© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Lungenkrebs, Foto: MOREDUN ANIMAL HEALTH LTD/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Anatomie, Tumorbiologie, Krebshäufigkeit: Was ist Lungenkrebs?

Warum ist die Lunge so empfindlich gegenüber Schadstoffen, vor allem aus Tabakrauch? Was passiert eigentlich genau, wenn Krebs entsteht? Wie ist das Organ aufgebaut? 
Grundlagen zur Funktion der Lunge und zur Entstehung und Häufigkeit von Lungenkrebs bietet der folgende Text. Er kann betroffenen Patienten und ihren Angehörigen dabei helfen, die Erkrankung besser zu verstehen. Für Interessierte bieten Links Hinweise auf vertiefende Informationen und die bei der Texterstellung genutzten Quellen.

Letzte Aktualisierung: 30.05.2012

Tumorentstehung und Tumorbiologie: Was ist Lungenkrebs?

Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die eines gemeinsam haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Was daraus entsteht, ist ein Tumor, zu Deutsch: eine Geschwulst.
Sogenannte solide Tumoren gehen von den Zellen eines einzelnen Organs aus. Sie können gut- oder bösartig sein, auch als benigne oder maligne bezeichnet.
Lungenkrebs gehört zu den bösartigen soliden Tumoren. Gutartige Tumoren der Lunge sind selten.

Bösartige Tumoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen sind. Die veränderten Zellen vermehren sich ungebremst. Sie wachsen in umliegendes Gewebe ein und zerstören es. Sie können in Blutbahnen und Lymphgefäße eindringen und mit dem Blut- und Lymphstrom in andere Organe des Körpers gelangen. Dort können sich Zellen der soliden Tumoren ansiedeln und erneut vermehren - es entstehen Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Auch Lungenkrebs führt bei Betroffenen unter Umständen zu Metastasen beispielsweise in Lymphknoten, im Gehirn oder den Knochen.

Im Gegensatz zu den soliden Tumoren stehen Leukämien oder Lymphomen, die vom Knochenmark ausgehen und die Zellen der Blutbildung und des Immunsystems und damit den ganzen Körper betreffen. Bei einigen Lymphomen können aus Tumorzellen jedoch Knoten oder Geschwülste entstehen, die soliden Tumoren ähnlich sind. Solche Lymphomerkrankungen können auch die Lunge betreffen, sie gelten jedoch nicht als Lungenkrebs im engeren Sinn und werden in diesem Text daher nicht behandelt. Patienten, die an einem Lymphom im Brustraum erkrankt sind, finden weitere Informationen im Text "Maligne Lymphome".

Mehr zum Thema "Krebs - Was ist das?" hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Grundlagentext zusammengestellt.

Veränderte Erbsubstanz

Krebs entsteht durch eine Veränderung am oder im Erbmaterial einzelner Zellen. Aus einer ersten geschädigten Zelle des Lungengewebes entsteht durch unkontrollierte Vermehrung ein Tumor, eine Geschwulst.
In der Regel müssen viele Faktoren, äußere und innere, zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. So wenig es "den" Krebs gibt, so wenig kann man auch von "der" Krebsursache sprechen. Die gemeinsame Endstrecke dieser Schädigungen und Störungen ist jedoch immer eine Veränderung in der Kontrolle des Zellwachstums. Sie führt zu ungeregelter Zellteilung und dem Verlust gewebetypischer Eigenschaften.

Welche Risikofaktoren führen zu Krebs?

Für Lungenkrebs gilt Tabakrauch mit weitem Abstand als der Hauptrisikofaktor. Aus Studien weiß man, dass auch Strahlung und manche Chemikalien eine - wenn auch untergeordnete - Rolle spielen können. Andere bekannte Krebsrisikofaktoren scheinen bei der Entstehung dieser Tumorart dagegen nicht beteiligt zu sein, oder der Einfluss gilt als bisher nicht ausreichend belegt. Mehr dazu hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Risikofaktoren: Wie entsteht Lungenkrebs?" zusammengestellt.

Im Alter nehmen die Reparaturfähigkeiten des menschlichen Organismus ab. Geschädigte oder anderweitig veränderte Zellen können weniger gut abgebaut werden. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Krebserkrankungen bei älteren Menschen wesentlich häufiger sind als in jüngerem Lebensalter. An Lungenkrebs erkranken in der Regel Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Wer sehr früh begonnen hat zu rauchen, muss jedoch schon entsprechend früher mit einem Anstieg seines Erkrankungsrisikos rechnen.

Die Lunge: Funktion und Aufbau

Die Lunge ist ein Organ mit einer lebenswichtigen Funktion: In den Lungen wird der Sauerstoff aus der Atemluft auf die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) übertragen. Diese verteilen ihn über die Blutbahn an die Zellen im ganzen Körper. Alle Zellen brauchen den Sauerstoff, um Nährstoffe in Energie umwandeln zu können.

Sauerstoffaufnahme, Kohlendioxidabgabe

Die Atemluft gelangt durch die Luftröhre (Trachea) in die Lunge. An ihrem unteren Ende teilt sich die Trachea in den linken und rechten Hauptbronchus. Die Hauptbronchien münden an den Lungenwurzeln in die beiden Lungenflügel ein. Dort verzweigen sie sich wie ein Baum in immer kleinere und feinere Äste, die Bronchien und Bronchiolen. Diese enden tief im Gewebe in den Lungenbläschen (Alveolen).
In den etwa 300 Millionen Alveolen stehen Luftwege und Blutgefäße in engster Verbindung. Durch ihre Wände wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid aus dem Blut in die Atemluft abgegeben. Zusammengenommen verfügt die Lunge über eine Austauschfläche von 100 bis 120 Quadratmetern.
Die Luftröhre und das Bronchialsystem sind von einer mit schleimigem Sekret bedeckten Schleimhaut ausgekleidet. In diesem Sekret verfangen sich Schwebteilchen aus der Atemluft. Zahlreiche hauchfeine Flimmerhärchen auf der Schleimhaut transportieren Schmutz und Staub wieder aus den Atemwegen heraus. Räuspern und Husten unterstützen die Reinigung der Atemwege.

Form und Struktur der Lunge

Lunge © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vergrößerte Ansicht
Die Lunge wird von den Bronchien durchzogen, die sich immer weiter verästeln. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln, links und rechts des Brustbeins. Die beiden Lungenflügel ähneln in ihrer Form abgestumpften Kegeln, die den Großteil des Brustraums füllen. Sie liegen auf dem Zwerchfell auf, dem wichtigsten Atemmuskel, der auch Brusthöhle und Bauchraum voneinander trennt. Die Lungenspitzen ragen nach oben etwas über die Höhe der Schlüsselbeine hinaus.

Das Äußere der Lunge ist von einer Haut überzogen, dem Lungenfell ("Pleura"). Das gleiche Pleuragewebe kleidet auch den Brustkorb von innen aus. Hier nennt man es Rippenfell. Zwischen der Lungenoberfläche und dem Rippenfell befindet sich ein dünner Spalt. Dieser sogenannte Pleuraspalt ist mit ein wenig Flüssigkeit gefüllt, die wie ein "Schmiermittel" wirkt. Dadurch verschieben sich bei der Atmung Lunge und Brustwand reibungslos gegeneinander. Die Flüssigkeitsmenge im Pleuraspalt kann bei Entzündungen oder Tumorbefall der Pleura jedoch vermehrt sein und einen schmerzhaften Erguss bilden, der das Atmen behindert.

Die Lungenflügel sind in Lungenlappen unterteilt, die jeweils von einem Bronchialast versorgt werden: Den rechten Flügel teilen zwei tiefe Spalten in Ober-, Mittel- und Unterlappen. Der linke Lungenflügel hat nur zwei Lappen und ist kleiner, weil links im Brustkorb auch das Herz Platz finden muss. Die Lungenlappen haben ihrerseits als Untereinheiten zehn Lungensegmente mit jeweils eigener Versorgung durch einen Bronchialast und eigene Blutgefäße.

Neben Nerven und Blutgefäßen durchziehen auch Lymphbahnen die Lunge. Sie nehmen Gewebeflüssigkeit sowie Keime, Schad- und Abfallstoffe auf, zum Beispiel die Reste abgestorbener Zellen. Die abführenden Lymphgefäße verlaufen von der Lungenwurzel (Hilus) entlang der Luftröhre und münden schließlich in das Blutgefäßsystem.

Bei Krebserkrankungen können über die Lymphflüssigkeit auch Krebszellen verschleppt werden. Diese erreichen dann oft zunächst die ersten Lymphknoten im Bereich der Lungenwurzeln und im Raum zwischen den Lungenflügeln, dem Mediastinum ("Mittelfell"). Dort führen solche verschleppten Tumorzellen unter Umständen zu erneutem Tumorwachstum.
Normalerweise haben gesunde Lymphknoten einen Durchmesser von höchstens einem Zentimeter. Bei Entzündungen können sie vergrößert sein. Lymphknotenschwellungen können jedoch auch durch einen Befall mit Tumorzellen entstehen.

Mehr über Aufbau und Funktion der Lunge und zu Prävention, Diagnostik und Behandlung von Lungenerkrankungen beim Lungeninformationsdienst im Helmoltz Zentrum München, im Internet unter www.lungeninformationsdienst.de.

Lungenkrebs: Wer erkrankt?

Beim "Lungenkrebs" geht das Tumorwachstum vom Lungengewebe selbst aus, in erster Linie von den Zellen, die die Atemwege (Bronchien) auskleiden. Fachsprachlich bezeichnen Ärzte diese Tumoren als Lungenkarzinome oder Bronchialkarzinome.

Bösartige Tumoren in der Lunge können außerdem als Absiedlungen von Tumoren in anderen Organen des Körpers entstehen, dann spricht man von "Lungenmetastasen". Patienten, die an Lungenmetastasen infolge einer anderen Krebserkrankung leiden, finden Informationen in der Rubrik "Tumorarten" bei der jeweiligen Tumorart. Bei Patienten mit Lymphomen der Lunge geht das Tumorwachstum von Zellen des Immunsystems aus.

Häufigkeit

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland etwa 34.490 Männer und 18.030 Frauen an Lungenkrebs. Insgesamt ist Lungenkrebs damit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die Dritthäufigste bei Frauen. Für das Jahr 2016 rechnen die Krebsregister in Deutschland mit 35.000 neu erkrankten Männern und 20.300 neu erkrankten Frauen.

Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt die Erkrankungsrate im Mittelfeld. Während bei Männern seit Mitte der 1980er-Jahre die Anzahl der Neuerkrankungen zurückgeht, steigt sie bei Frauen weiter an.
Die Zunahme von Lungenkrebs bei Frauen wird mit deren zunehmendem Zigarettenkonsum seit den 1980er-Jahren in Verbindung gebracht. Experten schätzen, dass aufgrund des veränderten Rauchverhaltens in wenigen Jahren mehr Frauen an Lungenkrebs sterben als an Brustkrebs. In Europa ist dies bereits in Großbritannien und Polen der Fall.

Bislang erkrankten mehr Männer (69 %) als Frauen (31 %) an Lungenkrebs. Die Rate weiblicher Patienten steigt jedoch, vermutlich aufgrund ihrer veränderten Rauchgewohnheiten.
Vergrößerte Ansicht
Bislang erkrankten mehr Männer (69 %) als Frauen (31 %) an Lungenkrebs. Die Rate weiblicher Patienten steigt jedoch, vermutlich aufgrund ihrer veränderten Rauchgewohnheiten.

Das mittlere Erkrankungsalter, in dem die Diagnose gestellt wird, liegt bei Männern bei etwa 70 Jahren und bei Frauen bei 69 Jahren.

Über 90 Prozent der Männer und rund 60 Prozent der Frauen mit Lungenkrebs haben längere Zeit geraucht. Das Risiko zu erkranken hängt im Wesentlichen von den "Packungsjahren" (englisch: pack years) ab, also von der Zahl der Jahre, in denen geraucht wurde. Der Erkrankungszeitpunkt wird vom Alter bestimmt, in dem der erste "Griff zur Kippe" erfolgte.

Wie groß der Einfluss des Passivrauchens ist, wurde erst in den letzten Jahren deutlich: Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht davon aus, dass jährlich 280 Menschen durch unfreiwilliges Mitrauchen zu Hause und am Arbeitsplatz an Lungenkrebs erkranken und über 260 jährlich an Lungenkrebs durch Passivrauchen sterben. Mehr zu gesundheitlichen Folgen des Rauchens und Passivrauchens hat das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle auf der Seite www.dkfz.de/de/tabakkontrolle zusammengestellt.

Über weitere Daten zu Lungenkrebs informieren das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (www.rki.de) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012" aus dem Jahr 2015 (mehr dazu auf unter www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html  sowie www.gekid.de). Allgemeine Informationen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsstatistiken: Wie häufig ist Krebs in Deutschland?" zusammengestellt.

Formen von Lungenkrebs: Kleinzellig oder nicht-kleinzellig?

Nach dem Erscheinungsbild des Tumorgewebes unter dem Mikroskop lassen sich im Wesentlichen vier Formen von Lungenkarzinomen unterscheiden: Am häufigsten sind die von Schleimhautdeckzellen ausgehenden Plattenepithelkarzinome und die von drüsenartigen Zellen abstammenden Adenokarzinome. Sie finden sich bei mehr als sieben von zehn betroffenen Patienten. Rund zwei von zehn Patienten sind an kleinzelligen Karzinomen erkrankt. Eher selten (etwa ein Betroffener unter zehn) sind großzellige Karzinome und andere Unterformen.

Ärzte teilen die verschiedenen Lungenkrebsarten im Wesentlichen in zwei Gruppen ein: in die der kleinzelligen Lungenkarzinome und die der nicht-kleinzelligen, dazu gehören Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome. Diese Unterscheidung ist für die Behandlungsplanung wichtig, da die Therapie des kleinzelligen Lungenkrebses grundsätzlich anders aussieht als die anderer Lungentumoren. In Deutschland sind auch die englischen Abkürzungen gebräuchlich: SCLC steht für kleinzelligen Lungenkrebs (small cell lung cancer), NSCLC steht für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (non small cell lung cancer). Es ist allerdings zu erwarten, dass sich durch die immer feineren Methoden der Molekularbiologie in Zukunft alle Unterformen besser charakterisieren und differenzieren lassen. Die Hoffnung ist, dass sich daraus gezieltere Behandlungsmöglichkeiten ergeben werden, die auf die Biologie und die Wachstumsregulation des einzelnen Tumors abgestimmt sind.

Auch gutartige Tumoren können sich in der Lunge entwickeln, etwa aus dem faserigen Bindegewebe, aus Knorpelgewebe oder aus fehlgebildeten Geweben. Sie sind allerdings selten. Kennzeichnend für gutartige Tumoren ist, dass sie in der Regel langsam wachsen und gesundes Gewebe zwar verdrängen, aber nicht zerstören.