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Aktuelles

Krebsmedikamente verändern Fingerabdruck

Hautprobleme bei der Krebstherapie: Was Betroffene wissen sollten

Das Krebsmedikament Capecitabin und einige zielgerichtete Arzneimittel zerstören unter Umständen die individuellen Fingerabdrücke. Zu diesem Ergebnis kamen niederländische Wissenschaftler in einer Studie. Ihr vorsichtiges Fazit lautet: Einige Zeit nach Abschluss der Krebsbehandlung bilden sich die Linien auf den Fingerkuppen bei den meisten Patienten wieder zurück.

Wer gewohnt ist, das Handy mit dem Fingerabdruck zu entsperren, oder die Fingerabdruck-Funktion des neuen Personalausweises nutzt, sollte trotzdem Bescheid wissen. Kommt es bei Reisen wegen der fehlenden Identifikation zu Problemen, können die behandelnden Ärzte eventuell eine Bescheinigung ausstellen.

Fingerabdrücke verschwunden

Entsperren eines Smartphones durch Fingerabdruck-Scan © dolphyn - Fotolia.com
Schwierigkeiten beim Entsperren eines Smartphones - was tun, wenn der Fingerabdruck weg ist? Foto: © dolphyn - Fotolia.com

In der niederländischen Studie hatten sich die Forscher auf das Chemotherapeutikum Capecitabin und drei zielgerichtete Arzneimittel konzentriert, darunter der Wirkstoff Sunitinib. Sie untersuchten insgesamt 150 Patienten, die mit einer der Substanzen behandelt wurden. Die Forscher achteten nicht nur auf Veränderungen der Fingerlinien, sondern auf allgemeine Hautreaktionen an Händen und Füßen während einer Krebsbehandlung: Ihr Augenmerk galt dem sogenannten Hand-Fuß-Syndrom, einer schmerzhaften Schwellung, Rötung und Entzündung der Haut an Händen und Fußsohlen.

Was die Forscher überraschte: Der Verlust des Fingerabdrucks schien nicht zwangsläufig ein Symptom dieses Hand-Fuß-Syndroms zu sein. Nicht wenige Studienteilnehmer wiesen Hautreaktionen an Händen und Füßen auf, ohne dass es zu starken Veränderungen ihrer Fingerabdrücke kam. Andere Teilnehmer verloren ihre Fingerlinien, ohne dass die Haut an Händen und Füßen sichtbar beeinträchtigt war.

Hand-Fuß-Syndrom – was verbirgt sich dahinter?

Das Hand-Fuß-Syndrom tritt bei Krebspatienten als Nebenwirkung mancher Krebsmedikamente auf. Dazu zählen beispielsweise die Chemotherapie-Medikamente wie Capecitabin, Doxorubicin, 5-Fluorouracil, Cytarabin, Docetaxel und weitere. Auch einige zielgerichtete Krebsarzneimittel wie Sorafenib, Sunitinib und weitere können bei Krebspatienten zu Reaktionen an der Haut von Füßen und Händen führen.
Wie macht sich ein Hand-Fuß-Syndrom bemerkbar? Fachleute unterscheiden zwei Typen dieses Problems:

  • Bei Betroffenen kündigt sich ein Chemotherapie-bedingtes Hand-Fuß-Syndrom Typ I oft mit Gefühlsstörungen an. Hände und Füße kribbeln. Innerhalb weniger Tage können sich die Flächen der Hände, seltener auch der Füße röten. Bei vielen Betroffenen fühlen sich Handflächen und Fußsohlen warm an, brennen und beginnen zu schmerzen. Bei manchen Patienten schuppt sich die Haut, oder es bilden sich Blasen.
  • Das Hand-Fuß-Syndrom vom Typ II wird eher durch zielgerichtete Krebstherapien ausgelöst. Auch hier röten sich bei Betroffenen die Fußsohlen und die Handflächen. Allerdings sind hier die Füße häufiger betroffen als die Hände. Die Haut wird sehr empfindlich gegenüber Reibung, Dehnung und Druckbelastung, betroffene Hautstellen schmerzen und verhornen. Es kann zu Blasenbildung kommen.

Bei den meisten Patienten klingen die Symptome eines Hand-Fuß-Syndroms einige Zeit nach dem Ende einer Krebsbehandlung wieder ab. Das Problem: Viele der als Auslöser infrage kommenden Medikamente sind zur längerfristigen Behandlung gedacht. Um die Nebenwirkungen möglichst rasch in den Griff zu bekommen, sollte man als Betroffener schon bei den ersten Anzeichen die Ärzte informieren.

Vorbeugen und lindern – was lässt sich gegen ein Hand-Fuß-Syndrom tun?

In einer aktuellen Leitlinie haben Fachleute zusammengestellt, was helfen kann:

  • Druck oder Reibung an Händen und Füßen sollte man vermeiden. Das heißt auch, auf lange Fußmärsche, das Anheben schwerer Gegenstände oder auf Werkzeuge zu verzichten, die in die Handflächen drücken, etwa eine Gartenschere.
  • Keine einengenden Schuhe, Kleidung oder Schmuck tragen, die Druck oder Reibung auf der Haut verursachen.
  • Vorsicht mit heißem Wasser und ganz allgemein Hitze, etwa während eines Sonnenbades, oder eines Saunabesuchs.
  • Hände und Füße nicht zu lange im Wasser lassen, mit einem Handtuch abtupfen, nicht trocken rubbeln.
  • Die Hände sollten nicht in Kontakt mit chemischen Substanzen kommen, etwa Reinigungsmitteln.
  • Gute Pflege schützt die Haut an Händen und Füßen. Die Autoren der Leitlinie empfehlen, Hände und Füße regelmäßig mit einer harnstoffhaltigen Creme einzucremen. Was man an Pflegemitteln verwenden darf, spricht man am besten mit den Ärzten ab.
  • Die Füße kann man durch zeitweiliges Hochlagern der Beine entlasten.
  • Achten sollte man auf Hornhaut und Hühneraugen. Für viele Betroffene kann eine professionelle Fußpflege sinnvoll sein. Auf jeden Fall sollte man Hauterkrankungen möglichst rechtzeitig behandeln lassen, die man schon vor der Krebstherapie hatte, etwa Pilzerkrankungen oder Ekzeme.

Was tun bei starken Hautreaktionen?

Um starke Hautreaktionen zu behandeln, ist es möglich, die Dosis des Krebsmedikaments zu senken, die nächste Therapiegabe hinauszuzögern oder die Behandlung zu unterbrechen. Dabei sollte man aber gemeinsam mit dem Arzt Nutzen und Risiken einer Änderung der Krebstherapie diskutieren und gegeneinander abwägen. Setzt man die Medikamente ab, klingen die Beschwerden üblicherweise nach einigen Wochen ab.

Die Symptome eines Hand-Fuß-Syndroms lassen sich aber lindern. Möglich sind rezeptpflichtige, cortisonhaltige Salben, bei Bedarf können die Ärzte auch Schmerzmittel verschreiben. Damit offene Hautstellen an den Füßen besser abheilen kommen quellfähige Wundauflagen infrage, sogenannte Hydrokolloid-Verbände: Sie bilden ein leichtes Polster, das die Wunden besser schützt als ein normaler Verband.