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Läuferin und Fußballspieler im Hintergrund © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Sport und Bewegung zur Krebsvorbeugung

Lässt sich das persönliche Krebsrisiko senken?

Sport und Bewegung spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krebs. Studien zeigen: Menschen, die sich viel bewegen, senken ihr Risiko, zumindest an einigen der häufigsten Krebsarten zu erkranken. Ob man körperlich arbeitet oder Ausdauer- oder Kraftsport betreibt, scheint dabei weniger wichtig zu sein.
Was bewirkt körperliche Aktivität im Körper? Für welche Krebsarten sinkt das Risiko, wenn man sich viel bewegt? Wie viel Bewegung soll es zur Krebsvorbeugung sein? Antworten auf diese und weitere Fragen hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Er richtet sich an Gesunde, die ihr Krebsrisiko senken möchten.

Hinweis: Krebspatienten finden Informationen für ihre besondere Situation im Text "Sport und Bewegung: Unterstützung für Krebspatienten".

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Zuletzt überprüft: 19.08.2016

Quellen und Links

Links auf diesen Seiten führen zu weiteren, erläuternden Informationen, die einzelne Themen vertiefen. Eine Auswahl genutzter Quellen sowie Hinweise für Interessierte und Fachleute finden sich am Ende des Textes.

Für Gesunde: Bei welchen Krebsarten verringert körperliche Aktivität das Risiko?

Körperlich aktive Menschen erkranken statistisch gesehen seltener als die Durchschnittsbevölkerung an Dickdarmkrebs. Dies konnten Krebsforscher in vielen Studien belegen. Bei Brustkrebs nach den Wechseljahren und Gebärmutterkörperkrebs sehen Forscher zumindest einen deutlichen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Auftreten von Tumoren. Eine Vermutung, die aber noch weiterer Forschung bedarf: Auch bei Brustkrebs vor den Wechseljahren und weiteren Tumorarten wie Prostatakrebs, Lungenkrebs und Eierstockkrebs könnte Sport risikosenkend wirken.

Für eine Reihe weiterer Krebsarten fehlen zurzeit noch belastbare Daten: Um den Effekt von Sport und Bewegung zu belegen oder zu widerlegen, sind bei diesen Tumorformen noch weitere Studien oder überhaupt erste Forschung notwendig.

Klar ist allerdings auch: Nicht allen Krebsarten kann man durch Sport vorbeugen. So gibt es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Leukämien oder Lymphomen.

Unabhängig vom Krebsrisiko gilt: Wer sich viel bewegt, vermindert auf jeden Fall das Risiko von Herzkreislauferkrankungen, von Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II) sowie von Knochen- und Muskelabbau.

Für Krebspatienten: Bewegung und Sport während einer Krebserkrankung

Bewegung und Sport spielen auch für bereits an Krebs erkrankte Menschen eine Rolle: Einige Krankheits- und Behandlungsfolgen lassen sich durch gezielte Übungen vermindern oder ganz vermeiden. Dazu gehören etwa eine eingeschränkte Beweglichkeit, die viele Menschen nach einer Krebserkrankung und der Therapie erleben, oder das tumorbedingte Erschöpfungssyndrom (Fatigue).
Ob regelmäßiges Training auch das Risiko von Rückfällen und Metastasen beeinflusst, ist bisher nicht ausreichend erforscht. Es gibt erste Studienergebnisse, die sich allerdings nicht auf alle Krebspatientinnen und Patienten übertragen lassen: Bleiben beispielsweise ältere Brustkrebspatientinnen nach ihrer Erkrankung stark übergewichtig und bewegen sie sich wenig, so scheint auch ihr Rückfallrisiko erhöht zu sein.

Biologie: Wie wirkt Bewegung, welche Rolle spielt Ernährung?

Der Einfluss von Bewegung auf das Krebsrisiko ist eng mit dem der Ernährung verknüpft. Beide wirken auf das Körpergewicht. Aus Beobachtungsstudien weiß man schon lange, dass Übergewicht ein Risikofaktor gerade bei häufigen Krebsarten ist. Dazu zählen beispielsweise Brustkrebs nach den Wechseljahren, Dickdarmkrebs und Gebärmutterkörperkrebs.

Damit liegt ein erster Zusammenhang auf der Hand: Wenn Menschen sich nicht nur ausgewogen ernähren, sondern sich auch ausreichend bewegen, halten sie ihren Energiehaushalt im Gleichgewicht: Sie beugen Übergewicht vor. Damit mindern sie statistisch gesehen ihr Risiko, an den oben genannten Krebsarten zu erkranken.

Heute kennt man einige der Mechanismen, die dahinter stehen. Erste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zeigen: Regelmäßiges Training beeinflusst biologische Vorgänge und Faktoren, die an der Krebsentstehung beteiligt sind. Dazu zählt beispielsweise bei Brustkrebs und Gebärmutterkörperkrebs die Konzentration von Geschlechtshormonen. Ihr Stoffwechsel wird vom Gewicht mit beeinflusst. Bei Tumorarten, die mit Übergewicht in Verbindung stehen, spielen auch der Insulinspiegel sowie die Konzentration weiterer Botenstoffe im Blut eine Rolle. Einige von ihnen werden im Fettgewebe gebildet und dann in das Blut abgegeben, die sogenannten Adipokine. Je höher der Anteil an Körperfett, desto höher ist auch ihre Konzentration. Die Folge: Insulin und viele weitere Faktoren wirken in Zellen als Wachstumssignale und beeinflussen über diesen Effekt eventuell die Tumorbildung.
Forscher vermuten außerdem, dass Sport und Bewegung auch regulierende Effekte auf chronische Entzündungsprozesse im Körper, auf das Immunsystem sowie auf körpereigene Reparaturmechanismen für das Erbmaterial haben könnten. Dies sind ebenfalls Faktoren, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen.

Um noch genauer sagen zu können, wie sich Bewegung auf die Krebsentstehung auswirkt, muss allerdings noch weiter geforscht werden.

Empfehlungen: Wie viel körperliche Aktivität ist nötig?

Experten sind sich grundsätzlich einig: Es lohnt sich, aktiv zu sein. Die Empfehlungen, wie viel sich Menschen zum Schutz vor Krebs bewegen sollten, fallen jedoch unterschiedlich aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät zu mindestens zweieinhalb Stunden gemäßigter oder etwas mehr als einer Stunde anstrengender körperlicher Aktivität pro Woche.

Im Europäischen Kodex gegen Krebs von 2014 raten Fachleute zu mindestens 150 Minuten moderater Bewegung oder 75 Minuten anstrengendem Sport pro Woche.

Im aktuellen Bericht des "World Cancer Research Funds" (WCRF) gehen Fachleute von mindestens einer halben Stunde gemäßigter Aktivität jeden Tag aus. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel zügiges Gehen. Dieses Training sollte man langsam auf 60 Minuten moderate oder 30 Minuten anstrengende Aktivität pro Tag steigern.

Das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA (National Cancer Institute, NCI) hält 30 Minuten an fünf oder mehr Tagen in der Woche für sinnvoll. 20 Minuten anstrengende Übungen an mindestens drei Tagen pro Woche seien aber ebenso wirkungsvoll. Die Empfehlung des NCI ist online in englischer Sprache unter www.cancer.gov/newscenter/pressreleases/PhysicalActivity abzurufen.

Damit Fachleute einheitliche Aussagen und Empfehlungen treffen können, wie intensiv, wie lang und wie häufig eine Bewegungseinheit zur Krebsvorbeugung sein sollte, ist jedoch erst noch weitere Forschung notwendig.

Was ist besser: Bewegung im Alltag oder Sport?

Welche Formen der Bewegung besonders geeignet sind, um Krebs vorzubeugen, müssen Krebsforscher erst noch herausfinden. Die aktuellen Empfehlungen machen keinen Unterschied zwischen Sport im engeren Sinn und Bewegung im Alltag. Dass Sport oft im Vordergrund der wissenschaftlichen Diskussion steht, hat einen einfachen Grund: Training unter wissenschaftlichen Bedingungen ist leichter zu erfassen als Aktivität im Beruf, beim Einkaufen, Saubermachen oder anderen alltäglichen Tätigkeiten.

Fachleute empfehlen keine konkreten Sportarten zur Krebsvorbeugung. Was man machen kann und sollte, hängt von persönlichen Vorlieben, vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand und von eventuell vorhandenen Vorerkrankungen ab.

Wer noch nie viel Sport getrieben hat und im Alltag keine Möglichkeit zu ausreichender Bewegung findet, sollte mit dem Hausarzt über einen geeigneten Einstieg sprechen. Bestehen aus dessen Sicht keine Bedenken, stehen Gesunden die meisten Sportarten ohne Einschränkung offen.

Bei Übergewicht, Problemen mit Knochen oder Bändern sowie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kann der Arzt angeben, welche Bewegungsabläufe besser vermieden werden und in welchem Umfang Belastung erfolgen darf. Eventuell gibt eine sportmedizinische Untersuchung genauere Aufschlüsse über eine empfehlenswerte Sportart und den geeigneten Trainingsumfang.

Kraft oder Ausdauer?

Radfahren © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Mit Sport und Bewegung kann man das Krebsrisiko beeinflussen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bisher gibt es auch keine Empfehlungen, ob zur Krebsvorbeugung eher Ausdauerbelastungen oder mehr auf Kraft ausgerichtete Aktivitäten sinnvoll sind. Forscher unterscheiden eher zwischen moderater und intensiver körperlicher Aktivität. Was einzelne Fachleute darunter verstehen, ist nicht immer einheitlich. Für die Amerikanische Krebsgesellschaft zählt beispielsweise schnelles Gehen, Tanzen, Fahrrad fahren, Golfspielen und Volleyballspielen zu den gemäßigten Aktivitäten. Joggen, schnelles Radfahren, Schwimmen, Aerobic, Skilanglauf und Fußball rechnen die Experten zu den anstrengenden Sportarten.

Unklar bleibt anhand der bisher vorliegenden Daten auch, ob häufig ausgeübte moderate sportliche Aktivitäten den gleichen Effekt haben wie anstrengende Übungen, die dafür vergleichsweise seltener ausgeübt werden. Auch ist noch nicht ausreichend erforscht, in welchem Lebensabschnitt man besonders aktiv sein sollte, um von den schützenden Effekten körperlicher Aktivität am meisten zu profitieren.

Sportangebote: Wo finden sich Ansprechpartner für Gesunde?

Einen Einstieg bieten Angebote der Sportvereine, der professionellen Sportstudios oder Kurse, die in vielen Betrieben, von Volkshochschulen oder auf Initiative der Krankenversicherungen angeboten werden. Bei der Krankenversicherung kann auch erfragt werden, welche Kurse oder andere Angebote mit einem Bonus belohnt oder anderweitig finanziell gefördert werden. Voraussetzung für die Förderung durch die Krankenkassen: Das Sportangebot muss sich einem Qualitätscheck unterzogen haben.

Weitere Informationen: Links, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand 8/2016)