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Dickdarmkrebsgewebe, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Darmkrebs: Früherkennung mit Stuhltest und Darmspiegelung

Wie kann man Tumore im Dickdarm oder Enddarm früh erkennen oder sogar verhindern?

Welche Möglichkeiten gibt es zur Früherkennung von Darmkrebs? Die wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Aber auch ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut gehört zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Wer hat Anspruch auf diese Untersuchungen? Wie zuverlässig sind sie? Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung? Hintergründe bietet der folgende Text. Er informiert außerdem darüber, welche neuen Entwicklungen bei der Darmkrebsfrüherkennung absehbar sind.
Die persönliche Entscheidung für oder gegen die "Darmkrebsvorsorge" lässt sich besser treffen, wenn man über die Vor- und Nachteile der Untersuchungen Bescheid weiß. Wie hoch das persönliche Risiko ist, an Darmkrebs zu erkranken, spielt ebenso eine Rolle. Daher lässt sich das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin durch Auskünfte aus dem Internet nicht ersetzen.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende des Textes aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs" bietet Hinweise auf allgemeine Fachliteratur sowie Linktipps zum Weiterlesen.

Früherkennung von Darmkrebs: Diese Angebote gibt es in Deutschland

Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie sind Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Die Kosten werden daher von den gesetzlichen wie auch von den privaten Krankenkassen übernommen. Solche Früherkennungsuntersuchungen für große Gruppen Gesunder bezeichnet man auch als "Screening".

Experten schätzen die Früherkennung als sinnvoll ein: Wenn Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Und: Bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Diese Untersuchung kann deshalb eine echte "Krebsvorsorge" sein und vor Krebs schützen.
Der Nutzen und auch die Risiken der verfügbaren Untersuchungen werden fortlaufend in Studien untersucht. Wissenschaftler prüfen aber auch, ob neuere Untersuchungsverfahren zur Früherkennung von Darmkrebs geeignet sind.

Darmkrebsfrüherkennung: Schema des aktuellen gesetzlichen Programms, siehe auch Begleittext © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Früherkennung von Darmkrebs: Das gehört zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Geplant sind Änderungen für Männer: In Zukunft sollen sie früher zur Darmspiegelung gehen können. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Welche Untersuchungen gehören dazu?

Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen: Mit einem sogenannten immunologischen Stuhltest werden auch kleinste Blutmengen nachgewiesen, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind.
Ab 55 kann man derzeit eine Darmspiegelung machen lassen: Der Darm wird dabei mit einem Endoskop von innen angeschaut. Man nennt die Untersuchung auch Koloskopie. Ist das Ergebnis unauffällig, reicht es, wenn man die Untersuchung nach frühestens zehn Jahren noch einmal in Anspruch nimmt. Hier sind allerdings Änderungen geplant: Studien haben gezeigt, dass es sinnvoll sein könnte, wenn Männer schon im Alter von 50 Jahren eine Darmspiegelung machen - ihr Risiko ist in diesem Alter bereits etwas höher als das von Frauen.

  • Wer die Koloskopie nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ablehnt, kann ab 55 alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.

Beim Abtasten des Enddarms können Ärzte unter Umständen Veränderungen im letzten Darmabschnitt bemerken. Diese Untersuchung ist nicht mehr Teil des gesetzlichen Programms zur Früherkennung von Darmkrebs - Tumoren können auch in Darmabschnitten entstehen, die sich nicht mehr ertasten lassen. Je nach Situation führen Ärzte die Untersuchung aber weiter durch, zum Beispiel bei der Untersuchung der Prostata bei Männern oder bei Frauen im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung.

Beschwerden? Vorerkrankungen? Krebs in der Familie?

Diese Regelungen zur Krebsfrüherkennung gelten für gesunde Menschen. Was tun, wenn man Beschwerden hat? Welche Empfehlungen gibt es für Menschen, in deren Familie bereits Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen aufgetreten sind? Was gilt für Menschen mit besonderen Risikofaktoren, etwa einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung?

  • Wer Beschwerden hat oder auffällige Veränderungen bemerkt, sollte nicht bis zum nächsten "Vorsorge"-Termin warten, sondern gleich zum Arzt gehen. Welche Warnzeichen sollte man ernst nehmen? Dazu gehören Blut im Stuhl, andauernde Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder wiederholte stärkere Bauchschmerzen. Diese Symptome können auch auf andere Darmerkrankungen hinweisen. Sie sollten dennoch vom Arzt untersucht werden.
  • Betroffene, bei denen es möglicherweise besondere Risiken für Darmkrebs gibt, sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob sie früher mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen beginnen und nicht erst mit 50 Jahren. Mehr dazu lesen Interessierte auch im Text "Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung".

Wohin gehen zur Beratung und Früherkennung?

Erste Ansprechpartner sind der Hausarzt oder die Hausärztin, bei Frauen auch der behandelnde Gynäkologe oder die Gynäkologin. Diese Ärzte informieren auch zu Nutzen und Risiken der Früherkennung. Wenn man sich dafür entscheidet, geben sie ein Stuhlproben-Entnahmeset für den Test auf verstecktes Blut mit nach Hause.

Zur Darmspiegelung müssen Haus- oder Frauenarzt dagegen überweisen: Die Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine besondere Weiterbildung und Qualifikation für diese Untersuchung nachgewiesen haben. Auch die Ausstattung und die Abläufe in der Praxis müssen entsprechend geregelt und zertifiziert sein.

Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten auf Wunsch einen kostenlosen Erinnerungsservice an, der auf den jeweils nächsten Früherkennungstermin aufmerksam macht.
Geplant ist auch hier eine Umstellung: In Zukunft sollen alle Menschen, die Anspruch auf die Früherkennung haben, angeschrieben werden. Ein ähnliches Verfahren gibt es schon bei der Brustkrebsfrüherkennung: Frauen werden ab dem Alter von 50 Jahren regelmäßig angeschrieben und zur Mammographie eingeladen, unter Beachtung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Recht auf Nichtwissen?

Die Darmkrebsfrüherkennung ist keine Pflicht: Niemand muss teilnehmen. Wer sich gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheidet, verliert deshalb nicht seinen Versicherungsschutz. Auch wenn man später an Darmkrebs erkrankt, wird man bei der Behandlung im Krankenhaus oder der Arztpraxis nicht benachteiligt. Über die Vor- und Nachteile der "Krebsvorsorge" Bescheid zu wissen hilft aber bei der Entscheidung, ob man teilnimmt oder nicht - Fachleute haben dafür den Begriff "informierte Entscheidung" geprägt.

Darmkrebs trotz Früherkennung?

Auch wenn die Früherkennungsuntersuchungen heute eine hohe Qualität haben - hundertprozentige Sicherheit bieten sie nicht. Rein statistisch lässt es sich nie ganz ausschließen, dass auch Menschen an Darmkrebs erkranken, die regelmäßig zur "Vorsorge" gegangen sind und sehr gesund gelebt haben.

Schnelltest auf Blut im Stuhl: Ab 50 Jahren

Zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland gehört ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl. Wer möchte, kann diese Untersuchung im Alter von 50 bis 54 jährlich durchführen lassen. Die gesetzlichen wie die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Ab 55 bezahlen die Krankenkassen den Test alle zwei Jahre, wenn man sich gegen eine Darmspiegelung entscheidet. Ansprechpartner sind normalerweise Hausärzte, bei Frauen auch Gynäkologen, bei Männern Urologen.

Worauf beruhen diese Tests? Tumore im Darm bluten häufig. Auch Darmpolypen - die Krebsvorstufen sein können - bluten manchmal. Das Blut wird dann oft mit dem Stuhl ausgeschieden. Meist ist die Menge aber so gering, dass man es mit bloßem Auge nicht erkennt. Dieses nicht sichtbare ("okkulte") Blut im Stuhl kann man mit sogenannten Stuhltests nachweisen.
Bis März 2017 waren Tests in Gebrauch, die das Blut mit einer biochemischen Methode nachweisen. Man bezeichnet sie als Guajak-Test oder "guajakbasierten fäkalen Okkultbluttest", abgekürzt gFOBT.

Seit dem 1. April 2017 können Versicherte neuere Stuhltestverfahren in Anspruch nehmen: Die sogenannten immunologischen Stuhltests weisen Blut im Stuhl mithilfe von Antikörpern nach. Diese binden spezifisch an den Blutfarbstoff Hämoglobin. Ein Vorteil dieser Tests: Sie weisen tatsächlich nur menschliches Blut nach und sind deshalb weniger störanfällig - zum Beispiel durch rohes oder nicht durchgebratenes rotes Fleisch, das man vorher gegessen hat.
Diese neuen Verfahren bezeichnet man fachsprachlich als "immunologische fäkale Okkultbluttests", abgekürzt iFOBT, manchmal auch als "fäkale immunchemische Tests", abgekürzt FIT.

Wie wird der Stuhltest durchgeführt?

Röhrchen für Stuhlprobe; Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Für den Test auf Blut im Stuhl sammelt man zu Hause eine Stuhlprobe. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Für den Test bekommt man ein Stuhlproben-Entnahmeset mit nach Hause. Frauen, die ihre Periodenblutung haben, sollten den Test erst mehrere Tage danach durchführen, wenn die Blutung sicher aufgehört hat. Mit dem Stuhlentnahmeset sammelt man eine Stuhlprobe, wie in der beigefügten Anleitung beschrieben. Möglichst bis zu nächsten Tag gibt man die Probe in der Arztpraxis ab. Zur Auswertung wird sie an ein Labor geschickt. Bis das Ergebnis vorliegt, können mehrere Tage vergehen. Eine Benachrichtigung von Arzt oder Ärztin erhält man normalerweise nur, falls etwas Auffälliges gefunden wird.

Wie geht es weiter, wenn das Ergebnis des Stuhltests positiv ist, wenn also Blut nachgewiesen wird?
Wenn Blutbeimengungen im Stuhl gefunden wurden, dann muss die Ursache durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Dazu gehört vor allem die Darmspiegelung, mehr dazu im Text "Darmkrebs: Was tun bei Krebsverdacht?". Bei der Entscheidung für oder gegen einen Stuhltest sollte man sich also auch überlegen, ob man bereit ist, bei einem auffälligen Ergebnis eine Darmspiegelung machen zu lassen.

Wie zuverlässig sind die gängigen Tests auf verstecktes Blut?

Der Nachweis von Blut im Stuhl muss nicht gleich Krebs bedeuten: Nur bei einem kleinen Teil derer, bei denen der Test angeschlagen hat, finden die Ärzte durch weitere Untersuchungen tatsächlich einen bösartigen Tumor. Bei den übrigen hat die Blutung andere Ursachen: zum Beispiel Polypen im Darm, Hämorrhoiden oder Darmentzündungen. Polypen können allerdings Vorstufen von Krebs sein: Werden sie entfernt, dann entsteht Krebs unter Umständen erst gar nicht.
Wichtig ist aber auch: Nicht jeder bösartige Tumor blutet. Das bedeutet: Auch wenn kein Blut im Stuhl gefunden wurde, kann eine Krebserkrankung vorliegen.

Tests, die für das gesetzliche Früherkennungsprogramm zugelassen werden, müssen bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen:

  • Sie dürfen nicht zu oft falschen Alarm schlagen und damit Betroffene unnötig belasten ("falsch positive" Ergebnisse).
  • Sie müssen aber dennoch mit einer gewissen Zuverlässigkeit Betroffene mit Darmkrebs oder fortgeschrittenen Krebsvorstufen erkennen.

Zugelassen werden nur solche Tests, deren Spezifität bei mindestens 90 Prozent liegt. Das bedeutet: Bei weniger als einer von zehn Personen, bei denen der Test anschlägt, darf ein falscher Alarm vorliegen. Die Empfindlichkeit muss dagegen bei mindestens 25 Prozent liegen. Das bedeutet: Bei mindestens 25 von 100 Betroffenen mit einem Darmtumor oder einer fortgeschrittenen Krebsvorstufe muss der Test anschlagen.

Was bringt der Stuhltest?

Hochwertige vergleichende Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben ergeben: Wird der Test regelmäßig wiederholt, dann sinkt auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu sterben. Diese Studien wurden zwar noch mit den älteren biochemischen Tests durchgeführt. Fachleute gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse auf die neueren immunologischen Tests übertragbar sind. Denn vergleichende Studien der beiden Testverfahren zeigen: Die immunologischen Stuhltests sind noch empfindlicher und genauer als die bisher genutzten Tests - sie zeigen Blut im Stuhl zuverlässiger an.

Fachleute haben anhand der bisher veröffentlichten Studien Modellrechnungen durchgeführt, die den Nutzen der Untersuchung darstellen. Sie unterscheiden dabei zwischen Frauen und Männern, da ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, unterschiedlich hoch ist. Die Schätzungen beziehen sich außerdem auf bestimmte Altersgruppen.

Für Frauen gilt:
Wenn 1.000 fünfzigjährige Frauen über zehn Jahre regelmäßig Stuhltests machen, dann haben 340 von ihnen irgendwann ein auffälliges Testergebnis. Sie werden zu einer Darmspiegelung eingeladen.
Bei 223 von ihnen ist das Ergebnis der Darmspiegelung unauffällig. Sie müssen erst zehn Jahre später wieder eine Früherkennungsuntersuchung durchführen.
Bei 114 Frauen finden die Ärzte dagegen Darmpolypen, von denen ein Teil als Krebsvorstufe gilt. Diese werden entfernt. Wann die nächste Untersuchung stattfinden sollte, hängt von der Menge und Beschaffenheit der Polypen ab. Drei der Frauen erhalten die Diagnose Darmkrebs und müssen behandelt werden, mehr dazu im Text "Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs". Bei zwei der 1.000 Frauen dagegen übersieht der Stuhltest bereits vorhandenen Krebs, dieser wird dann erst aufgrund von Beschwerden festgestellt.

  • Insgesamt schätzen Fachleute: Machen 1.000 Frauen regelmäßig über zehn Jahre Stuhltests, wird von ihnen innerhalb dieser Zeitspanne bis zu eine Frau weniger an Darmkrebs sterben.

Für Männer gilt:
Wenn 1.000 Fünfzigjährige zehn Jahre lang regelmäßig Stuhltests machen, dann werden 340 von ihnen aufgrund eines auffälligen Ergebnisses zur Darmspiegelung eingeladen. Bei 180 von diesen Männern finden die Ärzte bei der Koloskopie nichts Auffälliges. Sie müssen erst zehn Jahre später wieder eine Früherkennungsuntersuchung durchführen.
Bei 155 Männern werden Darmpolypen entdeckt und entfernt. Von Menge und Beschaffenheit und damit dem Risiko dieser Polypen hängt ab, wann sie die nächste Untersuchung machen lassen sollten. Fünf der Männer erhalten die Diagnose Darmkrebs und müssen behandelt werden. Bei zwei der Männer übersieht der Stuhltest Krebs, dieser wird dann erst später aufgrund von Beschwerden festgestellt.

  • Insgesamt schätzen die Experten, dass innerhalb von zehn Jahren bis zu ein Mann weniger an Darmkrebs stirbt, wenn 1.000 Männer regelmäßig Stuhltests machen.

Die hier genannten Zahlen stammen aus einem Abschlussbericht zur Entwicklung einer Entscheidungshilfe zum Darmkrebsscreening, den das Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) 2016 veröffentlicht hat.

Darmspiegelung ab 55: Zuverlässigste Methode zur Früherkennung

Derzeit haben alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem Alter von 55 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Die Spiegelung des Darms ist derzeit die zuverlässigste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung: Wartet man nicht so lange, bis bereits Beschwerden auftreten, werden rein statistisch Tumoren in einem früheren Stadium gefunden. Für die meisten Betroffenen bedeutet dies, dass die Heilungschancen höher sind. Ein weiterer Vorteil: Krebsvorstufen wie zum Beispiel eine bestimmte Form von Schleimhaut-Polypen - sogenannte Adenome - können entdeckt und gleich entfernt werden. So wird von vornherein verhindert, dass sie sich zu Krebs weiterentwickeln.

Untersuchung ambulant möglich

Darmspiegelung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Bei der Darmspiegelung wird der gesamte Dick- und Enddarm untersucht, bei der Sigmoidoskopie nur der letzte Teil. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Darmspiegelung kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. Die Untersuchung dürfen nur Mediziner durchführen, die eine entsprechende Weiterbildung und eine bestimmte Anzahl von regelmäßigen Koloskopien nachweisen können. Dies sind meist Fachärzte für innere Medizin mit einer Spezialisierung für Erkrankungen des Verdauungstraktes, sogenannte Gastroenterologen. Haus- oder Frauenarzt können eine Überweisung ausstellen.

Zur Vorbereitung muss man den Darm vollständig entleeren. Wie diese Darmreinigung durchgeführt wird und was man einige Tage vor der Untersuchung beim Essen beachten sollte, erfährt man vorab über eine schriftliche Aufklärung und das Gespräch mit dem durchführenden Arzt oder der Ärztin.
Bei der Darmspiegelung selbst untersuchen die Ärzte den gesamten Dick- und Enddarm mithilfe eines Endoskops. Das ist ein etwa fingerdicker, biegsamer Schlauch mit einer kleinen Kamera am Ende. Über einen Monitor können die Ärzte die Bilder aus dem Darminneren beurteilen. Wenn man möchte, kann man die Untersuchung auf diesem Monitor auch selbst mitverfolgen.

Finden sich verdächtige Gewebewucherungen, dann werden sie sofort entfernt. Dies geschieht mit kleinen Instrumenten, die sich ebenfalls durch den Schlauch einschieben lassen. Entnommene Proben werden im Labor auf Krebszellen oder andere Veränderungen untersucht.

Mit den heutigen Geräten, die mit weichen Schläuchen und winzigen Instrumenten arbeiten, ist die Untersuchung unangenehm, aber selten schmerzhaft. Wer trotzdem Angst vor der Darmspiegelung hat, kann mit seinem Arzt oder seiner Ärztin vorher darüber sprechen: Vor Beginn der Untersuchung bekommt man dann ein sehr kurz wirksames Narkosemittel und verschläft die Untersuchung weitgehend.

  • Wie ist der genaue Ablauf der Untersuchung? Was muss man bei der Vorbereitung beachten? Wie unangenehm oder schmerzhaft ist eine Koloskopie? Wie lange dauert es, bis die Befunde vorliegen? Diese und weitere Informationen finden Interessierte im Text "Darmspiegelung: Bilder aus dem Darm".

Wie geht es nach der Koloskopie weiter?

Finden die Ärzte bei der Untersuchung keine auffälligen Veränderungen, dann muss man die Darmspiegelung erst nach zehn Jahren wiederholen. Nach diesem Zeitraum wird sie auch von der Krankenversicherung zur Früherkennung ein weiteres Mal bezahlt. Warum reicht ein so langer zeitlicher Abstand aus? Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Gewebewucherungen - sogenannten Polypen - und wächst in der Regel sehr langsam.

Polypen als Krebsvorstufe

Darmpolyp © MediDesign Frank Geisler
Darmpolypen könnten Krebsvorstufen sein. Sie werden bei der Koloskopie meist gleich entfernt. © MediDesign Frank Geisler

Finden sich dagegen Polypen, die eine Krebsvorstufe sein könnten, dann werden sie in der Regel gleich während der Untersuchung entfernt. Einer Krebsentstehung ist damit zwar vorgebeugt. Trotzdem muss die Darmspiegelung zur Sicherheit in kürzeren Abständen wiederholt werden: meist nach drei bis fünf Jahren, eventuell auch früher. Abhängig ist der Zeitabstand davon, wie weit sich die Krebsvorstufen bereits entwickelt hatten und wie viele gefunden wurden.

Was ist, wenn Arzt oder Ärztin bei der Untersuchung bereits eine größere Geschwulst finden, die sich endoskopisch nicht gleich entfernen lässt? Sie entnehmen dann eine Gewebeprobe.

  • Das weitere Vorgehen hängt davon ab, welche Ergebnisse die Begutachtung dieser Probe unter dem Mikroskop ergibt. Gegebenenfalls kommen weitere Untersuchungen hinzu, mehr dazu im Text "Darmkrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht".

Wie zuverlässig ist die Darmspiegelung?

Der Nutzen und die Risiken der Darmspiegelung als Früherkennungsuntersuchung werden fortlaufend in Studien geprüft. Die Koloskopie ist derzeit die zuverlässigste Methode, um Darmkrebs und seine Vorstufen zu erkennen.
Selten kann es trotzdem vorkommen, dass bei der Untersuchung Krebsvorstufen oder Krebsherde übersehen werden - vor allem dann, wenn sie sehr klein oder flach sind. Fachleute schätzen, dass etwa fünf von 100 vorhandenen Tumoren übersehen werden.

Wichtig für ein möglichst zuverlässiges Ergebnis ist, dass man selbst die vorherige Darmreinigung sorgfältig durchführt und sich ganz genau an die Vorgaben dazu hält. Außerdem spielt die Erfahrung der untersuchenden Ärzte eine Rolle. Deshalb dürfen in Deutschland nur Mediziner mit einer besonderen Zulassung die Untersuchung durchführen.

Gibt es Risiken?

Die Risiken der Darmspiegelung sind gering: Nur wenige Menschen müssen während der Früherkennungsuntersuchung mit Komplikationen rechnen. Begleitende Studien zeigen, dass etwa ein bis zwei von 1.000 Frauen und zwei bis drei von 1.000 Männern betroffen sind.
Was bedeutet "Komplikationen"? Möglich sind kleine Blutungen im Darm - vor allem dann, wenn Krebsvorstufen entfernt werden. Solche Blutungen können meist noch während der Koloskopie gestillt werden und sind harmlos. Um das Risiko späterer Nachblutungen zu senken, sollte man sich nach der Entfernung von Polypen einige Tage körperlich nicht zu sehr anstrengen.

Zu schwereren Verletzungen, etwa dem Durchstoßen des Darms mit dem Untersuchungsgerät oder starken Blutungen bei der Entfernung von Polypen, kommt es noch seltener. Sehr selten sind auch Herz-Kreislauf-Probleme, die durch die Kurznarkose entstehen können.

Anders kann es bei Menschen aussehen, die unter Vorerkrankungen leiden oder schon einmal eine Bauchoperation hatten. Bei ihnen ist der Darm unter Umständen weniger beweglich und stärker mit dem umliegenden Gewebe verwachsen.

  • Wie hoch das persönliche Risiko für Verletzungen des Darms bei der Untersuchung dann ist, können nur die behandelnden Ärzte beurteilen - pauschale Aussagen dazu sind schwer möglich.

Wie beurteilen Fachleute Nutzen und Risiken?

Insgesamt sind die meisten Experten in Deutschland wie in anderen Ländern davon überzeugt, dass der Nutzen der Darmspiegelung mögliche Risiken überwiegt. Sie empfehlen daher diese Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs.
Trotzdem bleiben noch Fragen offen: Hochwertige Studien zur Frage, ob die Koloskopie langfristig die Darmkrebssterblichkeit und die Erkrankungsrate senken kann, sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt aber bereits zahlreiche Studien, die darauf hinweisen, und keine Daten, die gegen einen Nutzen sprechen.
Zur aktuellen Einschätzung tragen auch die bevölkerungsbezogenen Statistiken bei: Seit einigen Jahren sinkt in Deutschland sowohl die Zahl der Menschen, die an Darmkrebs erkranken, als auch die Zahl derer, die daran sterben. Fachleute gehen davon aus: Ein Grund dafür ist vermutlich, dass immer mehr Menschen zur Früherkennung gehen.

Experten schätzen anhand von Modellrechnungen:

Eine bis fünf von 1.000 Frauen, die mit 55 Jahren eine Darmspiegelung machen lassen, erkranken bis zum Alter von 65 Jahren nicht an Darmkrebs, weil bei ihr Krebsvorstufen entfernt werden konnten. Eine Frau wird so vor dem Tod durch Darmkrebs bewahrt.

Bei Männern sehen die Zahlen aufgrund der ursprünglichen Studienplanung etwas anders aus und berücksichtigen andere Altersgrenzen: Von 1.000 Männern, die mit 60 Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen, erkranken innerhalb der nächsten zehn Jahre drei bis dreizehn weniger an Darmkrebs, weil Vorstufen rechtzeitig entfernt werden konnten. Zwei bis vier werden vor dem Tod durch Darmkrebs bewahrt.

Warum fällt bei Männern der Nutzen höher aus? Ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist statistisch gesehen höher. Wie stark das Risiko sinkt, ist aber auch altersabhängig: Je älter man ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Darmkrebs zu erkranken. Umso höher ist aber auch der Nutzen der Früherkennungsuntersuchungen.

  • Bei Männern könnte es sogar sinnvoll sein, die Früherkennung per Darmspiegelung bereits mit 50 Jahren anzubieten: Ihr Risiko steigt früher an als das von Frauen, wie Studien zeigen. Entsprechende Änderungen des Früherkennungsprogramms sind in Deutschland bereits in Planung.

Die genannten Zahlen stammen aus einem Abschlussbericht zur Entwicklung einer Entscheidungshilfe zum Darmkrebsscreening, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) 2016 vorgelegt hat. Sie beziehen sich auf Menschen, die ausschließlich eine Darmspiegelung zur Früherkennung machen lassen, ohne dass sie vorher einen auffälligen Stuhltest oder andere Warnzeichen hatten.

Andere Tests auf Darmkrebs: Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Wer sich gegen eine Koloskopie entscheidet, kann stattdessen ab dem Alter von 55 Jahren im Abstand von zwei Jahren weiterhin einen Stuhltest machen, so die Bestimmungen des Früherkennungsprogramms. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein: Der Stuhltest ist weniger zuverlässig - und bei einem auffälligen Ergebnis ist eine Darmspiegelung fast unumgänglich.

Weitere Verfahren sind dagegen bis heute in Deutschland kein Teil der regulären "Krebsvorsorge" für Darmkrebs, sondern eher Forschungsthemen. Sie sollten nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden oder dann, wenn die regulären Verfahren nicht möglich sind. Einige neuere Angebote muss man sogar selbst bezahlen, als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).
Hier einige Beispiele:

Sigmoidoskopie: Die "kleine" Darmspiegelung

Bei der sogenannten Sigmoidoskopie werden nur der Enddarm und das letzte Stück des Dickdarms untersucht. Das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Darmspiegelung. Das Untersuchungsgerät wird aber weniger weit in den Darm vorgeschoben. Vergleichende Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben gezeigt, dass auch die Sigmoidoskopie die Darmkrebssterblichkeit und die Erkrankungsrate senken kann.

Ihre Vorteile: Die Vorbereitung und auch die Untersuchung selbst sind weniger aufwändig und das Risiko für Komplikationen ist geringer.
Ihr Nachteil: Große Teile des Dickdarms werden nicht untersucht. Tumoren und ihre Vorstufen, die sich eventuell dort befinden, können also nicht entdeckt werden.

Die Sigmoidoskopie gehört daher nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland und wird auch nur vergleichsweise selten durchgeführt. In der Fach-Leitlinie zum "kolorektalen Karzinom" wird die Untersuchung aber Personen empfohlen, die eine Darmspiegelung ablehnen. Zusätzlich empfiehlt die Leitlinie dann einen jährlichen Stuhltest.

Virtuelle Koloskopie und Kapselendoskopie: Schonende Verfahren?

Bei einer virtuellen Koloskopie wird kein Untersuchungsgerät in den Darm eingeführt. Stattdessen fertigen die Ärzte Aufnahmen des Darms mittels einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) an. Diese an sich "schonenderen" Verfahren haben allerdings auch Nachteile:
Bei der CT spielt vor allem die Strahlenbelastung eine Rolle. Experten gehen davon aus, dass dieses Risiko den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt - auch wenn die Untersuchung als vergleichsweise zuverlässig gilt.
Die MRT-Koloskopie dagegen befindet sich noch in der technischen Entwicklung. Sie ist derzeit noch nicht zuverlässig genug, um als Früherkennungsmethode eingesetzt zu werden.

Bei der Kapselendoskopie dagegen schluckt man eine kleine unverdauliche Kapsel. Diese ist mit Kameras an beiden Enden ausgerüstet und sendet in regelmäßigen Abständen Bilder aus dem Körperinneren. Jede Kapsel wird nur einmalig verwendet: Nach der Passage durch den gesamten Verdauungstrakt wird sie mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Der untersuchende Arzt kann die Bilder aus dem Darm begutachten. Auch die Kapselendoskopie ist zurzeit nicht ausreichend zuverlässig: Ein Teil der Tumoren und Krebsvorstufen bleibt unerkannt.

  • Hinzu kommt: Sowohl die virtuelle Koloskopie wie auch die Kapselendoskopie setzen dieselbe aufwändige Darmreinigung voraus wie eine normale Darmspiegelung. Entdeckt der Arzt bei der Untersuchung Krebsvorstufen oder Tumore, dann wird zusätzlich eine Darmspiegelung oder sogar eine offene Bauchoperation notwendig, um die Veränderungen zu entfernen.

Wegen ihrer Nachteile und Risiken empfehlen Fachleute die Verfahren derzeit nicht zur Darmkrebsfrüherkennung.
Die virtuelle Koloskopie können aber Menschen erhalten, bei denen eine Darmspiegelung als riskant und zu belastend angesehen wird oder bei denen durch Narbenbildung und Verengungen eine herkömmliche Darmspiegelung nicht durchführbar ist. Ist der Befund "negativ", wird also keine auffällige Veränderung gefunden, bleibt Betroffenen so die Koloskopie erspart.

Molekularbiologische Stuhl- und Bluttests: Noch nicht ausreichend untersucht

Noch Gegenstand der Forschung sind neuere Stuhltests, die Darmkrebs nicht biochemisch oder immunologisch, sondern mit molekularbiologischen Methoden nachweisen sollen. Sie setzen auf den Nachweis von "Krebsmarkern": Dazu zählen etwa Stücke von Erbmaterial (DNA) mit krebstypischen Veränderungen im Stuhl, oder Enzyme, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden.
Es gibt auch Tests, die nicht auf Stuhl-, sondern auf Blutproben setzen. Denn ein Tumor gibt Darmkrebs-typische Genabschnitte und andere Marker auch ins Blut ab. Diese kann man zwar mit Bluttests nachweisen, doch noch ist unklar, wie sicher und verlässlich diese Untersuchungen sind. Ob sie zur Früherkennung bei Gesunden geeignet sind, steht noch nicht fest.

Einige dieser Verfahren werden aber trotzdem bereits als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung beworben, abgekürzt IGeL. Das bedeutet: Man kann die Tests zwar durchführen lassen, muss sie aber selbst bezahlen. Das Risiko, dass die Verlässlichkeit solcher Tests noch nicht zweifelsfrei geklärt ist, trägt man ebenfalls selbst. Was man wissen sollte, bevor man solche Angebote wahrnimmt, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Angebote für Selbstzahler " zusammengestellt.

Ausblick: Anstehende Änderungen bei der Darmkrebsfrüherkennung

Im Jahr 2013 wurde in Deutschland das sogenannte Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) verabschiedet. Unter anderem legt es fest: Versicherte, die Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs haben, sollen in Zukunft persönlich eingeladen werden. Ein ähnliches Verfahren existiert in Deutschland schon seit Längerem für die Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung.

Die Details zur Umsetzung soll das zuständige Gremium noch festlegen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat dazu bereits eine Entscheidungshilfe entwickelt. Einzelne Krankenkassen und Forschungsinstitute führen außerdem schon seit einiger Zeit regionale Modellprojekte durch und laden gezielt zum Darmkrebsscreening ein. Diese Projekte dienen der Evaluation: Sie sollen zeigen, ob das Einladungsverfahren die Bereitschaft zur Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen steigert.

Eine weitere Änderung ist umfassender: Geplant ist, dass Männer in Zukunft im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms schon ab 50 Jahren eine Darmspiegelung machen lassen können. Der Grund: Im Durchschnitt erkranken Männer früher an Darmkrebs als Frauen.

  • Die Änderungen sollen möglicherweise noch im Jahr 2017 umgesetzt werden. Über aktuelle Entwicklungen informieren unter anderem die beteiligten Institutionen wie etwa die Krankenversicherungen, an der Früherkennung beteiligte Ärzte und Ärztinnen sowie die Medien.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen und Fachinformationen (Auswahl)