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Hyperthermie: Wärme gegen Krebs

Seit rund einhundert Jahren versuchen Ärzte, Krebspatienten durch Überwärmen des Tumorgewebes zu behandeln. Der Fachbegriff dafür lautet Hyperthermie. Diese Wärmeanwendung soll Krebszellen zerstören und den Tumor empfindlicher machen, beispielsweise gegenüber einer Chemo- oder einer Strahlentherapie. Doch noch sind viele Fragen offen. Trotz der langjährigen wissenschaftlichen Arbeit ist die Überwärmung bis heute kein Standardverfahren der Krebsbehandlung. Und: Der Begriff Hyperthermie umfasst eine ganze Reihe zum Teil sehr unterschiedlicher Verfahren. Daher ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen über die Behandlung und den Nutzen für den Patienten zu treffen. Auch die individuelle Situation des Patienten spielt eine wichtige Rolle für die Beurteilung, ob eine Hyperthermie-Behandlung sinnvoll sein kann und wenn ja, welches Verfahren in Frage kommt. 

Dieser Text bietet Krebspatienten, Angehörigen und Interessierten einen ersten Überblick zum Thema Hyperthermie. Informationen aus dem Internet können eine ärztliche Beratung allerdings nicht ersetzen.

Erstellt: 30.06.2013
Zuletzt überprüft: 30.06.2013

Genutzte Quellen und Links

Die zur Erstellung des Textes genutzten Quellen sind für Interessierte und Fachkreise am Ende dieser Seite zusammengestellt.

Hyperthermie – ein Überblick: Was versteht man darunter in der Krebsmedizin?

Bei der Hyperthermie geht es in der modernen Medizin um die gezielte Erwärmung des Körpers oder einzelner Körperpartien. In der Krebsmedizin soll nicht der Körper selbst dazu gebracht werden, seine Temperatur zu erhöhen: Anders als bei Fieber wird dem Patienten Wärme zugeführt, die den Körper oder die von einem Tumor betroffenen Organe und Gewebe aufheizt.
Erprobt wird eine künstliche Temperatursteigerung auf Werte zwischen 40 und 45 Grad Celsius, je nach angewandter Methode. Um die Temperatur zu steigern, wenden Ärzte elektromagnetische Wellen wie etwa Mikrowellen oder Radiowellen, oder auch Ultraschall an. Es ist auch möglich, das Körperinnere mit einer erwärmten Flüssigkeit zu spülen. Ein Beispiel ist das Spülen der Bauchhöhle mit erhitzten Chemotherapie-Lösungen.
Eine weitere Unterteilung unterscheidet zwischen lokaler und regionaler Hyperthermie, bei denen die Wärmeanwendung auf ein Organ oder eine Körperpartie beschränkt bleibt, und der Ganzkörper-Hyperthermie. Viele Patienten benötigen Beruhigungs- und Schmerzmittel oder eine leichte Narkose während der eigentlichen Hyperthermie. Hinzu kommen je nach Verfahren kleinere oder größere Eingriffe, etwa um Sonden zur Temperaturkontrolle direkt in den Tumor einzubringen.

Ziel der meisten Hyperthermie-Verfahren ist es nicht, die Krebszellen direkt durch die Wärme abzutöten: Die dazu notwendigen, noch höheren Temperaturen würden auch gesundes Gewebe schädigen und den Patienten gefährden. Tumorzellen sollen durch den "Hitzestress" vielmehr empfindlicher werden: gegenüber natürlichen Abbauprozessen oder auch einer begleitenden Strahlen- oder Chemotherapie.

Weitere Forschung nötig

Auch wenn viel geforscht wird, ist die Hyperthermie bisher kein Standardverfahren, das für jeden Patienten und bei allen Krebsformen infrage käme. Die Überwärmung, allein oder in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie, sollte möglichst nur in klinischen Studien oder zumindest unter streng kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen erfolgen.

Ob die Behandlung bei solchen klinischen Prüfungen kostenlos ist, oder ob die Krankenkasse die Kosten für eine Hyperthermie übernimmt - das sollten Krebspatienten auf jeden Fall vorab klären:

  • Gesetzliche wie private Krankenversicherungen sind zunächst nicht verpflichtet, für eine Hyperthermie-Behandlung die Kosten zu tragen. Dies gilt auch für klinische Studien.
  • Ausnahmen sind möglich, wenn die Kassen sich aus Kulanz dazu entschließen oder ein Vertrag mit dem jeweiligen Studienanbieter besteht.
  • Patienten stoßen allerdings auch auf Anbieter, die eine Hyperthermie außerhalb von Studien und nicht unter entsprechend kontrollierten Bedingungen anbieten. Dann ist die Klärung der Kostenübernahme - möglichst vorab - besonders wichtig.

Kaum noch angewendet: Fiebertherapie mit pyrogenen Stoffen

Ein älterer Ansatz ist die sogenannte Fiebertherapie. Man wendet sie heute kaum noch an. Die Körpertemperatur wird hierbei durch fiebererzeugende (pyrogene) Stoffe gesteigert. Wie gegen Krankheitserreger soll dieses künstliche Fieber gegen Krebszellen wirken. Pyrogene Stoffe sind jedoch schlecht steuerbar: Die Körpertemperatur eines Patienten kann unkontrolliert hoch werden und sein Leben gefährden. Die Therapie gilt heute im Vergleich zu modernen Methoden der Hyperthermie als zu risikoreich.

Informieren vor der Behandlungswahl: Checkliste für das Arztgespräch

Wie lässt sich beurteilen, welches Verfahren für einen Patienten sinnvoll ist? Welche Methode der Überwärmung ist geeignet? Dies hängt vor allem von zwei Faktoren ab:

  • an welcher Art von Krebs ein Patient erkrankt ist und
  • wie seine individuelle Situation aussieht.
  • Ob durch das Überwärmen eine Heilung erzielt werden kann, oder
  • ob sich Betroffene lediglich einen Krankheitsaufschub erhoffen können, wird ebenfalls durch die individuelle Situation bedingt.

Vor allem gilt: Für nicht wenige Situationen im Verlauf der verschiedenen Tumorerkrankungen ist noch gar nicht ausreichend geprüft, ob Patienten die Hyperthermie überhaupt besser hilft als andere Behandlungen. Auch die möglichen Nebenwirkungen der Überwärmung müssen bei dieser Abwägung berücksichtigt werden. Pauschale Auskünfte sind daher nur schwer oder gar nicht möglich.

  • Wer sich für eine Hyperthermie-Behandlung interessiert, sollte daher mit seinem Arzt auch über alle anderen infrage kommenden Behandlungsmöglichkeiten sprechen.

Auf welche Rahmenbedingungen sollte ich als Patient achten?

Die onkologischen Fachgesellschaften empfehlen, die Hyperthermie nur im Rahmen kontrollierter Studien anzuwenden. Weiterhin wird geraten, sie stets in Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie durchzuführen, um die Wirkung zu verstärken. Hyperthermie sollte nicht als einzige Therapie angewendet werden.

  • Ärzte können prüfen, welche Studien für Patienten in der jeweiligen Situation gerade offen stehen, oder an welchen Zentren eine Hyperthermie-Behandlung außerhalb von Studien, aber unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen möglich ist.

Wer übernimmt die Kosten, wenn ich mich zu einer Hyperthermie-Behandlung entschließe?

Patienten sollten im Vorfeld einer Behandlung klären, ob ihre Krankenkasse für die Kosten der Hyperthermie aufkommt. Da die Hyperthermie derzeit in Deutschland kein Standard ist, müssen Krankenkassen die Behandlung zwar nicht zahlen. Sie können sich unter Umständen aber dazu bereit erklären, als sogenannte Einzelfallentscheidung. Vorher prüfen die Versicherungen aber zunächst die Rahmenbedingungen, unter denen die Behandlung stattfinden soll.

Welche Formen der Therapie kommen sonst noch für mich infrage, gibt es Alternativen zur Hyperthermie?

Zur Vorbereitung auf ein Arztgespräch bietet der Krebsinformationsdienst ein Informationsblatt an, als PDF unter dem Stichwort "Entscheidung für eine Behandlung – was muss ich wissen?". Ist die Teilnahme an einer Studie zur Verbesserung und Erforschung der Hyperthermie geplant, bietet das Informationsblatt "Was sind klinische Studien?" Hintergrundwissen.

Verfahren: Varianten der Hyperthermie-Behandlung

Lokale oder Oberflächen-Hyperthermie

Der betroffene Bereich wird von außen mit Ultraschall, Radio- oder Mikrowellen "bestrahlt". Die lokale Hyperthermie kann bei oberflächlichen, dicht unter der Haut liegenden Tumoren oder oberflächlichen Metastasen zum Einsatz kommen. Sie lässt sich allein anwenden, allerdings wird sie heute meist mit anderen Therapieverfahren kombiniert, etwa einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung. Ein Beispiel für die Anwendung ist die erneute Tumorbildung bei Patientinnen mit Mammakarzinom, vor allem sogenannte Brustwandrezidive. Die Oberflächenhyperthermie wird hier mit einer Strahlentherapie kombiniert. Da sie die Wirkung der Radiotherapie verstärkt, können eventuell sogar Frauen mit einer niedrigen Dosis bestrahlt werden, die bereits zuvor eine Bestrahlung dieser Körperregion hatten. Diese Anwendung ist allerdings kein Standard.

Regionale (Tiefen-) Hyperthermie

Nicht nur der eigentliche Tumor, sondern größere Körperregionen werden erwärmt. So sollen auch tiefer liegende Tumoren und Metastasen erreicht werden: Bei Tumoren des Enddarms (Rektumkarzinom) liegen beispielsweise der Beckenbereich und der Unterbauch im Hyperthermie-Feld, bei Krebs der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) der Oberbauch, und bei Weichteilsarkomen an den Extremitäten das gesamte betroffene Bein oder der betroffene Arm.
Bei der regionalen Hyperthermie arbeiten Ärzte und Medizinphysiker heute meist mit elektromagnetischen Wellen. Moderne Hyperthermie-Einheiten bestehen aus einem sogenannten Ringapplikator, der elektromagnetische Wellen erzeugt. Als Patient liegt man auf einer Liege in einer Art Ring, der die eigentlichen Strahler trägt. Sie erzeugen durch geeignete Steuerung eine - in Grenzen - kontrollierbare Erwärmung. Um die elektromagnetischen Wellen zu leiten, ist der Patient außerdem in eine Art Wasserkissen gebettet. Überhitzungen im Normalgewebe lassen sich weitgehend vermeiden, die hohe Temperatur bleibt vor allem auf den Tumor beschränkt.

Interstitielle Hyperthermie

"Antennen" oder Sonden werden in den Tumor oder an dessen Oberfläche gebracht, die eine Erwärmung direkt im Inneren der Geschwulste ermöglichen. Dieses Verfahren zählt ebenfalls zur regionalen Hyperthermie. Oft können die Sonden über natürliche Körperöffnungen an den Tumor herangeführt werden. Ist dies nicht möglich, erhält der Patient vor der Platzierung der Sonden eine örtliche Betäubung oder eine leichte Narkose. Angewendet wird diese Form der Hyperthermie bei den meisten Patienten in Kombination mit Brachytherapie, also einer Bestrahlung ebenfalls "von innen". Diese Form der Hyperthermie kann etwa bei fortgeschrittenen und wiederkehrenden Kopf-Hals-Tumoren oder auch bei Prostatakarzinomen in Frage kommen. Auch hier soll sie jedoch nur unter Studienbedingungen eingesetzt werden, so die Empfehlung der Fachgesellschaften.

Ganzkörperhyperthermie

Der gesamte Körper wird erwärmt. Früher nutzten Ärzte dazu heißes Wasser oder flüssigkeitsgefüllte Polster oder Decken und ähnliche Verfahren. Heute kommt auch die Überwärmung mit elektromagnetischen Wellen oder Infrarot infrage. Dieser Ansatz wird zur Behandlung von Krebserkrankungen untersucht, die bereits im Körper gestreut und Metastasen gebildet haben. Üblich ist die Kombination mit Chemotherapie, beispielsweise bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs der Bauchspeicheldrüse oder metastasiertem Enddarmkrebs. Zu Nutzen und Nebenwirkungen der Ganzkörperhyperthermie sind noch deutlich mehr Fragen offen als zu lokalen oder regionalen Verfahren. Deshalb sollte sie auch nur unter Studienbedingungen eingesetzt werden.

Hyperthermie mit magnetisierbaren Nanopartikeln, "Nano-Krebs-Therapie"

Hier werden winzige Teilchen, sogenannte Nanopartikel aus Eisen verwendet. Diese Teilchen können sich, abhängig von ihrer chemischen "Verpackung", besonders gut in Tumorgewebe anreichern. Bei manchen Ansätzen bringen die Ärzte magnetisierbare Nanoteilchen auch direkt in den Tumor ein. Über ein elektromagnetisches Feld lässt sich eine Erhitzung dieser Teilchen steuern.
Die zukünftige Bedeutung dieses Ansatzes lässt sich derzeit noch nicht abschätzen - bisher liegen überwiegend vorklinische, hochexperimentelle Tests vor. Frühe klinische Studien wurden bisher nur bei Patienten mit Hirntumoren durchgeführt.

Eher als Abwandlung der Chemotherapie denn als Hyperthermie im eigentlichen Sinn gelten zwei weitere Verfahren.

Hypertherme Perfusion und HIPEC

Bei dieser Anwendung der regionalen Hyperthermie erhält der Patient eine erwärmte Flüssigkeit (zum Beispiel eine Chemotherapie-Lösung): Sie wird durch die zuführenden Adern des mit Krebs betroffenen Körperteils gespült.

Auch die Spülung von Körperhöhlen mit einer heißen Lösung ist möglich. Dieser Ansatz ist in der Regel mit einem operativen Eingriff verbunden, der auch eine Narkose voraussetzt. Ein Beispiel ist die hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC): Hierbei handelt es sich um eine hypertherme Perfusion, die bei Befall des Bauchfells (Peritoneum) durch Tumorzellen angewandt wird. Nach der Entfernung des im Bauchraum befindlichen Tumors, zum Beispiel eines Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebses oder bei Eierstockkrebs, wird die Chemotherapie-Lösung erhitzt und zur Spülung des Bauchraumes verwendet. Auch bei HIPEC handelt es sich um eine Therapieform, die nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden sollte.

Therapie mit Wärme – trotzdem keine Hyperthermie im engeren Sinn

Im weiteren Sinn arbeiten auch einige andere Verfahren mit der gezielten Überwärmung von Gewebe, hier handelt es sich aber eher um eine Art "Verkochen" und nicht um Hyperthermie. So nutzen beispielsweise die hochfrequenzinduzierte Thermotherapie (HITT) und die laserinduzierte Thermotherapie (LITT) extreme Hitze.

  • Bei der HITT schieben die Ärzte während eines kleinen Eingriffs eine Nadelelektrode in den Tumor des Patienten. Meist reicht eine örtliche Betäubung oder eine leichte Narkoseform. Im Tumor erzeugt die Elektrode Temperaturen zwischen 56 und 100 Grad Celsius.
  • Bei der LITT wird ein Glasfaser-Lichtleiter ins Tumorgewebe vorgeschoben. Das Gewebe wird dann durch langwelliges Laserlicht erhitzt und zerstört.

Beide Eingriffe kommen nur bei wenigen Tumorarten infrage und sind bisher keine wirkliche Alternative zu einer Operation. Die meiste Erfahrung liegt bei Patienten mit Lebermetastasen oder Leberkrebs vor.
Auch Ultraschallwellen können gebündelt und zur Erhitzung von Tumorgewebe verwendet werden. Dieser "hochintensive fokussierte Ultraschall" (HIFU) wird meist nur zur Behandlung von Prostatakarzinomen eingesetzt.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Unerwünschte Temperaturerhöhungen im gesunden Gewebe stellen bis heute eines der wichtigsten Probleme dar, auch wenn Patienten je nach Anwendung meist nur mit Rötungen oder Schwellungen der Haut in der behandelten Region des Körpers rechnen müssen. Echte Verbrennungen sind bei guter Kontrolle selten, wenn auch nicht ausgeschlossen. Möglich sind außerdem vorübergehende und manchmal auch länger anhaltende Schmerzen in der überwärmten Region. Belastend ist die Hyperthermie außerdem für Herz und Kreislauf. Vor allem die Ganzkörperhyperthermie ist deshalb für Patienten mit Vorerkrankungen oft ausgeschlossen.
Daher fordern Experten, dass Patienten während der Behandlung gut überwacht werden: um die Temperatur im Zielgewebe zu kontrollieren, um bei Bedarf betroffene Gewebe rasch zu kühlen oder bei Schmerzen schnelle Linderung durch geeignete Medikamente zu gewährleisten. Manchmal ist es auch notwendig, die Therapie bei zu starken Nebenwirkungen ganz abzubrechen. Die Ganzkörperhyperthermie erfordert unter Umständen sogar eine intensivmedizinische Überwachung.

Im Jahr 2005 diskutierten Experten des Gemeinsamen Bundesausschusses ein weiteres Risiko: Es war zu diesem Zeitpunkt ungeklärt, ob Metastasen in gleicher Weise wie der Primärtumor durch Hyperthermie beeinflusst werden können – oder ob Hyperthermie eventuell sogar die Aussaat von Metastasen begünstigt. Tierversuche hatten dazu widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. Tatsächlich scheint dies immer noch unklar zu sein: Neuere Publikationen zu diesem Thema gibt es kaum.

Hyperthermie in Kombination mit anderen Verfahren

Wird eine Hyperthermie-Behandlung zusammen mit einer Chemotherapie und/oder Bestrahlung angewendet, müssen Patienten außerdem mit den Nebenwirkungen dieser Behandlungsansätze rechnen. Da die Hyperthermie die Wirkung beider Verfahren verstärken soll, können auch die Nebenwirkungen ausgeprägter werden, mehr darüber in den Texten zu "Chemotherapie" und "Strahlentherapie".

Wann ist eine Hyperthermie erschwert oder gar nicht möglich?

Mit besonderen Gefahren verbunden ist die künstliche Erwärmung für Patienten, die Metallimplantate im Körper tragen. So kann es in der Umgebung von Hüft- oder Kniegelenksersatz zu Verbrennungen kommen. Metalle heizen sich durch den Einfluss energiereicher elektromagnetischer Wellen in besonderem Maße auf. Für Träger von Herzschrittmachern oder sogenannten Defibrillatoren kann eine Hyperthermie-Behandlung ebenfalls riskant sein: Die oft zur Überwärmung genutzten elektromagnetischen Wellen stören unter Umständen die Funktion der Geräte, und das Material erhitzt sich genauso wie bei Implantaten wesentlich schneller und stärker als Gewebe.

Je nach Hyperthermie-Verfahren müssen Patienten einige Zeit stillliegen, oft eingepackt in eine Art Wasserkissen und umgeben von den Geräten, mit denen die Überwärmung erzeugt wird. Wer große Angst davor hat, kann ein Beruhigungsmittel oder eine leichte Schlafnarkose erhalten, falls dies nicht sowieso vorgesehen ist.

Biologische Effekte der Hyperthermie: Was weiß man bisher?

In Versuchen wurde gezeigt, dass Temperaturen von mindestens 42,5 bis 43 Grad Celsius über einen Zeitraum von etwa 40 bis 60 Minuten nötig sind, um Krebszellen abzutöten. Bei niedrigeren Temperaturen sind längere Behandlungszeiten nötig. Hyperthermie wird heute meist zusätzlich zu Bestrahlung und Chemotherapie eingesetzt. In klinischen Studien konnte eine verstärkende Wirkung der Hyperthermie beobachtet werden. Die zugrunde liegenden biologischen Zusammenhänge sind vielschichtig, bislang aber nur teilweise aufgeklärt.

Strahlentherapie und Überwärmung

Die Gefäße innerhalb von Tumoren sind oft weniger geordnet angelegt, als dies in gesundem Gewebe der Fall ist. Auch kann die Entwicklung der Gefäße bei manchen Tumoren nicht mit dem Wachstum des Tumors Schritt halten. Als Folge finden sich in größeren Tumoren nicht selten Bereiche, die schlecht mit Sauerstoff versorgt sind. Diese Krebszellen sind meist wenig anfällig für eine Strahlentherapie, reagieren aber vergleichsweise empfindlich auf Überwärmung. Durch die Verbindung von Hyperthermie und Bestrahlung soll erreicht werden, dass die Zellen, die nicht durch die Strahlentherapie geschädigt werden, durch die Hitze angegriffen werden und sich der Effekt beider Therapien addiert.
Ein Erklärungsmodell baut darauf auf, dass die Hyperthermie die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung verbessert. Da bei der Bestrahlung hochreaktive Sauerstoffverbindungen entstehen, könnte dies den verbesserten Effekt erklären. Hinzu kommt: Bereits bei Temperaturen zwischen 40 und 42 Grad beginnen die zelleigenen Reparaturmechanismen zu versagen. Die Zellen sind also nicht mehr oder nur in geringerem Maß in der Lage, die Schäden durch die Bestrahlung zu kompensieren.

Chemotherapie: Bessere Anschwemmung von Zytostatika

Durch die erhöhten Temperaturen weiten sich die Blutgefäße. Dies führt  zu einer stärkeren Durchblutung des Tumorgewebes und zu einer besseren Anschwemmung von Zytostatika in den Tumor. Dadurch gelangen auch in ursprünglich schlecht durchblutete Tumorbezirke höhere Zytostatika-Mengen, zum Beispiel ins Innere sehr großer Tumoren. So kann die Wirkung von Chemotherapie-Medikamenten auf Zellen, die unter normalen Temperaturen nur schlecht auf die Behandlung ansprechen, verbessert werden. Zudem nehmen die Zellen bei Hitze durch ihren beschleunigten Stoffwechsel mehr Zytostatika auf. Hinzu kommt eine Schädigung der zelleigenen Reparaturmechanismen durch Hitze.

Hitzeschockproteine: Signal für das Immunsystem

Bei lang andauernder und/oder wiederholter Hyperthermiebehandlung bilden Zellen in Temperaturbereichen von etwa 41 bis 43 Grad Celsius sogenannte Hitzeschockproteine (HSP), auch Stresseiweiße genannt. Diese Proteine sind Signale für die körpereigenen Killerzellen des Immunsystems, "angeschlagene" Zellen abzubauen.

Offene Fragen: Warum ist Hyperthermie keine Standardbehandlung? Wer trägt die Kosten?

Die Hyperthermie im engeren Sinn zählt in Deutschland bisher nicht zu den Standardbehandlungen bei Krebs. Außer bei einer Form der regionalen Hyperthermie beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) spielt sie in den aktuellen Leitlinien keine ausgewiesene Rolle und sollte nur im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung kommen.

Zwar belegt inzwischen eine Vielzahl von Studien, dass die Hyperthermie die Wirkung von Chemotherapie und/oder Bestrahlung verstärken kann. Noch gibt es jedoch offene Fragen, die weitere Untersuchungen notwendig machen: Welche Temperatur sollte im Tumor angestrebt werden, um die bestmögliche Wirkung zu entfalten? Wie lässt sich die Wärmeentwicklung im Körper genau messen und vor allem steuern? Mit welcher Chemotherapie lässt sich Überwärmung am besten kombinieren? In welchen zeitlichen Abständen zu anderen Verfahren ist die Hyperthermie am wirksamsten?

Wiegen die Vorteile die Nebenwirkungen und Risiken auf? Und vor allem: Bei welchen Tumorarten hilft Hyperthermie, bei welchen nicht? In welchen Krankheitsstadien ist sie wirksam, wann belastet sie nur, ohne zu nützen?

Ein entsprechend kritisches Fazit zur Hyperthermie zogen Experten im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses im Jahr 2005. Bis heute hat sich an der offiziellen Einschätzung wenig geändert, auch wenn zu einigen Verfahren inzwischen doch mehr Daten vorliegen. Da die Hyperthermie noch keine Standardbehandlung ist, sollten sich Patienten nach wie vor nur im Rahmen von klinischen Studien oder unter wissenschaftlich kontrollierten und dokumentierten Bedingungen behandeln lassen.

Anders verhält es sich mit den Behandlungsformen, die sich eher aus der Chemotherapie ableiten: Die Extremitätenperfusion mit Zytostatika ist inzwischen eine Standardbehandlung des malignen Melanoms, kommt aber nur in manchen Erkrankungssituationen in Frage.

Zur regionalen Tiefenhyperthermie in Kombination mit Chemo- und/oder Strahlentherapie gibt es inzwischen eine ärztliche Durchführungsleitlinie. Sie soll die Qualität der Behandlung unter Studienbedingungen sichern.

Kostenübernahme: Unbedingt vorher abklären

Wer die Behandlungskosten übernimmt, müssen Patienten vor Therapiebeginn mit den behandelnden Ärzten und ihrer Krankenversicherung klären. Führt ein Krankenhaus und nicht ein niedergelassener Arzt die Behandlung durch, ist die Kostenübernahme für eine stationäre Hyperthermie-Behandlung zwar theoretisch über die allgemeine Abrechnung abgedeckt. Trotzdem sollten gesetzlich wie privat Versicherte bei ihrem Leistungsträger nachfragen, wie es mit der Finanzierung ihrer Therapie aussieht. Ist die Hyperthermie nicht am Wohnort geplant, gehört zum Beispiel auch die Frage dazu, ob Transportkosten oder sonstige Sonderkosten gedeckt sind.
Es gibt jedoch auch Zentren, die mit einzelnen gesetzlichen Krankenversicherungen gezielte Absprachen getroffen haben: Im Rahmen solcher Verträge beteiligen sich diese betreffenden Kassen direkt an den Therapiekosten.

  • Achtung: Eine rechtssichere Auskunft kann grundsätzlich nur durch die behandelnden Ärzte und vor allem die Versicherung direkt erfolgen. Einen Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme haben gesetzlich Versicherte nicht, solange der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Jahre 2005 noch gültig ist.

Wird die Hyperthermie nicht stationär, sondern ambulant durchgeführt? Dann ist es für Betroffene besonders wichtig zu klären, ob Kosten auf sie selbst zukommen, oder ob sie teilweise oder ganz von ihrer Versicherung getragen werden.

Die Hyperthermie außerhalb klinischer Studien: Vorwiegend alternative Anbieter

Die Hyperthermie wird in Deutschland allerdings nicht nur in klinischen Studien und in größeren, wissenschaftlich orientierten Krankenhäusern angeboten. Es gibt niedergelassene Ärzte und kleinere Kliniken außerhalb der universitären Forschung, die gezielt mit dem Angebot einer Hyperthermie werben: Meist sind ihre Verfahren eingebettet in ein sogenanntes alternatives Behandlungskonzept.

Hier gilt für Krebspatienten ganz besonders: Ob die Kosten für eine Behandlung von der Versicherung getragen werden, sollte unbedingt vorab geklärt sein. Eine Rolle spielt hier beispielsweise auch, ob der Anbieter überhaupt eine Kassenzulassung besitzt und gewisse Mindeststandards der Behandlung nachweisen kann. Entscheiden sich Patienten für eine Hyperthermie als alternativmedizinische oder komplementäre Behandlung, fallen mögliche Risiken in weit größerem Umfang in ihren eigenen Verantwortungsbereich, als dies bei einer klinischen Studie der Fall wäre. Dies bedeutet auch: Kommt es zu Zwischenfällen, sollten Patienten zumindest wissen, wo sie schnelle Hilfe und bei Bedarf auch eine Notfallversorgung erhalten.

  • Es gibt Berichte über Anbieter, bei denen die qualitative Durchführung der Hyperthermie und die sorgfältige Überwachung möglicherweise nicht sichergestellt waren.