Korrelation oder Kausalität: Was der Unterschied für die Bewertung von Krebsrisiken bedeutet

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Von: Teresa Glauner (Krebswissenschaftlerin, M.Sc.)

Soll etwas in Zusammenhang mit Krebs stehen, sorgt das oft für Schlagzeilen in den Medien und Verunsicherung in der Bevölkerung. Häufig sind das zunächst nur beobachtete, statistische Zusammenhänge. Ob dahinter ein tatsächlicher Risikofaktor für Krebs steckt, also eine Ursache, lässt sich daraus nicht ableiten. Wir erklären, warum es entscheidend ist, zwischen Korrelation und Kausalität zu unterscheiden.

Lexikon

Beobachtungsstudien: Darin werden große Bevölkerungsgruppen rückblickend über einen bestimmten Zeitraum “beobachtet“. Forschende erfassen zahlreiche Informationen – etwa zu Lebensstil, Beruf, Vorerkrankungen oder anderen möglichen Risikofaktoren.

Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung zu möglichen Krebsauslösern stammen häufig zunächst aus sogenannten Beobachtungsstudien.

Um solche Studien richtig einzuordnen, ist entscheidend: Beobachtungen zeigen zunächst nur statische Zusammenhänge (Korrelationen). Sie liefern jedoch keine Beweise für ursächliche Zusammenhänge (Kausalität).

Illustration von 2 Frauen vor einem Hintergrund, in dem 2 Graphen einen ähnlichen Verlauf zeigen.
In den Medien kursieren häufig angebliche Zusammenhänge mit dem Krebsrisiko: von Mundspülung, zu Kaffee oder Milch. [Symbolbild].
Bild: pch.vector, freepik

Was bedeutet Korrelation? Eine Korrelation beschreibt einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Faktoren oder Sachverhalten. 

  • Ein Beispiel aus der Krebsforschung: Forschende konnten feststellen, dass Frauen, die regelmäßig viel Kuhmilch verzehrten, ein höheres Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken. Das heißt jedoch noch nicht automatisch, dass Kuhmilch Brustkrebs verursacht. Denn aus den Beobachtungsdaten lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Es fehlen geeignete Untersuchungen oder Experimente, die einen möglichen biologischen Mechanismus für eine eventuelle Risikoerhöhung aufklären konnten.

Was bedeutet Kausalität? Eine Kausalität beschreibt dagegen einen ursachlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Faktoren oder Sachverhalten. Fachleute sprechen auch von einer nachweislichen Ursache-Wirkung-Beziehung. 

  • Ein Beispiel aus der Krebsforschung: Forschende konnten wissenschaftlich belegen, dass Rauchen direkt zur Krebsentstehung beiträgt: Sie konnten die krebserzeugende Wirkung von den Stoffen im Tabakrauch auf menschliche Zellen mit geeigneten Experimenten und Untersuchungen nachweisen. Damit ist Rauchen ein Risikofaktor für Krebs, vor allem Lungenkrebs. Es liegt eine nachweisliche Ursache-Wirkung-Beziehung vor. 

Kurz erklärt

Korrelation zeigt, dass Sachen zusammenhängen. Kausalität erklärt, warum.

Warum ist der Unterschied so wichtig?

Zum Weiterlesen

Die Stiftung Gesundheitswissen hat das Eiscreme-Beispiel genutzt, um in einem Video den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität zu erklären.

Das Video finden Sie hier: Korrelation und Kausalität: Was ist der Unterschied?

Statistische Zusammenhänge allein reichen nicht aus, um daraus eine direkte krebserregende Wirkung von einem möglichen Risikofaktor abzuleiten. Es wäre schließlich möglich, dass die Beobachtungen rein zufällig sind. Oder es gibt einen weiteren bislang unbekannten Faktor, der die eigentliche Ursache – der eigentliche Risikofaktor – ist.

  • Ein beliebtes Beispiel dafür bezieht sich auf Hautkrebs: Beobachtungen zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Eis essen, häufiger an Hautkrebs erkranken. Bedeutet das, dass Eis Hautkrebs auslöst? Nein. Der Eiskonsum hängt vielmehr mit dem eigentlichen Risikofaktor zusammen: der UV-Strahlung. Wer häufig Eis isst, hält sich oft draußen in der Sonne auf und ist dadurch stärker UV-Strahlung ausgesetzt – dem experimentell nachgewiesenen Hauptrisikofaktor für Hautkrebs.

Sind Beobachtungsstudien deswegen nutzlos? Nein, Erkenntnisse aus solchen Studien liefern häufig wertvolle Hinweise darauf, wo weitere Forschung sinnvoll ist. In der Regel sind dann im Anschluss kontrollierte Untersuchungen oder Experimente im Labor erforderlich, um den ursächlichen Zusammenhang nachzuweisen. Erst wenn diese weiterführende Studien eine tatsächliche Ursache-Wirkung-Beziehung bestätigen, lässt sich klar sagen: 

  • Ja, dieser Faktor begünstigt die Entstehung von Krebs. Es ist ein Risikofaktor für Krebs.

Was bedeutet das für Sie?

Hinterfragen Sie Gesundheitsmeldungen kritisch und prüfen Sie, was Forschende bislang wirklich wissen und belegen können: Solange nur statistische Zusammenhänge vorliegen, bleibt die Frage nach einer krebserzeugenden Wirkung offen.

Zum Weiterlesen

In unserem Text Wie wird Krebs erforscht? können Sie mehr über verschiedene Studienarten, wie beispielsweise Beobachtungsstudien, erfahren.

Welche wissenschaftlich nachgewiesenen Risikofaktoren für Krebs gibt es und wie kann ich mich schützen? Darüber informieren wir Sie unter Krebs vorbeugen: Das persönliche Krebsrisiko senken.

Quellen (Auswahl)

Fraser GE, Jaceldo-Siegl K, Orlich M, Mashchak A, Sirirat R, Knutsen S. Dairy, soy, and risk of breast cancer: those confounded milks. Int J Epidemiol. 2020 Oct 1;49(5):1526-1537. doi: 10.1093/ije/dyaa007.

Die Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums und das dort eingebundene WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle bieten zahlreiche Informationen rund um das Thema "Rauchen als Krebsrisikofaktor" darunter den Tabakatlas Deutschland (PDF, Stand 2020).

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