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Sauna und Massage, Foto: STOCK4B-RF/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wellness und Wärme: Ein Risiko für Krebspatienten?

Was ist dran an der These der Tumoraktivierung durch Thermalbäder, Sauna oder Massagen?

Viele Menschen fühlen sich nach der Sauna oder dem Besuch im Thermalbad wohlig entspannt. Rotlicht, Fangopackungen, eine Aromatherapie mit ätherischen Ölen oder auch Massagen helfen gegen Stress, Verspannungen, Muskelschmerzen und manch anderes Unwohlsein. Doch Krebspatienten hören gelegentlich eine Warnung: Vieles, was heute als "Wellness" zusammengefasst wird, sei für sie verboten, denn: Die Auswirkungen auf den Stoffwechsel sollen angeblich einen Tumor wieder "aktivieren" und einen Rückfall fördern können. Gibt es dafür tatsächlich Belege?

Der Krebsinformationsdienst hat nachrecherchiert und Aussagen überprüft. Dabei wird eines klar: Pauschale Verbote für Patienten gibt es nicht. Doch in einigen Situationen sollte man bei und nach Krebs auf jeden Fall den Arzt fragen, um unnötige Risiken zu vermeiden.

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Quellen und Links

Am Ende der Seite hat der Krebsinformationsdienst Linktipps aufgeführt, die einzelne Inhalte weiter vertiefen und in denen weitere Quellen aufgeführt sind. Für Interessierte und Fachkreise finden sich zudem Hinweise auf ausgewählte Fachpublikationen.

Wellness und Krebs: Das Wichtigste in Kürze

Für viele Menschen gehört das einfach dazu, vor allem im Winter: der wöchentliche Gang in die Sauna, die Rotlichtbestrahlung und Massagen bei Schmerzen oder der jährliche Urlaub in einem Kurort mit heißen Quellen. Dementsprechend verunsichert sind viele Betroffene, wenn sie im Freundes- oder Bekanntenkreis gewarnt werden: Solche Verfahren sollen angeblich "das Krebsgeschehen wieder reaktivieren", so lautet die Befürchtung. Auch in den Prospekten mancher bekannter Kurorte und Bäder kann man diese Warnung finden.

Worauf stützt sich diese Aussage?

Die Wurzeln dieser Befürchtung reichen unter anderem zurück auf die Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts. Damals entdeckte man die Balneotherapie neu, die Bädertherapie. Man ging davon aus, dass zum Beispiel Bäder in warmem Thermalwasser viele Körperfunktionen und den gesamten Stoffwechsel beeinflussen können. Hier findet sich erstmals in der Neuzeit die Befürchtung, dadurch könne eine Tumorerkrankung wieder ausbrechen oder ihr Verlauf beschleunigt werden. Nicht wenige naturheilkundlich orientierte Therapeuten gehen noch einen Schritt weiter: Sie befürchten auch bei einer Wärmebehandlung mit Fango oder Packungen oder bei einem Saunagang entsprechende Risiken.

Was ist wirklich dran an dieser Überlegung?

Richtig ist: Ein heißes Bad, der Gang in die Sauna, eine Massage der Muskeln - das alles kann die Durchblutung verändern und so im weiteren Sinn den Stoffwechsel beeinflussen. Doch es gibt keinen stichhaltigen Beleg dafür, dass dadurch Krebs entstehen könnte oder bei Betroffenen das Rückfallrisiko steigt.
Allerdings gibt es einige andere Gründe dafür, dass man als Krebspatient vorsichtig sein und sich zumindest mit den behandelnden Ärzten besprechen sollte:

  • Während und nicht selten auch noch nach der Behandlung kann der Kreislauf geschwächt sein – zu viel Wärme verkraftet man unter Umständen nicht.
  • Wurden Lymphknoten entfernt oder bestrahlt, oder verlegt ein Tumor die Lymphbahnen, steigern Wärme oder unsachgemäße Manipulation das Risiko für ein Lymphödem.
  • Viele Krebstherapien machen die Haut zeitweilig empfindlicher, etwa Bestrahlungen oder manche zielgerichtete Medikamente: Zu langes Baden in warmem Wasser kann sie aufweichen. Ob man in dieser Situation Mineralsalze, ätherische Öle, Moorschlamm und andere Packungen oder Peelings und Massagen verträgt, sollte man die Ärzte fragen.
  • Bei der Anwendung ätherischer Öle sollte man auch die Allergiegefahr bedenken. Zu hoch konzentriert können einige Öle die Haut oder die Atemwege reizen. 
  • In Schwimmbädern oder Wellness-Einrichtungen, die viele Menschen frequentieren, tummeln sich auch viele Keime. Während einer Chemotherapie und bei einigen anderen Therapien kann das die körpereigenen Abwehrkräfte überfordern.
  • Kann man durch Massage, durch Druck oder Kneten Tumorzellen im Körper verbreiten? Diese Befürchtungen nehmen Fachleute sehr ernst. Doch bisher gibt es keine belastbaren Beweise dafür.

 

Wärme und Wasser: Wie belastend sind sie für Haut, Gefäße und Kreislauf?

Für die meisten Krebspatienten ist die Anwendung von Wärme problemlos möglich. Vorsichtig sollte man aber während und kurz nach einer belastenden Behandlung sein, und auch dann, wenn man durch eine Krebserkrankung insgesamt geschwächt ist. 

Ein wichtiger Grund ist die Belastung für den Kreislauf. Deshalb macht es einen Unterschied, ob man zur traditionellen Wärmflasche greift oder direkt nach der Chemo drei komplette Saunagänge mit Aufguss absolviert, ob man mit frisch bestrahlter Haut kurz unter die warme Dusche geht oder sich stundenlang in der heißen Wanne einweicht. Neben der Rücksprache mit den behandelnden Ärzten hilft hier auch das persönliche Gespür für den eigenen Körper weiter. Oft merkt man selbst sehr gut, was man verträgt und was nicht.

Gerade erst verheilte Operationsnarben oder bestrahlte Haut reagieren besonders empfindlich: Die stärkere Durchblutung bei Überwärmung kann zu Schwellungen führen. Aufpassen sollte man auf den Zustand der Haut: Das gilt vor allem, wenn es nicht um trockene Wärme geht, sondern Wasser, Salze, ätherische Öle oder andere Badezusätze, Chlor oder die Inhaltsstoffe von Packungen hinzu kommen. Sie können jetzt die Haut reizen, auch wenn man bisher keine solchen Probleme kannte. Selbst klares, aber zu heißes Wasser weicht die empfindliche Haut zuerst auf und trocknet sie dann aus, Spannungsgefühl und Juckreiz sind die Folge.

Eine Chemotherapie und vor allem viele der modernen zielgerichteten Arzneimittel können Folgen für die Hautgesundheit haben: Ist die Haut nicht ganz in Ordnung, leidet ihre Barrierefunktion, also der Schutz vor Bakterien, Viren oder Pilzen. Wer unter wunder Haut, Ausschlag, Entzündungen oder anderen Nebenwirkungen leidet, sollte sich unbedingt fachlichen Rat holen, bevor womöglich eine Wellness-Maßnahme die Beschwerden verstärkt.

Risiko Lymphödem: Jede Belastung vermeiden?

Bei vielen Tumoroperationen entnehmen die behandelnden Ärzte auch Lymphknoten: Sie prüfen, ob sich dort Tumorzellen finden lassen, und wollen die weitere Ausbreitung der Erkrankung über die Lymphbahnen bremsen. Doch je mehr Lymphknoten fehlen oder durch eine Bestrahlung oder auch den Tumor selbst zerstört wurden, umso mehr gilt: Das betroffene Gewebe kann zu Schwellungen neigen, sogenannten Lymphödemen.

Können Wärmeanwendungen das Risiko für ein solches Ödem steigern? Diese Frage ist bisher nicht zweifelsfrei zu beantworten: Es gibt viele Erfahrungsberichte von Krebspatienten, die nach ihrer Therapie wieder in die Sauna gingen oder Thermalkuren machten, ohne Probleme zu bekommen. Es gibt jedoch auch wissenschaftliche Beiträge, denen zufolge Saunagänge (und andere Wärmeanwendungen) tatsächlich ein Risiko darstellen.

Auf jeden Fall gilt: Ist ein Lymphödem erst einmal aufgetreten, sollte man extrem vorsichtig sein und nichts ohne die Rücksprache mit dem Arzt tun – Wärmeanwendungen sind dann meist tabu.

 

Massagen: Können sie einen Tumor "aktivieren"?

Massagen helfen gegen Muskelschmerzen und gegen Verspannungen, sie können verhärtetes Gewebe auflockern und vieles mehr. Doch kann man damit möglicherweise auch Tumorzellen in Gewebe drücken, in die sie sonst nicht gelangt wären? Mediziner gehen heute davon aus, dass die rein mechanische Beeinflussung eines Tumors durch Massage zwar theoretisch denkbar, in der Praxis aber bisher nicht nachgewiesen ist. Klar ist: Gut ausgebildete Fachkräfte werden trotzdem nicht im Bereich einer frischen Operationswunde oder im Bestrahlungsfeld während der Therapie massieren, wenn es sich vermeiden lässt.

Wie sieht es mit der Lymphdrainage aus, bei der Schwellungen oft genau im Bereich des Tumors behandelt werden müssen? Experten können hier zwar zumindest von der Theorie her ein Risiko nicht ausschließen: Denkbar wäre es,  dass durch eine Lymphdrainage wandernde Tumorzellen über die Lymphbahnen in andere Gewebe gelangen können. Wirklich nachgewiesen ist dies aber nicht. Und die ganz wenigen Anhaltspunkte, dass so etwas tatsächlich passieren könnte, stammen von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren.

  • Viel wichtiger ist aber: Patienten mit einem Lymphödem können nicht ohne Behandlung bleiben.

Ein nicht behandeltes Lymphödem würde das geschwollene Gewebe schnell stark schädigen, ganz abgesehen von den Folgen für die Lebensqualität. Daher gilt, unabhängig von einem insgesamt eher theoretischen Risiko: Bei praktisch allen Betroffenen ist die Lymphdrainage unbedingt notwendig, um ihre Beschwerden zu lindern.

 

Aromatherapie, Salzräume, Heilstollen: Was tut dem Körper gut, was nicht?

Viele Menschen schwören darauf, für andere sind sie ein Greul: ätherische Öle. Lavendelöl und einige weitere Heilpflanzenöle dienen der Entspannung, zum Beispiel im Duftlämpchen oder auf dem Kopfkissen. Auch Massagen mit ätherischen Ölen sollen zum Stressabbau beitragen. Und jeder kennt Eukalyptus, Minze oder Menthol oder auch Öle mit Kampfer als Zusatz zur Inhalation bei verschleimten Atemwegen. Teebaumöl und einige weitere, eher exotische Produkte sollen gegen Infektionen helfen.

Die Aromatherapie wird von vielen Menschen genutzt und geschätzt. Daher haben Wissenschaftler versucht zu prüfen, was sie tatsächlich kann. Es gibt mehrere Übersichtsarbeiten und auch Leitlinien, in denen das Fazit zurzeit fast ähnlich ausfällt: Eine gezielte medizinische Wirkung lasse sich kaum belegen. Die praktische Erfahrung zeige allerdings: Bei Menschen, die sie als angenehm empfinden, kann sie die Lebensqualität verbessern. Ein Beispiel ist die Aromatherapie  zum Abbau von Angst, Anspannung und Stress. "Harte" wissenschaftliche Daten zur Wirkung fehlen. Die rein praktischen Erfahrungen damit sind in der Krebsmedizin aber eher positiv.

Experten raten allerdings dazu, auf mögliche Allergien zu achten: Bekannt ist das Allergierisiko zum Beispiel durch Teebaumöl, aber auch durch andere ätherische Öle. Kinder sowie sehr geschwächte Menschen können zudem empfindlicher auf manche Öle reagieren als Gesunde, etwa mit Hautreizungen. Unverdünnt können viele Produkte die Atemwege reizen – das gilt selbst für die ätherischen Duftstoffe oder Pflanzenprodukte, die zur Inhalation angeboten werden.

Salzinhalation

Wie sieht es aus mit der Inhalation von Mineralsalzlösungen? Was bringt der Aufenthalt in einem "Salzraum" oder einer "Salzgrotte", wie es sie inzwischen in vielen Städten gibt?

  • Klar ist: Gegen Luftnot oder weitere Atemprobleme bei einer Krebserkrankung kann das nicht helfen. Auf jeden Fall sollte man bei solchen Beschwerden mit dem behandelnden Arzt sprechen, denn: Es sollte zunächst abgeklärt werden, was dahinter steckt.

Wie sieht es aus, wenn man aber wirklich nur einen Schnupfen oder eine andere Infektion der Atemwege hat? Vor allem Patienten mit Lungenkrebs oder Lungenmetastasen sollten auch dann besser nicht ohne Rücksprache mit den Ärzten aktiv werden. Es gibt zwar Untersuchungen, dass die Inhalation von Mineralsalzlösungen bei Patienten mit Infekten und sogar mit chronischen Lungenerkrankungen unter Umständen das Abhusten von Schleim erleichtert. Und solche Inhalationen schaden bei richtiger Anwendung zumindest nicht.
Aber für Krebspatienten mit Lungenproblemen fehlen belastbare Daten, nicht nur zum Nutzen, sondern auch zu möglichen Risiken. Wie bei vielen ähnlichen Therapien gibt es allenfalls Erfahrungswissen.

Radon – riskant statt gesundheitsfördernd

Höchst kritisch bewerten Experten jedoch eine andere Form der Inhalationsbehandlung: "Kuren" in sogenannten "Heilstollen", für die mit der Kombination von Luftfeuchtigkeit, Wärme und dem radioaktiven Edelgas Radon geworben wird.

Warum diese Warnung? Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts galt Radioaktivität nicht unbedingt als gesundheitsschädlich – eine geringe Strahlendosis sollte sogar gut für das Immunsystem sein. Thermalbäder mit radioaktivem Wasser und eben der Aufenthalt in Bergstollen mit Radon-haltiger Luft sollten gegen Schmerzen, Haut- und Atemprobleme helfen. Sichere und belastbare Belege dafür gibt es nicht, die vorliegenden Unterlagen haben mehr den Charakter von Erfahrungsberichten.

Radon gilt inzwischen jedoch eindeutig als Risikofaktor für Lungenkrebs, eventuell auch für andere Krebsarten. Wie gefährlich zumindest der längere Aufenthalt in Stollen "unter Tage" sein kann, weiß man schon lange aus den Untersuchungen mit Bergarbeitern. Das Risiko für Schäden an der Erbsubstanz sind jedoch selbst dann nicht völlig auszuschließen, wenn man nur sehr geringen Radonkonzentrationen ausgesetzt ist.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Ansprechpartner und Fachinformationen (Stand: 12/2015)