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Meeresbrandung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wenn Eltern Krebs haben: Wie erklärt man Kindern die eigene Krankheit?

Warum ehrliche Antworten das Vertrauen stärken

Fachleute raten, Kinder so früh wie möglich über die Krebserkrankung eines Elternteils aufzuklären. Es hilft Kindern nicht, wenn Eltern ihre Erkrankung verschweigen. Um zu verstehen, was im eigenen Umfeld passiert, sind Informationen wichtig.

Wie können Gespräche zwischen Erwachsene und Kindern ablaufen? Einen allgemeinen Überblick bietet dieser Text. Der Krebsinformationsdienst hat anhand von Fachbüchern zusammengetragen, was Kinder in welchem Alter verstehen können. Der Text stellt zudem typische Verhaltensweisen von Kindern krebskranker Eltern vor. Die Informationen richten sich an Eltern, aber auch an Angehörige und Interessierte. Der Text enthält außerdem Verweise auf weitere Ansprechpartner sowie Linktipps. Verwendete Quellen finden sich am Ende dieser Seite.

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Aufklärung: Ehrliche Auskünfte stärken das Vertrauen

Mit Kindern über Krebs sprechen © tatyana tomsickova
Wie erklärt man Kindern die eigene Krankheit? © tatyana tomsickova

Wie erklärt man Kindern die eigene Krankheit? Diese Frage stellt sich für viele Menschen mit Krebs: Zwölf von 100 Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose Kinder, die jünger als 18 Jahre alt sind. Unter Brustkrebspatientinnen sind es sogar 35 von 100 Frauen.

Kinder sollten so früh wie möglich von der Erkrankung eines Elternteils erfahren. Das raten Fachleute. Sie begründen diese Empfehlung so: Kinder sind oft sehr feinfühlig, sie spüren Veränderungen in ihrer Familie. Ohne passende Erklärungen dazu füllen sie die Leerstellen mit ihrer Fantasie. Solche Gedanken können bedrohlicher sein als die Wirklichkeit. Geben Eltern ehrliche Auskünfte, stärkt dies das Vertrauen ihrer Kinder. Erfahren Kinder im Nachhinein, dass ihnen wichtige Informationen vorenthalten wurden, kann das dagegen für Misstrauen sorgen.

Wann ist ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch? Das lässt sich nicht genau sagen. Feste Regeln gibt es nicht. Wichtig ist, dass die Krebsdiagnose gesichert ist und Betroffene Zeit hatten, ihre erste eigene Reaktion zu verarbeiten. Familien müssen sich nicht unter Druck setzen. Eltern können sich zudem Unterstützung holen. Für die meisten Betroffenen ist es nicht leicht, über ihre Erkrankung zu sprechen. Fachleute helfen ihnen bei der Suche nach den richtigen Worten. Das gilt auch für Fragen, auf die man selbst keine Antwort hat - etwa "Wirst du wieder ganz gesund?". Hilfestellungen bieten viele psychosoziale Krebsberatungsstellen und psychoonkologische Dienste in Kliniken und in Rehakliniken.

Kinder und Jugendliche: Häufige Reaktionen

Jedes Kind reagiert anders auf die Krebserkrankung seiner Eltern. Wie sich Kinder verhalten, hängt zum Beispiel von ihrem Alter ab. Trotzdem haben Fachleute versucht, typische Muster herauszuarbeiten. Dazu gehören Gedankengänge und Verhaltensweisen wie diese:

  • Schuldgefühle: Kleinere Kinder erinnern sich möglicherweise an Aussagen wie "du machst mich ganz krank". Erkranken Mutter oder Vater tatsächlich, glauben sie, dafür verantwortlich zu sein - weil sie nicht "brav" genug waren oder etwas falsch gemacht haben.
  • Angst: Kinder machen sich Sorgen. Sie fürchten lange Trennungsphasen ("Bitte geh nicht wieder weg") oder machen sich Gedanken zu Ansteckung oder Vererbung ("Werde ich auch krank?"). Auch Angst vor dem Tod des betroffenen Elternteils kann auftreten ("Musst du jetzt sterben?").
  • Aggressionen: Ältere Kinder und Jugendliche verhalten sich mitunter aggressiver als vor der Erkrankung. Gewalt gegen andere Menschen, gegen sich selbst oder Dinge kann durch Frustration ausgelöst werden. Für Jugendliche kann es frustrierend sein, wenn sie eigentlich aus dem Haus streben - sie aber das Gefühl haben, dort gebraucht zu werden.
  • Rückzug: Insbesondere ältere Kinder ziehen sich mitunter von ihrem Umfeld zurück. Für ihre Eltern kann diese Reaktion belastend sein - vor allem, wenn sie als Erwachsene das Gefühl haben, den Zugang zu ihren Kindern zu verlieren.
  • Anpassung: Kinder erkrankter Eltern werden oft früher selbstständig. Sie übernehmen Verantwortung für andere Familienmitglieder. Das muss Kindern nicht unbedingt schaden. Ungünstig ist es jedoch, wenn sie ihre eigenen Sorgen nicht los werden können, weil alle denken, dass sie gut mit der Situation fertig werden.
  • Körperliche Symptome: Schlafprobleme, Bauchschmerzen, Appetit- und Essstörungen, Bettnässen, Kopfweh oder Konzentrationsprobleme können ebenfalls eine Reaktion auf die veränderte Situation zu Hause sein. Sind sich Eltern unsicher, was tatsächlich hinter solchen Symptomen steckt, kann professionelle Unterstützung weiterhelfen.

In ähnlicher Form können Kinder nicht nur bei der Erkrankung eines Elternteils reagieren, sondern auch dann, wenn Krebs bei geliebten Großeltern oder anderen sehr nahestehenden Menschen auftritt.

Erhalten Kinder altersgemäße Informationen zu Krankheit und Therapie, hilft ihnen das, die Situation besser einzuordnen. Schon ganz kleine Kinder können verstehen, was eine schwere Erkrankung wie Krebs bedeutet. Je älter die Kinder sind, desto mehr Details lassen sich von Eltern oder Ärzten vermitteln. Je mehr Kinder wissen, desto geringer ist die Gefahr realitätsverzerrender Fantasien von Schuld und Bedrohung. Es hat sich in vielen Untersuchungen gezeigt, dass Kinder oft belastbarer sind, als Erwachsene denken.

Grundlegende Regeln: Was hilft beim Gespräch mit Kindern?

Wissenschaftler beschäftigen sich schon länger mit dem Thema Krebs und Familie. Das Fazit vieler Arbeiten ist: Eltern sollten Kinder so früh aufklären, wie es ihnen selbst möglich ist. Kinder sind oft sehr feinfühlig, sie spüren Veränderungen. Manche sind offensichtlich, Veränderungen des gewohnten Alltags oder des Zustands von Krebspatienten lassen sich nicht leugnen. Erfinden Erwachsene Erklärungen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen, kann das die Beziehung zwischen Eltern und Kind belasten.

Experten raten, keine Angst vor den eigenen Gefühlen zu haben. Sehen Kinder, dass ihre Eltern weinen, dann können sie daraus lernen, dass auch sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen dürfen. Als Faustregel für Betroffene gilt:

  • Eltern müssen nicht alles im Detail erzählen, aber alles, was sie dem Kind erzählen, sollte der Wahrheit entsprechen.
  • Versprechungen, von denen Erwachsene nicht genau wissen, ob sie sie einhalten können, sollten sie nicht geben.
    Fachleute raten Betroffenen allerdings, mit den Kindern nur entsprechend ihrem Alter über die Erkrankung zu sprechen. Anregungen zu altersgerechten Gesprächen können zum Beispiel Bücher und Broschüren für Kinder und Jugendliche bieten. Gute Angebote gibt es für Kleinkinder, Kindergartenkinder, Schulkinder und Jugendliche.

Kleinkinder und Kindergartenkinder (zwei bis fünf Jahre)

Auch Kleinkinder haben ein Recht darauf, zu erfahren, was mit der Mutter oder dem Vater ist. Psychologen empfehlen, Kinder auf das, was kommt, vorzubereiten. Im Gespräch können Erwachsene erklären, was gegen die Erkrankung getan wird. Konkret sind das zum Beispiel anstehende Krankenhausaufenthalte, aber auch ein wahrscheinlicher Haarausfall oder Ähnliches. Beispiele helfen zu verdeutlichen, was sich ändert und was bestehen bleibt, etwa "Mama ist krank. Morgens geht sie immer zum Arzt. Trotzdem liest sie abends weiter die Gutenachtgeschichte vor".

Eltern sollten im Hinterkopf haben, dass sich ihre Kinder meist nicht unbegrenzt auf ein Thema konzentrieren können. Wichtige Informationen, die vermittelt werden sollen:

  • Die Krankheit heißt Krebs.
  • Sie ist nicht ansteckend.
  • Das Kind ist nicht schuld daran, dass ein Elternteil krank ist.
  • Die Ärzte tun alles, damit es Mama oder Papa besser geht.
  • Und man sollte erklären, was sich in der Familie und im Alltag verändern wird, aber auch, was gleich bleibt.

Schulkinder (sechs bis zwölf Jahre)

Generell ist es wichtig, auch Schulkinder nicht mit zu vielen Informationen zu überfordern.

  • Fachleute empfehlen zum Beispiel, Kindern Raum für Fragen zu geben. Dann können sie sich das Wissen holen, dass sie benötigen. Zudem können sich Eltern mit den Lehrern ihrer Kinder besprechen.
  • Schulkinder haben unter Umständen Probleme, mit den Klassenkameraden über die Krankheit zu sprechen - aus Scham oder aus Unsicherheit. Einige Kinder schämen sich zum Beispiel, wenn ihre Mutter anders aussieht als andere Mütter. Unsicherheit kann entstehen, wenn Kinder nicht wissen, wie viel sie ihren Mitschülern und Freunden über die Situation zu Hause erzählen sollen. Man kann mit ihnen üben, wie sie mit ihren Mitschülern über die Erkrankung der Eltern reden.

Jugendliche (13 bis 18 Jahre)

Grundsätzlich raten Fachleute, Teenagern so viele Informationen zu geben, wie sie haben möchten. Wie viel das ist, zeigt sich am besten in einem offenen Gespräch. Erwachsene sollten Gesprächsangebote immer wieder machen - auch wenn Jugendliche ein Gespräch zeitweise ablehnen. Weitere Tipps für Eltern von Jugendlichen sind:

  • Den Jugendlichen Freiräume gönnen, in denen sie auch einmal Abstand von der Familie und ihren Problemen gewinnen können.
  • Sagen, dass man als Elternteil zeitweilig Angst hat oder mit der Situation überfordert ist. Es entlastet Kinder, wenn sie sehen, dass auch Erwachsene Unterstützung von Freunden, Angehörigen oder Fachleuten benötigen.
  • Eventuell hilft es, ein Gespräch mit einem Arzt zu vermitteln. Dieser hat oft eine hohe Autorität für Jugendliche. Thema kann neben Ursache und Behandlung der elterlichen Krankheit auch das eigene Risiko sein, um das sich Jugendliche oft Gedanken machen.

Weitere Ansprechpartner: Fachleute unterstützen bei Problemen

Kinder können mit Verhaltensauffälligkeiten auf die Erkrankung eines Elternteils reagieren. Diese zeigen sich oft nur vorübergehend, als Ausdruck von Schock, Angst und Stress. In nicht wenigen Familien bleiben auffällige Verhaltensweisen der Kinder aber längere Zeit bestehen. Wer sich unsicher ist, wie er das Verhalten seiner Kinder einschätzen soll und welchen Anteil daran die Erkrankung des Elternteils hat, kann professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Ansprechpartner können psychosoziale Krebsberatungsstellen und psychoonkologische Dienste in Kliniken sein. Bei Schulkindern kann es mitunter sinnvoll sein, auch den Schulpsychologen einzubeziehen. Diese Anlaufstellen vermitteln bei Bedarf auch Kontakte zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder -psychiatern.

In einigen Städten gibt es inzwischen Unterstützungsangebote, die ganz speziell auf das Thema Kinder krebskranker Eltern ausgerichtet sind. Zum Teil werden auch Gesprächsgruppen für Kinder angeboten. Im Rahmen von Projekten wurden in den letzten Jahren zudem Möglichkeiten familienorientierter Reha-Maßnahmen für Krebsbetroffene entwickelt. Kinder erhalten dabei eigene Angebote, oder nehmen mit den Eltern zusammen an Anwendungen oder Behandlungen teil.

Unterstützungsmöglicheiten: Weitere Hilfen für Angehörige

Auch Angehörige von Krebspatienten sind nicht immer in der Lage, ihre Belastung in Grenzen zu halten. In der Sorge um den Kranken kann Angehörigen der Blick für sich selbst verloren gehen. Das muss nicht so sein. Wer sich belastet fühlt oder unsicher ist wegen seiner Erkrankungssituation, kann sich auch Hilfen außerhalb der Familie holen. Viele Unterstützungsangebote, die ursprünglich für Krebspatienten eingerichtet wurden, sind auch für Angehörige geöffnet worden. Konkret betrifft das zum Beispiel Hilfestellungen durch Mitarbeiter psychosozialer Krebsberatungsstellen oder Psychoonkologen. Allgemeine Hintergründe zum Thema "Angehörige und Freunde" hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.

Zum Weiterlesen: Hinweise auf Informationsmaterial und Fachquellen (Auswahl)

Eine Übersicht von Broschüren zum Thema "Kinder krebskranker Eltern" hat der Krebsinformationsdienst unter der Rubrik "Wegweiser" zusammengestellt, Stichwort "Leben mit Krebs: Links und Bestellhinweise".
Aufgeführt sind

  • Ratgeber für Eltern
  • Broschüren zum Vor- und Mitlesen oder Selberlesen für jüngere und ältere Kinder.

Am Telefon oder per E-Mail kann der Krebsinformationsdienst Hinweise auf weiteres Informationsmaterial und Büchertipps vermitteln.