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Entgiften nach einer Chemotherapie?

Frage des Monats

Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie. Daher haben manche Betroffene stärkere Nebenwirkungen als andere. Wir beantworten, warum Entgiften, Entsäuern oder Ausleiten nach einer Chemotherapie nicht ratsam sind.

Auf einem Tisch steht ein Schild, auf dem “Detox“ geschrieben steht. Davor befinden sich Gläser mit verschiedenen Säften und geschnittenes Obst und Gemüse.
“Detox“ nach einer Chemotherapie in Form von Saftfasten, Teefasten, Hungern oder starkem Abführen kann Krebspatientinnen und Krebspatienten schaden. © natalia bulatova, Shutterstock


Der Wunsch, Ihre Schwester zu unterstützen, ist sehr gut nachvollziehbar. Für die meisten Krebsbetroffenen ist die Hilfe ihrer Angehörigen auch sehr wertvoll.

Wie es allerdings nach einer abgeschlossenen Therapie weitergeht, sollte Ihre Schwester mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Dazu gehören auch sogenannte alternative oder komplementäre Maßnahmen wie etwa entgiftende oder ausleitende Verfahren. Sie sind heute unter dem Begriff "Detox" bekannt.

Wissenschaftlich belegt ist bisher nicht, dass sogenanntes Entgiften den Körper von Schadstoffen befreit. Im Gegenteil: Manchmal können solche entgiftenden Kuren oder Diäten wie auch Fastenkuren Betroffene unnötig belasten oder sogar der Gesundheit schaden.

Detox nach Chemo: der Körper entgiftet selbst

Die meisten Medikamente zur Chemotherapie, die sogenannten Zytostatika, baut der Körper bereits innerhalb weniger Stunden oder Tage von ganz alleine ab. Entweder "entsorgt" er sie über die Nieren oder scheidet sie über den Darm aus. Selten benötigt der Körper mehr Zeit, um eine Chemotherapie abzubauen.

Gut zu wissen

Sind Leber, Nieren oder Darm nicht geschädigt, arbeitet der Stoffwechsel auch bei Krebserkrankten normal. Das untersuchen Ärztinnen und Ärzte ganz genau, bevor Betroffene überhaupt eine Chemotherapie bekommen.

So erholt sich der Körper nach Ende einer Chemotherapie:

  • Die meisten Nebenwirkungen wie beispielsweise Übelkeit verschwinden.
  • Der Appetit kehrt zurück.
  • Die Haare beginnen nachzuwachsen.
  • Die Schleimhäute – wie zum Beispiel die Mundschleimhaut – erholen sich und reagieren danach weniger empfindlich.
  • Man fühlt sich weniger müde.
  • Das Immunsystem wird nach einigen Wochen stärker, sobald sich die blutbildenden Zellen neu bilden.

Vorsicht bei “Krebsdiäten“

Der Begriff "Krebsdiäten" umfasst mittlerweile verschiedene Methoden. Angeblich sollen solche Krebsdiäten den Krebs heilen, die Nebenwirkungen durch die Erkrankung oder Therapie behandeln und den Körper davon entgiften. Sie sind unter Namen bekannt wie beispielsweise die Breuss-Kur, Fasten nach Buchinger oder die Gerson-Diät.

Teil der medizinischen Standardbehandlung sind diese Methoden nicht, weil in der Regel wissenschaftliche Beweise für ihren Nutzen fehlen. Außerdem gibt es keine aussagekräftigen Daten dazu, ob sie auch wirklich sicher sind.

Krebsdiäten können sogar der Gesundheit schaden:

  • Heilfasten, Tee- oder Saftfasten – Die meisten Krebserkrankten verlieren bereits durch die Erkrankung und die Therapie an Gewicht. Wenn sie zusätzlich fasten, kann dies eine Mangelernährung begünstigen. Dadurch verlieren Krebsbetroffene oft ungewollt Gewicht und bauen Muskelmasse ab.
  • Entwässern – Sogenannte Diuretika regen den Körper an, Flüssigkeiten auszuscheiden. Auch wenn sie meist scheinbar harmlose pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten, kann dies den Kreislauf belasten und den Salzhaushalt durcheinander bringen.
  • Einläufe oder starkes Abführen – Dies schwächt den Körper, weil Betroffene zu viel Flüssigkeit und zu viele Salze verlieren. Zudem können sie nachweislich schaden: Wenn ein Einlauf Kaffee oder andere angeblich entgiftende Substanzen enthält, kann das zum Beispiel die Darmschleimhaut schädigen, Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss verursachen oder sogar zum Tod führen.

Was nach der Chemotherapie helfen kann

Entgiften oder Ausleiten ist also keine ratsame Methode, sich von einer Chemotherapie zu erholen. Sie können aber Ihrer Schwester andere Hilfestellungen an die Hand geben.

  • Entzündete Schleimhäute: Bis sich die Schleimhäute erholt haben, empfiehlt sich für Ihre Schwester vorerst auf saure Säfte oder heiße Getränke zu verzichten. Auch trockene oder harte Lebensmittel sollte sie meiden. Ist der Mund entzündet, helfen in der Regel auch örtlich wirksame Schmerzmittel – Beschwerden sollte sie am besten bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt ansprechen.
  • Gewichtsverlust: Die behandelnden Ärzte können Ihrer Schwester in dieser Situation an eine für eine onkologisch qualifizierte Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie überweisen.
  • Müdigkeit: Gegen Mineralstoff- oder Vitamin-Mängel können Ärztinnen und Ärzte gegebenenfalls Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure verschreiben. Fachleute empfehlen zusätzlich körperlich aktiv zu sein, wenn man müde ist. Vielleicht können Sie Ihre Schwester dabei unterstützen.
Therapiefolgen nicht selbst behandeln

Krebsbetroffene sollten keine Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, ohne dies vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen.

Für Sie außerdem wichtig zu wissen: Nach einer Krebstherapie betreuen Ärzte die Patientinnen und Patienten weiter. Fachleute unterstützen sie außerdem, sich von der belastenden Therapie zu erholen:

  • Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, Spätfolgen einer Krebserkrankung oder der Chemotherapie rechtzeitig zu erkennen und die Beschwerden zu behandeln. Mehr dazu unter Nachsorge bei Krebspatienten
  • Eine Reha nach der Therapie kann helfen, sich von der Therapie zu erholen und zurück in den Alltag zu finden. Ihre Schwester kann mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt über Rehabilitationsmaßnahmen sprechen. Ausführliche Informationen unter Rehabilitation nach Krebs: Was hilft beim Gesundwerden?




Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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