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Leukämiezellen (B-Lymphozyten), Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Leukämieverdacht bei Erwachsenen: Wichtige Untersuchungsverfahren

Wie wird ein Krankheitsverdacht abgeklärt?

Eine akute Leukämie führt meist innerhalb kurzer Zeit zu sehr schweren gesundheitlichen Problemen. Die Diagnose wird anhand typischer Veränderungen im Blut gestellt. Chronische Leukämien machen sich dagegen oft längere Zeit gar nicht bemerkbar. Viele Betroffene erfahren von ihrer Erkrankung durch Zufall, zum Beispiel bei einer Blutuntersuchung aus anderem Anlass.

Welche Untersuchungen kommen auf Patienten zu, bei denen der Verdacht auf eine Leukämie besteht? Der folgende Text bietet einen Überblick über die wichtigsten diagnostischen Verfahren bei Erwachsenen. Ein Teil der geschilderten Untersuchungen begleitet Betroffene dann auch während ihrer Erkrankung: Sie eignen sich ebenso zur Kontrolle, ob die Behandlung wirkt oder nicht. Welche Untersuchung im Einzelfall wichtig ist, können allerdings nur die verantwortlichen Ärzte beurteilen.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt verlinkt. Eine Übersicht wichtiger Quellen für Interessierte und Fachkreise findet sich außerdem unter "Mehr wissen über Leukämien: Adressen, Links, Broschüren, Fachinformationen". Besteht bei Kindern oder Jugendlichen der Verdacht auf eine Leukämie, kann die Vorgehensweise anders aussehen. Ansprechpartner und Links zu Hintergrundinformationen bietet der Text "Krebs bei Kindern und Jugendlichen".

Ansprechpartner bei Krankheitsverdacht: Wer hilft weiter?

Oft wenden sich Patienten mit verdächtigen Symptomen zuerst an ihren Hausarzt. Manchmal wird eine Leukämie auch im Rahmen einer Routineuntersuchung zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Blutuntersuchung.

Bei Verdacht auf eine chronische Leukämie überweisen Hausärzte in der Regel an Spezialisten für Blut- und Krebserkrankungen: an Fachärzte für Innere Medizin mit einer Weiterbildung in Hämatologie und Onkologie. Diese beziehen bei Bedarf weitere Fachärzte mit ein, zum Beispiel Fachärzte für Radiologie, wenn bildgebende Untersuchungen, wie etwa eine Computertomographie, notwendig sind. Auch die Überweisung in die Ambulanz eines spezialisierten Krankenhauses ist möglich.

Patienten mit akuten Leukämien müssen sofort behandelt werden. Dazu müssen sie in ein spezialisiertes Krankenhaus eingewiesen werden: Hier können die nötigen Untersuchungen und erste Behandlungsschritte schnell eingeleitet werden.

Wie findet man gute Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Leukämie? Informationen, Adresstipps und Links hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Mehr wissen über Leukämien" zusammengestellt.

Erstuntersuchung: Was wird bei allen Patienten gemacht?

Wie bei anderen Arztterminen auch beginnt die Abklärung eines Leukämieverdachts mit den Fragen des Arztes nach dem Allgemeinbefinden, nach Beschwerden oder auffälligen körperlichen Veränderungen. Auch eine körperliche Untersuchung gehört dazu, zum Beispiel das Abtasten von Lymphknoten, Leber  und Milz.

Um eine Leukämie sicher feststellen oder ausschließen zu können, wird aber auf jeden Fall eine Blutuntersuchung gemacht. Patienten bekommen dazu Blut abgenommen, meist aus einer Armvene. In vielen Arztpraxen ist eine erste Prüfung auf veränderte Zellen möglich, meist wird die Probe aber an ein spezialisiertes Labor geschickt. Dort  untersuchen geschulte Mitarbeiter das Blut unter dem Mikroskop. Das Aussehen und das Zahlenverhältnis der einzelnen Blutzellen zueinander geben erste Hinweise auf die Erkrankung.

Zur genauen Diagnose untersuchen Ärzte immer auch das Knochenmark, in dem die Blutzellen gebildet werden. Unter örtlicher Betäubung entnehmen Ärzte eine Probe aus den Beckenknochen. Sie durchstechen die Haut und punktieren den Knochen auf Höhe des Beckenkamms, also im hinteren oberen Bereich der Beckenschaufel. Dann saugen sie ein wenig Knochenmark mit einer Hohlnadel in eine Spritze  (Aspiration). Nur wenn dies nicht gelingt, stanzen die Ärzte mit einer größeren Nadel einen kleinen Knochenmarkzylinder aus (Biopsie). Wie auch das Blut wird das Knochenmark in spezialisierten Labors untersucht. Zur modernen Leukämiediagnostik nutzen Fachleute heute auch eine Reihe von molekularbiologischen Tests. So wird beispielsweise die Erbinformation der Leukämiezellen auf Veränderungen hin untersucht, die für die verschiedenen Krankheitsformen typisch sind. Bis die Ergebnisse dieser speziellen Untersuchung vorliegen, vergehen in der Regel einige Tage.

Ausbreitungsdiagnostik: Welche Untersuchungen können noch nötig sein?

Je nach der Unterart der Leukämie und den vorhandenen Krankheitszeichen können weitere Untersuchungen notwendig werden. Wie gut der Allgemeinzustand eines Patienten ist, ist wichtig für die Therapieplanung. Daher werden vor Behandlungsbeginn meist auch Herz-, Lungen- und Nierenfunktion geprüft, oder die Ärzte klären ab, ob noch weitere Erkrankungen vorliegen.

Zur Therapieplanung versuchen Ärzte außerdem festzustellen, wie weit sich die Leukämiezellen im Körper ausgebreitet haben. Sind noch andere Organe als Blut und Knochenmark betroffen, kann dies zu typischen Symptomen führen und ist Anlass für weitere Tests.

Gehirn, Rückenmark

 Bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) und einigen Unterformen der akuten myeloischen Leukämie (AML) finden sich bei manchen Patienten Leukämiezellen auch in Gehirn oder Hirnhäuten. Symptome können Kopfschmerzen oder neurologische Ausfälle sein, zum Beispiel Lähmungen.
Um Leukämiezellen im Zentralnervensystem nachzuweisen, entnehmen Ärzte mit einer Nadel etwas Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Diese sogenannte Lumbalpunktion ist zwar unangenehm, aber weniger schmerzhaft, als viele Betroffene befürchten. Eine lokale Betäubung der Haut kann trotzdem gemacht werden. Die Nadel wird durch die Haut und zwischen den Wirbeln der Lendenwirbelsäule eingestochen und vorsichtig durch die harte Gewebehülle geführt, die zusammen mit dem Nervenwasser das Rückenmark umhüllt und schützt. Die entnommene Probe des Nervenwassers wird unter dem Mikroskop auf Leukämiezellen hin untersucht.
Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann bei Verdacht auf Absiedlungen im Gehirn ebenfalls sinnvoll sein. Auf den Bildern lassen sich Ansammlungen von Leukämiezellen nicht selten von gesundem Hirngewebe unterscheiden.

Innere Organe

Mit einer Ultraschalluntersuchung und eventuell einer Computertomographie (CT) des Bauchraums überprüfen Ärzte, ob auch Milz oder Leber, Nieren oder Darm von Leukämiezellen befallen und deshalb sichtbar vergrößert oder verändert sind. Dies kann bei allen Leukämieformen vorkommen.

Knochen

Besteht der Verdacht, dass die Zellen des erkrankten Knochenmarks sich in den Knochen selbst ausbreiten, zum Beispiel weil Betroffene unter Knochenschmerzen leiden, wird manchmal eine MRT, eine Computertomographie (CT) oder eine Szintigraphie gemacht, um Veränderungen im Knochen nachzuweisen.

Verlaufskontrolle: Hat die Behandlung Erfolg?

Viele der hier aufgeführten Untersuchungen begleiten Leukämiepatienten auch während und nach einer Behandlung. Insbesondere die Untersuchungen von Blut und Knochenmark müssen immer wieder erneut durchgeführt werden, um den Erfolg der Therapie zu überprüfen oder einen Krankheitsrückfall auszuschließen.