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Dickdarmkrebsgewebe, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs: Ein Überblick

Welche Therapien gibt es? Wohin gehen zur Behandlung?

Für Darmkrebspatienten stehen verschiedene Behandlungsverfahren zur Verfügung: Eine wichtige Rolle spielen Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und die Behandlung mit zielgerichteten Medikamenten. Welche Therapie für den Einzelnen geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum Beispiel vom Krankheitsstadium und vom Allgemeinzustand des Betroffenen, aber auch von seinen Wünschen und Vorstellungen.
Der folgende Text gibt einen Überblick über die Therapiemöglichkeiten und verweist auf vertiefende Informationen. Wie die Behandlung in ihrer Situation aussehen sollte, können Patienten jedoch nur mit ihren Ärzten besprechen: Diese persönliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 27.04.2016

Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende des Textes aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs" bietet Hinweise auf allgemeine Fachliteratur sowie Linktipps zum Weiterlesen.

Ansprechpartner: Wohin gehen zur Behandlung?

Ist die Diagnose Darmkrebs gesichert? Dann müssen Ärzte und Patienten gemeinsam die Behandlung planen. Zunächst ist aber wichtig: Wo soll die Therapie überhaupt durchgeführt werden?
Für die meisten Patienten steht am Beginn der Therapie eine Operation. Sie erfordert einen stationären Krankenhausaufenthalt. Normalerweise hilft der Hausarzt oder der einweisende Facharzt bei der Wahl einer geeigneten Klinik. Er weiß meist, wie viel Erfahrung die nächstgelegenen Zentren haben, oder er kann entsprechende Informationen recherchieren. Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, können bei der Wahl der Klinik aber auch persönliche Wünsche berücksichtigt werden - etwa die Nähe zum Wohnort, um Angehörigen Besuche zu erleichtern.

Auf die Behandlung von Darmkrebspatienten sind viele Kliniken eingerichtet, zum Beispiel Universitätskliniken oder größere städtische und regionale Krankenhäuser. Hinzu kommen die sogenannten onkologischen Spitzenzentren, die stark forschungsorientiert arbeiten und ihren Patienten häufig die Teilnahme an klinischen Studien anbieten.
Spezialisierte Kliniken haben die Möglichkeit, ihre besondere Eignung als "Darmkrebszentrum" zertifizieren zu lassen. Es gibt verschiedene Fachgesellschaften, die eine solche Zertifizierung vergeben. Manche Krankenhäuser weisen mehrere Zertifizierungen auf, ebenso gilt aber auch: Nicht alle Zentren, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, haben bereits den Prozess der Zertifizierung durchlaufen. Das bedeutet: Es gibt auch Kliniken ohne Zertifizierung, die über viel Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit Darmkrebs verfügen. Adressen und Ansprechpartner für Darmkrebspatienten finden Interessierte im Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs: Adressen, Links, Fachinformationen".
Wie man eine geeignete Klinik findet und worauf man dabei achten kann, erläutert der Krebsinformationsdienst auch im Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden" (PDF).

Überblick: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Welche Behandlungsverfahren für Patienten mit Darmkrebs infrage kommen, richtet sich nach den Ergebnissen der Voruntersuchungen: Wo liegt der Tumor genau? Wie groß ist er? Hat er sich bereits über den Darm hinweg ausgebreitet? Wie sind seine molekularbiologischen Eigenschaften? Aber auch Faktoren wie etwa der Allgemeinzustand des Betroffenen und eventuell vorliegende Begleiterkrankungen spielen eine Rolle.

Behandlung bei Krebsvorstufen und sehr frühen Tumoren

Bei Krebsvorstufen und sehr kleinen, oberflächlichen Tumoren reicht unter Umständen eine endoskopische Entfernung aus. Solche Tumoren sind meist als sogenannte Darmpolypen sichtbar: als wenige Millimeter bis einige Zentimeter große Verdickungen und Vorwölbungen der Darmschleimhaut. Ihre Entfernung kann schon während der ersten Darmspiegelung geschehen - auch wenn diese eigentlich als Früherkennungsuntersuchung oder zur Abklärung von Beschwerden gedacht war.

Reicht die Abtragung auffälliger Veränderungen bei der Koloskopie als Therapie wirklich aus? Voraussetzung dafür ist: Das Aussehen des entnommenen Gewebes lässt auf eine (noch) harmlose Krebsvorstufe schließen, oder zumindest auf einen wenig aggressiven Tumor. Der Karzinomanteil darf nicht den gesamten Anteil des entfernten Polypen ausmachen, und das Tumorgewebe darf nicht in tiefere Gewebeschichten des Darms eingewachsen sein. Diese Eigenschaften und Anhaltspunkte auf das Wachstumsverhalten können spezialisierte Fachleute - sogenannte Pathologen - unter dem Mikroskop beurteilen.
Etwa ein halbes Jahr nach der endoskopischen Entfernung solcher früher Karzinome sollte man noch einmal eine Darmspiegelung vornehmen lassen. Dabei werden erneut Proben aus dem betroffenen Bereich entnommen und untersucht.

  • Mehr zur Einteilung von Darmpolypen und ihrem Risiko, bösartig zu werden, finden Interessierte im Text "Darmkrebs: Befunde verstehen" unter dem Stichwort "Darmpolypen".

Behandlung bei auf den Darm begrenzter Erkrankung

Lassen sich bei der Koloskopie nicht alle Polypen sicher entfernen? Ergibt die mikroskopische Untersuchung der Proben, dass es sich um Krebsgewebe handelt und der Tumor vergleichsweise rasch wachsen wird? Dann müssen Patienten sich auf eine Operation einstellen. Können die Ärzte bei einem solchen Eingriff alles Tumorgewebe entfernen, ermöglicht die Operation eine Heilung.

Wie umfangreich der Eingriff sein muss, hängt von der Größe des Tumors ab, und davon, wie weit er in die Darmwand und angrenzende Lymphknoten vorgedrungen ist. Aber auch die Lage des Geschwürs spielt eine Rolle für die Behandlungsplanung: Für Patienten mit Enddarmkrebs, einem Rektumkarzinom, stellt sich vor allem die Frage: Kann der Schließmuskel erhalten bleiben, oder muss ein dauerhaftes Stoma angelegt werden, ein künstlicher Darmausgang?

Beim Rektumkarzinom lässt sich unter Umständen die Möglichkeiten zu operieren durch eine vorgeschaltete Strahlen- oder kombinierte Chemo- und Strahlentherapie verbessern: Diese sogenannte "neoadjuvante" Therapie soll den Tumor möglichst verkleinern, sodass der Eingriff weniger umfangreich wird und die Chancen für einen Erhalt des Schließmuskels steigen.
Schätzen die behandelnden Ärzte das Rückfallrisiko eines Darmkrebspatienten als eher hoch ein? Dann folgt nach der Operation eine sogenannte adjuvante oder ergänzende Behandlung: Patienten mit Dickdarmkrebs erhalten dann eine Chemotherapie, Patienten mit Enddarmkrebs eine Chemotherapie oder eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie.

Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung

Für Patienten mit einer weiter fortgeschrittenen Darmkrebserkrankung gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten: Kommt eine Operation nicht infrage, weil der Tumor sich in den Bauchraum oder sogar in weiter entfernt liegende Organe ausgebreitet hat? Dann erhalten Betroffene eine Chemotherapie. Sie wird je nach Situation ergänzt durch zielgerichtete Medikamente: Diese modernen Mittel greifen gezielt in biologische Prozesse ein, die Wachstum und Vermehrung von Tumorzellen vermitteln. Mit einer solchen Therapie soll das Tumorwachstum möglichst lange gebremst werden.

Möglich und sinnvoll ist eine Operation jedoch auch für manche Patienten mit Metastasen: Haben sich Absiedlungen des Tumors in Leber, Lunge oder Bauchfell gebildet, können diese unter Umständen gezielt entfernt werden. Ob das möglich ist, hängt von Lage, Größe und Anzahl der Metastasen ab. Droht ein Darmverschluss, versuchen die Chirurgen, die Darmpassage wieder durchgängig zu machen. Auch dann wird eine Operation notwendig.

Zur Krebstherapie gehört für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung auch die Linderung von Beschwerden, die durch die Krankheit selbst oder durch belastende Therapien verursacht werden. Ein Beispiel ist bei Bedarf eine wirksame Schmerztherapie. Bei manchen Patienten führt eine fortgeschrittene Erkrankung zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, einem sogenannten Aszites. Die Therapie zielt dann darauf ab, Betroffenen eine Entlastung vom Druck dieser Flüssigkeit und damit Erleichterung zu verschaffen.

Teilnahme an klinischen Studien

Für nicht wenige Patienten mit Darmkrebs kommt je nach Situation auch die Teilnahme an einer klinischen Studie infrage: In solchen Studien werden experimentelle Verfahren erprobt, also beispielsweise neue Medikamente oder Operations- oder Bestrahlungsverfahren. Es gibt aber auch Studien, die der Verbesserung der bisherigen Behandlung dienen: In diesen Therapieoptimierungsstudien werden bereits bekannte und übliche Methoden neu kombiniert oder leicht abgewandelt. Hintergründe bieten die Texte zur Krebsforschung in klinischen Studien.

Behandlung in besonderen Situationen

Wird die Diagnose Darmkrebs erst wegen eines Darmverschlusses gestellt? Dann bleibt meist keine Zeit für umfangreiche Voruntersuchungen vor einer Operation. Daher gibt es für solche und ähnliche Notfallsituation keine festen Vorgaben: Die Ärzte orientieren sich bei der Behandlung daran, was die Lage ihres Patienten aktuell erfordert.

Patienten, die an erblich bedingtem Darmkrebs erkrankt sind, müssen unter Umständen mit einer größeren Operation rechnen als andere Betroffene: Bei ihnen ist das Rückfallrisiko häufig sehr viel höher.
Insbesondere bei Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) entfernen die Ärzte große Teile des Dickdarms oder sogar den gesamte Dick- und Enddarm. Mehr zu solchen risikosteigernden Genen finden Interessierte im Text "Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung". Die Betreuung und Behandlung von Patienten mit erblich bedingtem Darmkrebs setzt viel Erfahrung voraus und sollte nur in großen spezialisierten Zentren erfolgen.

Fragen an die Ärzte: Was muss man wissen?

Die Behandlung planen Ärzte und Patient gemeinsam. Möchte man als Betroffener bei der Wahl der Therapie mitentscheiden, dann benötigt man ausführliche Informationen. Aber auch wenn man die Entscheidung den Ärzten überlassen möchte, helfen Informationen bei der Einschätzung, mit welchen Krankheits- und Therapiefolgen man rechnen muss.
Die folgenden Fragen sollen es Betroffenen erleichtern, sich auf das Gespräch mit dem behandelnden Arzt vorzubereiten.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für meine Erkrankung?
  • Kann ich operiert werden? Wenn ja, kann der Schließmuskel am Darmausgang erhalten werden? Wird ein künstlicher Darmausgang nötig, vorübergehend oder auf Dauer?
  • Ist es möglich, den Tumor vor einer Operation durch Chemotherapie und/oder Bestrahlung zu verkleinern?
  • Kann eine anschließende Chemotherapie und/oder Bestrahlung mein Rückfallrisiko senken?
  • Gibt es Anzeichen für Metastasen? Können diese möglicherweise operiert werden? Oder sind andere Behandlungsverfahren für meine Situation geeigneter, etwa "Chemo" oder weitere Medikamente?
  • Mit welchen Nebenwirkungen und Folgen muss ich insgesamt voraussichtlich rechnen? Was lässt sich dagegen tun?
  • Was kann ich selbst tun, um den Behandlungserfolg zu unterstützen?
Patient und Arzt im Gespräch © LuckyBusiness Photo Studio/Fotolia
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Zum Arztgespräch können weitere Fragen gehören, die nicht immer einfach zu beantworten sind: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Erkrankung mit der vorgeschlagenen Therapie geheilt werden kann? Falls eine Heilung nicht möglich ist, wie hoch ist die voraussichtliche Lebenserwartung? Und schließlich: Was würde passieren, wenn man sich nicht behandeln lässt?

Bei Darmkrebs gehen Ärzte und Wissenschaftler wie bei den meisten Tumorerkrankungen davon aus, dass sich die Krebszellen dann mehr oder weniger ungebremst weiter teilen. Langfristig würde die Erkrankung deshalb zum Tod führen. Trotzdem ist diese Frage an die Ärzte wichtig: Denn es kann wichtige persönliche Gründe geben, mit der Behandlung noch zu warten, und selbst Gründe dafür, keine oder zumindest nicht jede infrage kommende Therapie in Anspruch zu nehmen.

Vertiefende Informationen: Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs

Die folgenden Texte bieten detailliertere Informationen zu den einzelnen Behandlungsverfahren, die für Darmkrebspatienten infrage kommen: Wann sind sie sinnvoll? Wie läuft die Behandlung ab? Welche Nebenwirkungen und Folgen können die Therapien haben? Diese und weitere Fragen beantworten die Texte.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Auswahl, Stand 4/2016)