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Zahnbehandlung, Foto: Levent Ince/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Amalgam, andere Zahnfüllungen und Zahnersatz

Metalle, Keramik, Kunststoffe - Risikomaterial im Mund?

Nach wie vor haben nur wenige Erwachsene in Deutschland ein kariesfreies Gebiss. Hat der Zahnschmelz erst einmal deutliche Löcher, hilft nur die Entfernung des betroffenen Bereichs. Zur Füllung kommen Kunststoffe und verschiedene Metalllegierungen infrage, von Gold bis hin zum Amalgam. Um größere Defekte zu beheben oder verlorene Zähne zu ersetzen, sind auch weitere Materialien im Einsatz, etwa Keramik und verschiedene weitere Metalle. 
Vor allem das quecksilberhaltige Amalgam wird schon lange als Gesundheitsrisiko diskutiert: Für Menschen mit "Plomben" ist es zwar vermutlich risikoarm. Probleme macht aber die Herstellung und auch die Entsorgung.
Der folgende Text bietet Interessierten einen Überblick sowie Links zu weiteren Informationsquellen.
Wer sich um seine persönliche Gesundheit Sorgen macht, sollte jedoch bedenken: Informationen aus dem Internet können eine persönliche ärztliche und zahnärztliche Beratung  nicht ersetzen.

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Amalgam: Krebsgefahr unwahrscheinlich

Im Dezember 2016 haben Europäisches Parlament, Europäische Kommission und Europäischer Rat Änderungen zur EU-Quecksilberverordnung beschlossen. Davon betroffen sind auch Amalgame, wie sie in der Zahnmedizin eingesetzt werden. Sie bleiben weiter zugelassen, denn: Aus medizinischer Sicht gibt es kaum einen Werkstoff, der sich zum Füllen von Zähnen so gut eignet. Davon ausgenommen sind allerdings Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren.

2020 soll zudem erneut geprüft werden, ob man nicht doch endgültig auf Amalgam verzichten kann. Der Hintergrund: Als Amalgame bezeichnet man Mischungen aus Quecksilber, Silber, Zinn und Kupfer. Das Quecksilber ist zwar nach der Verarbeitung fest eingebunden. Doch während der Anfertigung kann Quecksilber frei werden und zum Beispiel über Abfälle und Abwässer in Zahnarztpraxen in die Umwelt gelangen. Eine weitere Quelle, für die die EU eine Regelung fordert, sind Feuerbestattungen von Verstorbenen mit Amalgam-Zahhfüllungen.

Warum wird Amalgam nicht sofort verboten? Der aktuelle Entscheid ist ein Kompromiss: Mit Amalgam lassen sich kariöse Zähne sehr effektiv behandeln, das Material ist haltbar und lässt sich leicht anpassen, bei der Vorbereitung geht auch vergleichsweise wenig gesunde Zahnsubstanz verloren. Bei sorgfältiger Verarbeitung ist zudem die durchschnittliche Quecksilberbelastung für die Trägerinnen und Träger der "Plomben" gering. Ein weiterer Punkt, der für Amalgam spricht:

  • Amalgamfüllungen sind auch nicht verantwortlich für Krebs, obwohl dies immer wieder behauptet wird.
  • Auch für viele andere Gesundheitsgefahren, von denen man hört oder im Internet liest, fehlt bis heute der eindeutige Beweis.

Krebspatienten und Zahngesundheit: Amalgamplomben müssen nicht entfernt werden

Wie sieht es aus, wenn man bereits an Krebs erkrankt ist? Aus der Sicht von Experten besteht nach der Auswertung der vorliegenden Studien kein Anlass, intakte Amalgamfüllungen entfernen zu lassen.
Ausnahmen sind die seltenen Allergien auf Amalgam, weiter Geschmacksveränderungen, die auch mit sogenannten elektrochemischen Wechselwirkungen zusammenhängen können, wenn verschiedene Metalle zur Zahnsanierung benutzt wurden, sowie entzündliche Immunreaktionen im Mundbereich (die sogenannte Knötchenflechte, fachsprachlich: Lichen ruber planus).

  • Für Krebspatientinnen und Krebspatienten gibt es keine wissenschaftlich begründete Empfehlung, intakte Amalgamplomben zu entfernen.
  • Ebenfalls unnötig ist eine Quecksilberentgiftung mit ausleitenden Medikamenten.

Eine Krebserkrankung ist trotzdem ein wichtiger Anlass, zum Zahnarzt zu gehen: Einige Krebstherapien können Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben. Dazu gehören zum Beispiel Bestrahlungen des Kopfes oder Medikamente wie etwa Bisphosphonate. Bei einer Chemotherapie kann das Zahnfleisch geschädigt werden, was langfristig auch die Zähne gefährdet.

Daher empfehlen viele Krebsmediziner den Gang zum Zahnarzt noch vor Behandlungsbeginn, wenn die Therapieplanung es erlaubt. So können bestehende Zahnprobleme behoben werden, bevor die Krebsbehandlung beginnt. Mehr zu Mund- und Zahnpflege während der Therapie hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt

Einschränkungen: Vorbeugender Verbraucherschutz und zahnmedizinisches Personal

Warum gibt es überhaupt Einschränkungen bei der Verwendung von Amalgam?
Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz aller Menschen, die in einer Zahnarztpraxis arbeiten - sie könnten beim tagtäglichen Umgang mit Amalgam, etwa bei der Zubereitung des Materials, immer wieder mit ungebundenem Quecksilber in Kontakt kommen. Ein zweiter Grund ist der Umweltschutz, den auch die EU bei ihren aktuellen Vorgaben betont.

Der vorbeugende Verbraucherschutz dient zudem dazu, besonders empfindliche Gruppen zu schützen. Schon seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wird Amalgam in Deutschland daher für Schwangere und Stillende nicht mehr verwendet. Menschen, deren Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten, gehören ebenfalls dazu. Auch wer schon Füllungen oder Zahnersatz aus anderen Metallen trägt, sollte mit Amalgam vorsichtig sein, da elektrochemische Reaktionen zu Geschmacksbeeinträchtigungen führen können. Eher selten sind Menschen, die allergisch oder mit Entzündungen auf das Zahnfüllmaterial reagieren.

Hintergrund: Studien und Bewertungen

Bereits in den 90er Jahren hatten Bundeszahnärztekammer und Bundesbehörden wie etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung oder das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Verwendung von Amalgam thematisiert.

Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte 2007 einen Kommissionsbericht zum Thema "Amalgam". Dort heißt es, bislang seien in der wissenschaftlichen Literatur keine sichereren Belege für einen Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und chronischen Erkrankungen zu finden. Ob es Personen mit besonderer Empfindlichkeit gegenüber Amalgam gebe, müsse in weiteren Studien geklärt werden.

2008 untersuchte das Zentrum für naturheilkundliche Forschung an der Technischen Universität München im groß angelegten "Forschungsprojekt Amalgam" 4.800 Patienten aus verschiedenen deutschen Zahnarztpraxen. Die einzelnen Teilprojekte verfolgten, welche Symptome durch Amalgamfüllungen hervorgerufen werden, wie mögliche Schädigungen festgestellt werden konnten und wieweit eine Entfernung der Amalgamplomben sich auf die Gesundheit der Patienten auswirkte. 

In einer Vorstudie konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Amalgamfüllungen und den Symptomen nachweisen, die die Teilnehmer ihrerseits mit den Metallen in Verbindung brachten.
Die gängigen Tests - zum Beispiel Quecksilberbestimmungen in Speichel, Blut und Urin - können bislang zwar zwischen Menschen mit Amalgam-Füllungen und solchen ohne Füllungen unterscheiden. Die subjektiven Beschwerden, die mit den Füllungen in Zusammenhang gebracht werden, lassen sich jedoch nicht anhand der Laborwerte vorhersagen. Patienten mit Amalgam-Beschwerden berichteten nach einer Entfernung der Amalgamfüllungen zwar über eine Besserung der Symptome. Denselben Effekt hatte jedoch ein gezieltes Gesundheitstraining ohne Entfernung der Füllungen.

  • Ob und wie harmlos oder gefährlich Amalgam sei, sei aus wissenschaftlicher Sicht sehr differenziert zu betrachten, eine eindeutige Aussage hierzu sei aufgrund der hier genannten Studien nicht möglich, schlossen die Forscher.

Ersatzmaterialien: Sind andere Metalle, Kunstoffe oder Keramik unbedenklich?

Bei der Zahnbehandlung und -sanierung werden sowohl Metalle als auch Kunststoffe und Keramik eingesetzt. 1999 kamen Experten der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) in einer Bewertung zu dem Schluss, dass es zu den meisten verwendeten Materialien keine Daten gibt, die auf ein Krebsrisiko hindeuten.
Aufgrund fehlender Studien können aber zumindest für einige Metalllegierungen Risiken auch nicht sicher ausgeschlossen werden.

Im Jahr 2009 organisierten die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organizaiton, WHO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP) ein Expertentreffen. Fachleute trugen die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen und diskutierten über die Zukunft der Zahnersatzmaterialien.

Sie kamen zu dem Schluss: Zu diesem Zeitpunkt lagen keine Ergebnisse aus Langzeitstudien zu möglichen Risiken amalgamfreier Zahnersatzmaterialien vor.  Weitere Forschung und eine Verbesserung der Materialien im Hinblick auf ihre Haltbarkeit seien nötig, erklärten die Fachleute. Sie betonten aber auch, wie wichtig die weltweite Förderung der Mund- und Zahngesundheit sei: Der beste Schutz, um möglich Risiken aus Zahnersatzmaterialien zu vermeiden, ist eine Karies-Vorsorge, zum Beispiel durch gute Zahnhygiene und zuckerarme Ernährung.

Metalle

Goldlegierungen sind nach bisherigem Kenntnisstand weitgehend unbedenklich und gelten als qualitativ hochwertig und sehr lange haltbar, ebenso wie das viel verwendete Titan, das zum Beispiel bei Implantatstiften eingesetzt wird. Zahnersatz aus diesen Materialien ist allerdings auch deutlich teurer als eine einfache Amalgamplombe.

In die Diskussion geraten waren Anfang der 1990er Jahre vor allem die ebenfalls verwendeten Palladiumlegierungen. Aus Kostengründen waren sehr minderwertige Qualitäten aus Südostasien eingeführt worden, die nicht selten schon nach kurzer Tragedauer Korrosion aufwiesen. Das sogenannte Spargold wurde anstelle einer hochwertigen Goldlegierung verwendet. Unklar war zunächst, ob diese "rostenden" Brücken und andere Prothesen auch ein Gesundheitsrisiko darstellten. Bei Zahnersatz guter Qualität aus Palladium deutet bis heute jedoch nichts auf Komplikationen hin. Im Frühjahr 2008 warnte die amerikanische Zahnärztevereinigung (American Dental Association, ADA) vor Bleifunden in aus China importiertem Zahnersatz. Unklar blieb, wieweit auch damals in Deutschland verwendetes Material betroffen war.

Kunststoffe, Keramik, Komposite

Kunststofffüllungen werden bezüglich des grundsätzlichen Gesundheitsrisikos noch am neutralsten beurteilt. Allerdings gilt auch hier: Eine Nutzen-Risiko-Abwägung im Vergleich zu Amalgam kann aufgrund der bisher nur wenigen Studien nicht wirklich sicher getroffen werden. Bewertungen liegen beispielweise von der Weltgesundheitsorganisation für den Kunststoff-Grundstoff Bisphenol A vor: Diese Substanz kann eventuell wie ein Hormon wirken, eine Krebsgefahr besteht aber nicht. Laut WHO geht sie zudem nur in so geringen Mengen aus Zahnmaterialien in den Körper über, dass weitere Maßnahmen nicht erforderlich seien.

Echte Keramikeinlagen sind abriebfest und neutral, haben jedoch meist eine kürzere Lebensdauer als Amalgam. Und sie sind ebenfalls vergleichsweise teuer.

Folgende nicht metallische Materialien werden heute für Zahnfüllungen verwendet:

  • Kompositkunststoffe: Sie bestehen aus Kunststoffen und harten Glas- oder Keramikteilchen. Im Vergleich zu Amalgam sind sie zwar nicht so widerstandsfähig, erreichen aber eine gute Haltbarkeit. Die Verarbeitung ist anspruchsvoll und aufwendig.
  • Glasionomer-Zemente: Sie sind relativ spröde, halten nicht sehr lange, lassen sich aber zum Beispiel am Zahnhals gut verarbeiten. Häufig enthalten sie Fluorverbindungen und bieten so zusätzlich einen gewissen Schutz vor Karies. Glasionomerzemente gibt es mit und ohne Kunststoffzusatz. Konventionelle  Glasionomerzemente enthalten keinen Kunststoff und sind daher auch bei Kunststoffallergien und -unverträglichkeiten geeignet.
  • Kompomere: Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Kompositkunststoffen und Glasionomeren. Sie vereinigt die guten Eigenschaften der beiden anderen Werkstoffgruppen, ist aber nicht so haltbar wie ein Kompositkunststoff und wird daher hauptsächlich für Provisorien oder Milchzähne genutzt.

Klebstoffe

Damit eine Füllung oder Krone lückenlos mit dem Zahn verbunden ist, muss sie mit einem Spezialkleber am Zahn befestigt werden. Zahnärzte sprechen von Haftvermittlern oder Adhäsiven. Diese Klebstoffe sind zwar giftig für die Zellen der Mundschleimhaut, allerdings ist das Risiko für die Patienten sehr niedrig: Es besteht auch nur so lange, bis der Klebstoff mittels UV-Licht oder normalem Licht ausgehärtet ist. Durch das Lichthärten werden die meisten chemischen Verbindungen der Kleber-Bestandteile stabil, schädliche Stoffe können so nicht mehr freigesetzt werden und in den Körper gelangen.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen für Interessierte und Fachkreise