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Lebermetastasen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lebermetastasen

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Therapie von Lebermetastasen

Die Behandlung ist abhängig vom ursprünglichen Tumor

Letzte Aktualisierung: 07.07.2020

Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt zu ersetzen.

  • Um Lebermetastasen zu behandeln, gibt es verschiedene Verfahren: Abhängig von der individuellen Situation kann man sie operieren, mit Medikamenten behandeln oder gezielt mit wenig eingreifenden Verfahren zerstören.
  • Medikamente kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Ärzte die Lebermetastasen nicht operieren können: Sie sollen eine Ausbreitung der Erkrankung bestmöglich bremsen und die Beschwerden lindern.
  • Im folgenden Beitrag erhalten Sie einen Überblick über die Therapiemöglichkeiten von Lebermetastasen und über das weitere Vorgehen, wenn die Behandlungen nicht mehr wirken.

Eine Übersicht unserer Informationen zu Lebermetastasen, von der Entstehung über möglichen Beschwerden und die Diagnose bis hin zur Behandlung, finden Sie unter
Lebermetastasen bei Krebs.

Arzt und Patient im Gespräch. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ
In einem Gespräch mit Ihrem Arzt können Sie sich Nutzen und Risiken der Behandlung bei Lebermetastasen erläutern lassen. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Bei Lebermetastasen gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten: Welche Art der Behandlung für Betroffene infrage kommt, ist dabei von der individuellen Erkrankungssituation abhängig. Grundsätzlich können verschiedene Therapien miteinander kombiniert werden.

Ziele der Therapie: Bei einigen Betroffenen kann die Behandlung eine Ausbreitung der Lebermetastasen vollständig stoppen oder zumindest für längere Zeit zurückdrängen. Bei anderen Krebspatienten steht im Vordergrund, vorhandene Beschwerden zu lindern und in der letzten Lebensphase eine möglichst gute Lebensqualität zu erreichen.

Folgende Therapiemöglichkeiten stehen für Krebspatienten mit Lebermetastasen zur Verfügung:

  • Eine operative Entfernung der Lebermetastasen: Sie macht eine Heilung wahrscheinlich, wenn der Arzt die Lebermetastasen vollständig entfernen kann. Das bedeutet, dass keine Tumorzellen mehr nachweisbar sind. Dies ist jedoch nicht bei allen Patientinnen und Patienten möglich.
  • Systemisch wirkende Therapien: Betroffene erhalten Medikamente, die im gesamten Körper wirken. Denn: Neben den Metastasen in der Leber können auch in anderen Körperregionen Krebszellen vorhanden sein.
  • Minimal-invasive Verfahren: Sie richten sich gezielt gegen die Metastasen in der Leber und schonen das gesunde Lebergewebe der Betroffenen.

 

Die richtige Behandlung finden

Im Gespräch mit dem behandelnden Arzt können Sie gemeinsam einen Behandlungsplan erstellen, der auch Ihre Wünsche berücksichtigt. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt Auf das Arzt-Gespräch vorbereiten.

Die richtige Therapie ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählen:

  • der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen.
  • die ursprüngliche Krebsart, der sogenannte Primärtumor. Er bestimmt beispielsweise das biologische Wachstumsverhalten der Metastasen.
  • die Lage, Größe und Anzahl der Lebermetastasen.
  • vorhandene Metastasen außerhalb der Leber.
  • das Ansprechen der Tumorzellen auf die bereits durchlaufenen Krebstherapien.
Operation: Eher eine Ausnahme

Eine operative Entfernung der Lebermetastasen ist nicht immer sinnvoll. Ihr Nutzen hängt vor allem von der persönlichen Krankheitssituation und dem Ursprungstumor ab. Viele Patienten belastet eine "OP" mehr, als sie ihnen nutzt.

Eine Chance auf Heilung besteht, wenn Ärzte einzelne Lebermetastasen durch eine Operation vollständig "im Gesunden" entfernen können. Das bedeutet, im angrenzenden Gewebe sind keine Tumorzellen mehr nachweisbar. Das ist beispielsweise bei Lebermetastasen möglich, die von Darmkrebs ausgehen oder auch von manchen neuroendokrinen Tumoren.

Nach der Operation erwartet Betroffene eventuell noch eine systemische Behandlung, meist eine Chemotherapie. Dies ist jedoch abhängig vom ursprünglichen Tumor.

Nur dann ist eine Operation möglich: Der allgemeine Gesundheitszustand des Krebspatienten sollte den Eingriff erlauben und der Chirurg sollte die Metastasen in der Leber prinzipiell entfernen können. Maßgeblich dafür sind neben der Anzahl, auch die Größe und Lage der Lebermetastasen. Denn: Nach einer Operation muss genügend Lebergewebe übrigbleiben, damit das Organ seine Funktion im Körper noch erfüllen kann.

Bei den meisten Patienten verhindert die Erkrankungssituation eine Operation:

  • Metastasen sind beispielsweise so in der Leber verteilt, dass man zu viel Lebergewebe entfernen müsste.
  • Lebermetastasen sind zudem ein Zeichen dafür, dass die Krebserkrankung fortgeschritten ist: Sind zusätzlich Metastasen außerhalb der Leber vorhanden, kann eine systemische Therapie geeigneter sein als ein operativer Eingriff.

Eine Operation von Lebermetastasen ohne heilende Absicht: Seltener kann auch eine verkleinernde Operation der Lebermetasten helfen, Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Wenn nicht mehr genügend gesundes Lebergewebe vorhanden ist

Eine Operation kommt für einen Patienten oder eine Patientin mit Lebermetastasen nicht infrage, wenn dabei zu viel Lebergewebe entfernt werden muss.

Es gibt Methoden, die die gesunden Leberanteile vergrößern können. Sie ermöglichen es unter Umständen, dass die Ärzte die Metastasen in der Leber zu einem späteren Zeitpunkt operativ entfernen können.

Folgende Verfahren können gesundes Lebergewebe vergrößern:

  • Pfortaderembolisation oder Pfortaderligatur: Beide Methoden unterbrechen die Blutversorgung im Bereich der Leber, der mit Metastasen befallen ist. Dadurch wird der gesunde Teil der Leber stärker durchblutet und zum Wachsen angeregt.
  • Zweizeitige Leberresektion: Die Ärzte entfernen zuerst einen tumortragenden Teil der Leber. Die Entfernung von Teilen der Leber regt das Organ an, neues Gewebe zu bilden. Das vergrößert die gesunde Restleber. Ist danach genügend Lebergewebe vorhanden, kann der Chirurg in einer zweiten Operation weiteres oder im besten Fall das ganze Restgewebe mit Lebermetastasen entfernen.

Lebertransplantation? Bei Lebermetastasen ist eine Lebertransplantation sehr selten. Sie kommt nur für einzelne Patienten mit neuroendokrinen Tumoren infrage.

Gibt es Risiken bei der Operation von Lebermetastasen?

Zum Weiterlesen

Antworten auf häufige Fragen zu Operationen bei einer Krebserkrankung, Narkose oder Wundheilung finden sie unter Operation – ein Überblick für Krebspatienten.

Nach einem operativen Eingriff kann es zu Komplikationen kommen: Wie bei jeder Operation sind Schmerzen sowie Wundinfektionen oder Wundheilungsstörungen nie ganz ausgeschlossen.

Je nachdem wie viel Gewebe entfernt wurde, benötigt die Leber einige Zeit, bis sie wieder voll funktionsfähig ist. Nach der Operation kann es daher eine Zeit lang vorkommen, dass bestimmte Blutwerte bei Patienten schwanken. Bei einer Operation besteht ein geringes Restrisiko, dass sich das Organ doch nicht oder nicht ausreichend erholt. Dann ist ein Leberversagen nicht ausgeschlossen.

Von der individuellen Erkrankung abhängig

Vor allem die ursprüngliche Tumorart und deren Eigenschaften spielen eine Rolle, welche Medikamente sich zur Behandlung von Metastasen in der Leber eignen.

Bei einer systemischen Therapie erhält ein Patient oder eine Patientin Medikamente, die im gesamten Körper wirken. Denn: Bei Patienten mit Lebermetastasen können auch außerhalb der Leber Krebszellen vorhanden sein.

Eine systemische Therapie kommt infrage,

  • nach einer operativen Entfernung der Lebermetastasen. Dies hängt jedoch von der individuellen Erkrankungssituation eines Patienten oder einer Patientin ab.
  • wenn eine Operation in heilender Absicht nicht möglich ist oder aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustandes nicht sinnvoll.

Ärzte orientieren sich bei der Behandlung von Lebermetastasen generell an den aktuellen Behandlungsleitlinien der jeweiligen Ursprungstumoren. Diese Leitlinien fassen Empfehlungen von Fachkreisen für die bestmögliche Krebstherapie zusammen.

Systemische Therapien zur Behandlung von Lebermetastasen:

  • Chemotherapien hindern Krebszellen daran, sich zu teilen und zu vermehren. Die Medikamente oder "Zytostatika" richten sich aber auch gegen gesundes Gewebe. Das betrifft vor allem Zellen in Geweben, die sich vergleichsweise schnell teilen, um sich zu erneuern. Dazu zählen beispielsweise die Schleimhäute und Haarwurzeln.
  • Antihormontherapien kommen für Betroffene mit hormonabhängigen Tumoren infrage. Das bedeutet, dass körpereigene Hormone diese Tumoren zum Wachstum anregen. Eine Antihormontherapie versucht diese Wirkung auf unterschiedliche Weise zu verhindern.
  • Zielgerichtete Arzneimittel (englisch: targeted therapies) richten sich gezielt gegen molekulare Strukturen oder Eigenschaften von Krebszellen.
  • Immuntherapien nutzen die Bestandteile des natürlichen Krankheits-Abwehrsystems des Körpers, um Krebs zu bekämpfen.


Was, wenn weder eine Operation noch systemische Therapien für Krebspatienten mit Lebermetastasen infrage kommen? Dann gibt es sogenannte minimal-invasive Therapien zur Behandlung von Metastasen in der Leber. Diese Verfahren zerstören die Lebermetastasen örtlich und sind dadurch schonender für Patienten. Es handelt sich also um wenig eingreifende Verfahren, die nicht den ganzen Körper belasten.

Ärzte können minimal-invasive Verfahren bei einem Patienten oder einer Patientin mit Lebermetastasen wiederholt einsetzen und zudem mit anderen Verfahren kombinieren. Diese Art von Behandlung führt bei den meisten Patienten nicht zu einer Heilung, kann krankheitsbedingte Beschwerden wie Schmerzen jedoch lindern. Eine Behandlung ohne das Ziel einer Heilung bezeichnen Fachleute als eine palliative Therapie.

Welche der Methoden am besten geeignet ist, hängt von der individuellen Erkrankungssituation der Betroffenen ab: der allgemeine Gesundheitszustand (zum Beispiel die Leberfunktion) sowie Anzahl, Größe und Lage der Metastasen in der Leber. Außerdem empfehlen Experten, dass die Behandlung der Lebermetastasen an Zentren mit erfahrenen Ärzten stattfindet.

Diese minimal-invasiven Methoden kommen infrage

Neben der individuellen Erkrankungssituation, bestimmt auch die Verfügbarkeit der Methode im behandelnden Zentrum oder der Klinik, welches Verfahren für einen Patienten oder eine Patientin infrage kommt.

Die verschiedenen Verfahren zielen auf unterschiedliche Weise darauf ab, Tumorgewebe zu zerstören:

Gezieltes Erhitzen von Lebermetastasen (Thermoablation): Unter Zuhilfenahme bildgebender Verfahren bringen Ärzte eine spezielle Sonde direkt in das Metastasengewebe ein. Diese Sonde erzeugt die notwendige Hitze, um die Lebermetastasen zu zerstören.
In der Regel ist für das Einbringen einer Sonde keine Operation notwendig, da eine örtliche Betäubung ausreicht. Es gibt unterschiedliche Wege, um die Hitze über die eingebrachte Sonde zu erzeugen: durch Strom, elektromagnetische Schwingungen oder mithilfe eines Lasers. Nach dem Eingriff erhalten Patienten in regelmäßigen Abständen Nachsorgeuntersuchungen. Ziel ist es, Folgen der Erkrankung und Therapie sowie einen Rückfall rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Verschluss von Blutgefäßen (transarterielle Verfahren): Über die Leberarterie platziert der Arzt einen Katheter in das Gefäß, das die Metastasen mit Blut versorgt.
Dafür ist nur ein kleiner Schnitt beispielsweise in der Leiste nötig, weshalb eine lokale Betäubung ausreicht.
Über diesen Katheter erhält der Patient oder die Patientin Medikamente, die zum einen die Blutgefäße der Metastasen verschließen und zum anderen das Zellwachstum der Lebermetastasen hemmen.

Gezielte Bestrahlung der Metastasen in der Leber: Eine Strahlentherapie von Lebermetastasen ist von innen oder von außen möglich.
Bei einer Bestrahlung von innen führt der Arzt einen Katheter in die Leberarterie des Patienten ein. Dann verabreicht er dem Patienten oder der Patientin über den Katheter kleine Kügelchen. Diese gelangen über den Blutstrom der Leberarterie in die Gefäße, die die Lebermetastasen mit Blut versorgen. Von den Kügelchen geht eine nur auf kurze Distanz wirksame Strahlung aus, die gezielt die Metastasen in der Leber zerstört.
Lebermetastasen lassen sich auch von außen bestrahlen, also durch die Haut hindurch. Die Strahlung ist dabei auf die Metastasen in der Leber begrenzt und schont dadurch umliegendes gesundes Gewebe bestmöglich.

Kostenübernahme: In der Regel übernehmen Krankenkassen die Kosten für eine minimal-invasive Therapie bei Lebermetastasen. Ob Krankenkassen die Kosten neuerer Verfahren tragen, sollten Sie jedoch frühzeitig abklären.



Lebermetastasen durch Hitze zerstören: Radiofrequenzablation

Die Radiofrequenzablation (RFA) ist eine gängige Methode zur Behandlung von Metastasen in der Leber, wenn eine operative Entfernung nicht möglich ist. Patienten bekommen bei diesem Verfahren eine Sonde direkt in die Metastase platziert. In der Regel sind in dieser Sonde zwei Elektroden, zwischen denen Strom fließt. Die entstehende Wärme erhitzt die Lebermetastasen und zerstört sie.

Die RFA eignet sich besonders für Krebspatienten mit wenigen Metastasen. Auch die Lage der Metastasen in der Leber spielt eine Rolle: sie sollten nicht in der Nähe von Gallenwegen, großen Blutgefäßen oder der Leberkapsel liegen.

Lebermetastasen durch Hitze zerstören: Mikrowellenablation

Die Mikrowellenablation (MWA) nutzt elektromagnetische Schwingungen, um über eine Sonde in den Metastasen Hitze zu erzeugen und sie dadurch zu zerstören.

Die WMA eignet sich für Krebspatienten mit größeren Lebermetastasen oder Metastasen in der Nähe von größeren Blutgefäßen. Im Vergleich zur RFA kann dieses Verfahren größere Tumoren mit gleichbleibender Hitze in einem schnelleren Zeitraum behandeln.

Lebermetastasen durch Hitze zerstören: Laser-induzierte Thermotherapie

Bei der Laser-induzierten Thermotherapie (LITT) erzeugen in die Lebermetastasen eingebrachte Lasersonden die notwendige Hitze, um Metastasen in der Leber zu zerstören.

Die LITT eignet sich laut Experten für Krebspatienten, die wenige, kleine Lebermetastasen und keine weiteren Metastasen außerhalb der Leber haben. Die passend gewählte Energiedosis und Einwirkdauer des Lasers schützt empfindliche Strukturen wie Blutgefäße oder Gallengänge vor Schäden.

Auf die Leber begrenzte Chemotherapie: Transarterielle Chemoembolisation

Blutversorgung von Lebermetastasen

Die Versorgung der Metastasen in der Leber übernehmen fast ausschließlich die Leberarterien.
Die Leber hingegen wird sowohl über die Pfortader als auch über den arteriellen Blutkreislauf versorgt.

Bei der Transarterielle Chemoembolisation (TACE) erhält der Patient oder die Patientin örtlich wirkende Chemotherapeutika und gefäßverschließenden Substanzen. Dadurch verschließen sich tumorversorgende Gefäße (Embolisation) und die Metastasen sterben ab. Das gesunde Lebergewebe wird weiterhin ausreichend über die Pfortader durchblutet.

Die TACE eignet sich für Krebspatienten mit mehreren in der ganzen Leber verteilten oder auf einen Teil der Leber begrenzten Metastasen. Das Verfahren nützt insbesondere bei vermehrt durchbluteten Metastasen. Dazu zählen beispielsweise Lebermetastasen, die von Tumoren in der Brust oder neuroendokrinen Tumoren abstammen.

Strahlentherapie von innen: selektive interne Radiotherapie

Die selektive interne Radiotherapie (SIRT) bestrahlt Lebermetastasen von innen und vermeidet so Strahlenschäden in anderen Körperregionen.

Patienten erhalten Kügelchen über einen Katheter in die versorgenden Blutgefäße der Lebermetastasen. Die eingebrachten Kügelchen geben über eine kurze Distanz Strahlung ab und zerstören dadurch nur die Metastasen in der Leber.

Vorbereitung: Ärzte müssen durch eine sogenannte Angiographie prüfen, ob die radioaktiven Kügelchen die Metastasen in der Leber erreichen. Dabei helfen bildgebender Verfahren wie beispielsweise eine Röntgenaufnahme: Der Patient oder die Patientin nimmt vor der Untersuchung ein Kontrastmittel ein, wodurch die Blutgefäße sichtbar werden und Ärzte den Weg der Kügelchen nachvollziehen können.

Die SIRT eignet sich für Krebspatienten bei denen andere Therapien nicht mehr wirken. Sie kommt für Patienten oder Patientinnen infrage, bei denen mehrere Metastasen über die gesamte Leber verteilt sind. Auch wenn sich die Metastasen in der Nähe von empfindlichen Strukturen wie Gallengängen oder Gefäßen befinden, kann diese Methode sinnvoll sein.

Wichtig zu wissen: Nach einer Behandlung mit radioaktiven Kügelchen kann von einem Patienten oder einer Patientin selbst Strahlung ausgehen. Deswegen kann es notwendig sein, dass Patienten aus Strahlenschutzgründen für mindestens 48 Stunden in einem Kontrollbereich im Krankenhaus bleiben müssen. Damit schützen sie sich selbst, andere Mitmenschen und die Umwelt.

Strahlentherapie von außen: Stereotaktische Strahlentherapie

Bei der sogenannten stereotaktischen Strahlentherapie erhält ein Patient oder eine Patientin eine Bestrahlung von außen durch die Haut. Die Strahlung ist dabei punktgenau auf die Metastasen in der Leber gerichtet.

Es gibt verschiedene Techniken, die sich in der Anzahl und der Dosis der einzelnen Bestrahlungen unterscheiden. Eine Bestrahlung erfordert vorab eine genaue Planung, um gesundes Gewebe nicht mit Strahlung zu belasten. Patienten müssen bei dieser Therapie zudem relativ ruhig liegen. Um das längere Liegen in einer bestimmten Situation zu erleichtern, gibt es spezielle Lagerungshilfen.

Die Stereotaktische Strahlentherapie eignet sich für Krebspatienten mit wenigen Metastasen in der Leber.

Weitere Methoden zur Behandlung von Lebermetastasen

Abhängig von der individuellen Krankheitssituation der Betroffenen können weitere Verfahren zur Behandlung von Metastasen in der Leber infrage kommen.

Dazu gehören:

  • die TACE mit Drug-eluting beads (DEB),
  • die Chemosaturation,
  • die irreversible Elektroporation (IRE),
  • der Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU),
  • die Protonentherapie,
  • die Brachytherapie sowie
  • die Perkutane Alkohol (PEI)- und Essigsäureinjektion (PAI).


Wann die Leber ihre Funktion einstellt und ein sogenanntes Leberversagen droht, können Ärzte nur schwer abschätzen. Denn die Leber kann vergleichsweise lange ihre Aufgaben erfüllen, selbst wenn größere Teile von Metastasen befallen sind.

Wie gut oder schlecht es Patienten bei einem fortgeschrittenen Krebsbefall der Leber geht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • von der ursprünglichen Tumorart, die unter anderem bestimmt wie schnell Metastasen wachsen
  • ob es noch außerhalb der Leber Metastasen gibt
  • ob noch weitere Erkrankungen vorliegen
  • Größe, Lage und Anzahl von Lebermetastasen

Unterstützung für Patienten und Angehörige

Für Betroffene und ihre Angehörige ist eine Krebserkrankung oftmals belastend. Sie sollten sich in dieser Situation nicht scheuen, so viel Unterstützung wie möglich in Anspruch zu nehmen:

  • Ärzte und ausgebildete Pflegefachleute können in der letzten Lebensphase viel für Betroffene tun: Ziel einer sogenannten palliativen Versorgung ist es, Schmerzen und Beschwerden zu lindern.
  • Die Kliniksozialdienste helfen Patienten im Krankenhaus bei Fragen und der Planung der weiteren Versorgung.
  • Krebsberatungsstellen sind gute Anlaufstellen für Patienten in ambulanter Betreuung. Sie können auf spezialisierte Pflegedienste oder ambulante Hospiz- und Palliativdienste in der Nähe verweisen.
  • Krankenkassen informieren bei Fragen zur Kostenübernahme und unterstützen bei der Suche nach Pflegediensten.
  • Psychoonkologen und Seelsorger stehen Betroffenen bei Angst vor dem Tod und Schmerzen, aber auch Angehörigen bei Verlustängsten zur Seite.


Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter Arzt- und Kliniksuche, eine Zusammenfassung bietet das Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche" (PDF).

Die ersten Ansprechpartner für Betroffene mit Lebermetastasen sind in der Regel die Ärzte, die die Behandlung der ursprünglichen Krebserkrankung durchgeführt haben.

Empfehlung von Fachleuten: Wenn Sie Metastasen haben, lassen Sie sich vor ihrer Entscheidung für eine Therapie in einem Zentrum mit erfahrenen Ärzten beraten. Dazu zählen:

  • große Krebszentren
  • zertifizierte Organzentren
  • onkologische Spitzenzentren.

Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen besprechen Krankheitsbild eines Patienten. Foto: Philip Benjamin © NCT Heidelberg
In einer Tumorkonferenz besprechen Ärzte verschiedener Fachrichtungen das Krankheitsbild eines Patienten und eine mögliche Behandlung. © Philip Benjamin, NCT Heidelberg

In einer Tumorkonferenz erarbeiten Fachärzte eine Therapieempfehlung: Leberspezialisten, Chirurgen, Radiologen und internistische Krebsmediziner besprechen die individuelle Krankheitssituation eines Krebspatienten. Die gemeinsame (interdisziplinäre) Empfehlung für einen individuellen Therapieplan des Krebspatienten berücksichtigt dabei

  • alle zur Verfügung stehenden Verfahren (multimodales Therapiekonzept),
  • die damit verbundenen Nebenwirkungen,
  • die individuellen Behandlungswünsche der Betroffenen, und
  • die Erkrankungssituation der Patientin oder des Patienten.
Die Behandlungswahl als gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient. Grafik: Lena Passek © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Recht auf Information und Beteiligung: Gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt können Sie abwägen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation die beste ist. Grafik: Lena Passek © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

In einem Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt sollten Sie von Beginn an klären, was Sie sich von einer Behandlung erwarten können:

  • Lässt sich Ihre Krankheit durch die Behandlung aufhalten?
  • Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen?
  • Was lässt sich für Ihre Lebensqualität erreichen?
  • Müssen Sie zur Behandlung ins Krankenhaus, oder ist eine ambulante Behandlung von zu Hause aus möglich?
  • Klären Sie auch, ob Sie eventuell an einer klinischen Studie teilnehmen können, in der neue Verfahren und neue Medikamente erprobt werden.

Bringen Sie auch ihre individuellen Vorstellungen bei der Entscheidung für eine Behandlung der Lebermetastasen mit ein: Erläutern Sie, was Ihnen ganz persönlich wichtig ist. Wägen Sie gemeinsam mit den Ärzten ab, was Sie an Belastungen durch die Behandlung auf sich nehmen wollen und was nicht.





Quellen und weiterführende Informationen (Auswahl)

Leitlinien

Die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom beschreibt die mögliche Behandlung von Lebermetastasen bei Darmkrebs.

Die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, sowie weitere Patientenleitlinien sind auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zu finden.

Die S2k-Leitlinie "Neuroendokrine Tumore" fasst zusammen, welche Verfahren zur Behandlung von Lebermetastasen bei neuroendokrinen Tumoren infrage kommen.

Wie Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome der Speiseröhre behandelt werden, erläutert die zugehörige S3-Leitlinie.

Die S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms erläutert die Behandlungsmöglichkeiten bei metastasiertem Lungenkrebs.

Fachartikel (Auswahl)

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Erstellt: 07.07.2020

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