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Lungenkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lungenkrebs

Lungenkrebs: Früherkennung, Symptome und Warnzeichen

Letzte Aktualisierung: 09.07.2018

Lungenkrebs ist eine sehr häufige Krebserkrankung, die sich allerdings erst vergleichsweise spät durch Symptome und Beschwerden bemerkbar macht. Bis heute sind die Möglichkeiten der Früherkennung begrenzt – die bisher geprüften Untersuchungen sind belastend und nicht ohne Risiko. Vor allem Menschen, die ein hohes Risiko für ein Bronchialkarzinom haben, sollten daher wichtige Warnzeichen kennen.
Der folgende Text bietet einen Überblick. Wie hoch das eigene Krebsrisiko ist oder was hinter der ein oder anderen gesundheitlichen Veränderung tatsächlich steckt, sollte man jedoch am besten bei einem Arztbesuch klären. 

Nutzen und Risiken regelmäßiger Tests

Bisher gibt es keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung auf Lungenkrebs für jedermann: Alle Verfahren haben auch Nachteile.

Wie bei vielen anderen Krebsarten gilt auch bei Lungenkrebs: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto höher sind rein statistisch die Heilungschancen für Betroffene. In den vergangenen Jahrzehnten wurden daher viele Tests und Untersuchungen daraufhin geprüft, ob sie sich zur Früherkennung von Bronchialkarzinomen nutzen lassen.
Trotz aller Forschung gilt allerdings: Bisher gibt es keine Untersuchung im gesetzlichen Früherkennungsprogramm.
Experten diskutieren für Menschen mit hohem Risiko zwar einige Verfahren. Aber regelmäßige Computertomograpien oder Röntgenuntersuchungen sind wegen der Strahlenbelastung nicht für die breite Anwendung bei symptomlosen Gesunden nicht geeignet.

Welche Gründe gibt es im Einzelnen?

Bei Gesunden ohne Risiko: Kein Einfluss auf die Sterblichkeitsrate

Viele Untersuchungsmethoden sind zu ungenau: Der Anteil übersehener bösartiger Lungentumoren ist zu hoch. Andere Verfahren sind wiederum zu empfindlich: Sie lösen zu oft einen unbegründeten Krebsverdacht aus, was zu unnötigen und für die Betroffenen belastenden Folgeuntersuchungen oder Behandlungen führt.

In Studien hat sich gezeigt, dass sich keine der folgenden Untersuchungen messbar auf die Sterblichkeitsrate auswirkt: weder regelmäßige Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs, noch Untersuchungen von Zellen in ausgehustetem Bronchialsekret - eine sogenannte Sputum-Zytologie - oder Untersuchungen verschiedener Tumormarker im Blut.
Diese Verfahren werden von Fachleuten daher nicht für die Lungenkrebsfrüherkennung empfohlen.

Gegen den Nutzen einer medizinischen Untersuchung müssen zudem immer mögliche Risiken und Nachteile abgewogen werden.

Ein Beispiel wäre regelmäßiges Röntgen: Der Schaden durch die vergleichsweise hohe Strahlenbelastung wäre vermutlich höher als der Nutzen für die Durchschnittsbevölkerung.

  • Insgesamt sind alle bisher geprüften Verfahren als Früherkennungs- oder Screening-Untersuchung für die gesunde Bevölkerung im Vergleich zum Nutzen zu aufwendig und zu belastend.
  • Im deutschen gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist eine Lungenkrebs-Früherkennung nicht vorgesehen.

Was ist, wenn man ein sehr hohes Lungenkrebsrisiko hat?

Neuere Untersuchungen galten daher Menschen, die besonders gefährdet sind, an einem Bronchialkarzinom zu erkranken. Dazu zählen vor allem Raucher und Menschen, die beruflich mit krebsauslösenden Stoffen in Kontakt gekommen sind, etwa Radon.

Aktuelle Forschung für Risikogruppen: Computertomographie zur Lungenkrebsfrüherkennung

Computertomograph © Alejandro Camacho, Thinkstock
Computertomograph © Alejandro Camacho, Thinkstock

Vielversprechende Ergebnisse stammen aus Studien, in denen Menschen mit hohem Lungenkrebsrisiko regelmäßig Computertomographien (CT) mit niedriger Strahlenbelastung erhielten.

Ein wichtiges Beispiel ist  eine groß angelegte Studie des U.S.-amerikanischen National Cancer Institutes. Im Rahmen dieses "National Lung Screening Trial" (NLST) wurden zwischen 2002 und 2009 mehr als 53.000 Personen zwischen 55 und 74 Jahren untersucht,  die aufgrund ihres Rauchverhaltens ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hatten.
Das Ergebnis: Mithilfe regelmäßiger CT-Untersuchungen konnten mehr Lungenkarzinome entdeckt werden. Auch die Zahl der im Untersuchungszeitraum an Lungenkrebs verstorbenen Patienten war in der Computertomographie-Gruppe geringer als in der Vergleichsgruppe, die lediglich geröntgt wurde.
Inzwischen haben Wissenschaftler die Zahlen des U.S.-amerikanischen "National Lung Screening Trial" auf deutsche Verhältnisse hochgerechnet. Sie kommen zu dem Schluss, dass starke Raucher ihr Sterberisiko durch regelmäßige Niedrigdosis-Computertomographien senken könnten. Sie setzen bei ihrer Modellrechnung allerdings voraus, dass mindestens die Hälfte aller infrage kommenden Raucher ein solches Angebot auch in Anspruch nehmen würde - sonst bliebe der Effekt insgesamt deutlich darunter.

In der deutschen LUSI-Studie ("Lung Cancer Screening Intervention Trial") geht es seit 2007 ebenfalls um die Früherkennung mit CT bei etwa 4.000 starken Rauchern mit hohem Risiko. Bislang konnte gezeigt werden, dass sich Lungenkrebs früh erkennen lässt. Auch die Rate für "falschen Alarm" sinkt, wenn die Untersuchungen regelmäßig durchgeführt werden (www.dkfz.de/de/epidemiologie-krebserkrankungen/arbeitsgr/epipraev/ep_p03_lungscr_a.html).

  • Trotzdem bleiben vor allem solche falsch positiven Untersuchungsergebnisse ein Problem: Sie müssen weiter abgeklärt werden, bis sicher feststeht, dass es sich doch nicht um Krebs handelt - eine große Belastung für Betroffene. 
  • Insgesamt gilt: Noch müssen Nutzen und Risiken sowie die Kosten solcher Untersuchungen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Neben der Zuverlässigkeit ist der wichtigste Grund die Strahlenbelastung: So erhöht sich bei regelmäßigen CT-Untersuchungen, trotz immer besserer Geräte, die lebenslange Strahlenbelastung für Teilnehmer an solchen Programmen deutlich. Die Frage ist: "Lohnt" sich dieses Risiko im Vergleich zum Nutzen, also zur Senkung der Sterblichkeitsrate an Lungenkrebs?

Die bisher vorliegenden Studien haben auch gezeigt: Hundertprozentige Sicherheit bieten regelmäßige CTs nicht. Letztlich kann die Untersuchung nicht garantieren, dass ein Mensch wirklich tumorfrei ist. Insbesondere kleinzelliger Lungenkrebs wird in früheren Stadien selbst bei wiederholten Untersuchungen oft gar nicht entdeckt.

  • Bevor die Computertomographie außerhalb von Studien zur Frühkennung eingesetzt werden kann, müssen diese offene Fragen geklärt werden.

Wie geht es weiter?

Die aktuellen Leitlinien empfehlen bereits eine Früherkennungsuntersuchung mit CT für starke Raucher ab 55 Jahren. Diese Empfehlung gilt für starke Raucher sogar schon ab 50 Jahren, wenn noch ein weiterer Risikofaktor hinzukommt.

Das Problem: Noch fehlen die gesetzlichen Grundlagen dafür - die Untersuchung gehört nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm.
Warum zögern die Experten hier noch? Das Problem ist die ionisierende Strahlung. Eine solche individuelle Früherkennungsuntersuchung an Menschen, die keine Symptome haben, ist in Deutschland nicht ohne weiteres erlaubt. Der Gesetzgeber will damit gesunde Menschen vor einer unnötigen Strahlenbelastung schützen.

Ob und wann ein Früherkennungsprogramm auf Lungenkrebs eingeführt wird, kann man zur Zeit nicht sagen.

Tipp: Wenn Sie Fragen dazu haben, ob sie zu den Risikogruppen gehören und welche Untersuchungen infrage kommen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder mit Ihrer Krankenkasse.

Experimentelle Verfahren: Gibt es weitere Möglichkeiten der Diagnostik?

Können Haustiere Krebs riechen?

Kann man am Atem eines Menschen erkennen, ob er Lungenkrebs hat? Haustiere wie Hunde, aber auch Katzen, scheinen dazu in der Lage zu sein.

Seit einigen Jahren gibt es Studien mit Spürhunden, die dazu trainiert werden, Lungenkrebs anhand der Atemluft zu erkennen. An den Studien nahmen Patienten mit unterschiedlichen Lungenerkrankungen sowie gesunde Probanden teil. Die Tiere konnten mit hoher Treffsicherheit einen Großteil der Lungenkrebspatienten herausspüren. Die Hoffnung der Forscher: Lässt sich herausfinden, was genau die Hunde riechen, können gezielte Tests zur Früherkennung entwickelt werden.

Atemluft-Tests zur Früherkennung

Wissenschaftler haben inzwischen Tests entwickelt, mit deren Hilfe Lungenkrebs anhand der Atemluft erkannt werden kann. Sie untersuchten beispielsweise Atemproben auf Spuren bestimmter RNA-Moleküle. Diese Bestandteile des Erbmaterials gibt es in jeder Zelle. Bei Menschen mit Lungenkrebs ist die Zusammensetzung der RNA verändert. Andere Tests weisen flüchtige organische Verbindungen nach, die in der Atemluft von Krebspatienten vermehrt zu finden sind.

  • Noch sind Atemlufttest nicht auf dem Markt erhältlich. Weitere Forschung steht noch aus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass solche und ähnliche Tests die Früherkennung einfacher und zuverlässiger machen, bisherige Verfahren aber nicht vollständig ersetzen werden.
Damit sollten Sie zum Arzt

Husten, Luft- und Atemnot, Gewichtsverlust oder Schmerzen in der Brust oder den Knochen können Warnzeichen sein.

Etwas anderes ist die Abklärung von Symptomen. Wer das Gefühl hat, dass mit der eigenen Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist, kann jederzeit zum Arzt gehen: Dann stehen alle gängigen Untersuchungsverfahren zur Verfügung.
Lungenkarzinome verursachen in frühen Stadien allerdings nur selten Beschwerden. Kleine Tumoren werden fast immer zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs aus anderem Anlass.

Umso wichtiger ist es, vor allem für Raucher, Symptome ernst zu nehmen und mit dem Arzt zu besprechen. Die Krankheitszeichen sind leider oft so vieldeutig, dass sie häufig zunächst verkannt werden, etwa als chronische Bronchitis. 

  • Neu einsetzender und über Wochen anhaltender Husten oder die Verschlimmerung eines chronischen Hustens führen Betroffene am häufigsten zum Arzt.
  • Auf Nachfrage stellt sich oft heraus, dass sie sich seit längerem abgeschlagen fühlen, kurzatmig waren oder an Gewicht verloren haben.
  • Häufig verschleimte Bronchien kennen vor allem Raucher. Klagen Patienten auch über Auswurf mit Blutbeimengungen oder verstärkt sich der Auswurf, kommen Schmerzen, Fieberschübe oder Atemnot hinzu, sind dies Warnsignale, die sofort zum Arzt führen sollten.

Wenn der Tumor sich über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, können auch Absiedlungen in anderen Organen Symptome verursachen, sogenannte Metastasen. Bei nicht wenigen Betroffenen sind diese Beschwerden sogar der erste Hinweis auf die Erkrankung:  Bei Befall der Knochen leiden Patienten häufig unter Schmerzen, die zunächst zum Beispiel als "Arthrose" gedeutet werden. Ist die Leber betroffen, kommt es oft zu Gewichtsverlust, Schwäche und Müdigkeit, ebenfalls eher unspezifischen Symptomen. Metastasen im Gehirn können neurologische Symptome verursachen, zum Beispiel Lähmungen, Kopfschmerzen, aber auch Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Wesensveränderungen.

Vor allem kleinzellige Lungenkarzinome können hormonartige Substanzen bilden, die ins Blut abgegeben werden. Da diese Substanzen im Übermaß produziert werden, führen sie zu typischen Veränderungen im Blut oder unterschiedlichen, aber für den Arzt wegweisenden Beschwerden. Dazu gehören zum Beispiel Blutarmut, zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalziämie), Blutgerinnungsstörungen, neurologische Symptome oder Hautveränderungen. Solche sogenannten paraneoplastischen Syndrome sind bei einem kleinen Teil der Betroffenen sogar das erste Zeichen der Erkrankung.

Alles in allem gilt: Hinter vielen dieser Warnsymptomen können Lungenkrebs oder andere schwerwiegende Lungenprobleme stehen, aber eben auch harmlosere Erkrankungen. Die Angst, es könnte Krebs sein, sollte nicht zum Hindernis für einen Arztbesuch werden.



Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Mehr zu Veränderungen der Atemwege und zu Beschwerden, die durch das Rauchen verursacht werden können, hat das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum in seinen Veröffentlichungen zusammengestellt. Eine Übersicht findet sich unter www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Publikationen_und_Stellungnahmen.html.

Leitlinien:
Die S3-Leitlinie "Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms" wurde im Februar 2018 von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft sowie weiteren Fachgesellschaften herausgegeben und ist zu finden unter: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-007OL.html

Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zur Früherkennung, Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs stehen in englischer Sprache und an Fachleute gerichtet unter www.asco.org zur Verfügung, Stichwort Practice Guidelines.

Leitlinien des American College of Chest Physisians sind in englischer Sprache verfügbar unter www.chestnet.org/Guidelines-and-Resources.

Die Europäische Gesellschaft für Radiologie (ESR) und die Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen haben sich 2015 entschlossen, auf der Basis der bisher vorliegenden Studiendaten ein "White paper" zum Lungenkrebsscreening für Hochrisikogruppen herauszugeben: Kauczor HU et al (2015):  ESR/ERS white paper on lung cancer screening. ERJ April 30, 2015 ERJ-00330-2015, online vor Print April 2015, http://erj.ersjournals.com/content/early/2015/04/29/09031936.00033015.full, doi: 10.1183/09031936.00033015

Eine ältere Stellungnahme der Thoraxdiagnostik in der Deutschen Röntgengesellschaft enthalten die Empfehlung, eine Früherkennung des Bronchialkarzinoms ausschließlich in Studien durchzuführen, mehr unter www.ag-thorax.drg.de/de-DE/376/stellungnahmen-und-empfehlungen. Auch diese Quelle verweist auf weitere Veröffentlichungen.

Studiendaten (Auswahl):

LUSI-Studie: "Lung Cancer Intervention Trial", mehr unter www.dkfz.de/de/epidemiologie-krebserkrankungen/arbeitsgr/epipraev/ep_p03_lungscr_a.html

U.S.-"Lung Cancer Screening Trial", mehr unter www.cancer.gov/research/progress/discovery/NLST

Hochrechnung der U.S.-Daten auf Deutschland: Stang A, Schuler M, Kowall B, Darwiche K, Kühl H, Jöckel KH (2015): Lungenkrebsscreening mit Low-Dose-Computertomographie in Deutschland - Hochrechnung der Kennzahlen des National Lung Screening Trial. Dtsch Arztebl Int, 112(38): 637-644, doi: 10.3238/arztebl.2015.0637

Literatur (Auswahl):

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Erstellt: 27.05.2015