In Deutschland leben mehr als 5 Millionen Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung. Bei 2 von 3 dieser Krebs-Überlebenden (engl. "Cancer Survivor") liegt die Diagnose mehr als 5 Jahre zurück. Fachleute sprechen dann von Krebs-Langzeit-Überlebenden.
Die Studie im Überblick
- Teilnehmende: über 6.000 Langzeit-Überlebende mit oder nach Brust-, Darm- oder Prostatakrebs.
- Beobachtungszeit: bis zu 12 Jahre.
- Untersuchte Lebensstil-Faktoren: Rauchen, Bewegung, Körpergewicht, Alkoholkonsum.
- Methode: Die Forschenden bewerteten alle 4 Faktoren gemeinsam. Je mehr Empfehlungen jemand einhielt, desto gesünder war sein Lebensstil. Ein einzelner schwacher Wert reichte noch nicht, um den Lebensstil insgesamt als ungesund einzustufen.
- Forschungsfrage: Wie stark beeinflussen diese Faktoren das Sterberisiko?
Wer nicht raucht, profitiert am meisten
Langzeit-Überlebende mit einem gesünderen Lebensstil lebten deutlich länger. In der Studie starben pro Jahr etwa 46 von 1.000 Betroffenen mit ungesundem Lebensstil, bei gesundem Lebensstil nur 30. Das ist rund ein Drittel weniger.
Die Faktoren und ihre Auswirkungen im Einzelnen:
- Nichtrauchen senkte das Sterberisiko am stärksten. Pro Jahr starben unter Nie-Raucherinnen und Nie-Rauchern nur halb so viele wie unter Rauchenden.
- Auch Bewegung senkte das Sterberisiko deutlich. Fachleute empfehlen mindestens 150 Minuten pro Woche, also gut 20 Minuten pro Tag. Dazu zählen etwa zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Gartenarbeit.
- Auch das Körpergewicht beeinflusste das Sterberisiko. Am niedrigsten war es bei Normalgewicht und leichtem Übergewicht. Höher war es bei starkem Übergewicht (Adipositas) und bei Untergewicht.
- Beim Alkohol war das Ergebnis nicht eindeutig. Aus anderen Studien ist jedoch bekannt, dass Alkohol das Krebsrisiko erhöht. Daher gilt: Je weniger, desto besser. Fachleute raten, am besten ganz auf Alkohol zu verzichten.
Gut zu wissen
Diese Ergebnisse waren unabhängig von Alter, Geschlecht und Krebsart. Auch wer zusätzlich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes hatte, profitierte von einem gesunden Lebensstil.
Anfangen lohnt sich, denn jede Verbesserung zählt
Auch wer nur einzelne Gewohnheiten ändert, profitiert: In der Studie war das Sterberisiko umso niedriger, je mehr Empfehlungen jemand befolgte. Gleichzeitig hielt sich über die Hälfte der Teilnehmenden nur an einen Teil der Empfehlungen.
Für viele gibt es also noch Spielraum und jede zusätzliche Verbesserung des Lebensstils macht sich bezahlt.
Gut zu wissen
Gewohnheiten zu ändern, kostet Kraft – besonders nach einer Krebstherapie. Sie müssen nicht alles auf einmal angehen und Sie müssen das auch nicht allein schaffen.
- Sprechen Sie bei Ihren Nachsorge-Terminen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Ziele für Sie realistisch sind.
- Auch eine psychoonkologische Beratung kann Sie dabei unterstützen. Das ist eine psychologische Beratung speziell für Menschen mit Krebs. Anlaufstellen sind zum Beispiel die psychosozialen Krebsberatungsstellen.
Häufige Fragen zum Lebensstil nach Krebs
Gilt das Ergebnis der Studie auch für meine Krebsart?
Sehr wahrscheinlich ja. Die Studie umfasste Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Bei allen 3 Krebsarten war der positive Effekt vergleichbar. Für andere Krebsarten ist die Datenlage noch begrenzt.
Grundsätzlich gilt aber: Ein gesunder Lebensstil hat viele positive Effekte auf den Körper. Welche Empfehlungen für Ihre Situation am besten passen, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Wie werde ich unterstützt, wenn ich mit Krebs Sport machen möchte?
Wenn Sie sich mit oder nach Krebs mehr bewegen möchten, helfen Ihnen dabei einige Angebote. Die meisten kosten Sie nichts:
- Rehasport auf Rezept: Die Kosten übernimmt die Krankenkasse oder die Rentenversicherung.
- Sportgruppen für Menschen mit Krebs: Der Deutsche Behindertensportverband vermittelt Gruppen in Ihrer Nähe. Für die Teilnahme reicht die Diagnose, eine formelle Behinderung ist nicht nötig.
- Vermittlung und Information: Das vom NCT Heidelberg koordinierte Netzwerk OnkoAktiv vermittelt qualitätsgeprüfte Bewegungsangebote in Ihrer Nähe. Therapeutinnen oder Therapeuten mit einer Zertifizierung für Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie finden Sie auf der Website des Centrums für Integrierte Onkologie der Uniklinik Köln.
- Information und Beratung: Das Projekt IMPLEMENT bietet verständliche Informationen zu Bewegung bei Krebs. Es vermittelt Angebote in Ihrer Nähe und eine kostenfreie Sportberatung.
Lohnt es sich, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ich schon lange rauche?
Ja. Auch ehemalige Rauchende hatten in der Studie ein deutlich niedrigeres Sterberisiko als aktive Raucherinnen und Raucher. Ein Rauchstopp lohnt sich in jeder Situation.
Tipps und Hilfsangebote finden Sie in unserem Text Rauchen verursacht Krebs.
Zum Weiterlesen
- Unser Informationsblatt für Langzeit-Überlebende (PDF).
- Warum Bewegung bei und nach Krebs hilft, erfahren Sie in unserem Text Bewegung und Sport: Tipps für Krebspatienten.
- Wie Sie sich bei und nach Krebs gut ernähren, lesen Sie in unserem Text Ernährung bei Krebs.
- Ein gesundes Körpergewicht senkt das Risiko, erneut an Krebs zu erkranken. Mehr dazu in unserem Text Starkes Übergewicht vermeiden – Krebs vorbeugen.
Quellen und Links (Auswahl)
- DKFZ-Pressemitteilung Nr. 08/2026: "Auch Krebs-Langzeit-Überlebende profitieren von gesundem Lebensstil" (09.02.2026), abgerufen am 28.05.2026.
- Zhu C, Thong MSY, Doege D, Koch-Gallenkamp L, Bertram H, Eberle A, Holleczek B, Nennecke A, Waldmann A, Zeißig SR, et al. Lifestyle factors and all-cause mortality in long-term cancer survivors: a population-based prospective cohort study. Eur J Epidemiol. 2026 Feb; 41(2): 161–171. doi: 10.1007/s10654-025-01350-6.

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