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Frau wäscht sich die Hände. Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ sizes="(min-width: 1440px) 1440px"
Schutz vor Keimen

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Krebs und Infektionen: Schutz durch Hygiene und Vorbeugung

Was Krebspatienten im Alltag noch tun können

Letzte Aktualisierung: 22.07.2020
  • Welche Hygienemaßnahmen für Krebspatienten wichtig sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa vom aktuellen Krankheitsstadium, vom Status des Immunsystems oder von der Art der Behandlung.
  • Die Abwägung zwischen größtmöglicher Sicherheit durch hygienische Sauberkeit und unbeschwertem Leben im Alltag ist manchmal schwierig.
  • Worauf Krebspatienten im Alltag besser verzichten und welche vorbeugenden Maßnahmen bei einer Immunschwäche nötig sind, sollten Betroffene mit ihrem Arzt abklären.

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Händewaschen mit viel Schaum unter fließendem Wasser © jackmac34, Pixabay
Die Hände gründlich zu waschen, ist im Alltag eine wichtige Hygienemaßnahme. © jackmac34, Pixabay

Hygiene im Alltag ist wichtig, da sie vor Infektionen schützen kann. Infektionen sind übertragbare Krankheiten, die bei Gesunden häufig harmlos verlaufen. Bei immungeschwächten Krebspatienten können sie aber zu schweren Erkrankungen führen.

Einfache Hygiene-Maßnahmen im Alltag sorgen dafür, dass jeder Krebspatient sein Risiko für eine Infektion senken kann. Auch Angehörige schützen damit an Krebs erkrankte Familienmitglieder.

Wasser und Seife benutzen: Sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen, sollte zur täglichen Routine gehören: wenn man nach Hause kommt, vor dem Zubereiten und Essen von Speisen, nach dem Toilettengang.

Richtiges Händewaschen (Dauer: 20–30 Sekunden):

  • Halten Sie Ihre Hände unter fließendes Wasser.
  • Seifen Sie nicht nur die Handinnenflächen, sondern auch die Handrücken, die Fingerzwischenräume, die Fingernägel und die Daumen gründlich mit Seife ein – lassen Sie sich dabei ruhig Zeit.
  • Spülen Sie danach die Hände gut unter fließendem Wasser wieder ab.
  • Trocken Sie die Hände anschließend sorgfältig ab.
Hust- und Niesetikette

Neben dem Händewaschen ist außerdem wichtig: Beim Husten und Niesen sollte man nicht in die Hände, sondern in die Ellenbeuge oder in ein frisches Taschentuch husten oder niesen.

Händedesinfektion nicht zwangsläufig notwendig: Häufig reicht gründliches Händewaschen aus, um eine Übertragung von Keimen zu verhindern. Manche Krebspatienten haben jedoch ein erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Sind Sie sich unsicher, ob Wasser und Seife ausreichen oder ob Sie zusätzlich Desinfektionsmittel verwenden sollten, fragen Sie Ihre behandelnden Ärzte um Rat.
Hände zusätzlich pflegen: Zu häufiges Händewaschen mit sehr warmem Wasser und scharfen Reinigungsmitteln kann die Haut angreifen und austrocknen. Rissige und trockene Hände sind wiederum eine Eintrittspforte für Keime. Wer sich häufig die Hände wäscht, sollte seine Haut mit einer rückfettenden Handcreme pflegen.

Übertragungswege von Keimen

Wichtig zu wissen

Händewaschen hilft vor allem, sich vor Schmierinfektionen zu schützen.

Krankheitserreger können über verschiedene Wege übertragen werden:

  • Beim Niesen, Husten oder Sprechen entstehen Tröpfchen. Andere Personen in unmittelbarer Nähe können diese über Mund und Nase in die oberen Atemwege aufnehmen (Tröpfcheninfektion).
  • Beim Kontakt mit verunreinigten Gegenständen oder mit anderen Menschen, wie etwa beim Küssen und Geschlechtsverkehr, ist eine Übertragung von Keimen möglich (Schmierinfektion).
  • Keime können in der Luft vorkommen und über die Einatemluft in den Körper gelangen (Aerosole), beispielsweise Pilzsporen beim Entleeren des Biomülls.
  • Über kontaminierte Lebensmittel oder verunreinigtes Wasser gelangen Keime direkt über den Mund in den Magen und Darm.
  • Über kleinere oder größere Wunden, vom Schnitt in den Finger bis zum Hundebiss, können Keime in die Blut- und Lymphbahnen gelangen.


Krebspatienten mit einer geschwächten Immunabwehr haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Dies trifft beispielsweise auf Leukämiepatientinnen oder Leukämiepatienten zu. Auch Patienten nach einer Blutstammzelltransplantation oder Patienten während einer Chemo- oder Strahlentherapie können eine Immunschwäche haben.

Wichtig zu wissen

Nicht jedes Desinfektionsmittel wirkt gleich gut gegen alle Krankheitserreger.

Bei einer geschwächten Immunabwehr können besondere Hygienemaßnahmen nötig werden. Zu diesen Maßnahmen gehört beispielsweise, sich die Hände zu desinfizieren. Es gibt Desinfektionsmittel

  • nur gegen Bakterien ("bakterizide Wirkung"),
  • gegen Viren ("viruzide Wirkung") oder
  • gegen einige, aber nicht alle Virus-Arten ("begrenzt viruzide" Wirkung).

Nicht auf eigene Faust handeln: Die behandelnden Ärzte und Pflegefachleute geben Betroffenen meist klare Anweisungen, ob, wann und welche Desinfektionsmittel oder weitere Maßnahmen in der individuellen Situation sinnvoll sind.

Richtige Händedesinfektion:

  • Geben Sie das Desinfektionsmittel in die trockene Hand.
  • Verwenden Sie die richtig dosierte Menge an Desinfektionsmittel (die Menge steht unter den Anwendungshinweisen des Mittels).
  • Benetzen Sie Ihre ganze Hand mit dem Mittel.
  • Vergessen Sie nicht Fingerspitzen, Daumen und Fingerzwischenräume.
  • Und ganz wichtig: Halten Sie die Einwirkungszeit ein! Das heißt, lassen Sie das Mittel auf der Haut ausreichend lange einwirken. Entsprechende Hinweise finden Sie bei den Anwendungsangaben des Produktes.
  • Pflegen Sie Ihre Hände mehrmals täglich mit einer rückfettenden Hautcreme, denn Desinfektionsmittel können die Haut austrocknen.
Eine Hand mit Desinfektionsspray sprüht Desinfektionsmnittel in eine andere Hand. © renateko, Pixabay
Desinfektionsmittel kann sich jeder in der Drogerie oder Apotheke kaufen. © renateko, Pixabay

Händedesinfektion nach dem Händewaschen bei immungeschwächten Patienten empfehlenswert: Das gilt nach einem Toilettenbesuch, vor der Zubereitung von Mahlzeiten, nach dem Naseputzen und nach dem Niesen oder Husten in die vorgehaltene Hand. Aber auch nach dem Anfassen von Gegenständen oder Flächen, die mit vielen Händen in Berührung kommen. Beispiele sind Treppengeländer, Haltestangen im Bus oder Klingelknöpfe.

Wenn Sie Ihre Hände sowohl waschen als auch desinfizieren möchten, gilt: erst Hände waschen, dann desinfizieren. Vor der Händedesinfektion sollten Sie immer die Hände abtrocknen, damit das Desinfektionsmittel nicht verdünnt wird.



Impfungen

Fragen Sie Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie wichtig sind und wann Sie sich impfen lassen sollten.

Mit einigen Maßnahmen lässt sich das Infektionsrisiko bei einer Abwehrschwäche verringern. Die folgenden Tipps sind als Anregungen zu verstehen. Es kann durchaus sein, dass die Empfehlungen der behandelnden Ärzte und Pflegefachleute aufgrund der individuellen Erkrankungssituation davon abweichen.

  • Krebspatientinnen und Krebspatienten können ihr Infektionsrisiko senken, indem sie sich impfen lassen, zum Beispiel gegen Grippe. Nicht nur Krebspatienten, auch Angehörige und Freunde sollten sich gegen Grippe impfen lassen.
  • Angehörige, die unter einer ansteckenden Krankheit leiden, sollten den engen Kontakt mit immungeschwächten Krebspatienten möglichst meiden.
  • Keime können sich auch in Kleidung, Handtüchern und Bettwäsche ansammeln. Diese Textilien sollte man daher bei mindestens 60°C waschen, Handtücher und Waschlappen möglichst täglich, die Bettwäsche wöchentlich und bei Bedarf auch öfter wechseln.
  • Um die Wohnung staubarm und damit auch keimarm zu halten, reicht es in der Regel aus, staubzusaugen und Oberflächen feucht zu wischen (Sauberkeit im Haushalt).
  • Nahrungsmittel können auch eine Quelle für Keime sein. Krebspatienten sollten zum Schutz vor Infektionen Hygienemaßnahmen beim Kochen und Essen einhalten.
  • Betroffene sollten im Umgang mit Zimmerpflanzen auf bestimmte Vorsichtsmaßnahmen achten.
  • Auch beim Umgang mit Haustieren gibt es einige Besonderheiten zu berücksichtigen.

Menschenansammlungen im Winter meiden?

Im alltäglichen Leben trifft jeder unvermeidlich auf Infektionsquellen. Wenn beispielsweise die Frau in der Schlange im Supermarkt hinter einem niest oder im Bus der Banknachbar hustet.

Manche Krebspatientinnen und Krebspatienten haben bedingt durch ihre Erkrankung und die Therapie ein geschwächtes Immunsystem. Sie sind damit anfälliger für ansteckende Krankheiten.

  • Fragen Sie Ihren Arzt: In der Erkältungszeit im Winter kann es für Krebspatienten mit Immunschwäche sinnvoll sein, den Kontakt zu anderen Menschen einzuschränken oder sogar zu meiden. Ihr behandelnder Arzt beantwortet Ihre Fragen und empfiehlt Ihnen auch, ob und wann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sinnvoll ist.

Immunsystem stärken?

Wichtig zu wissen

In den aktuellen Leitlinien zur Krebsbehandlung haben Experten einer Immunstärkung keinen Stellenwert eingeräumt.

Manche Krebspatientinnen und Krebspatienten hoffen, durch eine allgemeine Stärkung ihres Immunsystems die Heilung unterstützen oder Rückfällen vorbeugen zu können. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine unspezifische Immunstimulation vor Rückfällen oder der Bildung von Metastasen schützt.

Für Menschen mit Krebs gilt das Gleiche wie für Gesunde: Bei den meisten Mitteln, die zur Immunstärkung angeboten werden, ist eine Wirksamkeit durch Studien nicht belegt. Fast alle stimulieren, wenn überhaupt, unspezifische Vorgänge im Immunsystem. Das bedeutet: Sie senden nur ein allgemeines "Alarm"-Zeichen aus. Eine zielgerichtete Immunreaktion gegen Tumorzellen lässt sich so allerdings nicht anstoßen.

Risiken nicht ausgeschlossen: Bisher steht noch nicht einmal fest, ob eine unspezifische Immunstimulation nicht sogar schadet. Es gibt also auch keine wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass Mittel zur Immunstärkung unbedenklich sind. Sie fehlen für praktisch alle der häufig empfohlenen Präparate.

  • Für manche Betroffene kann eine ungezielte Immunstärkung unter Umständen sogar gefährlich sein – beispielsweise für Patientinnen und Patienten mit bestimmten Lymphomformen. Bei dieser Krebsart vermehren sich Immunzellen unkontrolliert. Sie können durch Präparate, die das Immunsystem stärken, zu weiterem Wachstum angeregt werden.
  • Viele immunstimulierende Präparate können zu Wechselwirkungen mit der Krebstherapie führen und dadurch den Therapieerfolg gefährden oder Nebenwirkungen der Behandlung verstärken.
Nehmen Sie keine Mittel zur Immunstärkung auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate.
Fieberthermometer, das 40,3° zeigt und mit einem Schal in einem winzigen Bett liegt © congerdesign, Pixabay
Fieber kann ein Anzeichen für eine Infektion sein. © congerdesign, Pixabay

Während einer laufenden Therapie: Deuten Beschwerden auf eine Infektion hin, sollten sich Krebspatienten sofort bei ihrer Onkologin oder ihrem Onkologen melden. Das gilt bei Fieber, aber auch bei anderen Infektionen, wenn sich beispielsweise ein Finger nach einem Schnitt entzündet hat.

Die Krebserkrankung liegt schon länger zurück: Auch dann sollten Krebspatienten im direkten Gespräch mit ihrem Hausarzt oder Onkologen klären, welche Medikamente oder Hausmittel sie gegen Fieber und andere Symptome anwenden dürfen. Generell gilt bei einem Infekt:

  • Sich schonen, keinen Sport treiben, sich körperlich nicht stark anstrengen, viel trinken und nur Leichtverdauliches essen.
  • Den Kontakt zu anderen Menschen sollten Patienten mit Fieber oder Infektionen einschränken, um diese nicht anzustecken.


Genutzte Quellen

Informationen zu den für die Erstellung des Textes genutzten Quellen sowie nützliche Links sind in der Übersicht zum Thema Schutz vor Keimen aufgeführt.

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Erstellt: 22.07.2020

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