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Leukämiezellen (B-Lymphozyten), Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Leukämien bei Erwachsenen: Häufigkeit, Auslöser, Symptome

Wer erkrankt an Blutkrebs?

Der folgende Text richtet sich an erwachsene Patienten mit Leukämie, ihre Angehörigen und an Interessierte. Er informiert über aktuelle Statistiken zur Häufigkeit von Leukämien und fasst das Wissen über die Auslöser der verschiedenen Krankheitsformen zusammen. Woran erkennt man eine Leukämie? Die häufigsten Symptome sind im folgenden Text ebenfalls aufgeführt.
Informationen aus dem Internet können eine ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen. Wer sich Sorgen über mögliche Risikofaktoren macht, sich unwohl fühlt oder konkrete Krankheitssymptome verspürt, sollte auf jeden Fall den Hausarzt oder den behandelnden Facharzt aufsuchen.

Letzte Aktualisierung: 21.09.2012

Quellen und Links

Genutzte Quellen sind im folgenden Text nach Möglichkeit direkt verlinkt. Eine Übersicht weiterer Quellen für Interessierte und Fachkreise findet sich außerdem im Text "Mehr wissen über Leukämien: Adressen, Links, Broschüren, Fachinformationen" Anlaufstellen und Informationsquellen für Leukämien bei Kindern bietet der Text "Krebs bei Kindern und Jugendlichen".

Statistik: Wie häufig sind Leukämien?

Im Jahr 2012 erkrankten etwa 12.640 Menschen in Deutschland an einer Leukämie. Davon waren etwa fünf Prozent Kinder unter 15 Jahren.

Mit 95 Prozent stellen Erwachsene die Mehrzahl der Betroffenen. Mehr als ein Viertel der erwachsenen Patienten leidet an akuter myeloischer Leukämie. Die akute lymphatische Leukämie und die chronische myeloische Leukämie kommen bei Erwachsenen deutlich seltener vor. Von diesen Erkrankungen ist jeweils etwa jeder zehnte Leukämiepatient betroffen. Daneben gibt es weitere, seltenere Leukämieformen.

Etwa 38 von 100 Erwachsenen, die in den Statistiken als Leukämiepatienten gezählt werden, sind an chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) erkrankt, Männer etwas häufiger als Frauen. Hier zeigt sich allerdings eine gewisse Unschärfe bei der internationalen Krebsregistrierung: Die CLL wird aus medizinischer Sicht heute, trotz des Namens, auch als malignes Lymphom betrachtet (mehr dazu im Text "Maligne Lymphome: Lymphdrüsenkrebs bei Erwachsenen").

Leukämien gehören bei Erwachsenen insgesamt zu den eher seltenen Krebserkrankungen, vergleicht man sie etwa mit Brustkrebs, Prostatakrebs oder Lungenkrebs.

Bei Kindern und Jugendlichen treten fast ausschließlich akute Leukämien auf. Etwas mehr als ein Viertel der jungen Patienten sind an einer akuten lymphatischen Leukämie erkrankt. Akute myeloische Leukämien kommen bei Kindern seltener vor, und chronische Leukämien sind die Ausnahme. Achtung: Kinder und Jugendliche mit Leukämie benötigen eine an ihre Situation angepasste Behandlung und auch eine andere Betreuung als Erwachsene. Hintergrundinformationen und Ansprechpartner für ratsuchende Eltern, jugendliche Patienten und Interessierte hat der Krebsinformationsdienst nicht hier, sondern im Text "Krebs bei Kindern" zusammengestellt.

Einen Überblick über die Erkrankungsraten und weitere statistische Daten bietet die Broschüre "Krebs in Deutschland". Sie wird vom Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister zur Verfügung gestellt wird - im Internet unter www.krebsdaten.de und www.gekid.de.

Auslöser: Welche Risikofaktoren sind heute bekannt?

Zwar gibt es einige bekannte Risikofaktoren für die Entstehung einer Leukämie. Diese finden sich jedoch nur bei wenigen Patienten. Auch erkrankt längst nicht jeder Mensch zwangsläufig, der mit einem oder mehreren dieser Faktoren lebt.

  • Zu den bekanntesten Risikofaktoren, die akute Leukäme auslösen können, zählt ionisierende Strahlung. Relevant ist das Risiko jedoch überwiegend erst bei höheren Dosen, zum Beispiel nach einer Strahlentherapie,
  • Auch chemische Substanzen steigern das Risiko, zum Beispiel manche Lösungsmittel wie etwa das heute weitgehend verbotene Benzol. Für ehemalige Krebspatienten stellen auch Medikamente zur Chemotherapie gegen Krebs (Zytostatika) eine Risikosteigerung dar.
  • Menschen mit bestimmten genetischen Veränderungen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Leukämie zu erkranken. Betroffen sind beispielsweise Menschen mit einer Trisomie 21 (Down-Syndrom).

Daneben wird diskutiert, ob ein ungenügendes Training des Immunsystems im Kindesalter zur Risikosteigerung beiträgt, bisher ohne abschließendes Ergebnis.

  • Für Leukämien nicht belegt ist ein Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung oder Körpergewicht. Einzige Ausnahme ist allenfalls die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) die trotz ihres Namens heute zu den Lymphomen und nicht mehr zu den Leukämien gerechnet wird.
  • Dass elektromagnetische Felder wie etwa bei der Handynutzung oder bei Hochspannungsleitungen das Risiko erhöhen, an einer Leukämie zu erkranken, konnte bislang trotz vieler Forschung ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

Da es kaum beeinflussbare Risikofaktoren gibt, lässt sich einer Leukämie auch nicht vorbeugen. Für Betroffene kann dies vielleicht eine Entlastung darstellen: Sie haben nichts "falsch gemacht" und so ihre Krankheit verursacht. 
Experten gehen heute davon aus, dass bei den meisten Patienten Leukämien als eine Art zufälliger Fehler bei der Zellteilung entstehen, ohne dass sich ein konkreter Auslöser feststellen ließe. Wie solche Abweichungen und kleinen Ungenauigkeiten im Erbmaterial von Blutstammzellen zu einer Blutkrebserkrankung führen können, erläutert der Text "Tumorentstehung und Metastasenbildung".

Symptome: Woran erkennt man eine Leukämie?

Viele Symptome entstehen, weil bei Leukämiepatienten zu wenig gesunde Blutzellen gebildet werden oder das Übermaß an kranken, leukämischen Zellen die Funktion von Organen beeinträchtigt. Welche Anzeichen auf eine Erkrankung hindeuten, hängt unter anderem davon ab, ob die Leukämie akut oder chronisch verläuft.

Bei akuten Leukämien treten die  Symptome plötzlich, aus völliger Gesundheit heraus auf. Der Gesundheitszustand der Erkrankten kann sich innerhalb weniger Tage dramatisch verschlechtern. Typische, aber zu Beginn wenig aussagekräftige Krankheitszeichen sind

  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Blässe,
  • hartnäckige Infektionen und Fieber,
  • öfter Nasen- oder Zahnfleischbluten, Neigung zu punktförmigen Hautblutungen (Petechien), blauen Flecken (Hämatomen) und einer verzögerten Blutstillung nach Verletzungen,
  • Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust,
  • Knochenschmerzen,
  • vergrößerte Lymphknoten - etwa am Hals, in den Achselhöhlen oder in der Leiste - sowie eine vergrößerte Milz. Diese kann sich zum Beispiel durch ein Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch oder durch Übelkeit und Erbrechen äußern.
  • Durch eine große Menge von weißen Blutkörperchen können auch andere Organe vergrößert oder beeinträchtigt sein, zum Beispiel die Leber. Dies kann ein Druckgefühl im oberen Bauchbereich hervorrufen.
  • Kleine Blutgefäße  können verstopfen. Eher selten können sich leukämische Zellen auch in der Haut ansammeln, wo sie sich zum Beispiel als bräunlich-rote oder violette Flecken, Knötchen oder Blasen bemerkbar machen können.
  • Ebenfalls selten kommt es zu einem Befall des zentralen Nervensystems. Patienten leiden unter starken Kopfschmerzen, Schwindel, Gefühlsstörungen oder Lähmungen.

Chronische Leukämien entwickeln sich schleichend. Es kann Monate oder Jahre dauern, bis Betroffene tatsächlich unter Symptomen leiden. Daher wird die Erkrankung oft zufällig entdeckt, zum Beispiel wenn der Arzt aus anderem Grund eine Blutuntersuchung (ein "Blutbild") durchführen lässt. Die Symptome einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) hängen vor allem davon ab, wie stark bei Betroffenen die normale Blutbildung gestört ist. Möglich sind:

  • allgemeine und unspezifische Krankheitssymptome wie Müdigkeit, Blässe, Leistungsminderung, allgemeines Unwohlsein,
  • oft eine starke Milzschwellung mit Druck- und Völlegefühl oder Schmerzen im Oberbauch,
  • Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust,
  • Fieber ohne klare Ursache,
  • starkes nächtliches Schwitzen (sogenannter Nachtschweiß),
  • Knochenschmerzen,
  • manchmal eine Neigung zu punktförmigen Hautblutungen oder blauen Flecken, Nasen- oder Zahnfleischbluten,
  • eventuell Störungen der Nierenfunktion oder Beeinträchtigungen anderer innerer Organe.

Keines der Krankheitszeichen beweist für sich allein das Vorliegen einer Leukämie. Auch müssen nicht alle genannten Symptome gleichzeitig auftreten. Die Diagnose wird allein aufgrund des Nachweises unreifer Zellen im Blut und im Knochenmark gestellt.

Symptome myelodysplastischer Syndrome

Unter myelodysplastischen Syndromen werden verschiedene  Krankheitsformen zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen, dass die Reifung der Blutzellen gestört ist. Je nach Unterform sind die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen, die Blutplättchen oder mehrere Zellreihen betroffen. Dadurch kann es zu jeweils typischen Symptomen kommen:

  • Mangel an roten Blutkörperchen: "Blutarmut" (Anämie) mit Symptomen wie zum Beispiel Blässe, Müdigkeit, Schwindel, Ohrensausen oder Übelkeit
  • Mangel an weißen Blutkörperchen: Infektionsanfälligkeit wegen Abwehrschwäche gegenüber Krankheitserregern
  • Mangel von Blutplättchen: Blutungsneigung, vermehrt punktförmige Hautblutungen oder blaue Flecken, Zahnfleischbluten oder Nasenbluten