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Pflege zu Hause, Foto: Yellow Dog Productions/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner

Um die Pflege Krebskranker zu Hause zu organisieren, können Betroffene und ihre Angehörigen auf ein ganzes Netzwerk von Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen. Die Versorgungskette beginnt bei Hausarzt oder onkologischem Facharzt, der die ambulante medizinische Versorgung übernimmt. Sie bezieht qualifizierte Pflegedienste mit ein. Eine Rolle spielen aber auch Apotheken und Sanitätshäuser als Lieferanten von Medikamenten und Hilfsmitteln. Wichtige Partner sind die Krankenversicherungen, zum Beispiel als Ansprechpartner bei sozialrechtlichen Fragen. Eine gute Abstimmung aller Beteiligten untereinander ist notwendig, um unnötige Belastungen - auch finanzieller Natur - zu vermeiden. Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, trägt die rechtzeitige Abstimmung dazu bei, gute andere Möglichkeiten zu organisieren.
Der folgende Text nennt eine Auswahl wichtiger Ansprechpartner für Krebskranke und ihre Angehörigen, bietet Links zu den genutzten Quellen und zu weiteren Informationsseiten im Internet sowie Hinweise auf kostenlose Broschüren.

Letzte Aktualisierung: 24.01.2013

Ansprechpartner vor der Entlassung aus der Klinik

Wie viel Pflege eine Patientin oder ein Patient benötigen wird, wenn er aus der Klinik entlassen wird, muss mit den behandelnden Ärzten rechtzeitig besprochen werden. Bei einem solchen Gespräch sollte auch die häusliche Situation kurz geschildert werden: So lässt sich abklären, ob eine kurz- oder längerfristige Unterstützung zu Hause gewährleistet ist, und ob die Wohnverhältnisse die Entlassung auch dann zulassen, wenn sich ein Krebskranker (noch) nicht selbst versorgen kann.

Das Stationsteam vermittelt zudem Kontakt zum Kliniksozialdienst, einer Einrichtung, die es heute an allen Tumorzentren und größeren Krankenhäusern gibt. Dessen Mitarbeiter informieren zu  vielen Fragen, die bei und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auf Krebspatienten zukommen können. Dazu gehören Themen wie

  • die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten Anschlussrehabilitation (AR, auch Anschlussheilbehandlung, AHB),
  • die Beantragung eines Schwerbehinderten-Ausweises,
  • professionelle Pflege zu Hause oder Unterstützung und Schulung von Angehörigen, wenn diese die Versorgung selbst übernehmen, sowie
  • stationäre Kurzzeit- oder Dauerpflege oder Betreuung in Hospizen oder auf Palliativstationen, wenn eine Pflege zu Hause nicht möglich ist.
  • Soweit notwendig, können mit den Kliniksozialdiensten auch weitere finanzielle und sozialrechtliche Fragen geklärt werden. Dazu gehört etwa das Ausstellen einer Vorsorgevollmacht, wenn ein Patient sich noch einige Zeit nicht selbst um seine finanziellen Angelegenheiten kümmern kann.
  • Der Kliniksozialdienst hilft auch bei den ersten Anträgen zur Finanzierung der häuslichen Krankenpflege oder der stationären Pflege. Er informiert über die nächsten Schritte nach der Entlassung, die zur Sicherstellung einer Kostenübernahme für Pflegeleistungen oder Rehabilitationsangebote durch die Versicherungen notwendig sind.

Beratung, Information, Unterstützung

Als Ansprechpartner in der Klinik steht außer dem Kliniksozialdienst meist ein psychologischer Beratungsdienst zur Verfügung: Er wird entweder durch Mitarbeiter der Klinik direkt angeboten, oder man kann nach Vereinbarung mit Psychologen oder Psychotherapeuten eines sogenannten Konsiliardienstes sprechen, die im Auftrag der Klinik tätig sind.
In den meisten Krankenhäusern sind zudem Klinikseelsorger verschiedener Konfessionen tätig.

Vor der Klinikentlassung sollte zudem geklärt sein, welcher Arzt zu Hause die medizinische Betreuung übernimmt und die weiteren Verordnungen von (Pflege-)Leistungen und Unterstützungsmöglichkeiten ausstellt.

Brückenpflege oder Überleitungspflege

Um keine Lücke zwischen der Versorgung in der Klinik und zu Hause entstehen zu lassen, wurde vor einigen Jahren das Konzept der so genannten Brückenpflege geschaffen. Sie wird auch als Überleitungspflege bezeichnet und ist eine besondere Einrichtung größerer Kliniken. Sie betreut die Patienten in der Phase der Krankenhausentlassung und organisiert die erste Zeit zu Hause.

Entsprechende Angebote standen lange nur in Baden-Württemberg zur Verfügung. Inzwischen gibt es vergleichbare Angebote aber immer häufiger auch von den größeren Krankenhäusern und Krebszentren in anderen Bundesländern. 

Die Brücken- oder Überleitungspflege ist  zum einen Entlassungsorganisation. Sie kann

  • durch Beratungsgespräche mit Patienten und deren Angehörigen den Betreuungsumfang klären und die Möglichkeit einer häuslichen Versorgung aufzeigen,
  • Unterstützung wie etwa ein Hausnotrufsystem oder "Essen auf Rädern" beschaffen,
  • Hilfsmittel für die Pflege und die Unterstützung des Patienten besorgen,
  • die ersten Kontakte aufnehmen zu Hausarzt, Sozialstationen und ambulanten Pflegediensten, ambulanter Hospiz-Hilfe oder Schmerzambulanzen.

Auf Dauer pflegebedürftig?

Die genannten Ansprechpartner bieten zumindest noch so lange Unterstützung, bis die häusliche Krankenpflege oder eine anderweitige Versorgung gut funktioniert.

Ist absehbar, dass ein Krebspatient auf Dauer pflegebedürftig bleiben wird, kann es allerdings sinnvoll sein, Leistungen aus der Pflegeversicherung und nicht der Krankenversicherung zu beantragen. Über die entsprechende Antragsstellung informieren die Kliniksozialdienste und die Krankenkassen. Zur unabhängigen Beratung stehen auch die regionalen Pflegestützpunkte zur Verfügung. Die Adresse des nächstgelegenen Pflegestützpunktes nennt die Gemeinde oder die Krankenkasse.

Weitere Informationen bietet das Bundesministerium für Gesundheit unter www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegeversicherung.html.

Sind Krebspatienten wegen eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums auf Dauer pflegebedürftig, kann dies für Angehörige und Freunde sehr belastend werden. Insbesondere bei älteren Krebspatienten kommen neben der Krebserkrankung oft noch Vorerkrankungen hinzu: Viele waren deshalb schon vor ihrer Krebserkrankung in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Was bei der Behandlung und Versorgung älterer Krebspatienten berücksichtigt werden sollte, hat der Krebsinformationsdienst unter dem Stichwort "Krebs im Alter" zusammengestellt.

Die Betreuung eines pflegebedürftigen älteren Menschen ist verantwortungsvoll und anstrengend. Die häusliche Fürsorge kann pflegende Angehörige leicht an die eigenen Belastungsgrenzen führen. Gereiztheit und Widerwillen, Erschöpfung und Mutlosigkeit, aber auch Schlafstörungen und Schmerzen können häufige Folgen von seelischer Überlastung sein. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert im Rahmen des Bundesaltenplans ein Internetportal www.pflegen-und-leben.de. Dort bieten geschulte Mitarbeiter psychologische Online-Beratung.

Ansprechpartner für die Versorgung zu Hause

Der wichtigste Ansprechpartner für daheim betreute Patienten und pflegende Verwandte oder Freunde ist der Arzt, der die medizinische Versorgung und Überwachung vor Ort übernehmen soll. Dies können Hausärztin oder Hausarzt sein oder auf die ambulante Krebsbehandlung spezialisierte Fachärzte.

Hausärztin oder Hausarzt knüpfen das Versorgungsnetz für zu Hause gepflegte Patienten und vermittelt zwischen den verschiedenen Ansprechpartnern. Sie können auch bei der Auswahl einer Sozialstation oder eines Pflegedienstes vor Ort helfen.

  • Die Ärzte stellen die entsprechenden Verordnungen für die Pflegeleistungen aus, damit die Kosten von der Versicherung übernommen werden können.
  • Sie sind zuständig für die medizinische Weiterbehandlung und den Kontakt mit dem bisher behandelnden Krankenhaus. Sie übernehmen, wenn notwendig, entweder selbst eine Schmerztherapie oder ziehen spezielle Schmerztherapeuten hinzu, und
  • sie verordnen bei Bedarf weitere Leistungen, etwa Physiotherapie.
  • Können Hausärzte gemeinsam mit Pflegediensten die Versorgung nicht im nötigen Umfang sicherstellen, überweisen sie an Fachärzte, die sich auf die ambulante Versorgung von Krebspatienten spezialisiert haben.

Pflegeberatung: Regionale Pflegestützpunkte

Seit 2009 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Pflegeberatung. Zur Umsetzung wurden die regionalen Pflegestützpunkte geschaffen, die Hilfestellung bei der Organisation ambulanter Pflege bieten. Sie sind nicht nur für gesetzlich Versicherte, sondern auch für privatversicherte Krebspatienten eine wichtige Anlaufstelle. Die nächst gelegene Stelle erfahren Patienten und Angehörige von der Stadt oder Gemeinde oder von ihrer Krankenversicherung.

Pflegedienste: Tägliche Hilfe

Sozialstationen und Pflegedienste spielen bei der vorübergehenden oder dauerhaften Versorgung von Krebspatienten eine wichtige Rolle. Noch vor wenigen Jahren waren es überwiegend die Kirchen, die als Träger von Sozialstationen auftraten. Heute bieten die meisten Sozialverbände ebenfalls Pflegedienste an, und es gibt eine Vielzahl von freien Anbietern. Adressen können im jeweiligen Branchenverzeichnis des Telefonbuches nachgeschlagen werden. Wichtiger Ansprechpartner bei der Suche nach einem Pflegedienst ist auch der Hausarzt. Die Krankenkassen bieten in den Geschäftsstellen und auf ihren Internetseiten ebenfalls Hilfe bei der Suche an. 

Pflegedienste übernehmen oder unterstützen die Grundpflege, also zum Beispiel das Waschen. Ihre Aufgabe ist vor allem die Behandlungspflege, also etwa der Verbandwechsel oder die Medikamentengabe. Sie helfen bei Bedarf in der Ernährungstherapie (Sondenernährung, Infusionen), bei der Schmerzbehandlung und vielem mehr.
Sie unterstützen, je nach Verordnung durch den Arzt, aber auch bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, bestellen "Essen auf Rädern", leisten Beratung und Unterstützung bei der Beschaffung von geeigneten, verordnungsfähigen Hilfsmitteln sowie Verbrauchsmaterialien für die Pflege, und sie nennen weitere Möglichkeiten der Entlastung von pflegenden Angehörigen.
Die Mitarbeiter sind examinierte Pflegefachkräfte, die je nach Aufgabe von hauswirtschaftlichen Fachkräften und auch Hilfskräften unterstützt werden, zum Beispiel im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes.

Hilfe bei der Suche nach einem Pflegedienst bieten die Krankenkassen. Über deren Internetseiten sind auch die Ergebnisse der regelmäßigen Qualitätsprüfungen zugänglich, denen sich die Dienste unterziehen müssen. Suchportale bieten zum Beispiel

Bei sehr schwerer Erkrankung: Hospize, spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Hospize und ambulante Hospizpflegedienste sind mit der Pflege und Betreuung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen vertraut. Eine Liste mit Links zu Ansprechpartnern hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser" im Text "Palliativmedizin und häusliche Pflege: Adressen, Links, Anlaufstellen" zusammengestellt.

Schwerstkranke Menschen mit gesetzlicher Krankenversicherung haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine sogenannte "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung", abgekürzt SAPV. Sie zielt darauf ab, auch bei Bedarf an hochprofessioneller Unterstützung nicht ins Krankenhaus zu müssen, sondern zuhause oder in vertrauter Umgebung bei der Familie versorgt werden zu können. Dazu wurden besondere Teams geschaffen, mit Ärzten und Pflegediensten, die eng zusammenarbeiten und bei Bedarf auch Hospizdienste mit einbeziehen. Voraussetzung für die SAPV ist die Verordnung durch Arzt oder Krankenhaus. Als "vertraute Umgebung" sieht die Regelung nicht unbedingt nur die eigene Wohnung an: Die SAPV kann unter Umständen auch helfen, wenn Krebspatienten vor ihrer Erkrankung bereits pflegebedürftig im Heim lebten, die Pflege dort aber nicht auf die Versorgung Schwerstkranker eingerichtet ist.  Auch die vorübergehende Pflege in einem Hospiz oder bei Verwandten ist im Rahmen der SAPV-Richtlinien möglich.

Krankenversicherung

In alle Fragen der häuslichen Krankenpflege muss die zuständige gesetzliche Krankenkasse oder die private Krankenversicherung mit einbezogen werden.

Die Versicherungen bieten rechtssichere Information: Sie sind die Ansprechpartner für entsprechende Anträge auf Unterstützung zur häuslichen Krankenpflege, zur Versorgung im Rahmen der Pflegeversicherung oder der Kurzzeitpflege. Sie informieren außerdem über die Verordnungsmöglichkeiten von Pflegeleistungen, Physiotherapie oder anderen unterstützenden Maßnahmen sowie Hilfsmitteln und sie machen auf die Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige aufmerksam.
In der Regel bieten sie auch Informationsmaterial, etwa Broschüren oder Informationen im Internet. Sie können Auskunft geben, ob es am Wohnort oder in der Nähe Pflegekurse für Angehörige gibt oder in Gesprächskreisen für pflegende Familien eine Entlastungsmöglichkeit besteht.

Allgemeine Informationen, Beratung, Unterstützung

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Das Bundesministerium für Gesundheit bietet Informationen zur häuslichen Krankenpflege und sozialrechtlichen Aspekten der Pflege unter www.bundesgesundheitsministerium.de, insbesondere zu den Themen

Häusliche Krankenpflege
www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflege-berater/ambulante-pflege.html

Palliativversorgung schwerkranker Patientinnen und Patienten
www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/leistungen/palliativversorgung.html

Haushaltshilfe und häusliche Krankenpflege 
www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/leistungen/haeusliche-krankenpflege.html

Pflegefall - was tun?
www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegebeduerftigkeit/pflegefall-was-tun.html

Über die aktuell gültige Heil- und Hilfsmittelverordnung informieren die Krankenkassen. Den gesetzlichen Rahmen bietet die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln für gesetzlich Versicherte, mehr unter www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/hilfsmittel/.

Auf der Internetseite des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie des Bevollmächtigten für Pflege unter www.patientenbeauftragter.de finden Interessierte weitere Informationen zu Pflege im Allgemeinen, zur Beantragung von Pflegeleistungen sowie zu Leistungen der Pflegeversicherung.

Kommunale Behörden, Kirchengemeinden

Die Gemeindeverwaltungen und gegebenenfalls auch die Pfarrämter geben Auskunft über die Pflegestützpunkte, Sozialstationen, Pflegedienste, Angebote der "Nachbarschaftshilfe" und andere Hilfsdienste vor Ort.

Apotheken und Sanitätshäuser

Apotheken liefern alle notwendigen Medikamente, aber auch Produkte und Arzneimittel zur besonderen Haut- und Körperpflege für Kranke, Produkte zur unterstützten Ernährung sowie Heil- und Hilfsmittel nach Verordnung durch den Arzt. Spezialisierte Apotheken liefern in Zusammenarbeit mit onkologischen Praxen Substanzen für die ambulante Chemotherapie. Viele Apotheken verfügen auch einen Broschüren-Service zu verschiedenen Themen

Sanitätshäuser fungieren als Fachberater für Ernährung, Stoma- und Inkontinenzversorgung und als Hilfsmittelberater (zum Beispiel zu Pflegebetten, Spezialmatratzen, Lagerungsmaterialien, Toilettenstühlen oder Urinflaschen, Sauerstoffgerät, Rollstuhl, Gehhilfen, Arm- und Beintrainer und Atemtrainer).

Krebsberatungsstellen und Selbsthilfe

Die Krebsberatungsstellen helfen vor Ort weiter, wenn Adressen und Ansprechpartner gesucht werden. Sie bieten auch wichtige psychosoziale Unterstützung für pflegende Angehörige und Freunde, wenn diese Probleme mit ihren pflegerischen Aufgaben haben oder sich überfordert fühlen.

Die Krebsberatungsstellen wissen meist auch, ob es am Wohnort zum Beispiel Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige oder Freunde gibt, oder ob die örtlichen Krebsselbsthilfegruppen auch für Angehörige Krebskranker offen sind.