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Meeresbrandung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Vom Umgang mit Angst: Die Zukunft zulassen

Was tun, wenn die Krebserkrankung zu sehr belastet?

Krebs macht Angst. Das ist grundsätzlich normal. Auch wenn Krebs heute oft gut behandelbar ist, so ist es doch eine gefährliche Krankheit. Wird die Angst so stark, dass sie selbst zu einer großen Belastung wird, kann Unterstützung von Außen helfen.
Patienten, Angehörige und Interessierte finden in diesem Text Antworten auf häufige Fragen: Was ist Angst eigentlich? Wie kann man damit umgehen? Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll? Welche Hilfsangebote gibt es? Warum haben auch gesunden Menschen Angst vor Krebs?
Eine Auswahl genutzter Quellen ist am Ende dieser Seite aufgeführt.

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Krebs: Was Patienten Angst macht

Jeder Mensch hat manchmal Angst. Angst ist eine normale Reaktion auf Gefahren. Zwar schätzen nicht alle Menschen dieselben Dinge als bedrohlich ein. Eine Krebserkrankung löst aber bei vielen Betroffenen Sorgen aus. Fachleute berichten, dass Patienten und Patientinnen bei der Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs fast immer auch an das eigene Sterben denken.
Weitere unangenehme Vorahnungen betreffen mögliche Schmerzen und Nebenwirkungen infolge von Krankheit und Behandlung. In Gesprächen äußern Betroffene, dass sie Angst vor Auswirkungen ihrer Erkrankung auf Familie und Freundeskreis haben. Die Unsicherheit über die berufliche Zukunft kann ebenfalls belasten.

Insgesamt gilt: Wovor Menschen Angst haben, hängt auch von ihren persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen ab.

Progredienzangst, Rezidivangst: Wie wird sich meine Krankheit entwickeln?

Viele Krebspatienten haben Angst davor, dass sich ihre Krankheit ausbreitet oder nach der Behandlung zurückkommt. Fachleute sprechen von "Progredienzangst" oder "Rezidivangst". Zwar gibt es noch nicht viele wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema. Fachleute gehen aber davon aus, dass einer von drei Betroffenen durch diese "Angst vor der Zukunft" stark oder sehr stark belastet ist.
Bei diesen Angaben handelt es sich um Durchschnittswerte. Insgesamt kennt eine deutlich höhere Zahl von Patienten die Furcht vor einem Rezidiv, so die wissenschaftliche Fachliteratur.

Mithilfe von Fragebögen lässt sich das Ausmaß der Progredienzangst ermitteln. Dabei geben Patienten und Patientinnen zum Beispiel an, wie nervös sie vor Kontrolluntersuchungen sind, ob sie Angst vor unangenehmen Behandlungsmaßnahmen haben oder ob sie sich große Sorgen darum machen, was mit ihrer Familie wird, wenn ihnen etwas passieren sollte.

Diese "Angst vor der Zukunft" kann dazu beitragen, dass Betroffene sich besonders gut um sich kümmern und auf sich achten.

Was tun, wenn die Angst überhand nimmt? Dann sollte man professionelle Unterstützung in Betracht ziehen. Das gilt insbesondere, wenn die Angst die Lebensqualität über längere Zeit einschränkt. Diese Unterstützung kann zum Beispiel aus einer fachlichen Beratung oder längerfristig aus einer Psychotherapie bestehen.

Mehr als nur ein Gefühl: Was ist gemeint, wenn Fachleute von "Angst" sprechen?

Das, was man mit dem kurzen Wort "Angst" bezeichnet, ist wissenschaftlich betrachtet ein vielschichtiger Vorgang. Diese Emotion umfasst

  • körperliche Veränderungen (Zittern vor Angst, erhöhter Puls),
  • Gefühle, also das bewusste Wahrnehmen der Situation (man fühlt sich unwohl),
  • Gedanken (Interpretationen, Erinnerungen und Erwartungen) und
  • Verhalten (zum Beispiel Drängen auf Untersuchungen oder Vermeidung von Untersuchungen).

Emotionen wie Angst sind in der Regel kurz und intensiv. Fachleute unterscheiden Emotionen von Stimmungen, die länger anhalten, aber weniger ausgeprägt sind. Dauerhafte starke Angst kann ein Anzeichen dafür sein, dass professionelle Hilfe nötig ist.

Öffentliche Wahrnehmung: Weshalb löst Krebs so starke Ängste aus?

Krebspatient im Gespräch mit einer Psychoonkologin. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Angst vor Krebs? Mehr zu wissen kann helfen. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

In Deutschland sterben mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an Krebs. Trotzdem haben Umfragen zufolge mehr Menschen Angst vor Krebs als vor einem Herzinfarkt.

Hier spielt die Angst vor dem Unbekannten eine große Rolle: Möglicherweise ist nicht immer allen Beteiligten - Patienten, Angehörigen und Freunden - klar, was genau die Diagnose "Krebs" im Einzelfall bedeutet. Es kommt leicht zu Verallgemeinerungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen: Denn Krebs ist nicht gleich Krebs. Tumorarten unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander, zum Beispiel hinsichtlich Prognose, Behandlung oder häufigen Komplikationen. 

Fast jeder Mensch hat schon einmal mit Krebs zu tun gehabt: in der Familie, im Freundeskreis, oder auch über Berichte in den Medien. Auch diese Dinge haben einen Einfluss auf die eigene Einschätzung.
Die Erinnerung ist dabei oft trügerisch: Ungünstige Krankheitsverläufe oder der Tod lieber Menschen bleiben besonders stark haften. Sie prägen die eigenen Erwartungen, wenn die Diagnose einen selbst, Familienmitglieder oder enge Freunde trifft.

Unterstützung: Was kann man gegen Angst tun?

Allgemein gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die unter ihrer Angst leiden. Alles, was dem Gefühl von Unsicherheit entgegenwirkt oder die Bedeutung der ängstigenden Situation verringert, kann Angst reduzieren oder erträglicher machen. Allerdings ist der Nutzen entsprechender Ansätze nicht immer durch hochwertige wissenschaftliche Studien belegt. Sinnvoll können folgende Strategien sein:

  • Informationen einholen: Die eigene Fantasie kann bedrohlicher sein als die Wirklichkeit. Wissen über die Krankheit, ihre Behandlungsmöglichkeiten und das, was man selbst tun kann, hilft gegen Ängste.
  • Die Angst möglichst genau "ansehen": Es kann helfen, eigene Befürchtungen zu Ende zu denken. Wie wahrscheinlich ist es, dass die eine oder andere Situation eintritt? Wann wäre das? Wie würde es sich anfühlen? Antworten erhalten Betroffene vor allem im Arztgespräch.
  • Planen: Was kann man tun, wenn die eigenen Ängste wahr werden sollten? Wie geht es dann weiter? Manche Patientinnen und Patienten beruhigt es, frühzeitig alle Eventualitäten zu durchdenken. Dazu gehört zum Beispiel, sich über mögliche Behandlungsmethoden bei fortgeschrittener Krebserkrankung zu informieren. Unter Umständen ist es entlastend, sich rechtzeitig um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu kümmern.
  • Der Angst Ausdruck verleihen: Schreiben, Malen oder mit anderen schöpferischen Mitteln der Angst Gestalt zu geben kann helfen, sie besser zu verstehen. Auch wenn man sich mit solchen Dingen bisher nicht beschäftigt hatte: Der Weg, nicht nur über die Angst zu sprechen, sondern ihr auch ein  Gesicht zu geben, kann entlastend wirken.
  • Erinnern an schwierige Situationen, die man schon erfolgreich durchgestanden hat: Dadurch wird das Gefühl für die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten und die eigene Kraft gestärkt.
  • Entspannen: Anspannung ist eine Begleiterscheinung der Angst. Sie lässt sich mit Entspannungsverfahren oder, soweit es die körperliche Verfassung zulässt, durch körperliche Bewegung abbauen.
  • Den erfreulichen Seiten des Lebens mehr Gewicht geben - dazu gehört es auch, positive Bilanz zu ziehen: Was ist in meinem Leben sinnvoll, wo kann ich meine besonderen Fähigkeiten einbringen, was macht mir Freude, was sollte ich erweitern und ausbauen? Kann ich mir dabei von anderen helfen lassen?
  • Im "Hier und Jetzt sein": Vielen Menschen hilft es, sich nicht nur mit dem großen Ganzen der eigenen Erkrankung auseinanderzusetzen, sondern sich auch auf das "Hier und Jetzt" zu konzentrieren und einen Tag nach dem anderen anzugehen.

Professionelle Hilfe: Wann ist sie sinnvoll?

Manchmal nimmt die Angst überhand. Bei einigen Patienten kreisen beispielsweise die Gedanken fast unablässig um Dinge, die ihnen Sorgen machen, etwa um ihre Laborwerte, auch wenn gerade gar keine Untersuchung ansteht.
Manchmal fürchten sich Betroffene auch vor konkreten Situationen. Es muss nicht peinlich sein, wenn man zeitweilig eine regelrechte Phobie vor Spritzen, Blut oder Krankenhäusern hat. Allerdings sollte man dies möglichst bald angehen. Denn diese Angst belastet nicht nur. Es gefährdet auch den Behandlungserfolg, wenn man zum Beispiel eine Therapie nur unter großer Angst weiterführen kann oder ganz abbricht.

Was ist an Ängsten noch normal, was nicht mehr?

Welches Ausmaß von Angst noch angemessen ist, ist selbst für Fachleute nur schwer festzulegen. Die Kriterien für sogenannte Angsterkrankungen wie Phobien, Panikstörungen oder generalisierte Anpassungsstörung lassen sich auf Krebspatienten oft nicht anwenden. Denn:
Bei Krebspatienten ist ein Teil der Ängste ja durchaus real und berechtigt.
Außerdem können manche sonst für Angst typische Symptome - etwa Unruhe, leichte Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen - durch die Tumorerkrankung und ihre Behandlung hervorgerufen werden und müssen nicht durch Angst an sich ausgelöst sein.

Wenn Patienten aber von ihrer Angst wie gelähmt sind und Probleme haben, ihren Alltag zu bewältigen, müssen sie dies jedoch nicht als unabänderlich hinnehmen. Fachleute können helfen, mehr dazu im Text "Psychische Hilfen". Dabei geht es nicht immer um Psychotherapie. Beratungsgespräche dienen oft als eine leicht zugängliche "erste Hilfe". Betroffene erhalten hier Informationen zur Krankheit, Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen oder auch Kontakt zu weiteren Fachleuten.

Sonderfall: Die Angst gesunder Menschen vor Krebs

Fast alle Menschen haben mehr oder weniger ausgeprägt Angst vor Krankheiten, das ist normal.

Bei einigen jedoch ist diese so stark ausgeprägt, dass sie ihren Alltag über Monate beeinträchtigt und ihr Denken insgesamt stark beeinflusst. Betroffene können sich von ihren Ängsten kaum lösen: Jedes mögliche Risiko, von dem sie hören, und jede körperliche Veränderung verstärkt ihre Beschäftigung mit dem Thema.
Arztbesuche, Lesen von Informationen oder das Gespräch mit anderen können ihnen nur kurzfristig Erleichterung verschaffen.

Je nachdem, ob Betroffene Angst haben, in der Zukunft Krebs zu bekommen oder bereits an Krebs erkrankt zu sein, spricht man von einer "Krebsphobie" oder von einer "hypochondrischen Störung". Wie andere Angsterkrankungen lassen sich diese durch Psychologen oder entsprechend ausgebildete Fachärzte behandeln.

Zum Weiterlesen: Linktipps für Interessierte, Quellen für Fachkreise