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Ist Krebs ansteckend?

Frage des Monats

Kann Krebs übertragbar sein? Muss ich beim Umgang mit einem krebskranken Familienmitglied vorsichtig sein? Solche Fragen erreichen den Krebsinformationsdienst regelmäßig. Wir geben anhand einer Beispielanfrage Antworten.

Keine Angst vor Krebs beim Umgang mit Familienangehörigen. © Pablo Rogat, Shutterstock


Sie machen sich Sorgen, dass Ihre an Krebs erkrankte Mutter Ihre Kinder anstecken könnte. Krebs ist aber keine Infektionskrankheit wie etwa eine Grippe, die ohne Weiteres von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Denn: Krebszellen sind anders als Viren und Bakterien außerhalb des Körpers nicht überlebensfähig. Außerdem können sie die Haut als Barriere des Körpers normalerweise nicht überwinden.

Selbst wenn Tumorzellen beispielsweise über Verletzungen direkt in den Körper gelangen oder eingeatmet würden, überleben sie in der Regel nicht. Denn das Immunsystem erkennt sie als körperfremde Zellen und vernichtet sie.

Weltweit gibt es nur eine Handvoll bekannte Fälle aus den letzten 150 Jahren, bei denen Krebs eventuell auf eine gesunde Person übertragen wurde. Und selbst diese Übertragungen sind nicht durch ganz normalen Kontakt mit einem Krebspatienten entstanden, sondern zum Beispiel bei einer Operation.

Im Tierreich hingegen gibt es Krebsformen, die ansteckend sind – zum Beispiel bei den Tasmanischen Teufeln: Sie leiden an einem Gesichtstumor, der durch Bisse übertragen werden kann. Diese Erkrankungen sind allerdings für den Menschen nicht ansteckend. Und: Beim Menschen gibt es keine Tumorerkrankung, die auf ähnliche Weise übertragbar ist.

Es ist also äußerst unwahrscheinlich, dass sich eine gesunde Person durch die Übertragung von Krebszellen ansteckt.

Vorsicht bei eingeschränktem Immunsystem?

Ein Sonderfall sind Menschen, deren Immunsystem dauerhaft stark unterdrückt wird. Das betrifft zum Beispiel Patienten nach einer Organtransplantation: Sie erhalten Medikamente, damit ihr Immunsystem das fremde Organ nicht abstößt.

Sehr selten kommt es vor, dass Patienten ein Organ von einer unerkannt an Krebs erkrankten Person erhalten und dann selbst Krebs entwickeln.

Im alltäglichen Umgang mit Krebspatienten müssen aber auch Organtransplantierte keine Ansteckung fürchten. Denn dass lebende Krebszellen in ihren Körper gelangen, ist äußerst unwahrscheinlich.

Wie sieht es bei Infekten aus? Ist man kurzzeitig erkrankt – zum Beispiel an einer Erkältung – dann beeinträchtigt dies das Immunsystem kaum. Auch dann müssen Betroffene keine Sorge haben, sich mit Krebs anzustecken.

Und was ist mit "Krebsviren" und anderen Erregern?

Viren und andere Krankheitserreger sind anders als Krebszellen von Mensch zu Mensch übertragbar. Es sind verschiedene Erreger bekannt, die Krebs fördern. Dazu gehören beispielsweise Humane Papillomviren, Hepatitis B- und C-Viren oder das Bakterium Helicobacter pylori.

Auch wenn man an einer durch Krankheitserreger ausgelösten Krebsform erkrankt ist gilt: Nicht der Krebs selbst ist übertragbar, sondern "nur" die Viren oder Bakterien.

Allerdings führt bei weitem nicht jede Infektion mit einem solchen Erreger zu Krebs: Nur ein Bruchteil der infizierten Personen entwickelt tatsächlich einen Tumor.

Hinzu kommt: Für die Mehrheit aller Krebserkrankungen ist derzeit kein Zusammenhang mit einer Infektion belegt. Dazu gehört auch Lungenkrebs.

Fazit: Angst vor Kontakt zu Krebspatienten ist unbegründet

Aktuelle Corona-Pandemie

Durch Krebs besteht keine Ansteckungsgefahr für Angehörige. Zum Schutz vor dem Corona-Virus sollten aber insbesondere ältere Menschen momentan den engen körperlichen Kontakt zu Angehörigen meiden. Das rät das Bundesministerium für Gesundheit.

Dürfen Großeltern noch Besuch von ihren Enkeln oder Kindern empfangen?

Sie müssen keine Ansteckung fürchten, wenn Ihre Mutter mit den Kindern spielt. Auch engerer Körperkontakt wie ein Kuss ist kein Problem. Auch, dass ausgehustete Krebszellen ein Risiko darstellen, müssen Sie nicht befürchten.

Bedenken Sie dabei auch: Für Patienten kann es belastend sein, wenn Familienangehörige oder Freunde in dieser schwierigen Situation auf Distanz gehen. Eventuell spürt Ihre Mutter Ihre Zurückhaltung, kennt aber den Grund dafür nicht.

Manchmal hilft ein offenes Gespräch: Reden Sie mit Ihrer Mutter über Ihre Ängste und Sorgen. Wenn Ihnen der Umgang mit Ihrer Mutter weiterhin schwerfällt, können Sie sich Unterstützung suchen: Als Familie kann man die behandelnden Ärzte einbeziehen oder sich bei einer Krebsberatungsstelle beraten lassen.