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Antikörper, Foto: Ingram Publishing/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Immuntherapien

Gibt es eine Impfung gegen Krebs?

Was versteht man unter "Impfen gegen Krebs"? Und handelt es sich dabei um Ansätze, die Krebspatienten heute schon in der Behandlung zugutekommen können? Zurzeit werden die Bezeichnungen "Immuntherapie" oder "Impfung" für höchst unterschiedliche Ansätze in der Krebsmedizin genutzt.
Der folgende Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema Immunsystem. Er bietet einen Überblick über die unterschiedlichen Ansätze, die in Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen oder anderen Medien schon als Immuntherapien oder Anti-Krebs-Impfungen bezeichnet wurden. Er gibt Hintergrundinformationen und verweist auf andere Texte des Krebsinformationsdienstes, die diese Themen weiter vertiefen. Die Informationen richten sich an Patienten und Angehörige sowie Interessierte, die sich über diese Untersuchungsmethoden informieren möchten. Eine ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen. Fachkreise finden Hinweise auf weiterführende Informationen und genutzte Quellen.

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"Impfen gegen Krebs": Das Wichtigste in Kürze

Die wachsende Kenntnis über die Rolle des Immunsystems bei Krebs hat zu neuen Behandlungsansätzen geführt, die sich die Funktionen des Immunsystems zunutze machen. Grundsätzlich kann das Immunsystem Tumorzellen durchaus erkennen und eliminieren. Voraussetzung ist aber, dass diese deutliche Veränderungen tragen und sich so von gesundem Gewebe unterscheiden. Eine Immuntherapie kann in diesem Fall die Immunantwort gegen Tumorzellen unterstützen. Doch Krebszellen verändern sich ständig, und einmal erworbene Veränderungen bleiben nicht bestehen. Viele Krebszellen tragen keine Merkmale mehr, die eine Immunreaktion in Gang setzen könnten. Fachleute warnen deshalb vor zu großen Hoffnungen auf neue Immuntherapien oder Immunstimulationen.

Schutzimpfungen gegen Viren, die als krebsfördernd gelten, können vielleicht helfen, dass durch Viren ausgelöste Krebsarten in Zukunft nicht mehr so häufig auftreten. Solche Impfungen gegen einige bekannte "Krebsviren" gibt es bereits, sie nützen nach bisherigem Kenntnisstand allerdings nur Gesunden, in der Krebsvorbeugung. Gegen bereits ausgebrochene Krebserkrankungen stehen therapeutische Impfungen bisher nicht zur Verfügung.

Fast alle Ansätze der immuntherapeutischen Impfungen müssen derzeit noch weiter erforscht werden. Längst nicht alle sind schon so weit, dass Patienten überhaupt schon an klinischen Studien teilnehmen können. Nur wenige Medikamente sind bereits zugelassen. Noch ist viel Forschung nötig, bis der Stellenwert der einzelnen Therapieverfahren feststeht, die heute untersucht werden. Und diese Forschung benötigt Zeit. Dennoch gibt es Anbieter, die ihren Patienten bereits jetzt Immunstärkungen und Vakzinetherapien außerhalb von klinischen Studien offerieren. Fachleute sehen diesen Einsatz unter  Umgehung sorgfältiger Prüfungen eher kritisch und schließen Nachteile und möglicherweise Gefahren sowie unnötige Kosten für Patienten nicht aus.

Antikörper werden nicht nur wegen ihrer Immunfunktion eingesetzt: Sie dienen auch als sogenannte zielgerichtete Medikamente dazu, typische Stoffwechselwege in Tumorzellen zu blockieren, die für das Krebswachstum wichtig sind.

Schutzimpfungen gegen Viren: Eine echte "Anti-Krebs-Impfung"

Streng genommen ist eine Schutzimpfung gegen krebsfördernde Viren die einzige "echte" Anti-Krebs-Impfung im Sammelsurium vieler Begriffe. In Industrieländern werden nach Angaben der Datenbank "Globocan" (globocan.iarc.fr) etwa acht Prozent aller Krebserkrankungen durch Viren oder Bakterien verursacht, in Entwicklungsländern ist der Anteil höher. Auch wenn Viren bei der Entstehung mancher Krebsarten eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen können, so ist die Virusinfektion nie der alleinige Auslöser für eine Krebserkrankung.

Welche Viren stehen im Verdacht, Krebs auslösen zu können? Hierzu gehören zum Beispiel Papillomviren oder Viren aus der Hepatitis-Gruppe. Über Viren als Krebsauslöser und die heute zur Verfügung stehenden Vakzinen zur Vorbeugung gegen eine Infektion informiert der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text: "Viren und Krebs: Können Impfungen schützen?".

Immuntherapien: Aktivierung von Immunzellen gegen Tumoren

Der Begriff "zelluläre Immuntherapie" fasst alle Formen von Immuntherapien zusammen, bei denen Immunzellen im Rahmen einer Krebsbehandlung gegen Tumorzellen eingesetzt werden. Im engeren Sinne verstehen Fachleute darunter heute meist die Aktivierung von sogenannten zytotoxischen T-Zellen.

Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Die Bremsen des Immunsystems lösen

In den letzten Jahren wurden Antikörper entwickelt, die sich gezielt gegen "Bremsen" im Immunsystem richten: Diese Kontrollpunkte verhindern normalerweise eine Überfunktion des Immunsystems gegen gesunde Zellen. Manche Tumoren aktivieren gezielt solche "Immun-Checkpoints". Immunzellen, die den Tumor eigentlich erkennen und bekämpfen könnten, werden dadurch stark geschwächt. Sogenannte "Checkpoint-Inhibitoren" wirken dem entgegen: Sie verhindern die Unterdrückung der Immunantwort und bewirken so, dass das Immunsystem den Tumor verstärkt angreift.

Bisher sind nur wenige solche Medikamente zur Krebstherapie zugelassen: Ein Beispiel ist der Antikörper Ipilimumab, der zum Beispiel zur Behandlung von Patienten mit schwarzem Hautkrebs eingesetzt werden kann. Weitere Antikörper werden noch in klinischen Studien untersucht.

Tumorvakzinen: Gegenstand der Forschung

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Impfstrategien gegen Krebs untersucht und entwickelt. Ziel war die Blockade von krebstypischen Merkmalen, die für das Wachstum von Tumorgewebe entscheidend sind. Solche Impfstoffe sind jedoch schwierig zu entwickeln und noch schwieriger in größeren Mengen zu produzieren. Für experimentelle Impfungen verwendete man bislang selten ganze Tumorzellen und oft auch nicht die vollständigen tumorspezifischen Moleküle oder Antigene, gegen die sich die Impfung richten sollte. Die bisherigen Strategien setzen überwiegend darauf, dem Patienten nur Bruchstücke solcher Antigene zu geben, in der Hoffnung, sein Immunsystem möge entsprechend reagieren. Meist handelt es sich um sehr kleine Eiweiße, sogenannte Peptide, daher auch die Bezeichnung Peptidvakzinierung. Entsprechende Vakzinen werden in Studien geprüft – meist handelt es sich hierbei allerdings um frühe klinische Studien, die nur wenige Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien aufnehmen.

Dendritische Zellen

Um die Immunreaktion zu verstärken, wurde in bisherigen Studien auch versucht, isolierte Immunzellen von Krebspatienten sozusagen im Reagenzglas auf die Tumorantigene zu prägen und diese "geimpften" Zellen dann als Infusion zurückzugeben. Dazu nutzte man die dendritischen Zellen oder antigenpräsentierenden Zellen. Ihre Aufgabe ist es, im Körper einmal erkannte schädliche Stoffe regelrecht "herumzuzeigen", um eine Immunreaktion schnell auszuweiten.

Bisher laufen auf diesem Gebiet vor allem frühe klinische Studien. An den meisten dieser Studien sind keine deutschen Studienzentren beteiligt. Welche Fortschritte sich Betroffene von entsprechenden Studien langfristig erwarten dürfen und bei welchen Tumorarten der Nutzen besonders groß sein wird, ist unter Fachleuten noch in der Diskussion.

Sipuleucel-T

Die bisher einzige Ausnahme sind die Forschungsergebnisse zu Sipuleucel: In den USA wurde diese erste Vakzinetherapie schon vor einiger Zeit zugelassen. Der Wirkstoff war ab Ende 2013 auch in innerhalb der EU und weiteren europäischen Ländern zugelassen. Im Mai 2015 teilte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA jedoch mit, dass die verantwortliche Firma den Antrag auf Widerruf der Zulassung gestellt hat. Damit ist das Arzneimittel zur Behandlung zumindest offiziell innerhalb der EU nicht mehr verfügbar. 
Sipuleucel-T (Provenge®) sollte zur Behandlung fortgeschrittener Prostatakarzinomerkrankungen dienen. Die Methode kam allerdings nur für Männer mit sehr fortgeschrittener Erkrankung infrage, die keine andere Therapie erhalten können, mehr dazu beim Thema "Prostatakrebs".

Dieses Beispiel zeigte jedoch: Die Vakzine konnte man nicht als Fertigmedikament bekommen, das in der Apotheke bereitlag. Die Vakzine musste für jeden Patienten individuell hergestellt werden. Grundlage sind dem Blut entnommene Immunzellen. An Sipuleucel wird auch deutlich, dass Immuntherapien selbst bei Verwendung körpereigener Zellen keineswegs "sanfte" Verfahren sein müssen: Zu den Nebenwirkungen gehören Fieber, Schüttelfrost, Erschöpfung, Übelkeit sowie Kopf- und Gelenkschmerzen.

Virotherapie: Viren gegen Krebs

Als onkolytische oder onkotrope Viren bezeichnet man Erreger, die Tumorzellen infizieren können. Die dahinter stehende theoretische Überlegung setzt auf Viren, die sich möglichst nur in Tumorzellen vermehren. Eine solche Infektion führt, so die Hoffnung der Forscher, zum Absterben der bösartigen Zellen - möglichst ohne eine schwere Erkrankung des Patienten zu verursachen. 

Eine weitere Variante: Viren werden nicht direkt, sondern eher als eine Art "Taxi" für den Transport von Erbinformation in Zellen eingesetzt. Diese Form der Virustherapie kann man daher auch zu den Gentherapien rechnen. 

Und schließlich gibt es Forscher, die beides kombinieren: Sie setzen im Labor onkolytische Viren direkt gegen Krebszellen ein, nutzen sie außerdem aber noch als Träger für weitere Substanzen.

Welche Viren werden erforscht?

Als "Kandidaten" gelten beispielsweise bestimmte Parvoviren. Adenoviren ("Schnupfenviren") werden geprüft, weil sie vergleichsweise wenige Erkrankungen oder nur eher harmlose Folgen hervorrufen. Masernviren und Herpesviren werden ebenfalls getestet. Auch an der "Herstellung" besonders geeigneter künstlicher Viren arbeiten Forscher.

Welchen Stellenwert hat die Virotherapie?

Noch sollten Krebspatienten auf diese Therapieansätze keine gezielten Hoffnungen setzen: Bislang liegen zur Virotherapie vor allem Daten aus vorklinischer Forschung vor, also aus Tests an Zellen, Geweben und aus Tierversuchen. Erste Studien an Patienten wurden zwar in mehreren Ländern durchgeführt. Diese überwiegend sehr frühen Studien dienten jedoch  zunächst nur dazu, die Sicherheit der Behandlungsmethode zu bestimmen - mit wenig aussagekräftigen Ergebnissen.
In Europa ist ein einziges Produkt bereits zum Einsatz bei Patienten geeignet: eine Virotherapie, die Patienten mit fortgeschrittenem, anders nicht behandelbarem malignen Melanom helfen kann. Als Gentherapie unterliegt der Einsatz dieses Medikaments einer besonderen Überwachung.

Nach wie vor bestimmen die möglichen Risiken einer Virustherapie die Diskussion - sie machen große Vorsicht bei der Planung und Durchführung dieser Studien notwendig. 

  • Insgesamt ist es noch zu früh, um etwas über den Nutzen oder auch die Risiken der meisten Behandlungsansätze mit onkolytischen Viren sagen zu können. Als realistische Möglichkeit einer Krebstherapie steht die Virotherapie für die allermeisten Krebspatienten noch nicht zur Verfügung.

Adoptiver T-Zell-Transfer

Der sogenannte adoptive Transfer von T-Lymphozyten beziehungsweise T-Zellen ist keine aktive Immunisierung, sondern ein sogenanntes passives Verfahren: Das Immunsystem des Patienten selbst wird nicht direkt aktiviert. Man isoliert zunächst T-Zellen aus dem Blut des Patienten und vermehrt sie im Labor. Mit molekularbiologischen Verfahren lassen sich aus den gewonnenen Zellen die  tumorspezifischen T-Zellen gezielt isolieren. Nur diese werden dem Patienten wieder zurückgegeben.
Der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung dieser experimentellen Methode ist allerdings sehr hoch, das Verfahren ist kein Standard. Die Wirksamkeit des adoptiven T-Zell-Transfers wird bei verschiedenen Tumorarten getestet, so zum Beispiel bei Prostatakrebs, verschiedenen Lymphomen oder Hautkrebs - bisher allerdings nur in frühen klinischen Studien und hauptsächlich in den USA.

Stammzelltherapie

Auch fremde Lymphozyten sind gegen Tumorzellen wirksam. Dies zeigt zum Beispiel die allogene (von einem Spender stammende) Stammzelltransplantation aus Blut oder Knochenmark bei Leukämien oder Lymphomen. Die von einem fremden Spender übertragenen Zellen aus Blut oder Knochenmark können eine direkte Wirkung gegen Krebszellen ausüben - gerade weil ihre Gewebemerkmale praktisch nie hundertprozentig mit denen des Empfängers übereinstimmen.
Früher setzte man die allogene Stammzelltransplantation nur ein, wenn zuvor durch eine Hochdosischemotherapie oder -bestrahlung das Knochenmark und das Immunsystem des Patienten zerstört waren (Konditionierung). In der sogenannten Minitransplantation erhalten heute Patienten Spenderzellen, ohne dass ihr eigenes erkranktes Immunsystem vorher völlig ausgeschaltet wird (reduzierte Konditionierung).

Monoklonale Antikörper: Wichtige Helfer in der Krebstherapie

Antikörper sind Eiweißmoleküle, die körperfremde und gegebenenfalls auch körpereigene, aber veränderte Strukturen als sogenannte "Antigene" erkennen. Monoklonale Antikörper haben einen wichtigen Stellenwert in der Krebstherapie, aber auch in der Diagnostik.

Heute werden sie allerdings meist nicht direkt zur Immuntherapie eingesetzt: Es ist schwierig, Merkmale als Auslöser einer Abwehrreaktion zu finden, die ausschließlich auf Tumorzellen vorkommen und nicht auch auf gesundem Gewebe, das durch eine Immunreaktion nicht geschädigt werden soll. Durch moderne Antikörpertherapien werden vielmehr spezifische Stoffwechselwege in Tumorzellen blockiert.

Zytokine: Botenstoffe des Immunsystems

Zytokine üben als Zellhormone innerhalb des Immunsystems vielfältige Wirkungen aus. Auch in der Krebstherapie können sie hilfreich sein. Sie wurden in den Medien einige Zeit als "Wundermittel" gegen Krebs gehandelt, konnten jedoch die in sie gesetzten Hoffnungen weitgehend nicht erfüllen. Bei einigen Krankheitsformen und -situationen ist der Einsatz sinnvoll, nicht aber generell bei Krebspatienten.

Langfristige Erfolgsaussichten: Gibt es Tumoren, die besonders gut auf Immuntherapien ansprechen?

Es gibt Tumorarten, bei denen es häufiger als bei anderen zur Ausbildung veränderter Merkmale und damit zur Ausbildung von Tumorantigenen kommt. Solche "immunogenen" Krebsarten sind einer Immuntherapie am ehesten zugänglich.

Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel der schwarze Hautkrebs, auch "malignes Melanom" genannt, sowie das Nierenzellkarzinom. Viele grundlegende Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Krebs und Immunsystem konnten Forscher aus Studien mit Zellen dieser Tumoren gewinnen, und viele Immuntherapie-Studien werden zuerst Patienten mit Melanomen oder Nierenzellkarzinomen angeboten.

Erkenntnisse aus der Behandlung dieser Patienten lassen sich jedoch nicht automatisch auf andere Krebsarten übertragen, die weniger immunogen sind.

Ausblick: Wann wird eine Immuntherapie zum Standard?

Nutzen und Risiken der meisten in diesem Text vorgestellten Ansätze lassen sich noch nicht ausreichend beurteilen, um einen standardmäßigen Einsatz in der Krebstherapie zu rechtfertigen. Klinische Studien sind notwendig. Warum experimentelle Therapieverfahren zunächst nur für wenige Patienten und oft nur an wenigen Zentren zur Verfügung stehen, welche Risiken ausgeschlossen sein und welche ethischen Bedenken bei solchen Prüfungen bedacht werden müssen, erläutert der Krebsinformationsdienst in den Texten zum Thema "Krebsforschung".

Kommerzielle Vakzineherstellung: Angebote ohne Wirksamkeit?

Die großen Erwartungen in die neuen "Krebsimpfungen" haben auch dazu geführt, dass Betroffenen nicht selten Therapieangebote außerhalb von Studien gemacht werden. Was in den großen Forschungslabors mit viel Arbeitsaufwand getestet wird, um alle denkbaren Gefahren für Betroffene auszuschließen, bieten einige Anbieter schon als angeblich allerneueste Therapien auf dem Markt an: " Vakzinen", "Krebsimpfungen", "dendritische Zellen" oder "spezifische Immuntherapien" - außerhalb von klinischen Studien. Meist kosten diese Therapien sehr viel Geld, obwohl wenig über sie bekannt ist. Oft haben die Anbieter nicht einmal auf Wirkung und Nebenwirkung getestet.

Was ist von solchen Produkten zu halten?

Die Mehrzahl solcher kommerziell orientierten Anbieter hat keine wissenschaftlich nachvollziehbaren Überprüfungen vorgelegt. Dieser Unterschied ist für Patienten und Angehörige jedoch oft nicht zu erkennen oder nachzuprüfen. Hinzu kommt, dass beispielsweise die gleichen Begriffe wie bei "offiziellen" klinischen Studien verwendet werden: zum Beispiel "Vakzinen", "dendritische Zellen" oder "spezifische Immuntherapie". Patienten und Angehörige können sich selbst ein Bild über solche Vakzinen machen, wenn sie bedenken, dass diese Angebote zu den Methoden mit bisher unbewiesener Wirksamkeit gehören.

Vor unangenehmen Überraschungen schützt ein klärendes Gespräch mit dem Anbieter einer Impfmethode vor Behandlungsbeginn, in das auch die bisher behandelnden Ärzte und die Krankenkasse mit einbezogen werden sollten. Um ein solches Gespräch sollten Patienten sich im Zweifelsfall auch aktiv selbst bemühen. Fragen können auf wichtige Merkmale einer wissenschaftlich ausgearbeiteten klinischen Studie zielen: Bei diesen entstehen Patienten zum Beispiel normalerweise keine Behandlungskosten. Auch hat eine Ethikkommission ihre Zustimmung dazu gegeben, dass ein experimentelles Verfahren an Menschen überhaupt getestet werden darf.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand 8/2016)