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Collage: HPV-Viren und Spritze mit Impfstoff, Foto: Eisenhans - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

HPV-Impfung: Antworten auf häufige Fragen

Wovor schützt die Impfung?

Seit einigen Jahren gibt es Impfstoffe gegen eine Infektion mit humanen Papillomviren, kurz HPV oder HP-Viren. Gegen welche HPV-Typen schützt die Impfung? Schützt sie langfristig tatsächlich auch vor Krebs? Hilft die Impfung auch, wenn man schon mit HPV infiziert ist oder sogar schon an Krebs erkrankt ist?
Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes bietet Antworten auf häufige Fragen zur HPV-Impfung. Links führen zu weiteren Informationen.

Letzte Aktualisierung: 26.04.2016

Quellen und Links (Stand: 6/2016)

Interessierte und Fachleute finden eine Übersicht genutzter Quellen im Text "Humane Papillomviren: Mehr wissen".

Das Wichtigste in Kürze zu HPV-Impfstoffen – wovor kann man sich heute schützen?

Derzeit sind in Deutschland drei verschiedene HPV-Impfstoffe auf dem Markt: Cervarix®, Gardasil® und Gardasil® 9. Alle wirken gegen HPV 16 und HPV 18. Gardasil® wirkt als Vierfachimpfstoff außerdem noch gegen die "Warzenerreger" HPV 6 und HPV 11, Gardasil® 9 sogar gegen insgesamt neun HPV-Typen. Langfristig soll dieser Neunfachimpfstoff den Vierfachimpfstoff ablösen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung  für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. Sie folgt damit der Impfempfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO: Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mädchen noch nicht mit den Viren infiziert hat.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Rein von der Zulassung her können auch ältere Frauen oder Jungen und Männer die Impfung mit dem Mehrfachimpfstoff erhalten. In Deutschland hat das Bundesland Sachsen darauf reagiert und die dortige Impfempfehlung entsprechend erweitert. Trotzdem müssen ältere Frauen, Männer und die Eltern von Jungen die Impfung selbst zahlen. Nicht wenige Versicherungen übernehmen allerdings freiwillig die Kosten, daher lohnt sich die Nachfrage direkt bei der Kasse.

Bis vor kurzem musste die HPV-Impfung dreimal gegeben werden, um eine möglichst vollständigen Impfschutz zu erzielen. Dies hat sich inzwischen geändert: Den Impfstoff erhalten junge Mädchen (oder Jungen) bis 14 Jahre heute in nur zwei Einzelimpfungen innerhalb von sechs Monaten. Ab dem Alter von 15 (Cervarix®) beziehungsweise 14 Jahren (Gardasil® und Gardasil® 9) sind aber weiterhin drei Einzelimpfungen vorgesehen.

Die zurzeit verfügbaren Präparate werden in die Muskulatur des Oberarms oder des Oberschenkels gespritzt. Die Herstellerfirmen empfehlen, für alle Impfungen möglichst denselben Impfstoff zu verwenden und nicht auf ein anderes Präparat zu wechseln.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut bietet für Fachleute genauere Empfehlungen an, wann und wie die Impfstoffe gegeben werden sollten

Die Impfstoffe selbst lösen keine Infektion aus: Sie enthalten keine vollständigen Viren, sondern nur leere Virushüllen.

HPV-Impfung: Was lässt sich erreichen, was nicht?

Impfung bei junger Frau © Fotolia/RioPactua Images
Mit der HPV-Impfung lässt sich die Rate auffälliger und behandlungsbedürftiger Zellveränderungen am Gebärmutterhals senken. © Fotolia/RioPactua Images

Man weiß heute: Bei Mädchen und Frauen lässt sich durch eine HPV-Impfung die Rate von Zellveränderungen am Gebärmutterhals deutlich senken. Damit sinkt voraussichtlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zellveränderungen zunächst zur Krebsvorstufe und dann zu Krebs werden. Wissenschaftler und Ärzte gehen davon aus, dass die Impfung langfristig zu einer Senkung der Krebsrate führen wird.

Alle Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, schützen vor einer Infektion mit den beiden häufigsten Hochrisiko-HPV-Typen: HPV 16 und HPV 18. Der Vierfach-Impfstoff schützt zudem vor Infektionen mit HPV 6 und HPV 11, den häufigsten Erregern von Genitalwarzen. Beim Neunfach-Impfstoff kommen noch HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58 dazu, sie gelten ebenfalls als potenzielle Krebsauslöser.

Reicht dieser Schutz aus? Es gibt noch viele weitere HPV-Typen, die allerdings seltener vorkommen. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schützen die Impfstoffe auch vor einem Teil dieser weiteren Papillomviren, weil sie den Hochrisikotypen 16 und 18 zumindest ähnlich sind. Fachleute sprechen von "Kreuzimmunität".

  • Trotzdem gilt: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Die  Impfung kann nicht grundsätzlich jede Infektion mit krebsauslösenden HPV-Typen verhindern.

Auf welche Erkrankungen zielt die Impfung insgesamt?

  • Der Vierfach-Impfstoff senkt das Risiko für genitale Feigwarzen enorm, bei beiden Geschlechtern.
  • Beide Impfstoffe senken bei Frauen auch das Risiko von behandlungsbedürftigen Krebsvorstufen, nicht nur am Gebärmutterhals, sondern auch an Vulva und Vagina.
  • Männer wie Frauen können vor Haut- und Schleimhautveränderungen am Darmausgang geschützt bleiben, die ebenfalls zunächst zur Krebsvorstufe und dann zum Tumor werden können.

Auch wenn es sich bei diesen Erkrankungen um zunächst gutartige Veränderungen handelt, so sind sie doch zumindest lästig und müssen behandelt werden - eine Belastung, die Geimpften erspart bleiben soll.
In Ländern, in denen die Impfung schon länger verfügbar ist, zeigte sich: Die Rate der Operationen zur Entfernung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals sank auf ein Drittel. Vom Neunfach-Impfstoff erhoffen sich Experten anhand der bisher vorliegenden Studiendaten sogar noch bessere Ergebnisse.
Diese Daten stammen aus Studien vor der Zulassung, aber auch aus Untersuchungen, die in Amerika, Australien und Europa noch nach der Einführung der Impfung fortgeführt wurden.

Wie sicher ist der Schutz vor Krebs?
Da solche Vorstufen der Krebsentstehung vorausgehen, halten Fachleute eine Senkung der Krebsrate auf lange Sicht für sehr wahrscheinlich. Die derzeit verfügbaren Impfstoffe werden allerdings noch nicht lange genug eingesetzt, um den Einfluss auf die Krebsrate bereits sicher erkennen zu können. Zum Vergleich: Bis zu 15 Jahre können zwischen der Infektion und der Entwicklung eines bösartigen Tumors vergehen. Daher wird es auch noch einige Jahre dauern, bis sich Auswirkungen der Impfung tatsächlich deutlich in den Krebsstatistiken niederschlagen werden.

Kann man trotz Impfung (Gebärmutterhals-)Krebs bekommen?

Einen hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bieten die zuerst zugelassenen beiden Impfstoffe nicht. HPV 16 und HPV 18 sind die wichtigsten Hochrisiko-Varianten. Sie lassen sich im Gewebe von sieben von zehn Frauen mit Gebärmutterhalskrebs nachweisen. Drei von zehn Patientinnen sind aber nach heutigem Kenntnisstand durch eine Infektion mit anderen HPV-Typen erkrankt. Ob sich die Situation ändern wird, wenn mehr Mädchen mit dem Neunfachimpfstoff geschützt werden, ist noch nicht absehbar.

  • Aus diesem Grund sollten auch geimpfte Frauen weiter regelmäßig die Früherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen.

Wie der Schutz vor anderen Krebsarten aussieht, lässt sich zurzeit noch nicht sicher benennen. Experten gehen jedoch von ähnlichen Hochrechnungen aus.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Wie lange der Impfschutz anhält, nachdem man alle Impfdosen erhalten hat, ist noch nicht bekannt. Darauf weist das Robert Koch-Institut hin. Die Studien laufen noch nicht lange genug, um beurteilen zu können, ob und wann eine Auffrischimpfung nötig ist.

Was weiß man bisher? Nach bis zu neun Jahren Nachbeobachtungszeit hielt der Impfschutz in Studien bei geimpften Frauen noch an. Da die Impfung ein sogenanntes Impfgedächtnis hervorruft, kann man davon ausgehen, dass der Impfschutz noch wesentlich länger anhält.
Die Autoren der aktuellen Leitlinie gehen sogar von mehr als 20 Jahren aus. Die Impfung schützt also deutlich länger und besser als eine überstandene natürliche Infektion: Diese löst bei den meisten Menschen keine ausreichende Reaktion des Immunsystems aus, die langfristig eine Neuansteckung verhindern würde.

Wie schnell setzt der Impfschutz ein? Wann ist Geschlechtsverkehr ohne Ansteckungsrisiko möglich?

Geschlechtsverkehr mit einem HPV-infizierten Partner birgt immer das Risiko einer Ansteckung. Wer nicht bis zum Abschluss der Impfserie auf Geschlechtsverkehr verzichten möchte, sollte zwischenzeitlich Kondome verwenden. Diese schützen jedoch nicht hundertprozentig vor einer HPV-Infektion.

Soll man einen HPV-Test machen lassen, bevor man sich impfen lässt?

Nein, sagen die aktuell verfügbaren Leitlinien. Es gibt Tests, mit denen man eine Infektion nachweisen kann, mehr dazu im Abschnitt zum HPV-Test. Sie sind jedoch noch sehr aufwändig. Die Testung bei jungen Mädchen würde außerdem bedeuten, dass bei ihnen eine gynäkologische Untersuchung und ein Abstrich erfolgen müssten. Dies empfinden manche Mädchen in dem Alter möglicherweise als unangenehm. Aus einer Blutprobe lassen sich HP-Viren nicht nachweisen.

Junge Mädchen, die bereits sexuell aktiv sind und sich möglicherweise infiziert haben, müssen zwar damit rechnen, dass die Impfung bei ihnen nicht mehr wirkt. Selbst wenn eine Infektion mit einem der HPV-Typen bereits vorliegt, könnte eine Impfung aber trotzdem noch Schutz vor den anderen Unterformen bieten. Auch daher ist ein HPV-Test vor der Impfung derzeit nicht vorgesehen, kann im Einzelfall aber trotzdem durchgeführt werden. Kinderarzt oder Frauenarzt beraten dazu.

Zulassung, Impfempfehlung, Kostenübernahme: Wer kann sich impfen lassen, wer trägt die Kosten?

  • Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die HPV-Impfung zurzeit für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren.

Mädchen, die noch nicht geimpft wurden, können die Impfung aber bis zum Ende des 17. Lebensjahres nachholen, so die STIKO.

Warum diese Altersempfehlungen, warum die Impfung schon für Kinder?
Die deutsche STIKO folgt mit ihrem Impfplan der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO: Eine Ansteckung ist schon beim ersten sexuellen Kontakt möglich, und nicht wenige junge Menschen sind bereits sehr früh sexuell aktiv. Daher sollte der vollständige Impfschutz ebenfalls möglichst früh erzielt werden. Rein statistisch sinkt der Nutzen der Impfung umso stärker, je älter die Zielgruppe ist.
Experten wissen jedoch auch: Der erste Geschlechtsverkehr ist häufig nicht geplant. Und Jugendliche scheuen sich, mit Eltern oder impfenden Ärzten darüber zu sprechen. Studien zufolge verpasste ein Großteil der Mädchen in Deutschland bisher den idealen Impfzeitpunkt vor dem ersten Geschlechtsverkehr, so die STIKO. Bei so jungen Mädchen sind zudem nur noch zwei Impftermine erforderlich.

Ist die Impfempfehlung bindend? Dürfen nur Mädchen geimpft werden?
Die Zulassung der Impfstoffe ist weiter gefasst: Gardasil® und Gardasil® 9 sind in Deutschland auch für Jungen und Männer zugelassen. Die gesetzlichen wie privaten Krankenversicherungen in Deutschland orientieren sich bei der Kostenübernahme für die Impfung allerdings an den STIKO-Impfempfehlungen. Ob die Impfung aus Kulanz für andere Menschen trotzdem gezahlt wird, kann man fragen - ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht.

  • Eine bundesweite Impfempfehlung für Frauen ab 18 Jahren oder für Männer gibt es in Deutschland derzeit nicht. Es gibt jedoch immer mehr Studien, die zeigen, dass auch sie von einer Impfung profitieren können – vorausgesetzt, sie sind mit den betreffenden Virustypen nicht bereits infiziert.
  • Viele Experten, darunter auch der Berufsverband der Deutschen Urologen, empfehlen die Impfung ausdrücklich auch für Jungen.
  • Die derzeit zugelassenen Impfstoffe wirken nicht gegen bereits bestehende Zellveränderungen; mit ihnen können also keine Krebsvorstufen behandelt werden.
  • Erwachsene Frauen, Jungen und Männer müssen die Kosten für die Impfung in der Regel selbst tragen: In Deutschland kostet eine Impfdosis rund 160 Euro. Für die komplette HPV-Impfung mit bis zu drei Einzeldosen muss man also für den Impfstoff bis etwa 470 Euro zahlen. Hinzu kommen Gebühren für die ärztliche Beratung, die Verordnung und die Impfung selbst. Wer plant, sich impfen zu lassen, sollte vorher den Arzt nach den anfallenden Gesamtkosten fragen. Ob die Krankenversicherung aus Kulanz zahlt, auch wenn sie rein rechtlich nicht dazu verpflichtet ist, kann man erfragen.
  • Bei privat Versicherten gilt der mit der jeweiligen Krankenkasse abgeschlossene Vertrag.

In einzelnen Bundesländern können vom bundesweiten Impfkalender abweichende Empfehlungen gelten. Ein Beispiel ist Sachsen, wo die Impfung auch für Jungen empfohlen ist. Auch aus diesem Grund empfiehlt sich die Rücksprache mit der Krankenkasse.

Nebenwirkungen: Welche unerwünschten Wirkungen kann die Impfung haben?

Die Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, gelten als sicher und gut verträglich. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen der beiden Gardasil-Impfstoffe sind Hautreaktionen an der Einstichstelle: mit Rötung und Juckreiz, leichten Schmerzen, Schwellung und ähnlichen Folgen, wie sie viele Menschen von Spritzen und Impfungen ganz allgemein kennen. Diese Nebenwirkungen traten in den Zulassungsstudien bei mehr als einer von zehn geimpften Patientinnen auf.
Nicht auszuschließen, aber seltener sind darüber hinaus Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie Atembeschwerden oder Nesselsucht.

Bei Cervarix® sind die häufigsten Nebenwirkungen ähnlich: Rötung, Schwellung oder leichte Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Seltener wurden Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz und Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen und Fieber beobachtet. Gelegentlich können auch Schwindel und Infektionen der oberen Atemwege auftreten.

Kurz nach der Einführung der Impfung berichteten Mädchen von Ohnmachtsanfällen. Daher sollten Geimpfte noch etwa eine Viertelstunde in der Arztpraxis unter Beobachtung bleiben.

Impfnebenwirkung oder Zufall?

Vor einigen Jahren wurden weitere Nebenwirkungen diskutiert, von denen man gar nicht weiß, ob sie überhaupt durch die Impfung ausgelöst werden. Dies liegt daran, dass bei Medikamenten grundsätzlich alle Vorfälle dokumentiert werden müssen, die rund um die Gabe auftreten. Dies gilt auch dann, wenn vermutlich gar kein Zusammenhang besteht.

Die Arzneimittelbehörden haben darauf reagiert. Daher werden heute noch weitere Hinweise in der Packungsbeilage aufgeführt. Nur in Einzelfällen wurde von folgenden Nebenwirkungen berichtet: geschwollene Lymphdrüsen, allergische Reaktionen, Immunthrombozytopenie (eine Autoimmunkrankheit, die zu einem Mangel an Blutplättchen führt), Guillain-Barré-Syndrom (eine Nervenentzündung mit Gefühlsstörungen und Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen, meist an Beinen und Armen, mit Gelenkschmerzen, Missempfindungen, Kribbeln in Armen, Beinen und Oberkörper), Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Müdigkeit, Unwohlsein.

Ob selten beobachteten Nebenwirkungen tatsächlich durch die Impfung ausgelöst wurden, bleibt unklar. Die Arzneimittelbehörden sehen grundsätzlich vor, alle vorgekommenen möglichen Nebenwirkungen in der Packungsbeilage aufzulisten.

  • Ausführliche Informationen zu den Impfstoffen bieten die Internetseiten der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA unter www.ema.europa.eu, Stichwort "Find medicine", Stichwort "Human medicines". Unter dem Anfangsbuchstaben finden Nutzer die Produktinformationen zu dem jeweiligen Impfstoff auch in deutscher Sprache.

Kann die Impfung selbst eine HPV-Infektion hervorrufen oder gar zu Krebs führen?

Nein. Die Impfung kann keine HPV-Infektion hervorrufen. Sie führt weder zu Gewebeveränderungen noch zu Krebs. Voraussetzung für eine Vermehrung der Erreger wäre, dass der Impfstoff Erbmaterial des Virus enthalten würde. Die Impfstoffe enthalten jedoch leere virusähnliche Hüllen, die der körpereigenen Abwehr ein "echtes" Virus vortäuschen.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen: Wann sollte man sich nicht impfen lassen?

Es gibt wenige Einschränkungen, sogenannte Kontraindikationen. Eine solche Kontraindikation ist zum Beispiel eine Allergie gegen den Impfstoff oder einen seiner Bestandteile. Außerdem sollte man sich während einer Schwangerschaft nicht gegen HPV impfen lassen.

Was gilt während der Stillzeit? Für Gardasil® und Gardasil® 9 gibt es hier keine Einschränkung. Für Cervarix® gilt: Man sollte sich in der Stillzeit nur impfen lassen, wenn die Vorteile mögliche Risiken überwiegen.

Darüber hinaus sollte man die Impfung bei einer schweren und fieberhaften Erkrankung verschieben. Ein leichter Infekt, etwa eine Erkältung hindert in der Regel jedoch nicht, sich impfen zu lassen. Ansprechpartner ist der impfende Arzt.

Wer eine sogenannte Thrombozytopenie oder eine andere Blutgerinnungsstörung hat, sollte vor der Impfung seinen Arzt informieren: Wie bei allen Injektionen in den Muskel könnte es zu Blutungen kommen.

Ob die Impfung bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem ausreichend "anschlägt", hängt von der individuellen Situation ab. Betroffen sind beispielsweise Menschen mit einer HIV-Infektion oder einer angeborenen Immunschwäche. Ob sie nach einer Impfung einen ausreichenden und langfristigen Schutz entwickeln können, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

Mit einer Impfung Krebs behandeln: Wie ist der Stand bei therapeutischen HPV-Vakzinen?

Die bisher verfügbaren Impfstoffe schützen nur vor der Ansteckung mit humanen Papillomviren – hat man sich bereits infiziert, richten sie nichts mehr aus. Auch können sie schon bestehende virusbedingte Zellveränderungen nicht heilen.
Zu dieser Frage gibt es jedoch viel Forschung: Eine therapeutische Impfung könnte auch dann noch wirken, wenn das Erbmaterial der Viren im Gewebe Veränderungen ausgelöst hat, eventuell sogar noch dann, wenn bereits Krebs entstanden ist. Eine therapeutische HPV-Impfung wird sich voraussichtlich nicht gegen die HP-Viren selbst richten. Sie wird vielmehr dafür sorgen, dass das Immunsystem mit HPV befallene Zellen erkennt und vernichtet.

Im Tierversuch konnten Forscher bereits eine vollständige Rückbildung von HPV-bedingten Tumoren erreichen. Derzeit werden therapeutische Impfungen am Menschen sogar schon in klinischen Studien erprobt: bei Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen, bei Kopf-Hals-Tumoren, bei virusbedingtem Krebs am Darmausgang sowie bei Krebs und Krebsvorstufen der Vagina und Vulva. Bei Vorstufen des Vulvakarzinoms zeigten sich bereits erste Erfolge. Forscher gehen aber davon aus, dass eine alleinige Behandlung mit einer Impfung vermutlich nicht oder nicht bei allen Patienten ausreicht: Langfristig wird die therapeutische Vakzinierung wohl mit anderen Behandlungsverfahren wie der Operation oder der medikamentösen Behandlung kombiniert werden.

  • Grundsätzlich gilt aber: Es wird noch einige Zeit dauern, bis therapeutische Impfstoffe zugelassen und für jedermann verfügbar sein werden.