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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Operation bei Brustkrebs

Brusterhaltende Therapie oder Amputation?

Die Operation ist für die meisten Brustkrebspatientinnen ein wichtiger Teil ihrer Behandlung. Während des Eingriffes entfernen Operateure das Tumorgewebe aus der Brust. Wie viel Gewebe sie dabei entnehmen müssen, hängt vor allem von der Größe und der Ausbreitung des Tumors ab. Oft kann ein Teil der betroffenen Brust erhalten werden, manchmal ist jedoch auch die Abnahme der gesamten Brust notwendig. Wie läuft die Operation ab und welche Nachwirkungen oder Spätfolgen können auftreten?
Die wichtigsten Fakten rund um das Thema Operation bei Mammakarzinom hat der Krebsinformationsdienst in dem folgenden Text zusammengefasst. Warum bei den meisten Frauen während des Eingriffs auch Lymphknoten entnommen werden, wird in einem eigenen Text erläutert.

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Quellen und Links

Die genutzten Quellen sowie Linktipps zum Weiterlesen sind für Interessierte und Fachkreise am Ende dieses Textes zusammengestellt.

Überblick: Operation bei Brustkrebs – das Wichtigste in Kürze

Hat eine Frau einen Tumor in der Brust, wird dieser meistens operiert. Ziel des Eingriffs ist, das Tumorgewebe zu entfernen, dabei aber möglichst viel gesundes Gewebe zu erhalten. Abhängig vom Tumorstadium und der individuellen Situation einer Frau kommen unterschiedliche Operationsverfahren infrage. Die Operateure gehen dabei schonender als früher vor: Statt einer Abnahme der Brust, einer Mastektomie, können sie vielen Frauen heute eine brusterhaltende Operation empfehlen. Entnommen wird dabei nur der Tumor selbst, mitsamt einem Randsaum von gesundem Gewebe. Auch wenn eine Mastektomie nötig ist, wird die Brust heute nicht mehr so radikal wie noch vor wenigen Jahrzehnten mitsamt darunterliegendem Muskel und viel umliegendem Gewebe entfernt. Weiter entwickelt haben sich auch die Möglichkeiten, nach einer Amputation die Brust operativ wieder aufzubauen.

Ohne Risiken ist der Eingriff jedoch nicht: Bei der Operation von Brustkrebs können wie bei jedem chirurgischen Eingriff unterschiedliche akute Probleme auftreten, wie zum Beispiel Schmerzen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen oder Infektionen. In der Regel sind jedoch wenige Patientinnen betroffen und die Komplikationen gut behandelbar. Das Risiko von Langzeitfolgen ist gering, aber vorhanden. Dazu gehören bei größeren Operationen beispielsweise Narbenschmerzen oder Taubheitsgefühle.

Die Entfernung des Tumorgewebes aus der Brust ist ein grundlegender und wichtiger Teil der Brustkrebsbehandlung. Sie ist jedoch nur ein Glied in der Abfolge der gesamten Behandlung, die sich insgesamt am Stadium der Erkrankung orientiert:

  • Während der eigentlichen Tumoroperation entnehmen die Ärzte bei vielen Patientinnen zusätzlich einen oder mehrere Lymphknoten. Finden sie in ihnen ebenfalls Tumorzellen, hat dies Auswirkungen auf die weitere Behandlung.
  • Ist ein Tumor sehr groß, lässt er sich eventuell nicht gleich operativ entfernen. Bei betroffenen Patientinnen kann eine vorgeschaltete Chemotherapie den Tumor unter Umständen verkleinern und operabel machen. Eine vorgeschaltete Therapie kann es bei manchen Frauen auch möglich machen, auf eine Mastektomie zu verzichten und stattdessen brusterhaltend zu operieren.
    Diese Therapie wird als neoadjuvant bezeichnet. Sie kommt außerdem als erste Behandlung infrage, wenn eine Frau unter einer Sonderform von Brustkrebs leidet, einem inflammatorischen oder entzündlichen Mammakarzinom, oder wenn von vornherein feststeht, dass ein Tumor bereits gestreut hat.
  • Nach brusterhaltender Operation wird die Brust nach den derzeit gültigen ärztlichen Behandlungsempfehlungen bestrahlt. Die Strahlenbehandlung dient der Zerstörung von Krebszellen, die möglicherweise in der Brust zurückgeblieben sind. Sie senkt das Risiko eines Rückfalls. Zusammen mit einer Bestrahlung ist die brusterhaltende Operation ebenso sicher wie die Mastektomie.
  • Bei vielen Patientinnen schließt sich an die Operation zudem eine Antihormontherapie, eine Chemotherapie oder eine Immuntherapie an. Wie die Nachbestrahlung sollen diese sogenannten systemischen, den ganzen Körper betreffenden Therapien das Rückfallrisiko senken und eine Ausbreitung der Krankheit verhindern.

Brustkrebs: Wann kommt eine Operation infrage?

Operiert wird in der Regel bei örtlich begrenzten Tumoren oder lokalen Rückfällen, bei denen der Tumor nach wie vor auf die Brust begrenzt ist. Weist eine Frau Krebsvorstufen in den Milchgängen (duktales Carcinoma in situ, DCIS) auf, werden diese ebenfalls operativ entfernt.
Ist die Erkrankung dagegen fortgeschritten und hat Metastasen in anderen Körperregionen gebildet, können betroffene Frauen durch eine Operation nicht mehr auf eine vollständige Heilung hoffen. Je nach Situation ist eine Entfernung von Tumorgewebe aus der Brust oder einzelner Metastasen trotzdem sinnvoll, etwa um Beschwerden durch die Zerstörung gesunden Gewebes zu verhindern oder zu lindern. Operative Eingriffe bei Metastasen dienen vor allem der Verbesserung der Lebensqualität. Dazu gehören auch die Linderung von Schmerzen oder der Erhalt der Knochenstabilität bei Knochenmetastasen. Bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs spielen insgesamt aber fast immer andere Behandlungsverfahren eine wichtigere Rolle.

Keine Operation ohne gesicherte Diagnose

Bevor eine Operation geplant wird, sollte die Diagnose "Brustkrebs" gesichert sein: Hat eine Frau einen Knoten getastet oder andere Symptome bei sich entdeckt, oder findet sich bei einer Mammographie eine auffällige Veränderung, machen die Ärzte eine Biopsie: Sie entnehmen eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich. Diese wird unter dem Mikroskop und im Labor untersucht. Zusammen mit den Befunden aus Mammographie und eventuell weiteren Untersuchungen bieten die Ergebnisse erste Anhaltspunkte zur Planung der weiteren Behandlung.

Ist eine Operation im Behandlungsplan vorgesehen, sind prinzipiell zwei Vorgehensweisen möglich:

Wahl der Operationsmethode: Wie groß ist der Tumor?

Brustkrebs ist kein medizinischer Notfall. Vor dem Eingriff sollte jede Patientin ausreichend Zeit erhalten, mit ihren Ärzten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsmethoden zu besprechen. Derzeit schlagen Experten vor, den Eingriff
zwischen 7 und 21 Tagen nach der Diagnose durchzuführen. Einige Tage früher oder später sind jedoch ebenfalls möglich.

Die behandelnden Ärzte werden aufgrund der vorliegenden Befunde meist zu einer bestimmten Operationsmethode raten. Sie zeigen nach Möglichkeit jedoch auch Alternativen auf. Sie achten dabei auf die Eigenschaften des Tumors wie zum Beispiel seine Größe und seine Position in der Brust, und sie versuchen abzuschätzen, wie das Aussehen der operierten Brust je nach Methode sein wird. Ebenso berücksichtigen sie den Gesundheitszustand der Patientin und prüfen, ob zum Beispiel andere Erkrankungen das Risiko für Komplikationen bei oder nach einem Eingriff erhöhen.

Auch die persönlichen Wünsche einer Patientin fließen in die Behandlungsplanung ein: Lehnt eine Frau beispielsweise die nach brusterhaltender Therapie notwendige Nachbestrahlung ab, kann sie sich auch für eine Mastektomie mit dem gleichzeitigen oder späteren Wiederaufbau der Brust entscheiden. Auch das Tragen einer äußerlichen Prothese ist nach einer Amputation der Brust möglich. Ist eine brusterhaltende Therapie etwa aufgrund der Tumorgröße nicht möglich, kann geprüft werden, ob der Tumor durch eine Chemotherapie verkleinert werden kann und dann ein brusterhaltender Eingriff möglich ist.

Vielen Frauen hilft bei der oft schwierigen Entscheidung der Austausch mit anderen Patientinnen, die eine solche Wahl schon getroffenen haben. In Brustzentren wird daher heute der Kontakt zu einer örtlichen Selbsthilfegruppe ermöglicht. Adressen der bundesweiten Dachverbände bietet auch der Krebsinformationsdienst.

Vor der Operation: Organisation und zeitlicher Ablauf

In der Regel genügt es, wenn die Patientin am Tag vor der Operation in die Klinik stationär aufgenommen wird. Notwendige Voruntersuchungen wie etwa die Prüfung der Narkosefähigkeit lassen sich oft vorab ambulant durchführen.

Die Länge des Aufenthalts selbst ist abhängig vom Gesundheitszustand der Patientin, dem jeweils gewählten Operationsverfahren und davon, ob Komplikationen auftreten. Viele Patientinnen verlassen die Klinik noch innerhalb der ersten zehn Tage, nach einer brusterhaltenden Operation sind inzwischen sogar Entlassungen nach weniger als einer Woche üblich.

Wer ist an der Operation von Brustkrebs beteiligt? In Deutschland sind Gynäkologen auf Eingriffe an der Brust spezialisiert. Die Operation bei Brustkrebs findet daher in der Regel in Frauenkliniken und seltener in chirurgischen Abteilungen statt. In zertifizierten Brustzentren  sowie in sogenannten onkologischen Spitzenzentren arbeiten Spezialisten verschiedener Berufsgruppen in der optimalen Versorgung von Brustkrebspatientinnen zusammen.
Hinweise und Tipps für die Suche nach einer geeigneten Klinik bietet der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Gute Ansprechpartner finden".
Neben den Gynäkologen sind weitere spezialisierte Ärzte an der Vorbereitung der Brustkrebsoperation beteiligt. Dazu zählen beispielsweise Radiologen für die Erstellung notwendiger Röntgen- oder Mammographieaufnahmen, Anästhesisten für die Narkose und auch Schmerztherapie nach der Operation sowie Pathologen für die Untersuchung des entnommenen Gewebes. Bei der brusterhaltenden Operation und beim Wiederaufbau der Brust können auch ästhetisch-plastische Chirurgen beteiligt sein. Die Pflege übernehmen geschulte Fachkräfte.

Brusterhaltende Operation: Entfernung des Tumors aus der Brust

Wann kann brusterhaltend operiert werden, wann nicht?

Eine brusterhaltende Operation ist bei Patientinnen möglich,

  • wenn der Tumor der Brust mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand im Gesunden entfernt werden kann
  • und damit ein akzeptables kosmetisches Ergebnis erreicht wird.

Dies kann beim duktale In-Situ-Karzinom  (DCIS), einer Frühform, manchmal schwieriger sein als beim invasiven Karzinom: Neben der Art des Tumors ist für die Wahl einer brusterhaltenden Operation vor allem das Verhältnis von Tumorgröße zum Brustvolumen entscheidend. Kann der Tumor überhaupt mit einem ausreichend großen Sicherheitsabstand "aus dem Gesunden" entfernt werden? Wie wird das kosmetische Ergebnis aussehen, wenn alle notwendigen Vorgaben eingehalten werden?
Experten empfehlen einen gesunden Randsaum von einem Millimeter für invasive Karzinome. Obwohl das DCIS eigentlich eine weniger fortgeschrittene Gewebeveränderung darstellt, sind hier zwei Millimeter notwendig. Dies hängt damit zusammen, dass sich ein DCIS über die geschlängelt verlaufenden Milchgänge ausbreitet.

Gründe, die gegen eine brusterhaltende Operation sprechen, sind:

  • Die Größe und/oder die Lage des Tumors erlauben keine sichere Entfernung im gesunden Gewebe.
  • An mehreren Stellen in der Brust wachsen Tumoren.
  • Es liegt ein sogenanntes inflammatorisches Mammakarzinom vor, bei dem die Brust entzündet aussieht.
  • Eine Nachbestrahlung ist nicht möglich oder wird von der Patientin nicht gewünscht.
  • Auch nach wiederholter Nachoperation konnte der Tumor nicht vollständig entfernt werden.

Ist der Tumor zu groß, sollten sich Patientinnen nach der Möglichkeit erkundigen, vor der Operation eine Chemotherapie zu machen und so den Tumor zu schrumpfen. Bei nicht wenigen Frauen lässt sich nach einer solchen "neoadjuvanten" Behandlung der Tumor nicht mehr tasten.
Um sicher zu gehen, dass bei der trotzdem notwendigen Operation alle ursprünglich befallenen Gewebeanteile entfernt werden, wird das betroffene Gebiet markiert, vor Beginn der neoadjuvanten Chemotherapie, während dieser sowie kurz vor der anschließenden Operation. Möglich ist zum Beispiel das Einführen eines winzigen Drahtes, der später etwa auf Röntgenaufnahmen sichtbar ist.

Was machen die Ärzte bei der brusterhaltenden Operation?

Bei der brusterhaltenden Operation schneiden die Operateure lediglich das veränderte Tumorgewebe mit einem Randsaum aus gesundem Gewebe aus der Brust: Das gesunde Drüsengewebe, die Haut sowie die Brustwarze samt Warzenhof werden nach Möglichkeit erhalten.
Der sogenannte Resektionsrand schafft einen ausreichend breiten Sicherheitsabstand zwischen dem Tumor und dem umliegenden Drüsengewebe. Dies soll sicherstellen, dass auch wirklich alle Tumorzellen aus der Brust entnommen wurden.
Bei der Schnittführung nehmen die Operateure auch Rücksicht auf das spätere Aussehen der Brust, soweit dies medizinisch vertretbar ist.
Bei nicht tastbaren Tumoren, die nur in der Mammographie sichtbar waren, oder auch nach einer neoadjuvanten Therapie wird sorgfältig überwacht, ob auch der richtige Bereich entfernt wurde. Die Operateure orientieren sich dazu an den letzten Bildbefunden und markieren den Tumor mithilfe von Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen vor dem Eingriff mit einem Draht. Noch während der Operation prüfen sie, ob der Tumor entfernt wurde: Sie lassen das entnommene Gewebe röntgen, ob die Drahtmarkierung enthalten ist.
Nach dem Eingriff wird das Gewebe in spezialisierten Labors untersucht, um sicherzugehen, dass alle Zellveränderungen mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand entfernt wurden. Das Ergebnis erhält die Patientin in der Regel nach wenigen Tagen.

Sicherheit, Vor- und Nachteile der brusterhaltenden Therapie

Große Studien haben gezeigt, dass die brusterhaltende Operation zusammen mit der Bestrahlung bezüglich der Lebenserwartung keinen Nachteil für Brustkrebspatientinnen hat: Frauen mit brusterhaltender Operation leben nach der Therapie genauso lang wie Frauen nach einer Amputation der Brust.
Welche Vorteile hat die brusterhaltende Operation gegenüber der Mastektomie? Einen Vorteil sehen viele Patientinnen im Erhalt der Brust, für sie bedeutet dies eine bessere Lebensqualität. Auch der weniger belastende Eingriff mit kleiner Operationsnarbe und möglicherweise geringeren Wundschmerzen spricht für viele Frauen mit Brustkrebs für eine brusterhaltende Operation. Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt deutlich früher als nach einer Mastektomie.  

Welche Nachteile hat eine brusterhaltende Operation gegenüber einer Mastektomie? Es besteht ein Risiko, dass es zu Veränderungen in der Brust kommt, etwa wenn sich Narben, Dellen oder Verhärtungen im operierten Bereich bilden. Bei brusterhaltender Operation besteht zudem das Risiko, dass nicht alle Tumorzellen entfernt werden: Wenn bei der feingeweblichen Untersuchung nach der Operation im Randbereich des entnommenen Gewebes noch Tumorzellen gefunden werden, wird eine erneute Operation notwendig. Nach brusterhaltender Operation wird die Brust, wenn irgend möglich, zudem bestrahlt, um die nicht sichtbaren Tumorzellen abzutöten.

Mastektomie: Die Abnahme der Brust

Die Mastektomie, also die Abnahme der Brust, ist immer dann erforderlich, wenn eine brusterhaltende Therapie aus medizinischen Gründen nicht möglich ist oder kein gutes kosmetisches Ergebnis zu erwarten wäre. Manche Patientinnen entscheiden sich jedoch auch bewusst für die Mastektomie, etwa weil sie sich eine größere Sicherheit versprechen oder die Bestrahlung nach einer brusterhaltenden Operation ablehnen.

Was machen die Ärzte bei der Mastektomie?

Die ultraradikale Brustamputation mit Entfernung des Brustmuskels und manchmal Teilen des Brustkorbs, wie sie noch bis in die 1970er Jahre durchgeführt wurde, wird heute nicht mehr empfohlen: Studien haben gezeigt, dass ein so belastendes Vorgehen die Überlebensrate nicht steigert.
Vielmehr kommt eine modifizierte Brustamputation zum Einsatz: Die Operateure entfernen das Brustdrüsengewebe mitsamt der darüberliegenden Haut sowie das Bindegewebe des Brustmuskels (Faszie). Der Muskel selbst bleibt dagegen erhalten. Auch Brustwarze und Warzenhof werden in der Regel entfernt.
Wie bei der brusterhaltenden Operation hängt das exakte Vorgehen der Operateure auch bei der Mastektomie von der Situation der einzelnen Patientin ab. Bei manchen Patientinnen ist zum Beispiel eine hautsparende (skin-sparing) Mastektomie möglich. Dabei wird ein Teil der Haut erhalten und die Brust kann leichter wieder aufgebaut werden. Auch Brustwarze und Warzenhof oder zumindest Teile davon können bei einigen Frauen erhalten werden, wenn sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vom Tumor befallen sind (nipple-sparing-Mastektomie).

Sicherheit, Vor- und Nachteile der Mastektomie

Die Abnahme der Brust ist bezüglich des Gesamtüberlebens ebenso sicher wie die brusterhaltende Operation mit nachfolgender Bestrahlung: Patientinnen, deren Brust amputiert wird, leben nach der Operation statistisch genauso lange wie nach brusterhaltender Operation und Radiotherapie.
Welche Vorteile hat die Mastektomie gegenüber der brusterhaltenden Operation?
Anders als bei der brusterhaltenden Operation ist eine Strahlentherapie nach einer Mastektomie nicht Standard. Sie wird allerdings bei Frauen mit ausgedehntem Tumorbefall notwendig.
Welche Nachteile hat die Mastektomie gegenüber der brusterhaltenden Operation?
Die vollständige Abnahme der Brust ist ein größerer Eingriff als die brusterhaltende Operation. Dies gilt insbesondere dann, wenn schon beim ersten Eingriff ein operativer Brustaufbau erfolgt. Sie verursacht eine größere Narbe quer über die Brust und möglicherweise mehr postoperative Schmerzen. Die Veränderung des Körperbildes durch das Fehlen der Brust kann die Lebensqualität der Patientin beeinträchtigen. Wird die Brust nicht wieder aufgebaut, kann es aufgrund der Gewichtsunterschiede zu einer Fehlbelastung und Schulter- oder Rückenschmerzen kommen. Bei Wiederaufbau der Brust mit einer Silikonprothese oder körpereigenem Gewebe zu einem späteren Zeitpunkt wird eine zusätzliche Operation nötig.

Brustrekonstruktion im Rahmen der Tumoroperation

Auf Wunsch der Patientin können bereits während der Brustamputation erste Schritte für einen Wiederaufbau mit Implantaten oder Eigengewebe vorgenommen werden. Jede Patientin sollte sich daher vor dem Eingriff von ihren behandelnden Ärzten über die verschiedenen Möglichkeiten der Brustrekonstruktion beraten lassen. Aber auch später, wenn die gesamte Behandlung abgeschlossen ist, ist ein Brustaufbau noch möglich. Mehr Informationen zum Thema bietet der Text "Brustaufbau nach Amputation: Einlagen, Silikonprothesen, Rekonstruktion mit Eigengewebe".

Nach der Operation: Genesung, Pflege und Behandlung in der Klinik

Nach der Operation bleibt eine Patientin in der Regel einige Tage stationär in der Klinik. Das entnommene Gewebe wird darauf hin untersucht, ob alle Tumoranteile entfernt wurden, die Ergebnisse liegen meist schon während des Krankenhausaufenthaltes vor.

In dieser Zeit wird der Fortschritt der Heilung kontrolliert. So werden zum Beispiel die beim Eingriff gelegten Schläuche (Drainagen), durch die Blut und Wundsekret aus dem Operationsgebiet abläuft, entfernt und die Verbände gewechselt. Ärzte und Pflegefachkräfte kontrollieren, ob es zu Komplikationen als Folge der Operation gekommen ist. Dazu gehören zum Beispiel Nachblutungen. Ebenfalls auftreten können Wundinfektionen oder Ansammlungen von Flüssigkeit in den entstandenen Gewebehohlräumen, sogenannte Serome.
Wie häufig solche Komplikationen sind, hängt allerdings auch von der Ausgangssituation ab, daher sollten die behandelnden Ärzte nach den Risiken gefragt werden. Vor der Operation lässt sich zudem das Risiko nur anhand statistischer Daten abschätzen, die Ärzte können nicht sagen, welche Patientin betroffen sein wird und welche nicht: Während eine Operationswunde bei einer Patientin problemlos verheilt, kann sich die Wunde bei einer andern infizieren. Alle unmittelbar auftretenden Komplikationen lassen sich in der Regel aber gut behandeln.
Was Patientinnen selbst tun können, um zum Beispiel eine Wundinfektion zu vermeiden, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Operationen: Hygiene und Schonung beugen Infektionen vor" zusammengestellt.

Patientinnen erfahren nach der Operation im Krankenhaus, worauf sie bei der Wundpflege achten müssen und welche Kleidung sich während der nächsten Tage eignet. Nach brusterhaltender Operation gibt es beispielsweise spezielle BHs, die die operierte Brust besonders stützen. Nach Mastektomie erhalten die Patientinnen noch in der Klinik Unterstützung bei der Erstversorgung mit einer sogenannten Epithese zum Einlegen in einen Büstenhalter, und Hilfe, um sich an die Veränderung ihres Körperbildes zu gewöhnen.

Der erste Verbandswechsel und der erste Blick in den Spiegel werden zum Beispiel mit der Patientin abgestimmt. Auch eine persönliche Vertrauensperson wie der Partner oder eine Freundin kann beim ersten Verbandswechsel unterstützend zur Seite stehen.

Mögliche Spätfolgen der Brustoperation

Die Operation bei Brustkrebs kann bei einigen Frauen auch noch nach Monaten oder Jahren Folgen haben. Wie hoch das individuelle Risiko jeweils ist, müssen Patientinnen mit ihren Ärzten besprechen: Es hängt von Art und Umfang der Operation ab sowie auch von der individuellen Situation. Treten Komplikationen erst in der Zeit nach dem Klinikaufenthalt auf, ist der Arzt Ansprechpartner, der die Nachsorge koordiniert. Dieser kann bei Bedarf den Kontakt zu anderen Spezialisten herstellen, die sich um eine Linderung eventuell entstehender Probleme kümmern.

Taubheitsgefühle oder Berührungsempfindlichkeiten im Operationsbereich können dauerhaft bestehen bleiben, weil Nerven durchtrennt werden mussten. Nach einer Mastektomie ist auch eine langfristige Bewegungseinschränkung möglich: Eine ausgeprägte Narbenbildung führt zu Spannungsgefühlen; kommen noch Schmerzen hinzu, neigen viele Frauen anfangs zu einer Schonhaltung. Wird die Brust nicht wieder aufgebaut oder trägt die Patientin keine Prothese, können sich allein durch das unterschiedliche Gewicht Haltungsprobleme ergeben. Durch gezielte Physiotherapie lassen sich diese Einschränkungen jedoch meist bessern oder ganz aufheben.

Eine der häufigsten Spätfolgen der Operation bei Brustkrebs sind Lymphödeme. Das Risiko hängt aber vor allem vom Umfang der Lymphnotenentfernung in der Achselhöhle ab und ist dank schonender Operationsverfahren, wie zum Beispiel der Wächterlymphknoten-Methode, in den letzten Jahren deutlich gesunken. Diese Stauungen von Gewebsflüssigkeiten entstehen bei einigen Patientinnen in den Armen oder im Bereich der operierten Brust, wenn großflächig operiert wurde. Mehr über die Behandlung des Lymphödems hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten "Lymphödeme behandeln, Rückfälle vermeiden" zusammengestellt.

Weiterführende Behandlungen: Was kommt nach der Brustoperation?

Ist im Therapieplan eine Bestrahlung vorgesehen, beginnt diese etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation. Treten Nachwirkungen, wie zum Beispiel eine Wundheilungsstörung auf, kann dies den Beginn der Bestrahlung hinauszögern. Auch eine weitere Therapie, zum Beispiel eine postoperative adjuvante Chemotherapie, kann den Beginn der Strahlenbehandlung aufschieben. Die ärztlichen Leitlinien empfehlen, dass spätestens innerhalb der ersten sieben Monate nach Operation mit der Strahlentherapie begonnen werden sollte. Die Bestrahlung dient der Zerstörung von Krebszellen, die nach der Operation möglicherweise zurückgeblieben sind. Das senkt das Risiko eines Tumorrückfalls. Die Bestrahlung ist Standard nach brusterhaltender Therapie; auch nach Mastektomie sollte bei sehr hohem Rückfallrisiko gegebenenfalls bestrahlt werden. Wie eine Strahlentherapie abläuft, beschreibt der Krebsinformationsdienst in dem Text "Brustkrebs: Bestrahlung zur Therapie und Verhinderung von Rückfällen".

An die Operation und gegebenenfalls Bestrahlung schließt sich oft eine Anschlussrehabilitation (AR) an. Patientinnen sollen sich in dieser Phase vor allem von den direkten Folgen der Operation erholen. Eine Rehabilitationsmaßnahme umfasst meist ein dreiwöchiges, stationäres Angebot in spezialisierten Kliniken, kann aber gegebenenfalls auch ambulant durchgeführt werden. Mehr zum Thema Rehabilitation und Nachsorge bei Brustkrebs hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Rehabilitation und Nachsorge bei Brustkrebs: Wie geht es weiter?" zusammengestellt.

Nach der Operation untersuchen spezialisierte Ärzte (Pathologen) das entnommene Tumorgewebe im Labor. Von dem Ergebnis der Gewebeuntersuchung, dem sogenannten histologischen Befund, hängt ab, welche weiteren Behandlungsschritte die Ärzte zusätzlich vorschlagen. Je nach Eigenschaften des entnommenen Gewebes empfiehlt sich nach der Operation ebenfalls

Diese systemischen Therapien (den ganzen Körper betreffend) können auch in Kombination sinnvoll sein und sollen das Rückfallrisiko senken beziehungsweise eine Ausbreitung der Krankheit verhindern.

Zum Weiterlesen: Linktipps und genutzte Quellen