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Offener Mund mit Zahnfüllung aus Amalgam ©  TANAPAT LEK.JIW, Shutterstock
Amalgam

Amalgam: Verursacht die Zahnfüllung wirklich Krebs?

Zum Risiko von Quecksilber-Legierungen im Mund

Letzte Aktualisierung: 05.11.2020
So wirkt sich Amalgam auf den Menschen aus

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für ein Krebsrisiko durch Amalgamfüllungen. In zu hohen Mengen kann das enthaltene Quecksilber jedoch schädlich sein.

  • Amalgam ist ein Stoffgemisch, das hauptsächlich aus Quecksilber besteht.
  • Quecksilber ist in hohen Mengen giftig, weshalb Zahnfüllungen aus Amalgam in der Öffentlichkeit und unter Fachleuten viel diskutiert sind.
  • Bei Patienten mit Krebs ist es nach Einschätzung von Experten nicht notwendig intakte Amalgamfüllungen zu entfernen.

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Amalgam ist ein häufig verwendetes Material bei Zahnfüllungen. Durch das enthaltene Quecksilber empfiehlt die EU-Kommission ein künftiges Verbot. © BlurryMe, Shutterstock

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Belege für ein Krebsrisiko durch Amalgam-Zahnfüllungen.

Amalgame sind sogenannte Quecksilber-Legierungen. Diese Stoffgemische bestehen neben dem Hauptbestandteil Quecksilber aus weiteren Metallen wie Silber, Zinn und Kupfer.

Was ist Quecksilber?

Quecksilber ist ein Metall, das in der Umwelt natürlich vorkommt. Es befindet sich in geringen Mengen in der Luft, im Boden, in Gewässern und in Lebensmitteln wie beispielsweise Fisch. Die jeweils zuständigen Behörden kontrollieren den Quecksilbergehalt regelmäßig. Denn: In bestimmten Mengen ist Quecksilber für Lebewesen giftig.

Mehr dazu beim Umweltbundesamt (UBA).

Amalgam wird in der Zahnmedizin schon seit mehr als 100 Jahren als Material zur Zahnfüllung verwendet. Aus medizinischer Sicht gibt es kaum einen Werkstoff, der sich zum Füllen von Zähnen so gut eignet:

  • Das Material ist günstig, haltbar, weich und dadurch leicht formbar und behandelt Zähne mit Karies effektiv.
  • Bei der Vorbereitung geht vergleichsweise wenig gesunde Zahnsubstanz verloren.

Gesundheitsrisiko durch Amalgam?

Amalgamfüllungen sind unbedenklich

Laut Experten nimmt man Quecksilber durch Amalgam-Zahnfüllungen in ungefähr der gleichen Menge auf wie über die Nahrung. Diese Menge ist nachweislich unbedenklich für den Menschen.

Aber: Mit zunehmender Zahl und Größe der Amalgamfüllungen steigt auch die Belastung mit Quecksilber.

So kann Quecksilber aus Amalgamfüllungen frei werden: Wenn jemand kaut oder mit seinen Zähnen knirscht, können Bestandteile aus Zahnfüllungen in sehr kleinen Mengen freigesetzt werden. Das gilt für Amalgam, aber ebenso amalgamfreie Füllmaterialien. Daneben kann auch die sogenannte Korrosion die Menge an Quecksilber im Körper erhöhen. Die in der Amalgamfüllung enthaltenen Metalle reagieren dabei mit dem Speichel, was das Amalgam nach und nach zersetzen kann.

Quecksilberbelastung durch Amalgam in der Regel gering: Ist eine Amalgam-Zahnfüllung ausgehärtet, ist das Quecksilber fest darin gebunden. Während eine Amalgamfüllung aushärtet oder entfernt wird, kann Quecksilber aber dampfförmig frei werden.

Bei sachgemäßer Verarbeitung ist die durchschnittliche Quecksilberbelastung für Patienten jedoch niedrig. Erst in bestimmten Konzentrationen kann sich Quecksilber gesundheitsschädlich auf das zentrale Nervensystem und die Nieren auswirken.

Als reine Vorsichtsmaßnahme erhalten bestimmte Personen daher keine Amalgamfüllungen mehr:

  • Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch
  • Kinder unter 15 Jahren
  • Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
  • Personen, die gegen die Bestandteile der Zahnfüllungen allergisch oder unverträglich reagieren
  • Personen mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Alzheimer oder Parkinson

Zukunft von Amalgam in der Zahnmedizin bisher ungewiss

Amalgame, bleiben weiter zugelassen. Das haben das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und der Europäischer Rat im Dezember 2016 in den Änderungen zur EU-Quecksilberverordnung beschlossen.

Wieso zukünftig auf Amalgam in der Zahnmedizin verzichten? Es gibt kein wissenschaftlich belegtes Krebsrisiko durch Amalgamfüllungen. Der Hauptbestandteil der Füllung, das Quecksilber, ist jedoch in bestimmten Mengen giftig für den Menschen und schädlich für die Umwelt. Daher prüfen zuständige Behörden, ob Zahnärzte ab 2030 endgültig kein Amalgam mehr als Zahnfüllung verwenden dürfen.

Experten empfehlen Krebspatienten nicht, sich intakte Amalgamfüllungen entfernen zu lassen. Denn sie können dadurch gesunde Zahnstrukturen verlieren. Hinzu kommt: Wenn Patienten intakte Amalgamfüllungen entfernt bekommen, kann dies zudem kurzzeitig verstärkt Quecksilberdämpfe freisetzen. Eine Quecksilberentgiftung mit ausleitenden Medikamenten empfehlen Fachleuten ebenfalls nicht.

Welche Ausnahmen gibt es? Aus den folgenden medizinischen Gründen kann es notwendig sein, Amalgamfüllungen zu entfernen:

  • Eine Patientin oder ein Patient reagiert allergisch auf das Amalgam.
  • Patienten haben verschiedene Metalle als Zahnfüllungen im Mund und berichten von einem beeinträchtigten Geschmack. Ursache dafür können sogenannte elektrochemische Wechselwirkungen sein.
  • Es liegen Entzündungen im Mundbereich, die sogenannte Knötchenflechte (fachsprachlich: Lichen ruber planus), vor.

Mund- und Zahnpflege bei Krebs

Wenn die Behandlungsplanung es zulässt, ist es sinnvoll für Betroffene vor der Behandlung zum Zahnarzt zu gehen. Denn: Einige Krebstherapien wie beispielsweise eine Bestrahlung des Kopfes oder bestimmte Medikamente können Auswirkungen auf die Zahngesundheit von einer Krebspatientin oder einem Krebspatienten haben.

Was für den Zahnarztbesuch spricht: Patientinnen und Patienten können bestehende Zahnprobleme noch vor der Krebsbehandlung behandeln lassen. Das kann helfen, die Nebenwirkungen durch eine Krebstherapie geringer zu halten. Zudem können Patienten vom behandelnden Zahnarzt nützliche Tipps zur schonenden Mund- und Zahnpflege während einer Krebstherapie erhalten.

Risiken verringern durch Karies-Vorsorge

Eine gute Zahnhygiene und eine zuckerarme Ernährung sind wichtige Vorsorgemaßnahmen für gesunde Zähne. Dadurch lassen sich mögliche Risiken durch Zahnersatzmaterialien vermeiden.

Alternativen zu Amalgamfüllungen sind:

  • Kunststoff,
  • nicht-metallische Legierungen aus Keramik oder
  • Metalllegierungen aus Edelmetallen wie Gold.

Bisher gibt es keine Ergebnisse aus Langzeitstudien zu möglichen Risiken von Zahnersatzmaterialien ohne Amalgam. Aus diesem Grund lassen sich Risiken für diese Zahnfüllungen aus Sicht von Experten nicht sicher ausschließen.

Um auf Amalgamfüllungen zu verzichten, ist laut Fachleuten weitere Forschung nötig. Zudem müssen die Zahnfüllungen ohne Amalgam haltbarer werden.

Fragen Sie Ihren Zahnarzt

Welches amalgamfreie Material sich in ihrer Situation eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählt beispielsweise der Gebisszustand oder auch vorhandene Allergien.

Kostenübernahme: Die Krankenkasse trägt die Kosten für eine amalgamfreie Zahnfüllung in der Regel nicht.
Übernommen werden die Kosten nur bei Patienten, die aus medizinischen Gründen keine Amalgamfüllung erhalten sollen. Die behandelnden Zahnärzte sind generell jedoch verpflichtet, Sie vorher über anfallende Mehrkosten aufzuklären.

Datenlage nicht ausreichend

Bisher ist für Amalgam kein Krebsrisiko bestätigt. Die Datenlage reicht jedoch nicht aus, um es als "nicht krebserregend" einzustufen.

Weder die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) noch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben metallische Stoffgemische mit Quecksilber, wie beispielsweise Amalgam, bezüglich ihres Krebsrisikos eingestuft.

Das Element Quecksilber selbst und Quecksilber in Verbindung mit anderen Elementen (anorganische Verbindungen) stufen sie hingegen als nicht bewertbar ein. Das bedeutet: Ein Krebsrisiko ist wissenschaftlich nicht belegt, aber auch nicht ausgeschlossen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte 2007 einen Bericht zum Thema "Amalgam". Darin bewertet das RKI unter anderem den Einfluss von Amalgam auf chronische Erkrankungen. Fazit war:

  • Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und chronischen Erkrankungen.
  • Ob bestimmte Personengruppen besonders empfindlich auf Amalgam reagieren, muss in weiteren hochwertigen Studien untersucht werden.

 2008 untersuchte das Zentrum für naturheilkundliche Forschung an der Technischen Universität München im groß angelegten "Forschungsprojekt Amalgam" Patienten aus 26 verschiedenen deutschen Zahnarztpraxen.
Die einzelnen Teilprojekte untersuchten:

  • ob und welche Symptome Amalgamfüllungen verursachen können,
  • wie man mögliche Schädigungen feststellen kann,
  • wieweit eine Entfernung der Amalgamplomben sich auf die Gesundheit der Patienten auswirkt.

Die Ergebnisse der Teilprojekte:

  • Symptome durch Amalgamfüllungen: Eine Vorstudie konnte keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Amalgamfüllungen und den Symptomen nachweisen, die die Teilnehmer mit den Metallen in Verbindung brachten.
  • Schädigungen durch Amalgam: Die gängigen Tests messen vorhandenes Quecksilber in Speichel und Blut. Sie können daher Personen mit und ohne Amalgamfüllungen voneinander unterscheiden. Laborwerte können jedoch keine Auskunft über mögliche Beschwerden geben.
  • Einfluss von entfernten Amalgamfüllungen auf die Gesundheit: Patienten mit entfernten Amalgamfüllungen berichteten von einer Besserung der Symptome.
    Aber: Ein spezielles Gesundheitstraining ohne die Füllungen zu entfernen, hatte denselben Effekt.


Quellen und weiterführende Informationen (Auswahl)

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Kostenübernahme von amalgamfreien Zahnfüllungen in einer Richtlinie (PDF) zusammengefasst. Die Details dazu ergeben sich aus dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (BEMA) und sind ebenfalls als PDF abrufbar (Seite 14; 13 Nr. F4)

Die Bundeszahnärztekammer bietet Patientinnen und Patienten Hintergründe und Adressen zur Zahngesundheit.

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung bietet auf ihrer Internetseite eine Adresssuche aller in Deutschland tätiger Zahnärzte.

Die aktuelle Stellungnahme der EU zu Amalgam ist als PDF abrufbar in englischer Sprache. Von dort aus führen Links auch zu den verwendeten Quellen und den beschlossenen weiteren Schritten.

Die Kommission "Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin" des Robert Koch-Institus (RKI) hat 2007 einen Materialienband zur Kommissionsmitteilung "Amalgam" herausgegeben. Dieser ist auf der Internetseite des RKI als PDF abrufbar.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat außerdem 2009 ein Themenheft zum Thema Mundgesundheit herausgegeben. Interessierte können es ebenfalls als PDF lesen und herunterladen.

Presseinformationen des "Forschungsprojekts Amalgam" (German Amalgam Trial) der Technischen Universität München aus dem Jahr 2008 sind als PDF-Datei abrufbar.
Die Forschungsergebnisse wurden unter anderem veröffentlicht in:

  • Melchart D, Vogt S,Köhler W,Streng A,Weidenhammer W, Kremers L, Hickel R, Felgenhauer N, Zilker T, Wühr E, Halbach S (2008). Treatment of health complaints attributed to amalgam. J Dent Res 2008; 87: 349-353. doi: 10.1177/154405910808700410.
  • Melchart D, Köhler W, Linde K, Zilker T, Kremers L, Saller R, Halbach S (2008). Biomonitoring of mercury in patients with complaints attributed to dental amalgam, healthy amalgam bearers, and amalgam-free subjects: a diagnostic study. Clin Toxicol 2008; 46: 133–140. doi: 10.1080/15563650701324211.

Eine Bewertung der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC liegt ebenfalls vor: Die Zusammenfassung ist in englischer Sprache als PDF abrufbar.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2009 über den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu Zahnersatzmaterialien beraten. Die Ergebnisse des Expertentreffens "Future Use of Materials for Dental Restoration" sind auf der Internetseite der WHO in englischer Sprache als PDF abrufbar.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA), die Arzneimittelbehörde der USA, hat auf ihrer Internetseite Empfehlungen zur Verwendung von Amalgamfüllungen veröffentlicht.

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Erstellt: 05.11.2020