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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Risikofaktoren für Brustkrebs

Worauf können Frauen achten?

Kann man Brustkrebs wirksam vorbeugen? Dies ist eine Frage, die viele Frauen bewegt. Zwar werden viele Faktoren diskutiert, die die Entstehung eines Mammakarzinoms fördern könnten. Doch nicht alle lassen sich auch beeinflussen. Das Risiko ist zudem nicht in allen Lebensphasen gleich hoch. Womit gesunde Frauen heute rechnen müssen und was sie zur Vorbeugung tun können, erläutert der folgende Text.
Wichtig: Informationen aus dem Internet können die Beratung durch Ihren Arzt oder Ihre Ärztin nicht ersetzen. Wie hoch Ihr persönliches Brustkrebsrisiko ist, hängt von Ihrem Alter und  einigen weiteren individuellen Faktoren ab. Auch die Frage, ob Sie mit einem vererbbaren Risiko leben, lässt sich meist nur anhand einer Prüfung Ihrer persönlichen  Familiengeschichte beantworten.

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Quellen und Links

Eine Auswahl von Quellen ist am Ende dieses Textes aufgeführt. Links in diesem Text führen außerdem zu vertiefenden Informationen, in denen Publikationen und Hintergründe zu Einzelfragen aufgeführt sind.

Risiken: Was ist bekannt, was widerlegt - ein Überblick

Was beeinflusst das Risiko zu erkranken? Zu den Auslösern von Brustkrebs sind noch viele Fragen offen. Es ist nahezu unmöglich, bei Patientinnen mit Mammakarzinom im Nachhinein einen einzelnen, besonderen Anlass für die Tumorentstehung auszumachen.
Aus großen Studien lassen sich folgende Faktoren ableiten, die das Erkrankungsrisiko einer Frau beeinflussen: 

  • Lebensalter 
  • hormonelle Situation 
  • Lebensstil 
  • möglicherweise ererbte Risikogene

Alter und Statistik: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken?

Eine häufig in den Medien zitierte Aussage lautet, etwa jede achte Frau müsse mit Brustkrebs rechnen. Stimmt diese Schätzung?
Diese Berechnung ist in etwa richtig - sie gilt so aber nur für die gesamte Lebensspanne, und sie wird bezogen auf eine Lebenserwartung von mindestens 80 Jahren. 
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist zudem nicht in jedem Lebensabschnitt gleich hoch: 

  • Im Alter von 35 Jahren muss eine von 110 Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken. 
  • Mit 45 ist es eine von 47,
  • mit 55 erhält innerhalb der nächsten zehn Jahre eine von 31 Frauen die Diagnose. 
  • Mit 65 Jahren ist das Risiko am höchsten: Eine von 27 Frauen wird bis zum Alter von 75 betroffen werden. 
  • Danach sinkt das Risiko wieder leicht ab. 

Diese und weiter Zahlen sind abrufbar beim Zentrum für Krebsregisterdaten unter www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html.

Wichtig ist aber auch: Obwohl die Zahl betroffener Frauen insgesamt steigt, sterben heute weniger Patientinnen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren. Diese Verbesserung ist vermutlich auf bessere Therapien zurückzuführen. Ob auch die veränderten Früherkennungsangebote dazu beigetragen haben, lässt sich zurzeit noch nicht abschätzen. 

Hormone: Einfluss in jedem Lebensalter

Bei der Mehrzahl der erkrankten Frauen reagieren die Tumorzellen auf Hormone. Dass der Spiegel der Geschlechtshormone sich lebenslang auf die Entstehung auswirkt, lässt sich auch an Statistiken ablesen.

Was bedeutet dies für die Vorbeugung?
Wie ihr Hormonspiegel aussieht, das kann eine Frau nur zum Teil beeinflussen, etwa über ein möglichst normales Gewicht oder über die Entscheidung, ihre Kinder zu stillen. Dazu gehört auch die Entscheidung,  in den Wechseljahren auf eine Hormonersatztherapie möglichst zu verzichten.

Grundlegende Dinge sind beim Hormonspiegel jedoch genetisch festgelegt: Je länger eine Frau mit dem zyklischen Auf und Ab der Spiegel von Östrogenen und Gestagenen lebt, desto höher ist für sie die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken. Eine frühe erste Regelblutung (Menarche) und ein spätes Einsetzen der Wechseljahre (Klimakterium mit anschließender Menopause) gelten als risikosteigernd: Sie bestimmen die Zeitspanne, in der eine Frau monatlich schwankenden Hormonspiegeln ausgesetzt ist.

Die Familienplanung wirkt sich indirekt ebenfalls über die Hormone aus, durch die Anzahl der Schwangerschaften und die Dauer von Stillperioden - je mehr Kinder eine Frau ausgetragen hat und je länger sie stillt, desto niedriger ist ihr Brustkrebsrisiko.

Die längerfristige Einnahme der "Pille" zur Empfängnisverhütung kann einen ungünstigen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko haben, auch wenn die Risikosteigerung insgesamt eher gering ausfällt. Dieser Effekt wird allerdings zumindest statistisch aufgewogen durch den Schutz, den die hormonelle Verhütung vor anderen Krebsarten bietet.

Wie sieht es mit einer Kinderwunsch-Behandlung aus, bei der oft über längere Zeit viele Hormonmedikamente notwendig sind? Nach bisheriger Datenlage scheint dies das Brustkrebsrisiko nicht pauschal zu beeinflussen. Doch noch sind dazu Fragen offen: Nicht alle Medikamente wirken gleich, und wie viele Hormone eine Frau bei einer Kinderwunschbehandlung benötigt, hängt auch von ihrer individuellen Situation ab.

Eindeutig risikosteigernd ist die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden. Auch die Einnahme von pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln mit so genannten Phytohormonen sehen Fachleute kritisch: Das Gefährdungspotenzial vieler Substanzen ist möglicherweise höher als lange angenommen - die Anwendung ist vor allem für Frauen in und nach den Wechseljahren nicht ohne Risiko.

Lebensstil: Ernährung und Bewegung

Die Forschung zum Einfluss des Lebensstils auf das Brustkrebsrisiko hat in den letzten Jahren in einigen Bereichen mehr Fragen aufgeworfen, als sie beantworten konnte:
Aus großen Beobachtungsstudien an Frauen, die aus Asien in die USA eingewandert waren und deren Brustkrebsrate stark anstieg, hatte man lange auf einen ungünstigen Einfluss zum Beispiel ungesunder "westlicher" Ernährung geschlossen.

Neuere Forschungen haben hier zu einem differenzierteren, aber keineswegs klareren Bild geführt:
Ob sich eine Frau reich an Obst und Gemüse ernährt oder ob sie dies nicht tut, scheint für ihr Brustkrebsrisiko beispielsweise keine Rolle zu spielen.
Unklar ist auch der tatsächliche Effekt natürlicher Phytoöstrogene, also pflanzlicher Hormone in Lebensmitteln - noch ist die Diskussion dazu nicht abgeschlossen, ob sie vor Brustkrebs schützen oder das Risiko nicht sogar steigern.

Einen eindeutig ungünstigen Einfluss haben dagegen Bewegungsmangel und Übergewicht.

  • Übergewicht scheint hauptsächlich nach den Wechseljahren risikosteigernd auszuwirken, und vor allem auf das Risiko für Brustkrebs, bei dem die Tumorzellen auf Östrogen reagieren ("Östrogenrezeptor-positive" Tumoren).
  • Einen schützenden Effekt hat in diesem Alter aber regelmäßige Bewegung, so zeigen immer mehr Studien.

Alkohol beeinflusst die Brustkrebsrate ebenfalls : Je mehr eine Frau konsumiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken - eventuell besteht dieser Zusammenhang auch über den Energiehaushalt, eventuell gibt es aber auch einen gesonderten direkten Effekt von Alkohol.
Rauchen und Passivrauchen sind zwar ungesund, ein Zusammenhang mit der Entstehung von Mammakarzinomen ist dagegen noch nicht wirklich sicher belegt - er lässt sich zurzeit allerdings auch nicht ausschließen. Die bisher vorliegenden Daten deuten einen schwachen Zusammenhang vor allem mit Brustkrebs bei Frauen vor den Wechseljahren an.

Umweltfaktoren, Psyche, Ansteckung: Einflüsse nicht belegt

Umweltfaktoren spielen eine weit geringere Rolle, als viele Frauen annehmen oder es gelegentlich in Zeitungen oder Zeitschriften zu lesen ist.
Auch Stress, belastende Lebenssituationen oder Depressionen haben an der Erkrankung keinen belegbaren Anteil, so zumindest der aktuelle Kenntnisstand.

Vor einigen Jahren vermuteten Forscher, Brustkrebs könne durch Viren gefördert werden. Inzwischen gilt dies als ziemlich unwahrscheinlich. Brustkrebs ist auch nicht ansteckend - niemand muss vor dem Kontakt mit einer erkrankten Frau Angst haben.

Vererbung: Nur für wenige Frauen ein Risiko

Obwohl in den Medien viel über die Forschung zum Einfluss von Risikogenen auf die Brustkrebsentstehung zu erfahren ist: Die "Brustkrebsgene" BRCA1 und BRCA2, die das Risiko deutlich steigern und in der Familie vererbt werden können, spielen vermutlich nur bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen einen Rolle.
Man kennt inzwischen allerdings einige weitere Genveränderungen, die an der Brustkrebsentstehung beteiligt sein können. Sie scheinen sich weniger deutlich auf das Risiko auszuwirken, ihr tatsächlicher Einfluss ist noch unklar.

Gutartige Brustveränderungen: Meist reicht Kontrolle

Zu Beunruhigung vor allem junger Frauen tragen oft gutartige Brustveränderungen bei. Zysten oder Schwellungen sind vor den Wechseljahren relativ häufig. Bis auf wenige Ausnahmen bedeuten solche Veränderungen aber keine besondere Steigerung des Krebsrisikos. Wenn man das erste Mal bemerkt, dass sich eine Brust anders anfühlt als sonst, sollte man aber zur Sicherheit mit Arzt oder Ärztin darüber sprechen.

Andere Vorerkrankungen und ihre Behandlung: Bestrahlung steigert Risiko

Frauen, die als Kind oder Jugendliche eine Bestrahlung im Brustbereich erhalten haben, leben ebenfalls mit einer leicht höheren Wahrscheinlichkeit, später an Brustkrebs zu erkranken.
Betroffen sind davon rein statistisch vor allem Frauen, die an einem Hodgkin-Lymphom erkrankt waren und eine sogenannte Mantelfeld-Bestrahlung erhalten hatten. Diese Form der Radiotherapie zielt auf versteckte Krebszellen in Hals, Brust und Achselhöhlen.
Heute wird meist weniger umfangreich bestrahlt: Die Ärzte versuchen, das Brustdrüsengewebe junger Frauen mit einem Lymphom möglichst zu schonen.

  • Frauen, die bereits einmal eine Strahlentherapie des Oberkörpers erhalten hatten, sollten ihre Frauenärzte davon informieren.

Vorbeugen: Das können Sie zur Senkung Ihres Brustkrebsrisikos tun

Lebensstil:
Achten Sie auf Ihr Gewicht. Vermeiden Sie eine Gewichtszunahme, vor allem wenn Sie die Wechseljahre schon hinter sich haben, oder bauen Sie Übergewicht ab. Trinken Sie möglichst wenig Alkohol. Sorgen Sie für viel und regelmäßige Bewegung, vor allem nach den Wechseljahren.

Kinderwunsch und Familienplanung:
Wenn Sie ein Kind bekommen, stillen Sie es nach Möglichkeit. Ist Ihre Familienplanung abgeschlossen: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Verhütungsmethode für Sie am günstigsten ist. 

Hormone in den Wechseljahren:
Verzichten Sie nach Möglichkeit auf eine Hormonersatztherapie zur Linderung von klimakterischen Beschwerden. Nahrungsergänzungsmitteln mit Phytoöstrogenen oder anderen hormonell wirksamen Stoffen werden ebenfalls nicht empfohlen.
Wenn Sie sich doch zur Einnahme von Hormonen entscheiden: Nehmen Sie diese gegen Wechseljahresbeschwerden nur so lange ein, wie es für Sie absolut notwendig ist.

Chemoprävention: Gibt es vorbeugende Medikamente?

Die Idee, mit schützenden Medikamenten Brustkrebs vorzubeugen, ist auch für Brustkrebs nicht neu. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass diese Möglichkeit wirklich besteht.

In Studien geprüft wurden zum Beispiel hormonell wirksame Medikamente. Dabei handelt es sich um Stoffe, die sonst nur zur Behandlung einer Brustkrebserkrankung eingesetzt werden: Sie blockieren die Wirkung von Östrogen. Man erhoffte sich, zumindest bei Frauen mit sehr hohem Erkrankungsrisiko einen vorbeugenden Effekt.

Die Studien zeigen aber auch: Dieser Schutz wird  mit dem Risiko aller Nebenwirkungen erkauft, die eine antihormonelle Therapie haben kann. Dazu gehören vor allem Beschwerden, wie sie sonst nur in den Wechseljahren auftreten. In Studien zeigte sich, dass viele Frauen die Einnahme der Medikamente daher nach einiger Zeit abbrachen.

Bisher gibt es in Deutschland keine generelle Empfehlung zu dieser vorbeugenden Hormonbehandlung.

Nicht zu bewahrheiten scheint sich eine andere Hoffnung: Sogenannte Bisphosphonate werden seit einiger Zeit als Brustkrebsschutz diskutiert. Diese Medikamente werden eigentlich gegen Osteoporose eingesetzt, also gegen schwerwiegende Knochenveränderungen.
Doch in einigen Studien zeigte sich: Bei Frauen nach den Wechseljahren schien Brustkrebs seltener aufzutreten, wenn sie regelmäßig Bisphosphonate einnahmen. Neuere Studien, in denen die Wirkung gezielt untersucht wurde, sprechen wiederum dagegen. Und: Bisphosphonate sind nicht zur Brustkrebsvorbeugung zugelassen, sie können auch Nebenwirkungen haben.

Ebenfalls keinen Nutzen haben Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel, etwa mit sogenannten Phytoöstrogenen - diese können möglicherweise sogar schaden.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Fachinformationen und Quellen (Auswahl, Stand 6/2016)

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