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Nervenschäden bei Krebs: Warum Bewegung nützen kann

Was bringen Übungen und Training gegen eine Neuropathie durch Krebsmedikamente?

Missempfindungen, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in den Fingerspitzen und Fußsohlen? Bei manchen Tumorpatienten treten geschädigte Nerven als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten auf.
Bei vielen Patienten bessern sich die Probleme mit der Zeit. Doch bei einigen Betroffenen hält diese sogenannte Neuropathie länger oder sogar auf Dauer an. Die Beschwerden sind belastend und schränken die Lebensqualität oft stark ein.
Nach wie vor ist es nur bedingt möglich, der zugrunde liegenden Nervenschädigung vorzubeugen oder sie zu behandeln. Was gegen die Beschwerden helfen kann, fasst der Krebsinformationsdienst in einem aktuellen Text zusammen.

Lässt sich die Therapie weniger schädlich gestalten?

Den meisten Patienten würde bei der Behandlung mit nervenschädigenden Medikamenten nur eines helfen: der Wechsel auf ein weniger oder gar nicht nervenschädigendes Krebsmedikament. Doch das ist oft nicht möglich.

Bei ersten Anzeichen neuropathischer Symptome verringern Ärzte nach Möglichkeit wenigstens die Dosis des Krebsmittels, oder sie verlängern die Therapiepause. Doch auch hier gilt: Will man den Therapieerfolg nicht gefährden, lässt sich die Dosis der Chemotherapie nicht beliebig absenken.

Gibt es Medikamente gegen eine Neuropathie?

Frau hält Tabletten und Wasserglas in der Hand © leventince - Getty Images
Übliche Schmerzmittel wie etwa Acetysalicylsäure (ASS) helfen bei neuropathischen Schmerzen nicht. © leventince - Getty Images

Bisher lässt sich vor allem etwas gegen Brennen, Kribbeln und Schmerzen tun. Was viele Betroffene zunächst verwundert: Wirksam bei Chemotherapie-bedingten neuropathischen Schmerzen sind einige Mittel gegen Depressionen, sogenannte Antidepressiva. Diese Mittel können Schmerzen durch Nervenschäden lindern, wenn auch nicht bei allen Patienten und nicht immer vollständig.
Auch sogenannte Antikonvulsiva helfen einigen Betroffenen, also Mittel, die eigentlich gegen Krampfanfälle entwickelt wurden. Ihre Wirkung ist jedoch aus wissenschaftlicher Sicht nicht so gut belegt.

Opioide sind bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen wirksam und können bei Chemotherapie-bedingten Nervenschmerzen unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen eingesetzt werden. Auch hier ist der Nutzen jedoch nicht umfassend dokumentiert.

Was lässt sich noch gegen neuropathische Beschwerden tun? Was hilft, wenn die Taubheit in Händen und Füßen das Gehen oder Greifen erschwert?

Gleichgewicht und Koordination schulen: Bewegungsübungen unter Anleitung

Senior macht Balanceübungen © Halfpoint - Thinkstock
Taubheit in den Fußsohlen: Gleichgewichtsübungen können das Gehen erleichtern. © Halfpoint - Thinkstock

In einer aktuellen Leitlinie raten Fachleute Krebspatienten mit Neuropathie zu Bewegungsübungen.
Besonders geeignet scheinen das sogenannte sensomotorische Training oder das Vibrationstraining. Darunter fallen etwa Gleichgewichts- und Koordinationsübungen auf einem Luftkissen, einem Polster, einem Kippelbrett oder einer Vibrationsplattform.
Gezielt die Feinmotorik von Händen und Füßen zu trainieren, kann ebenfalls sinnvoll sein.
Ziel ist es, beweglich zu bleiben und gleichzeitig die Nervenbeschwerden zu lindern.

Kann man selbst aktiv werden?

Das Training sollte zunächst unter Anleitung stattfinden: Physiotherapeutische Maßnahmen helfen vielen Betroffenen beispielsweise dabei, wieder etwas sicherer beim Gehen zu werden, ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen und ihr Sturzrisiko zu senken. Mit geschulten Physiotherapeuten kann man besprechen, welche Bewegungsübungen gut geeignet sind und welche man selbstständig ausüben darf.

  • Ganz allgemein gilt: Ob und wenn ja, welche Bewegungsübungen in der individuellen Situation infrage kommen, sollte man immer mit den behandelnden Ärzten besprechen.

Greifen, Festhalten, Fingerfertigkeit: Wie lässt sich durch Ergotherapie die Feinmotorik trainieren?

Manche Betroffene profitieren von Ergotherapie. Was ist damit gemeint?
Dabei kommen Hilfsmittel wie etwa Fußrollen, Bürsten oder Igelbälle zum Einsatz. Oder Patienten gehen etwa durch eine mit Bohnen, Erbsen oder Körnern gefüllte Wanne.

Seine Fingerfertigkeit kann man neben der eigentlichen Ergotherapie beispielsweise trainieren, indem man strickt oder Klavier spielt. Auch Schreibtraining gehört dazu. Zur Rehabilitation erhalten Patienten zudem Hilfsmittel zum Greifen von Gegenständen.

Das Ziel der Maßnahmen: die manuelle Geschicklichkeit und Beweglichkeit fördern und erhalten, um Aufgaben im Alltag gut bewältigen zu können.

Nutzenbewertung: Welchen Stellenwert haben die genannten Verfahren?

Bewegungsübungen, Physiotherapie und ergotherapeutische Maßnahmen zur Behandlung bei Chemotherapie-bedingten Nervenschäden wurden bislang kaum untersucht. Die hier aufgeführten Empfehlungen beruhen auf der praktischen Erfahrung von Fachleuten sowie auf Studien zur Behandlung von Nervenschäden durch andere Erkrankungen, etwa Diabetes.
Aus diesen Arbeiten haben die Autoren der aktuellen Leitlinie Hinweise auf einen Nutzen nicht-medikamentöser Verfahren abgeleitet, also von Bewegungs- und Physiotherapie sowie von Ergotherapie.

Weitere Maßnahmen: Was kann man selbst tun?

Bei einigen Patienten gehen Nervenschädigungen trotz aller Therapie nur langsam oder gar nicht mehr zurück. Für sie kann es hilfreich sein, wenn sie - je nach Art der Beschwerden - in ihrem Alltag einige Dinge beachten und Vorkehrungen treffen.

Kälte vermeiden: keine kalten Gegenstände anfassen und sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen. Speisen und Getränke sollten nicht zu kalt sein.

Hitze vermeiden: Wenn das Gefühl in Fingern und Zehen fehlt, muss man umso mehr darauf achten, sich nicht unabsichtlich zu verbrennen. Ein Beispiel: die Wassertemperatur mit einem Thermometer überprüfen, bevor man badet.

Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Wer Kälte, Wärme und Schmerzen an Händen und Füßen nicht mehr wahrnimmt, ist auch durch unbemerkte Verletzungen an Händen und Füßen gefährdet, etwa durch Schnittwunden beim Nagelschneiden oder Druckstellen durch nicht gut passende Schuhe.

Für eine sichere Umgebung sorgen, Stürzen vorbeugen: auf gutes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen achten, die Wohnung auf Stolperfallen überprüfen. Unter Umständen schützen Hilfsmittel beim Gehen, etwa ein Rollator.