Helfen Probiotika gegen Durchfall bei Krebs?

Was empfehlen die onkologischen Leitlinien?

Erstellt am:

Von: Dr. Kerstin Wittenberg (Chemikerin, Dipl.)

Probiotika beziehungsweise lebende Bakterienkulturen einzunehmen, ist sehr populär. Für die meisten Anwendungsbereiche liegt allerdings keine gesicherte Datenlage vor. Die Grundidee ist, dass ein gesundes Darm-Mikrobiom die Gesundheit fördert. Daher die Annahme, dass eine gezielte Gabe "guter" Mikroorganismen den Darm beeinflusst und die Darmflora verbessert. Gilt das auch bei Krebs?

Das Wichtigste in Kürze

  • Krebsbetroffene sollten Probiotika nur in Absprache mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten einnehmen.
  • Krebspatientinnen und Krebspatienten mit geschwächtem Immunsystem sollten keine Probiotika einnehmen.
  • Probiotika mit bestimmten Bakterien können eingesetzt werden, um Durchfall und Entzündung des Enddarms durch Strahlentherapie vorzubeugen. 
Grafik des Dickdarms mit schematischer Vergrößerung eines Dickdarmquerschnitts und Mikroskop-Ansicht von Bakterien des Darm-Mikrobioms
Darm-Mikrobiom und Krebstherapie können sich gegenseitig beeinflussen.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

Forschung zum Mikrobiom und Krebs hat sich vom Nischenthema zu einem dynamischen Gebiet in der Onkologie entwickelt. Der Krebsinformationsdienst berichtete bereits 2024 über Zusammenhänge zwischen Krebs-Immuntherapie und dem Mikrobiom. Bisher haben die Erkenntnisse jedoch kaum Einzug in die Krebstherapie gehalten. Lediglich die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen hat die Anwendung von Probiotika aufgenommen. 

Möglich und empfohlen – bestimmte Bakterien in bestimmten Behandlungssituationen

Durch eine Chemo- oder Strahlentherapie kann sich die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms verändern. Bestimmte "gute" Bakterienstämme können abnehmen. Zahlreiche Studien haben in verschiedenen Behandlungssituationen den Einfluss von Probiotika, Präbiotika und Synbiotika (siehe Infobox) untersucht.

Empfehlungen der Leitlinie Supportivtherapie:

  • Bei Bestrahlung des Bauch- und Beckenraums sollten die Bakterienstämme Lactobacillus acidophilus oder Bifidobakterium bifidum vorbeugend gegeben werden. Studien zeigen für diese, am häufigsten eingesetzten Bakterienstämme, dass sich im Vergleich zur Scheinmedikation (Placebo) die Stuhlfrequenz verringert und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert.
  • Die Gabe von Lactobacillus-Bakterien, auch in Kombination mit Bifidobakterien, kann möglicherweise Entzündungen des Enddarms (Proktitis) verringern und gegen Durchfall bei Strahlentherapie helfen. 

Zur Gabe von Probiotika gegen Durchfall aufgrund von medikamentösen Krebstherapien gibt die aktuelle Leitlinie keine Empfehlung mehr. Diese Behandlungsoption wurde im Vergleich zu den Vorgängerversionen abgeschwächt. Die Begründung: Die Datenlage ist zu heterogen.

  • In Studien wurden sehr unterschiedliche Probiotika, Präbiotika und Synbiotika eingesetzt. Die Studienergebnisse lassen sich daher nicht vergleichen.
  • Eine Metaanalyse aus 7 Studien mit mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten kam zu folgendem Schluss: Egal, ob Probiotika oder Placebo eingesetzt wurden, die Häufigkeit oder der Schweregrad der therapiebedingten Diarrhö blieben gleich. Die Auswertung fasst Ergebnisse unter Chemotherapie, zielgerichteter Therapie und Immuntherapie zusammen.

In den sonstigen S3-Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie gibt es keine Empfehlung zur Gabe von Probiotika beziehungsweise werden Probiotika nicht erwähnt. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Krebstherapien müssen noch weiter untersucht werden, um Eingang in die klinische Anwendung zu finden.

Kurz erklärt

Probiotika: lebende Mikroorganismen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen können, wenn sie in angemessenen Mengen verabreicht werden

Präbiotika: Stoffe, die den Mikroorganismen im Darm als Nahrungsgrundlage dienen und dadurch eine positive gesundheitliche Wirkung für den Wirt erzielen können

Synbiotika: Kombination aus Probiotika und Präbiotika

Postbiotika: Präparate aus nicht-lebenden Mikroorganismen oder deren Bestandteilen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen verschaffen 

Häufige Fragen zu Probiotika und Mikrobiom

Zum Weiterlesen: Verwendete Quellen und vertiefende Informationen

Leitlinien

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 2.1, Juni 2026, AWMF-Registernummer: 032-054OL; Zugriff am 10.08.2026.

Übersichtsarbeiten und Fachveröffentlichungen

Porcari S, Mullish BH, Asnicar F, Ng SC, Zhao L, Hansen R, O'Toole PW, Raes J, Hold G, Putignani L. International consensus statement on microbiome testing in clinical practice. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025 Feb;10(2):154-167. doi: 10.1016/S2468-1253(24)00311-X.

Weitere Quellen

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Pressemitteilung. Wie gesund ist mein Mikrobiom? Was Selbsttests nicht verraten – und warum Darmbakterien die Krebstherapie beeinflussen können (PDF); Stand: 25.06.2026.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). DGE-Blog. Das Mikrobiom – Update für die Ernährungsberatung; Stand: 2026.

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Tipps für die “Darmgesundheit”. Stand: 18.03.2026. 

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