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Dickdarmkrebsgewebe, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Darmkrebs: Früherkennung mit Stuhltest und Darmspiegelung

Wie kann man Tumore im Darm früh erkennen oder sogar verhindern?

Welche Möglichkeiten gibt es zur Früherkennung von Darmkrebs? Die wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Aber auch ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut gehört zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Dieser Text erläutert, wer Anspruch auf solche Untersuchungen hat und wie sicher sie sind. Er informiert außerdem über mögliche Alternativen, zukünftige Entwicklungen des Angebots und neue Untersuchungsmethoden, die noch erprobt werden.
Die persönliche Entscheidung für oder gegen die "Darmkrebsvorsorge" lässt sich besser treffen, wenn man über die Vor- und Nachteile der Untersuchungen Bescheid weiß. Wichtig ist außerdem das Wissen um das eigene individuelle Risiko einer Darmkrebserkrankung. Daher lässt sich das persönliche Gespräch mit dem Arzt durch Auskünfte aus dem Internet nicht ersetzen.

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Zuletzt überprüft: 04.07.2016

Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende des Textes aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs" bietet Hinweise auf allgemeine Fachliteratur sowie Linktipps zum Weiterlesen.

Früherkennung von Darmkrebs: Diese Angebote gibt es in Deutschland

Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie sind Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Die Kosten werden daher von den gesetzlichen wie auch von den privaten Krankenkassen übernommen. Solche Früherkennungs- und Reihenuntersuchungen für große Gruppen Gesunder bezeichnet man auch als "Screening".

Experten schätzen die Früherkennung als sinnvoll ein: Wenn Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Und bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie entarten – daher kann diese Untersuchung sogar eine echte "Krebsvorsorge" sein, und nicht nur eine Möglichkeit zur frühen Entdeckung schon vorhandener Tumoren. Der Nutzen und auch die Risiken der verfügbaren Untersuchungen werden kontinuierlich in Studien geprüft, ebenso die Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung.

Welche Untersuchungen gehören dazu?

Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen: Mit dem sogenannten Papierstreifentest oder Stuhltest werden auch kleinste Blutmengen nachgewiesen, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Ab 55 empfehlen Experten die endoskopische Untersuchung des Darms, also eine Darmspiegelung oder sogenannte Koloskopie. Ist das Ergebnis unauffällig, kann man die Untersuchung nach frühestens zehn Jahren noch einmal in Anspruch nehmen. Wer die Koloskopie nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ablehnt, kann ab 55 alle zwei Jahre einen Stuhltest machen.
Die Austastung des Enddarms durch den Arzt ist zwar nicht mehr Teil des gesetzlichen Programms zur Früherkennung von Darmkrebs. Viele Ärzte führen sie aber weiter durch, zum Beispiel bei der Untersuchung der Prostata bei Männern oder bei Frauen im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung.

Die Regelungen zur Krebsfrüherkennung gelten für gesunde Menschen.

  • Wer Beschwerden hat, sollte nicht bis zum nächsten "Vorsorge"-Termin waren, sondern gleich zum Arzt gehen. Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte, sind beispielsweise Blut im Stuhl, andauernde Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder wiederholte stärkere Bauchschmerzen. Diese Symptome können auch auf andere Darmerkrankungen hinweisen, sollten aber vom Arzt untersucht werden.

Wohin gehen zur Beratung und Früherkennung?

Die Untersuchungen kann der Hausarzt veranlassen, bei Frauen auch der behandelnde Gynäkologe. Diese Ärzte sind auch die ersten Ansprechpartner für Informationen zu Nutzen und Risiken der Früherkennung. Wenn man sich dafür entscheidet, geben sie auch Stuhlbriefchen für den Test auf verstecktes Blut aus.
Zur Darmspiegelung müssen Haus- oder Frauenarzt dagegen überweisen: Die Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine besondere Weiterbildung und Qualifikation für diese Untersuchung nachgewiesen haben. Auch die Ausstattung und die Abläufe in der Praxis müssen entsprechend geregelt und zertifiziert sein.
Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten auf Wunsch einen kostenlosen Erinnerungsservice an, der auf den jeweils nächsten Früherkennungstermin aufmerksam macht.

Besonderes Risiko? Krebs in der Familie?

Welche Empfehlungen gibt es für Menschen, in deren Familie bereits Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen aufgetreten sind? Was gilt für Menschen mit besonderen Risikofaktoren, etwa einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung? Betroffene sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob sie früher mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen beginnen und nicht erst mit 50 Jahren. Mehr dazu lesen Interessierte auch im Text "Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung".

Recht auf Nichtwissen?

Die Darmkrebsfrüherkennung ist keine Pflicht: Niemand muss teilnehmen. Wer sich gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheidet, verliert deshalb weder seinen Versicherungsschutz, noch wird die Behandlung verweigert, falls später tatsächlich eine Krebserkrankung auftritt. Über die Vor- und Nachteile der "Krebsvorsorge" bescheid zu wissen ist aber wichtig, um entscheiden zu können, ob man sie durchführt oder ablehnt: Fachleute haben dafür den Begriff "informierte Entscheidung" geprägt.

Darmkrebs trotz Früherkennung?

Auch wenn die Früherkennungsuntersuchungen heute eine hohe Qualität haben - hundertprozentige Sicherheit bieten sie nicht. Rein statistisch lässt es sich nie ganz ausschließen, dass auch Menschen an Darmkrebs erkranken, die regelmäßig zur "Vorsorge" gegangen sind und sehr gesund gelebt haben.

Schnelltest auf Blut im Stuhl: Ab 50 Jahren

Zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland gehört ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl. Wer möchte, kann diese Untersuchung im Alter von 50 bis 55 jährlich durchführen lassen. Die gesetzlichen wie die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Ansprechpartner ist normalerweise der Hausarzt, bei Frauen auch der Gynäkologe.

Worauf beruhen diese Tests? Tumore im Darm bluten häufig, das Blut wird dann oft mit dem Stuhl ausgeschieden. Meist ist die Menge aber so gering, dass man dieses Blut mit bloßem Auge nicht erkennt. Die heute üblichen Verfahren weisen nicht sichtbares ("okkultes") Blut im Stuhl mit einer biochemischen Methode nach. Diesen Test bezeichnet man auch als Papierstreifen- oder Guajak-Test, unabhängig vom tatsächlichen Markennamen des verwendeten Testsets. Der Fachbegriff lautet "guajakbasierter fäkaler Okkultbluttest", abgekürzt gFOBT.

Für den Test gibt der Arzt drei Testbriefchen mit nach Hause. Auf diese bringt man an verschiedenen Tagen kleine Proben aus dem Stuhlgang auf, verschließt sie und schickt oder übergibt sie dem Arzt. Zur Auswertung wird im Labor eine Entwicklerlösung zugegeben, eine Blaufärbung zeigt Blut im Stuhl an. Es gibt einige Lebensmittel, die das Testergebnis verfälschen können. Worauf man ein bis drei Tage vor einem solchen Test besser verzichtet, sollte man mit dem Arzt besprechen. Frauen, die ihre Periodenblutung haben, sollten den Test erst mehrere Tage danach durchführen, wenn die Blutung sicher aufgehört hat.
Eine Benachrichtigung vom Arzt erhält man meist nur, falls etwas Auffälliges gefunden wird.

Wie zuverlässig sind die gängigen Tests auf verstecktes Blut?

Der Nachweis von Blut im Stuhl muss nicht gleich Krebs bedeuten: Bei weniger als einem von zehn Menschen, bei denen der Test angeschlagen hat, finden die Ärzte durch weitere Untersuchungen tatsächlich einen bösartigen Tumor. Bei den übrigen hat die Blutung andere Ursachen: zum Beispiel Polypen im Darm, Hämorrhoiden oder Darmentzündungen. Polypen können allerdings Vorstufen von Krebs sein: Ihre Entdeckung und Entfernung kann also unter Umständen die spätere Entstehung von Krebs verhindern.

Wichtig ist aber auch: Nicht jeder bösartige Tumor blutet. Das bedeutet: Auch bei einem negativen Testergebnis kann eine Krebserkrankung vorliegen.
Hochwertige vergleichende Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben jedoch ergeben: Wird der Test regelmäßig wiederholt, dann sinkt auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu sterben.

Wie geht es weiter, wenn das Ergebnis des Papierstreifentests positiv ist, wenn also Blut nachgewiesen wird? Wenn Blutbeimengungen im Stuhl gefunden wurden, dann muss die Ursache durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Dazu gehört vor allem die Darmspiegelung, mehr dazu im Text "Darmkrebs: Was tun bei Krebsverdacht?".

Sind neuere immunologische Stuhltests genauso sicher?

In den letzten Jahren sind mehrere Tests auf den Markt gekommen, die Blut im Stuhl mit einer anderen Methode nachweisen: Sie verwenden Antikörper, die spezifisch an den Blutfarbstoff Hämoglobin binden. Der Vorteil dabei: Sie weisen tatsächlich nur menschliches Blut nach und sind deshalb weniger störanfällig - zum Beispiel durch rohes oder nicht durchgebratenes rotes Fleisch, das man vorher gegessen hat.
Diese neuen Verfahren bezeichnet man fachsprachlich als "immunologische fäkale Okkultbluttests", abgekürzt iFOBT, manchmal auch als "fäkale immunchemische Tests", abgekürzt FIT.

Die immunologischen Tests sollen in Zukunft die bisherigen Tests im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ersetzen. Denn Studien zeigen, dass sie empfindlicher sind als die bisher genutzten Tests: Sie zeigen Blut im Stuhl zuverlässiger an.
Tests, die für das gesetzliche Früherkennungsprogramm zugelassen werden sollen, müssen allerdings noch weitere Qualitätsanforderungen erfüllen:

  • Sie dürfen nicht zu oft falschen Alarm schlagen und damit Betroffene unnötig belasten ("falsch positive" Ergebnisse).

In der aktuellen Leitlinie zum Darmkrebs empfehlen Fachleute nur solche Tests, deren Spezifität über 90 Prozent liegt. Das bedeutet: Bei weniger als einer von zehn Personen, bei denen der Test anschlägt, darf ein falscher Alarm vorliegen.
Diese Anforderungen erfüllen im Moment nicht alle immunologischen Tests, die angeboten werden.

Bisher werden die immunologischen Stuhltests deshalb auch nicht generell von den Krankenkassen bezahlt. Einige bieten iFOBT-Untersuchungen jedoch als Kulanzleistung an. Wer einen solchen Test in Anspruch nehmen möchte - auch auf eigene Kosten als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) - sollte sich von seinem Arzt über die Vor- und Nachteile informieren lassen.
Nicht mit den immunologischen Test zu verwechseln sind weitere neue Methoden zur Untersuchung von Stuhlproben. Sie befinden sich noch in der Entwicklung und ersetzen die "klassische" Früherkennung bisher nicht, mehr dazu im vorletzten Abschnitt.

Darmspiegelung: Zuverlässigste Methode zur Früherkennung

Ab 55 Jahren haben alle gesetzlich Krankenversicherten Anspruch auf eine Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Die Spiegelung des Darms ist derzeit die zuverlässigste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung: Wartet man nicht, bis bereits Beschwerden auftreten, kann ein Tumor in einem früheren Stadium gefunden werden – die Heilungschancen sind dann meist höher. Ein weiterer Vorteil: Krebsvorstufen, vor allem sogenannte Polypen oder Adenome, können entdeckt und gleich entfernt werden, bevor sie entarten.

Darmspiegelung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
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Bei der Darmspiegelung wird der gesamte Dick- und Enddarm untersucht, bei der Sigmoidoskopie nur der letzte Teil. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Darmspiegelung kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. Haus- oder Frauenarzt müssen dafür eine Überweisung ausstellen: Die Untersuchung dürfen nur Mediziner durchführen, die eine entsprechende Weiterbildung und eine bestimmte Anzahl von regelmäßigen Koloskopien nachweisen können. Dies sind meist Fachärzte für innere Medizin mit einer Spezialisierung für Erkrankungen des Verdauungstraktes, sogenannte Gastroenterologen.

Zur Vorbereitung muss man den Darm vollständig entleeren. Wie diese Darmreinigung durchgeführt wird und was Patienten einige Tage vor der Untersuchung beim Essen beachten sollten, erläutert der durchführende Arzt vorab.
Bei der Darmspiegelung selbst untersucht der Arzt den gesamten Dick- und Enddarm mithilfe eines Endoskops. Das ist ein etwa fingerdicker, biegsamer Schlauch mit einer kleinen Kamera am Ende. Über einen Monitor kann der Arzt die Bilder aus dem Darminneren beurteilen.

Finden sich verdächtige Gewebewucherungen, dann entfernt der Arzt sie mit kleinen Instrumenten, die ebenfalls durch den Schlauch eingeschoben werden. Mit den heutigen Geräten, die mit weichen Schläuchen und winzigen Instrumenten arbeiten, ist die Untersuchung unangenehm, aber selten schmerzhaft. Wer Angst vor der Darmspiegelung hat, kann mit seinem Arzt darüber sprechen: Vor Beginn der Untersuchung bekommt man dann ein Beruhigungsmittel und verschläft die Untersuchung weitgehend.

  • Wie ist der genaue Ablauf der Untersuchung? Was muss man bei der Vorbereitung beachten? Wie unangenehm oder schmerzhaft ist eine Koloskopie? Wie lange dauert es, bis die Befunde vorliegen? Diese und weitere Informationen finden Interessierte im Text "Darmspiegelung: Bilder aus dem Darm".

Wie geht es nach der Koloskopie weiter?

Findet der Arzt bei der Untersuchung keine auffälligen Veränderungen, dann muss man die Darmspiegelung erst nach zehn Jahren wiederholen. Nach diesem Zeitraum wird sie auch von der Krankenversicherung ein weiteres Mal bezahlt. Warum reicht ein so langer zeitlicher Abstand aus? Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Gewebewucherungen - sogenannten Polypen - und wächst in der Regel sehr langsam.

Darmpolyp © MediDesign Frank Geisler
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Darmpolypen könnten Krebsvorstufen sein. Sie werden bei der Koloskopie meist gleich entfernt. © MediDesign Frank Geisler

Finden sich dagegen Polypen, die eine Krebsvorstufe sein könnten, dann werden sie in der Regel gleich während der Untersuchung entfernt. Dann muss die Darmspiegelung zur Sicherheit in kürzeren Abständen wiederholt werden: meist nach drei bis fünf Jahren, eventuell auch früher. Abhängig ist der Zeitabstand davon, wie weit sich die Krebsvorstufen bereits entwickelt hatten und wie viele gefunden wurden.

Was ist, wenn der Arzt bei der Untersuchung bereits eine größere Geschwulst findet, die sich endoskopisch nicht gleich entfernen lässt? Er entnimmt dann eine Gewebeprobe, auch Biopsie genannt. Das weitere Vorgehen hängt davon ab, welche Ergebnisse die Begutachtung dieser Probe unter dem Mikroskop ergibt. Gegebenenfalls  kommen weitere Untersuchungen hinzu, mehr dazu im Text "Darmkrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht".

Wie zuverlässig ist die Darmspiegelung? Gibt es Risiken?

Der Nutzen und die Risiken der Darmspiegelung als Früherkennungsuntersuchung werden kontinuierlich in Studien geprüft. Die Koloskopie ist derzeit die zuverlässigste Methode, um Darmkrebs und seine Vorstufen zu erkennen.
Selten kann es trotzdem vorkommen, dass bei der Untersuchung Krebsvorstufen übersehen werden - vor allem dann, wenn sie sehr klein oder flach sind.
Wichtig für ein möglichst zuverlässiges Ergebnis ist, dass Betroffene die vorherige Darmreinigung sorgfältig durchführen. Außerdem spielt die Erfahrung des untersuchenden Arztes eine Rolle. Deshalb dürfen in Deutschland nur Mediziner mit einer besonderen Zulassung die Untersuchung durchführen.

Die Risiken der Darmspiegelung sind gering: Nur wenige Menschen müssen während der Früherkennungsuntersuchung mit Komplikationen rechnen. Begleitende Studien aus den Jahren 2003 bis 2008 zeigten, dass höchstens 27 von 10.000 Untersuchten davon betroffen waren. In neueren Untersuchungen liegt die Komplikationsrate sogar noch niedriger.
Möglich sind kleine Blutungen im Darm - vor allem dann, wenn Krebsvorstufen entfernt werden. Solche Blutungen können meist noch während der Koloskopie gestillt werden und sind harmlos. Zu schwereren Verletzungen, etwa dem Durchstechen des Darms mit dem Untersuchungsgerät oder starken Blutungen bei der Entfernung von Polypen, kommt es noch seltener. Sehr selten sind auch Herz-Kreislauf-Probleme, die durch die Kurznarkose entstehen können.

Anders kann es bei Menschen aussehen, die unter Vorerkrankungen leiden oder schon einmal eine Bauchoperation hatten. Dann kann der Darm weniger beweglich und stärker mit dem umliegenden Gewebe verwachsen sein.

  • Wie hoch das persönliche Risiko für Verletzungen des Darms bei der Untersuchung dann ist, können nur die behandelnden Ärzte beurteilen - pauschale Aussagen dazu sind schwer möglich.

Insgesamt sind die meisten Experten in Deutschland wie in anderen Ländern davon überzeugt, dass der Nutzen der Darmspiegelung mögliche Risiken überwiegt. Sie empfehlen daher diese Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Trotzdem bleiben noch Fragen offen: Hochwertige Studien zur Frage, ob die Koloskopie langfristig die Darmkrebssterblichkeit und die Erkrankungsrate senken kann, sind im Moment noch nicht abgeschlossen. Es gibt aber bereits mehrere kleine Studien, die darauf hinweisen.
Zudem sinkt in den letzten Jahren in Deutschland sowohl die Zahl der Menschen, die an Darmkrebs erkranken, als auch die Zahl derer, die an dieser Krebsart sterben. Fachleute gehen davon aus, dass ein Grund dafür die steigende Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen sein könnte.

Weitere Tests auf Darmkrebs: Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Wer sich gegen eine Koloskopie entscheidet, kann stattdessen ab dem Alter von 55 im Abstand von zwei Jahren weiterhin einen biochemischen Stuhltest machen, so die Bestimmungen des Früherkennungsprogramms. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein: Der Stuhltest ist weniger zuverlässig - und bei einem auffälligen Ergebnis ist eine Darmspiegelung fast unumgänglich.

Weitere Verfahren sind dagegen bis heute in Deutschland kein Teil der regulären "Krebsvorsorge" für Darmkrebs, sondern eher Forschungsthemen. Sie sollten nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden oder dann, wenn die regulären Verfahren nicht möglich sind. Einige neuere Angebote muss man sogar selbst bezahlen, als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).
Hier einige Beispiele:

Sigmoidoskopie: Die "kleine" Darmspiegelung

Bei der sogenannten Sigmoidoskopie werden nur der Enddarm und das letzte Stück des Dickdarms untersucht. Das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Darmspiegelung. Das Untersuchungsgerät wird aber weniger weit in den Darm vorgeschoben. Vergleichende Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben gezeigt, dass auch die Sigmoidoskopie die Darmkrebssterblichkeit und die Erkrankungsrate senken kann.
Ihre Vorteile: Die Vorbereitung und auch die Untersuchung selbst sind weniger aufwändig und das Risiko für Komplikationen ist geringer.
Ihr Nachteil: Große Teile des Dickdarms werden nicht untersucht. Tumoren und ihre Vorstufen, die sich eventuell dort befinden, können also nicht entdeckt werden.

Die Sigmoidoskopie gehört daher nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland und wird auch nur vergleichsweise selten durchgeführt. In der Fach-Leitlinie zum "kolorektalen Karzinom" wird die Untersuchung aber Personen empfohlen, die eine Darmspiegelung ablehnen. Zusätzlich empfiehlt die Leitlinie dann einen jährlichen Stuhltest.

Virtuelle Koloskopie und Kapselendoskopie: Schonende Verfahren?

Bei einer virtuellen Koloskopie wird kein Untersuchungsgerät in den Darm eingeführt. Stattdessen fertigen die Ärzte Aufnahmen des Darms mittels einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) an. Diese an sich "schonenderen" Verfahren haben allerdings auch Nachteile:
Bei der CT spielt vor allem die Strahlenbelastung eine Rolle. Experten gehen davon aus, dass dieses Risiko den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt - auch wenn die Untersuchung als vergleichsweise zuverlässig gilt.
Die MRT-Koloskopie dagegen befindet sich noch in der technischen Entwicklung. Sie ist derzeit noch nicht zuverlässig genug, um sie als Früherkennungsmethode einzusetzen.

Bei der Kapselendoskopie dagegen schluckt man eine kleine unverdauliche Kapsel. Diese ist mit Kameras an beiden Enden ausgerüstet und sendet in regelmäßigen Abständen Bilder aus dem Körperinneren. Jede Kapsel wird nur einmalig verwendet: Nach der Passage durch den gesamten Verdauungstrakt wird sie mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Der untersuchende Arzt kann die Bilder aus dem Darm begutachten. Auch die Kapselendoskopie ist zurzeit nicht ausreichend zuverlässig: Ein Teil der Tumoren und Krebsvorstufen bleibt unerkannt.
 
Hinzu kommt: Sowohl die virtuelle Koloskopie wie auch die Kapselendoskopie setzen dieselbe aufwändige Darmreinigung voraus wie eine normale Darmspiegelung. Entdeckt der Arzt bei der Untersuchung Krebsvorstufen oder Tumore, dann wird zusätzlich eine Darmspiegelung oder sogar eine offene Bauchoperation notwendig, um die Veränderungen zu entfernen.
Wegen ihrer Nachteile und Risiken empfehlen Fachleute die Verfahren derzeit nicht zur Darmkrebsfrüherkennung.
Die virtuelle Koloskopie kann aber eingesetzt werden, wenn eine Darmspiegelung als riskant und zu belastend angesehen wird oder wenn durch Narbenbildung und Verengungen eine herkömmliche Darmspiegelung nicht durchführbar ist. Ist der Befund "negativ", wird also keine auffällige Veränderung gefunden, bleibt Betroffenen so die Koloskopie erspart.

Moderne Stuhl- und Bluttests: Noch nicht ausreichend untersucht

Noch Gegenstand der Forschung sind neuere Stuhltests, die Darmkrebs nicht biochemisch oder immunologisch, sondern mit molekularbiologischen Methoden nachweisen sollen. Sie setzen auf den Nachweis von "Krebsmarkern": Dazu zählen etwa Stücke von Erbmaterial (DNA) mit krebstypischen Veränderungen oder Enzyme, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden.
Es gibt auch Tests, die nicht auf Stuhl-, sondern auf Blutproben setzen. Auch bei diesen Bluttests sollen Spuren von Darmkrebs-typischen Genabschnitten oder anderen Markern nachgewiesen werden, die ein Tumor ins Blut abgibt. Diese Tests befinden sich allerdings noch im Entwicklungsstadium. Ob sie zur Früherkennung geeignet sind, steht noch nicht fest.

Ein Teil dieser Verfahren wird aber trotzdem bereits als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung angeboten, abgekürzt IGeL. Dies bedeutet: Man kann die Tests - nach entsprechender Information über die Vorteile, Nachteile und Unsicherheiten – zwar durchführen lassen, muss sie aber selbst bezahlen. Was man wissen sollte, bevor man solche Angebote wahrnimmt, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Angebote für Selbstzahler " zusammengestellt.

Ausblick: Anstehende Änderungen bei der Darmkrebsfrüherkennung

Im Jahr 2013 wurde in Deutschland das sogenannte Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) verabschiedet. Unter anderem legt es fest: Versicherte, die Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs haben, sollen in Zukunft persönlich eingeladen werden. Ein ähnliches Verfahren existiert in Deutschland schon seit Längerem für die Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung.

Die Details zur Umsetzung soll das zuständige Gremium bis 2016 festlegen. Einzelne Krankenkassen und Forschungsinstitute führen aber bereits jetzt regionale Modellprojekte durch und laden zum Darmkrebsscreening ein. Diese Projekte dienen der Evaluation: Sie sollen zeigen, ob das Einladungsverfahren die Bereitschaft zur Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen steigert.
Spätestens ab April 2017 sollen die neueren immunologischen Stuhltestverfahren zum Standard bei der Darmkrebsfrüherkennung werden. Das gab der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss im Frühjahr 2016 bekannt (www.g-ba.de). Sie lösen dann den bisherigen biochemischen Stuhltest ab.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen und Fachinformationen (Auswahl, Stand 7/2016)