Hormonelle Therapie und Hormonentzug

Hormone stoppen, Tumorwachstum bremsen

Warum lässt sich das Tumorwachstum bei Prostatakrebs durch eine Hormonbehandlung bremsen? Wie gut wirkt die Therapie?
Die heute zugelassenen Arzneimittel kann man bei einer ambulanten Behandlung bekommen, man muss dazu nicht ins Krankenhaus. Sie sind vergleichsweise gut verträglich, es gibt jedoch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen, mit denen Patienten mit einem Prostatakarzinom rechnen müssen.
Die Antihormontherapie kommt vor allem für Männer infrage, deren Erkrankung schon fortgeschritten ist und zu Metastasen geführt hat. Sie bremst das Wachstum, oft über längere Zeit, kann die Erkrankung langfristig jedoch nicht heilen.  
Für Patienten mit frühem Prostatakarzinom kommt der Hormonentzug als alleinige Therapie nur in Ausnahmefälle infrage, da sie keine Möglichkeit der Heilungt bietet. Ist die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall nach einer Operation oder Bestrahlung allerdings weiterhin hoch, oder kommt es zu einem Rückfall ohne gleichzeitige Metastasen, kann eine zeitweilige zusätzliche Antihormontherapie das Rückfallrisiko senken.
Der nachfolgende Text des Krebsinformationsdienstes bietet einen Überblick über die Möglichkeiten der Hormonentzugstherapie. Er kann Betroffenen das Gespräch mit ihren Ärzten erleichtern, aber es nicht ersetzen. Interessierte und Fachkreise finden zudem Hintergründe, Linktipps und Hinweise auf Fachpublikationen.

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Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften. Die bei der Erstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt. Eine Übersicht findet sich zudem unter "Prostatakrebs: Behandlungsplanung – eine Übersicht über die Therapiemöglichkeiten".

Das Wichtigste in Kürze: Was bringt der Hormonentzug? Für wen kommt er infrage?

Ziel der Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs ist es, dem Tumor männliche Geschlechtshormone zu entziehen, sogenannte Androgene. Bei fast allen Patienten mit einem Prostatakarzinom benötigen die Krebszellen diese Androgene, um zu wachsen, vor allem Testosteron.
Ein Entzug der Androgene kann das Tumorwachstum bremsen und die Prostatakrebs-Erkrankung aufhalten, für viele Monate oder auch Jahre. Eine Heilung ist durch einen Hormonentzug allein allerdings nicht zu erreichen.

Ärzte nennen die Behandlung Androgendeprivationstherapie, kurz ADT. Viele Betroffene sprechen abgekürzt von einer "Hormontherapie", besser wäre die Bezeichnung Antihormontherapie.

Für wen ist ein Hormonentzug sinnvoll?

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom mit Metastasen: Die verschiedenen Formen der Antihormontherapie wirken im gesamten Körper. Einen festen Stellenwert hat eine alleinige Hormonentzugstherapie daher für Männer mit fortgeschrittener Erkrankung, wenn das Prostatakarzinom Metastasen in anderen Organe und Geweben gebildet hat.

Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Eine Hormonentzugstherapie kann zusätzlich zu einer Bestrahlung mit heilender Absicht eingesetzt werden. Sinnvoll ist das – je nach individueller Situation – für Männer mit einem großen Tumor, der bereits über die Prostata hinausgewachsen ist.
Man kann versuchen, den Tumor zunächst durch die Hormontherapie zu verkleinern, danach erfolgt die Bestrahlung. Die Hormontherapie bezeichnet man dann als neoadjuvant. Erfolgt der Hormonentzug zeitgleich mit der eigentlichen Therapie oder im Anschluss daran, nennt man ihn adjuvant. In dieser Konstellation dient er dazu, die möglicherweise verbliebenen Tumorreste am Wachstum zu hindern.

Frühes Prostatakarzinom, wenn andere Therapien nicht infrage kommen: Für manche Patienten kann die alleinige Hormonentzugstherapie aber auch in frühen Stadien der Erkrankung sinnvoll sein: wenn eine Therapie in heilender Absicht durch eine Operation oder Bestrahlung nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man unter schweren Begleiterkrankungen leidet, oder wenn man sich von einer belastenden Behandlung voraussichtlich nicht mehr erholen würde.

Macht das Prostatakarzinom Beschwerden, kann der Hormonentzug dazu beitragen, die Symptome der Erkrankung zu lindern. Eine Heilung lässt sich damit allerdings nicht erzielen.
Männer, die ein hohes Risiko für einen Rückfall tragen, erhalten die antihormonelle Therapie auch bei einem lokal begrenzten Tumor in der Regel zusätzlich zur Strahlentherapie.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die meisten Patienten erhalten zum Hormonentzug Medikamente. Sie werden in größeren zeitlichen Abständen als Depotspritze unter die Haut gegeben oder täglich als Tablette eingenommen. Es gibt aber auch Präparate, die als Stäbchen unter die Haut implantiert werden.

Wer nicht regelmäßig Medikamente einnehmen möchte: Die Entfernung der Hoden ist ebenfalls eine Möglichkeit. Dort werden die meisten Androgene gebildet, also Testosteron und in geringem Umfang weitere männliche Geschlechtshormone. Der Fachbegriff für die chirurgische Kastration lautet Orchiektomie.

Wie gut wirkt die Therapie?

Strukturformel Testosteron
Das männliche Geschlechtshormon Testosteron fördert das Wachstum von Tumorzellen. (im Bild: chemische Strukturformel, C19H28O2)

Früher oder später reagieren die meisten Tumorzellen nicht mehr auf die zunächst eingesetzten Medikamente. Dann versuchen die Ärzte, mit einer anderen Gruppe von Arzneimitteln die Erkrankung weiter in Schach zu halten.
Erst wenn der PSA-Spiegel trotzdem weiter steigt, gilt der Tumor endgültig als "hormontaub", Fachleute sprechen auch von "kastrationsresistent". Dann kommen andere Behandlungsformen wie etwa eine Chemotherapie in Betracht.

In klinischen Studien wird erforscht, wie man die Zeitspanne der Wirksamkeit einer hormonellen Therapie verlängern kann, und welche neuen Substanzen sich eignen könnten.
Ebenfalls Thema der Forschung: die Nebenwirkungen mindern.
Kann man beispielsweise die Hormontherapie regelmäßig unterbrechen? Ob diese sogenannte intermittierende Therapie zumindest für einige Patienten möglich ist, ohne dadurch das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung zu steigern, steht noch nicht sicher fest.

Welche Nebenwirkungen hat die Therapie?

Der Entzug der Geschlechtshormone kann zu Nebenwirkungen führen. Sie ähneln teilweise den Symptomen von Frauen in den Wechseljahren. Möglich sind zum Beispiel Hitzewallungen. Auf lange Sicht schränkt die Therapie vor allem die sexuelle Aktivität stark ein. Bei älteren Männern kann möglicherweise auch das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung steigen, vor allem, wenn es schon vorher Anzeichen für eine Herzschädigung gibt.
Eher unwahrscheinlich: Nach aktuellen Daten ist eine antihormonelle Therapie kein Risikofaktor für eine Alzheimer-Demenz.

Hormonstoffwechsel: Mit welchen Medikamenten wird behandelt? Wie wirken sie?

Die Mehrzahl der Männer entscheidet sich heutzutage für eine medikamentöse Hormonentzugstherapie. Eine operative Entfernung der hormonproduzierenden Hoden, die sogenannte chirurgische Kastration oder auch Orchiektomie, bewirkt zwar praktisch das Gleiche. Sie ist jedoch unumkehrbar. Weil viele Männer sie ablehnen, hat die Orchiektomie inzwischen an Stellenwert verloren. Der Eingriff selbst ist ambulant und unter örtlicher Betäubung möglich.

Mit Medikamenten kann man die Hormonwirkung auf die Krebszellen auf zwei Weisen unterbrechen:

  • Ein Teil der Arzneimittel hemmt die Testosteron-Produktion im Körper. Der Testosteron-Spiegel im Blut und damit auch in der Prostata sinkt. Die derzeit dafür eingesetzten Medikamente greifen an verschiedenen Stellen in den Regelkreis ein, der den Hormonhaushalt im Körper steuert.
  • Andere Substanzen sorgen wiederum dafür, dass das Testosteron in der Prostata und dem Tumor nicht wirken kann. Der Testosteron-Spiegel im Blut ist dabei unverändert, aber die Wirkung auf die Krebszellen bleibt aus.

Wie funktioniert der natürliche Regelkreis der männlichen Geschlechtshormone?

Das Steuerzentrum für die Testosteronproduktion im Körper sitzt im Gehirn, genauer gesagt im Zwischenhirn. Der sogenannte Hypothalamus sammelt mit Hilfe der benachbarten Hirnregionen Informationen über das Köperinnere. Ist der Testosteronspiegel im Blut zu niedrig, setzt er den Botenstoff Gonadoliberin frei, auch "Gonadotropin-Releasing-Hormon" oder kurz GnRH.
Das Gonadadoliberin bewirkt, dass die Hirnanhangsdrüse Hypophyse ihrerseits Botenstoffe entlässt, die Gonadotropine. Diese wiederum veranlassen die Hoden dazu, Testosteron zu produzieren.

Welche Medikamente kommen infrage?

Schematische Abbildung des Gehirns mit Kennzeichnung des Hypothalamus und der Hypophyse © Henrie – Fotolia.com
Die Produktion von Testosteron in den Hoden wird über Botenstoffe aus der Hirnanhangsdrüse gesteuert, der sogenannten Hypophyse. Der Hypothalamus ist das übergeordnete Steuerzentrum, das den Hormonstoffwechsel über weitere Botenstoffe reguliert. © Henrie – Fotolia.com

Für die medikamentöse Hormonentzugstherapie stehen folgende Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

GnRH-Agonisten, auch als LHRH-Agonisten bezeichnet: Sie werden schon lange bei Prostatakrebs eingesetzt. Es handelt sich um künstliche "Kopien" des im Körper natürlich vorkommenden Hormons Gonadoliberin.
Die Substanzen binden stärker und länger an die Hormonbindungsstellen, die Rezeptoren in der Hypophyse, als das natürliche GnRH. Die Folge: Die Hypophyse "meldet" in den Regelkreis zurück, dass genug Hormon da sei, und produziert weniger Gonadotropine. Das drosselt die Testosteronproduktion in den Hoden.
GnRH-Agonisten bekommt man als Depotspritze unter die Haut gespritzt. Ihre Wirkung hält dann für einen längeren Zeitraum an.

Das Flare-up-Phänomen: Zu Beginn der Behandlung mit GnRH-Agonisten kommt es zunächst zu einem Anstieg des Testosteron-Spiegels. Ärzte bezeichnen dies als "Aufflammen" oder Flare-up-Phänomen. Auch der PSA-Wert kann infolge vorübergehend ansteigen. Um das überschüssige Testosteron abzufangen, kann es in dieser Zeit sinnvoll sein, für einige Wochen Antiandrogene einzunehmen.

GnRH-Antagonisten, auch LHRH-Antagonisten oder GnRH-Blocker: Sie blockieren die GnRH-Rezeptoren in der Hypophyse. Das Hormon Gonadoliberin kann nicht mehr binden. Die Hypophyse bildet innerhalb weniger Tage kaum noch Gonadotropine, und da das Signal zur Hormonproduktion ausbleibt, schütten die Hoden immer weniger Testosteron aus. GnRH-Antagonisten bekommt man in regelmäßigen Abständen unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Eine Depotspritze steht nicht zur Verfügung.

Antiandrogene: Sie bremsen die Wirkung des Testosterons direkt in der Prostata. Indem sie die Hormonbindungsstellen der Androgene blockieren, verhindern sie, dass das Testosteron wirken kann. Einige Antiandrogene hemmen auch einen Teil der Testosteron-Produktion. "Neue" Antiandrogene oder auch Antiandrogene der zweiten Generation, greifen noch an weiteren Stellen im Androgen-Signalweg an: Dadurch kann das Wachstumssignal der Androgene im Zellkern nicht weiter vermittelt werden. Antiandrogene gibt es als Tabletten zur täglichen Einnahme.

Abirateron: Diese Substanz verhindert, dass ein wichtiges Eiweiß für die Bildung von Testosteron entsteht. Abirateron kann dadurch nicht nur die Produktion von Testosteron in den Hoden bremsen, sondern auch die vergleichsweise geringe, aber vorhandene Produktion in der Nebennierenrinde und in den Tumorzellen selbst. Abirateron wird als Tablette täglich eingenommen.

Östrogene: Sie kommen zum Hormonentzug bei Prostatakrebs eher nicht infrage. Der Grund sind ihre starken Nebenwirkungen auf das Blut-Kreislauf-System. Grundsätzlich können Östrogene die Testosteronproduktion in den Hoden senken, indem sie den Testosteronspiegel im Blut steigern. Das veranlasst die Hypophyse dazu, weniger Gonadotropine freizusetzen.

Durchführung: Wie läuft die medikamentöse Hormontherapie ab?

Therapiestrategien zum Hormonentzug

Eine Spritze wird aufgezogen © Eisenhans – Fotolia.com
Das Medikament zum Hormonentzug spritzen die Ärzte unter die Haut. Es kann aber auch sein, dass man Tabletten zur täglichen Einnahme erhält. © Eisenhans – Fotolia.com

Für den medikamentösen Hormonentzug erhalten die meisten Patienten eine einzige Substanz. Ärzte bezeichnen dieses Vorgehen als Monotherapie.
In der Regel handelt es sich bei der Substanz um einen GnRH-Agonisten. GnRH-Blocker haben aber die gleiche Wirkung. Beide Substanzen können den Testosteron-Spiegel im Blut auf so niedrige Werte senken, dass die medikamentöse Therapie einer Entfernung der Hoden gleichkommt. Das heißt, dass die Testosteron-Konzentration unter 20 Nanogramm pro Deziliter Blut liegt, < 20 ng/dl. Ärzte sprechen dann vom Kastrationsniveau. Das vergleichbar wirkende Abirateron senkt den Testosteronspiegel sogar auf einen nicht-nachweisbaren Wert.

Zum Hormonentzug ebenfalls infrage kommen Antiandrogene. Östrogene spielen bei der antihormonellen Therapie heute eher eine untergeordnete Rolle. Der Grund sind ihre Nebenwirkungen.

Normalerweise ist der Hormonentzug als Dauertherapie angelegt. Das bedeutet, dass das jeweilige Medikament solange verabreicht oder eingenommen wird, wie der Tumor auf die Behandlung anspricht. Abweichend davon kommen andere Therapiestrategien infrage, die mitunter auch kombiniert werden.

Maximale Androgen-Blockade: Bei einer Therapie mit GnRH-Agonisten sinkt zwar die Testosteron-Produktion in den Hoden, die Produktion in der Nebenniere bleibt aber erhalten. Etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Testosteron-Produktion finden in dieser Drüse statt. Um die Wirkung des verbliebenen Testosterons zu unterbinden, können zusätzlich zur Therapie mit einem GnRH-Agonisten Substanzen aus der Gruppe der Antiandrogene eingenommen werden. Ärzte sprechen dann von einer maximalen Androgen-Blockade.

Die Wahrscheinlichkeit, die Lebenserwartung durch diese Therapie zu verlängern, ist jedoch als sehr gering einzustufen. Dazu kommt, dass die maximale Androgen-Blockade mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden ist als die alleinige Therapie mit einem GnRH-Agonisten.
Bei einer Therapie mit GnRH-Blockern kommt die Kombination mit Antiandrogenen nicht infrage.

Intermittierende Hormonentzugstherapie: Beim intermittierenden Hormonentzug, kurz IAD, wechseln sich therapiefrei Phasen mit den Behandlungsintervallen ab. Dadurch kann sich der Testosteron-Spiegel zwischen den Behandlungen normalisieren.
Die Nebenwirkungen der Therapie lassen nach, was möglicherweise die Lebensqualität steigert. Außerdem besteht die Hoffnung, durch die Therapiepausen den Zeitraum zu verlängern, bis der Tumor auf den Hormonentzug nicht mehr mit einem verlangsamten Wachstum reagiert. Ärzte bezeichnen den Tumor dann als "hormonunabhängig", "hormontaub" oder "kastrationsresistent".

Es ist jedoch nicht belegt, dass sich durch eine intermittierende Hormonentzugstherapie die Androgen-Unabhängigkeit des Tumors tatsächlich verzögern lässt.

Voraussetzung für die intermittierende Behandlung ist ein deutliches Ansprechen des PSA-Werts in der einleitenden Therapiephase. Das soll sicherstellen, dass der Tumor zumindest während der Therapiephase gut auf die Behandlung anspricht.

Verlaufskontrolle unter Hormonentzug

Um das Ansprechen des Tumors auf den Hormonentzug zu beurteilen, ist eine regelmäßige Kontrolle erforderlich. Dazu muss man alle drei bis sechs Monate zum Arzt gehen. Dieser kontrolliert den PSA-Wert im Blut. Während der Behandlung sollte der Wert nicht wieder ansteigen.

Auch die Frage nach Beschwerden sowie eine körperliche Untersuchung gehören zur Verlaufskontrolle dazu. Sie dienen zum einen dazu, Nebenwirkungen der Therapie zu erkennen, um sie gegebenenfalls zu behandeln. Zum anderen soll rechtzeitig bemerkt werden, wenn sich der Krankheitsverlauf verschlechtert.

Hormon-Chemotherapie bei fortgeschrittener Erkrankung mit Metastasen

Hat der Tumor bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Metastasen gebildet, profitieren Betroffene von einer kombinierten Behandlung aus Hormonentzug und Chemotherapie. Studien weisen aber auch darauf hin, dass in dieser Situation eine Chemotherapie nicht für jeden zwingend notwendig ist. Denn für eine Hormonchemotherapie muss man ausreichend fit sein.
Die Chemotherapie kommt dann innerhalb von vier Monaten nach dem Beginn des Hormonentzugs dazu.

Erfolgsaussichten: Was kann mit einer antihormonellen Therapie erreicht werden, was nicht?

Was man als Betroffener wissen muss: Die medikamentöse Behandlung kann einen längerfristigen Wachstumsstopp bei einem Tumor der Prostata erzielen. Die antihormonelle Behandlung führt allerdings nicht zu einer Heilung. Betroffene, für die aufgrund ihres Tumorstadiums und ihres Allgemeinzustands auch eine Bestrahlung oder Operation infrage kommt, sollten dies bei ihrer Therapiewahl berücksichtigen.

Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten beziehungsweise hat der Tumor Metastasen gebildet, kann eine kombinierte Hormon-Chemotherapie die Lebenserwartung verlängern. Da der Hormonentzug auch in Kombination mit einer Chemotherapie keine langfristige Heilung bewirkt, muss man aber die Nebenwirkungen insbesondere auf die Lebensqualität gegen den Nutzen abwägen.

"Hormontaub": Was tun, wenn die Erkrankung trotz Hormonentzug fortschreitet?

PSA-Test © jarun011 – Fotolia.com
Während der Hormonentzugstherapie wird der der PSA-Wert regelmäßig kontrolliert. © jarun011 – Fotolia.com

Den meisten Patienten hilft die Hormonentzugstherapie anfänglich gut. In der Regel wirkt die Behandlung jedoch nicht dauerhaft. Nach einer gewissen Zeit kann es sein, dass die Erkrankung trotz antihormoneller Behandlung fortschreitet. Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass der Tumor "hormontaub" oder resistent gegen die Behandlung geworden ist?

  • Trotz niedrigem Testosteron-Spiegel steigt der PSA-Wert wieder an.
  • Metastasen wachsen weiter und/oder führen zu neuen Beschwerden.

Umfangreiche Untersuchungen sind in dieser Situation nicht unbedingt erforderlich: Der Nachweis eines steigenden PSA-Wertes ist sehr aussagekräftig für das Fortschreiten der Erkrankung. Deuten auffallende Beschwerden auf neue Knochenmetastasen hin, kann auch eine Knochenszintigraphie sinnvoll sein, zum "radiologischen Nachweis" bei anderen Beschwerden kommen auch eine Magnetresonanztomographie oder eine Computertomographie infrage.

Ein einmalig leicht erhöhter PSA-Wert bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Hormontherapie nicht mehr wirkt. Erst wenn der Blutspiegel des Prostata-spezifischen Antigens bei drei aufeinanderfolgenden Messungen im Abstand von jeweils einer Woche angestiegen ist, sollte die Therapie angepasst werden.
Eine Behandlung mit GnRH-Agonisten wird dazu allerdings nicht unterbrochen. Man bekommt sie weiterhin regelmäßig als Depot gespritzt. Denn es besteht die Möglichkeit, dass zumindest ein Teil der Tumorzellen noch darauf anspricht.

Zur weiteren Therapie bei einem sogenannten kastrationsresistenten Prostatakarzinom stehen mehrere Substanzen zur Verfügung. Sie kommen abhängig von der persönlichen Situation und den individuellen Wünschen zum Einsatz: Zu den Substanzen zählen vor allem Abirateron, "neue" Antiandrogene und Zytostatika, also eine Chemotherapie.

Wenn Knochenmetastasen oder Tumorabsiedelungen in anderen Organen zu Schmerzen führen, benötigt man zusätzlich eine symptombezogene Therapie, die die Beschwerden lindert. Knochenmetastasen lassen sich zum Beispiel bestrahlen. Mehr zur Symptombehandlung bei Knochenschmerzen bietet der Text "Prostatakrebs: Was tun bei fortgeschrittener Erkrankung?".

Nebenwirkungen: Welche Beschwerden sind häufig, welche selten, wer ist betroffen?

Nebenwirkungen des Testosteron-Mangels – Androgenentzugssyndrom

  • Libidoverlust und erektile Dysfunktion

Das kann passieren: Bei fast allen Männern mit einem Testosteron-Spiegel auf Kastrationsniveau lässt das sexuelle Interesse deutlich nach – Ärzte sprechen vom Libidoverlust. Die rein körperliche Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr ist ebenfalls bei den meisten Patienten stark eingeschränkt. Ärzte sprechen dann von einer erektilen Dysfunktion.
Das lässt sich dagegen tun: Trotz intensiver Forschung gibt es gegen den Libidoverlust bisher keine Abhilfe. Da dies eine Partnerschaft belasten kann, sollten betroffene Paare rechtzeitig und möglichst offen über das Thema sprechen. Eine erektile Dysfunktion lässt sich durch Medikamente, die die Erektion verstärken, oder andere Maßnahmen teilweise beheben, mehr dazu unter "Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und ihren Folgen".

  • Verlust der Zeugungsfähigkeit

Das kann passieren: Unter medikamentöser Kastration geht bei fast allen Männern – ähnlich wie beim Entfernen der Hoden – die Fähigkeit verloren, Kinder zu zeugen.
Das lässt sich dagegen tun: Paare, die noch einen Kinderwunsch haben, sollten ihre Ärzte darauf ansprechen. Es besteht die Möglichkeit, Spermien vor Behandlungsbeginn einzufrieren. Werden die Medikamente abgesetzt, kann sich die Samenproduktion innerhalb einiger Monate erholen.

  • Hitzewallungen

Das kann passieren: Fünf bis acht von zehn Patienten müssen bei medikamentöser Therapie sowie nach Orchiektomie mit Hitzewallungen rechnen, wie sie bei Frauen in den Wechseljahren auftreten.
Das lässt sich dagegen tun: Die Beschwerden lindern können Begleitmedikamente, Maßnahmen wie Sport oder die Reduktion von Kaffee- und Alkoholgenuss. Oft gewöhnt sich der Körper auch nach einiger Zeit an den Hormonentzug, mehr dazu unter "Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und Ihren Folgen".

  • Brustschmerzen und Gynäkomastie

Das kann passieren: Bei ein bis zwei von zehn Patienten wachsen die Brustdrüsen unter der Hormonentzugstherapie. Bei einer maximalen Androgenblockade ist dies sogar bei fünf von zehn Männern der Fall. Das kann schmerzhaft sein und zu einer vergrößerten Brust führen, einer sogenannten Gynäkomastie.
Das lässt sich dagegen tun: Abhilfe schafft – als vorbeugende Maßnahme – eine niedrig dosierte Bestrahlung der Brustdrüsen oder Medikamente. Ist das Wachstum des Drüsengewebes bereits sehr ausgeprägt, können Betroffene einen chirurgischen Eingriff zur Größenreduktion in Betracht ziehen.

  • Gewichtszunahme, Muskelabbau

Das kann passieren: Durch den Testosteron-Mangel herbeigeführte Veränderungen im Stoffwechsel des Körpers können zur Abnahme der Muskelmasse und zu einer Gewichtszunahme führen.
Das lässt sich dagegen tun: Gegen eine Gewichtszunahme oder den Muskelabbau hilft Sport, mehr dazu unter "Bewegung und Sport: Unterstützung für Krebspatienten".

  • Knochenschwund

Das kann passieren: Der veränderte Hormonspiegel wirkt sich auf das Osteoporose-Risiko aus. Betroffene Männer sollten außerdem wissen: Als weitere Risikofaktoren für Osteoporose gelten – neben Übergewicht und mangelnder Bewegung – auch Rauchen und Alkohol.
Das lässt sich dagegen tun: Regelmäßige und dem Allgemeinzustand angemessene körperliche Belastung trägt dazu bei, dem Knochenschwund vorzubeugen. Auch Kalzium, Vitamin D und/oder Medikamente, sogenannte Bisphosphonate, werden zur Prophylaxe empfohlen. Ob sie sinnvoll sind, muss aber im Einzelfall entschieden werden.

  • Blutarmut

Das kann passieren: Einer von zehn Patienten mit einer maximalen Androgenblockade leidet unter Blutarmut, einer sogenannten Anämie. Der Grund dafür ist, dass der Hormonentzug die Bildung der roten Blutkörperchen bremst. Das führt dazu, dass man sich schwach und abgeschlagen fühlt.
Das lässt sich dagegen tun: Eine Blutarmut kann bei Bedarf mit Medikamenten oder auch einer Bluttransfusion behandelt werden.

  • Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit

Das kann passieren: Ob ein Hormonentzug die kognitiven Fähigkeiten wie beispielsweise das Erinnerungsvermögen, die sprachlichen Fähigkeiten oder die räumliche Wahrnehmung beeinträchtigt, ist bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Das lässt sich dagegen tun: Um etwaigen Beschwerden vorzubeugen, empfehlen Fachleute Gehirntraining. Auch körperliche Aktivität wie Sport kann helfen.

  • Weitere Nebenwirkungen in der Diskussion

Das wird diskutiert: Eine Reihe von neueren Untersuchungen deutet an, dass eine längerfristige Antihormontherapie das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung steigern könnte. Dies scheint vor allem für ältere Männer zu gelten, deren Herz bereits vorgeschädigit ist.
Die Daten der gleichen Beobachtungsstudien zeigen jedoch auch, dass eine weitere Sorge womöglich unbegründet ist: Der Hormonentzug scheint das Risiko für eine Alzheimer-Demenz nicht zu fördern.

Nebenwirkungen der Behandlung mit Antiandrogenen

Zumindest einige Antiandrogene wirken sich weniger einschneidend auf das Sexualleben aus als andere Substanzen, die zum Hormonentzug eingesetzt werde. Allerdings ist die Monotherapie mit diesen Mitteln kein Standard.
Sie werden bei vielen Patienten zusätzlich zu einer Strahlentherapie mit heilender Absicht eingesetzt oder bei Männern, deren Tumor noch keine Metastasen gebildet hat. Die Fähigkeit, ein Kind zu zeugen, erlischt durch die Behandlung allerdings weitgehend. Außerdem ist ein Wachsen der Brustdrüsen nicht auszuschließen. Bei einigen wenigen Patienten kann es zu Hitzewallungen kommen.

Selbst aktiv werden bei Nebenwirkungen

Eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität können im Umgang mit den Nebenwirkungen hilfreich sein. Denn wer körperlich fit ist, kein deutliches Übergewicht hat und nicht raucht, verkraftet die belastende Therapie in der Regel besser.
Ein gesunder Lebensstil wirkt sich außerdem günstig auf das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aus.

Wer ergänzend zur Behandlung auf pflanzliche Medikamente, Naturheilverfahren oder andere als wenig belastend verstandene Methoden setzen möchte, sollte dies mit seinen Ärzten besprechen. Die eigentliche Therapie ersetzen können alternativmedizinische Verfahren nicht.

Wie andere Männer mit der Erkrankung und deren Folgen umgegangen sind, erfahren Betroffene in Selbsthilfe-Gruppen. Mehr zu diesen Themen bietet der Text "Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und ihren Folgen".

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)