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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebsverdacht: Wie geht es weiter?

Untersuchungsverfahren zur Abklärung eines Mammakarzinoms

Wie geht es weiter, wenn eine Frau einen Knoten in der Brust getastet hat? Was sind die nächsten Schritte, wenn bei einer Früherkennungsuntersuchung etwas Auffälliges gefunden wurde? Die meisten Frauen, bei denen der Verdacht auf Brustkrebs besteht, möchten möglichst schnell mehr über ihre Situation erfahren. Wichtig ist die Röntgenuntersuchung der Brust, die Mammographie. Allein anhand von Bildern lässt sich jedoch nicht sicher beurteilen, ob tatsächlich Brustkrebs vorliegt oder nicht. Welche Untersuchungen für eine gründliche Abklärung notwendig sind, erläutert der folgende Text.
Links führen zu ergänzenden Informationen. Auskünfte aus dem Internet können die persönliche ärztliche Beratung bei Verdacht auf Brustkrebs jedoch nicht ersetzen.

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Zuletzt überprüft: 27.09.2015

Quellen und Links

Links im folgenden Text führen zu ergänzenden und vertiefenden Informationen. Die genutzten Quellen sind am Textende aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen über Brustkrebs" bietet Quelleninformationen und Hinweise auf weitere Fachinformationen zur Diagnostik des Mammakarzinoms.

Überblick: Vom Brustkrebsverdacht bis zur Behandlungsplanung

Welche Untersuchungen sind wichtig?

Die wichtigste Untersuchung zur Abklärung eines Krebsverdachts ist die Mammographie. Nur einige sehr seltene Brustkrebsformen werden nicht in der Mammographie sichtbar. Und bei den meisten Frauen ist die Untersuchung auch vergleichsweise leicht durchführbar. Deshalb ist die Mammographie heute auch Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, der "Krebsvorsorge".

Die Röntgenuntersuchung der Brust lässt sich durch Ultraschalluntersuchungen oder Magnetresonanztomographien (MRT) zwar nicht ersetzen. Vor allem die Ultraschalluntersuchung kann jedoch ergänzende Informationen liefern. Bei Frauen unter 40 Jahren mit meist noch vergleichsweise dichtem Brustgewebe ist sie sogar die erste Untersuchung, wenn ein Brustkrebsverdacht entsteht, noch vor der Mammographie. Ist das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung eindeutig gutartig, kann sie die Mammographie nicht selten sogar überflüssig machen.
Die Magnetresonanzmammographie wird heute ebenfalls nur als ergänzende Untersuchung genutzt. Sie kommt infrage, wenn eine Mammographie keine eindeutigen Ergebnisse erbringt oder nicht durchführbar ist.

  • Bilder reichen allein aber nicht aus, um die Diagnose Krebs wirklich sicher zu bestätigen:

Endgültige Gewissheit liefert nur die Entnahme von kleinen Gewebeproben aus dem verdächtigen Bereich der Brust, eine so genannte Biopsie. Das entnommene Material wird unter dem Mikroskop auf Veränderungen hin untersucht.
Mit biochemischen und molekularbiologischen Verfahren lassen sich eventuelle weitere Abweichungen gegenüber normalem Gewebe beurteilen. 

Nur falls sich der Krebsverdacht bestätigt, kommen weitere Untersuchungen hinzu, um die Ausbreitung des Tumors besser beurteilen zu können.
Liegen alle Befunde vor, erhält man von den bisher einbezogenen Ärzten Vorschläge zur Behandlung, mehr dazu im Text "Behandlungsplanung".

Wie ist der zeitliche Ablauf, was muss man beachten?

Die Zeit vom ersten Brustkrebsverdacht bis zum Abschluss der Untersuchungen empfinden fast alle Frauen als sehr belastend. Hinzu kommt: Bis alle notwendigen Untersuchungen durchgeführt und ausgewertet sind, kann es dauern.
Was betroffene Frauen wissen müssen:

  • Selbst wenn es sich tatsächlich um  Brustkrebs handeln sollte – die Diagnose bedeutet keinen medizinischen Notfall, der sofortiger Behandlung bedarf.

Für die notwendigen Untersuchungen bleibt ausreichend Zeit. Aus organisatorischen wie technischen Gründen wäre eine Diagnosestellung über Nacht auch gar nicht zu leisten. Steht fest, dass es sich tatsächlich um Brustkrebs handelt, so sollte die Behandlung innerhalb von drei Wochen beginnen, nicht zuletzt wegen der psychischen Belastung, die eine längere Wartezeit mit sich bringen würde.

Die Kosten für die notwendigen Untersuchungen bei Krebsverdacht werden von allen Krankenversicherungen übernommen. Das gilt unabhängig vom Alter der betroffenen Frau: Altersgrenzen, wie sie für die Früherkennung von Brustkrebs und insbesondere für die Screening-Mammographie gelten, fallen hier weg.

Damit die ersten Befunde richtig eingeordnet werden können, sollte man den Ärzten vor einer Tastuntersuchung, einer Ultraschalluntersuchung oder der Mammographie folgende Informationen liefern: wann die letzte Periode war, ob man regelmäßige Monatszyklen mehr hat, oder ob man die Wechseljahre bereits hinter sich gebracht hat.
Der Grund: Das Brustgewebe verändert sich abhängig vom Hormonspiegel. Daher ist auch die Angabe wichtig, ob man schwanger ist oder stillt, ob man die "Pille" zur Empfängnisverhütung nimmt oder Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden.

Frauen, die ein Brustimplantat tragen, sollten am besten den Implantat-Pass mitbringen, oder vergleichbare Unterlagen mit Informationen über das bei ihnen verwendete Modell.

Wo findet man gute Ansprechpartner, wer führt die notwendigen Untersuchungen durch?

Wohin man sich zuerst wenden sollte,  hängt davon ab, wie der Brustkrebsverdacht entstanden ist: Hat man selbst einen Knoten getastet? Oder liegt schon ein Röntgenbild vor, weil man an einer Früherkennungsmammographie teilgenommen hat?

Dann sind Frauenarzt oder Frauenärztin die ersten Ansprechpartner. Sie können erste Untersuchungen vornehmen. Dazu gehören die Tastuntersuchung der Brust und der Achselhöhlen, und die Befragung nach Symptomen. Die meisten Frauenärzte verfügen auch über ein Ultraschallgerät in der eigenen Praxis, so dass auch diese Untersuchung oft schnell durchgeführt werden kann. Bei Bedarf überweisen sie dann zu spezialisierten Kollegen oder in die Ambulanzen von zertifizierten Brustzentren oder vergleichbar spezialisierten Krankenhäusern. Dort können dann weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

Um eine Abklärungsmammographie durchführen zu dürfen, benötigen Ärzte heute eine besondere Zulassung und müssen regelmäßige ihre Qualifikation nachweisen. Daher überweisen Gynäkologen für die Röntgenuntersuchung der Brust meist zu entsprechend zertifizierten Radiologen oder anderen Fachärzten mit Mammographie-Erlaubnis. 

Auch die Kernspin- oder Magnetresonanz-Mammographie wird in der Regel nur von spezialisierten Praxen oder Klinikambulanzen angeboten. 

In Brustzentren oder spezialisierten Praxen gibt es außerdem Ärzte, die sich auf die sogenannte Mammasonographie spezialisiert haben und über besonders hoch auflösende Ultraschall-Geräte verfügen. 

Die Ambulanzen von Brustzentren und ähnlich spezialisierten Krankenhäusern sowie spezialisierte größere Arztpraxen können auch eine Biopsie zur Entnahme einer Gewebeprobe durchführen, falls sich der Krebsverdacht nicht anders ausräumen lässt.

Betroffene Frauen erhalten dann zunächst eine Einladung zu einer weiteren Abklärung ins Mammographie-Zentrum, das die erste Untersuchung durchgeführt hat. Oft lässt sich der Krebsverdacht mit einer erneuten Mammographie oder einer Ultraschalluntersuchung ausräumen.
Gelingt dies nicht, ist eine Biopsie notwendig, und die Ärzte nennen Ansprechpartner. Betroffene Frauen können außerdem jederzeit den eigenen Frauenarzt um Rat fragen.

Abklärung: Wie geht es bei einem krebsverdächtigen Befund weiter?

Ergibt sich aus den geschilderten Untersuchungen ein starker Krebsverdacht? Dann  ist zur weiteren Abklärung eine Gewebeentnahme durch eine Biopsie notwendig.
Über die dazu notwendige apparative Einrichtung verfügen große spezialisierte Brustkrebs-Praxen sowie die Ambulanzen von Frauenkliniken und Brustzentren. Bei der Suche nach Adressen hilft der bisher behandelnde Frauenarzt weiter, auch die Krankenkassen können beraten. Mehr zur Suche nach guten Anlaufstellen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs" zusammengestellt, unter dem Stichwort "Ansprechpartner: Ärzte und Kliniken".

Bestätigt sich der Krebsverdacht, können gleich an der Biopsieprobe wichtige Gewebeuntersuchungen vorgenommen werden. Je nach Situation wird auch geprüft, ob sich ein Tumor eventuell schon über die Brust hinaus ausgebreitet hat, zum Beispiel durch Röntgenaufnahmen oder Ultraschalluntersuchungen. Alle Befunde zusammen bieten Patientinnen und Ärzten Anhaltspunkte dazu, welche Behandlung sinnvoll wäre.

  • Einzelheiten erläutern die folgenden Abschnitte. Bei Fragen steht der Krebsinformationsdienst außerdem am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.

Mammographie: Auch kleinste Tumoren werden sichtbar

Die Mammographie zur Abklärung von Symptomen oder Brustveränderungen wird als "kurative" Mammographie bezeichnet. Damit unterscheiden Fachleute sie von der "Screening"-Mammographie zur Krebsfrüherkennung. Die Beurteilung von Veränderungen wird bei der kurativen Mammographie detaillierter dokumentiert als bei der Früherkennungs-Mammographie, bei der nur zwischen "unauffällig" und "auffällig" = "kontrollbedürftig" unterschieden wird.

Wie die Mammographie-Untersuchung durchgeführt wird, welche Treffsicherheit sie bietet und warum die Strahlenbelastung bei Krebsverdacht vertretbar ist, hat der Krebsinformationsdienst in eigenen Texten zusammengestellt:

Lexikon: Einstufung der Mammographie-Befunde

Zur Einstufung der Mammographie-Befunde hat sich das so genannte BIRADS-System international durchgesetzt (die Abkürzung steht für das englische Breast Imaging Reporting and Data System). In Deutschland werden die einzelnen BIRADS-Stufen gelegentlich auch mit B1 bis B5 abgekürzt.
Was bedeuten diese Bezeichnungen, die zum Beispiel im Arztbrief stehen können?

  • BIRADS I steht  für einen unauffälligen Befund.
  • BIRADS II bedeutet eine gutartige Veränderung, ein Verdacht auf Krebs besteht aber nicht.
  • BIRADS III zeigt einen unklaren, aber eher gutartigen Befund an. Er sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.
  • BIRADS IV ist ein unklarer und auch verdächtiger Befund - mit einer Biopsie sollte eine Gewebeprobe entnommen und untersucht werden.
  • BI-RADS V steht für einen Befund, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Brustkrebs hindeutet. Die Diagnose muss aber noch durch eine Biopsie und Gewebeuntersuchung bestätigt werden.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Für junge Frauen und als Ergänzung zur Mammographie

Zwar kann die Sonographie die Mammographie in der Brustkrebsdiagnostik nicht ersetzen: Sie ist allein nicht zur Früherkennung oder zur Abklärung eines Krebsverdachts geeignet. Bei Frauen unter 40 Jahren, bei schwangeren oder stillenden Frauen sollte trotzdem eine Ultraschalluntersuchung v o r der Mammographie durchgeführt werden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Das Brustgewebe junger Frauen ist strahlenempfindlicher als das älterer Frauen. Ist der Ultraschall-Befund eindeutig gutartig, dann lässt sich die Strahlenbelastung der Röntgenuntersuchung vermeiden. Ein Beispiel dafür sind Zysten, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gewebe. Sie lassen sich im Ultraschall meist eindeutig erkennen, und sie sind bei jungen Frauen praktisch immer gutartig.

Nur wenn die Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung nicht ausreicht, muss bei jungen Frauen zusätzlich noch eine Mammographie folgen.

  • Bei jungen Frauen ist die Ultraschalluntersuchung noch aus einem weiteren Grund wichtig:  Bei ihnen ist die Brust hormonell bedingt oft noch sehr dicht. Mammographiebilder sind bei ihnen schwerer zu beurteilen als bei älteren Frauen mit lockerem Brustgewebe. Dann ergänzt der Ultraschall die Mammographie.

Auch wenn bei Frauen über 40 die Mammographie die wichtigere Rolle spielt: Auch bei ihnen können Ultraschallaufnahmen von Brust und Achselhöhlen zusätzlich sinnvoll sein. Hat eine Frau noch regelmäßige Monatszyklen, nimmt sie die "Pille" oder Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden, so kann ihr Brustgewebe ebenfalls noch so dicht sein wie das jüngerer Frauen.
Bei Frauen mit Brustimplantaten ist die Mammographie zwar wichtig, aber oft nicht so einfach durchführbar, mehr dazu hier. Auch dann kann ein Ultraschall die zunächst weniger komplizierte Untersuchungsmethode sein, ersetzt die Mammographie aber meist nicht.

  • Grundsätzlich gilt: Alle schwer beurteilbaren Befunde aus der Mammographie sollten zusätzlich durch Ultraschall abgeklärt werden.

Über Ultraschallgeräte verfügen fast alle Frauenärzte. Zur Mammasonographie können außerdem besonders empfindliche Geräte mit hoch auflösenden Schallköpfen eingesetzt werden. Sie stehen in spezialisierten Arztpraxen und Klinikambulanzen zur Verfügung.

In Studien werden zudem Erweiterungen der klassischen Sonographie auf ihre Eignung hin geprüft. Dabei handelt es sich meist um technische Weiterentwicklungen: Sie sollen die Genauigkeit der Bilder verbessern. Beispiele dafür sind etwa die sogenannte Sono-Elastographie, mit der sich die Gewebe-Elastizität prüfen lässt, oder die Farbdoppler-Sonographie, mit der auch die Blutgefäße in der Brust gut dargestellt werden können. Bisher sind solche und ähnliche Verfahren aber kein Standard.

Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT): Als Ergänzung ebenfalls möglich

Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Brust wird auch als Magnetresonanz-"Mammographie" bezeichnet, dann abgekürzt als MR-Mammographie oder MRM. Sie kommt wie die Ultraschalldiagnostik ohne belastende Strahlung aus. Trotzdem kann auch die MRM die Mammographie nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Sie ist nicht für jede Frau zwangsläufig notwendig.
Die Empfehlungen dazu, wann die Untersuchung eingesetzt werden sollte, beschränken sich zurzeit auf wenige Situationen:

  • wenn nach der normalen Diagnostik unklar ist, wie weit sich ein Tumor in das Brustgewebe und umliegende Gewebe hinein ausgebreitet hat,
  • wenn mehr als eine verdächtige Stelle in der Brust gefunden wurde,
  • wenn möglicherweise ein Tumor nicht in den Milchgängen der Brust entstanden ist, sondern, was deutlich seltener vorkommt, in den Drüsenläppchen, als sogenanntes lobuläres Karzinom.
  • Eine MRT-Untersuchung kann außerdem für Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe wichtig sein. Eine dichte Brust findet sich vor allem bei Frauen unter 40 Jahren oder bei älteren Frauen, die Hormone einnehmen.
  • Ist bei einer Frau mit Brustimplantaten eine normale Mammographie nur schwer durchführbar, oder waren keine guten Bilder möglich? Dann kann unter Umständen eine MRM durchgeführt werden.

Normalerweise ist für die MRT-Untersuchung keine besondere Vorbereitung erforderlich. Sie dauert je nach Untersuchungsumfang etwa eine Viertelstunde bis eine Stunde. Bei der Terminvereinbarung sollte man sich erkundigen, ob ein Kontrastmittel notwendig ist, mehr dazu hier.

Forschung: Sind noch aussagekräftigere Aufnahmen möglich?

Aktuell arbeiten viele Forschergruppen daran, die Aussagekraft der Untersuchung zu steigern. Ihr Ziel: Mehr Frauen als bisher soll bei Verdacht auf Brustkrebs eine Biopsie erspart werden. Denn aktuelle Modellrechnungen besagen: Unter 1.000 Frauen, die zum Mammographie-Screening gehen, werden zurzeit 12 Frauen biopsiert, doch nur bei 6 von diesen 12 Frauen bestätigt sich nach der Gewebeentnahme tatsächlich die Diagnose Brustkrebs.
Hat eine Frau bereits einen tastbaren Knoten oder andere Hinweise auf eine bösartige Veränderung, sehen die Zahlen anders aus. Doch auch hier gilt: Nicht jede getastete Veränderung ist gleich Krebs.

Ein Beispiel aus der aktuellen Forschung ist die sogenannte diffusionsgewichtete Magnetresonanztomographie – ein Verfahren, das noch genauer die Bewegung der bei der MRT "angeregten" Wassermoleküle verfolgt: Eine aktuelle Studie aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zeigt, dass sich mit diesem Verfahren bösartige Tumoren besser von gutartigen Veränderungen unterscheiden lassen.

  • Noch sind jedoch Fragen zur tatsächlichen Sicherheit offen: Daher unterzogen sich alle Frauen, die an der Studie teilnahmen, trotzdem noch einer Biopsie.

Bis das Verfahren zum Standard werden könnte und dann auch von den Kassen bezahlt wird, müssen noch weitere Daten gesammelt werden.
Dies gilt auch für weitere Verfahren, die zurzeit zur Ergänzung der Brustkrebs-Diagnostik geprüft werden, etwa die Positronenemissionstomographie (PET), die Thermographie, bei der Temperaturunterschiede auf Auffälligkeiten hinweisen sollen, oder weitere verbesserte Varianten der Mammographie und der MRT.

Gewebeuntersuchungen: Biopsie bei Verdacht auf Brustkrebs

Ist eine verdächtige Veränderung gut- oder bösartig? Zwar bietet die Mammographie oft schon deutliche Hinweise. Trotzdem bleibt eine Restunsicherheit: Frauen mit auffälligen Befunden (BIRADS IV und V) wird daher zur Untersuchung kleiner Gewebeproben nach einer Biopsie geraten. 
Eine Biopsie kann ambulant und bei örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Ein Krankenhausaufenthalt ist für die allermeisten Frauen nicht notwendig. Der kleine Eingriff geht relativ schnell und birgt kaum Risiken. Infrage kommen die Stanzbiopsie und die Vakuumbiopsie. Bei beiden Verfahren werden Proben mit einer Hohlnadel entnommen, die durch eine etwas größere Führungskanüle sicher an die richtigen Stelle in der Brust gelangt.
Ob der verdächtige Bereich auch tatsächlich bei der Biopsie getroffen wird, kontrollieren die Ärzte heute meist während der Untersuchung durch bildgebende Verfahren.

Planung

Heute die Ausnahme ist eine "offene Biopsie", bei der der Arzt einen kleinen Hautschnitt machen muss und den gesamten verdächtigen Bereich entnimmt. Notwendig wird diese kleine Operation nur, wenn eine normale Biopsie nicht durchführbar ist. Für den auch als Exzisionsbiopsie bezeichneten Eingriff sind eine Allgemeinnarkose und meist ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich.

Nicht mehr üblich ist eine sogenannte einzeitige Operation: Bis vor einigen Jahren wurde erst bei einer operativen Gewebeentnahme geklärt, ob tatsächlich Brustkrebs vorlag oder nicht. Die Patientin blieb solange in Narkose, bis das Ergebnis einer ersten mikroskopischen "Schnellschnittuntersuchung" vorlag. Bestätigte sich der Verdacht auf ein Mammakarzinom, wurde sofort weiteroperiert.

Vorbereitung vor einer Biopsie:

  • Bei der Terminvereinbarung sollte man sich erkundigen, wie viel Zeit man für die Biopsie insgesamt einplanen muss.
  • Der Arzt informiert darüber, ob danach eine besondere Schonung nötig ist, oder ob man gleich zurück in den Alltag und zur Arbeit kann.
  • Er kann auch abschätzen, wie lange es dauern wird, bis die Ergebnisse der Gewebeuntersuchungen vorliegen. Danach richtet sich der nächste Besprechungstermin.

Stanzbiopsie

Bei einer Stanzbiopsie verwenden Ärzte meist Nadeln, die etwa eineinhalb bis zwei Millimeter dick sind. So gelingt es, ausreichend viel Gewebe für die Brustkrebsdiagnostik zu gewinnen.
Zwar gibt es auch dünnere Nadeln, mit denen sich kleine Zellverbände absaugen lassen. Diese so genannte Feinnadel-Biopsie eignet sich aber nicht, wenn es um die Frage "Krebs oder nicht" geht. Sie wird manchmal zusätzlich eingesetzt, etwa um verdächtig aussehende Lymphknoten in der Achsel zu punktieren.

  • Angst vor größeren Schmerzen muss man bei der Stanzbiopsie nicht haben: Der Arzt betäubt die Haut und das darunter liegende Gewebe.

Dann schiebt er eine Führungskanüle bis zu dem verdächtigen Bereich vor. Um zu kontrollieren, ob der Bereich auch sicher getroffen wird, verfolgt der Arzt sie im Ultraschallbild. Bei nicht tastbaren und im Ultraschall nicht sichtbaren Veränderungen – etwa bei Mikrokalk - entnimmt der Arzt die Probe unter Röntgenkontrolle: Als Patientin sitzt oder liegt man vor dem Mammographiegerät, das ein Bild der Brust liefert.

Die Gewebeprobe selbst wird aber nicht mit dieser Führungskanüle entnommen: Sie dient nur als eine Art Schiene für die Biopsienadel. Und diese Nadel führt nicht der Arzt: Damit keine unnötigen Schmerzen oder Verletzungen durch zu tiefe Stiche entstehen und trotzdem der verdächtige Bereich sicher getroffen wird, verwenden Fachleute eine Art "Biopsie-Pistole". Die Nadel wird unter Druck mit hoher Geschwindigkeit ins Gewebe "geschossen".  Sie stanzt blitzschnell eine kleine zylinderförmige Gewebeprobe aus.

Mit nur einem Einstich der Führungskanüle durch die Haut lassen sich so auch mehrere Gewebeproben entnehmen. Bei tastbaren Veränderungen werden mindestens drei Stanzen aus unterschiedlichen Bereichen des verdächtigen Bezirks gewonnen, bei Herden mit verdächtigem Mikrokalk auch deutlich mehr.

Welche Nebenwirkungen und Folgen hat die Untersuchung? Nach der Untersuchung kann es zu Blutergüssen kommen, die sich aber normalerweise innerhalb weniger Tage zurückbilden. Der betroffene Bereich ist für einige Tage druckempfindlich, länger anhaltende Schmerzen sind die Ausnahme. Das Risiko einer Wundinfektion ist gering. Bei den meisten Frauen ist die Einstichstelle nach einigen Wochen kaum noch zu sehen. Wird die Biopsie unter Röntgenkontrolle durchgeführt, kommt eine gewisse - wenn auch kleine - Strahlenbelastung hinzu.

Vakuumbiopsie

Im Gegensatz zur Stanzbiopsie erlaubt die Vakuum-Biopsie die Entnahme von mehr Gewebe. Kleinere auffällige Befunde lassen sich so unter Umständen vollständig entfernen. Viele Praxen und Klinikambulanzen verfügen heute über die entsprechende technische Ausrüstung. 

  • Die stereotaktische Vakuumbiopsie wird vor allem dann empfohlen, wenn sich auf den Mammographie-Aufnahmen Mikrokalk zeigt.

Wie bei der Stanzbiopsie betäubt der Arzt die Haut der Brust und das darunter liegende Gewebe. Bei der Biopsie selbst liegt man auf dem Bauch auf einer Liege. Die Brust hängt durch eine Öffnung nach unten.

Wo die Veränderung in der Brust genau liegt, wird gleichzeitig mit einem bildgebenden Verfahren kontrolliert. Bei Mikrokalk muss dies die Mammographie sein, da sich Kalk nur im Röntgenbild zeigt. War die Veränderung nur in der Magnetresonanztomographie sichtbar, muss die Kontrolle auch mit einem MRT-Gerät erfolgen. Ultraschall ist möglich, wird aber seltener verwendet.

Ein Computer wertet die Bilder aus und "schießt" die Biopsienadel gezielt an die verdächtige Stelle. Unter Vakuum wird Gewebe durch eine seitliche Öffnung in die Nadel gesaugt, abgetrennt und nach außen transportiert. Bei den meisten Frauen werden mehrere Proben entnommen, dazu muss aber nur einmal die Haut durchstochen werden.
Ist die auffällige Brustveränderung eher klein und wird bei der Biopsie zum großen Teil entfernt, legen die Ärzte einen winzigen Clip oder Markierungsdraht ein. Falls es sich tatsächlich um Brustkrebs handeln sollte, lässt sich der betroffene Bereich bei einer Operation eindeutig wiederfinden.

Meist wird das entfernte Gewebe nach der Untersuchung noch einmal geröntgt, um sicherzustellen, dass bei der Biopsie der richtige Bereich getroffen wurde: Auffälliger Mikrokalk muss sich auch in der Probe wiederfinden.

Auch die Vakuumbiopsie verursacht nur selten länger anhaltende Schmerzen. Eine Wundnaht ist nicht erforderlich. Wegen der im Vergleich zur Stanzbiopsie etwas dickeren Nadel mit bis zu dreieinhalb Millimetern Durchmesser bleibt bei vielen Frauen aber eine kleine Narbe zurück. In den Tagen nach der Gewebeentnahme kann es zu Blutergüssen oder gelegentlich auch Nachblutungen kommen. Das Risiko für eine Wundinfektion ist gering. Wegen der Röntgenkontrolle kommt es zu einer geringfügigen Strahlenbelastung des Brustgewebes.

Zellstreuung durch Biopsie?

Zwar können bei einer Gewebeentnahme tatsächlich Zellen aus dem Tumor herausgelöst werden und an der Nadel hängen bleiben. Daher nutzen die Ärzte eine Führungskanüle, so dass die Probe an gar nicht mit dem weiteren Gewebe oder der Haut in Kontakt kommt. Zumindest theoretisch ist es trotzdem nicht auszuschließen, dass Krebszellen so ins weitere Brustgewebe gelangen, in die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf.

Bisher gibt es aber keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass dies bei Brustkrebspatientinnen auch tatsächlich zu Metastasen führt. Den Mammakarzinomzellen fehlen vermutlich die biologischen Voraussetzungen, an anderer Stelle anzuwachsen und so zur Quelle weiterer Tumoren zu werden.

Um jedes auch nur theoretisch denkbare Risiko auszuschließen, legen Ärzte den Einstichkanal bei der Biopsie nach Möglichkeit so, dass er bei einer später eventuell notwendigen Operation sowieso mit ausgeschnitten wird.

Auswertung der Untersuchungsergebnisse: Beurteilung der Befunde

Bei einer Biopsie gewonnene Gewebeproben schicken die Ärzte an ein spezialisiertes Pathologie-Labor. Dort wird das Gewebe unter dem Mikroskop begutachtet und auch mit biochemischen und molekularbiologischen Methoden untersucht. Bis das Ergebnis vorliegt, können einige Tage vergehen. Bei den meisten Frauen lässt sich durch diese Untersuchungen mit relativ großer Sicherheit klären, ob sie an Brustkrebs erkrankt sind oder nicht. Wie geht es dann weiter?

  • Wird für ein Mammakarzinom typisches Tumorgewebe gefunden, folgen Untersuchungen zur Ausbreitung der Erkrankung und die Planung einer Behandlung, mehr dazu im nächsten Abschnitt.
  • War das Gewebe gutartig? Dann empfehlen Fachleute betroffenen Frauen, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten erneut eine Mammographie oder je nach Situation auch eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Warum regelmäßige Kontrollen auch bei manchen gutartigen oder "benignen" Brustveränderungen notwendig sind, erläutert der gleichnamige Text.
  • Was, wenn der Befund zwar nicht auf Brustkrebs hindeutet, aber das Gewebe trotzdem bösartig oder "maligne" war? Gibt es andere Krebsarten, die auch in der Brust auftreten können? Viel seltener als Brustkrebs sind andere bösartige Gewebeveränderungen: Dazu können Sarkome gehören, die vom Bindegewebe ausgehen, mehr dazu im Text "Weichteilsarkome". Unter Umständen können sich auch Zellen eines Lymphoms in der Brust ansammeln, was sich beim Tasten durchaus wie ein Knoten anfühlen kann, mehr dazu im Text "Lymphome bei Erwachsenen".

Welche Tests sind wichtig, wenn Brustkrebszellen nachgewiesen wurden?

Collage: Mann im Labor, Erbmolekül DNA, Foto: Philip Benjamin, NCT-Heidelberg, © Grafik und Collage: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Welche Rolle spielen molekularbiologische Tests? © Collage: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Es gibt heute Dutzende von Tests, die man bei Brustkrebs durchführen könnte. Für die meisten Patientinnen sind nur vergleichsweise wenige Untersuchungen wichtig. Einige  kommen nur als Zusatzuntersuchung infrage, wenn die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie nicht eindeutig getroffen werden kann. Alle anderen spielen eher im Rahmen von Studien LINK eine Rolle – entscheidend für die Behandlungswahl sind sie nicht.

Fachleute teilen Tests danach ein, welche Aussagen die Ergebnisse ermöglichen:

  • Prädiktive Faktoren zeigen, welche Behandlung voraussichtlich wirken wird. 
  •  Prognosefaktoren lassen erkennen, wie aggressiv die Krankheit voraussichtlich verläuft.

Der Begriff "Tumormarker" spielt bei Brustkrebs kaum eine Rolle: Er steht für typische Stoffe, die Krebszellen abgeben, und die sich  in einer Blutprobe nachweisen lassen. Für Brustkrebs gibt es allerdings keinen so einfachen Bluttest - die Erkrankung lässt sich nicht anhand einer Blutuntersuchung diagnostizieren. Moderne molekularbiologische Verfahren werden heute eher zur Untersuchung von Gewebeproben eingesetzt. Statt von "Tumormarkern" sprechen Fachleute heute von "Biomarkern", wenn sie moderne prädiktive und Prognosefaktoren zusammenfassen.

  • Damit sich ein Test für die Brustkrebsdiagnostik eignet, reicht es allerdings nicht aus, dass er rein technisch funktioniert. 
  • Belegt sein muss auch, dass das Testergebnis einer Frau auch nutzt – weil man damit leichter abschätzen kann, wie sich die Krankheit entwickeln wird, weil sich die Therapie besser und individueller anpassen lässt, oder weil man anhand des Befundes eventuell auf eine Therapie verzichten kann, die voraussichtlich gar nicht wirken würde.

Untersuchungen, die diese Prüfung "bestanden" haben, werden in sogenannte Leitlinien aufgenommen: Solche Empfehlungen geben Fachgesellschaften regelmäßig auf der Basis des aktuellen Wissenstands heraus. Allerdings gibt es in Deutschland mehrere Fachgesellschaften, die am Thema Brustkrebs arbeiten, und so gibt es zurzeit auch mehrere Leitlinien (entsprechende Quellen im letzten Absatz).

Untersuchungen, die - allgemein anerkannt - wichtige Aussagen liefern, zahlt normalerweise die Krankenkasse. Bei einigen molekularbiologischen Tests gibt es zurzeit allerdings Unterschiede in der Bewertung des Nutzens. Hier hilft es nur weiter, direkte Rücksprache mit den behandelnden Ärzten und der Krankenkasse zu halten. 

  • Vorsichtig sollten betroffene Frauen allerdings immer sein, wenn ihnen für eine Untersuchung von vornherein Bargeld abverlangt wird, oder wenn sie online bestellt werden kann: Nicht wenige Tests, die vor allem im Internet beworben werden, haben keinen anerkannten Stellenwert in der Krebsmedizin.

In den folgenden Abschnitten sind Hintergründe zu einzelnen Untersuchungen und möglichen Ergebnissen aufgeführt.

Zytologie, Histologie, Grading: Zellen und Gewebe beurteilen

Was lässt sich unter dem Mikroskop an Gewebeproben erkennen? Untersucht werden sowohl Schnitte durch die gesamte Probe (Histologie) wie auch das Aussehen einzelner Zellen (Zytologie).

"In situ"-Gewebeveränderungen

Die Bezeichnung "in situ" bedeutet in etwa "am Ort" - die neu gebildeten Gewebe sind nicht in tiefere Strukturen der Brust hineingewachsen. Sie haben noch kein normales Gewebe zerstört.

  • Lobuläre Neoplasien (LN):
    Wird das veränderte Gewebe in den Drüsenläppchen gefunden, handelt es sich um eine lobuläre Neoplasie (LN). Von diesen Veränderungen gibt es wiederum mehrere Subtypen.
    Die früher übliche Bezeichnung für eine davon, das LCIS für "lobuläres Carcinoma in situ", ist nicht mehr gebräuchlich. Lobuläre Neoplasien sind kein Karzinom. Sie gelten aber als Hinweis auf ein vergleichsweise hohes Risiko und sollten regelmäßig kontrolliert oder entfernt werden.
  • Ductale in-situ-Karzinome (DCIS):
    Liegen die Veränderungen in den Milchgängen vor, haben diese aber noch nicht durchbrochen, bezeichnet man sie als duktales "Carcinoma in situ“ oder DCIS.
    DCIS galten lange als vergleichsweise harmlose Frühform von Brustkrebs. Diese Vorstellung ist in jüngerer Zeit viel diskutiert worden: Es scheint DCIS zu geben, die sich nie zu invasivem Brustkrebs weiter entwickeln, daher wäre eine Behandlung auch nicht notwendig. Aus Studien weiß man jedoch, dass DCIS andererseits - sehr selten - sogar zu Metastasen führen können, ohne dass sich die eigentlichen Brusttumoren je weiter entwickelt hätten.
    Bisher gibt es keine Möglichkeit, diese Entwicklung bei einer betroffenen Frau sicher vorherzusagen. Daher raten die Ärzte Frauen mit einem DCIS in der Regel zu einer Behandlung.

Invasive Karzinome

Tumoren, die über die Gewebestrukturen von Drüsenläppchen oder Milchgängen hinauswachsen und sie teilweise zerstören, bezeichnet man als invasive Mammakarzinome.
Hier gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Unterteilungen, je nach Aussehen des Gewebes:

  • Am häufigsten sind invasiv duktale Karzinome, also von den Milchgängen ausgehende, aber schon darüber hinaus wachsende Tumoren.
  • Lobuläre Karzinome sind seltener, sie gehen von den Drüsenläppchen aus.
  • Ebenfalls vergleichsweise selten sind sogenannte tubuläre, medulläre oder mucinöse Karzinome, sehr selten gibt es adenoid-zystische Karzinome, und weitere Untergruppen.

Waren erste Anzeichen der Erkrankung eine deutliche Hautrötung und Hautveränderungen, die eher wie eine Entzündung aussahen, spricht man von einem inflammatorischen Mammakarzinom. In Gewebeproben wird deutlich: Hinter diesen vermeintlichen Entzündungssymptomen stehen Tumorzellen, die die Lymphgefäße im betroffenen Gewebe verlegen.

In den Gewebeproben vieler Frauen werden auch verschiedene Zelltypen gefunden, dann spricht man von einer gemischten Histologie.

Grading

Als Grading wird der Grad der Abweichung der Tumorzellen und des Gewebes vom Normalzustand bezeichnet. Beurteilt werden das Wachstums- und Teilungsverhalten der Zellen und das Aussehen der Zellkerne. Das Grading liefert Hinweise auf das Risikopotenzial der Erkrankung, anhand des Wachstums- und Teilungsverhaltens der gefundenen Zellen. Eine Einstufung der Tumoren erfolgt in mehrere Grade (G1 = gut differenziert oder ausgereift bis G3 = schlecht differenziert, stark abweichend von normalen Zellen). Anhand solcher Werte lässt sich die weitere Behandlung an die Aggressivität des Tumors anpassen.

Erweiterte Befunde nach der Operation?

Nicht nur Biopsiegewebe, sondern auch das bei einer Operation entnommene Gewebe wird noch einmal auf diese Faktoren hin untersucht. Am Tumor selbst lässt sich auch klären: Ist der Tumor in Blut- und Lymphgefäße eingebrochen? Wurde alles Krebsgewebe "im Gesunden" entfernt, oder sind möglicherweise Tumorreste zurückgeblieben? Auch diese Befunde gelten als wichtige Prognosefaktoren.

Zum Befund hinzu gehören das Alter einer Frau, ob sie vor oder nach den Wechseljahren ist, und ob sie schlank oder übergewichtig ist. Je nachdem, welche weitere Behandlung geplant ist, spielt auch der allgemeine körperliche Zustand eine Rolle: Ist zum Beispiel eine Chemotherapie vorgesehen, werden die Ärzte das Herz sowie Nieren- und Leberfunktion prüfen.

Hormon-Rezeptoren: Wachstumsverhalten abhängig von Tumoren

Brustkrebs wächst bei vielen Frauen abhängig von Geschlechtshormonen. Daher lässt sich die Erkrankung auch hormonell behandeln.
Ob eine Antihormontherapie sinnvoll ist, muss aber vorab überprüft werden. Dazu weist man Hormon-"Rezeptoren" im Tumorgewebe nach. Die Untersuchung ist meist schon an Biopsieproben möglich, sie wird  ansonsten nach einer Operation am entfernten Tumorgewebe nachgeholt.
Hormonrezeptoren sind Bindungsstellen auf oder in den Zellen, an die Hormone "andocken" können. Brustkrebsgewebe wird auf Östrogen-Rezeptoren getestet, abgekürzt ER (vom englischen estrogen receptor), und auf Progesteron-Rezeptoren, abgekürzt (PgR oder PR).

  • Zeigt ein gewisser Anteil der Zellen in der Gewebeprobe eine Reaktion auf ein besonderes Markierungsverfahren für Hormonrezeptoren, so gilt der Tumor als hormonempfindlich (Abkürzung ER+ oder PgR+). Eine Hormonentzugstherapie wird allen Frauen mit einer solchen "hormonrezeptorpositiven" Erkrankung empfohlen. 
  • Ein Minuszeichen (-) hinter der Abkürzung bezeichnet hormonunsensible Tumoren. Betroffenen Frauen würde eine hormonelle Therapie voraussichtlich nichts nutzen.

HER2-Status: Auf gezielte Veränderungen prüfen

Anhand der Biopsieproben werden auch die sogenannten HER2-Rezeptoren bestimmt. Das sind Bindungsstellen für bestimmte Wachstumsfaktoren, die die Krebszelle zur Vermehrung antreiben. Trägt eine Krebszelle viele HER2-Rezeptoren, so reagiert sie besonders stark auf diese Wachstumsreize. Fachleute bewerten den Nachweis vieler Rezeptoren daher heute als Hinweis darauf, dass die Erkrankung aggressiv verlaufen könnte.

Die Rezeptoren lassen sich jedoch blockieren: Betroffenen Frauen kann es nützen, wenn sie entsprechende Medikamente erhalten. Diese Antikörper besetzen die HER2-Rezeptoren und stoppen damit den Wachstumsreiz, mehr dazu hier.
Sinnvoll ist eine solche Therapie nach den bisherigen Erfahrungen allerdings nur, wenn der Rezeptor sehr ausgeprägt vorkommt: Im Arztbrief finden betroffene Patientinnen zum Beispiel die Angabe "HER2 positiv" oder "HER2-Status +++/3+".
Die Angaben HER2-negativ", HER2-0", "HER2 +" bedeuten dagegen, dass keine oder nur wenige Rezeptoren auf den Tumorzellen gefunden wurden. Dann ist eine Behandlung mit zielgerichteten Antikörpern voraussichtlich nicht wirksam.
Ist der erste Test anhand der Biopsieprobe nicht eindeutig, wird die Untersuchung nach der Operation noch einmal an entnommenem Tumorgewebe wiederholt. Lautet der Befund "HER2++" oder "schwach positiv", veranlassen die Ärzte im Zweifelsfall weitere Untersuchungen. Diese sind zwar wesentlich aufwändiger und dauern länger, liefern aber unter Umständen doch noch aussagekräftige Ergebnisse.

Weitere molekularbiologische und genetische Eigenschaften: Tests noch nicht allgemein anerkannt

Es gibt eine Reihe weiterer molekularbiologischer Tests, die nicht für alle Frauen mit Brustkrebs wichtig sind. Sie werden zurzeit nur in besonderen Situationen angewendet. Über den Stellenwert einiger anderer Tests sind sich Experten zurzeit nicht ganz einig. Hier drei Beispiele:

  • uPA/PAI-1: Die Bestimmung dieser körpereigenen Substanzen als Biomarker erfolgt nur ausnahmsweise schon an Biopsieproben, meist aber erst an frischem Tumorgewebe nach der Operation. Das Ergebnis erleichtert es abzuschätzen, wie wahrscheinlich ein Rückfall innerhalb der nächsten zehn Jahre wäre. Experten sind sich in Deutschland wie in anderen Ländern derzeit uneins, ob der Test sinnvoll ist oder nicht.  Am ehesten kommt er für Frauen ohne befallene Lymphknoten infrage (N0). 
  • Sogenannte Proliferationsmarker zeigen an, wie schnell sich die Tumorzellen teilen. Ein Beispiel ist die körpereigene Substanz Ki-67. Auch hier gilt: Die verschiedenen Leitlinienkommissionen in Deutschland bewerten die Aussagekraft zurzeit unterschiedlich: die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie sprach 2013 eine Empfehlung für manche Situationen aus, andere Fachgesellschaften tun dies nicht. Bei diesem Test sind außerdem noch Fragen zur bestmöglichen Durchführung offen.
  • Genexpressionsprofile könnten zeigen, wie aktiv brustkrebstypische Erbanlagen in den Krebszellen sind. Werden typische Gene besonders häufig oder besonders selten "abgelesen", lässt sich daraus etwas über die voraussichtliche Entwicklung des Tumors ableiten, so die Hoffnung.

Viele dieser Tests werden bereits als Markenprodukte beworben und in Kliniken eingesetzt, obwohl sie so unterschiedlich bewertet werden Auch wer die Kosten trägt, ist nicht eindeutig geklärt.

  • Fragen zu diesen Tests, zu den verschiedenen Markennamen und zum aktuellen Stand der Nutzenbewertung beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail.

Wenn es tatsächlich Brustkrebs ist: Untersuchungen zur Ausbreitungsabschätzung

Ist die Suche nach Fernmetastasen für jede Frau wichtig, bei der sich die Diagnose Brustkrebs bestätigt hat? Die Antwort darauf lautet "nein". Hat eine Frau ein Karzinom im Frühstadium, sind viele weiterführende Untersuchungen schlicht nicht notwendig.
Ist ein Tumor groß, können weitere Untersuchungen dagegen sinnvoll sein. Einzelheiten sollten betroffene Frauen daher mit ihren Ärzten besprechen.

Allgemein kommen infrage:

Eine Untersuchung wird dagegen bei fast allen Frauen durchgeführt, allerdings meist erst bei der eigentlichen Operation: die Untersuchung eines oder mehrerer Lymphknoten.

Tumorabsiedlungen in Lymphbahnen und Lymphknoten

Ob Tumorzellen über die Brust hinaus in die umgebenen Lymphknoten vorgedrungen sind, gilt mit als wichtigster Prognosefaktor. Der so genannte Nodalstatus (N) gibt an, ob und wie viele Lymphknoten betroffen sind.

Auf die Entfernung zumindest eines Lymphknotens wird heute in der Regel nur verzichtet, wenn es sich um Vorstufen von Brustkrebs handelt (in-situ-Karzinome) oder eine Patientin bereits an einer fortgeschrittenen Erkrankung leidet, bei der bereits feststeht, dass Metastasen vorliegen.

Ist allerdings schon vorher deutlich, dass sich die Erkrankung auf die Lymphbahnen ausgebreitet hat? Dann können zur genaueren Abklärung einzelne Lymphknoten auch punktiert werden, zum Beispiel in der Achselhöhle. Dazu wird eine sogenannte Feinnadelbiopsie durchgeführt, mit einer Nadel, die wesentlich dünner ist als die bei der eigentlichen Brustbiopsie. Die Feinnadelbiopsie ist zwar unangenehm, tut aber nicht mehr weh, als es eine Schmerzspritze zur Betäubung des Gewebes auch tun würde. Die meisten Frauen verzichten daher auf eine solche Lokalanästhesie. Auch hier schickt der Arzt die entnommene Probe zur Untersuchung in ein spezialisiertes Labor. Ob die Probe Tumorzellen enthält oder nicht, erfährt man meist innerhalb weniger Tage.

Mikrometastasen

Wie beginnt bei Krebspatientinnen die Bildung von Metastasen? Woran erkennt man, dass dieser Prozess begonnen hat? Schon lange suchen Ärzte und Wissenschaftler nach Untersuchungsverfahren, mit denen sich die Bildung von Tochtergeschwülsten so früh wie möglich nachweisen lässt. Als sogenannte Mikrometastasen gelten bei Brustkrebs Tumorherde, die kleiner als zwei Millimeter, aber größer als 0,2 Millimeter im Durchmesser sind. Sie finden sich vor allem in Lymphknoten, die bei einer Operation entnommen werden. Zwar ist der Nachweis auch kleinerer Zellverbände und einzelner Zellen in Lymphknoten möglich, und ein solcher Befund wird auch in der Akte dokumentiert.

  • Für betroffene Patientinnen scheinen solche Mikrometastasen allerdings oft keine Konsequenzen zu haben.

Ärzte und Wissenschaftler empfehlen zum Beispiel keine gesonderte Bestrahlung der Achsel und weiterer Lymphabflussgebiete, solange keine größeren Tumorabsiedlungen gefunden werden. Auch auf die "Ausräumung" der gesamten Lymphknoten in der Achsel kann man, so neuere Studien, trotz Mikrometastasen vermutlich verzichten, ohne dass dies Nachteile hätte.
Der Nachweis von umfangreicheren Tumorabsiedelungen führt dagegen dazu, dass zur Untersuchung nicht nur ein Lymphknoten entfernt wird, sondern mehrere, um die weitere Tumorausbreitung zu stoppen, mehr dazu im Text "Lymphknotenentnahme".

Zirkulierende Tumorzellen

Da selbst sogenannte Mikrometastasen kaum Einfluss auf die Heilungschancen zu haben scheinen, ist auch der Nachweis einzelner Tumorzellen im Blut oder im Knochenmark umstritten. Welche Konsequenzen der Nachweis solcher "zirkulierender Einzelzellen" hat, ist derzeit unter Wissenschaftlern und Medizinern in der Diskussion.

Sie lassen sich zwar bei nicht wenigen Frauen finden. Gezielt nach ihnen zu suchen, scheint in der Brustkrebsdiagnostik jedoch keine bisher eindeutig belegten Vorteile für betroffene Frauen zu ergeben: Ob eine Frau später an Metastasen erkranken wird oder nicht, lässt sich bisher nur sehr bedingt aus dem Einzelzellnachweis ableiten. Offensichtlich fehlt vielen dieser Zellen noch die eigentliche Bösartigkeit, die sie zur Bildung von echten Tochtergeschwülsten befähigen würde.

  • Derzeit gilt der Nachweis von Tumorzellen, die in Blut oder Knochenmark zirkulieren, nicht als allgemein und international anerkannter Prognosefaktor. 
  • Der Nutzen wird aber weiter in Studien untersucht: Wenn überhaupt, sollte der Nachweis daher am besten unter Studienbedingungen stattfinden. Die Behandlung sollte man vom Ergebnis nur abhängig machen, wenn es keine anderen Grundlagen für die Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche, adjuvante Behandlung  nach der Operation gibt. Dies ist nur bei sehr wenigen Frauen der Fall.

Trotzdem gibt es Anbieter, die betroffenen Frauen den Nachweis einzelner, zirkulierender Tumorzellen anbieten, gegen private Rechnung. Erhält man ein solches Angebot, sollte man sich nicht nur vom Anbieter, sondern auch unabhängig beraten lassen und auch mit der Krankenversicherung Rücksprache halten.

Wie geht es weiter? Klassifikation und Stadieneinteilung bei Brustkrebs

Die Ergebnisse aller Untersuchungen sind Grundlage der Behandlungsplanung. Um zu beschreiben, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist, nutzen Ärzte und Wissenschaftler das so genannte TNM-System und geben das Krankheitsstadium an. Diese Klassifizierung ist international einheitlich.
Das TNM-System beschreibt, wie groß ein Tumor ist und wie tief er ins umliegende Gewebe eingedrungen ist(Angabe zu "T"). Angegeben wird außerdem, ob Lymphknotenbefall vorliegt ("N", von lateinisch Nodus = Knoten) oder Metastasen gefunden wurden ("M").
Die Bezeichnungen können noch verfeinert werden: Tis sind in-situ-Karzinome, T1 bis T4 beschreiben invasive Karzinome. Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten  werden mit N0 bis N3 angegeben. Für das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen stehen M0 oder M1. Ein x gibt an, dass ein Wert noch nicht beurteilt werden kann. Mx würde also bedeuten, man weiß noch nicht, ob Metastasen vorliegen oder nicht. Mikrometastasen erhalten ebenfalls eine besondere Kennzeichnung, da sie vermutlich kaum Konsequenzen für eine Frau haben.

Ärzte unterscheiden auch, ob die TNM-Einstufung nach den ersten Untersuchungen erstellt wurde, oder ob bereits eine Operation stattgefunden hat, bei der sie die Ausbreitung eines Tumors sicher erkennen können. Vorab stellen sie den TNM-Angaben ein "c" voran (für englisch: clinical, klinisch). Ist die Operation erfolgt und wurde das entnommene Tumorgewebe vollständig aufgearbeitet, kommt ein "p" vor die TNM-Angaben, für pathologisch oder postoperativ. Es gibt noch eine Reihe weiterer Zusätze, die besondere Einzelbefunde beschreiben können, aber nicht zwingend notwendig sind.

Stadieneinteilung

Ausgehend von der TNM-Einstufung erfolgt die Stadieneinteilung von 0 bis IV – sie fasst die TNM-Ergebnisse sozusagen zusammen. Das entsprechende System wurde von der Internationalen Union gegen Krebs entwickelt (englische Abkürzung UICC, www.uicc.org). Wie sieht diese Stadieneinteilung aus?

  • UICC-Stadium 0: duktales in-situ-Karzinom, ohne befallene Lymphknoten und ohne Metastasen (TisN0M0 = DCIS)
  • UICC I: ein kleiner invasiver Tumor ohne Befall von Lymphknoten oder Fernmetastasen (T1N0M0)
  • UICC II A: größere Tumoren ohne Lymphknotenbefall und Fernmetastasen (T2, N0, M0) oder kleinere Tumoren mit wenigen befallenen Lymphknoten oder befallene Lymphknoten, aber kein nachweisbarer Brusttumor (T0 bis 1, N1M0)
  • UICC II B: noch etwas größere Tumoren mit und ohne Lymphknotenbefall (T2N1M0 oder T3N0M0)
  • UICC III A: größere Tumoren und Tumoren jeder Größe mit befallenen Lymphknoten nicht nur in der unmittelbaren Umgebung der Brustdrüse (T0 bis T2, N2, M0 oder T3N1M0 oder T4-Tumoren, M0)
  • UICC III B: große Tumoren, unabhängig vom Befall von Lymphknoten, ohne Fernmetastasen (T4 mit N0, N1 oder N2, aber M0)
  • UICC III C: Unabhängig von der Tumorgröße immer dann, wenn es ausgedehnten Lymphknotenbefall, aber keine Fernmetastasen gibt (jedes T, N3, M0)
  • Stadium IV zeigt das Vorliegen von Fernmetastasen an (jedes T, jedes N, aber M1)

Eine Hilfe beim Verstehen von Befunden oder Arztbriefen bietet das Informationsblatt "Befunde verstehen". Es bietet einen Überblick über die wichtigsten Abkürzungen und Fachbegriffe, hier zum Laden und Lesen als PDF-Datei.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Auswahl, Stand 9/2015)