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Harnblasenkrebs: Leben mit der Erkrankung

Letzte Aktualisierung: 12.02.2017

Aus der Klinik entlassen, die Reha vorbei, zurück in den Alltag und zur Arbeit – so schnell geht es für die wenigsten Krebspatienten. Dies gilt auch für Menschen mit Blasenkrebs, insbesondere dann, wenn die Harnblase entfernt werden musste. Sich zu erholen, dafür braucht man Zeit.

Was können Patientinnen und Patienten selbst für sich tun? Wo erhalten sie und ihre Angehörigen Hilfe, Auskünfte oder Beratung? Im nachfolgenden Text hat der Krebsinformationsdienst Hintergründe und Linktipps zum Umgang mit den Behandlungsfolgen und zum Leben mit der Erkrankung Blasenkrebs zusammengestellt.

Eine Krebserkrankung ist nicht nur körperlich belastend. Sie stellt für die meisten Betroffenen einen massiven Einschnitt im bisher gewohnten Leben dar. Dies gilt oft auch für Angehörige. Hinzu kommt: Je nach Krankheitsstadium und Art der Behandlung müssen einige Patienten auf Dauer mit körperlichen Einschränkungen rechnen. Andere Patienten mit Harnblasenkrebs erholen sich vollständig, benötigen dafür aber Zeit.

Worauf sollte man achten, wenn man erkrankt war? Was nützt, was schadet? Die nachfolgenden Hinweise beruhen auf wissenschaftlichen Studien sowie der aktuell gültigen ärztlichen Leitlinie zur Behandlung eines Blasenkarzinoms. Um ganz sicher zu gehen, was in der persönlichen Situation richtig ist, sollte man auf jeden Fall auch mit den behandelnden Ärzten sprechen: Sie kennen die Befunde und können beurteilen, was wirklich hilft.

Spielt es überhaupt noch eine Rolle, ob man weiterraucht, wenn man bereits Krebs hat? Die derzeitige Studienlage sagt hier eindeutig "ja". Patienten, die mit dem Rauchen aufhören, erholen sich laut Statistik besser und es gibt weniger Komplikationen durch die Behandlung. Ein Beispiel ist die meist bessere Wundheilung bei Nicht- und Ex-Rauchern.

Studien deuten außerdem darauf hin, dass man nach einem Harnblasenkarzinom auch das Rückfallrisiko senken kann, wenn man mit dem Tabakkonsum aufhört.

Müssen Patienten mit Harnblasenkrebs ihre Ernährungsweise umstellen? Die Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an, wie man sich vor der Erkrankung ernährt hat, und auch darauf, wie sich die Ernährungssituation durch Erkrankung und Therapie verändert hat.

Während der Behandlung gilt vor allem eine Regel: Man sollte nicht auf Nahrungsergänzungsmittel, besondere Vitamine oder gar Krebsdiäten setzen, ohne sie mit den behandelnden Ärzten abzusprechen. Denn: Eine "Krebsdiät", mit der man einen Tumor zum Verschwinden bringen oder die Heilung beschleunigen könnte, die gibt es nicht. Bei Übelkeit oder anderen belastenden Symptomen der Therapie sollte man ebenfalls nicht auf Hausmittel vertrauen. Besser ist es, sich bei Beschwerden möglichst rasch mit den zuständigen Ärzten oder Pflegefachleuten abzusprechen.

Wer sich unsicher ist: Eine Ernährungsberatung ist in vielen Krankenhäusern und Reha-Kliniken möglich. Ansprechpartner bei einer ambulanten Behandlung sind die behandelnden Ärzte, auch die Krankenkassen helfen weiter und können qualifizierte Adressen nennen.

Worauf sollte man langfristig achten?
Wenn die Harnblase erhalten werden konnte:
Sofern die Ärzte nichts anderes sagen, können sich die meisten Patientinnen und Patienten einige Zeit nach Abschluss der Behandlung ganz normal ernähren. Dennoch kann es nicht schaden, sich an den Empfehlungen der internationalen Fachgesellschaften für eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu orientieren, wie sie auch für Gesunde gelten. Dazu gehört es auch, langfristig auf ein möglichst normales Gewicht zu achten. Wichtig ist für alle Patienten mit Harnblasenkrebs: ausreichend trinken, um die Blasenschleimhaut zu schützen.

Wenn die Harnblase entfernt wurde: Viele Patientinnen und Patienten in dieser Situation sind durch die umfangreiche Therapie zunächst geschwächt. Aber auch dann, wenn sie sich wieder erholt haben, gibt es einige Besonderheiten, insbesondere wenn sie mit einer sogenannten Neoblase leben:

  • Betroffene müssen ganz besonders darauf achten, ausreichend viel zu trinken, um die Neoblase, die erhaltenen Harnwege und die Niere zu schützen. Anfangs kann es sogar notwendig sein, die Neoblase zu spülen, wenn sich Sekret angesammelt hat.
  • Das Darmgewebe, aus dem die Neoblase gebildet ist, sondert aber nicht nur Sekret ab, es reagiert unter Umständen auch auf den Kontakt mit Urin. Das kann im schlimmsten Fall zur Übersäuerung des gesamten Stoffwechsels führen, einer sogenannten Azidose. Anzeichen dafür sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Für die erste Zeit nach der Operation werden die Säurewerte des Stoffwechsels daher anhand von Blutproben regelmäßig kontrolliert. Ob man eine Übersäuerung durch bestimmte Lebensmittel oder Getränke beeinflussen kann, erfährt man von den Ärzten in der Nachsorge.
  • Haben die Ärzte größere Anteile des Dünndarms für die Rekonstruktion der Blase verwendet, kann zudem die Verwertung von Vitamin B12 aus der Nahrung beeinträchtigt sein. Dann gilt: Produkte, die man selbst kaufen kann, etwa Mineraltabletten oder Vitaminpräparate, sind zum Ausgleich nicht geeignet. Was jeweils hilft und wie viel man davon benötigt, hängt von der individuellen Situation ab und sollte mit den Ärzten besprochen werden.

Körperlich aktiv sein – wie wichtig das auch nach Krebs ist, konnte in den letzten Jahren in vielen Studien belegt werden. Dabei geht es nicht nur um die allgemeine Gesundheit, etwa das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich im Alltag viel bewegt oder Sport treibt, verkraftet oft auch eine Krebsbehandlung und ihre Folgen besser. Auch auf die Lebensqualität wirkt sich Bewegung günstig aus, auf die Stimmung und zum Beispiel auch auf krankheitsbedingte Müdigkeit und Erschöpfung, die sogenannte Fatigue.

Ob das Rückfallrisiko sinkt, wenn Patienten nach einer Blasenkrebserkrankung viel Sport treiben, lässt sich bisher aus Studien allerdings nicht ablesen.

Hinzu kommt: Wie belastbar Betroffene nach der Erkrankung und ihrer Behandlung sind, kann ganz unterschiedlich sein: Jüngere Patienten mit nicht muskelinvasiven Tumoren können nicht selten damit rechnen, wieder so "fit" wie vor der Erkrankung zu werden. War der körperliche Zustand schon vor der Erkrankung nicht gut, musste die Blase entfernt werden und eine künstliche Harnableitung geschaffen werden, benötigen die allermeisten Patienten jedoch Zeit, bis sie selbst den gewohnten Alltag wieder bewältigen können. Bei ihnen ist der Übergang von der ersten Physiotherapie noch im Krankenhaus und während der "Reha" zu mehr körperlicher Belastung im Alltag daher fließend.

Wie viel darf man sich zumuten? Reicht die ganz normale Bewegung jeden Tag oder muss es gezielter Sport sein? Details können die behandelnden Ärzte nennen. Erste Anhaltspunkte und weitere Anlaufstellen nennt der Krebsinformationsdienst im Text Bewegung und Sport bei Krebs.

Die meisten Krebspatienten stoßen früher oder später auf Angebote der komplementären oder alternativen Medizin. Beispiele sind etwa Mistelspritzen, homöopathische Produkte, pflanzliche Arzneimittel oder auch Vitamine, Spurenelemente und andere Nahrungsergänzungsmittel.

Doch sind solche Medikamente oder Behandlungsmethoden wirklich eine Alternative? Können sie eine Operation, eine Chemotherapie oder Bestrahlung wirklich "komplementär" ergänzen? Es gilt: Bevor man selbst aktiv wird, sollte man sich umfassend informieren. Denn: Die Wirksamkeit gegen Krebs ist bei vielen der Produkte nicht nachgewiesen – und nicht selten steht hinter einem Angebot das Geschäft mit der Angst der Betroffenen.

Können komplementäre Verfahren die Nebenwirkungen der schulmedizinischen Krebstherapie lindern? Auch dafür fehlt bei den meisten Methoden der Beweis, selbst wenn die Werbung anderes verspricht. Nicht ausgeschlossen sind unerwünschte Nebenwirkungen und vor allem Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Patienten sollten daher möglichst nicht auf eigene Faust vermeintlich ergänzende oder "sanfte" Verfahren nutzen. Besser ist es, sich vorab mit den Ärzten zu besprechen.

Nach der Diagnose einer Krebserkrankung setzen sich fast alle Betroffenen mit einer Vielzahl von bedrohlichen Gefühlen und Gedanken auseinander. Ängste vor der Rückkehr in den Alltag und Befangenheit im Umgang mit anderen Menschen machen sich bemerkbar. Vielleicht kommen Zweifel an der Wirksamkeit der Behandlung auf, und Angst vor einem Fortschreiten der Erkrankung, auch dann, wenn aus medizinischer Sicht dazu gar kein Anlass besteht.

Partnerschaft, körperliche Nähe und Sexualität

Eine Krebserkrankung beeinflusst nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Dies kann Auswirkungen auf die Partnerschaft haben. Bei Patientinnen und Patienten mit Blasenkrebs kommt hinzu, dass die Erkrankung selbst den Intimbereich betrifft. Insbesondere eine künstliche Harnableitung verändert die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Nach einer Blasenentfernung sind die bisher gewohnten Formen der Sexualität bei den meisten Betroffenen zumindest beeinträchtigt.

  • In den Broschüren des Krebsinformationsdienstes zum Thema Sexualität und Krebs finden Betroffene und ihre Partner Informationen und weitere Ansprechpartner zum Thema.

Die meisten Patientinnen und Patienten mit Harnblasenkrebs sind bereits im Rentenalter, wenn sie von ihrer Erkrankung erfahren. Zwar gibt es heute viele Menschen, die in diesem Lebensabschnitt noch sehr fit sind. Dennoch leiden viele Betroffene in fortgeschrittenem Alter zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose bereits unter anderen gesundheitlichen Problemen, etwa Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen oder Diabetes. Auch eine eingeschränkte Nierenfunktion kann die Krebstherapie erschweren.

Für Betroffene und ihre Angehörigen heißt dies: Die Behandlung muss möglichst individuell geplant werden. Sie soll einerseits die Erkrankung so gut wie möglich in Schach halten. Andererseits spielt für ältere Menschen mit Einschränkungen oder Vorerkrankungen der Erhalt der Lebensqualität eine besondere Rolle.



Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Patientenleitlinie
Das Leitlinienprogramm Onkologie bietet eine gut verständliche Patientenleitlinie zu Blasenkrebs an.

Deutsche und internationale Leitlinien
Die aktuelle S3-Leitlinie "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms" ist online abrufbar bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

Bei der AWMF finden sich auch weitere nicht lokalisationsbezogene Leitlinien, die für die Betreuung von Patienten mit Harnblasenkarzinom relevant sein können. Dazu gehört die S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten.

Ebenfalls im Internet abrufbar ist die aktuelle S3-Leitlinie zur Supportiven Therapie bei onkologischen Patienten aus dem Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF zusammen mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe. Sie bietet insbesondere für die Betreuung Betroffener unter einer Chemotherapie oder einer palliativen Therapie bei Metastasen wertvolle Hinweise.

Eine wichtige Grundlage bietet Ärzten auch die European Association of Urology (EAU) zu Leitlinien und weiteren Hintergründen in englischer Sprache. Hier gibt es auch aktuelle Tumorleitlinien sowie Hinweise auf aktuelle Änderungen in den Empfehlungen.

Erstellt: 12.02.2017

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