© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Plasmabeutel, Foto: Deutsche Knochenspenderdatei DKMS, www.dkms.de © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Transplantation von Blutstammzellen

Wissenswertes für Spender und Empfänger

Blutstammzellen befinden sich im Knochenmark. Aus ihnen werden kontinuierlich Blutzellen nachgebildet. Sie ersetzen die aufgrund der natürlichen Alterung zugrunde gehenden Zellen. Zerstört eine hochdosierte Chemotherapie oder Strahlentherapie zur Therapie von Krebs die Blutstammzellen im Körper vollständig oder weitgehend, braucht der Betroffene neue Blutstammzellen. Diese kann er über eine sogenannte Blutstammzell-Transplantation erhalten. So bezeichnet man die Übertragung von gesunden Blutstammzellen. Es können entweder eigene Blutstammzellen verwendet werden, die zuvor abgenommen wurden. Oder es werden Stammzellen transplantiert, die von einer Spenderin oder einem Spender stammen. Diese Behandlung erhalten vor allem Patienten mit verschiedenen Formen von Blutkrebs, zum Beispiel Leukämie. Sie haben damit die Chance auf eine dauerhafte Heilung.

Betroffene und Interessierte erfahren in diesem Text, wann eine Blutstammzell-Transplantation notwendig wird und finden Antworten auf häufige Fragen zur Stammzelltransplantation.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Biologie der Blutstammzellen

Entwicklung von Blut- und Immunzellen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Blut- und Immunzellen entstehen im Knochenmark © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Ohne Blutstammzellen können Menschen nicht lange überleben. Aus diesen "Alleskönnern" im Knochenmark entwickeln sich in vielen Teilungsschritten rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen.

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff durch den Organismus. Gibt es von ihnen zu wenige, kommt es zu Blutarmut (Anämie).
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) richten sich als Teil der Immunabwehr gegen Krankheitserreger und körperfremde Strukturen. Sie produzieren Antikörper und beseitigen Reste, die beim Zerfall von Zellen entstehen.
  • Blutplättchen (Thrombozyten) sind für die Blutgerinnung unerlässlich. Ein Mangel erhöht die Gefahr von Blutungen.

Fertige oder "reife" Blutzellen haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Die äußerst leistungsfähigen Blutstammzellen sichern den Nachschub: Pro Tag produzieren sie Ersatz für mehrere Milliarden Blutzellen. Zudem sorgen sie auch selbst für neue Blutstammzellen. Diese finden sich vor allem im Knochenmark großer Knochen, also in den Wirbelkörpern, Rippen, im Brustbein, Becken, Oberschenkelknochen, Schädelknochen, Schulterblättern und Schlüsselbeinen. Im Blut selbst kommen sie nur in sehr geringer Zahl vor.

Gründe für eine Blutstammzell-Transplantation

Chance auf Lebensverlängerung oder Heilung: Heutzutage erhalten vorwiegend Patientinnen und Patienten mit einer Blutkrebserkrankung eine Blutstammzell-Transplantation.

  • Eine autologe Blutstammzell-Transplantation kann – im Vergleich zu einer weniger intensiven Behandlung – bei einigen Krebserkrankungen das Leben der Betroffenen verlängern. Ein Beispiel ist das multiple Myelom. Oder sie bietet in bestimmten Erkrankungssituationen die beste Chance auf eine dauerhafte Heilung. Dies gilt beispielsweise für viele Hodgkin-Lymphom-Patienten mit einem Rückfall.
  • Eine allogene Blutstammzell-Transplantation kann bei einigen Krebserkrankungen die beste oder sogar einzige Chance auf eine dauerhafte Heilung sein – etwa bei einem myelodysplastischen Syndrom oder einer akuten Leukämie.

Individuelle Entscheidung: Ob eine Blutstammzell-Transplantation für den einzelnen Patienten oder die einzelne Patientin infrage kommt, wägen Ärzte individuell und gemeinsam mit Betroffenen ab. Der Nutzen einer solchen Behandlung ist dabei von vielen Faktoren abhängig: Etwa von der Erkrankungssituation, dem allgemeinen Gesundheitszustand und ob eine Transplantation mit eigenen oder mit fremden Blutstammzellen geplant ist.

Auswirkungen von Krebstherapien auf Blutstammzellen

Bereits eine "übliche" Chemotherapie kann die Blutbildung schädigen. Dabei hängen Ausmaß und Dauer der Schädigung von der Dosierung der Chemotherapie ab. Eine Strahlentherapie stört die Blutbildung in der Regel nur messbar, wenn Knochen mit viel Knochenmark im Strahlenfeld liegen.

Aber: Die meisten Betroffenen erholen sich von diesem kurzfristigen Mangel an roten oder weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen relativ schnell. Eine dauerhafte Schädigung müssen die meisten Krebspatienten bei einer "normal" dosierten Chemo- oder Strahlentherapie nicht befürchten.

Anders bei einer intensiven Krebstherapie: Verspricht eine herkömmliche Krebsbehandlung keinen ausreichenden Erfolg oder kommt der Krebs nach einer Behandlung wieder, können Ärzte bei bestimmten Patienten eine sehr hoch dosierte Chemotherapie oder eine Bestrahlung des ganzen Körpers (Ganzkörperbestrahlung) einsetzen. Dies ist beispielsweise für Erkrankte mit Lymphknotenkrebs, multiplem Myelom oder bestimmten Formen von Blutkrebs (akute und chronische Leukämien) eine Behandlungsoption.

So eine Hochdosistherapie kann die Krebszellen besser abtöten. Sie zerstört aber auch die blutbildenden Zellen im Knochenmark. In bestimmten Erkrankungssituationen ist das oft die einzige Möglichkeit, das Tumorwachstum zu beherrschen und den Erkrankten eine Chance auf eine dauerhafte Heilung zu bieten.

Betroffene müssen dann möglichst rasch neue Blutstammzellen erhalten. Entweder von einem Spender oder je nach Erkrankung auch eigene, gesunde Stammzellen, die vor der Krebstherapie entnommen wurden.

Ablauf der Blutstammzell-Transplantation

Wichtige Begriffe – allogen und autolog:

  • Die Stammzellenübertragung von einem Menschen auf den anderen nennt man "allogen".
  • Spendet der Patient oder die Patientin für sich selbst, nennt man die Vorgehensweise "autolog".

Ob man allogene oder autologe Stammzellen erhält, hängt von verschiedenen Umständen ab. Vor allem von der Art der Erkrankung, aber auch dem allgemeinen Gesundheitszustand. Eine Rolle spielt auch die Verfügbarkeit eines Spenders.

Die Tumorerkrankung möglichst gut zurückdrängen

Bis die Blutstammzell-Transplantation durchgeführt wird, erhalten Betroffene meist eine "normal" dosierte Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente gegen die Tumorerkrankung. Diese Behandlung soll die Tumorzellen schon vor der Blutstammzell-Transplantation möglichst weit zurückzudrängen.

Die Hochdosistherapie oder Konditionierung

Möglichst alle Tumorzellen zerstören: Die Blutstammzell-Transplantation selbst beginnt mit einer sogenannten Hochdosistherapie, auch Konditionierungstherapie genannt. Durch diese sehr hoch dosierte Chemotherapie oder gegebenenfalls auch Strahlentherapie des ganzen Körpers sollen möglichst alle Tumorzellen im Körper zerstört werden.

Wichtig bei einer allogenen Transplantation: Die Konditionierung schaltet zusätzlich das körpereigene Abwehrsystem des Empfängers aus. Das trägt dazu bei, dass der Körper die transplantierten Spenderstammzellen nicht abstößt.

Auch gesunde Zellen im Knochenmark werden abgetötet: Von der Hochdosistherapie können praktisch alle blutbildenden Zellen betroffen sein. Fachleute sprechen dann von einer "myeloablativen Konditionierung". Ist nur ein Teil der Blutstammzellen im Knochenmark und der Zellen des Immunsystems betroffen, spricht man von einer "nicht-myeloablativen Konditionierung".

Nebenwirkungen lindern und vorbeugen: Die Hochdosistherapie führt zu Nebenwirkungen. Deshalb erhält der Patient eine Vielzahl von begleitenden Medikamenten, um die Nebenwirkungen zu mildern oder ihnen vorzubeugen.

Die Transfusion der Blutstammzellen

Nach der Konditionierung erhalten Betroffene die zuvor gesammelten eigenen oder fremden Blutstammzellen:
Die Blutstammzellen werden über eine kurze Infusion oder eine Spritze in eine große Körpervene übertragen. Der Empfänger wird dabei engmaschig überwacht.

Neue Blutzellen reifen heran: Die Blutstammzellen wandern innerhalb weniger Tage ins Knochenmark der Patientin oder des Patienten und beginnen dort, neue Blutzellen zu bilden. Nach zwei bis vier Wochen zeigt sich, ob die übertragenen Blutstammzellen ausreichend neue Blutzellen bilden.

Gewinnung der Blutstammzellen

Früher wurden die Blutstammzellen für eine Transplantation ausschließlich aus dem Knochenmark gewonnen. Heute gibt es drei Möglichkeiten, die Blutstammzellen für eine Transplantation zu gewinnen:

  • aus dem Knochenmark
  • aus dem peripheren Blut
  • aus Nabelschnurblut

Stammzellen aus dem Knochenmark

Die Ärzte entnehmen die Blutstammzellen aus dem Knochenmark des Beckenknochens. Wegen der notwendigen Vollnarkose ist dafür ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Neben den Risiken einer Narkose kann es an der Einstichstelle zu Entzündungen, Blutungen oder Schmerzen kommen.

Periphere Stammzelltransplantation

Die Ärzte gewinnen die Blutstammzellen über eine besondere Form der "Blutspende". Bei Spendern ist dazu eine mehrtägige Vorbehandlung mit einem Wachstumsfaktor notwendig, damit möglichst viele Blutstammzellen aus dem Knochenmark ins Blut wandern. Das Sammel- /Entnahmeverfahren, auch Zytapherese genannt, dauert etwa 2-4 Stunden. Man kann es ambulant durchführen. Gegebenenfalls muss die Entnahme an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen erfolgen. Spender spüren während der Entnahme oft ein vorrübergehendes Kribbeln oder "Ameisenlaufen".

Ganz allgemein gilt: Ob periphere Blutstammzellen für den erkrankten Patienten als Spende geeignet sind, oder ob eine Knochenmarkspende besser ist, entscheidet sich anhand der konkreten medizinischen Situation.

Nabelschnurblut: Weitere Quelle für Stammzellen

Einen vergleichsweise geringeren Stellenwert als Quelle für Stammzellen hat das Nabelschnurblut Neugeborener. Es enthält ebenfalls viele Blutstammzellen.

Mögliche Vorteile: Nabelschnur-Blutstammzellen sind leicht und ohne Risiko für den Spender zu sammeln. Zudem besteht ein geringeres Risiko, dass das Nabelschnurblut bereits mit Viren in Kontakt gekommen ist. Da die darin enthaltenen Abwehrzellen noch "unreif" sind, reagieren sie noch nicht so gezielt gegen fremde Gewebeeigenschaften. Deshalb sind Transplantate mit gespendetem Nabelschnurblut für die meisten Empfänger besser verträglich.

Mögliche Nachteile: Die Zahl der verfügbaren Blutstammzellen ist für manche Empfänger zu gering. Für einen erwachsenen Empfänger sind daher manchmal zwei Nabelschnurblut-Präparate notwendig. Selbst wenn die Menge der verfügbaren Zellen ausreicht, kann es länger dauern, bis beim Empfänger nach einer Transplantation die Blutbildung wiedereinsetzt.

Für wen kommt eine Stammzellspende aus Nabelschnurblut infrage? Stammzellen aus der Nabelschnur werden heute fast ausschließlich allogen transplantiert, das heißt, eine Spende kommt einem anderen Menschen zugute.

Kann man Nabelschnurblut des eigenen Kindes aufbewahren, falls es später erkranken sollte? Zwar werben private Nabelschnurblutbanken bei werdenden Eltern genau damit: Sie würden die Stammzellen des Kindes als "stille Reserve" für spätere Erkrankungen einlagern. Fachleute argumentieren jedoch dagegen: Bei den Krebserkrankungen und anderen Leiden, bei denen Kinder Blutstammzellen benötigen, verwendet man in aller Regel nicht eigene, sondern fremde Zellen: Die zugrundeliegende Erkrankung kann bereits im eingefrorenen Transplantat angelegt sein und soll auf keinen Fall rückübertragen werden. Fremde Spenderzellen können außerdem wie eine Immuntherapie wirken, da die Abwehrzellen des Spenders die kranken Zellen des Empfängers regelrecht bekämpfen.

Wissenswertes für Empfänger von Blutstammzellen

Warum kann die Transplantation selbst etwas gegen die Krebserkrankung ausrichten? Was hat es mit einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion auf sich? Was ist eine Minitransplantation? Und mit welchen Nebenwirkungen müssen Empfänger rechnen? Antworten bieten die folgenden Textabschnitte.

Allogene Stammzelltransplantation: Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion

Bei der allogenen Stammzelltransplantation erhält der Empfänger – vereinfacht ausgedrückt – ein "neues" Immunsystem. Unterscheiden sich Spender und Empfänger hinsichtlich bestimmter Gewebemerkmale (sogenannte HL-Antigene) zu sehr voneinander, können die transplantierten Zellen das Gewebe des Empfängers als fremd erkennen. Sie versuchen, das Gewebe ihres neuen "Wirts" zu bekämpfen. Man spricht von "Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion" (englisch "Graft-versus-Host-Disease", GvHD).

  • Greifen die neuen Immunzellen die Haut oder innere Organe des Empfängers an, kann es zu schwerwiegenden und unter Umständen sogar gefährlichen Nebenwirkungen kommen. Dann benötigen Patienten Medikamente, um die unerwünschte Immunreaktion zu unterdrücken.

Die übertragenen Abwehrzellen des Spenders greifen aber auch eventuell noch verbliebene Krebszellen des Empfängers an ("Transplantat-gegen-Tumor-Effekt", englisch "Graft-versus-Tumor, GvT). Dieser Effekt kann bis zu einem gewissen Grad erwünscht sein, denn: In diesem Fall trägt die Immunreaktion zur Heilung bei.

Minitransplantation: Stammzellübertragung mit verminderter Konditionierung

Bei einer allogenen Transplantation muss die knochenmarkzerstörende Chemo- oder Strahlentherapie (Konditionierung) nicht immer so intensiv sein, dass das Knochenmark vollständig zerstört wird. Eine solche reduzierte Konditionierung stellt lediglich sicher, dass die übertragenen Blutstammzellen im Knochenmark anwachsen können und nicht abgestoßen werden.

Das Abwehrsystem des Spenders nutzen: Die restlichen bösartigen Zellen werden durch den "Transplantat-gegen-Tumor-Effekt" zerstört.

Fachleute sprechen von einer "Stammzelltransplantation nach reduzierter Konditionierung" oder "Minitransplantation".

Vorteil einer solchen Minitransplantation: Durch die weniger intensive Hochdosistherapie kommt es zu weniger Nebenwirkungen.

Nachteile sind: Das Knochenmark des Empfängers wird nicht gänzlich ausgeschaltet: Dadurch können andere Probleme entstehen. Eventuell richtet sich das Immunsystem des Empfängers gegen das Transplantat und die neuen Blutstammzellen werden abgestoßen (Transplantatversagen, graft failure). Dann müssen Betroffene zusätzlich Medikamente erhalten, die die Immunreaktion bremsen und für eine gegenseitige Toleranz "neuer" und "alter" Zellen sorgen.

Autologe Stammzelltransplantation: Keine Abstoßung

Da bei einer autologen Stammzelltransplantation Spender und Empfänger dieselbe Person sind, treten keine Abstoßungsreaktionen auf.

Bei der autologen Transplantation entnehmen Ärzte dem Patienten oder der Patientin eigene Blutstammzellen entnommen und frieren sie ein. Dies geschieht in dem Zeitfenster zwischen der herkömmlichen Krebstherapie und der Hochdosis-Therapie.

Mobilisierung: Dafür müssen die Blutstammzellen aus dem Knochenmark ins fließende Blut "gelockt" (mobilisiert) werden. Das erreicht man in der Regel mit einer Chemotherapie und/oder sogenannten Wachstumsfaktoren.

Betroffene erhalten die Blutstammzellen zurück, nachdem bei ihnen mit einer intensiven Krebstherapie (Konditionierung) das Knochenmark zerstört wurde.

Nebenwirkungen und Risiken für Empfänger

Nebenwirkungen der Krebstherapie: Die Nebenwirkungen einer Blutstammzell-Transplantation treten vor allem im Zusammenhang mit der intensiven Chemotherapie oder Bestrahlung auf, die im Vorfeld stattfindet. Informationen hierzu finden Sie in unseren Texten

Einige der Symptome treten sofort auf und klingen bald wieder ab. Andere Nebenwirkungen machen sich erst mit Verzögerung bemerkbar und bleiben teilweise bestehen.

Geschwächtes Immunsystem: Bis nach einer weitgehend vollständigen Knochenmarkzerstörung das Immunsystem wieder voll leistungsfähig ist, sind Betroffene für einige Tage bis Wochen schwer abwehrgeschwächt. Sie müssen in dieser Zeit durch unterstützende Maßnahmen vor Infektionen geschützt werden.

Abstoßungsreaktionen: Zudem besteht bei allogener Transplantation das Risiko einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion: Dabei erkennen die Stammzellen des Spenders den Organismus des Empfängers als fremd und greifen diesen an. Das kann zu schwerwiegenden Beschwerden an unterschiedlichen Organen führen. Betroffene benötigen dann immununterdrückende Medikamente, die ihrerseits Nebenwirkungen haben.

Autolog versus allogen: Häufigkeit und Ausprägung von Nebenwirkungen sind in der Regel bei der autologen Blutstammzelltransplantation geringer als bei der allogenen (Blutstammzelltransplantation). Für bestimmte Erkrankungen ist die allogene Transplantation jedoch die einzige Chance auf eine Heilung. Wissenschaftler suchen derzeit nach Wegen, bei der allogenen Übertragung zwar einerseits die Nebenwirkungen einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion zu verhindern, zugleich aber den Transplantat-gegen-Tumor-Effekt gezielter einsetzen zu können.

Geeignete Zentren: Um Patienten größtmögliche Sicherheit während dieser belastenden Therapie zu gewährleisten, wird sie nur an Zentren mit großer Erfahrung angeboten, die pro Jahr zudem eine Mindestzahl von Transplantationen nachweisen müssen. Besondere Schutzmaßnahmen sind notwendig, um Patientinnen und Patienten vor Infektionen zu schützen. Diese Zentren beteiligen sich zudem an der klinischen Forschung zur Weiterentwicklung der Stammzelltransplantation.

Wissenswertes für Spender von Blutstammzellen

Wer kann Blutstammzellen spenden? Wie läuft eine Registrierung ab? Und geht man bei der Spende von Blutstammzellen Risiken ein? Antworten bieten die folgenden Textabschnitte.

Wer kann Stammzellen spenden?

Die Suche nach einem Stammzellspender beginnt in der Regel bei den engsten Verwandten eines Patienten. Nicht alle Menschen, die im Verlauf einer medizinischen Behandlung auf die Übertragung von fremden (allogenen) Stammzellen angewiesen sind, finden jedoch im familiären Umfeld einen passenden Spender.

Datenbanken: Nationale und internationale Datenbanken ermöglichen in diesen Fällen die Suche nach nicht verwandten Spendern. Je mehr Menschen dort erfasst sind, desto größer sind die Chancen für einen Erkrankten, das benötigte Transplantat zu erhalten.

Geeignete Spender: Als Spender kommt im Prinzip jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren infrage. Ausschlusskriterien sind beispielsweise bestimmte chronische Erkrankungen. Interessenten können sich bei einer der verschiedenen Spenderdateien in Deutschland erkundigen und sich gegebenenfalls registrieren lassen.

Ablauf: Zur Registrierung genügt heute meist ein Abstrich von der Wangenschleimhaut. Aus den gewonnenen Körperzellen können die sogenannten HLA-Merkmale bestimmt werden. Die Abkürzung HLA steht für Humane Leukozyten-Antigene. Dabei handelt es sich um Strukturen auf den Oberflächen der Zellen im Körper. Sie helfen dem Immunsystem, eigenes von fremdem Gewebe zu unterscheiden.

  • Für diese erste "Typisierung" ist meist kein Arztbesuch notwendig. Sollte man später als Spender infrage kommen, erfolgen weitere Untersuchungen. Die Einwilligung zur Spende kann jederzeit widerrufen werden.

Kosten: Die Krankenkassen dürfen die Kosten der Ersttypisierung von Spendern nicht übernehmen. Dieser Bereich finanziert sich deshalb überwiegend aus Spenden.

  • Nimmt man an einer öffentlichen Typisierungsaktion teil, kann man sich meist kostenlos registrieren lassen. Gegebenenfalls wird dabei um eine Geldspende gebeten.
  • Manchmal muss man die Ersttypisierung auch selbst bezahlen.

Kommt es tatsächlich zu einer Blutstammzell-Spende, trägt die Versicherung des Empfängers die rund um eine Transplantation anfallenden Kosten.

Nebenwirkungen und Risiken für Spender

Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Menschen, die sich als Spender registrieren lassen, werden später tatsächlich um eine Stammzellspende gebeten.

Voruntersuchungen zum Schutz von Spender und Empfänger: Kommt es zu einer Blutstammzell-Transplantation, erfolgen eingehende Voruntersuchungen:

  • Der Spender wird gründlich untersucht. Denn: Nur wer ganz gesund ist, kann ohne Gefahr für die eigene Gesundheit Blutstammzellen spenden.
  • Darüber hinaus schließt man so beispielsweise auch aus, dass vom Spender Krankheitserreger auf den Empfänger übertragen werden.
  • Geprüft wird auch, ob der Spender wirklich passt. Dafür untersucht man nochmals genau, ob die wichtigsten HLA-Merkmale übereinstimmen. Für diese sogenannte "Bestätigungstypisierung" wird eine Blutprobe des Spenders benötigt. Die Testung und Überprüfung übernimmt die entsprechende Spenderdatei. Die Blutentnahme beim Spender kann auch der Hausarzt durchführen.

Nebenwirkungen der peripheren Blutstammzellspende: Die Stammzellspende aus dem Blut verläuft nicht sehr viel anders als eine Blutspende. Da normalerweise aber nur sehr wenige Stammzellen im Blut "unterwegs" sind, erhalten Spender einige Tage vorher ein Medikament, das die Bildung der Blutzellen im Knochenmark anregt: den sogenannten Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor (G-CSF). Damit werden auch viele Blutstammzellen aus dem Knochenmark mobilisiert und gehen ins Blut über: Mögliche Nebenwirkungen sind grippeähnliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Knochenschmerzen. Schwere Komplikationen sind sehr selten. Befürchtungen, G-CSF könnte das Erbmaterial der Blutzellen schädigen und so bei Spendern selbst langfristig ein myelodysplastisches Syndrom oder eine Leukämie begünstigen, konnten nicht bestätigt werden.

Nebenwirkung der Knochenmarkspende: Heute seltener eingesetzt wird die Knochenmarktransplantation. Sie bedeutet für den Spender einen kleineren operativen Eingriff unter Vollnarkose. Dabei saugen die Ärzte mit einer Hohlnadel Blut aus dem Knochenmark ab, meist aus dem Beckenknochen. Spender können meist am Tag nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen, Schmerzen an der Punktionsstelle klingen in der Regel rasch ab. Die Erholungsphase, in der sich das entnommene Knochenmark nachbildet, erfordert aber noch einige Zeit länger körperliche Schonung. Die Risiken sind insgesamt gering: Über die üblichen Narkose- und Operationsrisiken hinaus können Infektionen und Blutungen auftreten.

Kann man sich aussuchen, ob man periphere Stammzellen spenden möchte oder Knochenmark? Die Spende ist freiwillig – was man bereit ist zu tun, ebenfalls. Als Spender sollte man jedoch wissen: Für manche Patienten kann gespendetes Knochenmark besser "funktionieren" als periphere Stammzellen oder umgekehrt. Über Details informieren die beteiligten Ärzte.

Linktipps, Quellen und weiterführende Informationen für Fachkreise

Die folgende Übersicht stellt eine Auswahl von Linktipps sowie der genutzter Quellen dar. Nicht aufgeführt sind beispielsweise örtliche oder nur zeitweilig bestehende private Initiativen zur Suche nach Stammzellspendern. Entsprechende Angaben sind aber in der Regel über die genannten Organisationen zu erhalten.