© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Nervenzellen, Foto: Image Source/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hirntumoren: Krebserkrankung in der "Schaltzentrale" des Menschen

Hirntumoren sind vergleichsweise selten. Sie kommen sowohl bei Erwachsenen wie auch schon bei Kindern vor. Eine Erkrankung kann das Leben Betroffener sehr verändern, auch dann, wenn eine langfristige Heilung erzielt wird.
Man unterscheidet mehrere Formen von Hirntumoren, je nachdem, von welchem Gewebetyp die Krebserkrankung ausgeht. Fachleute sprechen zur exakteren Bezeichnung von "Tumoren des Zentralnervensystems", oft als "ZNS-Tumoren" abgekürzt. Die verschiedenen Tumoren des Zentralnervensystems werden auch unterschiedlich behandelt. Welche Therapie infrage kommt, hängt vom Gewebetyp, von der jeweils typischen Zellveränderung und immer häufiger auch von molekularbiologischen Besonderheiten der Zellen ab, die bei einem Patienten festgestellt werden.
Der folgende Text bietet einen kurzen Überblick und Links zu weiterführenden Informationen und Ansprechpartnern.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Hirntumoren: Ein kurzer Überblick

Hirntumoren gehen sehr häufig von den sogenannten Gliazellen im Zentralnervensystem aus. Zu diesen Krebsformen gehören Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome und einige weitere Tumorformen. Ein viel genutzter Überbegriff für einige dieser Krebsarten lautet Gliome. Eine andere Form, die Ependymome, geht vom Deckgewebe des Nervensystems aus. Die Meningeome sind wiederum Tumoren der sogenannten Meningen, der Hirn- und Rückenmarkshäute. Weitere Untergruppen von Hirntumoren können in den Hirnnerven entstehen, dazu zählen zum Beispiel Schwannome, Neurinome oder Neurofibrome. Tumoren, die von den Hirnblutgefäßen ausgehen, kommen ebenfalls vor, wenn auch seltener.

Die meisten Tumoren der Drüsen im Gehirn sind keine Krebserkrankungen, sie gelten als gutartig, zum Beispiel die sogenannten Hypophysenadenome. Trotzdem können auch sie schwere Krankheitssymptome verursachen und sind nicht selten  schwer zu behandeln.

Schließlich gibt es einige Sonderformen der Lymphome und der Sarkome, beides Krebsarten, die im ganzen Körper und damit auch im Zentralnervensystem auftreten können.

Achtung: Nicht mit Hirnmetastasen verwechseln

Nicht zu den Hirntumoren im engeren Sinn gehören Hirnmetastasen: Zwar können sie ähnliche Symptome verursachen und für betroffene Patienten sehr belastend sein.
Sie sind jedoch nicht aus dem Hirngewebe hervorgegangen, sondern entstanden aus Zellabsiedelungen anderer Organtumoren, die bis ins Gehirn oder Rückenmark vorgedrungen sind. Hirnmetastasen, die beispielsweise durch eine Lungenkrebserkrankung entstanden sind, sind also keine ZNS-Tumoren. Sie werden weiter wie Lungenkrebs behandelt, weil sie andere Eigeneschaften aufweisen als die "echten" Hirntumoren.
Informationen zu Hirnmetastasen hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Statistik: Hirntumoren vergleichsweise selten

Primäre Hirntumoren, also die Krebsformen des Zentralnervensystems im engeren Sinn, sind bei Erwachsenen vergleichsweise selten. Im Jahr 2012 erkrankten 3.960 Männer und 3.220 Frauen an Krebserkrankungen des Zentralnervensystems, heißt es in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012", die regelmäßig von der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut veröffentlicht wird (www.gekid.de oder www.krebsdaten.de).

Bei Kindern sind die Tumoren im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen häufiger als bei Erwachsenen. Laut der Broschüre "Krebs in Deutschland" sind Tumoren des Zentralnervensystems für etwas weniger als ein Viertel aller Krebserkrankungen im Kindesalter verantwortlich. Weitere Daten bietet auch das Deutsche Kinderkrebsregister unter www.kinderkrebsregister.de.

Vorbeugung: Vermeidbare Risiken nicht bekannt

Über die Risikofaktoren, die Hirntumoren auslösen, ist trotz umfangreicher Forschung wenig bekannt. Belegt ist, dass Patienten mit einigen sehr seltenen erblichen Tumorsyndromen ein gesteigertes Risiko haben, an Hirntumoren zu erkranken. Dass Gene und vererbbare Anlagen eine Rolle spielen könnten, zeigt auch ein weiterer Forschungsbefund: Verwandte ersten Grades haben ebenfalls ein wenn auch nur leicht erhöhtes Risiko, selbst an einem Hirntumor zu erkranken.

Eine therapeutische Kopfbestrahlung im Kindesalter kann ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntumor erhöhen. Auch eine Computertomographie im Kindesalter kann das Risiko einen Hirntumor zu bekommen, geringfügig erhöhen. Andere bildgebende Untersuchungsverfahren, die mit einer geringeren Strahlenbelastung einhergehen, scheinen daher keine risikosteigernde Wirkung zu haben, beispielsweise eine Röntgenuntersuchung der Zähne.

Diese bisher bekannten möglichen Risikofaktoren finden sich jedoch nur bei wenigen Erkrankten in der Vorgeschichte. Bei den meisten Patienten mit Hirntumoren bleibt unklar, wodurch ihre Erkrankung ausgelöst wurde.

Tatsächlich beeinflussbare Risiken lassen sich deshalb bisher kaum benennen. Beispielsweise scheinen Stress oder andere psychische Ursachen, Umweltgifte, Viren oder andere Gefährdungen keine Rolle zu spielen. Dementsprechend ist es derzeit auch nicht möglich, der Entstehung von Hirntumoren vorzubeugen.

Die Forschung zu möglichen Risiken läuft jedoch auf Hochtouren. So gehen Wissenschaftler beispielsweise weiter der Frage nach, ob das Telefonieren mit dem Handy Hirntumoren fördern könnte, auch wenn bisher kaum belastbare Hinweise dafür bestehen und die vorliegenden Daten von nicht wenigen Wissenschaftlern kritisch hinterfragt werden (mehr dazu im Text "Handys und Mobilfunk". Als vor einigen Jahren die Frage auftauchte, ob der Süßstoff Aspartam Hirntumoren fördern könnte, fanden umfangreiche Analysen statt, bis die europäischen Lebensmittelbehörden "Entwarnung" geben konnten (mehr unter Lebensmittelzusatzstoffe).

Auch eine Früherkennung gibt es für Hirntumoren nicht: Die meisten Patienten erfahren von ihrer Erkrankung, nachdem sie wegen auffallender Symptome entsprechende Untersuchungen durchlaufen haben, oder bei einer Untersuchung aus anderem Anlass ein Hirntumor festgestellt wird.

Behandlung: Am besten in spezialisierten Zentren

Die verschiedenen Formen der Hirntumoren verhalten sich recht unterschiedlich, was Wachstum und Bösartigkeit angeht. Pauschale Aussagen zur Behandlung von Hirntumoren sind daher wenig sinnvoll. Betroffene finden in ihren behandelnden Ärzten die wichtigsten Ansprechpartner. Für Hintergrundinformationen steht der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.

Bei der Behandlung der meisten Hirntumoren spielen Operation und Strahlentherapie eine große Rolle. Auch einige Formen der Chemotherapie sind bei vielen, wenn auch nicht allen Hirntumoren wirksam. Bisher noch am Anfang stehen sogenannte zielgerichtete Therapien mit Medikamente, die auf ganz bestimmte Eigenschaften der Krebszellen zielen. Entsprechende klinische Studien, in denen neue Verfahren erprobt werden, können für Betroffene daher infrage kommen.
Patienten mit Hirntumoren benötigen eine sehr sorgfältige Beratung und Betreuung, während der Therapie und auch in der Nachsorge.

Für die meisten Erkrankten besteht die Empfehlung der Fachgesellschaften, sich nur in spezialisierten Zentren behandeln zu lassen. In solchen Zentren arbeiten Fachleute mit großer Erfahrung aus verschiedenen Arbeitsfeldern. Dazu gehören beispielsweise die Experten, die sich in der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft e.V. (NOA) innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft organisiert haben, mehr unter www.neuroonkologie.de.
Weiter gehören dazu Zentren im Deutschen Gliomnetzwerk unter Förderung der Deutschen Krebshilfe (www.gliomnetzwerk.de).
Es gibt weitere Kliniken sowie niedergelassene Ärzte, die entsprechende Erfahrung haben und Hirntumoren behandeln können: Informationen dazu erhalten Patienten von ihren behandelnden Ärzten.

In vielen der Zentren wird Patienten die Teilnahme an klinischen Studien angeboten. Betroffene haben so unter Umständen die Chance, von neuen Therapieverfahren zu profitieren, die noch nicht überall zur Verfügung stehen. Andererseits weiß man über solche neuen Verfahren meist noch nicht alles, und es besteht ein gewisses Risiko unerwarteter Wirkungen. Wie man sich als Krebspatient entscheiden kann und welche Fragen an die Ärzte wichtig sind, erläutert der Text "Klinische Studien".

Anlaufstellen und Informationen im Internet

  • NOA - Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., online unter www.neuroonkologie.de. Die Seite richtet sich vorwiegend, aber nicht ausschließlich an Fachleute. Sie bietet zum Beispiel aktuelle Behandlungsleitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Hirntumoren, Informationen zu laufenden Studien und Links.
  • Deutsches Gliomnetzwerk, Verbundprojekt von Forschern und Kliniken, online unter www.gliomnetzwerk.de
  • Deutsche Hirntumorhilfe, von Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen gegründete Organisation mit vielen Informationen online, Auskünften am Telefon und Selbsthilfeangeboten im Internet und vor Ort, www.hirntumorhilfe.de
  • Rubrik "Wegweiser": Hier listet der Krebsinformationsdienst deutschsprachige und kostenlose Broschüren zum Thema Gehirntumoren auf

Information am Telefon und per Mail

Wir beantworten Ihre Fragen: Aktuelle Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Hirntumoren stellt der Krebsinformationsdienst KID am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.