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Gebärmutterhalskrebszelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gebärmutterhalskrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Was haben humane Papillomviren mit einem Zervixkarzinom zu tun?

Heute gilt es als gesichert: Wichtigster Auslöser für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit sogenannten humanen Papillomviren (HPV, HP-Viren). Doch die Statistiken zeigen auch: Die Virusinfektion ist zwar sehr verbreitet. Aber längst nicht jede Frau mit einer anhaltenden HPV-Infektion entwickelt Krebs des Gebärmutterhalses, ein Zervixkarzinom. Woran liegt das? Wie kann man das persönliche Risiko beeinflussen, wie lässt sich vorbeugen?
Der folgende Text bietet einen Überblick über den Einfluss der Viren und nennt weitere mögliche Faktoren, die zur Krebsentstehung beitragen.

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Quellen und Links

Linktipps zu weiterführenden Informationen des Krebsinformationsdienstes sind direkt im Text genannt. Interessierte und Fachkreise finden Hinweise auf genutzte Quellen am Ende des Textes. Eine weitere Übersicht bietet auch der Text "Mehr wissen über Gebärmutterhalskrebs".

Humane Papillomviren: Was haben sie mit Gebärmutterhalskrebs zu tun?

Humane Papillomviren sind mikroskopisch kleine Partikel. Sie sind hauptsächlich aus Erbmaterial und einer schützenden Eiweißhülle aufgebaut und haben keinen eigenen Stoffwechsel. Um sich zu vermehren, benötigen sie einen lebenden Organismus, einen Wirt: Die Bezeichnung "human" bedeutet hier, dass diese Viren den Menschen befallen können. Nicht alle Untertypen dieser Viren sind gefährlich: Nur die als Hochrisiko-Typen bezeichneten Erreger werden mit Krebs in Verbindung gebracht, allen voran HPV 16 und HPV 18. Heute gilt es als gesichert, dass eine chronische Infektion mit diesen Hochrisiko-HPV-Typen an der Entstehung von Krebsvorstufen und Krebs des Gebärmutterhalses beteiligt ist.

Humane Papillomviren lassen sich in praktisch allen Zellproben aus Tumoren am Gebärmutterhals finden: In durchschnittlich 998 von 1.000 Gewebeproben invasiver Gebärmutterhalstumoren orteten Wissenschaftler in Studien Erbmaterial humaner Papillomviren.

Insgesamt sind diese Erreger sehr weit verbreitet: Je nach Studie kommen zwischen 50 und 80 von 100 Menschen im Lauf ihres Lebens damit in Kontakt. Trotzdem wirkt sich die Infektion nur bei einem geringen Prozentsatz der Betroffenen ernsthaft auf die Gesundheit aus. Bei den meisten schafft es das Immunsystem, mit den Krankheitserregern ohne Folgen fertig zu werden. Weniger als eine von hundert Frauen, die mit einem Hochrisiko-HPV-Typ infiziert sind, erkrankt in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterhalskrebs.
Damit die Zellen sich verändern, muss zunächst eine chronische Infektion mit Hochrisiko-Viren vorliegen. Fachleute sprechen von "persistierender Erkrankung". Das ist nur bei wenigen Frauen der Fall. Selbst dann dauert es im Durchschnitt mehr als 15 Jahre, bis es zur Bildung eines Zervixkarzinoms kommt. Und diese Gewebeveränderung geschieht zudem meist in mehreren Stufen. Darauf setzt die Krebsfrüherkennung: Die lange Zeitspanne ermöglicht es, dass Vorformen und frühe Stadien des Gebärmutterhalskrebses erkannt und mit entsprechend guten Heilungsaussichten behandelt werden können.

Kofaktoren und weitere Risiken: Was steigert das Risiko, Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln?

Wenn mindestens die Hälfte aller Menschen mit Papillomviren in Kontakt kommt, aber nur ein Bruchteil an Krebs erkrankt, bedeutet dies: Es muss weitere Faktoren geben, die das persönliche Risiko beeinflussen.
Aus Studien mit Patientinnen und aus Beobachtungen großer gesunder Bevölkerungsgruppen schließen Wissenschaftler derzeit auf eine Reihe von sogenannten Kofaktoren. Das sind Faktoren, die zusätzlich zu einer HPV-Infektion das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen. Viele dieser Untersuchungen wurden von Studiengruppen der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC durchgeführt und/oder koordiniert. Die IARC ist eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.iarc.fr).

  • Rauchen: Rauchen erhöht sowohl bei Frauen mit HPV-Infektion als auch bei Frauen ohne HPV-Infektion das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die krebserregenden Abbauprodukte von Tabakrauch lassen sich bei Raucherinnen vermehrt in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses nachweisen. Eine mögliche Folge: In Studien zeigte sich, dass HPV-Infektionen bei Raucherinnen länger bestehen bleiben als bei Nichtraucherinnen. Für ehemalige Raucherinnen bleibt das Risiko noch einige Jahre erhöht, sinkt dann aber wieder: Laut Studien gibt es zwischen Nicht-Raucherinnen und Ex-Raucherinnen etwa 20 Jahre nach dem Rauchstopp keinen Unterschied mehr im Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.
  • Weitere Infektionen im Genitalbereich mit anderen sexuell übertragbaren Erregern: Es gibt Hinweise darauf, dass Infektionen mit Herpes simplex oder Chlamydien ebenfalls zur Krebsentstehung beitragen könnten, wenn man bereits mit humanen Papillomviren infiziert ist. Möglicherweise ist eine langwierige Entzündung der Gebärmutterschleimhaut der auslösende Faktor.
  • Viele Schwangerschaften und Geburten: Mit jeder Schwangerschaft, die über die ersten fünf bis sechs Monate anhält beziehungsweise mit jeder Geburt, steigt das Risiko von Frauen mit einer HPV-Infektion weiter an. Frauen, die sieben und mehr ausgetragene Schwangerschaften hinter sich hatten und Trägerinnen der Hochrisikotypen waren, erkrankten großen Studien zufolge fast viermal so häufig an Gebärmutterhalskrebs wie Frauen, die keine Kinder geboren hatten. Die Autoren der Studien, im Auftrag der IARC tätig, konnten diesen Zusammenhang zwar anhand von Statistiken belegen. Aus den Ergebnissen konnten sie allerdings nicht sicher ableiten, was genau die Gründe für die Risikosteigerung sind. Möglich sind Gewebeveränderungen in der fortschreitenden Schwangerschaft. Denkbar ist aber auch, dass viele Schwangerschaften und Geburten nur ein Indiz für einen niedrigen Lebensstandard und armutsbedingte Risikofaktoren sind.
  • Hormonelle Verhütungsmittel ("Pille"): Verhütungsmittel mit Östrogen-Gestagen-Kombination, die länger als fünf oder mehr Jahre eingenommen werden, können das Risiko für Gebärmutterhalskrebs leicht erhöhen. Das gilt aber nur dann, wenn zusätzlich eine Infektion mit humanen Papillomviren der Hochrisiko-Gruppe vorliegt. Das Risiko scheint jedoch nach dem Absetzen der Pille wieder abzusinken. Der tatsächliche biologische Zusammenhang ist unklar.
  • Früher Beginn der sexuellen Aktivität und große Zahl von Sexualpartnern: Mädchen und junge Frauen, die kurz nach der ersten Regelblutung den ersten Geschlechtsverkehr haben, haben laut einiger größerer Studien ein erhöhtes Risiko für eine HPV-Infektion. Damit steigt das Risiko, eine Krebsvorstufe oder Krebs am Gebärmutterhals zu entwickeln. Ebenso erhöht die Zahl der Sexualpartner das Risiko für eine HPV-Infektion.
    Die entsprechenden Daten stammen aus den Untersuchungen, die der Einführung der HPV-Impfung vorausgingen. Ob sich dahinter tatsächlich biologische Ursachen oder andere Zusammenhänge verbergen, ist noch nicht abschließend geklärt.
  • Immunsuppression: Besonders gefährdet sind Frauen mit einem stark geschwächten Immunsystem. Ein Beispiel sind AIDS-Patientinnen. Auch Frauen, die nach einer Organtransplantation Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Ein geschwächtes Immunsystem kann eine HPV-Infektion vermutlich bei vielen Frauen nicht so erfolgreich zurückdrängen.

Genetische Faktoren spielen nach dem derzeitigen Erkenntnisstand bei Gebärmutterhalskrebs eine eher untergeordnete Rolle - von einer echten Vererbung eines hohen Risikos innerhalb einer Familie gehen Experten zurzeit nicht aus.
Es gibt jedoch auch Frauen, bei denen rein statistisch das Erkrankungsrisiko sinkt: Bei Endometriose-Patientinnen findet sich Gebärmutterschleimhaut nicht nur in der Gebärmutterhöhle, sondern auch zum Beispiel im Bauchraum. Sie haben anscheinend ein reduziertes Risiko, an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Darauf weisen die Ergebnisse von Beobachtungsstudien hin. Aber auch hier sind die tatsächlichen Ursachen noch nicht abschließend aufgeklärt.

Vorbeugung: Wie kann man das Risiko senken, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken?

Die Voraussetzung für ein Zervixkarzinom ist eine langanhaltende Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen. Als gesichert gilt daher heute: Man kann das Erkrankungsrisiko reduzieren, indem man diese Infektionen verhindert.

Seit einigen Jahren stehen Impfstoffe gegen HPV-Hochrisikotypen zur Verfügung. Wie viel Schutz bieten sie? Aus den bisherigen Untersuchungen weiß man, dass die Impfung vor Krebsvorstufen am Gebärmutterhals schützt. Da solche Vorstufen der Krebsentstehung vorausgehen, halten Fachleute auch eine Senkung der Gebärmutterhalskrebs-Rate auf lange Sicht für sehr wahrscheinlich. Allerdings schützt die Impfung nicht vor allen HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Und sie wird in Deutschland bisher vor allem jungen Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen. Ausführliche Informationen finden Interessierte in einem Text zur "HPV-Impfung".

Was tun, wenn eine Impfung nicht infrage kommt?

  • Je weniger Geschlechtspartner eine Frau (und auch ihr Partner) hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Papillomviren.
  • Kondome können das Ansteckungsrisiko reduzieren, auch wenn sie keinen vollständigen Schutz bieten. Außerdem scheinen sie dazu zu führen, dass bestehende Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals (oder bei Männern am Penis) schneller abheilen.

Wie sieht es mit anderen Verhütungsmitteln aus? Untersuchungen liegen zum Bespiel zu sogenannten Intrauterinpessaren vor (IUP), der "Spirale". Sie werden zur Verhütung einer Schwangerschaft direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Das Tragen eines IUP schützt zwar nicht vor der Ansteckung mit Papillomviren. Nach den zusammenfassenden Ergebnissen mehrerer Studien erkranken Frauen, die eine "Spirale" verwenden, trotzdem nur halb so oft an Gebärmutterhalskrebs wie Frauen, die keine Spirale verwenden. Woran es genau liegt, dass Frauen mit Spirale seltener erkranken, ist noch nicht bis ins Detail verstanden. Wissenschaftler vermuten, dass das Fremdmaterial des IUP die Immunabwehr in Gebärmutterhals und Gebärmutter anregt.

Regelmäßige Untersuchungen schützen

Auch eine rechtzeitige Behandlung von Krebsvorstufen reduziert das Risiko, später an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung lassen sich Veränderungen entdecken und gegebenenfalls entfernen, bevor sie zu Krebs werden. Ganz normalisiert sich das Risiko jedoch nicht, wenn früher im Leben bereits einmal eine Krebsvorstufe behandelt wurde. Neuere Studien deuten an, dass das Erkrankungsrisiko bei über 60jährigen noch einmal ansteigen könnte.

Keine Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung

Der Einfluss der Ernährung auf die virusbedingte Tumorentstehung ist momentan noch nicht eindeutig geklärt. Daher gibt es derzeit keine Empfehlungen für eine besondere Ernährungsform oder Diät, mit der man sich vor Gebärmutterhalskrebs schützen könnte. Auch Vitamine, Spurenelemente oder andere Nahrungsergänzungsmittel werden derzeit zur Krebsvorbeugung nicht empfohlen. Auch wenn viel Werbung für solche Produkte gemacht wird: Es steht weder fest, dass sie zur Krebsvorbeugung beitragen, noch ist klar, ob sie nicht im Gegenteil sogar schaden können.

Fragen zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs beantwortet der Krebsinformationsdienst auch am Telefon, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 – 420 30 40, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (Kontaktformular).

Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise: Linktipps und Publikationen (Auswahl)