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Lungenkrebs, Foto: MOREDUN ANIMAL HEALTH LTD/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Lungenkrebs: Früherkennung, Symptome und Warnzeichen

Wodurch machen sich Tumoren der Lunge bemerkbar?

Lungenkrebs ist eine sehr häufige Krebserkrankung, die sich allerdings erst vergleichsweise spät durch Symptome und Beschwerden bemerkbar macht. Bis heute sind die Möglichkeiten der Früherkennung begrenzt – die bisher geprüften Untersuchungen sind belastend und nicht ohne Risiko. Vor allem Menschen, die ein hohes Risiko für ein Bronchialkarzinom haben, sollten daher wichtige Warnzeichen kennen.
Der folgende Text bietet einen Überblick. Wie hoch das eigene Krebsrisiko ist oder was hinter der ein oder anderen gesundheitlichen Veränderung tatsächlich steckt, sollte man jedoch am besten bei einem Arztbesuch klären. 

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Zuletzt überprüft: 30.09.2015

Quellen und Links

Die bei der Texterstellung genutzten Quellen sind am Textende aufgeführt. Weitere Informationen bietet auch das Kapitel "Mehr wissen zum Thema Lungenkrebs".

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Lungenkrebs-Früherkennung: Bislang keine Untersuchung für alle

Wie bei vielen anderen Krebsarten gilt auch bei Lungenkrebs: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto höher sind rein statistisch die Heilungschancen für Betroffene. In den vergangenen Jahrzehnten wurden daher viele Tests und Untersuchungen daraufhin geprüft, ob sie sich zur Früherkennung von Bronchialkarzinomen nutzen lassen. Trotz aller Forschung gilt allerdings: Bisher eignet sich keine Untersuchung für die breite Anwendung bei symptomlosen Gesunden. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Bei Gesunden ohne Risiko: Kein Einfluss auf die Sterblichkeitsrate

Viele Untersuchungsmethoden sind zu ungenau: Der Anteil übersehener bösartiger Lungentumoren ist zu hoch. Andere Verfahren sind wiederum zu empfindlich: Sie lösen zu oft einen unbegründeten Krebsverdacht aus, was zu unnötigen und für die Betroffenen belastenden Folgeuntersuchungen oder Behandlungen führt.

Welche Verfahren betrifft dies?
In Studien hat sich gezeigt: Weder regelmäßige Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs oder Untersuchungen von Zellen in ausgehustetem Bronchialsekret - eine sogenannte Sputum-Zytologie - noch Untersuchungen verschiedener Tumormarker im Blut wirkten sich messbar auf die Sterblichkeitsrate aus.
Diese Verfahren werden von Fachleuten daher nicht für die Lungenkrebsfrüherkennung empfohlen.

Gegen den Nutzen einer medizinischen Untersuchung müssen zudem immer mögliche Risiken und Nachteile abgewogen werden. Ein Beispiel wäre regelmäßiges Röntgen: Der Schaden durch die vergleichsweise hohe Strahlenbelastung wäre vermutlich höher als der Nutzen für die Durchschnittsbevölkerung.

  • Insgesamt sind alle bisher geprüften Verfahren als Früherkennungs- oder Screening-Untersuchung für die gesunde Bevölkerung im Vergleich zum Nutzen zu aufwendig und zu belastend.
  • Im deutschen gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist eine Lungenkrebs-Früherkennung nicht vorgesehen.

Neuere Untersuchungen galten daher Menschen, die ein besonders hohes Risiko tragen. Dazu zählen vor allem Raucher und Menschen, die beruflich mit krebsauslösenden Stoffen in Kontakt gekommen sind, etwa Radon.

Aktuelle Forschung für Risikogruppen: Computertomographie zur Lungenkrebsfrüherkennung

Computertomograph © Alejandro Camacho, Thinkstock
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Computertomograph © Alejandro Camacho, Thinkstock

Vielversprechende Ergebnisse stammen aus Studien, in denen Menschen mit hohem Lungenkrebsrisiko regelmäßig Computertomographien (CT) mit niedriger Strahlenbelastung erhielten.

Ein wichtiges Beispiel ist  eine groß angelegte Studie des U.S.-amerikanischen National Cancer Institutes. Im Rahmen dieses "National Lung Screening Trial" (NLST) wurden zwischen 2002 und 2009 mehr als 53.000 Personen zwischen 55 und 74 Jahren untersucht,  die aufgrund ihres Rauchverhaltens ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hatten.
Das Ergebnis: Mithilfe regelmäßiger CT-Untersuchungen konnten mehr Lungenkarzinome entdeckt werden. Auch die Zahl der im Untersuchungszeitraum an Lungenkrebs verstorbenen Patienten war in der Computertomographie-Gruppe geringer als in der Vergleichsgruppe, die lediglich geröntgt wurde.
Inzwischen haben Wissenschaftler die Zahlen des U.S.-amerikanischen "National Lung Screening Trial" auf deutsche Verhältnisse hochgerechnet. Sie kommen zu dem Schluss, dass starke Raucher ihr Sterberisiko durch regelmäßige Niedrigdosis-Computertomographien senken könnten. Sie setzen bei ihrer Modellrechnung allerdings voraus, dass mindestens die Hälfte aller infrage kommenden Raucher ein solches Angebot auch in Anspruch nehmen würde - sonst bliebe der Effekt insgesamt deutlich darunter.

In der deutschen LUSI-Studie ("Lung Cancer Screening Intervention Trial") geht es seit 2007 ebenfalls um die Früherkennung mit CT bei etwa 4.000 starken Rauchern mit hohem Risiko. Bislang konnte gezeigt werden, dass sich Lungenkrebs früh erkennen lässt, und dass auch. Auch die Rate für "falschen Alarm" sinkt, wenn die Untersuchungen regelmäßig durchgeführt werden (www.dkfz.de/de/epidemiologie-krebserkrankungen/arbeitsgr/epipraev/ep_p03_lungscr_a.html).

  • Trotzdem bleiben vor allem solche falsch positiven Untersuchungsergebnisse ein Problem: Sie müssen weiter abgeklärt werden, bis sicher feststeht, dass es sich doch nicht um Krebs handelt - eine große Belastung für Betroffene. 
  • Insgesamt gilt: Noch müssen Nutzen und Risiken sowie die Kosten solcher Untersuchungen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Neben der Zuverlässigkeit ist der wichtigste Grund die Strahlenbelastung: So erhöht sich bei regelmäßigen CT-Untersuchungen, trotz immer besserer Geräte, die lebenslange Strahlenbelastung für Teilnehmer an solchen Programmen deutlich. Die Frage ist: "Lohnt" sich dieses Risiko im Vergleich zum Nutzen, also zur Senkung der Sterblichkeitsrate an Lungenkrebs?

Die bisher vorliegenden Studien haben auch gezeigt: Hundertprozentige Sicherheit bieten regelmäßige CTs nicht. Letztlich kann die Untersuchung nicht garantieren, dass ein Mensch wirklich tumorfrei ist. Insbesondere kleinzelliger Lungenkrebs wird in früheren Stadien selbst bei wiederholten Untersuchungen oft gar nicht entdeckt.

  • Bevor die Computertomographie außerhalb von Studien zur Frühkennung eingesetzt werden kann, müssen diese offene Fragen geklärt werden.

Wie geht es weiter?

2015 haben europäische Fachgesellschaften eine Zusammenstellung des bisher bekannten Wissens vorgelegt, die zu einem vergleichsweise positiven Ergebnis kommt, was die Eignung zumindest für Risikogruppen angeht. Die Experten diskutieren in ihrer Veröffentlichung auch, wie eine Früherkennung mit regelmäßigen Computertomographien organisiert sein müsste, und welche Zielgruppen für solche Programme infrage kämen.
Sie fügen aber auch hinzu: Teil solcher Früherkennungsangebote müssten auch Schulungen und Beratungen zum  Rauchstopp sein – denn Raucher bleiben die größte Risikogruppe für ein Bronchialkarzinom.

Früherkennung von Lungenkrebs: Screening auf eigene Kosten?

Derzeit wird in Deutschland ein Lungenkrebs-Screening von Fachleuten nicht empfohlen. Einzige Ausnahme: Die Untersuchung findet im Rahmen einer klinischen Studie statt.

Was ist, wenn man das Screening mit CT trotzdem durchführen lassen möchte?

Die Empfehlung gilt auch für Menschen, die sich zwar gesund fühlen, aber ein hohes Risiko tragen: Regelmäßige Computertomographien sozusagen auf eigenen Wunsch werden in den aktuellen ärztlichen Leitlinien  nicht empfohlen. Sie müssten deshalb auch selbst gezahlt werden, als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Auf Symptome achten: Warnzeichen oft wenig typisch

Etwas anderes ist die Abklärung von Symptomen. Wer das Gefühl hat, dass mit der eigenen Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist, kann jederzeit zum Arzt gehen: Dann stehen alle gängigen Untersuchungsverfahren zur Verfügung.
Lungenkarzinome verursachen in frühen Stadien allerdings nur selten Beschwerden. Kleine Tumoren werden fast immer zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs aus anderem Anlass.

Umso wichtiger ist es, vor allem für Raucher, Symptome ernst zu nehmen und mit dem Arzt zu besprechen. Die Krankheitszeichen sind leider oft so vieldeutig, dass sie häufig zunächst verkannt werden, etwa als chronische Bronchitis. 

  • Neu einsetzender und über Wochen anhaltender Husten oder die Verschlimmerung eines chronischen Hustens führen Betroffene am häufigsten zum Arzt.
  • Auf Nachfrage stellt sich oft heraus, dass sie sich seit längerem abgeschlagen fühlen, kurzatmig waren oder an Gewicht verloren haben.
  • Häufig verschleimte Bronchien kennen vor allem Raucher. Klagen Patienten auch über Auswurf mit Blutbeimengungen oder verstärkt sich der Auswurf, kommen Schmerzen, Fieberschübe oder Atemnot hinzu, sind dies Warnsignale, die sofort zum Arzt führen sollten.

Wenn der Tumor sich über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, können auch Absiedlungen in anderen Organen Symptome verursachen, sogenannte Metastasen. Bei nicht wenigen Betroffenen sind diese Beschwerden sogar der erste Hinweis auf die Erkrankung:  Bei Befall der Knochen leiden Patienten häufig unter Schmerzen, die zunächst zum Beispiel als "Arthrose" gedeutet werden. Ist die Leber betroffen, kommt es oft zu Gewichtsverlust, Schwäche und Müdigkeit, ebenfalls eher unspezifischen Symptomen. Metastasen im Gehirn können neurologische Symptome verursachen, zum Beispiel Lähmungen, Kopfschmerzen, aber auch Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Wesensveränderungen.

Vor allem kleinzellige Lungenkarzinome können hormonartige Substanzen bilden, die ins Blut abgegeben werden. Da diese Substanzen im Übermaß produziert werden, führen sie zu typischen Veränderungen im Blut oder unterschiedlichen, aber für den Arzt wegweisenden Beschwerden. Dazu gehören zum Beispiel Blutarmut, zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalziämie), Blutgerinnungsstörungen, neurologische Symptome oder Hautveränderungen. Solche sogenannten paraneoplastischen Syndrome sind bei einem kleinen Teil der Betroffenen sogar das erste Zeichen der Erkrankung.

Alles in allem gilt: Hinter vielen dieser Warnsymptomen können Lungenkrebs oder andere schwerwiegende Lungenprobleme stehen, aber eben auch harmlosere Erkrankungen. Die Angst, es könnte Krebs sein, sollte nicht zum Hindernis für einen Arztbesuch werden.