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Medikamente © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Medikamente und Krebsrisiko

Sind rezeptfreie Mittel grundsätzlich harmlos?

Fast alle Medikamente, die rezeptfrei erhältlich sind, standen irgendwann in dem Verdacht, Krebs zu verursachen. Dies traf zum Beispiel für Schmerz- und Abführmittel zu: Ihr Marktanteil unter den rezeptfreien Medikamenten ist hoch, und fast jeder hat sie irgendwann schon einmal genommen oder greift sogar regelmäßig danach.

Auf dieser Seite hat der Krebsinformationsdienst zusammengestellt, was man heute beispielsweise über das Krebsrisiko von Schmerzmitteln oder Abführmitteln weiß. Links verweisen auf Quellen und Hintergrundinformationen, die das Thema weiter vertiefen.

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Schmerzmittel

Bei den Schmerzmitteln galt schon vor rund 20 Jahren vor allem die Substanz Phenacetin als kritisch: Sie schädigte die Nieren, was in der Folge auch zu Tumoren führen konnte. Phenacetin wird seit längerem nicht mehr eingesetzt. Es wurde durch Paracetamol abgelöst, dem aus Phenacetin im Körper entstehenden Wirkstoff. Von dieser Substanz ist - bei bestimmungsgemäßem Gebrauch - kein Krebsrisiko bekannt.

Unter den heute frei verkäuflichen Arzneimitteln ist Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin®") schon unter den verschiedensten Gesichtspunkten in der Diskussion gewesen. Die Substanz und ihre chemischen Verwandten greifen in einen sehr wichtigen Stoffwechselweg ein: Sie lindern nicht nur ausgezeichnet Schmerzen, sondern wirken auch gegen Entzündungen oder in der Blutgerinnung. Das macht sie zum Medikament, das heute wohl die vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten hat, andererseits auch mit am besten untersucht ist.

Acetylsalicylsäure, "Aspirin", verwandte Stoffe

Seit Längerem mehren sich die Anzeichen, dass ASS und verwandte Stoffe sogar vor Krebs schützen könnten, vor allem vor Darmkrebs. Dies und die möglicherweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützende Wirkung hat dazu geführt, dass vor allem in den USA, aber auch in Europa viele Menschen täglich geringe Mengen an frei verkäuflichem ASS schlucken, ohne dass sie dies mit ihren Ärzten abgesprochen hätten.

Experten warnen jedoch davor, "Aspirin" ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten über längere Zeit eigenmächtig einzunehmen. Bislang ist ASS nicht zur Krebsvorbeugung zugelassen, und weitere Studien zur Abwägung von Nutzen und Risiken seien notwendig. Bei der unkontrollierten Einnahme von ASS, verwandten Substanzen wie Diclofenac oder Ibuprofen oder auch von chemisch ähnlichen Rheumamitteln besteht ein erhöhtes Risiko für gefährliche Blutungen. Auch das Risiko für Bluthochdruck und andere schwere Nebenwirkungen ist eventuell gesteigert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfahl bereits im Sommer 2005  "Schmerz- bzw. Rheumamittel, seien sie verschreibungspflichtig oder nicht, nur so lange zu verordnen und anzuwenden, wie das aus medizinischen Gründen notwendig ist." Die Packungsbeilagen aller diese Produkte enthalten in Deutschland Hinweise zu Kontraindikationen, möglichen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen, die es zu beachten gilt, um die Anwendung so sicher wie möglich zu machen. Für Interessierte und Fachkreise sind aktuelle und ältere Warnhinweise zu unerwünschten Nebenwirkungen beim BfArM unter dem Stichwort „Pharmakovigilanz“ abrufbar (www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/_node.html).

Abführmittel

Wer Abführmittel über längere Zeit regelmäßig einnimmt, hat laut vieler Studien ein erhöhtes Krebsrisiko. Dabei ist es nicht ganz einfach, den tatsächlichen Einfluss der verschiedenen Mittel von dem eines ungesunden Lebensstils oder ungünstiger Ernährungsgewohnheiten zu trennen – sie stecken nicht selten hinter den Verdauungsstörungen, die zum Abführmittel greifen lassen. Zu wenig Ballaststoffe, zu wenig Gemüse und eventuell auch Obst, zu viel Fleisch und auch Fett, zu wenig Bewegung – all das führt zu Darmträgheit und ist an sich als Risikofaktor für Darmkrebs bekannt.
Mit zu häufigem Gebrauch von Abführmitteln insgesamt wird auch ein erhöhtes Risiko von Nieren-, Blasen- oder Harnleiterkrebs beobachtet, vor allem bei Frauen, die Abführmittel zum Abnehmen benutzt hatten.

Nur kurzfristig anwenden

Worin genau das Risiko bei Abführmitteln liegt, ist nicht gesichert: Bestimmte pflanzliche Wirkstoffe, die so genannten Anthrachinone, aus häufig zum Abführen genützten Pflanzen wie Rhabarberwurzel, Sennes oder Faulbaumrinde gelten allerdings als krebsverdächtig. Insbesondere Extrakte aus Aloe vera-Blättern werden von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) als "möglicherweise krebsauslösend" eingestuft.
 
Entsprechende Mittel werden daher weiter streng auf ihren Wirkstoffgehalt hin geprüft und sind auf keinen Fall zur dauernden Einnahme geeignet: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, www.bfarm.de) schrieb  bereits 1996 vor, dass Abführmittel ohne ärztlichen Rat höchstens ein bis zwei Wochen angewendet werden dürften und nicht für Schwangere, Stillende oder Kinder unter zehn Jahren geeignet seien. 
Viele Hersteller weisen in ihren Fachinformationen auch darauf hin, dass die Mittel erst eingesetzt werden sollten, wenn durch eine Ernährungsumstellung oder quellende Abführmittel keine Wirkung erzielt werden konnte.

Solche quellenden Mittel sind heute Bestandteil vieler Abführmittel der "ersten Wahl": Sie regen die  Darmtätigkeit durch die verstärkte Füllung an. Andere geprüfte Mittel verstärken die Bewegung des Dickdarms direkt oder hemmen den Entzug von Wasser aus dem Stuhl, was die Eindickung vermindert. Von ihnen geht nach bisherigem Kenntnisstand kein Krebsrisiko aus.

  • Trotzdem sollten sich ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht über längere Zeit oder in höheren Dosen angewendet werden.

Abführmittel: Wichtig während der Schmerztherapie

Schmerzpatienten, auch Krebspatienten, die gegen Schmerzen behandelt werden, brauchen unter Umständen regelmäßig Abführmittel: Einige schmerzlindernde Substanzen wie etwa die Opioide wirken sich hemmend auf die Darmbewegungen aus. Hier sollte nicht auf Hausmittel gesetzt werden; der Arzt empfiehlt auch für den Dauergebrauch geeignete Mittel.
Hintergründe bietet auch der Krebsinformationsdienst auch in seinen Texten zur Schmerztherapie oder am Telefon, täglich unter 0800 - 420 30 40. 

Risiko durch Missbrauch von Arzneimitteln

Wie am Beispiel Abführmittel abzulesen, liegt ein großes Risiko bei vielen Medikamenten möglicherweise auch in der missbräuchlichen Verwendung, zumindest aber im mangelnden Wissen über die richtige Anwendung. Um Patienten vor Missbrauch aus Unkenntnis zu schützen, sind zum Beispiel heute einige früher frei verkäufliche Mittel rezeptpflichtig geworden. Neue Medikamente werden meist erst nach einigen Jahren von der Rezeptpflicht befreit.