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Magenkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Magenkrebs

Magenkrebs: Anatomie, Entstehung, Häufigkeit

Letzte Aktualisierung: 23.01.2020

Wie kommt es dazu, dass aus gesundem Magengewebe Krebs entsteht? Welche Teile des Magens können betroffen sein? Wie viele Menschen in Deutschland bekommen Magenkrebs?
Der folgende Text bietet Patienten, Angehörigen und Interessierten einen Überblick über den anatomischen Aufbau des Magens. Er erläutert, welche verschiedenen Krebsformen sich im Magen entwickeln können. Auch Fakten zur Häufigkeit des Magenkarzinoms in Deutschland werden genannt. Für Interessierte bieten Links Hinweise auf vertiefende Informationen und die bei der Texterstellung genutzten Quellen.

Verdauungssystem, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Der Magen liegt im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Der Magen dient als Zwischenspeicher für aufgenommene Nahrung. Deshalb können Menschen größere Mengen auf einmal essen und mit wenigen Mahlzeiten pro Tag auskommen. Der Magen übernimmt auch die Vorverdauung. Er vermischt die Nahrung mit Magensaft und gibt den Speisebrei in kleinen Portionen an den Darm weiter. Normalerweise dauert es mehrere Stunden, bis gekaute feste Nahrung den Magen durchlaufen und komplett wieder verlassen hat. Im Dünndarm erfolgt dann der größte Teil der Verdauung. Erst von dort gelangen die meisten Nährstoffe in den Körper.

Der Magen liegt im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells, zwischen der Milz und der Leber. Er ist ein hohles Organ, seine Wand enthält elastische Muskeln. Bei leerem Magen bildet die Schleimhaut viele Falten, das Organ kann sich also bei Nahrungsaufnahme problemlos ausdehnen. Sein Fassungsvermögen beträgt bei Erwachsenen dann rund eineinhalb bis zwei Liter. Der Magen kann aber - je nach Körperhaltung und Menge der aufgenommenen Nahrung - seine Größe, Form und Lage stark verändern.

Der Magen ist in mehrere Abschnitte unterteilt. An der Mündung der Speiseröhre befindet sich der Mageneingang (Kardia). Den größten Teil des Magens bildet der Magenkörper (Korpus). Die obere Ausbuchtung des Magenkörpers wird auch Fundus genannt, hier sammelt sich die bei der Nahrungsaufnahme mitgeschluckte Luft. Nach unten hin wird der Magen schmaler und geht in den Magenvorhof (Antrum) über. Der Magenausgang (Pylorus) wird auch Pförtner genannt und ist ein ringförmiger Schließmuskel. Hier mündet der Magen in den Zwölffingerdarm (Duodenum).

Magenschleimhaut: Drüsenzellen produzieren Verdauungssäfte

Magen, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Der Magen ist ein hohles, elastisches Organ. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Magenwand ist nur wenige Millimeter dick, trotzdem besteht sie aus mehreren Schichten: Innen ausgekleidet ist der Magen mit einer dünnen Schleimhaut, in der viele Drüsenzellen liegen. Unterschiedliche Typen von Zellen produzieren dort zusammen täglich rund zweieinhalb Liter Magensaft.

Ein Zelltyp bildet Salzsäure: Sie kann Keime abtöten, die mit der Nahrung aufgenommen wurden, leistet aber auch einen Anteil an der Vorverdauung. Andere Zelltypen bilden Enzyme, die für die erste Aufspaltung von Eiweißen zuständig sind.

Schließlich gibt es Zellen, die Boten- und Transportstoffe produzieren: Sie steuern wichtige Verdauungsvorgänge und sorgen unter anderem auch dafür, dass einige empfindliche Nahrungsbestandteile vom Magen unbeschadet in den Darm gelangen.

Ein Teil der Drüsenzellen der Schleimhaut produziert einen zähen Schleim. Dieser schützt die Magenschleimhaut vor der aggressiven Magensäure, aber auch anderen magenreizenden Stoffen wie Alkohol oder zu heißen Speisen.

Unter der Schleimhaut liegt eine Bindegewebeschicht. Dort verlaufen Blut- und Lymphgefäße. Ein Geflecht von Nervenfasern im Bindegewebe steuert die Tätigkeit der Magendrüsen.

Muskeln: Sie sorgen für den Nahrungstransport

Unter dem Bindegewebe liegt eine Muskelschicht. Sie besteht aus einer inneren Schicht schräg verlaufender Muskelfasern, einer Ringmuskelschicht und einer äußeren Längsmuskelschicht. Die Ringmuskelschicht ist die stärkste Schicht der Magenwand. Ihre Fasern bilden auch den ringförmigen Magenschließmuskel, den Pförtner: Er steuert die portionsweise Abgabe des Speisebreis in den Darm. Die besondere Anordnung der Muskelfasern in der Magenwand ermöglicht eine gute Durchmischung der Nahrung mit dem Magensaft. Durch das rhythmische Zusammenziehen der Muskulatur, die sogenannte Peristaltik, wird der Nahrungsbrei langsam und gleichmäßig in Richtung Magenausgang geschoben und durch den Pförtner in den Dünndarm transportiert.
Außen wird die Magenwand von einer dünnen Bauchfellschicht überzogen. Sie liegt der Muskelschicht auf und grenzt den Magen gegen die anderen inneren Organe ab.

Zum Weiterlesen

Was ist Krebs und wie entsteht er? Über Grundlagen informiert der Text "Krebsentstehung und Metastasenbildung"

Der Begriff Krebs steht für eine große Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sich Zellen der normalen Wachstumskontrolle durch den Organismus entziehen. Diese veränderten Zellen vermehren sich ungebremst, sie wachsen in umliegendes Gewebe ein und zerstören es. Sie können auch in Blutbahnen und Lymphgefäße eindringen und von da in andere Körperregionen gelangen. Wenn sie sich dort ansiedeln und erneut vermehren, entstehen Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen.

Tumoren, die ein Organ betreffen, werden solide Tumoren genannt - zu ihnen zählt auch Magenkrebs. Leukämien und Lymphome dagegen betreffen den ganzen Körper, da sich die Krebszellen über das Blut oder die Lymphbahnen im Körper verteilen. Nur bei einigen Unterarten können diese Zellen ebenfalls tastbare Knoten bilden, die den soliden Tumoren ähnlich sind.

Auslöser für genetische Veränderungen in der Tumorzelle: Risikofaktoren oder Zufall?

Krebs entsteht durch Veränderungen im Erbmaterial einzelner Zellen. In der Regel sind mehrere Schritte notwendig, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. Den Anstoß können zum Beispiel ererbte oder im Laufe des Lebens zufällig entstandene genetische Veränderungen geben. Auch manche Infektionen oder sonstige äußere Einflüsse wie etwa Chemikalien gelten als Krebsrisikofaktoren.

Ob sich aus ersten Veränderungen langfristig Krebs entwickelt, hängt von vielen Umständen ab. Je länger Risikofaktoren einwirken, desto wahrscheinlicher wird ein Schaden an einer Zelle. Die Zeit spielt noch aus einem anderen Grund eine Rolle: Die Fähigkeit des menschlichen Organismus, aufgetretene Fehler im Erbmaterial zu korrigieren, nimmt im Lauf des Lebens ab. Deshalb sind Krebserkrankungen im Alter wesentlich häufiger als bei jungen Menschen.

Dies gilt auch für Tumoren des Magens: An Magenkrebs erkranken Menschen eher in der zweiten Lebenshälfte, oft erst nach dem 60. Lebensjahr. Bei vielen Betroffenen lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, was ihre Erkrankung ausgelöst hat. Einige typische Risikofaktoren sind zwar bekannt, sie finden sich jedoch nicht bei allen Patienten. Und nicht jeder, der mit einem oder mehreren dieser Risikofaktoren lebt, muss zwangsläufig auch erkranken.

Gewebeuntersuchungen zeigen: Verschiedene Krebsarten können den Magen befallen

Magenkrebs

Die meisten Magentumoren entstehen aus den Drüsenzellen der Magenschleimhaut.

Spricht man von Magenkrebs, so ist damit fast immer ein sogenanntes Adenokarzinom des Magens gemeint; auch die folgenden Texte konzentrieren sich auf diese Tumorart. Diese Krebsform geht von den Drüsenzellen der Schleimhaut aus, die den Magen innen auskleidet. Wesentlich seltener als Adenokarzinome sind andere Typen: das sogenannte adenosquamöse, das undifferenzierte, das kleinzellige und das Plattenepithelkarzinom. Sie gehen ebenfalls von der Schleimhaut aus.

  • Achtung: Befindet sich ein Tumor am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen, dann wird er als Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs, auch AEG-Tumor, bezeichnet. Dazu zählen auch Tumoren, die direkt am Mageneingang - der sogenannten Kardia - liegen und früher Kardiakarzinome genannt wurden.
  • Liegt der Hauptteil des Tumors im Magen und mehr als zwei Zentimeter entfernt vom Übergang zwischen Magen und Speiseröhre, dann wird er als Magenkarzinom angesehen.
  • Liegt das Zentrum des Tumors dagegen direkt am Übergang oder sogar oberhalb, dann wird dieser zu den Speiseröhrenkarzinomen gerechnet und entsprechend behandelt.

Wird bei Frauen ein Tumor an den Eierstöcken, den Ovarien, festgestellt, kann es sich in seltenen Fällen ebenfalls um Magenkrebs handeln: um einen sogenannten Krukenberg-Tumor. Hier haben sich vom Magen ausgehende Krebszellen innerhalb des Bauchraums ausgebreitet und die Ovarien befallen. Es handelt sich deshalb nicht um Eierstockkrebs, sondern um Metastasen eines Magenkarzinoms in den Eierstöcken. Durch eine feingewebliche Untersuchung des Tumorgewebes kann diese Krebsart von einem Ovarialkarzinom unterschieden werden.

Fragen zu Krebserkrankungen des Magens, auch zu den selteneren, die keine Karzinome sind, beantwortet der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail.

Weitere Tumorarten, die auch im Magen vorkommen können

Selten können im Magen Tumorerkrankungen auftreten, die von anderen Geweben als der Magenschleimhaut ausgehen. Sie können auch in anderen Regionen des Körpers entstehen, kommen aber auch im Magen vor:

  • Gastrointestinale Stroma-Tumoren (GIST) werden den Weichteilsarkomen zugeordnet. Sie entstehen aus Vorläuferzellen des Binde- und Stützgewebes und können im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen. Am häufigsten werden sie im Magen und Dünndarm diagnostiziert. Sie sollten nur in besonders spezialisierten Kliniken behandelt werden. Weitere Informationen bietet der Text "Gastrointestinale Stromatumoren".
  • Sogenannte Leiomyosarkome zählen auch zu den Weichteilsarkomen. Sie gehen von den Muskelzellen des Magens aus. Fachleute empfehlen die Betreuung in spezialisierten Kliniken, die viel Erfahrung in der Sarkombehandlung haben. Einen Überblick über Entstehung und Behandlung dieser Tumoren gibt der Text "Weichteilsarkome".
  • Das MALT-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes, die auch in der Magenwand entstehen kann. Es zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen und wird wie diese behandelt. Informationen hierzu hat der Krebsinformationsdienst unter dem Thema "Maligne Lymphome" zusammengestellt.
  • Neuroendokrine Tumoren des Magen-Darm-Trakts (GEP-NET) entwickeln sich aus hormonproduzierenden Zellen des Verdauungssystems. Der Krebsinformationsdienst hat eine Liste mit Broschüren zum Thema neuroendokrine Tumoren im Verdauungstrakt zusammengestellt.
  • Sehr selten können sich auch Metastasen anderer Tumoren, zum Beispiel der Brust oder der Lunge, im Magen ansiedeln.

Bei den Krebsneuerkrankungen steht Magenkrebs an achter Stelle bei Männern und an zehnter Stelle bei Frauen. Im Jahr 2016 erkrankten in Deutschland etwa 9.300 Männer und 5.840 Frauen an einem Karzinom des Magens. Im Jahr 2020 erhalten voraussichtlich 8.900 Männer und 5.400 Frauen diese Diagnose. Magenkrebs ist bei älteren Menschen wesentlich häufiger als bei jüngeren. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei rund 72 Jahren, bei Frauen bei 76 Jahren.

Über diese und weitere statistische Daten informieren das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Magenkrebs/magenkrebs_node.html) und die Gesellschaft epidemiologischer Krebsregister (www.gekid.de) in der Broschüre "Krebs in Deutschland". Allgemeine Informationen zur Verbreitung von Krebserkrankungen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsstatistiken: Wie häufig ist Krebs in Deutschland?" zusammengestellt.

Warum sinkt die Zahl der Magenkrebserkrankten?

Magenkrebs wird seltener

Immer weniger Menschen erkranken in Deutschland an Magenkrebs. Das liegt vor allem an veränderten Ernährungsgewohnheiten und daran, dass es weniger Infektionen im Magen gibt.

Insgesamt sinkt die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen an Magenkrebs in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten deutlich. Dasselbe gilt auch für andere Industrienationen. Dies führen Fachleute einerseits auf veränderte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zurück, andererseits aber auch auf eine sinkende Anzahl von Infektionen mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Mehr Informationen zu Ursachen und Risiken für die Entwicklung von Magenkrebs bietet der Text "Risikofaktoren und Auslöser: Was begünstigt Magenkrebs?".

Auch die Behandlungsmöglichkeiten bei Magenkrebs haben sich verbessert: Immer mehr Menschen können geheilt werden oder längere Zeit mit ihrer Erkrankung leben. Noch immer gehört Magenkrebs allerdings zu den Krebsarten, die oftmals erst in einem späten Stadium entdeckt werden, in dem die Heilungschancen geringer sind. Wie Magenkrebs behandelt werden kann, beschreibt das Kapitel "Behandlungsverfahren bei Magenkrebs".



Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Die Broschüre "Krebs in Deutschland" ist eine gemeinsame Veröffentlichung des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Im Internet kann sie als PDF unter www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html und unter www.gekid.de heruntergeladen und ausgedruckt werden. Der gedruckte Bericht kann kostenlos über ein Kontaktformular unter www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Service/Kontakt/Integrator.html bestellt werden.

Das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (www.rki.de) führt die Daten der epidemiologischen Landeskrebsregister auf Bundesebene zusammen. Im Internet informiert das Zentrum unter der Adresse www.krebsdaten.de.

Die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. informiert unter www.gekid.de. Dort sind auch die Adressen der regionalen Register abrufbar, Stichwort "Mitglieder". Ein interaktiver Atlas erlaubt die online-Suche nach regionalen Daten.

Erstellt: 09.06.2016