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Neuropathie bei Krebspatienten - Beschwerden lindern

Symptome, Ansprechpartner, Diagnostik, Behandlung

Neuropatische Beschwerden gelten als gefürchtete Nebenwirkung einiger Krebsbehandlungen. Vor allem einige Chemotherapie-Medikamente lösen bei nicht wenigen Patienten Taubheit in Händen und Füßen aus, aber auch unangenehmes Kribbeln. Eine Strahlentherapie oder ein Tumor selbst können ebenfalls zu Nervenschäden führen. Wie bemerkt man, dass Nerven geschädigt sind? An wen kann man sich bei Beschwerden wenden? Welche Untersuchungen bringen Klärung, und vor allem, was lässt sich gegen eine Neuropathie tun? Warum kann eine Behandlung einer Chemotherapie-bedingten Neuropathie anders aussehen als die von Neuropathien bei Diabetes oder anderen Krankheiten? Der Krebsinformationsdienst zeigt im folgenden Text auf, was laut aktueller Forschung möglich ist und welche Hilfe Betroffene in Anspruch nehmen können. Wichtig zu wissen: Informationen aus dem Internet ersetzen nicht das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Für Fachleute sind Hinweise auf genutzte Quellen und weiterführende Links beigefügt.

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Zuletzt überprüft: 08.08.2015

Genutzte Quellen und Links

Eine Gesamtübersicht der bei der Erstellung genutzten Quellen und Hinweise auf weiterführende Fachinformationen zum Thema findet sich am Seitenende.

Symptome: Was können erste Anzeichen für Nervenschäden sein?

Wichtig: Besteht das Risiko für eine Neuropathie, sollte man als Krebspatient wissen, wie sich erste Anzeichen von peripheren Nervenschäden anfühlen. Stellt man solche Symptome fest, sollte man dies umgehend den behandelnden Ärzten mitteilen. Wann muss man besonders auf Symptome achten? Erste Anzeichen einer Nervenschädigung können bei manchen Patienten direkt während einer Krebsbehandlung auftauchen, bei manchen auch erst verzögert. Ärzte können zur Früherkennung bei Patienten, die stark nervenschädigende Chemotherapie-Regime erhalten, zum Beispiel vor und nach den einzelnen Behandlungszyklen das Vibrationsempfinden oder den Achillessehnenreflex prüfen.

Sind überwiegend sogenannte sensorische Nervenbahnen betroffen, mittels derer man Reize wahrnimmt, hat man zunächst meist Missempfindungen. Die Gefühlsstörungen beginnen überwiegend in den Fußsohlen und Fingerspitzen und können sich bis zu Knöchel und Handgelenk ausdehnen. Einige Betroffene reagieren überempfindlich auf kleinste Berührungen oder sonstige Reize. Manche Patienten haben das Gefühl, als ob Ameisen durch ihre Füße und Hände laufen. Auch das Gegenteil ist möglich: Bei einigen Patienten fühlen sich Hände und Füße pelzig, taub oder eingeschlafen an. Andere haben den Eindruck, sie gingen auf Watte. Setzt sich die Schädigung fort, nehmen Betroffene an diesen Stellen dann oft keine Schmerzen, Wärme oder Kälte mehr wahr. Die Taubheit führt zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen, alltäglichen Aktivitäten: Das Zuknöpfen eines Hemdes, das Aufdrehen einer Flasche oder Schreiben wird zu einer großen Herausforderung. Sind die Füße betroffen, kann dies dazu führen, dass man nicht mehr so stabil geht, häufiger das Gleichgewicht verliert und stürzt. Auch oberflächliche Verletzungen an Händen und Füßen bleiben oft unbemerkt: Unversorgte Wunden werden leichter zur Eintrittspforte von Krankheitserregern, deshalb steigt bei Neuropathien das Risiko für Wundinfektionen. Sind eher motorische Nervenbahnen betroffen, die Muskeln aktivieren, kommt es unter Umständen zu unwillkürlichem Muskelzucken oder zu Muskelkrämpfen. Manche Betroffene haben auch einfach keine Kraft mehr in den Armen und Beinen. Sie können schlecht greifen oder tun sich schwer beim Gehen.

Bei Schädigungen von Hirnnerven können Hör- und Sehvermögen betroffen sein. Insbesondere Cisplatin wirkt sich auf das Innenohr aus: Dies führt zu klingenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder einem Hörverlust vor allem im Hochtonbereich. Auch Gleichgewichtsstörungen können auftreten.

Ansprechpartner: An wen wenden, wenn eine periphere Neuropathie chronisch wird?

Wer neuropathische Beschwerden während oder nach einer Krebsbehandlung an sich beobachtet, sollte unmittelbar mit seinem behandelnden Onkologen Rücksprache halten.
Je nachdem, welche Anzeichen mit welcher Ausprägung auftreten, wird der Krebsmediziner an Spezialisten überweisen: Für die Diagnostik und Behandlung einer peripheren Neuropathie kann dies ein Arzt sein, der sich mit Nervenerkrankungen auskennt, ein Neurologe. Treten Beeinträchtigungen des Gehörs auf, wird ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) einbezogen. Bei Beeinträchtigungen des Sehvermögens ist ein Augenarzt der richtige Ansprechpartner. Verspürt jemand Missempfindungen, die mit starken Schmerzen einhergehen, wird er von einem auf Schmerzen spezialisierten Arzt betreut. 

Diagnostik: Welche Untersuchungen bringen Klärung?

Was ist wichtig für die Abklärung einer Neuropathie? Zunächst wird der Arzt in einem Gespräch bitten, die Beschwerden möglichst genau zu beschreiben.
Unter Umständen benutzen Ärzte zum Erfassen einer Neuropathie auch einen standardisierten Fragebogen. Um das Ausmaß einer Chemotherapie-bedingten Neuropathie verlässlich messen zu können, diskutieren Fachleute derzeit jedoch noch einheitliche Standards und Vorgehensweisen. Dabei steht gar nicht im Vordergrund, wie schwer die Nervenschädigung ist, sondern als wie belastend man als Patient die Beschwerden wahrnimmt und wie sehr sie einen im alltäglichen Leben beeinflussen. Das Ausmaß dieser Beschwerden bestimmt auch, welche weiteren Untersuchungen infrage kommen und notwendig sind.

Messen des Achillessehnenreflexes

Der Arzt prüft beispielsweise verschiedene Muskeleigenreflexe, wie etwa den Achillessehnenreflex. Dafür klopft er mittels eines Reflexhammers leicht auf die angespannte Achillessehne. Dies ist möglicherweise etwas unangenehm. Ist der Reflex vorhanden, streckt man unwillkürlich den Fuß. Ist der Achillessehnenreflex abgeschwächt oder ganz erloschen, kann das auf eine Schädigung peripherer Nerven hinweisen.

Messen des Vibrationsempfindens

Neurologische Untersuchung: Vibrationsempfinden messen © Visionär - Fotolia
Ob man Vibrationen spürt, testet der Arzt mit einer Stimmgabel. © Visionär - Fotolia

Darüber hinaus testet der Arzt, wie empfindlich tiefer gelegenes Gewebe auf Vibration reagiert, die sogenannte Tiefensensibilität. Das Messen des Vibrationsempfindens ist nicht schmerzhaft. Der Arzt verwendet dafür eine Stimmgabel, die er zum Schwingen bringt und einem auf die Haut setzt.

Meist testet er die Empfindungen an der Hand, am Daumengrundgelenk, am Innenknöchel und am Großzehengrundgelenk. Als Patient hält man während der Untersuchung die Augen geschlossen und berichtet dem Arzt, ob man die Schwingungen der Stimmgabel wahrnimmt.
Ein vermindertes Vibrationsempfinden ist während und kurz nach einer Krebsbehandlung oft ein erster Hinweis auf eine Neuropathie, noch bevor Patienten die Empfindungsstörungen im Alltag wahrnehmen.

Messen der oberflächlichen Reizwahrnehmung

Ob ein Patient an der Körperoberfläche Reize normal wahrnehmen kann, testet der Neurologe, indem er das Schmerz-, Temperatur-, Berührungs- und Druckempfinden untersucht. Das Kalt-Warm-Empfinden überprüft man durch das Halten oder Auflegen von Metall und Plastik. Patienten mit Neuropathien können beide Stoffe durch ihr Berührungsempfinden nur schlecht oder gar nicht unterscheiden. Ob der Patient überhaupt Schmerzen wahrnimmt oder auch eine schmerzhafte Überempfindlichkeit testet der Arzt, indem er den Patienten an Händen und Füßen mit einem Wattebausch oder einer Nadel berührt.

Elektroneurografie (ENG) – Nervenleitgeschwindigkeit messen

Als zusätzliche Untersuchung kann ein Neurologe außerdem die Nervenleitgeschwindigkeit in Armen und Beinen messen. Fachleute bezeichnen diese Untersuchung als Elektroneurografie (ENG). Dem Patienten legt der Arzt dazu Elektroden an, meist an den Fingermuskeln. Er reizt dann den Nerv, der diese Muskeln stimuliert, an zwei Stellen elektrisch. Für den Patienten ist das möglicherweise kurz unangenehm. Das angeschlossene Messgerät prüft die Zeit, die der Muskel zur Reaktion auf die Stimulation benötigt. Neurologen erkennen dadurch, ob die Reizweiterleitung in irgendeiner Form beeinträchtigt ist und ob Nerven oder ihre Hüllen geschädigt sind.

Elektromyografie (EMG) – elektrische Aktivität im Muskel messen

Bei Patienten mit Muskelschwächen kann eine Elektromyografie (EMG) zum Einsatz kommen. Damit messen Neurologen die elektrische Aktivität eines Muskels und stellen fest, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Informationen versorgt. Die Elektromyografie kann mit oberflächlichen Elektroden auf der Haut, häufiger aber als Nadel-Elektromyografie durchgeführt werden. Der Arzt sticht zur Messung eine dünne nadelförmige Messelektrode in den betroffenen Muskel. Dies ist etwas schmerzhaft. Über die Elektrode wird die Muskelaktivität abgeleitet. Für den Patienten wird dies über einen Verstärker als Rauschen und Knattern hörbar. Die Ergebnisse lassen sich zudem im Computer auswerten.
Nehmen Patienten blutgerinnungshemmende Medikamente ein oder ist ihre Blutgerinnung durch andere Ursachen beeinträchtigt, kommt eine Nadel-Elektromyographie jedoch nicht infrage.

Hörtest – Schwerhörigkeit feststellen

Haben Patienten klingende Ohrgeräusche oder hören schlechter, führt ein HNO-Arzt einen Hörtest durch. Mittels der sogenannten Tonschwellen-Audiometrie kann der Arzt die Hörschwelle eines Patienten seitengetrennt bei jedem Ohr genau bestimmen. Hörverluste im Hochtonbereich, wie sie etwa bei Cisplatin-Gabe vorkommen, lassen sich dadurch frühzeitig erkennen.
Ist die Einschränkung ausgeprägt und anhaltend, kommt unter Umständen die Versorgung mit Hörgeräten infrage. Gegen Tinnitus, unangenehme Ohrgeräusche, lässt sich bislang nur wenig unternehmen. Für Patienten wurden vor allem Programme entwickelt, mit denen das "Nichtwahrnehmen" der Geräusche trainiert und so die Störung reduziert wird.

Behandlung: Was können Ärzte bei geschädigten peripheren Nerven tun?

Ist der Tumor selbst die Ursache? Dann wird man nach Möglichkeit versuchen, ihn zu verkleinern, um den Druck auf die Nerven zu mindern. Die Behandlung von geschädigten peripheren Nerven als Folge einer Chemotherapie oder einer zielgerichteten Therapie ist schwierig. Ob eine medikamentöse Behandlung möglich ist, hängt davon ab, welche Beschwerden bei Betroffenen im Vordergrund stehen. Bei Symptomen wie Missempfindungen, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen stehen bislang kaum Medikamente zur Verfügung, deren Wirksamkeit belegt ist. Zwar wurden bereits einige Substanzen in klinischen Studien untersucht, die man aus der Forschung zum Beispiel zur diabetischen Neuropathie bei Zuckerkranken kennt. Dazu zählen beispielsweise verschiedene Vitamine, aber auch die alpha-Liponsäure. Ihre Wirksamkeit konnte aber im Zusammenhang mit therapiebedingten Nervenschäden bei Krebspatienten nicht ausreichend belegt werden.
Insgesamt zeichnet sich ab: Erkenntnisse aus der Forschung und Behandlung der diabetischen Neuropathie lassen sich nur bedingt auf Krebspatienten übertragen. 

Behandlung neuropathischer Schmerzen

Dass eine Chemotherapie zu ausgeprägten neuropatischen Schmerzen führt, ist eher selten. Führt die Neuropathie nicht nur zu Missempfindungen, sondern geht sie auch mit Schmerzen einher, benötigen Patienten jedoch schmerzlindernde Medikamente. Die sonst üblichen Schmerzmittel wie etwa Acetysalicylsäure (ASS) helfen bei neuropathischen Schmerzen allerdings nicht oder nur schlecht. In neueren Untersuchungen konnte belegt werden, dass bei Chemotherapie-bedingten neuropathischen Schmerzen eine Behandlung mit dem Wirkstoff Duloxetin wirksam ist. In Deutschland ist das Medikament gegen Schmerzen bei Nervenschädigungen durch die Zuckerkrankheit und Depressionen zugelassen. Ärzte können den Wirkstoff auch bei Krebs verordnen, die Kostenübernahme sollte aber mit der Versicherung abgeklärt werden.

Wirksam gegen neuropathische Schmerzen allgemein sind auch einige weitere Medikamente gegen Depressionen, sogenannte Antidepressiva, sowie Mittel, die eigentlich gegen Krampfanfälle entwickelt wurden, sogenannte Antikonvulsiva. Beide können aufgrund ihrer besonderen Wirkweise neuropathische Schmerzen abmildern. Auch schwache und starke Opioide kommen infrage. Ergänzend stehen Substanzen in Pflastern oder Salben zur Verfügung. Sie wirken direkt an betroffenen Schmerzfasern. Ihr schmerzlindernder Effekt ist jedoch begrenzt.

Als experimentelle Behandlungsverfahren für neuropathische Schmerzen ohne Medikamente gilt etwa die Akupunktur. Ob Akupunktur gegen neuropathische Schmerzen wirksam ist, ist bislang nicht sicher belegt. Dazu ist weitere Forschung notwendig. Weitere Informationen zur Behandlung von Schmerzen bei Krebspatienten finden sich in den Texten "Schmerztherapie bei Krebspatienten" des Krebsinformationsdienstes.

Physiotherapie, Elektrotherapie, Bäder und Ergotherapie

Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen Ärzte und andere Fachkräfte, neuropathische Symptome zu lindern. Patienten mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen an Füßen und Händen werden oft mit Verfahren wie etwa Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie oder Bädern behandelt. Ziel dieser Verfahren ist es, das Gewebe unterschiedlichen Reizen auszusetzen. Für Betroffene ist es zudem wichtig, die Extremitäten trotz der Beschwerden viel zu bewegen. Die Nervenfunktion soll sich dadurch erholen.

Bei der Therapie kommen Hilfsmittel wie etwa Fußrollen, Bürsten oder Igelbälle zum Einsatz, oder Patienten gehen etwa durch eine mit Erbsen und Körnern gefüllt Wanne. Auch Schreibtraining gehört dazu. Im Rahmen der Rehabilitation erhalten Patienten zudem Hilfsmittel zum Greifen von Gegenständen. Insgesamt sollen Patienten möglichst ihre manuelle Geschicklichkeit und ihre Beweglichkeit fördern und erhalten, um Aufgaben im Alltag besser bewältigen zu können. Physiotherapeutische Maßnahmen können Betroffenen auch dabei helfen, wieder etwas sicherer beim Gehen zu werden, ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen und ihr Sturzrisiko zu senken.

Bei einer Elektrotherapie werden die Nerven elektrisch stimuliert. Dies kann etwa in Form von Teilbädern mit Gleichstrom von Armen und Unterschenkeln erreicht werden, aber auch durch eine elektrische Stimulation der Haut.

Zu all diesen genannten Verfahren liegen jedoch nur Einzelbeobachtungen und keine aussagekräftigen Studien an großen Patientengruppen vor, die ihre Wirksamkeit belegen. Diese Verfahren werden deshalb nicht in medizinischen Leitlinien empfohlen. Die Erfahrung einzelner Patienten zeigt aber, dass die Missempfindungen und brennenden Schmerzen nach der regelmäßigen Anwendung dieser Verfahren zurückgehen können.

Was sich nicht bewährt hat

Eine Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie ist nicht zu verwechseln mit einer Neuropathie aufgrund einer Zuckerkrankheit (Diabetes) oder anderer Erkrankungen. Deshalb unterscheidet sich auch die Behandlung: Nicht alle Medikamente, die sich bei Patienten mit peripherer Polyneuropathie aufgrund einer Zuckerkrankheit als gut erwiesen haben, sind auch bei einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie sinnvoll. Alpha-Liponsäure wird beispielsweise bei zuckerkranken Patienten mit Missempfindungen eingesetzt. Wer an Diabetes und an Krebs erkrankt ist und Cisplatin erhalten soll, sollte das Arzneimittel dagegen nicht einnehmen: Sonst kann es sogar zu einem Wirkungsverlust von Cisplatin kommen.

Nicht bewährt haben sich alternative Verfahren wie etwa eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Vitamin B oder anderen Vitaminen. Es stehen keine neueren Untersuchungen zur Verfügung, die die Wirksamkeit dieser Substanzen belegen. Eine langfristige Einnahme von höher dosiertem Vitamin B6 kann sogar selbst eine nervenschädigende Wirkung nach sich ziehen. Betroffene sollten sich deshalb vor Werbung und falschen Versprechungen in Acht nehmen. Möchten sie selbst irgendwelche Mittel einnehmen, sollten sie mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

Weitere Maßnahmen: Was können Betroffene, Angehörige und Freunde selbst tun?

Bei einigen Patienten gehen Nervenschädigungen nur langsam oder gar nicht mehr zurück. Für sie kann es hilfreich sein, wenn sie je nach Art der Beschwerden in ihrem Alltag einige Vorkehrungen treffen.
Für die aufgeführten Ratschläge gilt jedoch: Es gibt bislang nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien zu diesen Maßnahmen. Fachleute setzen daher meist auf Erfahrungswissen. Tipps, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso richtig und im individuellen Fall geeignet sein.

  • Kälte vermeiden: Wer vor allem bei Kältereizen Probleme hat, sollte ungeschützt keine kalten Gegenstände anfassen und sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen. Gute Schuhe, Handschuhe und dicke Socken können helfen. Ohren und Nasenspitzen sollten auch so gut wie möglich vor Kälte geschützt werden. Speisen und Getränke sollten nicht zu kalt sein.
  • Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Wer Kälte, Wärme und Schmerzen an Händen und Füßen nicht mehr wahrnimmt, ist auch durch unbemerkte Verletzungen an Händen und Füßen gefährdet, etwa durch Schnittwunden beim Nagelschneiden, durch Verbrennungen, oder Druckstellen. Professionelle Hilfe bei der Hand- und Fußpflege, gut passende Schuhe und Strümpfe sowie Schutzhandschuhe und geeignete Hilfsmittel bei möglichst vielen manuellen Arbeiten beugen vor.
  • Für eine sichere Umgebung sorgen: Wer unsicher beim Gehen ist und häufig stürzt, sollte auf gutes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen achten. Die Wohnung sollte auf Stolperfallen überprüft werden. Unter Umständen nützen auch Hilfsmittel beim Gehen.
  • Mit Ohrgeräuschen besser leben: Wer unter klingenden Ohrgeräuschen leidet, sollte herausfinden, wann sich bei ihm dieser sogenannte Tinnitus verstärkt. Unter Umständen ist es dann sinnvoll, laute Umgebungen zu vermeiden und einen Ohrenschutz zu tragen. Ist der Tinnitus besonders bei Stille belastend, kann man sich dagegen akustisch ablenken, zum Beispiel mit Musik, die als angenehm empfunden wird. Fachleute sprechen von "Schallanreicherung". Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können dabei helfen, durch geeignete Trainingsmethoden das störende Ohrgeräusch möglichst "auszublenden".

Sozialrechtliche Aspekte: An wen wenden?

Manche Patienten sind in ihren alltäglichen Aktivitäten stark eingeschränkt, weil sie etwa Schwierigkeiten haben, mit ihren Händen etwas zu greifen oder etwas zu halten. Sie können unter Umständen ihren Beruf nicht mehr ausüben und ihren gewohnten Aufgaben zuhause nicht mehr nachgehen. Ansprechpartner zu versicherungsrechtlichen Fragen und zur Beantragung einer Rehabilitation oder der Anerkennung einer Schwerbehinderung finden Betroffene in dem "Informationsblatt: Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" (PDF) des Krebsinformationsdienstes.

Sind Patienten durch die Nervenschädigungen so stark eingeschränkt, dass sie Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Einkaufen, der Körperpflege und dem Ankleiden benötigen? Dann sind ambulante Pflegedienste die richtigen Ansprechpartner. Weitere Informationen dazu finden sich beim Krebsinformationsdienst im Text "So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner".

Psychologische Maßnahmen: Wo findet man Unterstützung?

Bei einigen Patienten gehen die aufgetretenen Nervenschädigungen nur sehr langsam oder gar nicht mehr vollständig zurück. Für diese Patienten bedeutet das, dass sie sehr lange oder für immer mit den belastenden Symptomen leben müssen. Oft ist ihre Lebensqualität dadurch stark eingeschränkt.

Um mit diesen Belastungen besser klar zu kommen, ist es möglicherweise sinnvoll, auf psychosoziale oder psychoonkologische Unterstützung durch geschulte Fachleute zurückzugreifen. Der Krebsinformationsdienst hält für Krebspatienten eine bundesweite Liste mit Krebsberatungsstellen und mit niedergelassenen Psychoonkologen bereit.

Fragen zu Krebs? Wir sind für Sie da

Haben Sie Fragen zu Nervenschädigungen aufgrund einer Krebserkrankung oder als Folge einer Krebsbehandlung? Der Krebsinformationsdienst beantwortet Ihre Fragen: täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de. Unser Kontaktformular bietet Ihnen eine gesicherte Verbindung.