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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs: Antihormontherapie

Behandeln durch Hormonentzug

Die Antihormontherapie ist neben der Operation, der Chemotherapie und der Bestrahlung eine der wichtigsten Behandlungen bei Brustkrebs. Sie zielt darauf ab, die Bildung oder Wirkung vor allem von Östrogenen zu blockieren. So soll das Wachstum hormonempfindlicher Tumorzellen gestoppt werden. Ein Rückfall oder ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung kann so oft verhindert werden. Der Hormonentzug wird auch als endokrine Therapie oder Antihormontherapie oder kurz als Hormontherapie bezeichnet.
Welche Rolle spielen Medikamente wie Tamoxifen oder sogenannte Aromatasehemmer? Was sind GnRH-Analoga? Der folgende Text erklärt, für welche Frauen diese Medikamente infrage kommen und welche Nebenwirkungen zu erwarten sind. Informationen aus dem Internet können eine persönliche ärztliche Beratung zur Brustkrebsbehandlung jedoch nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 25.09.2012

Quellen und Links

Links im folgenden Text führen zu vertiefenden Informationen sowie genutzten Quellen. Interessierte und Fachkreise finden ausführliche Quellenhinweise auch am Textende. Weitere Hinweise, Adressen und Ansprechpartner sind zudem im Text "Mehr wissen über Brustkrebs" zusammengestellt.

Überblick: Die Hormontherapie bei Brustkrebs - Entscheiden je nach Situation

Brustkrebs wächst häufig hormonabhängig. Das heißt, der Tumor wird durch die weiblichen Geschlechtshormone zum Wachsen angeregt. Verantwortlich sind vor allem Östrogen und zum Teil auch Gestagene. Bei betroffenen Frauen können sogenannte Antihormone die wachstumsfördernde Wirkung dieser Hormone blockieren. Prinzipiell gibt es dabei zwei Möglichkeiten:

  • Die Antihormone unterdrücken die körpereigene Produktion der Geschlechtshormone oder
  • sie blockieren die Wirkung der Geschlechtshormone. Dazu besetzen sie Empfängerstrukturen auf den Tumorzellen, die sogenannten Rezeptoren.
  • Zum Einsatz kommt die Behandlung vor allem nach der Operation: Als sogenannte adjuvante, ergänzende Therapie soll sie einem Rückfall vorbeugen.
    Diese Therapie dauert meist mehrere Jahre, mindestens fünf, nach neueren Empfehlungen sogar bis zu zehn Jahre lang.
  • Eine Antihormontherapie kann jedoch auch sinnvoll sein, wenn sich erneut ein Brusttumor oder Metastasen in anderen Organen gebildet haben.

Die Antihormone werden als Tablette oder Injektion gegeben. Sie verteilen sich im ganzen Körper. Auf diese Weise erreichen sie auch bei Untersuchungen nicht erkennbare Tumorzellen und hindern diese am Wachstum. Ebenso wie die Chemotherapie ist die hormonelle Therapie damit eine "systemische", im ganzen Körper wirksame Behandlung.

Welche antihormonell wirkenden Medikamente Betroffene erhalten, ist abhängig von mehreren Faktoren:
Neben dem Stadium der Erkrankung ist besonders wichtig, ob die Tumorzellen einer Patientin auf Hormone überhaupt reagieren. Die Behandlung wird auch abhängig vom sogenannten Menopausenstatus geplant, also davon, ob die Eierstöcke der Patientin noch Geschlechtshormone produzieren oder nicht mehr.
Auch bei Frauen nach den Wechseljahren hat eine antihormonelle Behandlung ihren Stellenwert nicht verloren: Andere Gewebe produzieren weiter Östrogen, und es kann sinnvoll sein, deren Wachstumsanreiz auf die Tumorzellen völlig auszuschalten.

Bei wem wirkt die Antihormontherapie?

Ob die Antihormontherapie bei einer Patientin Erfolg versprechend ist, wird durch die Untersuchung von Tumorgewebeproben im Labor festgestellt. Bei etwa 75 von 100 Patientinnen ist das der Fall: Ihre Tumorzellen bilden entsprechende Empfängerstrukturen aus, die Rezeptoren. An sie docken die Geschlechtshormone Östrogen oder Progesteron an und lösen ein Wachstumssignal für die Zellen aus. Die Zellteilungsrate steigt an und der Tumor wächst.
Sind solche Hormonrezeptoren nachgewiesen, findet sich im Befundbericht die Angabe "Hormonrezeptorstatus positiv". Als Abkürzung ist auch ER+ (für Östrogen) oder PgR+ (für Progesteron) üblich. Hat der Tumor weder Östrogen- noch Progesteronrezeptoren, ist der Rezeptorstatus negativ. Ein Minuszeichen (ER- oder PgR-) hinter der Abkürzung steht für diese hormonunsensiblen Tumoren.

Die meisten Patientinnen mit positivem Hormonrezeptorstatus profitieren von einer Antihormontherapie.
Bei negativem Status zeigt die Therapie mit Antihormonen dagegen nur eine sehr geringe bis gar keine Wirkung. Anstelle einer Antihormontherapie kommt dann in der Regel eine Chemotherapie infrage.

Gibt es weitere Tests, mit denen das Ansprechen auf eine Antihormontherapie vorab geprüft werden kann? In der Diskussion sind DNA-Tests: Sie sollen angeblich zeigen, wie gut oder wie schlecht eine Frau die Medikamente verstoffwechselt, zum Beispiel den Wirkstoff Tamoxifen. Solche Untersuchungen werden aber in aktuellen Leitlinien nicht empfohlen.

Medikamente und Wirkmechanismen: Tamoxifen, Aromatasehemmer, GnRH-Analoga

Tamoxifen

Zur antihormonellen Therapie von Brustkrebs hat sich Tamoxifen bewährt. Der Wirkstoff ist für die adjuvante Therapie nach operativer Tumorentfernung sowie zur Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses zugelassen. Das Medikament wird täglich als Tablette eingenommen.

Wie wirkt Tamoxifen? Bei Patientinnen vor den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke das Geschlechtshormon Östrogen, das das Wachstum von hormonempfindlichem Brustkrebs anregt. Tamoxifen besetzt die Östrogenrezeptoren des Tumors und blockiert somit die Wirkung der Geschlechtshormone. Dadurch teilen sich die östrogenabhängigen Krebszellen seltener. Fachleute sprechen von kompetitiver Hemmung. Tamoxifen wird daher auch als Anti-Östrogen bezeichnet.
Auch bei Frauen nach den Wechseljahren kommt Tamoxifen zum Einsatz - Östrogene werden, wenn auch in geringer Menge, auch in anderen Geweben als den Eierstöcken - fachsprachlich: Ovarien - produziert. Die Wirkung auch dieser Restproduktion von Hormonen  sollte also auch bei älteren Frauen noch blockiert werden.
Nicht alle Gewebe reagieren gleich auf Tamoxifen: Da das Medikament als Gegenspieler der natürlichen Hormone reagiert, bleibt bei manchen Frauen vor den Wechseljahren der Monatszyklus erhalten. Selbst eine Schwangerschaft ist nicht ausgeschlossen. Während der Behandlung sollte daher eine geeignete Verhütungsmethode angewendet werden.

Aromatasehemmer

Auch Aromatasehemmer blockieren das Wachstum hormonempfindlicher Brusttumoren. Zur Antihormontherapie kommen sie in der adjuvanten Therapie überwiegend bei Frauen nach den Wechseljahren zum Einsatz. Sie spielen aber auch bei der Therapie von metastasiertem Brustkrebs eine Rolle. Aromatasehemmstoffe werden täglich als Tablette eingenommen.

Wie wirken Aromatasehemmer? Bei Frauen nach den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke kein Östrogen mehr. Dennoch wird im Körper weiterhin Östrogen freigesetzt, wenn auch in geringerer Menge: Das Enzym Aromatase produziert es in anderen Geweben (hauptsächlich Fettgewebe) aus Östrogenvorstufen, die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Auch durch diese geringere Menge an Östrogen werden hormonempfindliche Tumorzellen zum Wachstum angeregt. Um dies zu verhindern, erhalten Betroffene einen sogenannten Aromatasehemmer. Er blockiert die eierstockunabhängige Östrogenproduktion und hemmt somit das Tumorwachstum.

Insbesondere eine neuere Generation dieser Wirkstoffe senkt den Östrogenspiegel stark ab: Diese Aromatasehemmstoffe der dritten Generation (Anastrozol, Letrozol und Exemestan) sind von ihren Wirkungen und Nebenwirkungen her prinzipiell vergleichbar. Es lässt sich anhand der vorliegenden Studiendaten nicht sagen, ob ein Wirkstoff den anderen überlegen ist. Welches Medikament eine Patientin am besten verträgt, kann daher den Ausschlag geben.

GnRH-Analoga

Sogenannte GnRH-Analoga können ebenfalls im Rahmen der Antihormontherapie bei Brustkrebs eingesetzt werden, vor allem bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren. "GnRH" ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing-Hormon, das bedeutet "Geschlechtshormone freisetzendes Hormon". Damit gemeint ist ein steuerndes Hormon, das im Gehirn im Hypothalamus gebildet wird. Es regelt über mehrere Zwischenstufen den Stoffwechsel der eigentlichen Sexualhormone.
GnRH-Analoga wiederum sind synthetisch hergestellte Substanzen, die ähnlich aufgebaut sind und wirken wie natürliche GnRH-Hormone. Werden sie als Medikament gegeben, stören sie die Hormonproduktion in den Eierstöcken nachhaltig. Die GnRH-Analoga werden alle vier Wochen oder alle drei Monate als Depotspritze in die Bauchhaut gegeben.

Wie wirken GnRH-Analoga bei Brustkrebs? GnRH-Analoga sorgen in den ersten Tagen zwar für eine erhöhte Hormonproduktion. Durch die ununterbrochene Wirkung stören sie aber die übergeordneten hormonellen Regelkreise im Gehirn so nachhaltig, dass es nach etwa zwei bis drei Wochen zu einem Stopp der Östrogenbildung kommt. In den Eierstöcken von Frauen vor den Wechseljahren wird kein Östrogen mehr gebildet, das das Wachstum hormonabhängiger Tumoren anregen kann. Werden die Medikamente abgesetzt, beginnen die Eierstöcke wieder mit der Hormonproduktion. Frauen, die zu Behandlungsbeginn kurz vor den Wechseljahren waren, erleben allerdings mitunter, dass sich kein ganz normaler oder gar kein Monatszyklus mehr einstellt.

Hormonelle Prävention: Zur Brustkrebsvorbeugung selten genutzt

Gesunde Frauen: Vorbeugung bei hohem Brustkrebsrisiko

In der Vorbeugung von Brustkrebs spielt der Hormonentzug nur für wenige Frauen eine Rolle. Infrage kommt die präventive Therapie zum Beispiel, wenn aufgrund einer erblichen Belastung ein sehr hohes Tumorrisiko besteht. Bei Betroffenen, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben, kommt die Entfernung der Eierstöcke infrage. Auch der Wirkstoff Tamoxifen kann eingesetzt werden.
Fachleute beurteilen den Nutzen des vorbeugenden Hormonentzugs bei eigentlich gesunden Frauen allerdings unterschiedlich (mehr dazu im Textteil "Risiko Brustkrebs: Veranlagung, Vererbung"). Frauen, die sicher wissen, dass sie eines der sogenannten Brustkrebsgene tragen, benötigen auf jeden Fall eine persönliche Beratung. Behandlungsempfehlungen, die für jede Betroffene passen, gibt es nicht.

Brustkrebsvorstufen und Hormonentzugstherapie

Im Brustgewebe kann es zu Veränderungen kommen, die noch gutartig sind, aber trotzdem regelmäßig kontrolliert werden müssen, mehr dazu im Text "Gutartige Brustveränderungen und Brustkrebsvorstufen".

Es gibt aber auch Gewebeveränderungen, die als Krebsvorstufe oder Frühkarzinome angesehen werden. Dazu gehören beispielsweise sogenannte duktale In-Situ-Karzinome (DCIS). Sie werden vorrangig operiert. Informationen dazu finden sich im Textteil "Operation", Stichwort "duktales In-Situ-Karzinom, abgekürzt DCIS".

Die Heilungschancen sind für Frauen mit einem DCIS von vornherein sehr gut. Insgesamt diskutieren Fachleute daher, ob eine adjuvante Behandlung mehr Nachteile als Vorteile hat. Bei dieser Frühform von Brustkrebs senkt eine anschließende antihormonelle Behandlung mit Medikamenten zwar tatsächlich das Risiko weiterer, erneuter DCIS in der gleichen wie auch in der anderen Brust.
Wegen der Nebenwirkungen, die gegen den Nutzen aufgewogen werden müssen, geben Fachleute aber zurzeit keine pauschalen Empfehlungen zur medikamentösen Nachbehandlung duktaler In-Situ-Karzinome. Sie raten betroffenen Frauen, sich mit ihren Ärzten über Nutzen und Nebenwirkungen auszutauschen und dann eine individuelle Entscheidung zu treffen.

Adjuvante Antihormontherapie: Rückfälle verhindern bei auf die Brust begrenztem Mammakarzinom

Bei Frauen mit einem auf die Brust begrenzten Tumor soll die Antihormontherapie nach der Operation das Risiko für einen Krankheitsrückfall  verringern. Sie ist Teil der sogenannten adjuvanten Brustkrebstherapie: Dazu gehören alle Maßnahmen, die nach der operativen Entfernung eines Tumors auf möglicherweise noch verbliebene, unsichtbare Tumorzellen zielen.

So werden Frauen nach einer brusterhaltenden Operation immer zusätzlich bestrahlt. Weitere Möglichkeiten sind eine Chemotherapie, auf besondere Merkmale der Tumorzellen gerichtete Antikörper - oder eben die hormonelle Therapie.
Ob eine oder mehrere dieser ergänzenden Therapien sinnvoll sind, richtet sich nach den Tumoreigenschaften, dem Alter und der hormonellen Situation einer Frau, mehr dazu im Kapitel "Therapie bei auf die Brust begrenzten Tumoren".

Rezeptornachweis als Voraussetzung

Eine Antihormontherapie wird für alle Frauen mit Hormonrezeptor-positiven Tumoren empfohlen, unabhängig davon, ob in ihrem Tumorgewebe Östrogenrezeptoren allein, auch oder nur Progesteronrezeptoren nachgewiesen wurden. Ist der Rezeptorstatus unklar, gehen die Ärzte zur Sicherheit davon aus, dass der Tumor auf Hormonentzug reagieren würde.

Wann beginnt die Behandlung?

  • Ist auch eine Bestrahlung vorgesehen, kann die hormonelle Behandlung gleichzeitig oder auch nach dieser beginnen.
  • Liegen Merkmale für ein besonders hohes Rückfallrisiko vor, erhalten betroffen Frauen zunächst eine Chemotherapie, erst danach beginnt auch eine Antihormontherapie.
  • Bei vermehrtem Nachweis von HER2-Rezeptoren werden die Antihormontherapie, die Chemotherapie und gegebenenfalls die Bestrahlung durch Medikamente ergänzt, die gezielt dieses Merkmal auf Tumorzellen blockieren (Anti-HER2-Therapie). Die HER2-Blockade und die Antihormontherapie können nach Abschluss der Chemotherapie gleichzeitig durchgeführt werden.

Beide Behandlungsformen kombiniert, aber ohne eine Chemotherapie sind derzeit ein Thema für die klinische Forschung und kein Standard.

Sind im Tumorgewebe einer Patientin keine Hormonrezeptoren nachweisbar? Dann ist eine Antihormontherapie nicht wirksam.

Antihormontherapie bei lokal begrenztem Brustkrebs: Behandlung bei Frauen vor den Wechseljahren

Zur antihormonellen Therapie bei Frauen mit einem lokal begrenzten Brustkrebs hat sich der Wirkstoff Tamoxifen bewährt. In der adjuvanten Therapie nehmen ihn Frauen einmal täglich als Tablette ein. Üblich ist eine Behandlungsdauer über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Sollte es innerhalb dieser Zeit zu einem Rückfall kommen (Rezidiv), wird die Einnahme zunächst gestoppt und ein neuer Therapieplan erstellt, mehr dazu im Text "Brustkrebs - was tun bei einem Lokalrezidiv"? Eine neue, individuelle Behandlungsplanung ist auch notwendig, wenn sich trotz der vorbeugenden Behandlung Metastasen entwickelt haben, mehr dazu im Text "Fortgeschrittene Erkrankung".

Ob bei jüngeren Frauen zusätzlich GnRH-Analoga sinnvoll sind, gilt trotz vieler Studien als nicht eindeutig gesichert. Daher gibt es zurzeit auch voneinander leicht abweichende Empfehlungen. Wenn die Entscheidung für die Behandlung fällt, so gilt: Die GnRH-Analoga werden je nach Präparat alle vier Wochen oder alle drei Monate als Depotspritze in die Bauchhaut gegeben.

Antihormontherapie bei lokal begrenztem Brustkrebs: Behandlung bei Frauen nach den Wechseljahren

Bei Frauen nach den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke kein Östrogen mehr. Betroffene mit einem hormonempfindlichen Tumor erhalten deshalb heute meist Aromatasehemmer - diese blockieren die eierstockunabhängige Östrogenproduktion in anderen Geweben.
Anstelle eines Aromatasehemmers können die behandelnden Ärzte je nach Situation aber auch Tamoxifen geben, zum Beispiel dann, wenn Aromatasehemmer nicht gut vertragen werden.
Die Behandlung über zwei bis drei Jahre mit Tamoxifen und anschließend mit einem Aromatasehemmer, oder umgekehrt, ist ebenfalls möglich

Insgesamt sollte die antihormonelle Therapie bei beiden Mitteln oder bei einem Medikamentenwechsel oder "Switch" mindestens fünf Jahre dauern, nach neuesten Empfehlungen sogar länger, wenn die Mittel gut vertragen werden.

Welches Medikament und welches Behandlungsschema jeweils am besten ist, müssen betroffene Frauen mit ihren Ärzten besprechen: Zwar empfehlen alle Fachgesellschaften Patientinnen nach den Wechseljahren eine antihormonelle Therapie. Wie sie genau aussehen sollte, darin unterscheiden sich die Expertenmeinungen zurzeit jedoch geringfügig.  

Neoadjuvante Antihormontherapie: Behandlung vor der Operation

Bei Patientinnen mit einer auf die Brust begrenzten, jedoch schon weiter fortgeschrittenen Krebserkrankung kann der Tumor unter Umständen nicht sofort chirurgisch entfernt werden. Das ist der Fall, wenn der Tumor sehr groß ist und sich nicht vollständig im Gesunden  entfernen lässt. Bei solchen Patientinnen wie auch bei Patientinnen mit einem entzündlichen Brustkrebs (inflammatorisches Mammakarzinom) wird eine Chemotherapie oder auch eine Antihormontherapie noch vor der Operation empfohlen. Diese präoperative Behandlung wird auch als "neoadjuvante" oder "primäre" systemische Therapie bezeichnet.

Dabei ist allerdings die Chemotherapie Link die Behandlung der ersten Wahl, nicht der Hormonentzug.
Konkret ist Experten zufolge eine neoadjuvante antiöstrogene Hormontherapie vor allem dann möglich, wenn eine Frau die Wechseljahre bereits hinter sich hat, nicht operiert werden kann und auch keine Chemotherapie möglich ist. Der Tumor muss jedoch stark hormonabhängig wachsen und einen negativen HER2-Status haben, also auch nicht auf zielgerichtete Antikörper zur Brustkrebstherapie reagieren. Empfohlen werden dann neuere Wirkstoffe aus der Gruppe der Aromatasehemmer.

Lindernde Antihormontherapie: Das Tumorwachstum bremsen bei fortgeschrittener, metastasierter Erkrankung

Auch Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium wird mit einer Antihormontherapie behandelt. Voraussetzung ist auch hier, dass Tumor und/oder Metastasen einer betroffenen Frau hormonabhängig wachsen. Dies sollte, wenn möglich, anhand einer neuen Gewebeprobe untersucht werden. Die Prüfung ist jedoch keine absolut zwingende Voraussetzung für die Therapie, sie ist zum Beispiel bei Knochenmetastasen auch schwierig durchzuführen.

Ziel der Behandlung ist es, die Geschwulste zu verkleinern oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Die hormonelle Therapie wird nicht durchgeführt, wenn eine Patientin durch einen großen, nicht operablen Tumor oder durch Metastasen bereits unter ausgeprägten Symptomen und Beschwerden leidet, die möglichst schnell behandelt werden müssen. Dann wird meist eine Chemotherapie vorgezogen. Und bei Hirnmetastasen stellt die Antihormontherapie keine ausreichende Therapie dar.
Betroffene, bei denen sich die Metastasen nur in Knochen oder Weichteilen (Muskeln, Bindegewebe) befinden, oder die lediglich einzelne, wenige Organmetastasen aufweisen, profitieren dagegen häufig von der Antihormontherapie.

Welche Medikamente infrage kommen, hängt von der individuellen Situation ab: Spricht eine Patientin mit metastasiertem Brustkrebs auf die hormonelle Behandlung an, wird diese so lange weiter durchgeführt, bis sie keine Wirkung mehr zeigt. Beginnt der Tumor wieder zu wachsen, erhalten die Patientinnen zunächst andere antihormonelle Substanzen. Bei Frauen, die noch während der adjuvanten Behandlung einen Rückfall erleiden, werden meist ebenfalls andere Medikamente eingesetzt als die, die sie bereits eingenommen haben.
Solange keine stark belastenden Symptome die Lebensqualität beeinträchtigen, wird erst auf eine Chemotherapie umgestellt, wenn alle hormonellen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Auch sogenannte zielgerichtete Medikamente sind dann eine Behandlungsoption, mehr dazu im Text "Fortgeschrittene Erkrankung und Metastasen".

Eine gleichzeitige Kombination aus Antihormontherapie und Chemotherapie führen die Ärzte nicht durch: Eine solche Kombination führte in Studien zu mehr Nebenwirkungen, brachte aber für die Patientinnen keinen relevanten Vorteil. Einige zielgerichtete Medikamente lassen sich dagegen mit einer antihormonellen Therapie kombinieren.

Antihormontherapie vor den Wechseljahren bei metastasiertem Brustkrebs

Auch bei metastasiertem Brustkrebs regt Östrogen bei vielen Frauen das Tumorwachstum weiter an. Daher kommt auch in dieser Situation für betroffene Frauen sehr oft eine antihormonelle Behandlung infrage. Sie ist Jüngere Betroffene vor den Wechseljahren erhalten Tamoxifen, das die Wirkung von Östrogen auf den Tumor blockiert. Zusätzlich wird bei einer Metastasierung auch die Bildung von Östrogen in den Eierstöcken direkt ausgeschaltet. Dies geschieht entweder durch GnRH-Analoga oder einen chirurgischen Eingriff, bei dem die Ovarien entfernt werden. Auch eine Bestrahlung der Ovarien ist möglich. Schreitet die Erkrankung trotzdem weiter fort oder wird Tamoxifen nicht vertragen, kann oft ein Aromatasehemmer noch das Tumorwachstum bremsen.

Tumorzellen können sich im Lauf der Erkrankung allerdings verändern. Dies führt unter Umständen dazu, dass die übliche antihormonelle Behandlung nach einiger Zeit nicht mehr wirkt. Bei weiterem Fortschreiten trotz Aromatasehemmer können diese durch sogenannte Gestagene in Tablettenform ersetzt werden. Diese auch als Gelbkörperhormone bezeichneten Stoffe wirken den Östrogenen natürlicherweise entgegen. Ihre wachstumshemmende Wirkung auf Brustkrebszellen ist noch nicht völlig geklärt.

Antihormontherapie nach den Wechseljahren bei metastasiertem Brustkrebs

Die antihormonelle Behandlung richtet sich danach, welche Medikamente in der adjuvanten Therapie bereits eingesetzt wurden. Als erste hormonelle Behandlung bei Metastasierung erhalten Patientinnen nach den Wechseljahren derzeit einen Aromatasehemmer. Voraussetzung ist allerdings, dass sie während der adjuvanten Behandlung im Frühstadium entweder nur Tamoxifen erhalten hatten oder bisher noch gar keine Antihormontherapie eingesetzt wurde.

Hatte eine Frau bereits Aromatasehemmer adjuvant bekommen und trotzdem Metastasen entwickelt, oder schreitet die Erkrankung trotz Behandlung weiter fort? Dann richten sich die weitere Therapie danach aus, welche Mittel bislang eingesetzt wurden: Die Ärzte versuchen, durch den Wechsel der Medikamente möglichst noch andere Wirkmechanismen auszuschöpfen, die das Tumorwachstum stoppen können. Infrage kommen grundsätzlich alle antihormonellen Medikamentenformen, die bisher noch nicht verwendet wurden.  

Nebenwirkungen der Antihormontherapie: Lange Behandlungsdauer oft belastend

Die Antihormontherapie hat im Vergleich zu einer Chemotherapie weniger belastende Nebenwirkungen. Da die Antihormone jedoch über mehrere Jahre eingenommen werden, sind für betroffene Frauen auch vergleichsweise geringfügigere Nebenwirkungen von Bedeutung.

Welche Nebenwirkungen bei einer Patientin auftreten werden, lässt sich pauschal nicht voraussagen. Die unerwünschten Wirkungen sind unter anderem abhängig von den jeweils eingesetzten Medikamenten sowie der Reihenfolge und Dauer ihrer Anwendung. Der Körper einiger Patientinnen passt sich an die hormonelle Umstellung gut an, sodass die Symptome als wenig belastend empfunden werden. Bleibt diese Anpassung jedoch auch nach einiger Zeit noch aus, kann man gemeinsam mit den Ärzten über Möglichkeiten sprechen, die Symptome durch Medikamente oder andere Maßnahmen zu lindern. Sind die Nebenwirkungen trotz aller lindernder Maßnahmen weiter sehr belastend, sollte eine betroffene Frau die Mittel trotzdem nicht auf eigene Faust absetzen: Eventuell erbringt der Wechsel auf ein anderes Präparat doch noch Besserung.

Besonders belastend sind für viele Frauen bei einer antihormonellen Therapie Beschwerden, wie sie in den Wechseljahren auftreten. Daher hat der Krebsinformationsdienst zu diesem Thema einen eigenen Text erstellt: "Nach einer Brustkrebserkrankung - was tun gegen Wechseljahresbeschwerden?"

Nebenwirkungen bei Einnahme von Tamoxifen

  • Hitzewallungen, die zum Teil auf die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen zurückzuführen sind, haben 10 und mehr von 100 Frauen.
  • Knochenschmerzen bei Therapiebeginn haben bis zu 9 von 100 behandelten Patientinnen. Dies gilt zunächst als Indiz dafür, dass die Behandlung anspricht. Diese Nebenwirkungen gehen nach einiger Zeit meist zurück.
  • Vor den Wechseljahren kommt es bei 1 bis zu 9 von 100 behandelten Patientinnen zu Zyklusveränderungen bis hin zur völligen Ausbleiben der Menstruation oder zu Sekret-Ausfluss aus der Scheide.
  • Bei 1 bis zu 9 von 100 Frauen nach den Wechseljahren sind andererseits Blutungen möglich. Die Ursache solcher Blutungen sollte immer durch den Arzt abgeklärt werden, um eine Erkrankung der Gebärmutter auszuschließen. Doch auch die Antihormontherapie kommt als Auslöser infrage: Da Tamoxifen ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirkt, kann es bei Frauen nach den Wechseljahren zu einem erneuten, ungewollten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut kommen. Ganz harmlos ist dies allerdings nicht: Bei sehr wenigen Patientinnen entartet dieses Gewebe. Das Risiko für ein sogenanntes Endometriumkarzinom ist bei Frauen mit Tamoxifentherapie gegenüber nicht mit Tamoxifen behandelten Frauen um das zwei- bis vierfache erhöht. Patientinnen werden im Rahmen der Brustkrebsnachsorge daher regelmäßig gynäkologisch untersucht.
  • Tamoxifen kann zu einem Juckreiz in Bereich der Scheide führen, da die Schleimhäute trockener werden. 1 bis zu 9 von 100 Patientinnen sind betroffen. Dagegen helfen unter Umständen geeignete Salben oder Cremes.
  • Weitere mögliche Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn der Therapie vorübergehende Blutbildveränderungen, Benommenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Wassereinlagerungen. Diese gelten als Anpassungen an die veränderte hormonelle Situation und verschwinden bei den meisten Frauen von alleine wieder. Tamoxifen kann bei einigen Frauen Veränderungen der Sehkraft bewirken. In diesem Fall sollte unbedingt der Augenarzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären. Wie bei sehr vielen Arzneimitteln gibt es auch bei Tamoxifen Allergien und Unverträglichkeiten.

Nebenwirkungen von Aromatasehemmern

Im Folgenden sind Nebenwirkungen aufgelistet, die bei allen Aromatasehemmern auftreten können. Allerdings kann es Unterschiede zwischen einzelnen Aromatasehemmern geben, was Häufigkeit und Schweregrad der Nebenwirkungen anbelangt. Wegen der jeweilig möglichen Nebenwirkungen einzelner Aromatasehemmer sollten Patientinnen mit ihren behandelnden Ärzten sprechen und sich im Beipackzettel ihres Arzneimittels informieren.

  • Auch bei der Einnahme von Aromatasehemmern haben 10 und mehr von 100 Frauen Hitzewallungen wie in den Wechseljahren. Bei weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1.000 Patientinnen kommt es zu Trockenheit der Scheide.
  • Schmerzhafte Muskel- und Gelenkbeschwerden treten bei 1 bis zu 9 von 100 Frauen auf. Betroffene sollten dann mit ihren Ärzten sprechen. Solche Muskel- und Gelenkscherzen können in der Regel wirksam behandelt werden.
  • Unter leichten Haarausfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautausschlag und Müdigkeit leiden ebenfalls 1 bis zu 9 von 100 behandelten Frauen. Diese Nebenwirkungen halten selten länger an.
  • Insbesondere zu Beginn der Behandlung sind Blutungen und Ausfluss aus der Scheide möglich, wenn auch weniger häufig als bei Tamoxifen. Der tatsächliche Auslöser sollte auf jeden Fall vom Frauenarzt abgeklärt werden.
  • Außerdem begünstigen Aromatasehemmer häufig durch den kompletten Östrogenentzug den Abbau von Knochensubstanz. Dieser Osteoporosegefahr kann man jedoch entgegenarbeiten und gegebenenfalls auch mit Medikamenten vorbeugen, Patientinnen sollten mit ihrem Arzt über geeignete Behandlungen sprechen, mehr dazu im Text "Brustkrebs: Behandlungsfolgen vorbeugen und lindern".
  • Weitere Nebenwirkungen der Aromatasehemmer, wie etwa Auswirkungen auf Appetit und Verdauung oder veränderte Werte beim Leberstoffwechsel, treten bei sehr viel weniger Patientinnen auf.

Nebenwirkungen von GnRH-Analoga

  • In den ersten Wochen der Behandlung können bei Frauen vor den Wechseljahren Blutungen aus der Scheide von unterschiedlicher Dauer und Intensität auftreten, die gewöhnlich von selbst zum Stillstand kommen. Normalerweise bleibt nach einem bis zwei Monaten die Regelblutung ganz aus, nur bei wenigen Frauen kommt es noch etwas länger zu Schmierblutungen. Bei Frauen, die bei Behandlungsbeginn kurz vor den Wechseljahren stehen, kann während der Behandlung die Menopause eintreten, sodass nach Absetzen des Präparats die Menstruation ausbleibt. Eher selten passiert dies allerdings auch bei jüngeren Frauen.
    10 und mehr von 100 Frauen haben als Folge des niedrigen Östrogenspiegels Hitzewallungen, und weiteren Symptomen wie in den Wechseljahren.
  • Weitere mögliche, aber seltenere Nebenwirkungen sind Unverträglichkeitsreaktionen, Blutdruckschwankungen und Veränderungen im Zuckerstoffwechsel.  Insbesondere Diabetikerinnen werden von den behandelnden Ärzten daher sorgfältig überwacht.
  • Eine länger dauernde Behandlung mit LHRH-Analoga führt zu einer Abnahme der Knochendichte. Bisher vorliegende Daten deuten darauf hin, dass sich eine solche Osteoporose nach Beendigung der Therapie meist wieder zurückbildet.

Langfristige Medikamenteneinnahme – nicht immer einfach

Für viele Frauen ist die antihormonelle Behandlung lange Zeit ein Teil ihres Lebens. Allein deshalb fällt es vielen nicht leicht, mit Nebenwirkungen umzugehen. Die Tatsache, dass man den Nutzen der Medikamente vor allem in der adjuvanten Situation nicht unmittelbar spürt, macht dies nicht einfacher. Für betroffene Frauen, denen die weitere Behandlung mit antihormonellen Mitteln schwer fällt, ist es trotzdem wichtig, nicht auf eigene Faust die Therapie zu unterbrechen, sondern zunächst das Gespräch mit ihren behandelnden Ärzten zu suchen.