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Dickdarmkrebsgewebe, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung

Kann man Karzinome im Dick- oder Enddarm verhindern?

Welche Risikofaktoren begünstigen Darmkrebs? Wie kann man einem kolorektalen Karzinom vorbeugen? Welche Rolle spielen die Gene? Der folgende Text geht auf verschiedene Faktoren ein, die das Darmkrebsrisiko beeinflussen. Heute weiß man: Der persönliche Lebensstil wirkt sich aus - gut sind vor allem ein möglichst normales Gewicht, viel Bewegung und der Verzicht auf Tabak. Eine gesunde Ernährung ist wichtig - eine besondere Diät gegen Darmkrebs gibt es aber nicht. Auch mit Vitaminen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln kann man nicht vorbeugen. Eine familiäre Veranlagung für Darmkrebs ist möglich, sie lässt sich aber nur bei einem kleinen Teil aller Betroffenen nachweisen.
Wer vorbeugen möchte, dem empfehlen Fachleute nicht nur einen gesunden Lebensstil, sondern auch, sich über die Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung zu informieren.
Informationen aus dem Internet können eine ärztliche Beratung zum persönlichen Krebsrisiko nicht ersetzen. Der folgende Text soll es Interessierten aber erleichtern, sich auf ein solches Gespräch vorzubereiten.

Letzte Aktualisierung: 27.04.2016

Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende des Textes aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs" bietet Hinweise auf allgemeine Fachliteratur sowie Linktipps zum Weiterlesen.

Informationen für Krebspatienten?

Die folgenden Informationen zur Darmkrebsvorbeugung und zu Risikofaktoren richten sich an Gesunde.
Für Patienten mit einem Darmtumor, die sich Gedanken um ihr Rückfallrisiko machen, hält der Krebsinformationsdienst eigene Texte bereit, mehr dazu im Kapitel "Darmkrebs: Leben mit der Erkrankung".

Darmkrebsrisiko und Krebsvorbeugung: Das Wichtigste in Kürze

Darmkrebs ist derzeit die dritthäufigste Tumorerkrankung in Deutschland, so die Daten der deutschen Krebsregister. Im internationalen Vergleich liegen die Erkrankungszahlen in der Bundesrepublik mit an der Spitze, auch wenn die Zahl betroffener Patienten langsam zurückgeht.
Was empfehlen Fachleute heute zur Vorbeugung?

  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.
  • Achten Sie auf ausreichend Ballaststoffe, aus Getreideprodukten, Hülsenfrüchten und auch aus Gemüse.
  • Essen Sie wenig rotes Fleisch oder verarbeitete Fleischprodukte (etwa Wurst).
  • Meiden Sie Tabak.
  • Begrenzen Sie Ihren Alkoholkonsum.
  • Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin)" und ihre chemischen Verwandten sollten nicht zur Darmkrebsvorbeugung eingenommen werden. Über Ausnahmen informiert der Arzt.
  • Auch Vitamin- oder Mineralstofftabletten als Nahrungsergänzungsmittel werden zur Vorbeugung nicht empfohlen.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über "Krebsvorsorge" informieren: Ab dem Alter von 50 Jahren haben Sie die Möglichkeit, Früherkennungsuntersuchungen für Darmkrebs in Anspruch zu nehmen.
  • Gab es in Ihrer Familie schon Krebserkrankungen oder leiden Sie an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung? Dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob Früherkennungsuntersuchungen schon vor dem 50. Geburtstag sinnvoll wären.

Prävention: Was lässt sich erreichen, was nicht?

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Rate an Darmkrebserkrankungen in Deutschland deutlich senken ließe. Aktuelle Statistiken zeigen tatsächlich, dass in den letzten Jahren die Zahl der Neuerkrankungen leicht zurückgeht. Wahrscheinlich spielen dabei verschiedene Faktoren eine Rolle, so eine Erläuterung der deutschen Krebsregister:

  • Achten mehr Menschen auf einen gesünderen Lebensstil, dann sinkt insgesamt die Zahl der Darmkrebserkrankungen. Für einzelne Faktoren wie Sport und Bewegung oder Abnehmen bei Übergewicht liegen bereits konkrete Zahlen aus Studien vor: Sie zeigen zum Beispiel, dass das Darmkrebsrisiko bei körperlich aktiven Menschen geringer ist.
  • Hinzu kommt der Effekt von Früherkennungsmaßnahmen: Bei einer Darmspiegelung können Krebsvorstufen  gleich entfernt werden. Ein Tumor entsteht dann gar nicht erst. Wenn mehr Menschen an solchen Untersuchungen teilnehmen, dann erkranken insgesamt weniger Menschen an Darmkrebs.

Um welchen Anteil die Darmkrebsrate aber insgesamt gesenkt werden könnte, ist eine schwer zu beantwortende Frage: Das Zusammenspiel der vielen Einzelfaktoren ist komplex. Risikofaktoren beeinflussen sich gegenseitig, manche sind noch nicht gut genug untersucht. Auch der tatsächliche Effekt von Früherkennungsuntersuchungen ist noch nicht abschließend in Studien überprüft.

Warum lohnt es sich trotzdem, die heutigen Empfehlungen zum Lebensstil und zur Früherkennung zu berücksichtigen? Die meisten bekannten Maßnahmen wirken sich nicht nur auf das Darmkrebsrisiko aus, sondern gelten auch als allgemein gesundheitsfördernd. Sie wirken der Entstehung anderer Tumorarten ebenso entgegen wie beispielsweise einer Zuckerkrankheit oder dem Risiko von Bluthochdruck, Schlaganfällen oder Herzinfarkten.
Auch zu Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung gibt es bereits mehrere Studien: Sie belegen, dass Menschen, die daran teilnehmen, seltener an Darmkrebs sterben.

Trotz gesunder Lebensweise betroffen?

Kann man eine Darmkrebserkrankung ausschließen, wenn man sich an die empfohlenen Maßnahmen hält? Die Antwort lautet: Nein. Die Aussagen beruhen auf Studien an großen Bevölkerungsgruppen – also auf statistischen Wahrscheinlichkeiten. Einzelschicksale lassen sich daraus nicht ableiten. Selbst Menschen, die sehr gesund leben und keine angeborenen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen haben, können an einem Tumor erkranken - "Fehler" im genetischen Code entstehen vermutlich oft rein zufällig.

  • Die Diagnose einer Darmkrebserkrankung bedeutet also nicht, etwas falsch gemacht oder übersehen zu haben oder gar "Schuld" an der Erkrankung zu tragen.

Lebensgewohnheiten und Ernährung: Welche Rolle spielt der Lebensstil?

In Beobachtungsstudien an großen Bevölkerungsgruppen konnten Wissenschaftler mehrere Lebensstilfaktoren ausmachen, die das Darmkrebsrisiko beeinflussen. Dazu gehört unter anderem körperliche Aktivität: In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass bereits 30 bis 60 Minuten Bewegung täglich das Risiko für Darmkrebs senken. Dabei unterscheidet man nicht zwischen Sport im eigentlichen Sinn und anstrengender Alltagstätigkeit in Beruf oder Freizeit.

Auch Übergewicht zählt zu den wichtigen Risikofaktoren für Darmkrebs: Menschen mit einem "Body Mass Index" größer als 25 haben ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit nimmt weiter zu, je stärker das Übergewicht ist.

Was viele Menschen überraschen wird: Auch der Konsum von Tabak steigert das Darmkrebsrisiko. Der Zusammenhang mit dem Rauchen ist zwar nicht so stark wie bei Lungenkrebs. Die vorliegenden Studienergebnisse reichen Fachleuten jedoch aus, um auch zur Senkung des Darmkrebsrisikos den Verzicht auf Zigaretten und andere Tabakprodukte zu empfehlen.

Wie soll man sich ernähren, um Dickdarmkrebs vorzubeugen?

Um das Thema Ernährung gab es in den letzten Jahren viele Diskussionen in der Fachwelt - dafür hatten zum Teil widersprüchliche Ergebnisse großer Beobachtungsstudien gesorgt: Während einige Studien einen Zusammenhang zwischen Ernährungsfaktoren und Darmkrebs zeigten, sahen andere keine Assoziation. Bei einigen Ernährungsbestandteilen ist man inzwischen sicher, dass sie einen Effekt auf das Darmkrebsrisiko haben. Bei anderen sind weitere Studien notwendig.

Fachleute empfehlen heute eine ballaststoffreiche Ernährung. Ballaststoffe finden sich in Getreideprodukten oder Hülsenfrüchten, in geringerem Umfang auch in Gemüse und Obst.

Außerdem sollte man möglichst wenig rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) und verarbeitetes Fleisch (etwa Wurst) verzehren. Weißes Fleisch, also vor allem Geflügel, hat keinen messbaren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko. Auch die Rolle von Fisch wurde untersucht: Trotz Hinweisen auf eine schützende Wirkung reicht die Datenlage bisher nicht aus, um zu einem erhöhten Fischkonsum zu raten, so die aktuelle Leitlinie "Kolorektales Karzinom".

Ballaststoffe © juniart/Fotolia
Eine ballaststoffreiche Ernährung scheint das Darmkrebsrisiko zu senken, entscheidender ist aber die Vermeidung von Übergewicht. © juniart/Fotolia

Auch bei Obst und Gemüse sind die Daten bisher insgesamt nicht eindeutig: Die Verringerung des Darmkrebsrisikos durch eine vorwiegend pflanzliche Ernährung scheint nur gering zu sein. Darüber hinaus ist nicht klar, welche Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel entscheidend sind - die bereits erwähnten Ballaststoffe, oder andere Inhaltsstoffe, die vor Krebs schützen. Dennoch empfehlen Experten eine obst- und gemüsereiche Ernährung: Sie senkt auch das Risiko für weitere Erkrankungen, etwa für eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Als Faustregel wird oft "Fünf am Tag" zitiert, also fünf Portionen Obst und/oder Gemüse pro Tag.

Das Fazit: Man muss nicht unbedingt zum Vegetarier werden, wenn es um die Vorbeugung von Darmkrebs geht. Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte sollten allerdings einen größeren Anteil an der Ernährung haben als rotes Fleisch, Wurst oder Geräuchertes und Salzfleisch.

Bei Alkohol sind Experten sich allerdings einig, dass ein übermäßiger Konsum das Darmkrebsrisiko erhöht. Was bedeutet in diesem Zusammenhang übermäßig? Eine echte Grenze, unter der Alkohol als ungefährlich gilt, kann man nicht festlegen. Wer trotzdem nicht ganz auf Alkohol verzichten möchte, sollte nach Ansicht von Fachleuten die Menge beschränken, mehr dazu im Text "Alkohol als Krebsrisikofaktor".

Keinen eindeutigen Zusammenhang haben Wissenschaftler dagegen zwischen Darmkrebsrisiko und Kaffee- oder Teekonsum feststellen können. Es gibt zwar erste Hinweise aus Beobachtungsstudien - sie zeigen, dass regelmäßiges Kaffeetrinken das Erkrankungsrisiko leicht senken könnte. Eine ausdrückliche Empfehlung zum Kaffeetrinken rechtfertigen die Daten aber noch nicht: Dazu ist weitere Forschung nötig.

Mechanismus: Wie wirken diese Risikofaktoren?

Was die einzelnen Faktoren genau im Körper bewirken, ist bisher nicht endgültig geklärt. Für manche gibt es aber bereits Forschungsergebnisse, die einen Wirkmechanismus erklären könnten. Hier einige Beispiele:
Bewegungsmangel und ein zu hohes Gewicht sehen Fachleute als miteinander verknüpfte Risikofaktoren an: Wer sich viel bewegt, beugt auch Übergewicht vor. Erste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zeigen: Regelmäßige Bewegung beeinflusst biologische Vorgänge und Faktoren, die an der Krebsentstehung beteiligt sind – beispielsweise Hormonspiegel und Entzündungsprozesse. Als auslösenden Faktor für die Krebsentstehung rückt das sogenannte metabolische Syndrom immer mehr in den Vordergrund, eine chronische Stoffwechsel"schieflage" - mehr dazu im Text "Krebsentstehung".

Rotes Fleisch wiederum wirkt sich möglicherweise über seinen Eisengehalt ungünstig aus. Eisen kann zusammen mit Eiweißen krebsfördernde Moleküle bilden, die zu den sogenannten Nitrosoverbindungen gehören. Rotes Fleisch führt aber auch zur Ausschüttung größerer Mengen von Gallensäuren als pflanzliche Kost. Unter den Abbauprodukten dieser Gallensäuren finden sich auch solche, die das Krebsrisiko erhöhen können. Eine neuere Hypothese vermutet außerdem einen Rindervirus als möglichen Risikofaktor. Eindeutige Beweise dafür stehen noch aus.
Bei der Weiterverarbeitung von Fleisch hingegen können krebserregende Substanzen entstehen, zum Beispiel beim Grillen oder Braten, oder bei der Herstellung von Wurst.
Den negativen Einfluss von Alkohol führen Wissenschaftler heute zum Teil auf den hohen Kaloriengehalt von alkoholischen Getränken zurück. Vermutet wird außerdem, dass verschiedene Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen.

Zu den meisten Krebsrisikofaktoren und ihrer Wirkweise ist weitere Forschung notwendig. Einen Überblick über alle genannten Faktoren bietet der Text "Lebensstil und Krebsvorbeugung".

Chemoprävention: Kann man mit Tabletten vorbeugen? Hilft "Aspirin"?

Eine Tablette, die Gesunde vor Krebs schützt - diesen Traum haben Wissenschaftler ebenso wie Menschen, die um ihr persönliches Risiko besorgt sind. In den letzten Jahrzehnten wurde intensiv nach Möglichkeiten der sogenannten Chemoprävention gesucht – auch im Zusammenhang mit Darmkrebs. Noch gibt es jedoch keine Empfehlung, die für alle gilt und nur Nutzen und nicht auch Schaden mit sich bringen würde. 
Besonders zur Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin)" und ihren chemischen Verwandten gab es viele Untersuchungen, hier ein Überblick.

In diesen Studien wurden große Gruppen von Menschen über längere Zeit beobachtet. Sie erhielten regelmäßig ASS oder verwandte Stoffe zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einigen dieser Studien fanden die Wissenschaftler bei diesen Menschen ein niedrigeres Krebsrisiko als bei vergleichbaren Gruppen, die keine solchen Medikamente erhielten. In anderen Studien zeigte sich kein solcher Zusammenhang, oder er war viel schwächer.

Eine zusammenfassende Auswertung von mehr als fünfzig Studien im Jahr 2012 ergab: Insgesamt hatten Patienten, die täglich über mehrere Jahre hinweg ASS einnahmen, ein geringeres Erkrankungsrisiko für Krebs. Wer trotzdem erkrankte, hatte einen weiteren Schutzeffekt: auch das Risiko, an Krebs zu sterben, blieb geringer. Eine Ursache vermuten die Forscher in der Wirkung auf Fernmetastasen: Eventuell treten Tumorabsiedlungen im Körper seltener auf, wenn man regelmäßig ASS einnimmt.

Neuere Studien deuten allerdings darauf hin, dass nur einige und nicht alle Menschen von ASS profitieren: Anscheinend spielen angeborene Unterschiede in der Reaktion eine Rolle. Dies könnte erklären, warum der Schutzeffekt in den Beobachtungsstudien an großen Bevölkerungsgruppen nicht eindeutiger zu erkennen ist.

Welcher Mechanismus dahinter steckt, ist ebenfalls noch nicht ganz klar. Die bisherigen Anhaltspunkte zeigen: ASS und ähnliche Medikamente beeinflussen Entzündungsprozesse im Körper. Von diesen weiß man heute wiederum, dass sie an der Krebsentstehung beteiligt sein können.

Mögliche Nebenwirkungen?

In den Beobachtungsstudien wurde jedoch deutlich, dass die tägliche ASS-Einnahme Nebenwirkungen hat. Diese traten zwar selten auf, waren aber bei manchen Betroffenen schwerwiegend. So kann es durch "Aspirin" und ähnliche Substanzen beispielsweise zu schweren Blutungen im Magen-Darm-Bereich und zu Geschwüren kommen. Diese Beobachtung führt zu einer einfachen Rechnung: Die Risiken könnten den Nutzen von ASS und Verwandten – zumindest in Bezug auf Krebs - wieder aufheben. Daher raten Experten von einer dauerhaften Einnahme zur Krebsvorbeugung ab.

Wie sieht es aus, wenn man schon mal Krebsvorstufen wie Adenome oder Polypen im Darm hatte? Was ist mit Verwandten von Darmkrebspatienten? Auch diesen Menschen raten Fachleute momentan nicht zur Einnahme von Tabletten zur Krebsvorbeugung. Beide Gruppen haben zwar ein höheres Darmkrebsrisiko als andere - auch sie wären allerdings von den möglichen Nebenwirkungen betroffen. Insgesamt reichen die verfügbaren Daten derzeit nicht aus, um abzuschätzen, ob der Nutzen für sie tatsächlich größer ist als die Risiken, so die aktuelle Leitlinie.

  • Stattdessen sollten Menschen, bei denen Polypen entfernt wurden, ebenso wie Angehörige von Patienten auf einen gesunden Lebensstil achten und sich über Angebote zur Früherkennung informieren.

Sehr hohes Darmkrebsrisiko? Chemoprävention in Studien

Eine Ausnahme bilden unter Umständen Menschen mit einem sehr hohen angeborenen Darmkrebsrisiko. Ein Beispiel ist die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP). Studien zeigen: Eine Langzeiteinnahme von ASS-verwandten Substanzen könnte bei Betroffenen das Darmkrebsrisiko senken. Bei FAP-Betroffenen ist normale Acetylsalicylsäure allerdings nicht geeignet, sie wirkt nicht ausreichend. Infrage kommen die verwandten Substanzen Sulindac und Celecoxib. Beide sind jedoch zur Chemoprävention von Darmkrebs in Deutschland nicht zugelassen. Sie haben zudem erhebliche Nebenwirkungen.

  • Menschen mit einem besonders hohen Darmkrebsrisiko aufgrund nachgewiesener Genveränderungen oder aufgrund von Vorerkrankungen brauchen eine individuelle medizinische Betreuung. Ob sie Medikamente zur Krebsvorbeugung einnehmen sollten, können sie nur gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten entscheiden.

Hormone und Darmkrebsrisiko?

Ein weiteres manchmal zitiertes Beispiel für die Chemoprävention von Darmkrebs ist bei Frauen die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden: Es gibt zwar Hinweise darauf, dass sie das Darmkrebsrisiko senkt - dafür steigert sie aber auf der anderen Seite das Brustkrebsrisiko und das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen. Auch hier gilt deshalb: Die Risiken sind wahrscheinlich größer als der zu erwartende Nutzen.

Nahrungsergänzungsmittel: Bisher keine Wirkung belegt

Es gibt noch eine ganze Anzahl weiterer Stoffe, die zur Darmkrebsvorbeugung in der Diskussion waren: Eine Zeitlang sah es so aus, als wären zum Beispiel Substanzen, die sich auf den Cholesterinstoffwechsel oder die Gallensäuren auswirken, geeignete Kandidaten zur Darmkrebsvorbeugung. Kalzium, Selen und viele weitere Mikronährstoffe wurden ebenfalls in Studien untersucht. Man prüfte vor allem, ob sich die Bildung von Polypen reduzieren ließ – diese gelten als Vorstufe von Darmkrebs. Bisher konnte allerdings nicht belegt werden, dass sie sich als isolierte Stoffe zur Chemoprävention eignen. Die aktuelle Leitlinie rät deshalb von ihrer Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel zur Darmkrebsvorbeugung ab. Zu den nicht empfehlenswerten Substanzen zählen laut der Leitlinie Kalzium, Magnesium, Beta-Carotin als Vitamin-A-Vorstufe, die Vitamine A, C, D, E, sowie Folsäure und Selen.

  • Wo möglich, sollten stattdessen insbesondere Vitamine, Mineralien und Spurenelemente über die normale Ernährung und nicht als Tablette aufgenommen werden.

Einen allgemeinen Überblick zur Diskussion um Vitamine und Mineralstoffe hat der Krebsinformationsdienst im Text "Vitamine und Spurenelemente" zusammengestellt.

Vererbung: Welches Risiko bergen die Gene?

Von Darmkrebs ist bekannt, dass er familiär gehäuft auftreten kann: In großen Beobachtungsstudien haben Forscher gezeigt, dass Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) von Darmkrebspatienten selbst häufiger an Darmkrebs erkranken als andere Menschen - ihr Risiko ist etwa zwei- bis dreifach erhöht. Finden sich weitere Hinweise auf eine Beteiligung von Risikogenen, kann die Erkrankungswahrscheinlichkeit auch höher liegen. Selbst bei entfernteren Verwandten lässt sich rein rechnerisch noch eine leichte Steigerung der Krebsrate ausmachen.

Nicht immer aber müssen nur die Gene "schuld" sein: Auch ein gemeinsamer ungesunder Lebensstil in der Familie kann das Darmkrebsrisiko beeinflussen. Manchmal spielen wahrscheinlich beide Faktoren gemeinsam eine Rolle: Erbanlagen und Lebensstil. Das betrifft zum Beispiel genetische Veranlagungen, die zwar die Erkrankung nicht unmittelbar verursachen, aber empfindlicher für Risikofaktoren machen. Einige der verantwortlichen Gene sind noch gar nicht bekannt.

Bei etwa fünf von hundert Darmkrebspatienten können ererbte Faktoren eindeutig bestimmt werden
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Bei etwa fünf von hundert Darmkrebspatienten können ererbte Faktoren eindeutig bestimmt werden.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren ist komplex - in den meisten Familien bleiben daher die tatsächlichen Ursachen unklar.

Die Rolle angeborener genetischer Veränderungen ist nur für einige seltene Darmkrebsformen weitgehend geklärt: Betroffen sind etwa fünf von hundert Menschen mit kolorektalen Karzinomen, darunter meist auffallend junge Patienten. Sie sind Träger von meist eindeutig identifizierbaren risikosteigernden Erbanlagen. Sie können diese Gene an ihre Kinder weitergeben, was auch für diese ein sehr hohes Erkrankungsrisiko bedeutet - mehr dazu im übernächsten Abschnitt.

Was tun als Verwandter eines Darmkrebspatienten?

  • Verwandte von Darmkrebspatienten sollten ihre Ärzte fragen, ob für sie die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen bereits vor dem 50. Geburtstag empfehlenswert ist.

Als Faustregel empfehlen Fachleute, sich am Alter zu orientieren, in dem der Darmkrebspatient erkrankte. Eine erste Darmspiegelung sollte bei Verwandten ersten Grades zehn Jahre früher stattfinden.
War der erkrankte Angehörige bei der Diagnosestellung beispielsweise 45 Jahre alt, sollten seine Geschwister und seine Kinder also spätestens mit 35 zum Arzt gehen. Kommen weitere Risiko-Kriterien hinzu, dann kann sogar eine noch frühere regelmäßige Überwachung sinnvoll sein.

Frühere "Vorsorge" auch für Angehörige von Patienten mit Darmpolypen

Die deutsche Leitlinie von 2013 erweitert diese Empfehlung noch für Angehörige von Menschen, bei denen zwar kein Darmkrebs, aber Krebsvorstufen, also Adenome beziehungsweise Polypen, entfernt wurden. War der Betroffene jünger als 50, sollten auch seine direkt verwandten Angehörigen zehn Jahre vor dem Diagnosealter erstmals eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Bekannte risikosteigernde Gene: Wann besteht der Verdacht auf ein hohes vererbbares Darmkrebsrisiko?

Welche Faktoren deuten darauf hin, dass in einer Familie genetische Veränderungen vorliegen könnten, die das Risiko für Darmkrebs sehr stark erhöhen?

  • Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose gilt als einer der wichtigsten Hinweise auf veränderte Erbinformationen: Oft sind Patienten in betroffenen Familien jünger als der Durchschnitt der Darmkrebspatienten, manchmal sogar auffallend jung.

Träger solcher Gene können die ersten in ihrer Familie sein, wenn bei ihnen die Mutation zufällig ("spontan") aufgetreten ist. Oft ergibt die Prüfung des Familienstammbaums aber, dass es schon andere an Darmkrebs Erkrankte in der Verwandtschaft gab, manchmal über mehrere Generationen hinweg. Hinzu kommt: Einige der Risikogene erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, an anderen Tumorarten zu erkranken.

Nicht alle in der jeweiligen Familie müssen aber betroffen sein: Die meisten der bekannten Gene, die das Darmkrebsrisiko steigern, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an die nachfolgende Generation vererbt. Das bedeutet: Statistisch gesehen erbt jedes zweite Kind eine solche risikosteigernde Erbanlage vom betroffenen Elternteil.

Zu den Erkrankungen, die auf eine der heute bekannten Genmutationen zurückgeführt werden, zählen

  • das erbliche oder "hereditäre nichtpolypöse kolorektale Karzinom" (anhand der englischen Bezeichnung auch als HNPCC abgekürzt, manchmal auch Lynch-Syndrom genannt): Es entsteht durch Defekte in Proteinen, die für die DNA-Reparatur zuständig sind. Bei Betroffenen ist das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich erhöht. Sie erkranken im Schnitt jünger als Betroffene mit nicht erblichem Darmkrebs. Auch das Risiko für andere Tumorarten liegt höher, zum Beispiel für Magenkrebs und Gebärmutterkörperkrebs. Im Darm von Betroffenen findet man aber meist keine oder nur wenige Polypen (deshalb "nichtpolypös"). Der Verdacht auf das Syndrom entsteht daher meist aufgrund der Häufung von Krebserkrankungen in einer Familie und dem niedrigen Erkrankungsalter. Zur klinischen Diagnose ziehen Ärzte heute die sogenannten "Amsterdam"- und "Bethesda"-Kriterien heran.
  • die "familiäre adenomatöse Polyposis" (FAP): Auslöser ist der Ausfall eines wichtigen Tumorsuppressorgens. Bei Betroffenen bilden sich oft schon vor dem 20. Lebensjahr Hunderte von Polypen im Dickdarm aus, und die Krebswahrscheinlichkeit ist extrem hoch. Derzeit besteht daher für Patienten mit nachgewiesener Polyposis die Empfehlung, den Dickdarm vorsorglich operativ zu entfernen. Auch weitere Tumoren können bei Betroffenen häufiger als bei anderen Menschen auftreten, zum Beispiel in der Schilddrüse, außerdem auch gutartige Gewebeveränderungen. Eine Unterform der FAP verläuft ähnlich, die Erkrankung setzt aber meist erst später im Leben ein. Ein weiterer Unterschied: Es bilden sich weniger Polypen aus. Der Verlauf ist milder, also "attenuiert", daher bezeichnet man diese Form auch als attenuierte FAP oder AFAP.
  • Eine Reihe weiterer Erbkrankheiten steigert das Darmkrebsrisiko, aber auch das Risiko für weitere Tumorarten. Diese Syndrome sind weit seltener. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannte MUTYH-assoziierte Polyposis, das Peutz-Jeghers-Syndrom oder die Familiäre Juvenile Polyposis.
  • Weitere genetische Faktoren sind wahrscheinlich noch gar nicht bekannt: Es gibt immer wieder Familien, die die Kriterien für erblichen Darmkrebs erfüllen, bei denen aber keine der bekannten Genveränderungen gefunden werden kann.

Wohin gehen, wenn der Verdacht auf ein hohes familiäres Risiko besteht?

Gibt es Hinweise auf vererbbaren Darmkrebs in der Familie? Sind mehrere enge Verwandte bereits erkrankt? Oder ist die Darmkrebserkrankung bei auffallend jungen Betroffenen festgestellt worden?
Dann besteht für betroffene Patienten wie für gesunde Verwandte die Möglichkeit einer genetischen Beratung. Der Hausarzt oder Facharzt kann eine entsprechende Überweisung ausstellen, viele Fachärzte für Gastroenterologie können erste Fragen auch direkt klären. Infrage kommen spezialisierte Arztpraxen für Humangenetik und auch die qualifizierten Zentren für die Beratung und Behandlung von Familien mit vererbbarem Krebsrisiko. Die dort zusammen arbeitenden Spezialisten können prüfen, ob weitere Untersuchungen und eventuell ein Gentest anhand einer Blutprobe möglich und angebracht ist.

Einem Gentest geht immer eine ausführliche Beratung voraus. Thematisiert wird in diesen Gesprächen auch, dass jeder Betroffene ein Recht darauf hat, keine weiteren Untersuchungen durchführen zu lassen. Das Recht auf Nichtwissen ist wichtig - sowohl für Patienten wie auch für ihre Verwandten. Denn: Die Ergebnisse eines solchen Gentests können unter Umständen psychisch sehr belastend sein: Wird eines der bekannten risikosteigernden Gene nachgewiesen, dann weiß der Betroffene um sein relativ hohes Krebsrisiko. Je nach Erkrankung empfehlen die Ärzte regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen – bei sehr hohem Risiko sogar vorsorgliche Operationen.

  • Eine genetische Beratung und auch die genetische Testung sind deshalb freiwillig und unterliegen strengen Richtlinien - niemand kann oder darf gegen seinen Willen und ohne ausreichende Aufklärung untersucht werden. Das Recht auf Nichtwissen ist garantiert. Auch der Schutz vor einem Missbrauch des Wissens muss gewährleistet sein. Es gibt daher Gesetze und Richtlinien, die regeln, ob und wie solche Untersuchungen durchgeführt werden dürfen.

Eine Beratung und gegebenenfalls eine Untersuchung können aber auch entlasten: Fällt ein Gentest bei Angehörigen eines Patienten negativ aus, sind sie also keine Träger der Erbanlage für Darmkrebs, dann liegt ihr Risiko nicht höher als das der Normalbevölkerung.

Schwieriger wird die Klärung für Familienangehörige bereits verstorbener Patienten, von denen kein Material für einen Vergleichstest verfügbar ist. Jedoch haben auch sie die Möglichkeit einer umfassenden Beratung und einer Untersuchung in den spezialisierten Zentren, wo sie sich über für sie geeignete Maßnahmen der Früherkennung und der Vorbeugung informieren lassen können.

Weitere Auslöser: Sind Verdauungsprobleme und andere Darmerkrankungen krebsfördernd?

Betroffene, die über längere Zeit unter Verstopfung oder Durchfall leiden oder befürchten, ein sogenanntes Reizdarm-Syndrom zu haben, machen sich oft auch Sorgen um ihr Krebsrisiko.
Die meisten Verdauungsbeschwerden sind allerdings eher lästig als gefährlich. Verdauungsprobleme, die längere Zeit anhalten, sollten zur Sicherheit trotzdem durch den Arzt abgeklärt werden, denn: Änderungen von Stuhlgewohnheiten können ein Frühzeichen von Darmkrebs sein. Der Arzt kann am besten beurteilen, ob eine Änderung des Lebensstils sinnvoll ist - nicht wenige Verdauungsprobleme sind ein Hinweis darauf, dass es hier Verbesserungsbedarf geben könnte.

Lange diskutierten Fachleute, ob der häufige Gebrauch von Abführmitteln das Darmkrebsrisiko steigern kann. Es ist jedoch durchaus schwierig, den tatsächlichen Einfluss der verschiedenen Mittel von dem eines ungesunden Lebensstils oder ungünstiger Ernährungsgewohnheiten zu trennen. Diese Faktoren stecken nicht selten hinter den Verdauungsstörungen, die zum Abführmittel greifen lassen – und steigern nachgewiesenermaßen das Darmkrebsrisiko. Manche Menschen setzen Abführmittel zur Gewichtsreduktion ein – ein Indiz dafür, dass als Risiko auch Übergewicht eine Rolle spielt.
Was sagen Studiendaten, in denen all diese Faktoren berücksichtig und sozusagen "heraus gerechnet" wurden? Von quellenden Mitteln und solchen, die die Bewegung des Dickdarms direkt anregen oder den Entzug von Wasser aus dem Stuhl hemmen, geht nach heutigem Wissenstand kein Krebsrisiko aus. Bestimmte Wirkstoffe aus häufig zum Abführen genutzten Pflanzen gelten allerdings als krebsverdächtig, etwa Rhabarberwurzel, Sennes oder Faulbaumrinde. Mehr dazu bietet der Text "Medikamente und Krebsrisiko: Sind rezeptfreie Mittel grundsätzlich harmlos?".

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED): Colitis ulcerosa und Morbus Crohn steigern das Darmkrebsrisiko

Ein gesteigertes Krebsrisiko ist bislang nur für zwei ernstere Darmerkrankungen sicher belegt: Bei Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung des Dickdarms, die heute bei entsprechender Behandlung gelindert werden kann. Die Erkrankung ist aber nicht dauerhaft heilbar. Als Morbus Crohn bezeichnet man eine ähnliche entzündliche Erkrankung. Sie betrifft bei den meisten Patienten den letzten Dünndarmabschnitt. Ein Befall des Dickdarms ist möglich, aber seltener.

Betroffene mit Colitis ulcerosa leben mit einem höheren Risiko für ein Kolonkarzinom. Die Risikosteigerung ist abhängig vom Ausmaß der chronischen Entzündung und von der Dauer der Erkrankung. Auch Patienten mit Morbus Crohn haben möglicherweise ein höheres Risiko für Dickdarmkrebs als gesunde Menschen. Dies gilt insbesondere, wenn die Entzündung den Dickdarm befallen hat. Allerdings gibt es zur Erkrankungswahrscheinlichkeit noch keine verlässlichen Angaben.

CED-Patienten: Was tun zur Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs?

Patienten, bei denen eine dieser Erkrankungen festgestellt wurde, sind meist in engmaschiger medizinischer Betreuung. Sie sollten ihre Ärzte auf geeignete Früherkennungsmaßnahmen ansprechen: Für sie kann es sinnvoll sein, nicht erst ab dem Alter von 50 Jahren Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, sondern bereits früher.

Die aktuelle Leitlinie zum Thema Darmkrebs empfiehlt Patienten mit Colitis ulcerosa spätestens acht Jahre nach Beginn der Erkrankung eine Darmspiegelung. Bei dieser ersten Koloskopie kann der behandelnde Arzt das Ausmaß der Entzündung feststellen. Je nach Ergebnis der Untersuchung wird dann der zeitliche Abstand der weiteren regelmäßigen Darmspiegelungen festgelegt. Sind allerdings auch die Gallenwege befallen, dann gilt die "8-Jahres-Regel" nicht: Betroffene sollten ab dem Zeitpunkt der Diagnose eine jährliche Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

Aus Studien weiß man, dass Patienten mit Colitis ulcerosa eventuell ihr Krebsrisiko durch Medikamente senken können. Dazu gehören zum Beispiel chemische Verwandte der Acetylsalicylsäure ("Aspirin"). Eine solche medikamentöse Vorbeugung kann aber Risiken bergen, mehr dazu im Abschnitt "Chemoprävention". Außerdem sind zum Nutzen ebenfalls noch Fragen offen. Deshalb sollten Betroffene nicht auf eigene Faust handeln, sondern Arzneimittel zur Prävention nur in Absprache mit ihren Ärzten einnehmen.

Für Patienten mit Morbus Crohn ist noch nicht ausreichend untersucht, wie oft sie zur Früherkennung gehen sollten und welche  Untersuchungen bei ihnen einerseits wenig belasten und andererseits möglichst viel Sicherheit bieten. Die aktuelle Leitlinie zur Behandlung von Morbus Crohn empfiehlt dennoch ein ähnliches Vorgehen wie für Menschen mit Colitis Ulcerosa, also eine Darmspiegelung in den ersten Jahren nach der Crohn-Diagnose. Auch hier gilt: Ob danach besondere Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll sind, hängt vom individuellen Ausmaß der Erkrankung ab. Betroffene sollten daher mit ihren Ärzten eine Betreuung besprechen, die auf ihre persönliche Situation angepasst ist.

Darmpolypen: Warum werden sie zum Krebsrisiko?

Darmpolypen werden häufig bei einer Darmspiegelung gefunden. Sie sind zunächst meist gutartig. Wie kommt es, dass manche von ihnen irgendwann bösartig werden? Die genauen Mechanismen sind Gegenstand der Forschung, klar ist aber: Sie sind ein deutlicher Hinweis auf ein hohes Risiko. Deshalb werden sie während der Untersuchung möglichst vollständig entfernt.
Wer schon einmal Darmpolypen hatte, dem empfehlen Fachleute unter Umständen Kontroll-Darmspiegelungen in kürzeren Abständen als die normalerweise zur Früherkennung üblichen zehn Jahre. Abhängig ist dies aber vom feingeweblichen Aufbau, der Größe und der Anzahl der Polypen.
Nicht zu verwechseln sind Polypen mit sogenannten Darmdivertikeln: Diese oft harmlosen Ausstülpungen sind keine Krebsvorstufe.

Mehr zur Darmspiegelung, den möglichen Ergebnissen und dem weiteren Vorgehen finden Interessierte im Text "Darmspiegelung: Bilder aus dem Darm".

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Auswahl, Stand 4/2016)