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Coronavirus

Corona und Krebs: Antworten auf häufig gestellte Fragen

Wissenswertes für Krebspatienten und ihre Angehörigen während der Corona-Pandemie

Letzte Aktualisierung: 01.12.2020
  • Krebspatientinnen und Krebspatienten sind nach Aussage der Experten durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) besonders gefährdet.
  • Viele Betroffene sind nun sehr verunsichert: Wie wirkt sich das Virus auf die Krebstherapie aus? Gehöre ich überhaupt zur Risikogruppe? Und was muss ich jetzt mit oder nach meiner Krebserkrankung im Alltag beachten?
  • Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet in diesem Beitrag häufige Fragen zum Thema "Corona und Krebs".

Hinweis: Der nachfolgende Text geht auf krebsspezifische Fragen onkologischer Patientinnen und Patienten ein, die den Krebsinformationsdienst im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erreicht haben.

Wichtig zu wissen

Die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen wie Händehygiene, Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandsregeln gelten für alle – unabhängig davon, ob sie zu einer Risikogruppe gehören: Machen Sie Ihre Angehörigen und Ihr soziales Umfeld darauf aufmerksam, dass sie damit zu Ihrem Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung beitragen.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ist erst seit Anfang 2020 bekannt. Daher sind viele Fragen, Krebs und Corona betreffend, noch nicht abschließend geklärt. Zudem können sich die individuellen Situationen, in denen sich Krebspatientinnen und -patienten befinden, deutlich unterscheiden.

Allgemein gilt: Bei Krebspatienten ist das Ansteckungsrisiko vom Risiko eines schweren Erkrankungsverlaufs zu trennen. Statistisch betrachtet haben Krebspatienten ein deutlich höheres Risiko für eine Lungenentzündung als Gesunde, wenn sie an Virus-Infektionen der oberen Luftwege erkranken. Haben Krebspatienten auch ein erhöhtes Infektionsrisiko? Dafür gibt es bislang keine belastbaren Daten.

Sind alle Krebspatienten Risikopatienten?

Krebs ist nicht gleich Krebs

Eine pauschale Einstufung von Krebspatienten als Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 ist nicht möglich, denn:

Das Risiko ist abhängig von der jeweiligen Krebsart und der Erkrankungssituation, der erforderlichen Therapie sowie Begleiterkrankungen und anderen Risikofaktoren.

Das Robert Koch-Institut nennt Krebspatienten ganz allgemein als eine von mehreren Risikogruppen für schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung. Das führt bei vielen von Krebs betroffenen Menschen zu Verunsicherung, insbesondere dann, wenn die Krebserkrankung schon länger zurückliegt.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hat die Einstufung des RKI in ihrer Leitlinie konkretisiert, da inzwischen Daten aus verschiedenen Ländern vorliegen. Entscheidend für einen schweren COVID-19-Verlauf von Krebspatienten scheinen folgende Faktoren zu sein:

  • die Erkrankungssituation: So hat sich beispielsweise gezeigt, dass Patienten mit einer aktiven, fortschreitenden oder metastasierten Krebserkrankung eine schlechtere Prognose haben, wenn sie an COVID-19 erkranken, als Patienten mit einer stabilen und gut beherrschten Krebserkrankung oder geheilte Krebspatienten.
  • die Krebsart: Beispielsweise gilt Blutkrebs unter intensiver Therapie oder Lungenkrebs als Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf.
  • die individuellen Voraussetzungen: Wie in der allgemeinen Bevölkerung auch, können sich bei Krebspatienten insbesondere ein höheres Alter, ausgeprägte Begleiterkrankungen, ein männliches Geschlecht sowie Rauchen nachteilig auf den Krankheitsverlauf von COVID-19 auswirken. Auch Blutwerte, die für ein geschwächtes Immunsystem sprechen, scheinen auf eine schlechtere Prognose von COVID-19 hinzudeuten.

Die Experten weisen darauf hin, dass die Daten für eine Einstufung immer noch unvollständig sind. Weitere Analysen sollen ein noch genaueres Bild davon liefern, wann Krebspatienten zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19 gehören.

Wichtig zu wissen: Die Experten beurteilen, wie wahrscheinlich ein schwerer Krankheitsverlauf in einer bestimmten Gruppe ist. Aber auch Gesunde können durch eine Infektion mit dem Coronavirus schwer erkranken. Und: Nicht jeder, der zur Risikogruppe gehört erkrankt zwangläufig schwer.



Risikofaktor Blutgruppe? Es gibt Hinweise aus Studien, dass die Blutgruppe das individuelle Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 beeinflussen könnte. Dies betrifft sowohl die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren, als auch die Schwere der Erkrankung.

  • Es zeigte sich in den Studien, dass Personen mit Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 hatten als Personen mit der Blutgruppe 0.

Die Ergebnisse der Studien sind allerdings nicht einheitlich und Forscher diskutieren sie noch intensiv. Das bedeutet für den Einzelnen: Es kann daraus keine pauschale Aussage abgeleitet werden. Weder kann man vorhersagen, dass jemand wegen seiner Blutgruppe schwer an COVID-19 erkranken wird noch, dass jemand aufgrund seiner Blutgruppe geschützt ist. Vielmehr kann die Blutgruppe ein Risikofaktor von vielen sein.

Woher weiß ich, ob mein Immunsystem geschwächt ist?

Ein wichtiger Faktor für die Zuordnung von Krebspatientinnen und -patienten zur Risikogruppe ist, ob ihr Immunsystem aktuell geschwächt ist.

Das wäre beispielsweise dann der Fall,

  • wenn eine Krebstherapie die Zahl der weißen Blutkörperchen oder
  • die Immunglobulinwerte erniedrigt oder
  • die Betroffenen dauerhaft Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems erhalten.

Kurz nach der Therapie: Viele fragen sich, ob kurz nach einer Krebstherapie das Abwehrsystem bereits wieder so regeneriert ist, dass keine erhöhte Infektanfälligkeit mehr besteht. Das pauschal zu beantworten, ist jedoch schwierig. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Untergruppen von Abwehrzellen möglicherweise länger brauchen, bis sie sich komplett erholt haben.

  • Was das für die allgemeine Infektabwehr und für COVID-19 im Speziellen bedeutet, ist unter Experten noch nicht sicher geklärt.

Auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) können sich Bürgerinnen und Bürger informieren, wie man sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen kann.

  • Wichtig: Die dort empfohlenen Verhaltensmaßnahmen gelten unabhängig davon, ob man gesund oder krank ist.


Corona-Schutz vor oder während einer Krebstherapie

Steht eine Krebstherapie bevor oder findet aktuell eine Krebstherapie statt, ist es besonders wichtig, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfohlenen AHA-L-Regeln einzuhalten.

Darüber hinaus empfehlen Experten, Menschenansammlungen zu vermeiden, die sozialen Kontakte einzuschränken und Reisen zu reduzieren. Auch eine häusliche Isolation kann infrage kommen. Das gilt insbesondere dann, wenn man eine Krebstherapie erhält, die das Immunsystem schwächt. Genauere Auskunft kann dazu der behandelnde Arzt geben.

  • Genauso wichtig: Machen Sie in einer solchen Situation auch Ihre Angehörigen auf die empfohlenen Schutzmaßnahmen aufmerksam und bitten Sie sie um ihre Unterstützung.

Was kann ich noch tun, um mich selbst zu schützen?

Außer die von Experten empfohlene Handhygiene einzuhalten und Menschenansammlungen sowie den Kontakt zu Erkrankten zu vermeiden, können Krebspatienten nicht viel mehr zum Schutz vor COVID-19 tun. Es gibt kein von Experten empfohlenes Mittel, das man zum Schutz gegen das Corona-Virus einnehmen könnte.

Wichtig: Experten warnen aktuell vor Falschmeldungen, sogenannten Fake-News, im Internet: Insbesondere in den sozialen Medien aber auch auf anderen Internetseiten verbreiten sich Gerüchte über Medikamente und Substanzen, die angeblich vor dem Coronavirus schützen sollen.



Empfehlung der Ärzte befolgen

Wenn der behandelnde Arzt Ihnen rät, eine Atemschutzmaske zu tragen, sollten Sie dieser Empfehlungen folgen.

 Grundsätzlich gibt es 3 Arten von Atemschutzmasken,

  • die sogenannten filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3),
  • den medizinischen Mund-Nasen-Schutz ("OP-Masken") und
  • die selbst hergestellte Mund-Nasen-Bedeckung, auch "Community-Masken" oder Alltagsmasken genannt.

Selbstgenähte Atemschutzmasken (Community-Masken) © Apple_Mac, Shutterstock
Mit selbstgenähten Atemschutzmasken schützen Sie andere davor, sich bei Ihnen anzustecken. © Apple_Mac, Shutterstock

Bezüglich der Schutzwirkung ist nach Maskentyp zu unterscheiden:

  • Mund-Nasenbedeckungen dienen vorwiegen dem Fremdschutz
  • FFP2-/FFP-3-Masken mit Ventil dienen nur dem Eigenschutz
  • FFP2-/FFP-3-Masken ohne Ventil dienen dem Fremd- und Eigenschutz

Es kann sein, dass die behandelnden Ärzte Krebspatienten empfehlen, eine Atemschutzmaske zu tragen. In diesem Fall sollten Patienten dieser Empfehlungen folgen. Stark immungeschwächten Patientinnen und Patienten empfehlen Experten, FFP2- oder FFP3-Masken ohne Ausatemventil. Anderen wird gegebenenfalls auch nur ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz empfohlen.

Die Bundesregierung plant, Menschen mit besonders hohem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 mit FFP2-Masken auszustatten. Dazu gehören laut Stellungnahme des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auch Krebspatientinnen und Krebspatienten unter "aktiver Chemotherapie oder Strahlentherapie". Bis dieser Plan im Alltag der Menschen ankommt, kann es aber noch dauern, denn die Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit dazu steht noch aus.

Allgemein gilt:

  • Da die Infektionszahlen zuletzt wieder stark gestiegen sind, wurde die Maskenpflicht bundesweit massiv verstärkt. Dies gilt vor allem im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen.
  • Was es bei der Maskenpflicht zu beachten gilt, ist regional unterschiedlich. Am besten informieren Sie sich direkt an Ihrem Wohnort über die geltenden Regelungen.
  • Durch das Tragen einer solchen Maske schützen Sie vor allem andere davor, sich bei Ihnen anzustecken. Das gilt insbesondere dann, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Wer einen solchen Schutz trägt, hilft dabei, das Virus nicht weiterzuverbreiten. Wenn alle Menschen einen Mundschutz tragen würden, wäre dadurch ein gewisser Schutz für alle gegeben.

Zum richtigen Umgang mit Mund-Nasen-Schutz

  • Achten Sie darauf, die Mund-Nasen-Bedeckung durchgehend eng anliegend über Mund und Nase zu tragen.
  • Wechseln Sie Ihre Masken regelmäßig, etwa, wenn sie durchfeuchtet sind.
  • Waschen Sie vor dem Anziehen der Maske gründlich Ihre Hände. Achten Sie darauf, beim Anziehen der Maske nicht die Innenseite anzufassen und beim Abziehen nicht die Außenseite zu berühren. Waschen Sie auch nach dem Abziehen Ihre Hände.
  • Selbstgemachte Alltagsmasken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95° C, mindestens aber bei 60° C gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden

Wer einen solchen Schutz trägt, hilft dabei, das Virus nicht weiterzuverbreiten. Wenn alle Menschen einen Mundschutz tragen würden, wäre dadurch ein gewisser Schutz für alle gegeben.

Ebenfalls wichtig: Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ersetzt nicht die allgemeinen Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Hygiene- und Verhaltensregeln und -empfehlungen:

  • Reduzieren Sie Ihre sozialen Kontakte.
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände: wenn Sie von draußen nach Hause kommen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang.
  • Halten Sie auch beim Tragen einer Atemschutzmaske einen ausreichenden Abstand von 1 – 2 Metern zu anderen Menschen ein.
Aktueller Stand

Derzeit gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen SARS-CoV-2.

Wissenschaftler erforschen aktuell mehr als 200 Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus. Die Impfungen beruhen teilweise auf unterschiedlichen Wirkprinzipien. Verschiedene Impfstoffe setzen Forscher auch schon bei Menschen im Rahmen klinischer Studien ein.

Aktuell gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Experten rechnen aber mit ersten europäischen Zulassungen von SARS-CoV-2-Impfstoffen Ende 2020 / Anfang 2021. Dazu gehören voraussichtlich sogenannte mRNA-basierte Impfstoffe und ein Vektor-Impfstoff.

Zu den Impfstoffen, die bereits kurz vor der Zulassung stehen, haben die Medien schon erste Fakten zu Wirksamkeit und Sicherheit vermeldet. Diese beruhen auf Pressemitteilungen der Hersteller. Vollständig veröffentlichte wissenschaftlichen Daten liegen der Öffentlichkeit bislang nicht vor.

Fachleute gehen davon aus, dass für eine wirksame Impfung 2 Impfstoffdosen mit einem zeitlichen Mindestabstand von 3 bis 4 Wochen erforderlich sind.

Werden Krebspatienten zu den ersten Personen gehören, die geimpft werden?

Zum Weiterlesen

Die Ständige Impfkommission, der Deutsche Ethikrat und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfehlen in einem gemeinsamen Positionspapier, wie die Abgabe der ersten Impfstoffe geregelt werden soll (PDF).

Für welche Personen Experten einen zugelassenen Corona-Impfstoff jeweils empfehlen werden, ist noch offen.

Vermutlich werden aber zunächst Menschen mit einem hohen Infektionsrisiko geimpft, also beispielsweise medizinisches Personal. Auch Risikogruppen für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV2-Infektion, wie manche Krebspatientinnen und Krebspatienten, könnten zu dem ersten geimpften Personenkreis zählen.

Wird eine Corona-Impfung für Krebspatienten sicher und wirksam sein?

Wie sicher und wirksam die ersten Corona-Impfstoffe bei Krebspatienten sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beantwortet werden. Gleiches gilt auch für die Verträglichkeit der entsprechenden Impfungen mit bestimmten Krebstherapien wie einer Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten oder Immun-Checkpoint-Hemmern.

  • Wichtig zu wissen: Menschen, deren Immunsystem durch die Krebserkrankung oder die Krebstherapie stark unterdrückt ist, sind unter den Probanden der bisherigen Zulassungsstudien nicht vertreten. Das bedeutet, dass es auch zum Zeitpunkt der Zulassung zunächst nur begrenzt Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Impfstoffe bei diesen Patienten geben wird.

Fazit: Fragen zu einer Corona-Impfung von Krebspatientinnen und -patienten können Experten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur eingeschränkt beantworten. Zunächst muss die konkrete Zulassung der einzelnen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 abgewartet werden. Dann gilt es Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit eines SARS-CoV-2-Impfstoffs immer im Zusammenhang mit dem konkreten Impfstoff zu betrachten.

Bei Krebs gilt

Gehören sie zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19 sollen sie sich bei Atemwegsbeschwerden jeder Schwere auf das Coronavirus testen lassen

Um die Testkapazität in Deutschland nicht zu überlasten, hat das Robert Koch-Institut (RKI) seine Empfehlungen für die Wintersaison 2020/21 angepasst, wann sich Menschen auf das Coronvirus testen lassen sollen. Empfohlen wird ein Test bei:

  • schweren Symptomen der Atemwege wie etwa die einer akuten Bronchitis oder Lungenentzündung beispielsweise Atemnot und Fieber ODER
  • gestörtem Geruchs- oder Geschmackssinn ODER
  • ungeklärten Erkrankungssymptomen und Kontakt zu einer Person mit Covid-19 ODER
  • akuten (auch leichten) Atemwegsbeschwerden, wenn zusätzliche Kriterien zutreffen: beispielsweise der oder die Betroffene gehört zur Risikogruppe oder es besteht eine erhöhte Infektionsgefahr etwa aufgrund des beruflichen Umfelds, eines Ausbruchs oder der stattgefundenen Kontakte oder die Beschwerden verschlechtern sich.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Es kann sich nicht mehr jeder mit allgemeinen Atemwegbeschwerden wie Schnupfen oder Halsschmerzen testen lassen, wenn die oben genannten Kriterien nicht zutreffen.

Auch von einer ungezielten Testung asymptomatischer Personen rät das RKI ab. Denn: haben Personen keine Symptome, die auf eine COVID-19-Erkrankung hinweisen, ist ein negatives Ergebnis nur eine Momentaufnahme. Daher hat der Test für diese Personengruppe keine klare Aussagekraft.

Gesetzliche Regelung: Mit der am 15.Oktober verabschiedeten Corona-Testverordnung können Ärzte Tests auch bei asymptomatischen Personen unter bestimmten Voraussetzungen abrechnen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt für Personen ohne Symptome die Kosten einer Testung auf das Coronavirus,

  • wenn die Warn-App des Bundes ein "erhöhtes Risiko" anzeigt.
  • wenn sich eine Person in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat und nach Deutschland eingereist ist.
  • wenn das zuständige Gesundheitsamt eine Testung veranlasst. Zum Beispiel bei Ausbrüchen in Einrichtungen.
  • wenn Vereinbarungen der Bundesländer eine Testung vorsehen, zum Beispiel für Beschäftigte von Schulen.

Wichtig zu wissen: Hat ein Corona-Test keine Infektion angezeigt, gelten weiterhin die Hygieneregeln (AHA-L-Regeln).

 

Welche Tests gibt es?

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann direkt oder indirekt nachgewiesen werden.

Direkte Nachweisverfahren sind die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und Antigentests. Diese Tests zeigen direkt an, ob der Virus im Körper ist.

Indirekt wird eine Infektion mit dem Coronavirus über Antikörper nachgewiesen. Antikörper werden vom Körper erst später im Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion gebildet.

  • PCR-Test: Werden Menschen derzeit auf das Virus SARS-CoV-2 getestet, geschieht dies vor allem über Rachen- oder Nasenabstriche. In dem abgestrichenen Sekret weisen die Labors das Erbmaterial des Virus nach. Dafür nutzen sie üblicherweise ein empfindliches Verfahren. Fachleute nennen es "Real-time Reverse Transkriptase Polymerase-Kettenreaktion" (englisch abgekürzt RT-PCR).

    Wichtig zu wissen: Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus. Das Ergebnis kann trotz Corona-Infektion negativ sein – etwa, wenn die Probennahme qualitativ schlecht war, die Probe unsachgemäß transportiert worden ist oder der Test zu einem ungünstigen Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) stattgefunden hat.

  • Antigen-Test: Antigentests erkennen Eiweiß-Bestandteile des Virus (Antigene) in Probematerialien aus dem Atemwegstrakt. Der Test kann entweder in einem Labor mit einem empfindlichen Gerät ausgewertet werden oder "mit dem Auge" (visuell) direkt vor Ort (Schnelltest, Point-of-Care-Test, POTC). Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) können Ärzte die empfindlicheren Labortests ab dem 4. Quartal 2020 abrechnen. Für Experten gelten Antigentests als sinnvolle Ergänzung der (PCR-)Testkapazitäten.

    Wichtig zu wissen: Antigentests sind weniger zuverlässig als PCR-Tests, mehr dazu im Abschnitt Antigentests: Wie sinnvoll sind sie für Krebspatienten?.

  • Antikörpertest: Ein Antikörpertest weist Antikörper (Immunglobuline) nach. Solche Antikörper bildet das Immunsystem als Reaktionen auf Krankheitserreger. Bis der Körper erste Antikörper gegen einen Erreger gebildet hat, dauert es mehrere Tage. Haben sich genügend Antikörper im Blut gebildet, können diese eine (neue) Infektion verhindern.
    Es ist noch nicht ganz sicher, ob und wie lange nach einer Infektion Immunität gegen das SARS-CoV-2-Virus besteht. Experten gehen davon aus, dass Patienten nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 für einen bestimmten Zeitraum immun sind. Tests zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 sind inzwischen kommerziell verfügbar.

Antigentests: Wie sinnvoll sind sie für Krebspatienten

Fazit

Der Antigentest kann die Testkapazität sinnvoll ergänzen, wenn zum Beispiel Massentests notwendig sind.

Ist die getestete Person aber auf ein zuverlässiges Ergebnis angewiesen, wird Ärzten empfohlen, den PCR-Test durchzuführen: Dieser ist zuverlässiger als ein Antigen-Schnelltest.

Antigentests sind weniger zuverlässig als PCR-Tests. Das bedeutet, es besteht die Möglichkeit

  • falsch positiver Befunde: Der Test zeigt eine Infektion an, ob wohl keine vorliegt.
  • falsch negativer Befunde: Der Test zeigt keine Infektion an, obwohl sich die betroffene Person infiziert hat. Das ist zum Beispiel in sehr frühen oder sehr späten Phasen der Infektion möglich.

Besonders problematisch ist ein falsch negativer Befund, da sich die getestete Person in falscher Sicherheit wiegt. Deshalb empfiehlt das Robert Koch-Institut Antigen-Schnelltests nur, wenn ein falsch negatives Ergebnis keine schwerwiegenden Konsequenzen hat. Den Antigentest zu wiederholen, erhöht die Aussagekraft des Tests.

Insbesondere immungeschwächte Krebspatienten sowie deren Angehörige sind auf einen zuverlässigen Corona-Test angewiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) empfiehlt für den Nachweis einer SARS-CoV2-Infektion bei Krebspatienten den PCR-Test.

Wichtig zu wissen: Zeigt der Antigentest eine Infektion an, muss das durch einen PCR-Test bestätigt werden, um ein falsch positives Ergebnis auszuschließen. Andernfalls würden die getestete Person sowie mögliche Kontaktpersonen unnötig in Isolation geschickt werden.

Antikörpertests: Wie sinnvoll sind sie für Krebspatienten?

Fazit

Antikörpertests sind nur in wenigen Situationen als ergänzende Tests sinnvoll. Insbesondere Personen ohne typische COVID-19-Symptome bekommen keine sichere Aussage darüber, ob sie die Erkrankung schon hatten und möglicherweise immun sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Einsatz von Antikörpertests derzeit nur in Forschungsprojekten.

Risikopatienten für schwere COVID-19-Verläufe und ihre Angehörigen würden sich über einen aussagekräftigen Antikörpertest freuen. Würde man so doch Hinweise bekommen, ob man die Infektion schon hinter sich hat, eine Gefährdung durch COVID-19 besteht und die strengen Abstands- und Hygieneregeln weiter eingehalten werden müssen.

Die derzeit verfügbaren Tests auf Antikörper gegen das Virus SARS-CoV-2 sind nur eingeschränkt aussagekräftig: Sie erlauben nicht in jeder Situation eine Aussage darüber, ob eine einzelne Person die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bereits durchgemacht hat. Insbesondere für Menschen, die keine typischen COVID-19-Symptome haben oder kürzlich hatten, schätzen Experten sie nicht als sinnvoll ein.

Denn: Der Test kann auch Antikörper gegen andere Erkältungs-Coronaviren nachweisen. Dann ist er falsch-positiv. Das bedeutet, die getestete Person geht davon aus, eine SARS-CoV-2-Infektion bereits durchgemacht zu haben, obwohl das nicht der Fall ist. Möglicherweise würde man sich dann in falscher Sicherheit wiegen – und hätte dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Für die breite Öffentlichkeit oder den Eigenbedarf von Patienten und ihren Angehörigen sind diese Tests daher bislang nicht geeignet. Ärzte können sie allerdings bei begründetem Verdacht als ergänzende Diagnostik einsetzen. Dann werden die Kosten von der Krankenversicherung übernommen.

Forscher können Antikörpertests beispielsweise für bevölkerungsmedizinische Fragestellungen einsetzen, in sogenannten epidemiologischen Studien. Damit können Epidemiologen realistische Werte etwa für die Infektionshäufigkeit und für die zunehmende Herdenimmunität in der Bevölkerung berechnen.

Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzten

Nicht jede Krebspatientin und nicht jeder Krebspatient ist aufgrund seiner Krebsmedikamente stark immungeschwächt: Fragen Sie ihren Arzt, wie er aktuell Ihre Infektabwehr einschätzt und ob Sie ein Krebsmedikament bekommen, das das Immunsystem unterdrückt.

Experten gehen davon aus, dass Krebspatienten besonders dann ein erhöhtes Risiko haben, schwer an COVID-19 zu erkranken, wenn sie beispielsweise Krebsmedikamente bekommen, die ihr Immunsystem schwächen. Fachleute sprechen in diesem Fall von "Immunsuppression".

  • Wichtig zu wissen: Die Immunsuppression ist eine Nebenwirkung von vielen Krebsmedikamenten, aber nicht von allen.

 

Chemotherapie

Manche Chemo-Medikamente (Zytostatika), schädigen die Blutbildung im Knochenmark. In der Folge hat man beispielsweise zu wenige weiße Blutkörperchen, sogenannte Leukozyten. Das schwächt die Abwehr (Immunsuppression) und die Infektionsgefahr steigt. Fachleute sprechen in diesem Fall von "Leukopenie".

Es gibt Zytostatika, die als stark immunsuppressiv gelten, zum Beispiel Cyclophosphamid oder Vinblastin. Und es gibt solche, für die das nicht in demselben Maße zutrifft, etwa die Taxane Paclitaxel und Docetaxel.

  • Ihre Ärzte kontrollieren während einer Chemotherapie regelmäßig Ihr Blutbild und kennen das Nebenwirkungsprofil Ihrer Chemo-Medikamente. Fragen Sie im Zweifel nach, wie sie die Situation einschätzen und ob Sie sich in besonderem Maße vor einer Corona-Ansteckung schützen müssen.

Wichtig zu wissen: Auch die Dosis einer Chemotherapie bestimmt mit, wie stark das Immunsystem geschwächt wird. Insbesondere intensive Chemotherapien, wie sie beispielsweise für Patienten im Rahmen einer Blutstammzelltransplantation und bei akuten Leukämien eingesetzt werden, gefährden die Infektabwehr.

Zielgerichtete Therapie

Einige Medikamente zielgerichteter Therapien, die Ärzte zur Behandlung von Blutkrebserkrankungen einsetzen, schwächen das Immunsystem. Dazu gehören unter anderem monoklonale Antikörper wie Obinutuzumab. Sie senken die Zahl an Abwehrzellen im Körper.

  • Patienten, die unter einer solchen Therapie stehen, gehören zur Risikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe und müssen sich besonders vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen.

Andere zielgerichtete Medikamente, etwa zur Behandlung von Organtumoren (soliden Tumoren) wie Lungenkrebs, gelten als kaum immunsuppressiv. Dazu gehören beispielsweise Afatinib und verwandte Wirkstoffe, die das Weiterleiten von Wachstumssignalen in der Zelle hemmen. Das Fachwort für solche Medikamente lautet Tyrosinkinasehemmer.

  • Wichtig zu wissen: Es gibt aber auch zielgerichtete Medikamente zur Behandlung solider Tumoren, die zu einer Abwehrschwäche führen. Sie erhöhen daher vermutlich das Risiko, schwerer an COVID-19 zu erkranken: Dazu gehören beispielsweise sogenannte CDK4/6-Hemmer wie Palbociclib und Ribociclib, die Ärzte zur Brustkrebstherapie einsetzen.

Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation und CAR-T-Zelltherapie

Manche Krebspatientinnen und -patienten erhalten eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation oder eine CAR-T-Zelltherapie, beispielsweise zur Behandlung einer Leukämie.

Diese Patienten gehören aufgrund der schweren und meist länger andauernden Immunschwäche zur Höchstrisikogruppe für verschiedene Infektionen. Dazu zählt auch eine Infektion mit SARS-CoV-2: Es ist davon auszugehen, dass eine COVID-19-Erkrankung bei diesen Patienten häufiger einen schweren Verlauf nimmt als bei immungesunden Personen.

Neben den allgemeinen Maßnahmen zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion empfehlen Experten auch spezielle Maßnahmen, um diese Patientengruppe zu schützen. Das umfasst beispielsweise Regelungen für Visiten und Besuche sowie für die Vorbereitung des Stammzellspenders und des Stammzell-Empfängers.

Haben Sie Fragen?

Bei Fragen zur Krebsbehandlung Ihres Kindes und zu den notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion wenden Sie sich am besten an die behandelnde Fachärztin oder den behandelnden Facharzt Ihres Kindes. Die Ärzte können die Situation Ihres Kindes am besten einschätzen.

Viele Eltern von Kindern mit einer Krebserkrankung sind verunsichert und fragen sich, ob ihre Kinder in der aktuellen Corona-Pandemie zur Risikogruppe für einen schweren Erkrankungsverlauf gehören.

  • Durch ihre Krebsbehandlung haben viele Kinder ein geschwächtes Immunsystem. Das gilt beispielsweise für Kinder während oder nach einer Stammzelltransplantation oder für Kinder, die gerade eine intensive Krebstherapie erhalten. Dadurch können sie unter Umständen eine Infektion weniger gut bekämpfen als Kinder mit einem gesunden Immunsystem.

Von einigen Viren ist bekannt, dass sie bei immungeschwächten krebskranken Kindern lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen können. Das trifft beispielsweise für Grippe-Viren zu. Wie schwer die COVID-19-Erkrankung bei diesen Kindern verläuft, ist bisher noch unklar.

Die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) nehmen zur Gefährdung krebskranker Kinder durch das Coronavirus wie folgt Stellung:

  • Während einer Therapie gelten krebskranke Kinder als Hochrisikopatienten für Infektionen. Dies gilt auch für Corona-Infektionen mit dem neuen SARS-CoV-2-Virus.
  • Für krebskranke Kinder und Jugendliche, die immungeschwächt sind, gelten alle allgemein üblichen und empfohlenen Schutzmaßnahmen.

Die Zentren für Kinderonkologie geben derzeit neben den allgemein üblichen Schutzmaßnahmen spezielle Regelungen zu Besuchszeiten, Schutzmasken und zur Corona-Testung vor. Die Kliniken passen ihre Regelungen ständig an die offiziellen Empfehlungen an, die beispielsweise das Robert Koch-Institut gibt.

Wenn die Krebserkrankung schon länger zurückliegt

Krebskrankes Kind mit Kopftuch und Teddy © Mama Belle and the kids, Shutterstock
Während einer Therapie gelten krebskranke Kinder als Hochrisikopatienten für Corona-Infektionen © Mama Belle and the kids, Shutterstock

Nach einer Krebsbehandlung erholt sich das Immunsystem schrittweise und bei einzelnen Kindern unterschiedlich schnell. Wann die Infektabwehr wieder der eines gesunden Kindes entspricht, können im Einzelfall nur die behandelnden Ärzte beurteilen, die alle Befunde kennen.

Prinzipiell gehören Kinder mit einer ausgestandenen Krebserkrankung zur Risikogruppe, wenn ihr Immunsystem aktuell geschwächt ist. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn

  • die Zahl der weißen Blutkörperchen erniedrigt ist oder
  • die Immunglobulinwerte erniedrigt sind.
Wichtig

Bei den meisten akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer wissenschaftlich fundierten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) empfiehlt Patienten, eine geplante Krebstherapie nicht grundsätzlich zu verschieben.

Ärzte werden bei jedem Patienten den Nutzen der Krebstherapie gegen den möglichen Schaden, etwa Nebenwirkungen, abwägen. Dabei berücksichtigen sie auch das individuelle Erkrankungsrisiko für COVID-19: Das ist bei einzelnen Betroffenen unterschiedlich, abhängig von den Lebensumständen, dem Arbeitsumfeld und den persönlichen Kontakten.

Haben sich Krebspatienten mit SARS-CoV-2 infiziert? Oder haben Sie ein erhöhtes Infektionsrisiko, beispielsweise, weil sie sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben? Dann empfiehlt die DGHO individuell abzuwägen, ob es notwendig ist, die Krebstherapie zu verschieben, zu verzögern oder zu ändern.

Eine Krebstherapie kann auch schützen: Die DGHO weist darauf hin, dass in den meisten Fällen eine wirksame Behandlung der Krebserkrankung für das Überleben der Patienten wichtiger ist als übertriebene Vorsichtsmaßnahmen im Sinne unnötiger Unterbrechungen oder Verschiebungen der Therapie: Patienten, deren Erkrankung durch eine Krebstherapie kontrolliert ist, erleiden meistens weniger Infektionen als Patienten, die nicht wirksam behandelt sind.

Patienten mit einer gut beherrschbaren Krebserkrankung können mit ihren Ärzten darüber sprechen, ob sich die Therapie verschieben lässt.

Empfehlungen zur Strahlentherapie

Lexikon

Fraktionierung: Die erforderliche Strahlendosis für die gesamte Behandlung wird in kleine "Portionen" aufgeteilt, die man über mehrere Wochen verteilt erhält.

Viele Krebspatienten haben Sorge, sich während ihrer Strahlentherapie mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) anzustecken. Die damit einhergehende Erkrankung COVID-19 kann bei einigen Krebspatienten einen schweren Verlauf nehmen. Andererseits besteht das Risiko, die Chance auf Heilung zu verschlechtern, wenn man die Bestrahlungen verschiebt oder die Behandlung ganz abbricht.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO) sehen vor, medizinisch notwendige Bestrahlungen möglichst nicht aufzuschieben oder zu unterbrechen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Strahlentherapie während der Pandemie anzupassen:

  • Umstellung des Therapieschemas: Bei manchen Krebsarten können Ärzte die Vorgehensweise der Behandlung verändern, ohne dass sich dadurch die Heilungschancen verschlechtern. Dann ziehen sie zum Beispiel eine medikamentöse Hormontherapie vor und bestrahlen den Tumor erst später.
  • Änderung der Fraktionierung: Statt häufiger mit geringeren Dosen zu bestrahlen, kann die Strahlentherapie auch mit weniger Sitzungen, aber dafür mit höheren Dosen erfolgen.

Bestehen diese Möglichkeiten bei Ihnen nicht? Dann raten die Experten dazu, die Strahlentherapie, unter den empfohlenen Hygiene- und Verhaltensvorkehrungen fortzusetzen.

Sie sind an COVID-19 erkrankt? Selbst wenn Krebspatienten neu aufgetretene Atemwegsbeschwerden haben und/oder positiv auf das Coronavirus getestet wurden, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie ihre Strahlentherapie sofort abbrechen müssen. In diesem Fall sollten Sie telefonisch Kontakt aufnehmen und gemeinsam mit dem behandelnden Radioonkologen individuell klären, ob und unter welchen Voraussetzungen die Behandlung durchgeführt werden kann.

Arzt bereitet Frau für Strahlentherapie vor. © Mark_Kostich, Shutterstock
Eine Strahlentherapie sollte nach Möglichkeit auch während der COVID-19-Pandemie nicht aufgeschoben oder unterbrochen werden. © Mark_Kostich, Shutterstock

In Übereinstimmung mit Notfallkonzepten der Strahlenschutzkommission empfehlen die Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO): Eine Strahlentherapie sollte nach Möglichkeit auch während der COVID-19-Pandemie nicht aufgeschoben oder unterbrochen werden.

Strahlentherapie-Einrichtungen sollen kurative Therapien auch bei Engpässen wie etwa aufgrund von Corona-bedingtem Personalmangel und Quarantänemaßnahmen möglichst komplett und ohne Unterbrechung durchführen. So lautet eine Empfehlung der ARO und DEGRO, in Übereinstimmung mit Notfallkonzepten der Strahlenschutzkommission.

Sind größere Einschränkungen beim Behandlungsbetrieb zu erwarten, sollen Strahlentherapie-Einrichtungen individuell entscheiden, wie sie weiter vorgehen. Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Behandlungen gutartiger Erkrankungen aufzuschieben,
  • Nachsorge-Untersuchungen zu verschieben
  • und patientenabhängig zu entscheiden, ob eine Strahlentherapie ohne Risiko verschoben werden kann.

Krebspatientinnen und Krebspatienten, die in der nächsten Zeit einen Termin zur Nachsorge haben, können mit ihrem Nachsorge-Arzt darüber sprechen, ob der Termin stattfinden soll. Die Ärzte kennen die persönliche Situation und können die Dringlichkeit der anstehenden Nachsorge-Untersuchung gegen das Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus abwägen.

Je nach Situation kann die Entscheidung anders ausfallen. Fragen, die dabei eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel:

  • Lässt sich die Nachsorge ohne gesundheitlichen Nachteil verschieben?
  • Gehört der oder die Betroffene zu einer Risikogruppe für COVID-19?
  • Hatte der oder die Betroffene Kontakt zu einem am Coronavirus Erkrankten oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten?
  • Befindet sich der oder die Betroffene in Quarantäne?
  • Sind die Kapazitäten der Praxis/Klinik momentan eingeschränkt?


Anschlussheilbehandlung

Die Maßnahmen zu Anschlussheilbehandlung (AHB) finden derzeit weiter statt.

  • Zu bedenken ist hier, dass sich die Situation aufgrund der Corona-Pandemie jederzeit ändern kann.

Anschlussheilbehandlungen (Anschlussrehabilitationen) werden bereits in der Klinik geplant. Deshalb müssen sie, außer bei Bestrahlungen, unmittelbar im Anschluss an einen Klinikaufenthalt erfolgen und können nicht verschoben werden. Alternativ haben die Patientinnen und Patienten auch später die Möglichkeit, eine onkologische Rehabilitation zu beantragen.

Onkologische und medizinische Rehabilitation

Zur aktuellen Situation in den Reha-Kliniken informiert die Deutsche Rentenversicherung (DRV).

Aktuelle Empfehlung der DRV: Generell sollen die Rehakliniken wieder Patientinnen und Patienten aufnehmen, wenn sie dabei geltende Hygienevorschriften einhalten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Besuchsverbote
  • Befragungen vor Anreise
  • Räumliche Trennung neu angereister Patienten und gegebenenfalls ein Corona-Test
  • entsprechende Verhaltensregeln wie Abstand, Händehygiene und Tragen eines Mund-Nasenschutzes

Die Entscheidung über die Öffnung einer Reha-Klinik trifft die jeweilige Klinikleitung. Zudem kann es sein, dass Behörden in einigen Regionen die Aufnahme von Reha-Patienten noch beschränken. Deshalb ist es ratsam, sich über die aktuelle Aufnahmesituation direkt bei der jeweiligen Reha-Klinik zu informieren.

  • Patientinnen und Patienten sind nicht verpflichtet eine Rehabilitationsmaßnahme anzutreten: Sie können sich in diesem Fall mit ihrem Rentenversicherungsträger in Verbindung setzen und einen Antrag auf Verschiebung der Reha stellen. Die Verschiebung des Reha-Beginns ist in Folge der Corona-Pandemie für bis zu 9 Monate möglich.
  • Wenn Patientinnen oder Patienten vorzeitig aus der Reha abreisen, sollten sie beachten, dass der Rentenversicherungsträger das Übergangsgeld nicht weiterbezahlt. Patientinnen und Patienten müssen sich dann mit dem Leistungsträger in Verbindung setzen, von dem sie vor der Reha Leistungen bezogen haben: zum Beispiel Krankengeld von der Krankenkasse, Arbeitslosengeld von der Arbeitsagentur, Arbeitslosengeld II vom JobCenter.

Wichtig zu wissen: Wenn Krankenkassen Patientinnen und Patienten auffordern, einen Reha-Antrag zu stellen, müssen sie diesen grundsätzlich auch während der Corona-Pandemie stellen. Andernfalls könnte der Anspruch auf Krankengeld entfallen.



Recht auf Fernbleiben von der Arbeit?

Die derzeitige Erkrankungswelle mit COVID-19 berechtigt Arbeitnehmer nicht automatisch, ihrer Arbeit fernzubleiben. Das gilt auch für Krebspatientinnen und Krebspatienten unter ambulanter Krebstherapie, die aktuell arbeiten gehen.

  • Wenn es Ihnen nicht gut geht, können Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt suchen. Er kann dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ("Krankmeldung") ausstellen.
  • Wenn es Ihnen gut geht, Sie aber als Krebspatient die Ansteckung fürchten, können Sie gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber versuchen, alternative Lösungen zu finden: Dazu gehören beispielsweise Homeoffice, kreative Arbeitszeitmodelle, Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten.
    Ist Homeoffice von Arbeitgeberseite nicht möglich, müssten Sie mit Ihrem Arzt klären, ob Sie tatsächlich zu einer Risikogruppe gehören und ob für Sie durch die Tätigkeit ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zu befürchten ist.

Wichtig zu wissen: Wenn Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bescheinigt, dass Sie aufgrund Ihrer Krebserkrankung zur Risikogruppe gehören, verpflichtet das Ihren Arbeitgeber in der Regel nicht zu bestimmten Maßnahmen oder zu einer Gehaltsfortzahlung, wenn Sie nicht zur Arbeit erscheinen.

Gibt es ein Beschäftigungsverbot für Risikogruppen?

Ein Beschäftigungsverbot für Risikogruppen gibt es nicht. Beschäftigungsverbote gibt es nur in wenigen gesetzlich festgelegten Fällen, beispielsweise bei Schwangerschaften oder bei einer nachgewiesenen Corona-Infektion. Allein zu einer Risikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe zu gehören, reicht für ein Beschäftigungsverbot nicht aus.

  • Das bedeutet: Ärztinnen und Ärzte können Krebspatienten, zwar (kostenpflichtig) bescheinigen, dass sie zur Risikogruppe gehören, aber sie können kein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen.

Recht auf Homeoffice?

Laptop, Kaffeetasse und Handy im Homeoffice © Elchinator, Pixabay
Wenn es die Möglichkeit gibt, können Krebspatientinnen und -patienten ins Homeoffice ausweichen, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Ein Recht auf Homeoffice gibt es aber nicht. © Elchinator, Pixabay

Ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice (Telearbeit) besteht derzeit nicht. Es kann aber hilfreich sein, den Arbeitgeber zu informieren, falls man zur Risikogruppe gehört. Betroffene können außerdem klären, ob es bei ihrem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung zum Homeoffice gibt oder ein bestehender Tarifvertrag dazu Regelungen enthält.

  • Wichtig: Entscheidend ist, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber das Gespräch suchen und die Möglichkeiten für Homeoffice mit ihm klären.
  • Auch die Politik hat die Arbeitgeber in der aktuellen Situation aufgefordert, vermehrt die Möglichkeiten des Homeoffice zu gewähren.

Wie wird für Schutz vor Corona während der Arbeit gesorgt?

Fragen Sie Ihren Arbeitgeber

Wenn Sie unsicher sind, wie Ihr Arbeitgeber den Infektionsschutz sicherstellt, fragen Sie nach.

Arbeitgeber unterliegen einer gesetzlich verankerten Fürsorgepflicht. Das heißt, sie müssen nötige Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergreifen. Diese sind in der neuen SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel niedergelegt. Sie soll Arbeitnehmer vor einer Corona-Infektion schützen und einer weiteren Ausbreitung des Virus vorbeugen.

Zu möglichen Schutzmaßnahmen zählen beispielsweise

  • einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Beschäftigten zu ermöglichen – in Büros, im Freien und in Fahrzeugen.
  • Abläufe so zu organisieren, dass die Beschäftigten möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben. Beispielsweise über Schichtwechsel, Pausen oder unterschiedliche Anwesenheiten im Büro.
  • Schutzscheiben oder Schutzmasken zur Verfügung zu stellen, wo ein direkter Kontakt nicht zu vermeiden ist.

Wichtig zu wissen: Zudem sind Arbeitgeber angehalten, Risikogruppen besonders zu schützen. Das schließt auch eine Beratung beim Betriebsarzt zu arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren, Vorerkrankungen und Ängsten ein.



Zum Weiterlesen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat Empfehlungen für Präventionsmaßnahmen in Schulen während der COVID-19 Pandemie sowie Testkriterien für Schüler zusammengestellt.

Inzwischen wurde der Präsenzunterricht in den Schulen wieder aufgenommen. Wie die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule gehen, kann sich in den Details von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule unterscheiden. In den Schulen gibt es Hygienekonzepte, um das Ansteckungsrisiko für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte möglichst gering zu halten.

Prinzipiell besteht Schulpflicht, das bedeutet allein die Sorge vor einer Ansteckung rechtfertigt nicht das Fernbleiben vom Unterricht. Auf jeden Fall sehen Schulen aber Maßnahmen vor, um das Ansteckungsrisiko für die Schülerinnen und Schüler möglichst gering zu halten

Hochgestellte Stühle in leerem Klassenzimmer © taken, Pixabay
Inzwischen haben Schulen wieder den Präsenzunterricht aufgenommen. Risikogruppen mit Krebs sollten sich mit ihrer Einrichtung und ihren Ärzten über erforderliche Sicherheitsmaßnahmen austauschen. © Taken, Pixabay

Risikogruppen: Schülerinnen und Schüler, die selbst zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 gehören, sollten darüber mit ihren behandelnden Ärzten und der Schulleitung sprechen:

  • Mit den Ärzten sollte besprochen werden, wie hoch sie das individuelle Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 einschätzen.
  • Mit der Schule ist zu klären, wie das Infektionsrisiko gesenkt werden kann und / oder welche alternativen Möglichkeiten es geben könnte. Denkbar wäre beispielsweise ein weiterer Fernunterricht.

Sich und andere schützen: Auch Kinder sollten nach Möglichkeit dazu beitragen, das Risiko für sich und andere gering zu halten. Das bedeutet: Abstands- und Hygieneregeln sowie die Husten- und Niesregeln einhalten.

Krebsbetroffene Angehörige von Schülern

Angehörige schützen

In dem Abschnitt Wie kann ich vermeiden, krebskranke Angehörige mit Corona anzustecken? sind verschiedene Maßnahmen genannt, die insbesondere ältere Schüler beherzigen können, um ihre krebskranken Angehörigen zu schützen.

An Krebs erkrankte Eltern fragen sich häufig, ob es besser ist, wenn ihr Schulkind zu Hause bleibt, damit sie sicherer vor einer SARS-CoV-2-Infektion geschützt sind. Zu dieser Frage haben Onkologische Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Center) Krebsexperten befragt, mit folgendem Fazit:

  • Insgesamt waren die Krebsexperten eher der Meinung, dass die meisten Kinder von krebskranken Eltern in Deutschland weiter die Schule besuchen können.
    Den Hintergrund für diese Einschätzung liefert auch das Robert Koch-Institut: Derzeit gibt es keinen Anhalt dafür, dass sich Krebspatienten in Deutschland häufiger mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 anstecken als die übrige Bevölkerung. Auch ist in Studien die Ansteckungsrate durch Kinder nicht höher als durch Erwachsene.
  • Trotzdem kann es Gründe geben, die dagegen sprechen können, dass Kinder mit einem an Krebs erkrankten Elternteil weiter die Schule besuchen. Beispielsweise, wenn sich bei dem erkrankten Elternteil der Gesundheitszustand verschlechtert oder im schulischen Umfeld des Kindes COVID-19-Fälle aufgetreten sind.
  • Betroffene sollten daher bei dieser Entscheidung ihren behandelnden Onkologen mit hinzuziehen: Er kann die individuelle Krankheitssituation beurteilen und etwa einschätzen, wie wahrscheinlich das Immunsystem durch den Krebs und die Behandlung beeinträchtigt wird.

Unabhängig davon, treffen Schulen Maßnahmen, um das Corona-Ansteckungsrisiko für die Kinder möglichst gering zu halten.

Individuelle Lösungen oft möglich: Leben Schüler mit Personen zusammen, die zur Risikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe gehören, bieten viele Schulen Unterstützung an. Hier lohnt es sich bei der Schulleitung nachzufragen.

Aktuell

Alles rund um das Thema Grippeimpfung sowie Links zum Weiterlesen finden Sie in unserer Nachricht Grippeimpfung für Krebspatienten.

Zusätzliche Virus-Infektionen der oberen Luftwege können für den Verlauf einer Coronavirus-Erkrankung ein besonderes Risiko darstellen.

Eine Grippeschutz- und Pneumokokken-Impfungen schützt nicht vor COVID-19. Aber sie vermindern das Risiko von weiteren, möglicherweise kritischen Infektionen, die im schlimmsten Fall eine Versorgung auf einer Intensivstation notwendig machen.

Wichtig zu wissen

Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Hinweise, dass die Grippeimpfung für einen schweren Verlauf von COVID-19 verantwortlich ist.

Grippe (Influenza): Die Ständigen Impfkommission (STIKO) empfiehlt auch während der Corona-Pandemie eine Influenza-Impfung für

  • Menschen ab 60 Jahren und
  • Menschen mit Grunderkrankungen
  • Menschen mit unterdrücktem Immunsystem, zum Beispiel aufgrund einer Chemotherapie

Pneumokokken: Die STIKO empfiehlt ganz allgemein für Personen, die ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben, eine entsprechende Impfung. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist aber darauf hin, dass Pneumokokken-Impfstoffe in Deutschland aktuell nur sehr eingeschränkt verfügbar sind. Daher rät das RKI den Ärzten zurzeit, vor allem Personen zu impfen, die ein besonders hohes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben. Dazu gehören:

  • Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren
  • Personen mit Immunschwäche, Senioren ab 70 Jahren und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen, etwa COPD und Asthma.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob er Ihnen zu einer dieser Impfungen rät.

Für Krebspatientinnen und Krebspatienten ist die Pneumokokken-Impfung demnach empfohlen, wenn das Immunsystem geschwächt ist – sei es durch die Erkrankung selbst oder durch Medikamente wie hochdosiertes Kortison oder eine Chemotherapie.

Bei der Pneumokokken-Impfung ist zudem auch das Alter ausschlaggebend: Ärzte sollen derzeit vor allem Personen über 70 gegen Pneumokokken impfen.

Insbesondere Risikogruppen sollten allgemein auf eine gute Gesundheit achten. Dazu raten die Experten der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO).

Ernährung: Wichtig ist auf seinen Ernährungsstatus zu achten. Der Grund: Menschen, die aufgrund von Alter oder Begleiterkrankungen zu Fehl- und Mangelernährung neigen, sind durch COVID-19 besonders gefährdet.

  • Lassen Sie sich bei Fragen zu Ihrem Ernährungsstatus von einem erfahrenen Ernährungsberater oder -mediziner unterstützen.
  • Solche Fachleute können beurteilen, ob Ihre tägliche Ernährung für eine optimale Infektionsabwehr mit Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt werden muss. So empfiehlt die DGHO beispielsweise mögliche Mangelzustände mit Vitamin D und Eisen-Mangel auszugleichen.
  • Wichtig: Nehmen Sie nicht auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin- und Mineralstofftabletten ein, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder ihrem Arzt.

Bewegung: Wichtig ist zudem, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Das hat gleich mehrere positive Effekte. Bei Krebspatienten sinkt dadurch nachweislich das Risiko für Krankheits- und Behandlungsfolgen. Zusätzlich wird die Lebensqualität verbessert sowie Muskelschwund und einer beeinträchtigten Immunantwort vorgebeugt.

  • Versuchen Sie, sich regelmäßig und angepasst an Ihren Fitnesszustand, zu bewegen.
  • Wenn Sie unsicher sind, was möglich ist und was nicht, lassen Sie sich von Ihren Ärzten beraten.
  • Hilfreich sind einfache Kräftigungs-, Balance- und Dehnübungen.
  • Unterstützen können dabei Trainingsvideos der Uniklinik Köln: Sie sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit onkologischen Erkrankungen zugeschnitten.

Nichtrauchen hilft ebenfalls schweren COVID-19-Verläufen vorzubeugen. Zudem nutzt Rauchverzicht dem Körper insgesamt: Die Sauerstoffaufnahme in der Lunge verbessert sich. Krebspatienten vertragen Behandlungen besser, Wunden heilen schneller und Medikamente belasten den Stoffwechsel weniger.

Impfen gegen Influenza und Pneumokokken senkt das Risiko von weiteren, möglicherweise kritischen Infektionen.

Möchten Sie Ihre krebskranke Angehörige oder Ihren krebskranken Angehörigen schützen, halten Sie die empfohlenen Schutzmaßnahmen ein.

  • Waschen Sie gründlich und häufig die Hände mit Seife (mindestens 30 Sekunden).
  • Halten Sie die Husten- und Niesregeln ein.
  • Schränken Sie soziale Kontakte soweit wie möglich ein und halten Sie einen Abstand von 1–2 Metern zu anderen Personen.
  • Desinfizieren Sie gemeinsam genutzte Oberflächen regelmäßig, etwa Türklinken, Lichtschalter, Tastaturen oder Telefone.
  • Nehmen Sie bei ersten Krankheitszeichen wie Husten und Fieber sofort telefonisch oder elektronisch Kontakt mit einem Arzt oder Krankenhaus auf und halten Sie Abstand zu Ihrem an Krebs erkrankten Angehörigen.
  • Lassen Sie sich gegen Grippe impfen.

Wichtig: Diese Maßnahmen sollten Sie insbesondere dann einhalten, wenn Sie mit einem Krebspatienten zusammenleben, der als Risikopatient gilt.

Als Angehöriger eines Krebspatienten arbeiten gehen

Für Angehörige ist es nicht immer möglich, soziale Kontakte zum Schutz ihrer krebskranken Mitbewohner zu meiden. Das gilt vor allem dann, wenn sie ein Arbeitsumfeld haben, bei dem sie mit vielen Menschen in Kontakt kommen.

  • Möglichkeiten des Homeoffice klären: Arbeitnehmer haben zwar keinen gesetzlichen Anspruch darauf, von zu Hause aus zu arbeiten. Trotzdem können sie dies mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. Vielleicht enthält auch die Betriebsvereinbarung oder der bestehende Tarifvertrag entsprechende Regelungen.
  • Gemeinsam alternative Lösungen finden: Nicht nur Homeoffice, auch kreative Arbeitszeitmodelle, Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten können dabei unterstützen, den persönlichen Kontakt mit Kollegen und Kunden zu minimieren. Hier lohnt es sich ebenfalls, mit dem Arbeitgeber ins Gespräch zu kommen.

Darüber hinaus fordert die Bundesregierung angesichts der Corona-Pandemie alle Betriebe auf, aktuell geltende Hygienevorschriften einzuhalten und wirksame Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter und Besucher umzusetzen. Details dazu finden Sie in dem Abschnitt Corona und Arbeitsrecht: Welche Ansprüche habe ich mit Krebs?

Blut und Blutbestandteile auch für manche Krebstherapien benötigt

Institute und Bundeszentrale rufen auf: Bürgerinnen und Bürger, die sich gesund und fit fühlen, können und sollen mit entsprechenden Vorkehrungen trotz der beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie weiter zur Blut- oder Plasmaspende gehen.

Derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Coronavirus durch Blut oder Blutbestandteile übertragbar ist. Dazu gehören unter anderem rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma oder auch Blutstammzellen. Diese Blutprodukte erhalten auch viele Krebspatientinnen und Krebspatienten im Rahmen ihrer Behandlung.

Blut- und Plasmaspenden sind in den vergangenen Wochen der Coronavirus-Pandemie jedoch zurückgegangen. Da kontinuierliche Spenden wichtig sind, damit Patientinnen und Patienten auch künftig gut versorgt werden können, rufen Experten gesunde Spender dazu auf, Blutspendetermine weiterhin wahrzunehmen.

  • Spenderinnen und Spender haben während der Blutspende in der Regel kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das Coronavirus – Hygienestandards in Blutspendeeinrichtungen stellen dies sicher.

Mehr zum Aufruf zur Blutspende und zu den Sicherheitsstandards lesen Sie auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts.

Generell gilt: Spenderinnen und Spender werden stets zu ihrem Gesundheitszustand befragt und überprüft. Personen mit Anzeichen einer Infektion dürfen prinzipiell kein Blut spenden.

Darüber hinaus gibt es derzeit klare Vorgaben für Blutspender, die Kontakt mit Corona-Infizierten hatten oder selbst erkrankt sind. Sie können für einen festgelegten Zeitraum kein Blut bzw. keine Blutprodukte spenden.

  • Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Stammzellspenden werden derzeit nicht sofort an den Empfänger weitergegeben, sondern zwischengelagert. So kann zusätzlich sichergestellt werden, dass die Spende nur dann verwendet wird, wenn beim Spender in den Tagen nach der Spende keine Anzeichen auf eine Coronavirus-Infektion auftreten.
Soziale Kontakte anders pflegen

Wenn Sie zu einer Risikogruppe für einen schweren Covid-19-Verlauf gehören und es einen Grund zu feiern gibt, nutzen Sie dafür zum Beispiel neue Medien wie Messaging-Dienste mit Chat- oder Videofunktion.

Nachdem sich in Deutschland die Fallzahlen vorrübergehend auf einem erhöhten Niveau stabilisiert hatten, steigen sie aktuell wieder kontinuierlich an. Das Infektionsgeschehen nimmt in fast allen Regionen zu.

In welchen Rahmen und mit wie vielen Personen private Feiern erlaubt sind, kann sich daher sehr kurzfristig ändern und sich auch von Region zu Region unterscheiden. Beachten Sie daher die jeweils aktuellen Regelungen in Ihrer Region.

Prinzipiell empfehlen Experten vor allem Krebspatientinnen und Krebspatienten mit geschwächtem Immunsystem eine freiwillige Selbstisolation. Denn: Gehört man als Krebspatient zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 und möchte man unter vielen Menschen feiern, sollte man mögliche Risiken in Betracht ziehen. Eventuell sind dann Alternativen zu einer Feier zu Hause sinnvoller:

  • Treffen Sie sich zum Beispiel draußen, wo Abstandsregeln besser eingehalten werden können und eine Ansteckung unwahrscheinlicher ist. Oder treffen Sie sich virtuell. Werden Sie kreativ, wenn Sie etwas zu feiern haben und sich und andere trotzdem schützen wollen!
Adressen

Adressen von psychosozialen Krebsberatungsstellen und psychotherapeutisch arbeitenden Psychoonkologen in Ihrer Nähe finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

Krebspatientinnen und Krebspatienten sind in der derzeitigen Corona-Krise nicht nur mit ständig neuen Informationen zur Pandemie konfrontiert, sondern müssen sich darüber hinaus auch mit ihrer Krebserkrankung auseinandersetzen. Die aktuelle COVID-19-Pandemie wirft bei allen Menschen elementare Fragen auf und führt möglicherweise zu Sorgen und Ängsten.

Unterstützung für Krebspatientinnen und -patienten

Wenn Sie als Krebspatientin oder Krebspatient psychologische Hilfe benötigen, können Sie sich an regionale Krebsberatungsstellen wenden.

  • Aufgrund der Corona-Pandemie machen viele psychosoziale Krebsberatungsstellen flexible Beratungsangebote. Bei Bedarf sind häufig auch telefonische Beratungen möglich. Falls eine Beratungsstelle nicht unmittelbar erreichbar ist, empfiehlt es sich, den Kontakt per E-Mail zu suchen oder eine Rückrufbitte aufzusprechen, wenn ein Anrufbeantworter geschaltet ist.

Patienten oder Angehörige, die – auch unabhängig von der Corona-Krise – nach einer längerfristigen Unterstützung suchen, können sich an psychotherapeutisch tätige Psychoonkologen wenden.

  • Ob die Psychoonkologen momentan Sprechstunden per Video oder Telefon anbieten, sollten Sie bei der jeweiligen Praxis direkt nachfragen.

Psychologische Unterstützung: Kurzfristige Hilfe für Alle

Ehepaar telefoniert. Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Viele Beratungsstellen sind während der Corona-Krisenzeit telefonisch erreichbar. Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

In einigen Städten oder Bundesländern bieten derzeit beispielsweise Kliniken, psychologische Fachbereiche an Universitäten oder andere Institutionen telefonische Beratungen durch Psychotherapeuten an. Informationen darüber bieten häufig die regionalen Zeitungen.

Die Telefonseelsorge, psychologische Beratungsstellen oder Familienberatungsstellen sind weitere Ansprechpartner. Die Telefonseelsorge ist täglich kostenlos rund um die Uhr erreichbar unter:

  • Telefon: 0800 1110 111 oder 0800 1110 222


Fachartikel und andere genutzte Quellen (Auswahl)

Hinweis: Viele Quellen sind direkt im Text verlinkt. Im Folgenden findet sich eine Auswahl weiterer Quellen zum Nachlesen und Vertiefen.

Leitlinien

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO): Leitlinie für  Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen (wird fortlaufend aktualisiert; aufgerufen am 12.10.2020)

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Leitlinie "Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis" und Patientenleitlinie "Grippe oder Coronavirus?" (wird fortlaufend aktualisiert; aufgerufen am 12.10.2020)

Ministerien und Behörden

Informationen der Bundesregierung zu Corona-Pandemie in Deutschland (aufgerufen am 12.10.2020)

Zusammen gegen Corona: Informationsportal des Bundesministeriums für Gesundheit (aufgerufen am 12.10.2020)

Bundesministerium für Gesundheit vom 02.10.2020: Fragen und Antworten zur neuen Corona-Test-Verordnung

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Informationen zum neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 (aufgerufen am 01.12.2020)

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Stellungnahme über eine Empfehlung zur Definition der COVID-19-Risikogruppen für eine Abgabe von FFP2-Masken vom 24.11.2020 (aufgerufen am 01.12.2020)

Fachgesellschaften und Institutionen

Ausführliche Informationen zum neuartigen Coronavirus bietet das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite (aufegrufen am 12.10.2020).

Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe vom 18.11.2020: Krebskranke Eltern in der Pandemie: Alltag gibt Kindern Halt (aufgerufen am 01.12.2020)

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ihre Informationen zum Coronavirus für Ärzte, Psychotherapeuten und Praxisteams gebündelt (aufgerufen am 12.10.2020).

Die europäische Fachgesellschaft für Blut- und Knochenmark-Transplantationen (EBMT) hat Empfehlungen für das Vorgehen rund um die Stammzell-Transplantation und die CAR-T-Zell-Therapie während der Corona-Pandemie in englischer Sprache herausgegeben (EBMT) (aufgerufen am 12.10.2020).

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie zur Auswirkung von Nase-Mund-Masken auf den Eigen- und Fremdschutz (PDF, Stand 08.05.2020, aufgerufen am 13.10.2020).

Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Verwendung von selbst hergestellten Masken, medizinischem Mund-Nasen-Schutz (MNS) sowie filtrierenden Halbmasken (Stand 26.06.2020) (aufgerufen am 13.10.2020)

European Society of Medical Oncology (ESMO): COVID-19 and Cancer (englisch) (aufgerufen am 13.10.2020)

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: Handlungsempfehlung für Ärzte zur Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive (PDF)

2. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Radioonkolgie (DEGRO) / Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) / Berufsverband der Deutschen Strahlentherapeuten e. V. (BVDST) zur Strahlentherapie während der COVID-19 Pandemie (Stand: 25.3.2020)

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkolgie (DEGRO) zur Strahlentherapie während der COVID-19 Pandemie (Stand: 17.3.2020)

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO) vom 25.03.2020: Strahlentherapie zu Zeiten von Corona? Empfohlen wird eine individuelle Risikoabwägung.

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission zu Ausfallkonzepten in der Medizinischen Strahlentherapie (Stand: 22.11.2018)

Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie findet man Aktuelles zu SARS-CoV-2 Kinder und Jugendliche mit Krebs betreffend (aufgerufen am 13.10.2020)

Empfehlungen der britischen Children's Cancer and Leukaemia Group (CCLG) für krebskranke Kinder und ihre Eltern bezüglich der Corona-Pandemie (in englischer Sprache) (Aufgerufen am 27.03.2020)

Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten (aufgerufen am 12.10.2020)

Robert Koch-Institut: Grippeschutzimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten (aufgerufen am 12.10.2020)

Informationen der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (aufgerufen am 12.10.2020)

Die Internetseite des Robert Koch-Instituts PEI, RKI und BZgA rufen zur Blutspende auf – Spendetermine wahrnehmen! informiert zu Blut- und Plasmaspenden im Kontext der Verbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2).

Die Infoseite "Corona-Epidemie" der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs bietet umfangreiche Informationen rund um das Thema (aufgerufen am 13.10.2020).

Metaanalysen und systematische Reviews

Zhang H, Han H, He T, Labbe KE, Hernandez AV, Chen H, Velcheti V, Stebbing J, Wong KK. Clinical Characteristics and Outcomes of COVID-19-Infected Cancer Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Natl Cancer Inst. 2020 Nov 2:djaa168. doi: 10.1093/jnci/djaa168.

Fachartikel

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Erstellt: 01.12.2020