Forschung zum Mikrobiom und Krebs hat sich vom Nischenthema zu einem dynamischen Gebiet in der Onkologie entwickelt. Der Krebsinformationsdienst berichtete bereits 2024 über Zusammenhänge zwischen Krebs-Immuntherapie und dem Mikrobiom. Bisher haben die Erkenntnisse jedoch kaum Einzug in die Krebstherapie gehalten. Lediglich die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen hat die Anwendung von Probiotika aufgenommen.
Möglich und empfohlen – bestimmte Bakterien in bestimmten Behandlungssituationen
Durch eine Chemo- oder Strahlentherapie kann sich die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms verändern. Bestimmte "gute" Bakterienstämme können abnehmen. Zahlreiche Studien haben in verschiedenen Behandlungssituationen den Einfluss von Probiotika, Präbiotika und Synbiotika (siehe Infobox) untersucht.
Empfehlungen der Leitlinie Supportivtherapie:
- Bei Bestrahlung des Bauch- und Beckenraums sollten die Bakterienstämme Lactobacillus acidophilus oder Bifidobakterium bifidum vorbeugend gegeben werden. Studien zeigen für diese, am häufigsten eingesetzten Bakterienstämme, dass sich im Vergleich zur Scheinmedikation (Placebo) die Stuhlfrequenz verringert und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert.
- Die Gabe von Lactobacillus-Bakterien, auch in Kombination mit Bifidobakterien, kann möglicherweise Entzündungen des Enddarms (Proktitis) verringern und gegen Durchfall bei Strahlentherapie helfen.
Zur Gabe von Probiotika gegen Durchfall aufgrund von medikamentösen Krebstherapien gibt die aktuelle Leitlinie keine Empfehlung mehr. Diese Behandlungsoption wurde im Vergleich zu den Vorgängerversionen abgeschwächt. Die Begründung: Die Datenlage ist zu heterogen.
- In Studien wurden sehr unterschiedliche Probiotika, Präbiotika und Synbiotika eingesetzt. Die Studienergebnisse lassen sich daher nicht vergleichen.
- Eine Metaanalyse aus 7 Studien mit mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten kam zu folgendem Schluss: Egal, ob Probiotika oder Placebo eingesetzt wurden, die Häufigkeit oder der Schweregrad der therapiebedingten Diarrhö blieben gleich. Die Auswertung fasst Ergebnisse unter Chemotherapie, zielgerichteter Therapie und Immuntherapie zusammen.
In den sonstigen S3-Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie gibt es keine Empfehlung zur Gabe von Probiotika beziehungsweise werden Probiotika nicht erwähnt. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Krebstherapien müssen noch weiter untersucht werden, um Eingang in die klinische Anwendung zu finden.
Kurz erklärt
Probiotika: lebende Mikroorganismen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen können, wenn sie in angemessenen Mengen verabreicht werden
Präbiotika: Stoffe, die den Mikroorganismen im Darm als Nahrungsgrundlage dienen und dadurch eine positive gesundheitliche Wirkung für den Wirt erzielen können
Synbiotika: Kombination aus Probiotika und Präbiotika
Postbiotika: Präparate aus nicht-lebenden Mikroorganismen oder deren Bestandteilen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen verschaffen
Häufige Fragen zu Probiotika und Mikrobiom
Ist ein Mikrobiom-Stuhltest empfehlenswert?
Von einem Stuhltest bei Gesunden zur Untersuchung des Mikrobioms raten Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ab. Bislang gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens, welches Mikrobiom "optimal" ist. Eine Bestimmung des Mikrobioms bringt derzeit keinen informativen oder therapeutischen Mehrwert.
Zur Abklärung von Beschwerden kann es durchaus sinnvoll sein, dass die Ärztin oder der Arzt eine Untersuchung der Stuhlprobe veranlasst.
Wer sollte keine Probiotika einnehmen?
Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wird von der Gabe von Probiotika abgeraten. Denn bei eingeschränkter körperlicher Abwehr kann es zu schwerwiegenden Infektionen kommen, die sehr selten auch lebensbedrohlich sein können.
Was können Menschen für ihre "Darmgesundheit" machen?
Allgemein wird eine überwiegend pflanzliche Ernährung, reich an Ballaststoffen, mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, empfohlen. Auch fermentierte Nahrungsmittel wie Naturjoghurt, Sauerkraut und Kefir sowie eine ausreichende Menge Wasser täglich trinken, kann sich günstig auf das Darm-Mikrobiom auswirken.
Krebsbetroffene mit Ernährungsproblemen sollten Rücksprache mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten oder spezialisierten Ernährungsfachkräften halten.
Neben der Ernährung gehört auch Bewegung zu einem gesunden Lebensstil.
Zum Weiterlesen: Verwendete Quellen und vertiefende Informationen
Leitlinien
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 2.1, Juni 2026, AWMF-Registernummer: 032-054OL; Zugriff am 10.08.2026.
Übersichtsarbeiten und Fachveröffentlichungen
Porcari S, Mullish BH, Asnicar F, Ng SC, Zhao L, Hansen R, O'Toole PW, Raes J, Hold G, Putignani L. International consensus statement on microbiome testing in clinical practice. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025 Feb;10(2):154-167. doi: 10.1016/S2468-1253(24)00311-X.
Weitere Quellen
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Pressemitteilung. Wie gesund ist mein Mikrobiom? Was Selbsttests nicht verraten – und warum Darmbakterien die Krebstherapie beeinflussen können (PDF); Stand: 25.06.2026.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). DGE-Blog. Das Mikrobiom – Update für die Ernährungsberatung; Stand: 2026.
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Tipps für die “Darmgesundheit”. Stand: 18.03.2026.

Dieser Artikel war für Sie hilfreich?
Wenn Sie auch künftig aktuelle Krebs-News und neue Hintergrundinformationen erhalten möchten, abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal.
So bleiben Sie direkt informiert – wissenschaftlich fundiert und unabhängig.
