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Wolkenhimmel © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Risikofaktoren für Lymphödeme bei Krebs

Ursachen und vorbeugende Maßnahmen

  • Manche Risikofaktoren für das Entstehen von Lymphödemen können Patienten nicht beeinflussen: die Anzahl der entnommenen Lymphknoten, die Belastung durch die Therapie oder die Schwere der Krebserkrankung.
  • Bei anderen Faktoren können Krebspatientinnen und Krebspatienten jedoch vorbeugend selbst aktiv werden.
  • In den nachfolgenden Texten erfahren Sie, was die Wahrscheinlichkeit für Lymphödeme bei Krebs erhöht und welche vorbeugenden Maßnahmen es gibt, um Lymphödeme zu vermeiden.
Erstellt: 21.02.2020
Letzte Aktualisierung:

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Risikofaktoren: Das schädigt das Lymphsystem

"Risiken" aus sieben Buchstabenwürfeln zusammengesetzt © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Viele Risikofaktoren sind nicht zu vermeiden. Patienten können aber durch ihren Lebensstil einige Risiken beeinflussen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Allgemeine Risikofaktoren für ein Lymphödem sind:

  • Anzahl der bei einer Operation entnommenen Lymphknoten
  • Art und Umfang der Bestrahlung der wichtigen Lymphabflussgebiete und Höhe der Strahlendosis, mit der die betroffene Körperregion behandelt wird
  • Art, Schwere und Stadium einer Krebserkrankung
  • ein Tumor, der direkt ins Lymphsystem einwächst

Wichtig ist auch, wie weit fortgeschritten die Krebserkrankung ist: Haben Patienten schon mehrere Operationen und Bestrahlungen hinter sich, erhöht das die Wahrscheinlichkeit für ein Lymphödem.

Zusätzliche Risikofaktoren, die ein Lymphödem begünstigen oder verschlimmern können:

  • Übergewicht
  • vermehrte Lymphbildung bei Infektionen und Verletzungen
  • ungünstige Körperhaltungen
  • einseitige Belastung

Experten empfehlen Risikopatienten deshalb folgende Maßnahmen: Sie sollten Normalgewicht anstreben, die durch ihre Erkrankung betroffene Körperregion vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen schützen sowie zu starke Belastungen vermeiden.

Vorbeugung: Lymphödeme vermeiden

Fahrradfahrer im Frühling © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Fahrradfahren eignet sich gut zur Vorbeugung von körperlichen Beschwerden. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Fachleute untersuchen in Studien auch Risikofaktoren für Lymphödeme, die etwas mit dem Verhalten oder der persönlichen Situation von Betroffenen zu tun haben. Daraus leiten sie eine Reihe von Empfehlungen ab. Wie viel ein Patient selbst erreichen kann, wenn er diesen Ratschlägen folgt, können die Experten jedoch noch nicht sicher beantworten. Die meisten Empfehlungen bauen auf praktischer Erfahrung auf. Meist fehlen wissenschaftliche Nachweise dafür, ob bestimmte Maßnahmen tatsächlich risikosenkend wirken oder nicht.

Kompressionskleidung: Wer schon einmal ein Lymphödem hatte, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen, ob Kompressionskleidung oder Bandagen zur Vorbeugung sinnvoll sind. Je nachdem, in welcher Körperregion das Lymphödem aufgetreten ist, kommen Handschuhe, Armstrümpfe, Shirts mit und ohne Armansatz, Kniestrümpfe, Oberschenkelstrümpfe oder Strumpfhosen infrage.

Körperliche Aktivität: Patienten mit einem Risiko für Lymphödeme sollen sich regelmäßig körperlich bewegen und auch Sport treiben. Es ist jedoch empfehlenswert, das Training – zumindest in der Anfangsphase – mit professioneller Begleitung und angepasst an den individuellen Trainingszustand zu absolvieren.

Wichtig: Vermeiden Sie bei Ihrer körperlichen Aktivität Überanstrengungen und Verletzungen.

Entzündungs- und Infektionsrisiko senken

Bei einem bestehenden Lymphödem sind Verletzungen der strapazierten Haut Eintrittspforten für Krankheitserreger. Das kann bei einer eingeschränkten Immunfunktion unter Umständen zu einer Infektion der Haut führen, dem sogenannten Erysipel.

Vorsorge: Im Alltag können konkrete Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um beispielsweise kleine Kratzer, Abschürfungen oder Insektenstiche zu vermeiden:

  • Patienten mit Arm- oder Beinlymphödemen sollten Finger- und Fußnägel besser feilen statt schneiden. Benötigen Sie Hilfe oder einen fachlichen Rat, können sie eine professionelle Fußpflegekraft kontaktieren.
  • Beim Rasieren betroffener Regionen bieten sich Rasierapparaten anstelle von Klingen an.
  • Neigen Betroffene zu Armlymphödemen, schützen Handschuhe ihre Hände vor Verletzungen bei der Haus- und Gartenarbeit.

Hygiene und Pflege: Eine besondere Hautdesinfektion, um einer Infektion vorzubeugen, ist nicht notwendig. Fachleute raten jedoch, die betroffene Haut mit milden Seifen zu reinigen und mit geeigneten Cremes oder Salben zu pflegen. Das schont und schützt die Haut gleichzeitig. Welche Produkte sinnvoll sind, sollten die Patienten mit ihrem Arzt oder Apotheker besprechen.

Normalgewicht anstreben

Seniorin kauft Gemüse im Geschäft ein. © gpointstudio, Thinkstock
Sich ausgewogen und vollwertig zu ernähren ist bei Krebs wichtig. © gpointstudio, Thinkstock

Studien haben gezeigt, dass Übergewicht das Lymphödemrisiko steigert. Das im Gewebe eingelagerte Fett drückt auf die Lymphgefäße und behindert zusätzlich den Lymphabfluss.

Patienten mit sehr starkem Übergewicht tun sich etwas Gutes, wenn sie – in Absprache mit ihrem Arzt – versuchen, abzunehmen. Diäten auf eigene Faust sind für Tumorpatienten jedoch nicht ratsam.

Auf Nikotin verzichten

Jemand zerbricht eine Zigarette. © Marc Bruxelle, Thinkstock
Der Verzicht auf Zigaretten wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. © Marc Bruxelle, Thinkstock

Nikotin verengt die Gefäße. Damit der Transport der Lymphflüssigkeit nicht beeinträchtigt wird, raten Experten Patientinnen und Patienten mit einem Lymphödem, möglichst nicht zu rauchen. Schafft es der Betroffene nicht, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte er zumindest versuchen, wenig(er) zu rauchen.

Der Verzicht auf Rauchen ist auch unabhängig von der gefäßverengenden Wirkung förderlich für die Gesundheit, denn: Rauchen verursacht Krebs. Mehr dazu lesen Sie in unserem Text "Rauchen, Passivrauchen und Krebs: Gefährlicher Dunst".

Bequeme Kleidung anziehen

Zu enge Kleidung kann die Lymphgefäße unter der Haut einengen und so den Lymphabfluss zusätzlich behindern. Deshalb sollten Patienten, wenn das Risiko eines Lymphödems besteht, auf alles verzichten, was das betroffene Gewebe weiter einschnüren könnte:

  • Wer zu Armlymphödemen neigt, sollte vorsichtig mit einengenden Ringen, Armreifen oder Armbanduhren sein.
  • Bei dem bestehenden Risiko eines Ödems im Unterleib oder an den Beinen müssen Betroffene mit engen Gürteln, Jeans oder einschnürender Unterwäsche vorsichtig sein.
  • Bezüglich der Wahl der Schuhe kann es notwendig sein, auf Spezialmodelle oder sogar Schuhe mit zwei verschiedenen Größen zurückzugreifen.

Eine entsprechende Beratung bieten Sanitätshäuser an. Werden besondere Schuhe oder besondere Wäsche notwendig, ist die Krankenkasse Ansprechpartner für die Kostenübernahme.

Extreme Hitze, Kälte oder Überbelastungen meiden

Thermometer zeigt 40 °C an. © geralt, Pixabay
Menschen, die zu Lymphödemen neigen, sollten starke Temperaturschwankungen vermeiden. © geralt, Pixabay

Starke Hitze und Sonne belasten die Haut und regen zur vermehrten Lymphproduktion an, da der Stoffwechsel gesteigert ist. Gleichzeitig verlangsamt sich der Abtransport der Lymphe in den Lymphgefäßen. Bei bestehendem Lymphödem sollten Betroffene lange Aufenthalte in großer Hitze eher meiden. Experten raten außerdem: Schützen Sie Ihre Haut mit geeigneter Kleidung oder einer Sonnenschutzcreme vor Sonnenbränden.

Kälte schadet möglicherweise ebenfalls: Die Durchblutung geht bei Kälte zwar zurück, die Gefäßwände werden aber durchlässiger und es gelangt vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe. Beim Übergang von Kälte in Wärme nimmt die Durchblutung und dadurch auch die Gewebeflüssigkeit erneut wieder stark zu. Fachleute empfehlen deshalb Patienten mit einem Lymphödem, sich bei kalten Temperaturen ausreichend warm anzuziehen.

Zu starke Belastungen und gesteigerte Aktivität ohne Erholungsphasen führen dazu, dass sich vermehrt Lymphflüssigkeit bildet. Das kann etwa bei schwerem Tragen oder Akkordarbeit der Fall sein. Wenn Patienten nach der Krebsbehandlung wieder in den Beruf oder einen anstrengenden Alltag zurückkehren, sollten sie klären: Wie kann ich eine Überbelastung vermeiden und welche Möglichkeiten es gibt, am Arbeitsplatz entlastet zu werden. Ansprechpartner hierfür ist beispielsweise der Betriebsarzt.

Quellen und Links für Interessierte und Fachkreise