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Drei Personen fahren Fahrrad im Grünen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Körperliche Aktivität

Bewegung und Sport: Tipps für Krebspatienten

Wann nützt körperliche Aktivität, wann kann sie schaden?

Letzte Aktualisierung: 13.03.2018

Krebspatienten profitieren in fast jeder Krankheitssituation davon, körperlich aktiv zu sein oder sich sportlich zu betätigen. Die heute bekannten Vorteile von Bewegung: Wer sich bewegt, fühlt sich seltener erschöpft und bleibt meist leistungsfähiger.
Zudem gilt: Man verringert das Risiko für einige Krankheits- und Behandlungsfolgen. Bei vielen Patienten hat angemessene körperliche Aktivität insgesamt einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität.
Ob Bewegung oder Sport während oder nach einer Krebstherapie geeignet sind, sollte man immer mit seinem Arzt besprechen: Pauschalrezepte, wie viel und wie man sich bewegen muss, gibt es nicht. Wichtig ist außerdem, worauf man selbst Lust hat und was Spaß macht.

Krebspatientin trainiert unter Anleitung einer Physiotherapeutin ihre Beweglichkeit und Kraft. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Studien zeigen: Viele Krebspatienten profitieren von angemessener Bewegung. Die Programme sollten der individuellen Situation angepasst werden. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Ist nach einer Tumorerkrankung Schonung oder Bewegung besser? Die Antwort von Experten fällt eindeutig aus: Eine pauschale Empfehlung kann es nicht geben. Der Krankheitsverlauf und der individuelle Gesundheitszustand unterscheiden sich von Patient zu Patient.

Doch immer mehr Daten belegen: Bewegung und Sport spielen für die meisten Erkrankten eine wichtige Rolle. Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen können durch gezielte Übungen und Krankengymnastik vermindert oder ganz vermieden werden.

Hier einige Beispiele:

  • Krankheitsbedingte Einschränkungen der Beweglichkeit lassen sich verhindern oder zumindest lindern.
  • Bewegung beugt einer Thrombose vor, einem Blutgerinnsel, das Gefäße verstopfen kann.
  • Möglicherweise verschaffen gezielte Bewegungsübungen sogar Linderung bei neuropathischen Beschwerden, die Krebspatienten nach manchen Formen der Chemotherapie quälen können.

Körperliche Aktivität wirkt sich insgesamt positiv auf den Gesundheitszustand aus. Bewegung bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung, hilft das Körpergewicht zu regulieren, festigt die Knochen und baut Muskeln auf. Das hilft dabei, belastende Behandlungen besser zu verkraften und sich nach einer Therapie schneller zu erholen.

Lebensqualität steigt

Was zunächst überraschend klingt: Angepasstes Bewegungstraining bessert außerdem die bei vielen Krebspatienten häufigen Erschöpfungszustände, das sogenannte Fatigue-Syndrom.
Wer sich stark erschöpft fühlt, dem fällt der Einstieg in ein regelmäßiges Training allerdings oft besonders schwer. Gemeinsam mit dem Arzt kann man am besten herausfinden, welches Pensum an körperlicher Aktivität sinnvoll und machbar ist.
Um sich für eine bestimmte Art von Bewegung zu entscheiden, ist außerdem wichtig: Man sollte seine eigenen Vorlieben berücksichtigen und nur etwas auswählen, was auch Spaß macht.

Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen: Betroffene können Schlafstörungen, Depressionen und Ängsten vorbeugen und bereits bestehende Beschwerden bessern.

Bewegung und Sport können sich aber auch ganz allgemein positiv auf die Lebensqualität und das Wohlbefinden auswirken. Manchen Betroffenen helfen Bewegung und Sport sogar bei der Krankheitsbewältigung.

Was viele Patientinnen und Patienten schnell spüren:

  • Da man durch körperliche Aktivität oft fitter und belastbarer wird, gewinnt man ein Stück "normales" Alltagsleben zurück.
  • Dazu gehört auch das Zutrauen in die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers.

Insgesamt gibt es für Krebspatienten nur vergleichsweise wenige Situationen, in denen Bewegung tatsächlich schaden kann.

Individuelle Beratung ist wichtig

Beratungsgespräch in der Arztpraxis: Ältere Patientin und Mediziner. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Welcher Sport soll es sein? Lassen Sie sich beraten! Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wer sich trotz der Tumorerkrankung gerne etwas mehr bewegen oder sportlich betätigen möchte, sollte als erstes mit Arzt oder Ärztin Rücksprache halten. Da diese die Situation und den Krankheitsverlauf genau kennen, können sie Auskunft geben, welches Bewegungspensum und welche Art der Bewegung in der persönlichen Situation sinnvoll sind. Bei der Wahl eines Bewegungsprogramms ist es wichtig, eigene Vorlieben oder Abneigungen zu berücksichtigen.
Wichtige Fragen an die Ärzte sind in diesem Zusammenhang:

  • Reicht es aus, wenn ich den gewohnten Aktivitäten des täglichen Lebens nachgehe, also Einkaufen, Putzen, Kochen, Gartenarbeit und Heimwerken?
  • Oder sollte ich besser gezielte Bewegungsübungen machen, die Ausdauer trainieren und/oder meine Muskelkraft aufbauen?
  • Sind für mich eher gemäßigte oder eher intensivere Sportarten sinnvoll?
  • Was sollte ich unbedingt vermeiden?

Dieses Eingehen auf die ganz persönliche Situation ist wichtig: Für Krebspatienten, die bisher schon sportlich sehr aktiv waren, sieht die individuelle Empfehlung meist anders aus als für Betroffene, die erst aufgrund ihrer Erkrankung den bisherigen Lebensstil ändern möchten.

Weitere Hintergründe - Linktipps

Welche Rolle Sport und Bewegung bei einzelnen Tumorarten spielen, hat der Krebsinformationsdienst in den Texten "Krebsarten: Diagnose, Behandlung, Nachsorge" und dort in den Kapiteln "Leben mit der Erkrankung" zusammengestellt.

Zunehmend werden Empfehlungen zu Sport in der Nachsorge auch in Leitlinien für Fachkreise und die entsprechenden Patientenleitlinien aufgenommen. Patientenleitlinien hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser", Stichwort "Broschüren anderer Anbieter" verlinkt.

Schutz vor Rückfällen durch Sport? Das ist noch nicht sicher belegt

Ob regelmäßiges Training auch das Risiko von Krebspatienten beeinflusst, einen Rückfall zu erleiden oder Metastasen zu entwickeln, ist bisher nicht ausreichend erforscht.
Es gibt erste Studienergebnisse, die sich allerdings noch nicht auf alle Krebspatientinnen und Patienten übertragen lassen.

Hier die zurzeit wichtigsten Beispiele:

  • Bleiben ältere Brustkrebspatientinnen nach ihrer Erkrankung stark übergewichtig und bewegen sie sich wenig? Dann scheint ihr Rückfallrisiko erhöht zu sein.
  • Studien zeigen: Inaktive Patienten mit Darmkrebs sterben rein statistisch früher als Patienten, die sich viel bewegen.
  • Auch bei Prostatakrebs könnte sich vielleicht die Prognose verbessern, wenn sich Patienten regelmäßig bewegen. Noch sind hier aber viele Fragen offen.
Grafik: Bewegung bei Krebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Körperliche Aktivität beeinflusst viele verschiedene Vorgänge. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Lange Zeit empfahlen Fachleute Krebspatienten, sich während einer Krebsbehandlung zu schonen. Diese pauschalen Ratschläge gelten mittlerweile als überholt.

Viele Studien bestätigen: Individuell angepasste Bewegung nützt fast jedem Krebspatienten. Patienten, die während einer medikamentösen Krebstherapie oder Strahlentherapie unter ärztlicher Kontrolle und mit entsprechender Vorsicht trainieren, sind leistungsfähiger und leiden langfristig weniger unter Nebenwirkungen wie etwa Erschöpfung als Betroffene, die körperlich inaktiv sind.

Allerdings besteht weiterer Forschungsbedarf: Noch ist nicht vollständig geklärt, welche Art von Training für welchen Krebspatienten in welcher Situation geeignet ist.
Unklar ist ebenfalls, wie viel man trainieren sollte; und zu welchem Zeitpunkt einer Krebstherapie man das Sportprogramm am besten beginnt.
Auch welche konkreten Behandlungsfolgen man insgesamt mit einer Bewegungstherapie mildern kann, ist noch nicht abschließend erforscht. Um mehr Information dazu zu gewinnen, laufen in Deutschland wie in anderen Ländern Studien.

Warum machen pauschale Empfehlungen für Krebspatienten während einer Behandlung keinen Sinn?

Dafür sind die Ausgangsbedingungen bei Krebspatienten zu unterschiedlich:
Einer Brustkrebspatientin tun rund um Operation, Chemo- oder Strahlentherapie andere Formen von Bewegung gut als in der nachfolgenden Zeit, wenn eine Hormontherapie ansteht.
Bei einem Leukämiepatienten, dessen Blutwerte sich während einer Chemotherapie stark verschlechtern, stehen ganz andere Dinge im Vordergrund als bei einem Darmkrebspatienten, der sich an einen künstlichen Darmausgang gewöhnen muss.

Jeder Patient, jede Patientin hat darüber hinaus ein eigenes Verständnis von Sport und Bewegung: Für manche Menschen gehören Bewegung und Sport schon immer dazu. Andere hat es schon immer viel Überwindung gekostet, sich aufzuraffen – umso mehr bei einer Erkrankung.

Experten raten Krebspatienten während einer Behandlung auf jeden Fall davon ab, sich zu überfordern. Das bedeutet in der Regel, sich nicht an Sportprogrammen für Gesunde zu orientieren. Wer sich gemeinsam mit seinen Ärzten für ein Bewegungsprogramm entscheidet, sollte zudem darauf achten, dass es eigenen Vorlieben entspricht.

Wann Sport bei und kurz nach der Therapie verboten ist

Wann ist Vorsicht geboten?

Bei einer akuten Infektion oder hoher Infektionsgefahr, bei einer geringen Anzahl an roten Blutkörperchen oder an Blutgerinnungsfaktoren raten Fachleute zu Vorsicht.

Operation: Unmittelbar nach einer Operation ist für Krebspatienten „echter" Sport fast immer tabu. Es spricht jedoch bei den meisten Betroffenen nichts dagegen, sich nach dem Eingriff wieder möglichst schnell zu bewegen. Das beginnt mit der möglichst eigenständigen Körperpflege im Krankenhaus und geht nach und nach über zu den normalen Aktivitäten des Alltags.

  • Wer stark eingeschränkt in seiner Beweglichkeit ist oder sich nicht so fit fühlt, erhält oft noch im Krankenhaus Physiotherapie.

So kann man unter professioneller Anleitung erste Bewegungsübungen machen. Sie dienen dazu, Komplikationen durch zu langes Liegen zu vermeiden und die Beweglichkeit so früh wie möglich wieder zu trainieren.

Strahlentherapie: Während oder kurz nach einer Strahlentherapie ist Bewegung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ob zwischen den einzelnen Bestrahlungssitzungen Sport erlaubt oder empfohlen ist, sollten Betroffene mit ihren Ärzten klären.

  • Es kommen nicht alle Sportarten infrage: Schwimmen in Chlor- oder Salzwasser ist zum Beispiel eher nicht geeignet.

Was über die Bestrahlungssitzung hinaus anhalten kann, ist die Empfindlichkeit der betroffenen Hautstellen:

  • Sonne, Schweiß und bei körperlicher Aktivität scheuernde Kleidung sollten vermieden werden.

Medikamentöse Therapie: Ob während einer Chemotherapie, einer zielgerichteten Therapie oder einer Hormontherapie Bewegung oder sportliche Aktivität möglich sind, sollte man mit den Ärzten besprechen. Körperliche Aktivität kann schädlich sein,

  • wenn man zu wenige rote Blutkörperchen hat: Bei einer solchen Anämie ist der Sauerstofftransport eingeschränkt,
  • wenn man Störungen der Blutgerinnung hat und selbst blaue Flecke riskant wären,
  • wenn man starke Schmerzen unbekannter Ursache hat, 
  • wenn akute Infektionen vorliegen oder eine hohe Infektionsgefahr besteht, 
  • wenn man Probleme mit dem Gleichgewicht hat oder zum Beispiel unter Gefühlsstörungen in Händen und Füßen leidet (Neuropathie). Dann sollte man sorgfältig abwägen, wie viel man sich bewegt und welche Form von Bewegung gut ist. Besteht die Gefahr, zu stolpern oder zu stürzen, kann ein Physiotherapeut bei der Auswahl besonders geeigneter Trainingsmethoden helfen.

Ambulante Krebstherapie: Einschränkungen gibt es auch bei Behandlungen, die man als Krebspatient heute von zu Hause aus macht.

  • Während einer ambulanten Chemotherapie sind selbst sehr sportliche Patienten meist nicht fit genug,  ein altersentsprechendes Bewegungspensum zu bewältigen.

Patienten sollten gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt entscheiden, welche Art von Bewegung und wie viel körperliche Aktivität in ihrem Fall möglich ist.

  • Bedenken sollte man auch, wie viel Kraft - zusätzlich zur Therapie - der Alltag zuhause sowieso schon kostet.

Welche Vorerkrankungen und sonstigen Umstände gegen Sport sprechen

Was ist, wenn man als Patient viel Gewicht abgebaut hat? Dann sollte zunächst geklärt werden, ob der sportbedingte Mehrverbrauch an Energie über die Ernährung ausgeglichen werden kann, oder ob Schonung sinnvoller ist.

Ein neu angelegter künstlicher Darmausgang (Stoma), ein Dauerkatheter zum Ableiten des Urins oder eine Ernährungssonde können ebenfalls hinderlich für viele Formen der Bewegung sein. Auch dann sollte man zunächst klären, was die Ärzte erlauben und was nicht.

Auch wer Begleiterkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, Probleme mit den Knochen oder chronische Gelenkentzündungen hat, sollte mit den behandelnden Ärzten besprechen, ob körperliche Aktivität möglich ist.

  • Helfen kann bei diesen Problemen professionelle Anleitung. Physiotherapeuten können erklären, womit man sich nicht schadet und welche Bewegungsabläufe günstig sind.

Einschränkungen gibt es auch für Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, Schmerzen oder tumorbedingtem Muskelabbau und Gewichtsverlust, die sich durch mehr Kalorien nicht auffangen lassen.

Besteht ein Verdacht auf Metastasen in den Knochen? Dann muss auch die mögliche Bruchgefahr berücksichtigt werden.

Als Patientin oder Patient mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankungen sollte man immer die Ärzte um Rat fragen, ob, und wenn ja, wie viel an körperlicher Aktivität man sich zumuten darf oder sogar soll.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die meisten Patienten denen es nicht gut geht, trotz aller Einschränkungen von einem vorsichtigen und angepassten Bewegungsprogramm profitieren können. Warum?
Zum einen zählt die Ablenkung: Sie hilft dabei, besser mit der Erkrankung umzugehen. Körperlich aktiv zu sein, kann zudem nicht nur die Stimmung heben. Sie hilft auch, den Appetit anzuregen, sie verhindert Muskelabbau und erhält die Beweglichkeit. Sie verringert Müdigkeit und beugt Kreislauf- und Atembeschwerden vor.

  • Wichtig ist dabei aber, dass man als Betroffener auch selbst mehr Bewegung möchte. 
  • Übungen sollte man zu Beginn nur unter fachlicher Anleitung machen.

In der Rehabilitationsphase, gegen Ende oder nach Abschluss der ersten Behandlung, findet für die meisten Patienten ein fließender Übergang von der Physiotherapie zum echten Bewegungstraining statt.

Sich in der Nachsorge und Rehabilitation wieder mehr zu bewegen oder Sport zu treiben, kann verschiedene Vorteile haben:

  • Man tut etwas für seine allgemeine Gesundheit.
  • Man entwickelt ein Gefühl dafür, was guttut und was nicht, und gewinnt wieder Zutrauen zum eigenen Körper.
  • Man lernt, wie man trotz möglicher körperlicher Einschränkungen oder einer noch verminderten Leistungsfähigkeit mobil und körperlich aktiv sein kann.

Bewegungstherapie in der Klinik und der Rehabilitation

In Rehabilitationskliniken und ambulanten Reha-Einrichtungen arbeiten Physiotherapeuten, Sportlehrer oder weitere Fachkräfte, etwa für Tanz- und Bewegungstherapie. Sie passen ihr Angebot auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Patienten an.
Und sie wissen, wie man Einschränkungen umgeht: Wie Sport auch mit einem Stoma Spaß machen kann oder dass die Angst vor einem Lymphödem nicht von Bewegung abhalten sollte, erfährt man in der Reha ebenfalls. Patienten nach einer Lungenoperation lernen, mit gezielter Atemgymnastik die Kapazität der Lunge zu verbessern. Nach großen Operationen vermeidet man durch die gezielte Anleitung Fehl- und Schonhaltungen und übt, beeinträchtigte Muskelgruppen wieder so natürlich wie möglich zu bewegen.

Menschen beim Walken © Christian Schwier - Fotolia
Auch nach einer Krebserkrankung profitiert man von Bewegung. © Christian Schwier - Fotolia

Langfristiges Ziel für die Zeit nach einer überstandenen Krebserkrankung: Bewegung und Sport sollten einen festen Stellenwert im Alltag behalten.

Patienten und Patientinnen, die nach ihrer Erkrankung wieder fit sind und schon immer sportlich aktiv waren, finden meist leicht zu ihrer gewohnten Bewegung im Alltag oder zum bisherigen Training zurück, sofern durch die Erkrankung keine dauerhaften Einschränkungen bestehen.

Betroffene, die sich schwer damit tun, ausreichende Bewegung in ihren Alltag zu integrieren und schon vor der Erkrankung nicht viel Sport betrieben haben, sollten zunächst mit ihren Ärzten sprechen. Mit ihm lässt sich klären, was sinnvoll ist: Reichen normale Aktivitäten im Alltag wie etwa einkaufen und spazieren gehen oder gemäßigtere Bewegungsübungen? Oder sollte man für einen Trainingseffekt mehr machen oder sogar intensivere Sportarten betreiben?

Die Ärzte können gegebenenfalls auch eine sportmedizinische Untersuchung zur Belastbarkeit machen oder zu einem entsprechend qualifizierten Sportmediziner überweisen. Trainingsumfang und Belastungsgrenzen lassen sich so objektiv ermitteln.

Was Spaß macht und was man überhaupt nicht mag, darf ebenfalls eine Rolle spielen.

Beispiele für gemäßigte und intensive Aktivitäten

Zu den gemäßigten Aktivitäten zählen beispielsweise Walken, Radfahren in der Ebene, Yoga, Abfahrtski fahren, Volleyball auf Hobbyniveau, Standardtanz oder einfache Gartenarbeit.

Zu den intensiveren Aktivitäten zählen beispielsweise Joggen, schnelles Radfahren, schnelles Schwimmen, Krafttraining, Skilanglauf, Fußball, Basketball oder auch den Garten umzugraben.

Rehabilitationssport

Sport in der Krebsnachsorge ist auch "auf Rezept" möglich. Die gesetzlichen Krankenkassen nennen Adressen von geprüften Reha-Einrichtungen oder Sportvereinen mit Reha-Sportangeboten.

Sport in der Krebsnachsorge ist sogar "auf Rezept" möglich, über die Krankengymnastik oder Physiotherapie hinaus. Verordnet der Arzt den Rehabilitationssport, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Einen Eigenanteil müssen Patientinnen und Patienten nicht bezahlen.

Wie funktioniert das genau?

Der für die Nachsorge zuständige Arzt bestätigt auf dem Antragsformular die Diagnose Krebs und benennt die Einschränkung, die durch Sport gemildert oder vermieden werden soll. Auch die Anzahl und Dauer der Übungseinheiten wird angegeben, ähnlich wie bei Massagen oder physiotherapeutischen Maßnahmen gemäß der Heil- und Hilfsmittelrichtlinien.

Krankenkassen bieten zudem verschiedene Gesundheitskurse an: Für diese benötigen Interessierte keine Verordnung und es fällt nur eine geringe Eigenbeteiligung an. Weitere Informationen dazu erhalten Krebsbetroffene bei ihrer Krankenkasse.

Spezialsprechstunden an großen Kliniken: Große Krebszentren bieten häufig die Möglichkeit, sich als Patient auch zu Sport und Bewegung beraten zu lassen. Viele bieten Sportprogramme im Rahmen der Nachsorge an, oder führen wissenschaftliche Studien zu Bewegung und Sport nach Krebs durch. Patienten sollten ihre behandelnden Ärzte danach fragen.

Deutscher Behindertensportverband (DBS): Sportgruppen für Menschen mit Krebserkrankungen werden über den Deutschen Behindertensportverband (DBS) als Rehabilitationssport in Reha-Sportgruppen angeboten. Unter www.dbs-npc.de/sportentwicklung-rehabilitationssportgruppen-in-deutschland.html können Betroffene und Interessierte nach Reha-Sportgruppen suchen.

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB): Die Initiative "Sport pro Gesundheit" (www.sportprogesundheit.de) bietet auf ihrer Internetseite weitere Informationen. Gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Sporthochschule Köln hat der DOSB die Bewegungsoffensive "Bewegung gegen Krebs" gestartet. Unter www.bewegung-gegen-krebs.de kann man sich über Sportmöglichkeiten und Bewegung im Alltag informieren. Es geht dabei sowohl um die Vorbeugung von Krebs als auch um Sport während der Krebstherapie.

Landessportbünde: Sie sind weitere Ansprechpartner für regionale Angebote zu "Sport nach Krebs". Sie finden sich im Internet unter www.dosb.de/ueber-uns/mitgliedsorganisationen/landessportbuende/

Regionale psychosozialen Krebsberatungsstellen: Sie geben Auskünfte zu Sportangeboten. Der Krebsinformationsdienst bietet eine Datenbank mit Adressen an, unter der Rubrik "Wegweiser", unter "Adressen und Links" beim Stichwort Krebsberatungsstellen.

Selbsthilfeorganisationen: Ist man an Bewegungs- und Sportprogrammen interessiert, kann man sich zudem an Selbsthilfeorganisationen und Patientenverbände wenden. Diese kennen die Angebote vor Ort meist ebenfalls gut. Der Krebsinformationsdienst listet bundesweit tätige Institutionen im "Wegweiser" auf, dort unter "Adressen und Links", Stichwort Selbsthilfegruppen.

Netzwerk "ActiveOncoKids": Das bundesweite Netzwerk berät Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie ihre Familien kostenlos zum Thema Sport und Bewegung mit und nach Krebs. Es hilft unter anderem dabei passende Bewegungsangebote zu finden und verweist auf Sportangebote in der Nähe. Unter www.activeoncokids.de erhalten Sie weitere Informationen.



Zum Weiterlesen (Auswahl)

Allgemeine Informationen zum Rehabilitationssport finden sich auf den Internetseiten des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) unter www.bsv-rlp.de/rehasport/grundlagen und www.dbs-npc.de/sportentwicklung-rehabilitationssport-wir-ueber-uns.html. Aber auch die Seite "einfach teilhaben" bietet weiterführende Informationen zum Rehabilitationssport unter www.einfach-teilhaben.de/DE/StdS/Mobilitaet/Sport/rehabilitationssport/rehabilitationssport_node.html.

Wer gerne selbst eine Rehabilitationssportgruppe einrichten und/oder leiten würde, findet Informationen unter www.dbs-npc.de/sportentwicklung-rehabilitationssport-faq.html.

Fachliteratur

Die folgenden Quellen stellen eine Auswahl dar. Sie richten sich an Fachkreise und sind zum Teil nur in englischer Sprache verfügbar.

Leitlinien, Empfehlungen von Fachorganisationen

Zahlreiche Leitlinien zu einzelnen Tumorarten enthalten Hinweise und Empfehlungen zu Bewegung und Sport während und nach einer Krebserkrankung. Auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) sind diese abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien. Eine weitere Quelle ist www.leitlinienprogramm-onkologie.de.

Weitere Publikationen mit Empfehlungscharakter

Im Europäischen Kodex gegen Krebs von 2014 empfehlen Fachleute, sich im Alltag zu bewegen und Sitzen zu vermeiden. Diese Aussagen sind vorrangig für Gesunde zur Krebsprävention gedacht, können aber auch für Krebspatienten eine Anleitung bieten, die ihre Erkrankung überwunden haben.
Der Kodex ist in englischer Sprache abrufbar unter http://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/en, die deutsche Übersetzung findet sich unter http://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/de/.
Weiterführende Informationen und Antworten auf häufige Fragen zum Thema körperliche Aktivität finden Interessierte unter http://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/de/12-moeglichkeiten/koerperliche-aktivitaet.

Das Continuous Update Project (CUP) ist ein fortlaufendes Forschungsprogramm, mit dem der Einfluss von Ernährung, Körpergewicht und körperliche Aktivität auf das Krebsrisiko ermittelt wird. Die jeweils letzten Publikationen sowie die Ergebnisse des "Continuous Update Project" können im Internet unter www.wcrf.org/int/research-we-fund/continuous-update-project-cup eingesehen werden.

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Fachbuch
Courneya K, Friedenreich C. (2011). Physical Activity and Cancer. Recent Results in Cancer Research. Heidelberg: Springer Verlag.

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Erstellt: 13.03.2018