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Speiseröhre Querschnitt, Foto: Image Source/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

So lässt sich Speiseröhrenkrebs behandeln

Stadienabhängige Therapie des Ösophaguskarzinoms

Welche Therapie bei einer Krebserkrankung der Speiseröhre die richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab. Eine wichtige Information für die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist das sogenannte Tumorstadium: die genaue Position und Einwachstiefe des Tumors in das Gewebe der Speiseröhre sowie die Ausbreitung der Krebszellen im Körper. Daneben spielen aber auch der Ernährungszustand, weitere Erkrankungen und nicht zuletzt die persönlichen Bedürfnisse eine große Rolle.

Erstellt: 10.07.2019
Zuletzt überprüft:
Organe des Verdauungssystems © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Eine Übersicht unserer Informationen zu Speiseröhrenkrebs, von den Risikofaktoren über Beschwerden und die Diagnose bis hin zur Behandlung und Nachsorge sowie der Rehabilitation und dem Leben mit der Erkrankung, finden Sie unter:

"Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)"

Quellen und Links

Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt zu ersetzen.

Einteilung der Krankheitsstadien bei Speiseröhrenkrebs

Tumor in der Speiseröhre © MediDesign Frank Geisler
Längsschnitt der Speiseröhre mit einem Tumor. © MediDesign Frank Geisler

Je nachdem, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren bei Speiseröhrenkrebs infrage.

  • Lokal begrenzter Tumor: Bei einem Tumor, der relativ oberflächlich in der Schleimheut der Speiseröhre wächst, reicht in der Regel eine endoskopische Therapie zur Behandlung aus.
  • Lokal fortgeschrittener Tumor: Ist der Tumor tiefer in die Schleimhaut eingewachsen, ist meist ein chirurgischer Eingriff notwendig: Dabei entfernen die Ärzte Teile der Speiseröhre. Auch eine Chemotherapie oder kombinierte Strahlen- und Chemotherapie kommen infrage.
  • Metastasen: Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, kann eine Chemotherapie die Lebenszeit unter Umständen verlängern. Auch sogenannte zielgerichtete Medikamente oder eine Immuntherapie kommen in dieser Situation infrage. Eine Strahlentherapie kann zudem helfen, tumorbedingte Schmerzen zu lindern.

Endoskopische Therapie: Frühe, oberflächliche Tumoren abtragen

Was lässt sich erreichen?
Bei manchen Patienten können die Ärzte den Tumor der Speiseröhre endoskopisch entfernen. Der Eingriff ähnelt der Spiegelung der Speiseröhre. Der Unterschied: Der Arzt untersucht den Tumor nicht nur, sondern trennt ihn mit Hilfe einer kleinen Schlinge, die er durch das Endoskop schiebt, vollständig von der Schleimhaut ab. Auch können Ärzte Tumorzellen mit Hilfe von Hitze bei einer sogenannten Ablation zerstören.

Wann kommt die Therapie infrage?
Als alleinige Therapie bei Speiseröhrenkrebs genügen diese Verfahren allerdings nur bei oberflächlichen Tumoren, die sich nicht tiefer ins Gewebe ausgebreitet haben.

Der endoskopische Eingriff kann aber auch bei Patienten mit weiter fortgeschrittenen Tumoren dazu dienen, Gewebeproben zu entnehmen, um den Tumor genauer zu beurteilen. Die Untersuchungsergebnisse sind dann für die weitere Therapieentscheidung nützlich.

Chirurgische Therapie: Teilweise Entfernung der Speiseröhre und angrenzender Gewebe

Was lässt sich erreichen?
Ziel der chirurgischen Therapie ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Die Speiseröhre muss zu diesem Zweck teilweise entnommen werden, unter Umständen auch angrenzendes Gewebe, etwa Lymphknoten, Teile des Magens und unter Umständen noch weitere Gewebe.

Experten raten, den chirurgischen Eingriff von erfahrenen Ärzten an einer spezialisierten Klinik vornehmen zu lassen. Studien belegen: In Kliniken und bei Chirurgen mit einer jährlich hohen Anzahl komplexer Eingriffe an der Speiseröhre sind die Behandlungsergebnisse statistisch gesehen besser als in Kliniken mit niedriger Fallzahl und entsprechend weniger Routine. Die Frage, wie viele Operationen ein Team schon gemacht hat, dürfen Patienten ihren Ärzten also durchaus stellen.

Wann kommt die Therapie infrage?
Die chirurgische Entfernung eines Tumors aus der Speiseröhre ist ein komplexer Eingriff, der sehr belastend für den Körper ist. Die Voraussetzung ist daher ein ausreichend guter Allgemeinzustand. Vor dem Eingriff überprüfen die Ärzte bei Patienten die Funktion des Herzens, der Lunge, der Leber und des Stoffwechsels. Auch das Körpergewicht und der allgemeine Ernährungszustand spielen eine Rolle, eventuell ist vor der Operation eine unterstützende Ernährungstherapie notwendig.

Weitere Voraussetzungen für einen chirurgischen Eingriff sind, dass der Tumor prinzipiell vollständig entfernbar ist und dass die Ärzte keine Metastasen in entfernt liegenden Organen gefunden haben.

Was geschieht während der Operation?

Während der Operation entfernen die Ärzte den Tumor sowie die angrenzenden Teile der Speiseröhre. Je nach Sitz des Tumors müssen sie dafür nicht nur die Bauchhöhle, sondern teilweise auch den Brustkorb bis zum Halsansatz eröffnen.

Um die Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen anschließend wiederherzustellen, ziehen sie bei den meisten Patienten den Magen nach oben und bilden aus ihm einen schlauchförmigen Ersatz für das fehlende Stück der Speiseröhre. Neben dem Tumor entfernen die Ärzte bei der Operation auch die benachbarten Lymphknoten.

Ist auch der Magen betroffen?
Sitzt der Tumor im Übergang der Speiseröhre zum Magen, kann es bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung notwendig sein, einen Teil des Magens oder unter Umständen auch den gesamten Magen mit zu entfernen. Bei diesen Patienten können die Ärzte die fehlende Verbindung im Verdauungssystem durch ein Stück Dickdarm ersetzen. Das entnehmen sie durch einen weiteren kleinen Bauchschnitt und setzen es in die entstandene Lücke ein.

Erfolgskontrolle unter dem Mikroskop: Alle entnommenen Gewebe sowie die Lymphknoten werden anschließend an die Operation unter dem Mikroskop untersucht. Das Ergebnis der Gewebeuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob noch Tumorreste im Körper verblieben sind – der Tumor also nicht "im Gesunden" entfernt werden konnte. Die Lymphknotenuntersuchung zeigt, ob bereits Tumorzellen in das Lymphsystem eingewandert sind. Beides würde ein hohes Risiko für einen Krankheitsrückfall bedeuten.

Wie funktioniert die Ernährung unmittelbar nach der Operation?

Nach dem chirurgischen Eingriff muss die Speiseröhre erst einmal abheilen. Daher ist die gewohnte Nahrungsaufnahme unmittelbar nach der Operation meist für mehrere Tage nicht möglich.

Um einer Mangelernährung in dieser Zeit vorzubeugen, brauchen Patienten eine Ernährungstherapie, in der Regel über eine Sonde. Die Ärzte legen dazu durch einen winzigen Schnitt in die Bauchdecke einen dünnen Schlauch bis in die obersten Anteile des Dünndarms. Ob auch eine Sonde über die Nase und die operierte Speiseröhre in den Magen möglich ist, hängt vom Umfang der Operation ab.

Strahlen- und Chemotherapie vor und nach der Operation

Frau bei der Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Bei Speiseröhrenkrebs kann unter Umständen eine Chemotherapie helfen. Bild: Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Wann kommt die Therapie infrage?
Ist der Tumor örtlich fortgeschritten, dann profitieren Betroffene möglicherweise von einer Chemotherapie oder einer kombinierten Strahlentherapie und Chemotherapie vor der Operation.

Was lässt sich erreichen?
Die vorgeschaltete Behandlung kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Ärzte den Tumor bei der Operation vollständig entfernen können. Oft ist der chirurgische Eingriff infolge der Vorbehandlung weniger belastend, weil sich der Tumor verkleinert. Außerdem senkt diese sogenannte neoadjuvante Therapie das Rückfallrisiko, also die Gefahr, dass der Tumor nach der Operation wiederkommt.

Nicht bei allen Patienten gelingt es, den Tumor durch eine neoadjuvante Therapie zurückzudrängen. Bei manchen Betroffenen kann es sein, dass sich der Tumor trotz der Behandlung nicht verändert oder sogar weiterwächst. Wirkt die Behandlung nicht, brechen die Ärzte diese ab und operieren den Tumor direkt.

Bei Patienten, die vor der Operation nur eine Chemotherapie, aber keine Bestrahlung erhalten haben, ist die Behandlung erst mit einer weiteren Chemotherapie nach der Operation abgeschlossen.

Strahlen- und Chemotherapie als Alternative zur Operation

Wann kommt die Therapie infrage?
Nicht alle Tumoren der Speiseröhre lassen sich chirurgisch entfernen. Für Patienten mit Tumoren, die beispielsweise sehr weit oben in der Speiseröhre sitzen, ist von vornherein eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie statt einer Operation sinnvoll.

Das Gleiche gilt für Patienten, die aufgrund ihres Allgemeinzustandes einen komplizierten chirurgischen Eingriff nicht verkraften würden.

Was lässt sich erreichen?
Durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie lässt sich das Wachstum des Tumors unter Umständen bremsen. Auch eine Heilung ist auf diese Weise grundsätzlich möglich.

Palliativtherapie: Die Lebensqualität verbessern, den Tumor bremsen

Wann kommt die Therapie infrage?
Für Patienten, bei denen die Ärzte das Tumorwachstum nicht stoppen können, stehen die Behandlung krankheitsbedingter Beschwerden und eine möglichst gute Lebensqualität im Mittelpunkt.

Wie sieht die Behandlung aus?
Patienten mit einem Adenokarzinom bekommen in dieser Situation in der Regel eine Chemotherapie. Unter Umständen profitieren sie auch von einer zielgerichteten Therapie mit dem Antikörper Trastuzumab. Diesen erhalten sie zusätzlich zur Chemotherapie. Voraussetzung für die zielgerichtete Therapie: Die Tumorzellen müssen das Merkmal "HER-2-positiv" haben, an dem das Medikament ansetzen kann.

Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom steht die Chemotherapie offen. Eine zielgerichtete Therapie gibt es für sie derzeit nicht.

Intensiv erforscht wird, ob eine Immuntherapie für Patienten mit Speiseröhrenkrebs infrage kommt. Sie hat bislang aber keinen festen Stellenwert in der Behandlung. Untersucht wird derzeit vor allem die Behandlung mit Checkpoint-Hemmer. Erste Studien zeigten vielversprechende Ergebnisse bei bestimmten Patienten mit fortgeschrittenem und bereits vorbehandeltem Speiseröhrenkrebs. Dies gilt insbesondere für die Wirkstoffe Pembrolizumab und Nivolumab.

Blutungen, eine Verengung der Speiseröhre oder Beschwerden beim Schlucken, die durch den Tumor in der Speiseröhre ausgelöst werden, können die Ärzte mit verschiedenen örtlichen Therapiemaßnahmen behandeln. Hierzu gehören eine Strahlentherapie (perkutane Strahlentherapie oder Brachytherapie) und die Einlage einer röhrchenförmigen Endoprothese (Stent).

Was lässt sich erreichen?
Mit einer Chemotherapie, einer zielgerichteten Therapie oder auch einer Immuntherapie lässt sich unter Umständen das Tumorwachstum bremsen, wenn auch nicht vollständig oder dauerhaft aufhalten. Die Behandlungen können aber die Überlebenszeit verlängern.

Eine Strahlentherapie kann bei metastasiertem Speiseröhrenkrebs helfen, Symptome zu lindern. Auf die Lebenszeit wirkt sie sich nicht aus.

Komplementäre oder alternative Verfahren

Viele Menschen möchten auch selbst aktiv werden, wenn sie krebskrank sind. Eine Möglichkeit sehen sie und ihre Angehörigen häufig in den alternativen und komplementären Behandlungsmethoden.

Was dann am besten tun? Vor allem dann, wenn Unsicherheiten bezüglich des Nutzens oder möglicher Risiken bestehen? Für Betroffene empfiehlt es sich, das bei Ihren behandelnden Ärzten anzusprechen. Denn: Krebsspezialisten in Kliniken und Praxen sind heute in der Regel aufgeschlossener für eine komplementäre Behandlung als viele Patienten denken.

Wo es aber bessere Möglichkeiten gibt, etwas für sich selbst zu tun oder zum Behandlungserfolg aktiv beizutragen, werden Ärzte diese auch aufzeigen und vor Risiken durch ungeprüfte Verfahren warnen.

Quellen und Links für Interessierte und Fachkreise