Für Alle

Sie sind Krebspatientin oder Krebspatient, Angehöriger, Freund oder Interessierter und haben Fragen zu Krebs?

0800 – 420 30 40

Telefonisch täglich von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

krebsinformationsdienst@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Für Fachkreise

Sie sind an der Versorgung von Krebspatienten beteiligt und benötigen unabhängig und neutral recherchierte Fakten zu Krebs?

0800 – 430 40 50

Telefonisch Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

kid.med@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Speiseröhrenkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Speiseröhrenkrebs

So lässt sich Speiseröhrenkrebs behandeln

Letzte Aktualisierung: 24.01.2022
  • Welche Therapie bei einer Krebserkrankung der Speiseröhre die richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab.
  • Die genaue Position und Einwachstiefe des Tumors in das Gewebe der Speiseröhre sowie die Ausbreitung der Krebszellen im Körper sind für die Behandlung maßgeblich.
  • Daneben spielen aber auch der Ernährungszustand, weitere Erkrankungen und nicht zuletzt die persönlichen Bedürfnisse eine wichtige Rolle.

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Tumor in der Speiseröhre © MediDesign Frank Geisler
Längsschnitt der Speiseröhre mit einem Tumor. © MediDesign Frank Geisler

Je nachdem, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren bei Speiseröhrenkrebs infrage.

  • Lokal begrenzter Tumor: Bei einem Tumor, der relativ oberflächlich in der Schleimhaut der Speiseröhre wächst, reicht in der Regel eine endoskopische Therapie zur Behandlung aus.
  • Lokal fortgeschrittener Tumor: Ist der Tumor tiefer in die Schleimhaut eingewachsen, ist meist ein chirurgischer Eingriff notwendig: Dabei entfernen die Ärzte Teile der Speiseröhre. Auch eine Chemotherapie oder kombinierte Strahlen- und Chemotherapie kommen infrage.
  • Metastasen: Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, kann eine Chemotherapie die Lebenszeit unter Umständen verlängern. Auch sogenannte zielgerichtete Medikamente oder eine Immuntherapie kommen in dieser Situation infrage. Eine Strahlentherapie kann zudem helfen, tumorbedingte Schmerzen zu lindern.

Was lässt sich erreichen?
Bei manchen Patienten können die Ärzte den Tumor der Speiseröhre endoskopisch entfernen. Der Eingriff ähnelt der Spiegelung der Speiseröhre. Der Unterschied: Der Arzt untersucht den Tumor nicht nur, sondern trennt ihn mit Hilfe einer kleinen Schlinge, die er durch das Endoskop schiebt, vollständig von der Schleimhaut ab. Auch können Ärzte Tumorzellen mit Hilfe von Hitze bei einer sogenannten Ablation zerstören.

Wann kommt die Therapie infrage?
Als alleinige Therapie bei Speiseröhrenkrebs genügen diese Verfahren allerdings nur bei oberflächlichen Tumoren, die sich nicht tiefer ins Gewebe ausgebreitet haben.

Zum Weiterlesen

Was lässt sich erreichen?
Ziel der chirurgischen Therapie ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Zu diesem Zweck muss ein Teilabschnitt der Speiseröhre entnommen werden, unter Umständen auch angrenzendes Gewebe, etwa Lymphknoten, Teile des Magens und unter Umständen noch weitere Gewebe.

Experten raten, den chirurgischen Eingriff von erfahrenen Ärzten an einer spezialisierten Klinik vornehmen zu lassen. Studien belegen: In Kliniken und bei Chirurgen mit einer jährlich hohen Anzahl komplexer Eingriffe an der Speiseröhre sind die Behandlungsergebnisse statistisch gesehen besser als in Kliniken mit niedriger Fallzahl und entsprechend weniger Routine. Die Frage, wie viele Operationen ein Team schon gemacht hat, dürfen Patienten ihren Ärzten also durchaus stellen.

Wann kommt die Therapie infrage?
Die chirurgische Entfernung eines Tumors aus der Speiseröhre ist ein komplexer Eingriff, der sehr belastend für den Körper ist. Die Voraussetzung ist daher ein ausreichend guter Allgemeinzustand. Vor dem Eingriff überprüfen die Ärzte bei Patienten die Funktion des Herzens, der Lunge, der Leber und des Stoffwechsels. Auch das Körpergewicht und der allgemeine Ernährungszustand spielen eine Rolle, eventuell ist vor der Operation eine unterstützende Ernährungstherapie notwendig.

Weitere Voraussetzungen für einen chirurgischen Eingriff sind, dass der Tumor prinzipiell vollständig entfernbar ist und dass die Ärzte keine Metastasen in entfernt liegenden Organen gefunden haben.

Was geschieht während der Operation?

Während der Operation entfernen die Ärzte den Tumor sowie die angrenzenden Teile der Speiseröhre. Je nach Sitz des Tumors müssen sie dafür nicht nur die Bauchhöhle, sondern teilweise auch den Brustkorb bis zum Halsansatz eröffnen.

Um die Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen anschließend wiederherzustellen, ziehen sie bei den meisten Patienten den Magen nach oben und bilden aus ihm einen schlauchförmigen Ersatz für das fehlende Stück der Speiseröhre. Neben dem Tumor entfernen die Ärzte bei der Operation auch die benachbarten Lymphknoten.

Ist auch der Magen betroffen? Sitzt der Tumor im Übergang der Speiseröhre zum Magen, kann es bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung unter Umständen notwendig sein, den gesamten Magen gemeinsam mit dem unteren Teil der Speiseröhre zu entfernen. Bei Betroffenen können die Ärzte die Passage des Verdauungstrakts wiederherstellen, indem eine hochgezogene Schlinge des mittleren Dünndarmabschnitts (Jejunum) mit dem noch vorhandenen Teil der Speiseröhre verbunden wird. Außerdem wird der obere Dünndarmabschnitt (Zwölffingerdarm), in den Gallenwege und Bauchspeicheldrüsengang münden, zu einer Seite hin verschlossen und mit der anderen Seite an die hochgezogene Dünndarmschlinge angeschlossen. Dieses Verfahren verhindert wirksam, dass Verdauungssäfte in die verbliebenen Teile der Speiseröhre zurückfließen.

Erfolgskontrolle unter dem Mikroskop: Alle entnommenen Gewebe sowie die Lymphknoten werden anschließend an die Operation unter dem Mikroskop untersucht. Das Ergebnis der Gewebeuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob noch Tumorreste im Körper verblieben sind – der Tumor also nicht "im Gesunden" entfernt werden konnte. Die Lymphknotenuntersuchung zeigt, ob bereits Tumorzellen in das Lymphsystem eingewandert sind. Beides würde ein hohes Risiko für einen Krankheitsrückfall bedeuten.

Wie funktioniert die Ernährung unmittelbar nach der Operation?

Nach einem größeren chirurgischen Eingriff muss die Speiseröhre erst einmal abheilen. Daher ist die gewohnte Nahrungsaufnahme unmittelbar nach der Operation meist für mehrere Tage nicht möglich.

Um einer Mangelernährung in dieser Zeit vorzubeugen, brauchen Patienten eine Ernährungstherapie, in der Regel über eine Sonde. Die Ärzte legen dazu meist durch einen winzigen Schnitt in die Bauchdecke einen dünnen Schlauch bis in den obersten Abschnitt des Dünndarms. Ob auch eine Sonde über die Nase und die operierte Speiseröhre in den Magen möglich ist, hängt vom Umfang der Operation ab.

Eine ältere Frau liegt auf einer Liege und erhält eine Chemotherapie, während eine junge Frau bei ihr sitzt.
Bei Speiseröhrenkrebs kann unter Umständen eine Chemotherapie helfen. Bild: Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Wann kommt die Therapie infrage?
Ist der Tumor örtlich fortgeschritten, dann profitieren Betroffene möglicherweise von einer Chemotherapie oder einer kombinierten Strahlentherapie und Chemotherapie vor der Operation.

Was lässt sich erreichen?
Die vorgeschaltete Behandlung kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Ärzte den Tumor bei der Operation vollständig entfernen können. Oft ist der chirurgische Eingriff infolge der Vorbehandlung weniger belastend, weil sich der Tumor verkleinert. Außerdem senkt diese sogenannte neoadjuvante Therapie das Rückfallrisiko, also die Gefahr, dass der Tumor nach der Operation wiederkommt.

Nicht bei allen Patienten gelingt es, den Tumor durch eine neoadjuvante Therapie zurückzudrängen. Bei manchen Betroffenen kann es sein, dass sich der Tumor trotz der Behandlung nicht verändert oder sogar weiterwächst. Wirkt die Behandlung nicht, brechen die Ärzte diese ab und operieren den Tumor direkt.

Bei manchen Patientinnen und Patienten verschwindet der Tumor durch die Vorbehandlung vollständig. Dann sind nach der Operation im entfernten Gewebe keine Tumorzellen mehr zu finden. Bei anderen Betroffenen spricht der Tumor nicht ganz so gut auf die neoadjuvante Therapie an. Dann kann eine zusätzliche, nach der Operation durchgeführte Immuntherapie mit dem Checkpoint-Hemmer Nivolumab das Rückfallrisiko verringern.

Bei Patienten, die vor der Operation nur eine Chemotherapie, aber keine Bestrahlung erhalten haben, ist die Behandlung erst mit einer weiteren Chemotherapie nach der Operation abgeschlossen.

Wann kommt die Therapie infrage?
Nicht alle Tumoren der Speiseröhre lassen sich chirurgisch entfernen, beispielsweise wenn der Tumor sehr weit oben in der Speiseröhre sitzt. Dann ist für Betroffene eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie statt einer Operation sinnvoll.

Das Gleiche gilt für Patienten, die aufgrund ihres Allgemeinzustandes einen komplizierten chirurgischen Eingriff nicht verkraften würden oder eine Operation ablehnen.

Was lässt sich erreichen?
Durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie lässt sich das Wachstum des Tumors unter Umständen bremsen. Auch eine Heilung ist bei manchen Patienten auf diese Weise möglich.

Wann kommt die Therapie infrage?
Ist die Erkrankung nicht mehr heilbar, kann das Weiterführen der Behandlungen das Krankheitsfortschreiten hinauszögern und krankheitsbedingte Beschwerden lindern. Das Ziel ist es, eine möglichst gute Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.

Wie sieht die Behandlung aus?
Adenokarzinom:
Patientinnen und Patienten mit einem Adenokarzinom bekommen in dieser Situation in der Regel eine Chemotherapie. Unter Umständen profitieren sie auch von einer zielgerichteten Therapie mit dem Antikörper Trastuzumab. Diesen erhalten sie zusätzlich zur Chemotherapie. Voraussetzung für die zielgerichtete Therapie: Die Tumorzellen müssen das Merkmal HER-2-positiv haben, an dem das Medikament ansetzen kann.

Patientinnen und Patienten mit einem HER-2-negativen Tumor können zusätzlich zur Chemotherapie unter Umständen eine Immuntherapie mit dem Immun-Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab oder Nivolumab erhalten. Voraussetzung ist, dass die Tumorzellen ausreichend stark über das Merkmal PD-L1 verfügen, an dem das Medikament ansetzt.

Wirkt die erste Therapie nicht mehr, können Patientinnen und Patienten mit Adenokarzinom eine weitere Chemotherapie mit anderen Substanzen erhalten. Neben der Chemotherapie kann in dieser Situation auch der zielgerichtete Wirkstoff Ramucirumab zum Einsatz kommen. Versagt auch diese Behandlung, steht eine 3. Chemotherapie mit einem weiteren Wirkstoff zur Verfügung.

Plattenepithelkarzinom: Patientinnen und Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom erhalten in der Regel eine Chemotherapie. Die Chemotherapie kann mit dem Immun-Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab kombiniert werden, wenn der Tumor ausreichend stark über das Merkmal PD-L1 verfügt. Spricht der Tumor auf die Chemotherapie nicht mehr an, kommt für Betroffene, die kein Pembrolizumab erhalten haben, als weitere Behandlung eine Immuntherapie mit dem Checkpoint-Hemmer Nivolumab infrage. Andernfalls können sie eine Chemotherapie mit anderen Substanzen erhalten.

Örtliche Therapiemaßnahmen: Blutungen, eine Verengung der Speiseröhre oder Beschwerden beim Schlucken, die durch den Tumor in der Speiseröhre ausgelöst werden, können die Ärzte mit verschiedenen örtlichen Therapiemaßnahmen behandeln. Hierzu gehören eine Strahlentherapie von außen oder von innen (perkutane Strahlentherapie oder Brachytherapie) und die Einlage einer röhrchenförmigen Endoprothese (Stent).

Was lässt sich erreichen?
Mit einer Chemotherapie, einer zielgerichteten Therapie oder auch einer Immuntherapie lässt sich unter Umständen das Tumorwachstum bremsen, wenn auch nicht vollständig oder dauerhaft aufhalten. Die Behandlungen können aber die Überlebenszeit verlängern.

Eine Strahlentherapie kann bei metastasiertem Speiseröhrenkrebs helfen, Symptome zu lindern. Auf die Lebenszeit wirkt sie sich nicht aus.

Viele Menschen möchten auch selbst aktiv werden, wenn sie krebskrank sind. Eine Möglichkeit sehen sie und ihre Angehörigen häufig in den alternativen und komplementären Behandlungsmethoden.

Was dann am besten tun? Vor allem dann, wenn Unsicherheiten bezüglich des Nutzens oder möglicher Risiken bestehen? Für Betroffene empfiehlt es sich, das bei Ihren behandelnden Ärzten anzusprechen. Denn: Krebsspezialisten in Kliniken und Praxen sind heute in der Regel aufgeschlossener für eine komplementäre Behandlung als viele Patienten denken.

Wo es aber bessere Möglichkeiten gibt, etwas für sich selbst zu tun oder zum Behandlungserfolg aktiv beizutragen, werden Ärzte diese auch aufzeigen und vor Risiken durch ungeprüfte Verfahren warnen.





Quellen zum Weiterlesen

Informationen zu den für die Erstellung des Textes genutzten Quellen sowie nützliche Links, zum Beispiel zur Patientenleitlinie, sind in der Übersicht zum Thema Speiseröhrenkrebs aufgeführt.

Weitere Themen

Erstellt: 24.01.2022

Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

Aktualität: Wir prüfen alle Inhalte regelmäßig und passen sie an, wenn sich ein Aktualisierungsbedarf durch Veröffentlichung relevanter Quellen ergibt. Lesen Sie mehr über unsere Arbeitsweise.

powered by webEdition CMS