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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs: Früherkennung durch Abtasten und Mammographie

Wie sehen die Angebote zur Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland aus? Frauen ab 30 können einmal im Jahr zum Frauenarzt gehen, der Brust und Achselhöhlen abtastet und auf Veränderungen achtet. Bei dieser Untersuchung soll der Arzt außerdem zur Selbstuntersuchung der Brust anleiten, so die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland. Für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren gibt es zusätzlich die Möglichkeit, alle zwei Jahre zur Mammographie zu gehen. Um einen Termin muss man sich dazu nicht kümmern, die Röntgenuntersuchung der Brust geschieht auf eine Einladung hin.
Wie die Früherkennung abläuft, welche Vor- und Nachteile zurzeit unter Experten diskutiert werden, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

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Quellen und Links (Stand 9/2015)

Wesentliche Quellen für diesen Text sind die aktuell gültige S3-Leitlinie "Mammakarzinom" der Deutschen Gesellschaft für Senologie und weiterer Fachgesellschaften sowie die aktuell gültigen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie, mehr dazu im Text "Mehr wissen über Brustkrebs". Zum Mammographie-Screening hat der Krebsinformationsdienst einen eigenen Text zusammengestellt, in dem sich auch aktuelle Literaturangaben finden. Weitere Quellen sind direkt im folgenden Text genannt.

Brustkrebs-Früherkennung: Welche Untersuchungen gehören dazu?

Das Angebot zur "Krebsvorsorge" orientiert sich an den Altersstufen, in denen das Brustkrebsrisiko rein statistisch ansteigt. Daher sehen die Untersuchungen bei jüngeren Frauen anders aus als bei älteren, sofern kein familiäres Risiko bekannt ist: Zurzeit gehören folgende Maßnahmen zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland:

Für Frauen ab 30 gilt:

  • Der Arzt  fragt nach Veränderungen oder Beschwerden in der Brust und klärt die medizinische Vorgeschichte ab (Anamnese).
  • Er zeigt, wie die Selbstuntersuchung zu Hause durchgeführt wird.
  • Er tastet die Brust und die dazugehörigen Lymphknoten ab.

Für Frauen zwischen 50 und 69 kommt zusätzlich noch alle zwei Jahre die Einladung zur Mammographie in einer zertifizierten Untersuchungseinrichtung hinzu.

Für Frauen, in deren Familie es Hinweise auf ein vererbbares Brustkrebsrisiko gibt, wird die Früherkennung intensiver gestaltet, mehr dazu hier.
Auch Frauen, die aus anderen Gründen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, etwa wegen bestimmter gutartiger Veränderungen, sollten ihren Arzt nach für sie geeigneten der Untersuchungen und Zeitintervallen fragen.

Knoten entdeckt? Andere Veränderung beobachtet?

Die folgenden Informationen zu Früherkennungsangeboten richten sich an Frauen, die keine Veränderungen in der Brust oder Beschwerden haben, denn:

  • Ein Knoten, ein Größenunterschied oder andere auffällige Symptome  in der Brust sind immer ein Anlass, zeitnah einen Termin beim Arzt auszumachen und nicht zu warten, bis der nächste Früherkennungstermin ansteht.
  • Frauen, bei denen es Hinweise auf ein vererbtes Brustkrebsrisiko gibt, brauchen eine individuelle Beratung über die für sie geeignete Früherkennung, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Brustkrebs-Früherkennung: Wohin gehen?

Die jährlichen Untersuchungen werden fast überwiegend von Frauenärzten bzw. Fachärzten und Fachärztinnen für Gynäkologie angeboten. Sie  führen gleichzeitig meist noch die Früherkennung auf Veränderungen am Gebärmutterhals durch.
Einen Termin kann man entweder direkt oder mit einer Überweisung vom Hausarzt vereinbaren.

Das Mammographie-Screening alle zwei Jahre, also die Röntgen-Reihenuntersuchung darf nur von qualifizierten Einrichtungen durchgeführt werden: Die Mitarbeiter dieser Mammographie-Einheiten haben eine besondere Ausbildung durchlaufen und müssen die Qualität ihrer Arbeit regelmäßigen Prüfungen unterziehen.
Zum Mammographie-Screening muss man sich nicht anmelden, alle Frauen der betroffenen Altersgruppe werden angeschrieben und in die nächstgelegene Mammographie-Einheit eingeladen.

Wann gehen?

Für Frauen, die noch ihre Periode haben, ist ein Termin kurz nach der Regelblutung in der ersten Zyklushälfte sinnvoll: Dann ist die Brust meist noch weich.
Bei Frauen, die zur Empfängnisverhütung die "Pille" oder Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnehmen, ist die Brust oft zyklusunabhängig dichter: Dies kann die Untersuchungen beeinflussen. Für sie sind als Zeitpunkt ebenfalls die Tage kurz nach der monatlichen Abbruchblutung empfehlenswert. Frauen, die durchgängig ein Hormonpräparat einnehmen, so dass es nicht zur einer monatlichen Blutung kommt, sollten ihren Arzt nach dem günstigsten Zeitpunkt fragen.
Nach den Wechseljahren kann der Termin frei gewählt werden.

Keine Pflicht zur Früherkennung

Die Teilnahme am gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist freiwillig. Jede Frau kann selbst entscheiden, ob sie die Untersuchungen in Anspruch nimmt oder darauf verzichtet. 

  • Fest zum Programm gehört daher auch das Angebot, sich vor dieser Entscheidung umfassend zu informieren und beraten zu lassen.

Welche Sicherheit bietet die Brustkrebs-Früherkennung?

Bei der Untersuchung macht sich der Arzt ein Bild über die individuelle Risikosituation einer Frau. Er fragt zum Beispiel nach Krebs in der Familie, nach der Zahl von Schwangerschaften und Geburten, nach dem Monatszyklus, und er erkundigt sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand, nach der Einnahme von Medikamenten und weiteren wichtigen Informationen. 

Im Gespräch mit ihrem Arzt haben Frauen die Möglichkeit, ihr ganz persönliches Risiko besser kennen zu lernen. Welche individuellen Faktoren das Risiko beeinflussen, lässt sich aus wissenschaftlichen Studien ableiten. Eine Zusammenstellung findet sich für Fachleute in sogenannten Leitlinien, die von Experten regelmäßig veröffentlicht werden. 

Regelmäßige Selbstuntersuchung zu Hause

Aus solchen Studien weiß man auch: Die Selbstuntersuchung der Brust ist wichtig, weil sie Frauen ein besseres Gefühl für Veränderungen am eigenen Körper vermittelt.
Als Früherkennungsmaßnahme ist sie alles in allem aber wenig geeignet. Die Studienlage zeigt, dass sie die Sterblichkeitsraten an Brustkrebs nicht  senken kann: Tastbare Tumoren gelten nicht mehr als klein im Sinn der Früherkennung.
Trotzdem ist die Empfehlung zum regelmäßigen Selbstabtasten zu Hause Teil des Früherkennungsprogramms: Die Selbstuntersuchung geht schnell und kann in die gewohnte Körperpflege integriert werden.

Bester Zeitpunkt zur Selbstuntersuchung ist die Woche nach Beginn der Regelblutung. Dann ist das Drüsengewebe weich. Frauen nach den Wechseljahren wählen am besten immer den gleichen Tag im Monat. Wie die Brust und das dazugehörige Lymphgewebe abgetastet werden sollte, können die Frauenärztin oder der Frauenarzt zeigen.  Ausführliche Anleitung mit Bild und Text geben auch viele kostenlos erhältliche Broschüren oder Videos.

Tastuntersuchung beim Arzt

Beim jährlichen Früherkennungstermin achtet der Arzt auf den Zustand der Brusthaut und der Brustwarze und vergleicht die Größe und das Aussehen beider Brüste. Zur Untersuchung tastet er Brust und Brustwarze und die Lymphknoten bis unter die Achsel und das Schlüsselbein ab. Dabei liegt die untersuchte Frau einmal, einmal sitzt oder steht sie und hebt die Arme über den Kopf.

Für den Nutzen der Brustuntersuchung durch den Arzt gilt allerdings eine vergleichbare Einschätzung wie für die Selbstuntersuchung: Tastbare Tumoren gelten nicht mehr als klein im Sinn der Früherkennung. Die Daten aus wissenschaftlichen Studien belegen zudem, dass die Rate der erkannten Tumoren stark von der Erfahrung der untersuchenden Ärzte abhängt. Auch kann der Arzt allein aufgrund der Tastuntersuchung nicht zuverlässig zwischen Krebs und gutartigen Brustveränderungen unterscheiden.

In vielen Studien wirkte sich die regelmäßige Untersuchung im Rahmen der Früherkennung dementsprechend auch nicht auf die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs aus. Nur in wenigen Untersuchungen zeigten sich leichte Vorteile zum Beispiel für Frauen  im Alter zwischen 40 und 50, die noch keine regelmäßige Mammographie erhalten, deren Brustkrebsrisiko aber schon langsam ansteigt. Für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die regelmäßig zur Mammographie gehen, ermöglicht die Tastuntersuchung unter Umständen die Entdeckung der sehr wenigen Tumoren, die sich aufgrund ungünstiger Umstände nicht in der Mammographie darstellen lassen.

Zurzeit ist die Tastuntersuchung Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, auch wenn ihr Nutzen nicht abschließend beurteilt werden kann und vermutlich gering ist. Tastet der Arzt eine Veränderung, sollte diese, so die aktuelle Leitlinie zur Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland, auf jeden Fall mit anderen Verfahren weiter abgeklärt werden.

Mammographie-Screening

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Sie eignet sich zur Brustkrebsfrüherkennung, weil sie schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren in einem frühen Stadium sichtbar machen kann. Der tatsächliche und langfristige Nutzen ist unter Experten jedoch nicht unumstritten.

Seit Anfang 2004 ist das Mammographie-Screening in Deutschland Bestandteil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. Die Reihenuntersuchung wird gesunden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in besonders hierfür eingerichteten Screening-Zentren angeboten, in einigen Regionen Deutschlands sind auch mobile Untersuchungseinheiten unterwegs ("Mammobil").
Normalerweise muss man sich zur Teilnahme am Screening nicht anmelden, sondern erhält alle zwei Jahre eine Einladung. Der vorherige oder anschließende Besuch beim Frauenarzt ist zur Früherkennungs-Mammographie nicht nötig, Frauen können aber eine Kopie der Ergebnisse für ihren Arzt anfordern.
Die Strahlenbelastung des regelmäßigen Röntgens wurde intensiv geprüft: Die deutsche Strahlenschutzkommission beurteilt das Risiko im Vergleich zum Nutzen für die infrage kommende Altersgruppe als vertretbar.

Bisherige Studien zeigen, dass vor allem bei der Altersgruppe der 50 bis 69jährigen Frauen die Sterblichkeit durch Mammographie-Reihenuntersuchungen sinken könnte. Wie hoch dieser Effekt tatsächlich ausfällt, gilt jedoch trotz vieler Daten als noch nicht abschließend gesichert. Auch zur Qualität der verfügbaren Angebote gibt es Diskussionen. Das deutsche Screening-Angebot wird wissenschaftlich begleitet - wie hoch der Nutzen insgesamt dann sein wird, steht allerdings erst in einigen Jahren fest.

  • Der Krebsinformationsdienst hat zum Pro und Kontra des Mammographie-Screenings einen ausführlichen Text zusammengestellt, mehr dazu hier. Dort finden sich auch Quellen für Interessierte und Fachkreise.
  • Wie die Untersuchung im Detail abläuft und wie man sich auf die Teilnahme vorbereiten kann, ist hier erläutert.

Weitere Informationen bieten ein Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses unter www.g-ba.de/downloads/17-98-2232/2010-07-15_Merkblatt-Mammographie.pdf sowie die Internetseiten der Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter www.mammo-programm.de.

Weitere Untersuchungen: Stellenwert in der Früherkennung nicht belegt

Findet sich bei der Früherkennung eine Veränderung oder tastet eine Frau etwas Auffälliges, sind weitere Untersuchungen eventuell sinnvoll. Dazu gehören beispielsweise die Ultraschalldiagnostik oder die Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie.
Bei gesunden Frauen ohne besondere Anhaltspunkte für Brustveränderungen ersetzen diese beiden Untersuchungen die reguläre Krebsfrüherkennungsdiagnostik jedoch nicht. Insbesondere die Mammographie lässt sich bisher nicht durch strahlungsärmere Verfahren ersetzen. Zwar gibt es viel Forschung zum Thema.

Gutartige Brustveränderungen: Früherkennung nach Maß

Bei der Früherkennung werden häufig auch gutartige Veränderungen entdeckt, die der Arzt bei Bedarf auch weiter kontrolliert. Ein besonderes Brustkrebs-Risiko und damit auch besondere Empfehlungen zur Früherkennung bestehen jedoch nur bei wenigen Befunden.
Wie die Untersuchungen aussehen, welche Veränderungen das Brustkrebsrisiko steigern und welche nicht, hat der Krebsinformatiosndienst in einem eigenen Text zusammen gestellt.

Erbliche Vorbelastung: Früherkennungsuntersuchungen häufiger und umfangreicher

Was tun, wenn Krebs möglicherweise in der Familie liegt? Frauen mit familiär vererbbarem Brustkrebsrisiko finden Informationen für ihre Situation in einem eigenen Text: "Krebsrisikofaktoren: Vererbung".

  • Wurde eine Genveränderung nachgewiesen, benötigen sie, unabhängig vom Alter, eine intensivere Überwachung.

Früherkennung nach Brustkrebs: Teil der Nachsorge

Frauen, die bereits einmal an Brustkrebs erkrankt waren, haben ein höheres Risiko als gesunde Frauen, einen zweiten Tumor auch in der anderen Brust zu entwickeln. Bei ihnen gehört die regelmäßige Untersuchung auf Veränderungen zur Nachsorge, mehr dazu hier.