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Nervenzellen, Foto: Image Source/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hirntumoren: Krebserkrankung in der "Schaltzentrale" des Menschen

Gliome, Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome und weitere primäre ZNS-Tumoren

Gehirntumoren sind im Vergleich zu anderen Krebsarten selten. Sie kommen sowohl bei Erwachsenen wie auch schon bei Kindern vor. Eine Erkrankung kann das Leben Betroffener sehr verändern, auch dann, wenn eine langfristige Heilung erzielt wird.
Man unterscheidet mehrere Formen von Hirntumoren, je nachdem, von welchem Gewebetyp die Krebserkrankung ausgeht. Fachleute sprechen zur exakteren Bezeichnung von "Tumoren des Zentralnervensystems", oft als "ZNS-Tumoren" abgekürzt. Etwas anderes sind Hirnmetastasen: Sie gehen von Krebserkrankungen in anderen Organen aus, etwa bei Brustkrebspatientinnen oder Patienten mit Lungenkrebs.
Die verschiedenen Gehirntumoren werden auch unterschiedlich behandelt. Welche Therapie möglich ist, hängt aber auch davon ab, in welcher Gehirnregion der Tumor sitzt, und welche Funktionen des Gehirns bei einer Operation, einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie Schaden nehmen könnten.
Der folgende Text bietet einen kurzen Überblick und Links zu weiterführenden Informationen und Ansprechpartnern.

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Hirntumoren: Ein kurzer Überblick

Was genau sind Hirntumoren? Damit sind Krebsformen gemeint, die das Gehirn und/oder weitere Teile des Zentralnervensystems befallen, also außer dem eigentlichen Gehirn auch das Rückenmark.

  • Gliome und verwandte ZNS-Tumoren: Hirntumoren gehen sehr häufig von den sogenannten Gliazellen im Zentralnervensystem aus. Zu diesen Krebsformen gehören Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome und einige weitere Tumorformen. Ein viel genutzter Überbegriff für einige dieser Krebsarten lautet Gliome.
  • Ependymome: Eine andere Form, die Ependymome, geht vom Deckgewebe des Nervensystems aus. Die Meningeome sind wiederum Tumoren der sogenannten Meningen, der Hirn- und Rückenmarkshäute.
  • Schwannome, Neurinome, Neurofibrome: Weitere Untergruppen von Hirntumoren können in den Hirnnerven entstehen: Dazu zählen zum Beispiel Schwannome, Neurinome oder Neurofibrome. Tumoren, die von den Hirnblutgefäßen ausgehen, kommen ebenfalls vor, wenn auch seltener.
  • Adenome: Schließlich gibt es Tumoren, die von den Drüsen im Gehirn ausgehen. Die meisten sind keine Krebserkrankungen im engeren Sinn: Sie gelten fast alle als gutartig, zum Beispiel die sogenannten Hypophysenadenome. Trotzdem können auch sie schwere Krankheitssymptome verursachen und sind nicht selten  schwer zu behandeln.

Auch diese Krebsformen können im Gehirn vorkommen, sie unterscheiden sich aber von den eigentlichen Hirntumoren.

  • ZNS-Lymphome, ZNS-Sarkome: Dabei handelt es sich um Sonderformen der Lymphome und der Sarkome. Diese Krebsarten können im ganzen Körper und deshalb auch im Zentralnervensystem auftreten. Sie zählen nicht zu den Hirntumoren im engeren Sinn. Auch die Behandlung sieht anders aus.

Was unterscheidet gutartige von bösartigen Hirntumoren? Wie ordnet man Tumoren ein?

  • Gutartige Tumoren wachsen sehr langsam. Trotzdem können sie langfristig Betroffenen sehr schaden - dann zum Beispiel, wenn sie sich nur schlecht oder gar nicht operativ entfernen lassen.
  • Bösartige Hintumoren sind durch schnelles und aggressives Wachstum gekennzeichnet.

Im Jahr 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO ein System vorgestellt, mit dem Fachleute Hirntumoren voneinander unterscheiden und sie auch nach dem Grad ihrer Bösartigkeit einordnen. Dabei spielt nicht nur die im vorigen Abschnitt erwähnte Herkunft der Krebszellen eine Rolle, also ihr Ursprungsgewebe.
Heute kommt auch die Beurteilung biologischer und genetischer Eigenschaften hinzu.

Danach teilt man mit dem WHO-System die verschiedenen Tumoren in vier Grade der Bösartigkeit ein. Sie werden mit der Bezeichnung Grad I (gutartig), Grad II (eher gutartig), Grad III (bereits bösartig) oder Grad IV (bösartig und aggressiv) angegeben.

 

Andere Entstehung, andere Behandlung: Hirnmetastasen, Sarkome, Lymphome im Gehirn

Nicht in diesem System werden Hirnmetastasen erfasst. Fachleute kategorisieren sie innerhalb des Systems der Tumorart, aus der sie entstanden sind. Hintergründe bietet der Text "Arztbriefe und Befunde verstehen". 
Auch für Sarkome oder "Blutkrebs" im Gehirn (Leukämien oder Lymphome) gelten die Kategorien für Hirntumoren nicht.

Statistik: Hirntumoren sind vergleichsweise selten

Bei Erwachsenen: Primäre Hirntumoren, also die Krebsformen des Zentralnervensystems im engeren Sinn, sind bei Erwachsenen vergleichsweise selten.

Im Jahr 2014 erkrankten 3.880 Männer und 3.160 Frauen an Krebserkrankungen des Zentralnervensystems. Für das Jahr 2018 erwarten die Experten etwas höhere Zahlen. Sie machen dafür allerdings die gestiegene Lebenserwartung und auch die Altersverschiebungen in der deutschen Bevölkerung verantwortlich. Dass hier ein Zusammenhang besteht, sieht man auch am durchschnittlichen Erkrankungsalter: Es lag in den vergangenen Jahren bei etwa 62 Jahren für Männer und 66 Jahren für Frauen, auch wenn Krebserkrankungen des Zentralnervensystems grundsätzlich in jedem Alter auftreten können.

Abrufbar sind die aktuellen Daten in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2013/2014", die regelmäßig von der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut veröffentlicht wird (www.gekid.de oder www.krebsdaten.de).

Bei Kindern sind die Tumoren im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen häufiger als bei Erwachsenen. Laut der Broschüre "Krebs in Deutschland" sind Tumoren des Zentralnervensystems für etwas weniger als ein Viertel aller Krebserkrankungen im Kindesalter verantwortlich. Weitere Daten bietet auch das Deutsche Kinderkrebsregister unter www.kinderkrebsregister.de.

Vorbeugung: Es gibt wenige Risikofaktoren, die man vermeiden kann

Heute geht man davon aus, dass Hirntumoren bei den meisten Betroffenen möglicherweise eher zufällig entstehen, aufgrund von Fehlern bei der Zellteilung. Über sonstige Risikofaktoren, die Hirntumoren auslösen können, ist trotz umfangreicher Forschung wenig bekannt.

Vererbung: Belegt ist, dass Patienten mit einigen sehr seltenen erblichen Tumorsyndromen ein gesteigertes Risiko haben, auch an Hirntumoren zu erkranken. Dass Gene und vererbbare Anlagen eine Rolle spielen könnten, zeigt auch ein weiterer Forschungsbefund: Verwandte ersten Grades haben ebenfalls ein - wenn auch nur leicht - erhöhtes Risiko, selbst an einem Hirntumor zu erkranken.

Strahlung: Eine therapeutische Kopfbestrahlung kann ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntumor erhöhen. Rein statistisch dauert es jedoch sehr lange, bis sich dieses Risiko auswirkt: Relevant ist das Risiko daher vor allem für Kinder und Jugendliche, die bestrahlt werden.
Auch Computertomographien im Kindesalter können das Risiko, einen Hirntumor zu bekommen, geringfügig erhöhen. Andere bildgebende Untersuchungsverfahren, die mit einer geringeren Strahlenbelastung einhergehen, scheinen daher keine risikosteigernde Wirkung zu haben, beispielsweise eine Röntgenuntersuchung der Zähne.

  • Diese bisher bekannten möglichen Risikofaktoren finden sich jedoch nur bei wenigen Erkrankten in der Vorgeschichte. Bei den meisten Patienten mit Hirntumoren bleibt unklar, wodurch ihre Erkrankung ausgelöst wurde.

Weitere Risikofaktoren: Tatsächlich beeinflussbare Risiken lassen sich deshalb bisher kaum benennen. Beispielsweise scheinen Stress oder andere psychische Ursachen, Umweltgifte oder auch Krankheitserreger wie Viren keine Rolle zu spielen.
Auch Rauchen oder Alkohol sowie ein insgesamt ungesunder Lebensstil tragen nach bisheriger Kenntnis nicht zum Risiko bei.

Vorbeugung: Für Menschen, die sich Sorgen um ihr Krebsrisiko machen, ist dies vielleicht enttäuschend. Denn es bedeutet auch, dass man Hirntumoren nach derzeitigem Wissen kaum vorbeugen kann.

Forschung: Die Forschung zu möglichen Risiken läuft jedoch auf Hochtouren.

Ein Beispiel ist das Telefonieren mit dem Handy: Zwar traf 2011 ein Expertengremium im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur die Entscheidung, Mobiltelefone als "möglicherweise" oder auch "vielleicht krebserregend" einzustufen, mehr dazu im Text "Handys und Mobilfunk".
Die Hinweise darauf sind bisher vergleichsweise spärlich, und selbst die vorliegenden Daten werden von nicht wenigen Wissenschaftlern kritisch hinterfragt. Allerdings lässt sich ein Risiko auch nicht zweifelsfrei ausschließen: insbesondere für Menschen, die besonders lange und häufig mit einem Smartphone oder Handy telefonieren, und früh damit angefangen haben, als die ersten Geräte auf den Markt kamen.

Als vor einigen Jahren die Frage auftauchte, ob der Süßstoff Aspartam Hirntumoren fördern könnte, fanden umfangreiche Analysen statt. Danach konnten die europäischen Lebensmittelbehörden "Entwarnung" geben.

Früherkennung: Bisher kennt man keine geeigneten Tests für Gesunde

Eine Früherkennung gibt es für Hirntumoren nicht: Die meisten Patienten erfahren von ihrer Erkrankung, nachdem sie wegen auffallender Symptome entsprechende Untersuchungen durchlaufen haben.
Eher selten wird die Diagnoser bei einer Untersuchung aus anderem Anlass gestellt - etwa wenn nach einem Unfall eine Magnetresonanztomographie vom Gehirn gemacht wird, und sich dort ein Tumor zeigt.

Behandlung: Was möglich ist, was nicht, muss individuell entschieden werden

Die verschiedenen Formen der Hirntumoren verhalten sich recht unterschiedlich, was Wachstum und Bösartigkeit angeht. Eine wichtige Rolle spielt auch, wo ein Hirntumor sitzt: Welche Gehirnteile durch eine Therapie wie zum Beispiel einen chirurgischen Eingriff zerstört würden, kann die Behandlungswahl erheblich beeinflussen.
Pauschale Aussagen zur Behandlung von Hirntumoren sind daher wenig sinnvoll. Betroffene finden in ihren behandelnden Ärzten die wichtigsten Ansprechpartner.

Welche Therapien stehen ganz allgemein zur Verfügung?

Bei der Behandlung der meisten Hirntumoren spielen Operation und Strahlentherapie eine große Rolle.
Auch einige Formen der Chemotherapie sind bei vielen, wenn auch nicht allen Hirntumoren wirksam. 
Inzwischen stehen auch sogenannte zielgerichtete Therapien mit Medikamenten zur Verfügung, die auf ganz bestimmte Eigenschaften der Krebszellen zielen. Sie können die Erkrankung bisher aber nicht heilen, sondern höchstens aufhalten. Und sie kommen nicht bei allen Formen von Hirntumoren infrage. Ähnlich ist die Situation für Immuntherapien oder andere neue Ansätze.

  • Klinische Studien, in denen neue Verfahren erprobt werden, können für Betroffene daher eine Möglichkeit sein, wenn andere Behandlungsverfahren nicht infrage kommen, oder wenn es darum geht, die bisherigen Möglichkeiten zu verbessern. 

Wohin gehen bei Verdacht auf Gehirntumor: Bei der Arzt- und Kliniksuche zählt die Erfahrung

Patienten mit Hirntumoren benötigen eine sehr sorgfältige Beratung und Betreuung, während der Therapie und auch in der Nachsorge.

Für die meisten Erkrankten besteht die Empfehlung der Fachgesellschaften, sich nur in spezialisierten Zentren behandeln zu lassen. In solchen Zentren arbeiten Fachleute mit großer Erfahrung aus verschiedenen Arbeitsfeldern.

  • Dazu gehören beispielsweise die Experten, die sich in der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft e.V. (NOA) innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft organisiert haben, mehr unter www.neuroonkologie.de.

Es gibt weitere Kliniken sowie niedergelassene Ärzte, die entsprechende Erfahrung haben und Hirntumoren behandeln können. So wurden beispielsweise hochspezialisierte Zentren als das Deutsche Gliomnetzwerk eine Zeitlang von der Deutschen Krebshilfe gefördert, weitere Forschung läuft aktuell zum Beispiel zur Molekulargenetik von Hirntumoren, mehr unter www.gliomnetzwerk.de.  

Die Deutsche Hirntumorhilfe wurde von Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen gegründet. Die Organisation bietet viele Informationen online, gibt Auskünfte am Telefon und verweist auf Selbsthilfeangeboten im Internet und vor Ort, mehr unter www.hirntumorhilfe.de

Worauf sollte man achten, woran erkennt man Erfahrung? Informationen dazu erhalten Patienten von ihren behandelnden Ärzten. Eine Hilfestellung bietet der Krebsinformationsdienst außerdem mit seinen Informationsblättern, zum Laden und Ausdrucken:

Sollte man sich auf experimentelle Verfahren einlassen, um mehr Chancen zu haben?
Diese Frage lässt sich nur ganz individuell beanworten: In vielen der Zentren wird Patienten die Teilnahme an klinischen Studien angeboten. Betroffene haben so unter Umständen die Chance, von neuen Therapieverfahren zu profitieren, die noch nicht überall zur Verfügung stehen. Andererseits weiß man über solche neuen Verfahren meist noch nicht alles, und es besteht ein gewisses Risiko unerwarteter Wirkungen.

  • Wie man sich als Krebspatient entscheiden kann und welche Fragen an die Ärzte wichtig sind, erläutert der Text "Klinische Studien". Dort ist auch ein kurz gefasstes Informationsblatt zum Laden und Ausdrucken verfügbar.