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Lymphomzelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Maligne Lymphome – Warnzeichen, Diagnose und Behandlung

Kurzinformationen zu Hodgkin-Lymphomen, Non-Hodgkin-Lymphomen und multiplem Myelom

Maligne Lymphome sind verschiedene Krebserkrankungen des lymphatischen Systems. Zum lymphatischen System gehören die Lymphknoten, die Mandeln und die Milz. Lymphatisches Gewebe findet sich aber auch an anderen Stellen im Körper, etwa im Magen, im Darm oder in der Haut. Bei Lymphomen wachsen weiße Blutkörperchen, die sogenannten Lymphozyten, unkontrolliert. Geschwollene Lymphknoten sind ein Anzeichen der Erkrankung, aber nicht das Einzige. Auch allgemeine Beschwerden wie Fieber, sehr starkes Schwitzen, Gewichtsverlust oder Beschwerden an den betroffenen Organen können auftreten. Es gibt aggressive Krankheitsverläufe, die sofort behandelt werden müssen. Für andere Patienten kann es ausreichen, zunächst abzuwarten und regelmäßig zur Kontrolle zu gehen.

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Lymphome: Kurz erklärt

Lymphatisches System und lymphatische Organe © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lymphknoten, Lymphbahnen und lymphatische Organe © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Graphik: Lena Passek

Lymphome sind in der Regel bösartige Tumoren des lymphatischen Systems. Der umgangssprachliche Begriff ist Lymphdrüsenkrebs. Wörtlich bedeutet das Wort Lymphom "Lymphknotenschwellung".

Das lymphatische System ist kein einzelnes Organ. Es ist über den ganzen Körper verteilt. Das lymphatische System besteht aus Lymphbahnen, die das Gewebswasser ("Lymphe") transportieren sowie aus lymphatischen Organen. Das sind zum einen die primären lymphatischen Organe Thymus und Knochenmark: Dort reifen die die Zellen des lymphatischen Systems, die sogenannten Lymphozyten. Das ist eine Untergruppe der weißen Blutzellen. Zu den sekundären lymphatischen Organen zählen beispielsweise Lymphknoten, die Milz oder lymphatisches Gewebe im Magen-Darm-Trakt und im Rachen ("Mandeln").

Bei malignen Lymphomen entarten die Lymphozyten und beginnen unkontrolliert zu wachsen und sich zu vermehren.

Auch wenn bei einem Lymphom meist die Lymphknoten anschwellen, kann es – unabhängig von einem Lymphknoten – überall im Körper auftreten.

Abgrenzung: Hodgkin Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom, multiples Myelom

Innerhalb der malignen Lymphome gibt es historisch betrachtet drei große Gruppen: das Hodgkin-Lymphom, die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) und das Multiple Myelom, das zu den sogenannten Plasmazellerkrankungen gehört.

  • Hodgkin-Lymphome (Morbus Hodgkin) sind eine eigenständige Lymphomart. Der Name stammt von dem Arzt Sir Thomas Hodgkin, der diese spezielle Krebserkrankung des lymphatischen Systems vor 200 Jahren erstmals beschrieben hat.
  • Non-Hodgkin-Lymphome sind alle anderen Lymphomarten – also solche, die nicht als Hodgkin-Lymphom gelten. Daher der Name "Non"-Hodgkin-Lymphome (Non = Nicht). Der Begriff fasst rund 30 verschiedene Lymphom-Erkrankungen zusammen.
  • Multiple Myelome ("Knochenmarkkrebs") gehören ebenfalls zu den bösartigen Lymphomen. Denn: Sie gehen von reifen B-Lymphozyten, sogenannten Plasmazellen aus. Diese siedeln sich fehlerhaft im Knochenmark an und vermehren sich dort. Daher der Name Myelom (myelos = Knochenmark).

Den Begriff "Non-Hodgkin-Lymphom" hört man in der Praxis noch häufig. Experten verwenden ihn für die Einteilung der malignen Lymphome offiziell nicht mehr: Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet Lymphome mittlerweile nach der Lymphozytenart, von der die Erkrankung ausgeht.

Keine Lymphome: Lymphknotenbefall durch andere Tumorarten

Maligne Lymphome gehen vom lymphatischen Gewebe aus. Sie sind nicht zu verwechseln mit Lymphknotenmetastasen.

Lymphknotenmetastasen sind Absiedlungen eines anderen Tumors in den Lymphknoten. Bei vielen Krebsarten, zum Beispiel bei Brustkrebs oder Darmkrebs, können sich Tumorzellen über das Lymphsystem im Körper ausbreiten. Werden bei einem Krebspatienten Tumorzellen in den Lymphknoten gefunden, muss das nicht bedeuten, dass ein malignes Lymphom vorliegt.

Niedrig-maligne oder hoch-maligne?

Ein Lymphom kann eher langsam verlaufen oder sehr rasch fortschreiten.

Niedrig-maligne, indolente Lymphome: Sie entwickeln sich langsam über Jahre bis Jahrzehnte. Es handelt sich um chronische Krankheiten, die sich durch Behandlung meist gut zurückdrängen lassen. Dauerhaft heilbar sind sie in der Regel nicht. Die Patienten werden lebenslang medizinisch betreut und gegebenenfalls wiederholt behandelt. Zu den niedrig-malignen Lymphomen zählen beispielsweise:

Hoch-maligne, aggressive Lymphome: Sie schreiten ohne Behandlung rasch voran. Allerdings können Betroffene oft bereits mit einer ersten intensiven Behandlung geheilt werden. Typische hoch-maligne Lymphome sind:

  • Diffuses großzelliges Lymphom
  • Burkitt-Lymphom

Risikofaktoren für Lymphome

Experten können bis heute keine allgemeingültigen Risikofaktoren benennen, die zu einem Lymphom führen. Bei den meisten Patientinnen und Patienten lässt sich deshalb im Nachhinein nicht feststellen, was die Erkrankung ausgelöst hat.

Nach heutigem Wissen müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken, bevor ein bösartiges Lymphom entsteht. Einige Faktoren erhöhen dabei die Wahrscheinlichkeit, an einem Lymphom zu erkranken.

  • Strahlen- und Chemotherapie: Beide Behandlungsformen sind Risikofaktoren für Leukämien und vermutlich auch für Lymphome.
  • Stark und/oder dauerhaft geschwächtes Immunsystem: Abwehrunterdrückende Medikamente etwa nach einer Organtransplantation oder eine HIV-Infektion können ein Lymphom begünstigen.
  • Infektionen: Zum Beispiel kann das Epstein-Barr-Virus (EBV) dazu beitragen, dass ein Burkitt-Lymphom entsteht. Das Bakterium Helicobacter pylori löst MALT-Lymphome im Magen aus.
  • Autoimmunerkrankungen: Einige seltene Krankheiten, bei denen sich das Immunsystem gegen Strukturen des eigenen Körpers richtet, scheinen ebenfalls das Risiko für Lymphome zu erhöhen.

Vererbung: Bisher haben Forscher keine Erbanlagen gefunden, die eindeutig zu einer Häufung von Lymphomen führen. Wenn in einer Familie schon häufiger bösartige Blutkrankheiten aufgetreten sind, scheint das Risiko für ein Lymphom allerdings erhöht zu sein.

Beschwerden: Welche Symptome zeigen Lymphome?

Typische Warnzeichen für ein Lymphom sind schmerzlose Lymphknotenschwellungen: Sind Lymphknoten über einen längeren Zeitraum geschwollen (2 – 4 Wochen), sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Lymphome können zu allgemeinen, unspezifischen Beschwerden führen, die auch bei anderen Krankheitsbildern auftauchen. Fachleute sprechen von B-Symptomen:

  • Fieber: über 38 Grad Celsius ohne andere erkennbare Ursache
  • starker Nachtschweiß: Wechseln des Schlafanzugs oder Bettzeugs nötig
  • ungewollter Gewichtsverlust: Körpergewicht nimmt in einem halben Jahr um mehr als ein Zehntel ab.

Weitere Beschwerden hängen davon ab, in welchem Organ oder Gewebe sich Lymphomzellen finden. Beispiele sind:

  • Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen
  • Husten, Atembeschwerden
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Keine Möglichkeiten der Früherkennung: Es gibt keine Untersuchung, die mit einfachen Mitteln ein Lymphom frühzeitig nachweisen kann. Zudem handelt es bei Lymphomen um sehr unterschiedliche und seltene Erkrankungen. Ein bevölkerungsweites Früherkennungsscreening ist daher nicht sinnvoll.

Diagnose von Lymphomen: Untersuchungen bei Krebsverdacht

Diagnose sichern: Hat der Arzt oder die Ärztin den Verdacht, dass ein Lymphom vorliegt, müssen sie den Betroffenen umfangreich untersuchen:

  • Der Arzt fragt den Betroffenen nach der Krankengeschichte und Beschwerden wie Fieber, nächtlichem Schwitzen und ungewollten Gewichtsverlust (B-Symptome).
  • Er tastet die Lymphknoten und den Bauch ab und begutachtet die Mandeln.
  • Der Arzt entfernt den verdächtigen Lymphknoten in einer kleinen ambulanten Operation oder entnimmt eine Gewebeprobe (Biopsie). Laborärzte untersuchen das Gewebe unter dem Mikroskop.

Ausbreitung untersuchen

Liegt ein Lymphom vor, müssen die Ärzte genau erfassen, wo sich das Lymphom im Körper ausgebreitet hat. Dafür führen sie in der Regel folgende Untersuchungen durch:

  • bildgebenden Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgenuntersuchungen, Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) oder Positronenemissionstomographie (PET)
  • Untersuchung von Blut und Knochenmark sowie in selteneren Fällen des Nervenwassers (Liquor).

Behandlung von Lymphomen: Therapie-Überblick

Das beeinflusst die Behandlungswahl: Ob und wann eine Patientin oder ein Patient mit einem Lymphom eine Behandlung benötigt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Bedeutsam ist zum einen die Art des Lymphoms:

  • Aggressives, (hoch-malignes) Lymphom: Ärzte müssen sofort und intensiv behandeln. Oft reicht eine erste Behandlung aus.
  • Langsam verlaufendes (niedrig-malignen) Lymphom: Eine Behandlung ist in vielen Fällen erst notwendig, wenn Beschwerden auftreten. Die Betroffenen müssen lebenslang betreut und gegebenenfalls wiederholt behandelt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten für einen Patienten in Frage kommen, können die Ärzte erst dann festlegen, wenn sie die genaue Diagnose kennen. Entscheidend dafür ist auch die Ausbreitung des Lymphoms im Körper, das Alter und der Gesundheitszustand des Patienten.

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Lymphom

Erst einmal abzuwarten und zu beobachten, kommt nur bei manchen Patientinnen und Patienten mit einem langsam wachsenden (niedrig malignen) Lymphom in Frage. Die Patientinnen und Patienten müssen dann regelmäßig für Kontrolltermine zum Arzt. Der Arzt kontrolliert die Blutwerte und führt – abhängig vom vorliegenden Lymphom – weitere Untersuchungen durch.

Ist eine Behandlung notwendig, setzen Ärztinnen und Ärzte bei Lymphomen am häufigsten eine Chemotherapie ein. Oft kombinieren sie die Chemotherapie mit einer Antikörpertherapie. Diese Kombination wird auch Immun-Chemotherapie genannt. Einige Patienten erhalten die Antikörpertherapie auch allein, ohne eine Chemotherapie.

Darüber hinaus werden verschiedene zielgerichtete Medikamente sowie neue Formen der Immuntherapie für die Behandlung von Lymphomen erforscht und zunehmend eingesetzt.

Eine alleinige örtliche Strahlentherapie kommt nur für wenige Lymphom-Patienten infrage. Ärzte setzen sie beispielsweise ein, wenn das Lymphom langsam wächst und örtlich begrenzt ist. In Kombination mit einer Chemotherapie oder Chemo-Immuntherapie kommt eine Strahlentherapie auch für andere Erkrankungssituationen in Betracht.

Eine alleinige Operation des Lymphoms ist in der Regel keine geeignete Therapiemöglichkeit. Denn Lymphome betreffen meist den ganzen Körper − auch dann, wenn die entarteten Lymphozyten nur an einer oder wenigen Stellen im Körper direkt nachweisbar sind.

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