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Mistelzweig © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Misteltherapie gegen Krebs

Trotz neuerer Forschung weiter umstritten

Die Misteltherapie gegen Krebs gibt es schon seit etwa hundert Jahren. Die Anwendung der Pflanzenextrakte stammt ursprünglich aus der anthroposophischen Medizin. Viele Patienten setzen ihre Hoffnungen auf die Behandlung mit Mistelpräparaten. Doch Fachleute sehen die Anwendung kritisch: Sie weisen darauf hin, dass es bis heute keinen sicheren Beweis für die Wirksamkeit gegen Tumorerkrankungen gibt. Moderne Studien deuten lediglich an, dass sich die Lebensqualität Betroffener verbessern könnte. In den derzeit gültigen Leitlinien zur Krebstherapie spielt die Mistelbehandlung keine Rolle.
Über das Pro und Contra der Mistel zur Krebstherapie informiert der folgende Text. Für Interessierte und Fachkreise sind Links und Hinweise auf weiterführende Informationen beigefügt.

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Zuletzt überprüft: 30.09.2016

Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat die folgenden Informationen anhand evidenzbasierter Quellen zusammengestellt. Die genutzte Auswahl findet sich am Ende des Textes.

Das Wichtigste in Kürze: Was weiß man über die Mistelbehandlung gegen Krebs?

Mistelpräparate gehören seit langem zu den am häufigsten angewandten Krebsmitteln in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Anwendung von Mistelextrakten gegen Krebs stammt ursprünglich aus der Anthroposophie, nicht aus der naturwissenschaftlich orientierten Medizin. In Deutschland sind deshalb die meisten Mistelpräparate aufgrund von Ausnahmeregelungen für die Anthroposophie zugelassen, nicht aufgrund moderner klinischer Prüfungen.

In anderen Ländern wird die Misteltherapie deutlich seltener oder gar nicht angewendet. Ein Beispiel: In den USA sind Mistelpräparate gar nicht zugelassen, sie dürfen ausschließlich innerhalb klinischer Studien angewendet werden. Die Begründung: Bisher gibt es keinen allgemein anerkannten Beleg dafür, dass Extrakte aus der Mistelpflanze Viscum album gegen Krebs oder andere Erkrankungen helfen.
Trotz langjähriger Forschung steht nicht fest, dass die verfügbaren Präparate das Tumorwachstum stoppen oder vor Rückfällen schützen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Patienten mit einer Misteltherapie allgemein besser fühlen und ihre Lebensqualität insbesondere während einer Chemotherapie weniger leidet.

Selbst diese Aussagen sind jedoch nicht allgemein anerkannt. Deshalb findet sich auch in keiner der derzeit gültigen Leitlinien zur Krebstherapie die Empfehlung, Mistelpräparate anzuwenden. In einigen Leitlinien gibt es sogar den ausdrücklichen Rat, auf die Misteltherapie zu verzichten.

Mistelpräprate zur Injektion

Mistelpflanzen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Misteln schmarotzen auf Bäumen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Mistelpräparate gegen Krebs gibt es nur zur Injektion, nicht zum Einnehmen. In der Regel werden die Lösungen in oder unter die Haut gespritzt. Dies schaffen viele Patienten nach Anleitung und mit einiger Übung selbst.

Die allermeisten Menschen vertragen die Behandlung gut: Die Misteltherapie gilt als vergleichsweise sicher. Möglich sind Allergien und Entzündungsreaktionen. Bei Fieber, bei Erkrankungen des Immunsystems oder der Schilddrüse raten die meisten Hersteller von der Anwendung ihrer Mistelpräparate ab.

Einige, aber nicht alle Hersteller warnen Patienten mit Hirntumoren und Hirnmetastasen wegen möglicher Risiken vor der Behandlung. Auch für Betroffene mit malignem Melanom, mit einem Nierenzellkarzinom oder mit Leukämien und Lymphomen gibt es Warnhinweise, die aber ebenfalls nicht bei allen Präparaten aufgeführt sind.

Die verschiedenen Arzneimittel sind rezeptfrei und müssen daher eigentlich selbst bezahlt werden. Ausnahmen sind für gesetzlich versicherte Patienten mit nicht mehr heilbarer Erkrankung möglich.

  • Ob die Krankenkasse auch für andere Betroffene die Kosten übernimmt, muss man im Zweifelsfall klären.
  • Auch wer privat versichert oder beihilfeberechtigt ist, sollte sich wegen der Kosten mit dem zuständigen Leistungsträger in Verbindung setzen.

Hintergrund: Warum gibt es so viele unterschiedliche Meinungen zur Wirksamkeit?

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Eine wichtige Rolle spielen die Theorien zur Wirkung von Mistelextrakten gegen Krebs - also die Begründung, mit der die Therapie ursprünglich vorgeschlagen wurde. Andere strittige Punkte sind die wissenschaftlichen Daten zur Wirksamkeit, genauer gesagt, deren tatsächliche Aussagekraft.

Geschichte

Schon seit dem Altertum folgten Heiler und Ärzte bei der Verwendung der Mistel der sogenannten Signaturlehre. Dazu gehört auch die Vorstellung, Gleiches mit Gleichem zu behandeln. Die Mistel schmarotzt auf anderen Pflanzen, und Krebs wurde als Parasit des menschlichen Körpers verstanden. Daraus schloss man früher, dass der Parasit Mistel gegen Krebs helfen könne.

Auch Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, schlug vor ziemlich genau hundert Jahren die Misteltherapie gegen Krebs aus eher geisteswissenschaftlichen und weltanschaulichen Gründen vor. Seine Überlegungen wurden von der Ärztin Ita Wegman in die Praxis umgesetzt und weiter ausformuliert.

Wie damals bestehen Mistelpräparate gegen Krebs auch heute noch im Wesentlichen aus dem Presssaft des gesamten Mistelkrauts, der lediglich arzneilich zur Injektion aufbereitet wird. Einige Anbieter unterscheiden bei der Produktion außerdem noch, auf welchen Baumarten die verwendeten Misteln gewachsen waren; einige andere führen eine Kontrolle und Standardisierung wichtiger Inhaltsstoffe durch.

Moderne Forschung im Labor

Wie auch viele Pflanzen enthält die Mistel Substanzen, mit denen sie sich vor dem Gefressenwerden, vor Pilzen oder anderen "Angreifern" schützt. Nach solchen Einzelstoffen suchen Krebsforscher ganz gezielt, wenn es um die Entwicklung neuer Medikamente geht: Diese sind insbesondere für die Krebsmedizin interessant.

Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Mistel daher auch unter modernen naturwissenschaftlichen Bedingungen erforscht. Und man weiß heute mehr über die einzelnen Substanzen, die in den üblicherweise gegen Krebs eingesetzten Presssäften enthalten sind: Die sogenannten Lektine interessieren die Forschung wegen ihrer immunologischen Wirkung, außerdem gibt es sogenannte Viscotoxine, die als Gift wirken.

Die Effekte dieser isolierten Stoffe wurden inzwischen an Zellkulturen und im Tierversuch getestet. Sie können zwar Zellkulturen abtöten und Immunzellen stimulieren.
Ob aber vergleichbare Effekte dann auch bei Patienten möglich sind, lässt sich aus solchen vorklinischen Studien nicht zuverlässig ableiten.
Bisher gibt es keine Arzneimittel, die allein konzentrierte Mistellektine oder andere isolierte Wirkstoffe enthalten. Auf dem Markt sind jedoch Mistelpräparate, bei denen die Hersteller dafür sorgen, dass jede Flasche zumindest immer den gleichen Lektin-Gehalt aufweist. Solche Produkte bezeichnet man als "Lektin-standardisiert" oder "Lektin-normiert".

Klinische Studien zur Wirksamkeit bei Krebspatienten

Wirkt die Mistel gegen Krebs? Kann sie das Tumorwachstum bremsen und vor Rückfällen schützen? Bis heute lässt sich diese Frage trotz umfangreicher Forschung nicht zweifelsfrei beantworten.
Was ergibt die Prüfung der vorliegenden Veröffentlichungen zu Untersuchungen bei Krebspatienten?

  • Anhänger der Misteltherapie halten die vorliegenden Daten für gut genug, um die Wirksamkeit zu belegen.
  • Kritiker bezeichnen die gleichen Daten dagegen als unzureichend.

Welche Argumente führen die Kritiker an? Die Durchführung der Tests weist Mängel auf, und zum Teil lässt sich nicht nachvollziehen, wie die Ergebnisse im Einzelnen zustande kamen. Manche Forschungsergebnisse sind nicht wie üblich in Fachzeitschriften veröffentlicht und zur Überprüfung durch Experten freigegeben. Trotzdem werden sie zur Bewerbung der Misteltherapie herangezogen.

In Medizin und Wissenschaft sprechen Fachleute in dieser Situation auch von mangelnder Evidenz für die Wirkung einer Therapie, also dem Fehlen aussagekräftiger und nachvollziehbarer Belege und Beweise.

Studien, die modernen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen, gibt es dagegen vergleichsweise wenige - zumindest, wenn man die lange Zeitspanne betrachtet, in der bereits zur Misteltherapie geforscht wird. Daher gab es mehrere Versuche, die vorliegenden Daten in sogenannten Meta-Analysen zusammenzufassen und erneut zu bewerten.

Evidenz: Systematische Datenbewertung - Auswahl neuerer Publikationen

2006: HTA-Bericht

Die Klärung offener Fragen hatten sich viele Experten von einem sogenannten HTA-Bericht zur Misteltherapie erhofft, der 2006 vorgelegt wurde. Die Abkürzung "HTA" steht für den englischen Begriff "Health Technology Assessment". Damit ist die systematische Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien gemeint, die einen Bezug zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung haben.

Die beauftragten Experten versuchten, vor allem zwei Fragen zu beantworten: Ist die begleitende Therapie geeignet, um Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu mindern und die Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern? Und: Gibt es Daten, die eine direkte Wirkung gegen Tumoren belegen? Daraus ergab sich auch die Prüfung, ob die Misteltherapie die Überlebenszeit von Krebspatienten beeinflussen kann. 

  • Die Experten kamen zu dem Schluss: Die vorliegenden Studien sind für eine Beurteilung der Mistel unzureichend.

Sie kritisierten vor allem die Methodik der bisher durchgeführten Studien. Als einzige Wirkung deutete sich aus ihrer Sicht eine Verbesserung der Lebensqualität von brustkrebskranken Frauen während einer Chemotherapie an. Es ließ sich allerdings nicht klären, was genau dazu führt, dass sich mit Mistel behandelte Frauen besser fühlen.

Dieser HTA-Bericht blieb nicht unwidersprochen. Es gab mehrere Stellungnahmen von Mistel-Befürwortern, die Kritik an den Aussagen übten.

2008: Cochrane-Publikation

2008 veröffentlichte die internationale Cochrane Collaboration eine weitere umfassende Bewertung der Mistelbehandlung. Auch hier kamen die Autoren zu dem Schluss: Die vorliegenden Forschungsergebnisse reichen nicht aus, um die von Mistelanhängern behaupteten positiven Auswirkungen der Mistel auf Krebspatienten zu belegen.

Sie kritisierten ebenfalls die schlechte wissenschaftliche Qualität vieler Studien: Von 80 Studien konnten 58 von vornherein nicht weiter ausgewertet werden, aus unterschiedlichen Gründen. Unter den 21 auswertbaren Studien waren nicht alle den gleichen Fragestellungen nachgegangen.
So enthielten nur 13 Studien Aussagen zum Überleben der behandelten Patienten und nur 7 zum Ansprechen des Tumors auf die Therapie. Studien, die positive Effekte zeigten, wiesen Mängel auf, andere zeigten gar keinen Nutzen der Misteltherapie.

Auch diese Arbeit ist von Verfechtern der Mistelbehandlung nicht unwidersprochen geblieben.

2012/2015: CAM Cancer

Eine weitere Bewertung erschien zunächst 2011 und wurde 2015 durch Experten des europäischen CAM Cancer-Projekts aktualisiert.
Sie kommen nach der Auswertung von 18 sogenannten kontrollierten klinischen Studien zu dem Schluss: Es gibt Hinweise darauf, dass die Misteltherapie die Lebensqualität von Patienten während einer Chemotherapie verbessern kann. Sieben von 14 Studien zeigen auch verbesserte Überlebenschancen.

Allerdings ist die Qualität und Vergleichbarkeit der Studien auch nach Ansicht dieser Experten nach wie vor so kritisch, dass eine abschließende Bewertung der Misteltherapie nicht möglich ist.

Behandlung: Wie sieht eine Misteltherapie heute aus?

Ein Extrakt aus den Misteln verschiedener Wirtsbäume (Apfelbäume, Eichen, andere) wird in oder unter die Haut gespritzt, die medizinischen Bezeichnungen dafür lauten intracutan, i.c., oder subcutan, s.c. Man kann in die Bauchhaut, den Oberschenkel oder den Oberarm spritzen, so die Empfehlung der Hersteller. 

  • Wie oft, wie lange und in welcher Dosierung man die Behandlung anwenden sollte, hängt vom jeweiligen Mistelpräparat und den Empfehlungen von Arzt und Hersteller ab. 
  • Auch die Frage, ob Pausen zwischen einzelnen Behandlungszyklen notwendig sind, beantworten die Anbieter unterschiedlich.

Manche Ärzte empfehlen auch die Infusion von Mistelextrakten in eine Vene oder das direkte Einspritzen in den Tumor. Dazu liegen allerdings noch weniger verwertbare wissenschaftliche Daten vor als zur Injektion in oder unter die Haut.

Andere Mistelmittel, die in Deutschland als Tropfen oder Kapseln auf dem Markt sind, eignen sich nicht für die Krebstherapie: Sie sind nur gegen andere Erkrankungen zugelassen. Oder es handelt sich um Nahrungsergänzungsmittel, die keinen Stellenwert bei der Behandlung von Krankheiten haben.

Die Mistelinjektionen kann der Arzt geben. Falls man häusliche Krankenpflege erhält, übernehmen dies auch die Fachpflegekräfte. Viele Betroffene haben gelernt, sich die Spritzen selbst zu geben.

Bei welchen Krebsarten kommt die Mistelbehandlung infrage?

Zur Indikation, also zum Anwendungsbereich der Mistelpräparate, gibt es keine verbindlichen Auskünfte, weder von den Herstellern noch von Spezialisten für die Anwendung. Von Präparat zu Präparat finden sich im Beipackzettel jeweils andere Angaben dazu, in welchen Situationen die Behandlung sinnvoll ist.
Ein Hersteller begrenzt sein Präparat beispielsweise auf Brustkrebspatientinnen während und nach einer Chemotherapie. Andere geben Krebs allgemein an.

Auch fehlen einheitliche Angaben dazu, wann ein Mistelpräparat nicht verwendet werden sollte, also die sogenannten Kontraindikationen. Unterschiede gibt es auch bei den aufgeführten möglichen Nebenwirkungen, oder bei den Angaben zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.

Wie ist dies möglich?

Der Grund sind die besonderen Zulassungsbedingungen für Mistelpräparate. Die meisten sind im Rahmen der Bestimmungen für die "besonderen Therapierichtungen und traditionelle Arzneimittel" zugelassen. Dazu zählen die Homöopathie, die Phytotherapie oder Pflanzenmedizin und die anthroposophische Therapierichtung. Das bedeutet: Die Zulassung als Arzneimittel ist nicht an die Durchführung moderner Studien geknüpft. Der Hersteller muss auch keine Daten zur Pharmakologie vorlegen, also zum Weg eines Medikaments durch den Körper bis zur Ausscheidung, oder zu seinen direkten Auswirkungen auf den Stoffwechsel, wie es für moderne Arzneimittel notwendig wäre.

Aus Herstellerstudien wie aus unabhängigen Untersuchungen weiß man aber: Bei allen Mistelpräparaten sind als Nebenwirkungen Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle möglich. Die Lymphknoten in der Nähe des Einstichs können sich vergrößern. Auch grippeähnliche Symptome mit Fieber und Kopfschmerzen können auftreten, außerdem allergische Reaktionen.

Wann sollte man Mistelpräparate nicht anwenden?

Die weiteren Angaben der Hersteller unterscheiden sich ebenfalls sehr. Bei Infektionen und bei Fieber sollte man die meisten Präparate nicht verwenden, so die Beipackzettel. Bei einigen wird auch vor der Anwendung bei Schilddrüsenproblemen gewarnt, bei anderen dagegen nicht. Probleme mit einem Anstieg des Hirndrucks, zum Beispiel bei Metastasen im Gehirn oder bei Hirntumoren, werden ebenfalls in einigen, aber nicht allen Beipackzetteln aufgeführt.

Manche Anbieter geben eine sogenannte Anwendungsbeschränkung an: Sie raten zu engmaschigen Kontrollen des Krankheitsverlaufs, wenn die Mistel bei Patienten mit Leukämien, Lymphomen, Nierenzellkarzinomen oder Melanomen angewandt wird. Andere nennen diese Krebserkrankungen von vornherein als Kontraindikation, bei der die Mistel gar nicht angewendet werden soll. Und schließlich gibt es Hersteller, die hier keine Probleme sehen.

Von der Anwendung in der Stillzeit, bei Schwangeren und Kindern raten ebenfalls viele Hersteller ab.

Kosten: Zahlen die Krankenkassen die Medikamente?

Rezept © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Kann der Arzt die Misteltherapie auf Rezept verordnen? Das sollte man mit der Versicherung klären. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Darauf gibt es keine wirklich eindeutige Antwort. Das liegt allerdings nicht am fehlenden Wirkungsnachweis, sondern daran, dass alle in Deutschland zugelassenen Mistelpräparate rezeptfrei erhältlich sind. Solche Mittel müssen gesetzlich Versicherte in der Regel selbst zahlen, auch privat Versicherte und Beihilfeberechtigte tragen die Kosten für rezeptfreie Arzneimittel häufig selbst.

Für gesetzlich Versicherte gibt es allerdings Ausnahmen: Zur aktuell gültigen Arzneimittelrichtlinie gehört die sogenannte "OTC-Übersicht der verordnungsfähigen, nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel". Diese Liste soll sicherstellen, dass sehr wichtige und/oder häufig verwendete Arzneimittel auch vom Arzt verschrieben werden können, obwohl man sie eigentlich in der Apotheke ohne Rezept bekommen könnte.

  • In dieser Ausnahmeliste finden sich auch Angaben zur Mistel in der Krebstherapie.

Eine davon lautet: Diese sind nur "in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität" verordnungsfähig. Die Misteltherapie wird also nur dann von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt, wenn Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung leben, und wenn die Behandlung auf die Lebensqualität zielt.
Die Therapie wird nicht gezahlt, wenn das Ziel die Verhinderung eines Rückfalls ist und die Erkrankung insgesamt heilbar zu sein scheint.

"OTC-Liste" – verordnungsfähig, aber nur mit Einschränkungen

In einem Anhang zur OTC-Liste werden besondere Bedingungen für homöopathische und anthroposophische Mittel definiert. Diese Regelungen hatten über mehrere Jahre zu Verwirrungen geführt: Demnach hätten die gesetzlichen Versicherungen die Kosten zumindest für anthroposophische oder homöopathische Mittel auch bei Patienten übernehmen müssen, die nicht unheilbar krank sind.

Diese unklare Situation haben die Gerichte beendet: Das Bundessozialgericht stellte klar, dass die Anwendungsbeschränkung nur für die palliative Therapie auch für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen gilt. Versicherungen, die sich auf dieses Urteil beziehen, könnten also die Kostenübernahme bei allen Patienten ablehnen, deren Erkrankung heilbar ist.

Alle gesetzlichen wie auch die privaten Kassen haben jedoch einen gewissen Handlungsspielraum, um den Bedürfnissen einzelner Patienten auch individuell gerecht zu werden. Die Nachfrage bei der Versicherung nach der Kostenübernahme ist daher auf jeden Fall sinnvoll.

Anwendung ja oder nein: Wie kann man als Krebspatient eine Entscheidung treffen?

Wenn man sich für die Misteltherapie interessiert, sollte man zunächst klären, was man sich davon erwartet:

  • Möchte man die Krebsbehandlung insgesamt anthroposophisch oder naturheilkundlich ausrichten?
  • Oder setzt man eher auf die naturwissenschaftlich orientierte Medizin und erwartet von jeder Therapie, dass die Wirkung mit modernen Methoden untersucht wurde?
  • Will man bei einer fortschreitenden Erkrankung jede infrage kommende Möglichkeit nutzen, um nichts zu versäumen?

Für viele Betroffene sind solche Grundsatzfragen allerdings gar nicht so wichtig: Sie möchten ganz allgemein selbst aktiv werden, um die eigene Lebensqualität zu verbessern.

Was man sich jedoch bewusst machen sollte:
Die Misteltherapie stellt keine Alternative zu geprüften Standardverfahren dar. Auch anthroposophische Ärzte und die Hersteller der in Deutschland verfügbaren Präparate sehen die Mistel eher als eine begleitende und unterstützende Behandlung an.

Wenn man sich für eine Misteltherapie entscheidet, sollten außerdem alle in die Behandlung Einbezogenen davon wissen. Das ist besonders dann wichtig, wenn die eigentliche Krebsbehandlung zum Beispiel in einem Tumorzentrum durchgeführt wird, man aber außerdem noch zum Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt geht.
Für Patienten, die an einer klinischen Studie teilnehmen, ist eine Misteltherapie in der Regel ausgeschlossen, um die Rahmenbedingungen nicht zu beeinflussen. Auf jeden Fall sollte man die Studienverantwortlichen vorab informieren, wenn man eine Behandlung plant.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Hintergründe, Quellen

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Fragen zur Kostenübernahme
Wann wird die Misteltherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, wann nicht? Wichtigste Ansprechpartner für eine rechtsverbindliche Auskunft ist Ihre Krankenkasse.